Anfragen an Kandidaten

Mal so zur Ansicht, mit welchen Fragen man teilweise als Wahlkreiskandidat konfrontiert wird und wie ich im aktuellen Fall geantwortet habe. Die Vorgabe war natürlich, sich kurz zu halten. Schwierig bei solchen Anfragen, zu denen ich spontan ganze Seiten schreiben könnte.

Eine Anfrage der Liebenzeller Gemeinde aus Stutensee:

1. Auf welche Bereiche des öffentlichen Lebens sollte der Staat kein Zugriffsrecht haben?

Da „der Staat“ wir alle sind, kann es tatsächlich keinen Bereich geben, auf den er keinen Zugriff hätte. Ich verstehe Ihren Staatsbegriff hier als Gegenpol zur „Gesellschaft“, also der Summe der Individuen in einem Land.

Der Staat sollte so viel Freiheit wie möglich gewährleisten, aber seine Verantwortung für das Gemeinswohl und damit jeden Einzelnen nicht vergessen. Das heißt vor allem, sich auch für die Schwachen und Benachteiligten und Minderheiten einzusetzen und dafür zu sorgen, dass diese ein menschenwürdiges Leben führen können.

2.Was werden Sie tun ,um die Glaubensfreiheit als Menschenrecht weltweit zu stärken?

Ich setze mich für die Glaubensfreiheit aller Menschen ein, egal, welcher Religion oder welchem Glauben sie angehören. Dazu gehört auch das Recht, nicht an irgend etwas oder irgendwen zu glauben. Dieses Recht werde ich immer verteidigen. Niemand darf aufgrund seines Glaubens diskriminiert werden und missionarische Tätigkeiten lehne ich rundweg ab und würde ich verbieten. Ich werde mich außerdem dafür einsetzen, dass die Religionsmündigkeit ab 14 stärker im Bewusstsein verankert wird und werde mich dafür einsetzen, dass Kinder bis dahin religions- und glaubensneutral erzogen werden können, damit sie ihren eigenen Weg finden können.

3.Was werden Sie tun, um mehr Vertrauen und Wahrhaftigkeit in der Politik zu schaffen?

Ich werde weiterhin dafür Sorge tragen, dass ich soviel wie möglich Lebensrealtität einer breiten Bevölkerungsschicht wahrnehmen kann.

4.Wie möchten Sie menschliches Leben vor der Geburt und am Lebensende dauerhaft schützen?

Menschliches Leben vor der Geburt kann nur geschützt werden, wenn es genügend sinnvolle Alternativen zu einer Abtreibung gibt und eine wertneutrale und nicht besserwisseriche Beratung gibt. Für mich persönlich lehne ich die Abtreibung ab – ich habe 5 Söhne – kann aber verstehen, dass es Menschen gibt, die keinen anderen Ausweg mehr finden – und könnte auch nicht für meine Frau sprechen. Aber als Vater wäre ich immer bereit, die Kinder auch alleine zu erziehen. Daher finde ich die Straffreiheit für Abtreibung mit den definierten Indikationen einen Weg, der einen fairen Ausgleich schafft im Ausgleich zwischen der Not und dem gesellschaftlichen Interesse. Im Lebensalter gehört meines Erachtens eine sinnstiftende Zeit dazu, das Interesse am Leben zu erhalten. Verwahranstalten, wie manche Alten- und Pflegeheime gestaltet sind, müssen aufgewertet werden. Es müssen attraktivere Arbeitsplatze in diesem Bereich geschaffen werden, damit älteren und alten Menschen gerecht werden kann. Menschen, die aufgrund ihrer schweren Krankeiten oder aus anderen Gründen am Leben ermüden, möchte ich ähnlich wie bei Schwangerschaftsabbrüchen eine adäquate Beratung an die Hand geben. Die individuelle Entscheidung wage ich jedoch nicht zu beurteilen und die Freiheit dazu würde ich nicht einschränken.

5.Was werden Sie unternehmen , um die Rechte und die soziale Sicherung von klassischen Ehen und Familien als Grundpfeiler einer stabilen Gesellschaft zu erhalten und zu stärken?

