Bist du ein Vorhautgegner?

Eine Debatte rollt durchs Land und diese hat sich an einem Urteil des Kölner Landgerichts entzündet, das in einem konkreten Fall die Beschneidung eines 4-jährigen muslimischen Jungen für rechtswidrig erklärt hat. Dass überhaupt eine solche Debatte entstehen konnte, liegt vor allem auch daran, dass zum ersten Mal überhaupt in Deutschland über die Beschneidung von Kindern entschieden wurde.

Wie Thomas Stadler in seinem juristischen Blog einsichtlich darlegt, handelt es sich bei der Beurteilung der Frage, ob Beschneidung von Säuglingen oder kleinen Jungs erlaubt sein sollte, um die Einschätzung, welches der Rechte, nämlich

die Religionsfreiheit (der Eltern) auf der einen und das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und die Wahrung des Kindeswohls auf der anderen Seite

einander nachgeordnet sein sollen. Welches Recht ist höher zu werten?

Meines Erachtens ist das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit aus vielerlei Gründen höher zu werten. Ich möchte aber einen Aspekt nochmals herausgreifen:

Von Risiken einmal ganz abgesehen finde ich es unglaublich, dass allen Ernstes behauptet wird, es handele sich eh nur um „ein Stückchen Haut“, wiewohl die Vorhaut durchaus Funktionen hat. Aber mit der Vorhaut rückt auch die männliche Sexualität in das Blickfeld und manch eine_r müsste da das Bild des unsensiblen Mannes, der eh nur „rein-raus“ möchte, revidieren (was nie für den eigenen Mann gilt, sofern es einen gibt, der ist ja immer anders, aber alle anderen…). Das geschieht, wenn überhaupt, nur sehr unwillig. Und die Vorstellung, dass die Vorhaut, die da so einfach als unnützes Überbleibsel einfach so weg kann

Aus meiner Sicht wird die Vorhaut nicht gebraucht und sollte gleich nach der Geburt entfernt werden.

scheint angenehmer zu sein, als sich vorzustellen, dass es sich hierbei um eine erogene Zone handelt, und insofern der Vergleich unter dem Aspekt „erogene Zone“ mit der Klitorisbeschneidung also so weit hergeholt nicht ist – wenn sie auch in den Auswirkungen eine völlig andere Dimension hat. Und wenn man darüber hinaus weiß, dass man sich erhoffte, beschnittene Jungen würden weniger masturbieren, dann steht man erneut vor der Vorstellung einer wie auch immer gearteten „schmutzigen“ Art der männlichen Sexualität. Das hängt natürlich damit zusammen, wie Sexualität heute transportiert wird, um das vorhandene patriarchale Bild des Mannes, der Frauen zu Sex zwingt, sich Sex kauft, onanierend vor Playboyfotos oder dem Spätporno auf RTL 2 sitzt uns so wieter – ein Korb voller Klischees, über deren Realität man sich am besten keine Gedanken macht.

EIne ähnlich absurde Abwägung gibt es übrigens bei den Zeugen Jehovas (und auch  bei Sinti und Roma), wo Bluttransfusionen aus religiösen Gründen untersagt sind. Im Handlungsleitfaden für die DRK-Kliniken in Berlin findet sich dabei folgender Satz(PDF) in Bezug auf die Einwilligung zu einer Nichtbehandlung:

Fehlt einem Kind die Einwilligungsfähigkeit, entscheiden die Sorgeberechtigten. An diese Entscheidung ist der Arzt allerdings nur gebunden, wenn sie nicht zu einer Gefährdung des Kindeswohls führt. Von einer Gefährdung des Kindeswohls ist aber auszugehen, wenn die Sorgeberechtigten die Zustimmung zu einer medizinisch notwendigen Bluttransfusion verweigern.

Hier wird offenbar im Sinne des Kindeswohls ganz selbstverständlich der Wille der Eltern übergangen.

In der Debatte muss man aber, bei aller Entrüstung, die sich auch in mir breit macht, Fingerspitzengefühl wahren. Ich halte wenig davon, nun mit der Brechstange vorzugehen. Wir können nicht so tun, als hätte es die stillschweigende Akzeptanz der Jungenbeschneidung aus religiösen Gründen nicht gegeben. Ich weiß allenfalls von ein paar Männerrechtlern, leider nur die von der „ganz rechts außen“ – Seite, die das hin und wieder debattiert haben. Und wir können nicht so tun, als wäre dieser Staat ein laizistischer Staat. Das ist er nicht, die Religionen haben große  Macht, von Kirchensteuereintreibung durch den Staat bis hin zur Rolle Tendenzbetriebe für die Kirchen im Arbeitsrecht. Wir müssen darauf achten, dass aus der Auseinandersetzung mit den Glaubensgemeinschaften kein Religionshetze wird – denn betroffen sind vor allem zwei Religionen, für die wir im Umgang mit ihnen auf den Kontext achten müssen. Dem Judentum gegenüber sind aufgrund unserer historischen Rolle nach wie vor zu einer rücksichtsvollen Kritik gezwungen. Schon jetzt taucht in der Debatte die Wahrnehmung auf, man wolle ihnen vorschreiben, wie sie zu leben haben. Und auch im Umgang mit dem Islam bedarf es einer umsichtigen Argumentation. Denn es droht natürlich auch die Gefahr, dass sich die Rechtsaußen der Republik dieser Debatte bemächtigen und so Vorbehalte gegen Menschen schüren, die diesen beiden Religionen angehören.

Meine Idee ist deshalb, die Beschneidungen zwar zu verbieten, sie aber übergangsweise straffrei zu stellen – und gleichzeitig eine gesellschaftliche Debatte darüber zu beginnen. Das kann mit einem runden Tisch im Bundestag beginnen, an dem aber nicht nur die Religionsgemeinschaften sitzen dürfen, sondern auch Vereine wie der „Mogis e. V.“, Männerinitiativen, Ärzte, Jugendamt, Verfassungsrechtler. Ein breit gefächertes Meinungsbild soll dabei entstehen, bei dem es auch keine Tabus geben darf. Ich würde mir wünschen, wenn am Ende das Ritual erhalten bliebe – aber in einer unblutigen, alternativen Zeremonie (die es heute schon gibt, es ist ja nicht so, als würden Juden und Muslime in der restlichen Welt über dieses Ritual debattieren!) und ein Junge mit der Religionsmündigkeit selbst über seinen Penis entscheiden darf. Ohne eine ausführliche Diskussion, an der die Öffentlichkeit teilhaben können muss, besteht die Gefahr, dass die Brechstange des Urteils dazu führt, dass Beschneidungen illegal durchgeführt werden oder ein Beschneidungstourismus entsteht – und andererseits die Debatte darüber weiterhin von schrillen Tönen begleitet wird – was nicht angemessen ist. Ohne eine solche Debatte ist eine Ablehnung des Kölner Urteils, wie es jetzt durch die Bank weg (mit Ausnahme der Linken und einiger Grüner) von den Fraktionen im Deutschen Bundestag wohl vorgenommen wird, nicht nur unverständlich, sondern auch völlig kontraproduktiv. Ein solches Thema braucht einen angemessenen Umgang – in dem wir alle etwas nicht nur über Religion und unseren Umgang mit ihr, sondern auch über unsere Moralvorstellungen und sogar männliche Sexualität lernen können.

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33 Gedanken zu „Bist du ein Vorhautgegner?

  1. puz_le

    Wie wär’s mit einer Beratungspflicht?

    Wenn Eltern wissen, was sie ihren Kindern damit antäten, und welche Komplikationen auftreten könnten, wäre wahrscheinlich schon viel gewonnen.