Nichts. Ich finde, alle Formen des Zusammenlebens sollten gestärkt und gleich gefördert werden, denn es geht niemanden etwas an, wie der Einzelne lebt, solange niemand zu Schaden kommt. Die Stabilität der Gesellschaft hängt wesentlich davon ab, dass individuelle Lebensentscheidungen jedes Einzelnen geachtet werden. Familie ist da, wo Kinder sind – egal, in welcher Form diese zusammenleben. Die Kinder sollen in erster Linie gefördert werden.
Es kann nicht sein, dass jemand, der nicht in der klassischen Familie leben möchte oder kann, deshalb diskriminiert wird. Gerade die aktuellen Forschungsergebnisse, die zeigen, dass Kinder, die mit einem homosexuellen Paar zusammen leben, genauso, wenn nicht sogar besser gefördert werden, bestärken mich darin. Toleranz und Freiheit halten diese Gesellschaft zusammen, Engstirnigkeit und Intoleranz sind die Totengräber der Demokratie.

Wir werden Ihre Stellungnahmen ungefiltert in unserer Gemeinde weitergeben.

Das hoffe und wünsche ich. Schicken Sie mir bitte einen Link?

Mit freundlichen Grüßen

Jörg Rupp


Jörg Rupp
Albert-Schweitzer-Str. 17
76316 Malsch
www.joergrupp.de
www.schulpakete.de

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5 Gedanken zu „Anfragen an Kandidaten

  1. TheK

    Bei den Fragen ist das wohl nicht ganz, was die Leute hören wollten 😉

    Für Nr 5 hätte ich glaub‘ ich geantwortet „dieses bescheuerte Vorurteil, dass nur klassische Familien gute Familien sind, bekämpfen“.

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  2. Felix Neumann

    Die erste Frage finde ich etwas unverständlich: Sobald etwas öffentlich ist, können Konflikte entstehen, die dann eben nur politisch gelöst werden können, und schon vorher regelt der Staat ja gerade, wie Öffentlichkeit organisiert wird, wie Freiheitsrechte in der Öffentlichkeit gegeneinander abgewogen werden müssen.

    Die Antwort finde ich aber auch schwierig, da dort zunächst das »öffentlich« unterschlagen wird: »Da “der Staat” wir alle sind, kann es tatsächlich keinen Bereich geben, auf den er keinen Zugriff hätte.« Natürlich kann ein Staat Zugriff auf alles haben – aber das ist ja gerade kein freiheitliches System, das ist die Lehrbuchdefinition eines totalitären Systems; der Staat muß durch das Recht, durch Gewaltenteilung, durch absolute Schranken, durch Öffentlichkeit und Transparenz davon abgehalten werden, auf alles Zugriff ausüben zu können. (»Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut«, wußte Lord Acton schon vor über 100 Jahren.) Und selbst, wenn er es kann, heißt das noch lange nicht, daß er es soll – und es war ja nach dem Sollen gefragt.

    Das Eingriffsrecht des Staates endet bei der Menschenwürde, endet beim Kernbereich der privaten Lebensführung – und das dann auch in der Öffentlichkeit.

    Ich hatte eigentlich den Eindruck, daß die Grünen dafür stehen; zumindest versuchen sie sich ja gerade als Bürgerrechtspartei zu positionieren.

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    1. joerg

      Ist etwas kurz geraten, das stimmt schon. Mir ging es um den Spagat zwischen „nicht wegschauen“ und „geht niemand was an“. Korrekt ist genau das, dass das Eingriffsrecht bei der Menschenwürde endet, besser noch, der Staat sie zu gewähren hat und nicht zu unterminieren, wie das durch die Hartz IV-Gesetzgebung – Stichwort: Sanktionen – geschieht. Man kann bei solchen Antworten leider nicht die Romane schreiben, die das Thema manchmal erfordertenn – ein bißchen, denke ich, kann aber schon erwarten, dass der Gedamtzusammenhang mit in Betracht gezogen wird.

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  3. Manfred

    Ich möchte in eine ähnliche Kerbe wie Felix hauen: Wenn der Staat Einfluss auf alles nehmen kann und ggf. sollte (im Sinne einer abgewogenen Lösung), warum sollte er dann bei der gesellschaftlichen öffentlichen Not von Leuten, die eine Abtreibung in Erwägung ziehen, wegschauen (sollen)?? Abtreibung ist keine individuelle Entscheidung, weil sie ausschließlich durch gesellschaftliche Not begründet wird. DORT müssen die Lösungen gesucht (und sicher auch gefunden) werden – nicht durch und in der Abtreibung!

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