    Jews and Muslims love their children too…

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    1. Enrico Holz

      Wie soll so eine Beratung eines Säuglings aussehen? Es geht ja um die Beschneidung der Kinder nicht der Väter?

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        1. Enrico Holz

          Das hatte ich mir wohl gedacht. Doch, es kann ja nur eine Beratung gegenüber dem jennigen selbst geben, der auch von der Körperverletzung betroffen ist. Das ist nunmal das Kind! Wenn eine Frau zur Schwangerschaftsabruchsberatung geht, muss die betroffene Frau beraten werden und nicht der dazugehörige Mann oder wohlmöglich die Eltern der Frau. Sorgerecht hin oder her. Es geht allein um das Kind und nicht um vermeintliche Relegionsfreiheiten der Eltern oder anderer Personen. Das ganze hat zu warten bis die betroffene Person selber entscheiden kann.

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  2. Christian Bahls

    Hallo Jörg,

    ich danke Dir für Deinen wichtigen Artikel (auch besonders wegen der Männerbilder) auch finde ich es wichtig, wenn wir der Debatte nicht zu sehr vorweggreifen.

    Dafür danke ich Dir 🙂

    Achso, bevor ich gehe, darf ich noch ein wenig Werbung für die Petition machen?

    ———–
    Ich habe die Petition – Leutheusser-Schnarrenberger @sls_bmj: Schützen Sie die körperliche Unversehrtheit von Kindern vor #Beschneidung – unterschrieben, weil mir dieses Thema wirklich wichtig ist.

    Das Ziel ist es möglichst viele Unterstützungs- Unterschriften zu sammeln, um die Politik endlich zum Umdenken zu bringen und dabei brauche ich Eure Hilfe.

    Um mehr über die Hintergründe und die Forderungen der Petition zu erfahren und um sie zu unterschreiben, klickt bitte hier:

    http://change.org/beschneidungsmoratorium

    Es dauert nur eine Minute.

    Bitte gebt diese Nachricht auch an alle Eure Freunde und Bekannte weiter!

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  3. Christian Bahls

    Hallo Jörg,

    ich danke Dir für Deinen wichtigen Artikel (auch besonders wegen der Männerbilder) auch finde ich es wichtig, wenn wir der Debatte nicht zu sehr vorweggreifen.

    Dafür danke ich Dir 🙂

    Achso, bevor ich gehe, darf ich noch ein wenig Werbung für die folgende Petition machen?

    ———–
    Ich habe die Petition – Leutheusser-Schnarrenberger @sls_bmj: Schützen Sie die körperliche Unversehrtheit von Kindern vor #Beschneidung – unterschrieben, weil mir dieses Thema wirklich wichtig ist.

    Das Ziel ist es möglichst viele Unterstützungs- Unterschriften zu sammeln, um die Politik endlich zum Umdenken zu bringen und dabei brauche ich Eure Hilfe.

    Um mehr über die Hintergründe und die Forderungen der Petition zu erfahren und um sie zu unterschreiben, klickt bitte hier:

    http://change.org/beschneidungsmoratorium

    Es dauert nur eine Minute.

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  4. Jörg Lüdemann

    Hallo Jörg,

    ich finde den Vorschlag einer Übergangslösung, in der eine Straftat nicht gehandet wird, bedenklich. Denn de facto bedeutet dies, dass Kinder auch noch bis auf weiteres verletzt werden dürfen. Im Sinne der Kinder, die dadurch noch nicht geschützt werden, ist das dann nicht.

    Natürlich mag es für traditionelle Muslime und Juden hart sein, von heute auf morgen ein übliches und für sie bedeutendes Ritual aufzugeben. Allerdings gilt es klarzustellen, dass es sich nicht um ein neues Gesetz handelt, sondern lediglich um eine (m.E. längst überfällige) Rechtsprechung. Gerade die Verbände, die das Urteil so vehemment kritisieren, sollten von der juristischen Fragwürdigkeit der Beschneidung und den Debatten, die bereits seit Jahren in juristischen und medizinischen Fachkreisen geführt werden, Kenntnis gehabt haben und haben es versäumt, die Gläubigen aus eigenen Reihen zu informieren und auf Auswege hinzuarbeiten.

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Ich sehe das durchaus auch so – aber da schlägt jetzt einfach der Sozialpädagoge bei mir durch 🙂 – und die bisherigen Reaktionen darauf belegen ja meine Annahme, dass es dann halt irgendwie anders gemacht werden wird – und eine gesellschaftlich anerkannte Lösung auf lange Zeit verunmöglicht wird. Ich gehe davon aus, dass eine gesellschaftliche Debatte, die mit Öffentlichkeit begleitet wird, auch in den Religionsgemeinschaften zum Nachdenken führt. Es ist ein Zielkonflikt. Und mein Denkprozess ist auch noch nicht abgeschlossen.

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  5. Peter Alberts

    Den Vergleich mit den Bluttransfusionen halte ich für unpassend, da dabei das Leben des Kindes bedroht ist. Das ist bei der Beschneidung nicht der Fall. Deswegen kann (und muss aus meiner Sicht) eine Abwägung der Recht in dem einem Fall zu einem völlig andere Ergebnis führen als bei dem anderen.

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Die Risiken infolge der Beschneidung sind hoch, es gibt ebenfalls immer wieder Todesfälle oder Verstümmelungen. Und ich finde, betrachtet man lediglich die Frage, was stärker zu gewichten ist – Elternwille oder Kindeswohl – ist ein Vergleich möglich. Wenn man die ganze Sache vom Kind her denkt, gibt es keinerlei Rechtfertigung für dieses Ritual. Nichtsdestotrotz: die große Keule hilft vermutlich nicht weiter.

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  6. Peter Alberts

    Jörg, bitte, das ist doch Unsinn! Eine unterbliebene, aber notwendige Bluttransfusion ist IMMER mit akuter Lebensgefahr verbunden. Davon kann doch bei der Beschneidung keine Rede sein.

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      1. Philipp Matern

        Diese Leitlinien beziehen sich aber nur auf die Notfallsituation, da nur dann der mutmaßliche Patientenwille, im Zweifelsfall zu überleben, als Begründung herangezogen werden kann. Wer als Arzt in D einem Zeugen Jehovas aus anderen Gründen transfundiert hat vor Gericht ein Problem. Diese Debatte ist aber gerade weil es jüdisches Leben derart betrifft zu wichtig, um nun die Beschneidung übermäßig zu verteufeln. Die Risiken sind vorhanden, aber klein – wenigstens dieser Konsens muss möglich sein.

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        1. Jörg Rupp Beitragsautor

          Schöner Satz – die Risiken sind vorhanden, aber klein. Eichel- oder ganze Penisamputationen, Herpesübertragungen, Entzündungen, Schmerzen – wahrscheinlich kleine Risiken, weil Beschneidung ja bei der christl. und atheistischen Mehrheit nicht stark verbreitet sind. Im konkreten Fall aber eklatant.

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          1. Kerstin

            Herpesübertragungen? Kannst Du dazu was sagen?

            Ich möchte zu bedenken geben, dass Studien, die Komplikationen beschreiben, allgemeine Studien sind. Es wird nicht nach religiöser Beschneidung und medizinisch indizierter Beschneidung unterschieden.

            Und da man neuerdings auch hier einen Disclaimer braucht: Nein. Ich bin kein Beschneidungsbefürworter.

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              1. Kerstin

                Ich hab das mal nachgelesen: Gemeint ist metzitzah b’peh. Im Unterschied zur metzitzah, wo das Blut über ein Glasröhrchen abgesaugt wird, saugt bei der metzitzah b’peh der Mohel das über den Mund ab. Hier gab es seit dem 18. Jahrhundert eine interreligiöse Diskussion. Meines Wissens ist heute die metzizah die übliche Methode. Praktiziert wird metzitzah b’peh anscheinend noch im ultraorthodoxen Judentum.

                Wir haben hier übrigens ein gutes Beispiel wie sich religiöse Riten durch einen interreligiösen Diskurs ändern. Hier wurde aus einem ehemals üblichen Teil des jüdischen Ritus einer, der heute unüblich bzw. nur noch von – gemessen an der Zahl der Mohels – von wenigen praktiziert wird.

    1. Tante Jay

      Wenn Säuglinge beschnitten werden, liegen die mit der offenen Wunde (es ist eine Häutungswunde) in der Windel.

      Da es völlig illusorisch ist, anzunehmen, die Windel würde immer sofort gewechselt werden, wenn sie voll ist, liegen die Kinder immer eine Zeit x in den Fäkalien. Was grundsätzlich bei intakter Haut schon ein Problem darstellen kann, siehe Windeldermatitis und ähnliches. Aber bei offenen Wunden direkt an den Genitalien – imho werden die Komplikationen viel zu wenig erforscht.

      Das *kann* nicht überall gutgehen. Und eine entzündete Beschneidungswunde ist an der Stelle richtig geil – vernarbtes, unempfindliches Gewebe inklusive.

      Aber es geht doch um Gottes Willen nicht nur um die Beschneidung aus religiösen Gründen. Viele Eltern lassen ihre Kinder aus „hygienischen“ Gründen beschneiden oder aus Gründen der Prävention von Geschlechtskrankheiten.

      Hallo?????? Seit wann müssen Säuglinge und Kinder vor sexuell übertragbaren Krankheiten geschützt werden? Von der Tatsache mal abgesehen, dass alle derartigen Studien für den Arsch sind, weil sie noch nicht mal die wissenschaftlichen Mindestanforderungen erfüllen. Teilweise beruft man sich auf Studien, die verfrüht abgebrochen wurden und die daher das gewünschte Ergebnis pro Beschneidung zeigen.

      Beschneidung ist überdies ein gutes Einkommen für „Kinderurologen“. Die wollen da nicht drauf verzichten.

      @Blogchef hier: Guter Artikel. 🙂

      Antworten
  7. Kerstin

    Egal, welche gesetzliche Lösung gefunden wird: Das Thema wird letztlich vom Verfassungsgericht entschieden werden – nur die Kläger werden andere sein. Ein Gesetz wird daher möglicherweise ohnehin ein Übergangsstatus bis zu einer Entscheidung des Verfassungsgerichts haben. Wie dieses entscheidet, kann man letztlich nicht wissen.

    Was könnte aber in der Zwischenzeit passieren, wenn sie durch ein Gesetz unter Strafe gestellt wird und das Verfassungsgericht (nach wie vielen Monaten?) dieses Gesetz kassieren sollte? Wie viele Strafanzeigen werden möglicherweise bis dahin erstellt werden? Und ob und wie viele Leute aus dem antisemitischen oder islamophoben Spektrum werden sich berufen fühlen, ihre jüdischen oder muslimischen Nachbarn zu beobachten?

    Ich bin daher für ein Gesetz, dass Strafreiheit vorsieht. Bis zu einer verfassungsrechtlichen Entscheidung und verbunden mit einer – auch interreligiösen Debatte, wo auch die Religionsgelehrten, die Verbände und die Gläubigen gefordert sind und einen wie auch immer gearteten Modus Vivendi finden können.

    Natürlich kann man einwenden, dass bis dahin Kinder nicht geschützt seien. Eine solche Haltung entspringt jedoch aus dem Glauben, dass sich tradierte und Jahrtausende Rituale ad hoc durch ein Gesetz ändern ließen.

    Antworten
    1. Tante Jay

      Komplettes Moratorium und Aussetzen der Beschneidung bis die gesellschaftliche Diskussion durchgeführt wurde.

      Sorry, drunter gehts nicht. Jetzt hier überstürzt Fakten schaffen geht gar nicht.

      Und sofort „Ihr plant wieder einen Holocaust“ brüllen, wenn man die Beschneidung in Frage stellt, ist auch…kontraproduktiv.

      Liebe Leute, gehts nicht EINE Nummer kleiner? Ja? Danke.

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      1. Kerstin

        Wo jetzt genau habe ich „Ihr plant mal wieder einen Holocaust“ gesagt? Vielleicht mal die Kirche im Dorf lassen.

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  8. Enrico Holz

    Meine Meinung! Wobei Verboten auch Verboten heißen muss. Wenn aus Kinder, Heranwachsene geworden sind und sie selber entscheiden können was sie mit ihrem besten Stück machen wollen, dann sollen sie es auch tun können.

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  9. Pingback: Patriks Blog » Blog Archive » Ungläubig mit der Vorhaut schütteln

  10. Christof Maihoefer

    Dass der Artikel schmierig und ploemisch ist, belegt schon der Titel. Aber wie bei allen Judenhetzereien ist die infektiöse Verbaldiarrhoe schnell herum und jede und jeder Infizierte muss schnell mal seinen Druck abspritzen. Da gibts von allen Seiten Patienten, die sich berufen fühlen Judenlehrer zu sein…
    Ich hab eine gute Theorie für den neuen Antisemitismus- den ich den moralischen Antisemitismus nenne- weil er Handlungen und moralische Werturteile neu verlinkt. JETZT ist eine Beschneidung KÖRPERVERLETZUNG eines kleinen Kindes- das ist eben DIE Neuauflage des grausamen Juden, der sich und der Welt feind ist- also ein uraltes Hirngespinst, das so schon vom Christengott via Verbalinspiration in das Neue Testament (Tess) gerann. Cést tout. Aber für die Blutwurst der Bnei Amalek brauchte man nie eine alte Füllung- sondern- und gerade in dem Fall expizit- eine neue Haut.

    Antworten
    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Ich weiß nicht, wieso Sie hier Antisemitismus unterstellen wollen. Denn das ist kein antisemitischer Artikel. Es ist ein Anti-Beschneidungsartikel, der immerhin versucht, einen möglichen Weg aufzuzeigen. Dass der Titel etwas provokant ist, mag sein – aber Titel sind sowas wie die Verpackung – und Vorhautgegner ist ja wohl treffend für Menschen, die anderen die Vorhaut abschneiden wollen, oder?
      Im Übrigen steht nicht nur die jüdische Religion im Blickpunkt, sondern auch der Islam. Dass in beiden Religionen aber darüber diskutiert wird und es somit Veränderungen geben kann, lässt mich hoffen – wenn ich auch glaube, dass es ein langer Weg sein wird.

      Antworten
      1. Petra Kagermeier

        Hallo Jörg,

        ich habe mich von Anfang an mit dem Kölner Urteil ausführlich beschäftigt und verfolge die Diskussion jeden Tag.
        Darüber hinaus unterrichte ich Ethik und bin aus Eigeninteresse sehr an dem Islam und dem Judentum – früher und heute – interessiert.
        Ich bin eine vom Katholizismus konvertierte Evangelistin, die viele Atheisten, aber auch Muslime als meine Freunde bezeichne und die sich sehr für die Ökumene einsetzen will. Darüber hinaus stehen die Logik, die Menschenrechte und die Menschenwürde inklusive Emanzipation bei mir an erster Stelle.

        Auch deshalb würde ich mich niemals antisemitisch oder islamfeindlich verhalten, wenn ich meine Meinung sage,
        denn für mich gilt die ethische Grundweisheit, die bereits die alten Ägypter und die Chinesen vor 6000 Jahren sinngemäß so formulierten:

        „Was du nicht willst, was man dir tut, das füge auch keinen anderen zu!“

        Aber ohne den schrecklichen und absolut menschenunwürdigen zweiten Weltkrieg, wäre die Emanzipation vielleicht noch in den nach wie vor in den monotheistisch geprägten Kinderschuhen und es wäre nicht selbstverständlich, dass ich meine Meinung sagen könnte.

        In meinen Augen und Ohren werden aber die heutigen politischen Diskussionen trotz Frauenanteil immer flacher, weil die Politiker und Politikerinnen immer weniger ihre Meinung begründen bzw. die Argumente der „Gegner“ nach der Logik überprüfen.

        Zunächst einmal möchte ich dem Anliegen des israelischen Oberrabbiners Metzger beipflichten, dass wir z.B. durch die Errichtung einer am Vorbild der Vereinten Nationen orientierten Versammlung der Religionen für den weltweiten Frieden uns einsetzen könnten.

        Als absolute Menschenrechtlerin kann ich es aber nicht verstehen und nachvollziehen, dass sich das seit Anbeginn männliche Judentum – Das Judentum ist als Mutterreligion, genau wie das Christentum und der Islam eine traditionell von Männern geprägte und geführte Religion. Ziel dabei ist es durch ihre Organisation das Seelenheil und ein Leben im Paradies bei Einhaltung der zehn Gebote zu versprechen –
        nach einer sage und schreibe 4000-jährigen Tradition ihre unmündigen, männlichen Nachkommen markieren will, obwohl sie dadurch ja nicht eindeutig als Anhänger des Judentum, sondern auch als Muslime, erkannt werden, wenn sie sich entblößen, was ja absolut selten bzw. niemals in der Öffentlichkeit üblich ist.
        Warum sich also kennzeichnen, wenn es in der Regel nur die besten Freunde beim Duschen oder die Ehefrau sieht?

        Außerdem gibt ja nicht der Sohn, sondern die Tochter den jüdischen Glauben weiter.
        Das heißt im Rückschluss, dass ein Jude, der keine Jüdin heiratet, keine jüdischen Kinder großziehen kann.
        Aber seine Eltern haben dann im 21. Jahrhundert, wo mit wenigen Ausnahmen die meisten Nationen die Menschenrechte anerkannt haben für ihn entschieden, dass er nach göttlichen Wunsch für immer und ewig seine Vorhaut verliert.
        Aus dem Grund, weil sein und deren Stammvater Israels, Abraham …(Er lebte vor 4000 Jahre und wurde 175 Jahre alt. Obwohl sein Wirken in der Historität fraglich bzw. außer in den von Menschen geschriebenen Texten in der Bibel) …nicht zu belegen ist!

        Die Vorhautentfernung der Muslime geht auch auf diesen Urvater zurück, obwohl sie im Koran nicht ausdrücklich empfohlen wird.
        Bei der Mädchenbeschneidung hat sich Mohammad dafür eingesetzt, dass es bei ihnen nicht so weh tun soll. Warum sind sich jetzt aber die Muslime einig, dass Mädchen, die noch in bildungsarmen und in der Regel undemokratisch regierten Ländern, nicht mehr beschnitten werden sollen.

        Deshalb, weil sich Menschenrechtler und Rechtlerinnen am Ende des Zwanzigsten Jahrhunderts, durch viel Initiative und Engagement dafür einsetzten.
        Die Organisation „Target“ hatte endlich die rettende Idee für alle afrikanischen Länder, in denen der Islam die Staatsreligion ist, alle Islamischen Oberhäupter zu versammeln, damit sie darüber abstimmen, dass die Beschneidung/ Genitalverstümmelung nichts mit dem Islamischen Glauben zu begründen sei.
        Wenn man die Film-Dokumentation darüber sieht, war der positive Ausgang überhaupt nicht gesichert, weil viele der Männer (es gibt ja keine weiblichen Oberhäupter) sich auf eine 5000- jährige Tradition berufen wollten und erst durch die Schilderung von Frauen eingestehen mussten, was es heißt und welche Folgen es hat die Klitoris zu entfernen.
        Nur so haben über die Hälfte, aber auf keinen Fall alle, davon überzeugt werden können, diese schreckliche Tradition, die wohlgemerkt nicht im Koran vorgeschrieben ist, demokratisch abzulehnen.

        Wenn man aber mit der 4000-jährigen Tradition die Zirkumzision begründet, so frage ich mich wie die Sure 4, Vers 34 mit unseren Menschenrechten vereinbar ist:

        Die Männer sind den Weibern überlegen wegen dessen, was Allah den einen vor den anderen gegeben hat. Diejenigen Frauen aber, deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet – warnt sie, verbannt sie in die Schlafgemächer und schlagt sie.

        Das heißt wenn ein Muslim seine Frau schlägt, dann hat er das religiöse Selbstbestimmungsrecht dazu.

        Oder der jüdische Mann darf seit 4000 Jahren weiterhin jeden Morgen beten, dass er Gott u.a. dafür dankt keine Frau zu sein, obwohl wir doch endlich seit 1945 völlig gleichberechtigt sind. Erst jetzt beginnt sich das Judentum dank ihrer modernen Nachfahren in Teilgemeinden zu modernisieren, so dass es zum ersten Mal auch weibliche Rabbiner gibt, die natürlich nicht von allen Juden anerkannt werden. Stichwort religiöse Selbstbestimmung.

        Da ich die Diskussion sehr intensiv verfolge, ist mir aufgefallen, dass die Anhänger der Beschneidung keine wirklich stichhaltigen Argumente haben, außer ihrer sehr alten von Menschen aufgeschriebenen und ausgelegten Traditionen, festgehalten in ihren heiligen Schriften.

        Darüber hinaus verletzt es mich als Nichtbefürworterin der Zirkumzision dahingehend beleidigt zu werden, wenn behauptet wird ich möchte damit die Anhänger in der Welt-Öffentlichkeit schlecht machen. Ich sehe nur den Satz bestätigt, der da heißt:

        „Viele Menschen können an das Gleiche glauben und dennoch damit Unrecht haben bzw. und das heutige Wissen nicht anerkennen.“ bzw. „Zu glauben heißt nicht zu wissen!“

        Eine Demokratie lebt davon immer neue Gesetzte und Regeln zu beschließen, die immer zum Wohl der Gesellschaft und jedes Einzelnen dienen. An erster Stelle stehen dabei das Wohl und die Würde des Menschen.
        Jede Beleidigung und Ohrfeige sowohl im körperlichen oder seelischen Sinne, verstößt für mich gegen die Menschenrechte!
        Aber wenn man nicht durch eine neue, wissenschaftlich unterstützte Einsicht bereit ist Kinder vor eine niemals mehr rückgängige Körperverletzung zu schützen, dann ist man auch in aller Logik und Konsequenz nicht bereit die Menschenrechte anzuerkennen und umzusetzen.
        Dann wundert es mich auch, wenn eine Integrations-Ministerin von Deutschland die Zirkumzision damit anerkennen und relativieren will, dass jede Operation schließlich eine Körperverletzung ist.
        Dabei hat leider keiner von den Diskussionsteilnehmern ihre Argumentation damit entkräftigt in dem man erklärt, dass jede Operation durchgeführt wird um den Körper, trotz notwendige Verletzung zu heilen, während die Beschneidungswunde hoffentlich immer gut verheilt, aber eben nicht aus Heilungszwecken je notwendig war.
        Diese Politikerin und Befürworterin fand auch eine Ohrfeige schlimmer als eine Beschneidung, obwohl dadurch ja keine Wunde entsteht und der Schmerz sehr schnell abnimmt. Dagegen weiß ich von vielen Jungenaussagen, die nach dieser so göttlichen gewünschten Tradition beschnitten wurden, starke Schmerzen beim Laufen und Wasser lassen über mehreren Tagen hinweg, hatten.

        Ein Beschnittener kann über seine Zirkumzision nicht mitreden, weil ihm die Vorhaut ja von Kindheit an fehlt.
        Eine Frau wiederum auch nicht, weil sie evolutionstechnisch über keinen Penis und damit einer Vorhaut verfügt, die ihr nicht vorhandenes Glied bis zu drei Jahren sogar geschützt hätte. Sie hat nur das Jungfernhäutchen, das in einigen Religionen als Beweis für ihre Jungfräulichkeit gilt und die sie bis zu ihrer Hochzeit am besten nicht verlieren darf, um ihre Unschuld zu beweisen. Obwohl nach neusten Erkenntnissen diese aus natürlichen Gründen bis zum ersten Geschlechtsverkehr nicht mehr intakt sein muss.
        Viele Menschen wissen auch nicht, dass die Tradition der Genitalverstümmelung auch darauf beruht, dass eine Frau mit Klitoris als Mann gilt und eine solche Frau nicht akzeptiert wird und schon gar nicht einen Mann findet, der sie mit Kitzler heiraten würde.
        Was erschreckensweise für unsere moderne Gesellschaft dazu führt, dass es immer noch Männer und Frauen gibt, die daran glauben ihre Töchter, oft immer noch unter unhygienischen Bedingungen, beschneiden zu lassen.

        Warum glauben die Beschneidungsbefürworter, dass man die Klitorisentfernung von Mädchen nicht mit der Vorhautentfernung von Jungen vergleichen kann.

        Menschenrechtsorganisationen wissen, dass es noch immer unterentwickelte Regionen in unserer Welt gibt, bei denen Jungen bei der Beschneidung sterben.

        Um die Argumentation von Metzger zurückzukommen:

        Der Oberrabbiner sagt zur Begründung der Zirkumzision folgendes:
        Von den acht Millionen Einwohnern Israels sei trotz Jungenbeschneidung niemand traumatisiert. „Wir haben 4.000 Jahre Erfahrung“, so Metzger. „Die gleichen Söhne, die am achten Tag ihres Lebens beschnitten wurden, lassen später ihre Kinder beschneiden – das spricht nicht dafür, dass sie traumatisiert wurden, oder andere Probleme hatten.“
        Das heißt aber im Umkehrschluss, dass die seit Jahrtausenden Beschnittenen nicht wissen, was wäre, wenn sie nicht markiert worden wären. Und auch ihre Ehefrauen wissen nicht, ob der eheliche Beischlaf eine andere Qualität hätte, wenn ihr Mann seine in Jahrmillionen entwickelten Vorhaut nicht einen Gott geopfert hätte, der ihr erst 4000 Jahre später in der Moschee die Tora lesen lässt, dank Emanzipation und Menschenrechte.

        Der Oberrabbiner Metzger verglich die Beschneidung Neugeborener mit der Uniform von Soldaten oder der Nationalflagge. „Niemand kann einfach das Rote in der deutschen Flagge durch weiß ersetzen“, sagte Metzger. „Die Beschneidung ist unsere Uniform und unsere Flagge.“

        Ich frage mich aber, seit wann hat eine Religion eine Flagge. Man spricht von Symbolen z.B. das Kreuz oder der Halbmond oder der Stern. Nur Staaten, Firmen bzw. Organisationen haben eine Flagge.
        Unter den staatlichen Flaggen, deren Gesellschaftssystem die Menschenrechte anerkennt und durchsetzt, können alle Religionen in ihren Ausprägungen nebeneinander in Frieden leben. Sie leben also unter den zufällig gewählten traditionellen Farben einer Fahne, die sich jederzeit mit dem neuen Wissen und Zeitgeist der Farbe und Gestaltung weiterentwickeln bzw. ändern kann.

        Leider ist deshalb diese bildhafte Vorstellung nicht zur Argumentation geeignet, weil man natürlich demokratisch diese Farben ändern kann. Sobald eine deutsche Mehrheit entscheidet, dass man zum Beispiel als Zeichen eines Neuanfangs z.B. nach der Wiedervereinigung eine neue Fahne möchte, hätte man durch den Willen des Volkes die Farbe jederzeit ändern können. Bzw. wäre es sowieso überfällig unsere Flaggen-Farben farbenfroher zu gestalten und z.B. die Regenbogenfarben zu nehmen, ein Symbol, das allen Kindern aber auch den, in der Geschichte so gedemütigten und würdelos behandelten Homosexuellen Frauen und Männer als Zeichen gefallen könnte.

        Es ist auch wieder die religiöse Selbstbestimmung, die ein gewichtiger Argumentationspunkt für die Befürworter darstellt, die wiederum die Liebe von gleichgeschlechtlichen Menschen verachten, ablehnt und respektlos gegenübersteht.
        Siehe hierzu 3. Buch Mose, Kapitel 20, Vers 13:
        Wenn ein Mann mit einem anderen Mann geschlechtlich verkehrt, ist das ein abscheuliches, todeswürdiges Verbrechen; beide müssen hingerichtet werden!

        Und in Sure 7, Vers 80, und in Sure 26, Vers 165 wird eine Stelle aus der Bibel (1. Buch Mose, Kapitel 19)
        zitiert:

        Wollt ihr eine Schandtat begehen, wie sie keiner in der Welt zuvor je begangen hat? Ihr gebt euch in eurer Sinneslust wahrhaftig mit Männern statt mit Frauen ab…

        Wenn man aber demokratisch-mündige Weltenbürger überzeugen kann, dass ein neues Gesetz zum Wohle bzw. im Interesse der Gemeinschaft ist, dann wird es gesetzlich und im Zweifel mit richterlichem Urteil geändert.
        Auch bei uns wurden unter dem deutschen Nationalsozialismus im zweiten Weltkrieg Homosexuelle ins Konzentrationslager verschleppt, ausgebeutet und ermordet. Aber auch viele katholische Christen lehnen noch heute diese mittlerweile (vorher wurden sie eingesperrt und in früheren Zeiten sogar ermordet) anerkannten Mitbürger ab und sind gegen die gleichgeschlechtliche Ehe, bzw. wollen es nicht, dass diese absolut in Bezug auf Ehe und Familie gleichgestellt werden.
        Seit Anerkennung der Evolution sowohl der biologischen, als auch der kulturellen, wird sich noch in vielen Jahrtausenden die Gesellschaft weiterentwickeln.

        Leider ist auch die Wortwahl von Oberrabbiner Metzger von „Uniform“ zu sprechen ebenfalls nicht logisch, weil diese ja nur äußerlich die Zugehörigkeit abbildet, während die Beschneidung nur bei Ablegen der Kleidung zu erkennen ist. Eine Uniform kann man wechseln bzw. auf ihr kann man Rangabzeichen platzieren. Man kann aber auch eine Uniform anziehen, die man z.B. gestohlen hat. Ebenfalls kann man die für Kriegszwecke hergestellte Art der Bekleidung wechseln, verweigern oder aufheben. Um bei dieser Bildsprache zu bleiben, kann ein Jude eben nicht mehr seine Haut, die ja eben nicht uniform ist, sondern individuell und speziell seine Vorhaut, an und ausziehen, wenn man sie ihm bereits als Säugling entfernt hat. Diese Haut schützt den Penis des Säuglings!

        Dabei fällt mir auch noch die Aussage eines muslimische Arztes in der Diskussionsrunde bei Sandra Maischberger ein, der den Termin der Beschneidung der muslimischen Kinder mit dem Alter ab 8 und somit vor der Pubertät, damit begründet, weil wenn man es später machen würde, dann würden viele Jungen es nicht mehr wollen.

        Noch seltsamer finde ich die Wortwahl „Uniform eines Soldaten“ zu wählen. Es ist doch eines der, menschenrechtlich betrachteten, überzeugendsten Gebote, die Gott Moses gegeben hat, das da heißt: „Du sollst nicht töten“. Nach meiner Logik also, du sollst nie eine Uniform anziehen und in die Schlacht ziehen.

        Denn wenn alle Menschen diese, auf der Urethik beruhenden Weisheit, „Was tu nicht willst, was man dir tut, das füge auch keinen anderen zu“ respektieren würden, könnte kein Mensch einen anderen Menschen töten, solange er nicht selbst lebensmüde ist
        oder im Analogieschluss „beschneiden“, solange er die Folgen noch nicht abschätzen kann.

        Hallo Jörg,

        ich habe mich von Anfang an mit dem Kölner Urteil ausführlich beschäftigt und verfolge die Diskussion jeden Tag.
        Darüber hinaus unterrichte ich Ethik und bin aus Eigeninteresse sehr an dem Islam und dem Judentum – früher und heute – interessiert.
        Ich bin eine vom Katholizismus konvertierte Evangelistin, die viele Atheisten, aber auch Muslime als meine Freunde bezeichne und die sich sehr für die Ökumene einsetzen will. Darüber hinaus stehen die Logik, die Menschenrechte und die Menschenwürde inklusive Emanzipation bei mir an erster Stelle.

        Auch deshalb würde ich mich niemals antisemitisch oder islamfeindlich verhalten, wenn ich meine Meinung sage,
        denn für mich gilt die ethische Grundweisheit, die bereits die alten Ägypter und die Chinesen vor 6000 Jahren sinngemäß so formulierten:

        „Was du nicht willst, was man dir tut, das füge auch keinen anderen zu!“

        Aber ohne den schrecklichen und absolut menschenunwürdigen zweiten Weltkrieg, wäre die Emanzipation vielleicht noch in den monotheistisch geprägten Kinderschuhen und es wäre nicht selbstverständlich, dass ich meine Meinung sagen könnte.

        In meinen Augen und Ohren werden aber die heutigen politischen Diskussionen trotz Frauenanteil immer flacher, weil die Politiker und Politikerinnen immer weniger ihre Meinung begründen bzw. die eigenen Argumente und die ihrer „Gegner“ mit Hilfe der Logik überprüfen.

        Zunächst einmal möchte ich dem Anliegen des israelischen Oberrabbiners Metzger beipflichten, dass wir z.B. durch die Errichtung einer am Vorbild der Vereinten Nationen orientierten Versammlung der Religionen für den weltweiten Frieden uns einsetzen könnten.

        Als absolute Menschenrechtlerin kann ich es aber nicht verstehen und nachvollziehen, dass sich das seit Anbeginn männliche Judentum – Das Judentum ist als Mutterreligion, genau wie das Christentum und der Islam eine traditionell von Männern geprägte und geführte Religion. Ziel dabei ist es durch ihre Organisation das Seelenheil und ein Leben im Paradies bei Einhaltung der zehn Gebote zu versprechen –
        Nach einer sage und schreibe 4000-jährigen Tradition ihre unmündigen, männlichen Nachkommen markieren will, obwohl sie dadurch ja nicht eindeutig als Anhänger des Judentum, sondern auch als Muslime, erkannt werden, wenn sie sich entblößen, was ja absolut selten bzw. niemals in der Öffentlichkeit üblich ist.
        Warum sich also kennzeichnen, wenn es in der Regel nur die besten Freunde beim Duschen oder die Ehefrau sieht?
        Auch die Behauptung, die Beschneidung diene der Hygiene, ist bei unserer modernen Gesellschaft nicht haltbar.
        Da die Lebenserwartung beständig ansteigt. Darüber hinaus wiederlegen es alle Menschen, die seit Jahrmillionen nicht von Gott auserwählt wurden,und trotzdem sehr alt werden bzw. wurden.

        Ein weiterer Argumentationspunkt zum Nachdenken ist, dass nicht der Sohn, sondern die Tochter den jüdischen Glauben weitergibt.
        Das heißt im Rückschluss, dass ein Jude, der keine Jüdin heiratet (das wäre bei uns ein Menschenrecht), keine jüdischen Kinder großziehen kann. Das ist auch der Grund warum Gläubige Juden sich darum bemühen ihre Kinder nur mit Partnern der eigenen Religion zu verheiraten.

        Aber seine Eltern haben dann im 21. Jahrhundert, wo mit wenigen Ausnahmen die meisten Nationen die Menschenrechte anerkannt haben für ihn entschieden, dass er nach göttlichen Wunsch für immer und ewig seine Vorhaut verliert, damit er zur jüdischen Gemeinde zählt.
        Aus dem historischen Grund, weil sein und deren Stammvater Israels, genannt Abraham …(Er lebte vor 4000 Jahre und wurde 175 Jahre alt. Obwohl sein Wirken in der Geschichte fraglich bzw. außer in den von Menschen geschriebenen Texten in der Bibel nicht zu belegen ist!)… von Gott diesen auftrag bekam.

        Die Vorhautentfernung der Moslems, Mohammad war auch als Knabe beschnitten worden, geht auch auf diesen Urvater zurück, obwohl sie im Koran nicht ausdrücklich empfohlen wird.
        Bei der Mädchenbeschneidung hat sich Mohammad dafür eingesetzt, dass es bei ihnen nicht so weh tun soll. Warum sind sich jetzt aber die Muslime einig, dass Mädchen, die noch in bildungsarmen und in der Regel undemokratisch regierten Ländern, nicht mehr beschnitten werden sollen.

        Deshalb, weil sich Menschenrechtler und Rechtlerinnen am Ende des Zwanzigsten Jahrhunderts, durch viel Initiative und Engagement dafür einsetzten.
        Die Organisation „Target“ hatte endlich die rettende Idee für alle afrikanischen Länder, in denen der Islam die Staatsreligion ist, alle islamischen Oberhäupter zu versammeln, damit sie darüber abstimmen, dass die Beschneidung/ Genitalverstümmelung nichts mit dem Islamischen Glauben zu begründen sei.
        Wenn man die Film-Dokumentation darüber sieht, war der positive Ausgang überhaupt nicht gesichert, weil viele der Männer (es gibt ja keine weiblichen Oberhäupter) sich auf eine 5000- jährige Tradition berufen wollten und erst durch die Schilderung von Frauen eingestehen mussten, was es heißt und welche Folgen es hat die Klitoris zu entfernen.
        Nur so haben über die Hälfte, aber auf keinen Fall alle, davon überzeugt werden können, diese schreckliche Tradition, die wohlgemerkt nicht im Koran vorgeschrieben ist, demokratisch abzulehnen.

        Wenn man aber mit der 4000-jährigen Tradition die Zirkumzision begründet, so frage ich mich wie die Sure 4, Vers 34 mit unseren Menschenrechten vereinbar ist:

        Die Männer sind den Weibern überlegen wegen dessen, was Allah den einen vor den anderen gegeben hat. Diejenigen Frauen aber, deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet – warnt sie, verbannt sie in die Schlafgemächer und schlagt sie.

        Das heißt wenn ein Muslim seine Frau schlägt, dann hat er das religiöse Selbstbestimmungsrecht dazu.

        Oder der jüdische Mann darf seit 4000 Jahren weiterhin jeden Morgen beten, dass er Gott u.a. dafür dankt keine Frau zu sein, obwohl wir doch endlich seit 1945 völlig gleichberechtigt sind. Erst jetzt beginnt sich das Judentum dank ihrer modernen Nachfahren in Teilgemeinden zu modernisieren, so dass es zum ersten Mal auch weibliche Rabbiner gibt, die natürlich nicht von allen Juden anerkannt werden. Stichwort religiöse Selbstbestimmung. Auch das moderne jüdische Mädchen jetzt die Tora lesen und auch festlich in die Gemeinschaft mit ihrem 13 Geburtstag aufgenommen werden, habe wir der Deklaration der Menschenrechten zu verdanken.
        Mei den Moslems gibt es für Mädchen bis heute kein vergleichbares Fest. Nur der Sohn wird als kleiner verkleideter „Prinz“ mit viel Geschenken gefeiert.

        Da ich die Diskussion sehr intensiv verfolge, ist mir aufgefallen, dass die Anhänger der Beschneidung keine wirklich stichhaltigen Argumente haben, außer ihrer sehr alten von Menschen aufgeschriebenen und ausgelegten Traditionen, die nach langer mündlicher Überlieferung in ihren heiligen Schriften festgehalten wurden und heute noch verschieden ausgelegt werden.

        Darüber hinaus verletzt es mich als Nichtbefürworterin der Zirkumzision dahingehend beleidigt zu werden, wenn behauptet wird ich oder andere Menschenrechtler möchten damit die Anhänger in der Welt-Öffentlichkeit schlecht machen. Ich sehe nur den Satz bestätigt, der da heißt:

        „Viele Menschen können an das Gleiche glauben und dennoch damit Unrecht haben bzw. und das heutige Wissen nicht anerkennen. bzw. „Zu glauben heißt nicht etwas zu wissen!“

        Eine Demokratie lebt davon immer neue Gesetzte und Regeln zu beschließen, die immer zum Wohl der Gesellschaft und jedes Einzelnen dienen. An erster Stelle stehen dabei das Wohl und die Würde des Menschen zu gewährleisten.
        Jede Beleidigung und Ohrfeige sowohl im körperlichen oder seelischen Sinne, verstößt für mich gegen die Menschenrechte!
        Aber auch etwas zu behaupten ohne es zu wissen verstößt als Verleumdung gegen diese Rechte, die ein friedliches Zusammenleben sichern sollen.

        Aber wenn man nicht durch eine neue, wissenschaftlich unterstützte Einsicht bereit ist Kinder vor eine niemals mehr rückgängige Körperverletzung zu schützen, dann ist man auch in aller Logik und Konsequenz nicht bereit die Menschenrechte anzuerkennen und umzusetzen.
        Dann wundert es mich auch, wenn eine Integrations-Ministerin von Deutschland (Talkrunde bei Sandra Maischberger) die Zirkumzision damit anerkennen und relativieren will, dass jede Operation schließlich eine Körperverletzung ist.
        Dabei hat leider keiner von den Diskussionsteilnehmern ihre Argumentation damit entkräftigt in dem man erklärt, dass jede Operation durchgeführt wird um den Körper, trotz notwendiger Verletzung, zu heilen. Während die Beschneidungswunde hoffentlich immer gut verheilt, aber eben nicht aus Heilungszwecken je notwendig war.
        Diese Politikerin und Befürworterin fand auch eine Ohrfeige schlimmer als eine Beschneidung, obwohl dadurch ja keine Wunde entsteht und der Schmerz sehr schnell abnimmt. Dagegen weiß ich von vielen aussagen von Betroffenen, die nach dieser so göttlichen gewünschten Tradition beschnitten wurden, dass sie starke Schmerzen beim Laufen und Wasser lassen über mehreren Tagen hinweg, hatten.

        Ein Beschnittener kann über die auswirkungen der Zirkumzision beim Geschlechtsverkehr nicht mitreden, weil ihm die Vorhaut ja von Kindheit an fehlt und bereits von Generation zu Generation (seit 4000 Jahre)gefehlt hat.
        Eine Frau wiederum auch nicht, weil sie evolutionstechnisch über keinen Penis und damit einer Vorhaut verfügt, die ihr nicht vorhandenes Glied bis zu drei Jahren sogar geschützt hätte. Sie hat nur das Jungfernhäutchen, das in einigen Religionen als Beweis für ihre Jungfräulichkeit gilt und die sie bis zu ihrer Hochzeit am besten nicht verlieren darf, um ihre Unschuld zu beweisen. Obwohl nach neusten Erkenntnissen diese aus natürlichen Gründen bis zum ersten Geschlechtsverkehr nicht mehr intakt sein muss.
        Viele Menschen wissen auch nicht, dass die Tradition der Genitalverstümmelung auch darauf beruht, dass eine Frau mit Klitoris als Mann gilt und eine solche Frau nicht akzeptiert wird und schon gar nicht einen Mann findet, der sie mit Kitzler heiraten würde.
        Was grausamerweise für unsere moderne Gesellschaft dazu führt, dass es immer noch Männer und Frauen gibt, die daran glauben ihre Töchter, oft immer noch unter unhygienischen Bedingungen, beschneiden lassen zu müssen im vermeintlichen Wohl für ihre Tochter.

        Warum glauben die Beschneidungsbefürworter, dass man die Klitorisentfernung von Mädchen nicht mit der Vorhautentfernung von Jungen vergleichen kann?

        Menschenrechtsorganisationen wissen, dass es noch immer unterentwickelte Regionen in unserer Welt gibt, bei denen Jungen bei der Beschneidung aber natürlich auch Mädchen sterben.

        Um die Argumentation von Metzger zurückzukommen:

        Der Oberrabbiner sagt zur Begründung der Zirkumzision folgendes:
        Von den acht Millionen Einwohnern Israels sei trotz Jungenbeschneidung niemand traumatisiert. „Wir haben 4.000 Jahre Erfahrung“, so Metzger. „Die gleichen Söhne, die am achten Tag ihres Lebens beschnitten wurden, lassen später ihre Kinder beschneiden – das spricht nicht dafür, dass sie traumatisiert wurden, oder andere Probleme hatten.“
        Das heißt aber im Umkehrschluss, dass die seit Jahrtausenden Beschnittenen nicht wissen, was wäre, wenn sie nicht markiert worden wären. Und auch ihre Ehefrauen wissen nicht, ob der eheliche Beischlaf eine andere Qualität hätte, wenn ihr Mann seine in Jahrmillionen entwickelten Vorhaut nicht einen Gott geopfert hätte, der ihr erst 4000 Jahre später in der Moschee die Tora lesen lässt, dank Emanzipation und Menschenrechte.

        Der Oberrabbiner Metzger verglich die Beschneidung Neugeborener mit der Uniform von Soldaten oder der Nationalflagge. „Niemand kann einfach das Rote in der deutschen Flagge durch weiß ersetzen“, sagte Metzger. „Die Beschneidung ist unsere Uniform und unsere Flagge.“

        Ich frage mich aber, seit wann hat eine Religion eine Flagge. Man spricht von Symbolen z.B. das Kreuz oder der Halbmond oder der Stern. Nur Staaten, Firmen bzw. Organisationen haben eine Flagge.
        Unter den staatlichen Flaggen, deren Gesellschaftssystem die Menschenrechte anerkennt und durchsetzt, können alle Religionen in ihren Ausprägungen nebeneinander in Frieden leben. Sie leben also unter den zufällig gewählten traditionellen Farben einer Fahne, die sich jederzeit mit dem neuen Wissen und Zeitgeist der Farbe und Gestaltung weiterentwickeln bzw. ändern kann.

        Leider ist deshalb diese bildhafte Vorstellung nicht zur Argumentation geeignet, weil man natürlich demokratisch diese Farben ändern kann. Sobald eine deutsche Mehrheit entscheidet, dass man zum Beispiel als Zeichen eines Neuanfangs z.B. nach der Wiedervereinigung eine neue Flagge möchte, hätte man durch den Willen des Volkes die Farbe jederzeit ändern können. Bzw. wäre es sowieso überfällig unsere Flaggen-Farben farbenfroher zu gestalten und z.B. die Regenbogenfarben zu nehmen, ein Symbol, das allen Kindern, aber auch den, in der Geschichte so gedemütigten und würdelos behandelten Homosexuellen Frauen und Männer als Zeichen gefallen könnte.

        Es ist auch wieder die religiöse Selbstbestimmung, die ein gewichtiger Argumentationspunkt für die Befürworter darstellt, die wiederum die Liebe von gleichgeschlechtlichen Menschen verachten, ablehnt und respektlos gegenübersteht.
        Siehe hierzu 3. Buch Mose, Kapitel 20, Vers 13:
        Wenn ein Mann mit einem anderen Mann geschlechtlich verkehrt, ist das ein abscheuliches, todeswürdiges Verbrechen; beide müssen hingerichtet werden!

        (In meiner Logik aber ein Verstoß gegen das Gebot:
        „Du sollst nicht töten!“ – In christlichen Ländern, wie den USA gibt es noch in einigen Staaten die Todesstrafe – sehr seltsam für einen Christen, der die Gebote ernst nimmt.)

        Und in Sure 7, Vers 80, und in Sure 26, Vers 165 wird eine Stelle aus der Bibel (1. Buch Mose, Kapitel 19)
        zitiert:

        Wollt ihr eine Schandtat begehen, wie sie keiner in der Welt zuvor je begangen hat? Ihr gebt euch in eurer Sinneslust wahrhaftig mit Männern statt mit Frauen ab…

        Wenn man aber demokratisch-mündige Weltenbürger überzeugen kann, dass ein neues Gesetz zum Wohle bzw. im Interesse der Gemeinschaft ist, dann wird es gesetzlich und im Zweifel mit richterlichem Urteil geändert.
        Auch bei uns wurden unter dem deutschen Nationalsozialismus im zweiten Weltkrieg Homosexuelle ins Konzentrationslager verschleppt, ausgebeutet und ermordet. Aber auch viele katholische Christen lehnen noch heute diese mittlerweile (vorher wurden sie eingesperrt und in früheren Zeiten sogar ermordet) anerkannten Mitbürger ab und sind gegen die gleichgeschlechtliche Ehe, bzw. wollen es nicht, dass diese absolut in Bezug auf Ehe und Familie gleichgestellt werden.
        Seit Anerkennung der Evolution sowohl der biologischen, als auch der kulturellen, wird sich noch in vielen Jahrtausenden die Gesellschaft weiterentwickeln.

        Leider ist auch die Wortwahl von Oberrabbiner Metzger von „Uniform“ zu sprechen ebenfalls gegen jede Logik, weil diese ja nur äußerlich die Zugehörigkeit abbildet, während die Beschneidung nur bei Ablegen der Kleidung zu erkennen ist. Eine Uniform kann man wechseln bzw. auf ihr kann man Rangabzeichen platzieren. Man kann aber auch eine Uniform anziehen, die man z.B. gestohlen hat.
        Ebenfalls kann man die für Kriegszwecke hergestellte Art der Bekleidung wechseln, verweigern oder aufheben. Um bei dieser Bildsprache zu bleiben, kann ein Jude eben nicht mehr seine Haut, die ja eben nicht uniform ist, sondern individuell und speziell seine Vorhaut, an und ausziehen, wenn man sie ihm bereits als Säugling entfernt hat. Diese Haut, die den Penis des Säuglings in den ersten drei Lebensjahren geschützt hätte!

        Dabei fällt mir auch noch die Aussage eines muslimische Arztes in der Diskussionsrunde bei Sandra Maischberger ein, der den Termin der Beschneidung der muslimischen Kinder mit dem Alter ab 8 und somit vor der Pubertät, damit begründet, weil wenn man es später machen würde, dann würden viele Jungen es nicht mehr wollen.

        Noch seltsamer finde ich die Wortwahl „Uniform eines Soldaten“ zu wählen. Es ist doch eines der, menschenrechtlich betrachteten, überzeugendsten Gebote, die Gott Moses gegeben hat, das da heißt: „Du sollst nicht töten“. Nach meiner Logik also, du sollst nie eine Uniform anziehen und in die Schlacht ziehen.

        Denn wenn alle Menschen diese, auf der Urethik beruhenden Weisheit, „Was du nicht willst, was man dir antut, das füge auch keinen anderen zu“ respektieren würden, könnte kein Mensch einen anderen Menschen töten, solange er nicht selbst lebensmüde ist
        oder im Analogieschluss „beschneiden“, solange er die Folgen noch nicht abschätzen kann.

        Als Frau ist es mir mehr als bewusst, dass Männer sich weder in der Öffentlichkeit belehren lassen wollen noch einfach einsehen können, dass alle blind (Befürworter und Nichtbefürworter) ohne sich je Gedanken gemacht zu haben, dass es eine Körperverletzung darstellt.
        Es haben sich viele schon Gedanken gemacht, aber keiner hat es bisher wagen können es richterlich zu verurteilen, weil der Präzedenzfall gefehlt hat.

        Wo kein Kläger, da kein Richter. Die Frauen haben auch nicht Jahrtausende lang klagen können, weil die Männer in einer von Männern regierten Welt es nicht geduldet haben.
        Erst nach zwei Weltkriegen, die von Männern geführt(und von Frauen nicht verhindert) wurden, starben so viele Weltenbürger, dass jetzt die Weltenbürgerinnen ihren Mann stehen mussten. Trotz der jahrtausende alten Traditionen und dem oftmaligen Verlust ihres Glaubens an einen gerechten Gott.
        Jetzt da sie ihre Kinder allein erziehen und viele Entscheidungen ohne einen Herrn im Hause fällen mussten, konnte man sie nicht wieder hinter den heimischen Herd verbannen.

        Ich wünsche mir, dass Erkenntnisse, die erst jetzt der Menschheit klar werden, logisch und emotionslos geprüft werden und dass den Religionen die Menschenrechte sinnvoller erscheinen, als alte Traditionen.
        Aber noch viel mehr erwarte ich, dass Meinungsverschiedenheiten niemals zum Streit führen, sondern zu Einsichten.
        Es kann doch niemals den Frieden stören, wenn man sich für die nachfolgende Generation einsetzt, und zum Beispiel das Rauchen endlich erst ab 18 Jahren erlaubt. Als dass man hingegen es den Eltern überlässt.

        Kein Raucher wollte es sich eingestehen, dass seine Freiheit und Selbstbestimmung dann endet, wenn er durch sein Tun andere gesundheitlich gefährdet. Der Mitinitiator des Volksbegehrens in Bayern wurde von vielen Rauchern, die sich bevormundet fühlten aufs Schlimmste beleidigt und er erhielt sogar Mordandrohungen in unserem Freistaat Bayern.

        Die einzig logische Gesetzgebung kann deshalb im Falle der Zirkumzision nur sein, dass ein Gläubiger sich erst ab dem 18. Lebensjahr beschneiden lassen kann. Man darf es nicht dulden, denn die Eltern haben keine Möglichkeit die Selbstbestimmung ihres Kindes über seinen von Natur aus unversehrten Körper vorzeitig zu übernehmen.

        Auch die körperliche Züchtigung, von Frau und Kind, ist schließlich durch Einsicht und die Einhaltung der Menschenrechte durch die Gewaltenteilung eine Tradition, die endlich der Vergangenheit angehört.

        Ich glaube an den Weltfrieden und ein Paradies hier auf Erden. – Es wäre genial, wenn es so kommt!

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