Breitbandversorgung in Malsch

In der Sitzung des Gemeinderats im Dezember haben wir über die zukünftige Breitbandversorgung in der Gemeinde gesprochen. Wer BNN liest, weiß, dass durch die Initiative des Landkreises Musik im Thema ist: der Landkreis baut einen eigenen Glasfaserbackbone, die Gemeinden sind angefragt, sich daran zu anzuschließen. Das würde bedeuten, dass der Telekom im Ort Konkurrenz durch ein gemeindeeigenes Netz entstehen würde, denn der Anschluss an diesen Backbone würde bedeuten, dass die Gemeinde selbst Glasfaser bis an die einzelnen Gebäude in der Gemeinde verlegt, also FTTB (Fibre to the Buildung). 30 von 32 Landkreisgemeinde haben sich dem bisher angeschlossen. FÜr Malsch bedeutet das dauerhafte Beteiligungskosten sowie im Selbstaufbau ein auf den ersten Blick nicht genau zu beziffernder Betrag. Nicht zu beziffern, weil trotz Anfrage amtierender Gemeinderäte an die Verwaltung nicht benannt wird, in welcher Höhe Förderbeträge aus der Breitbandinitiative des Landes fließen werden. Und auch eine Marktanfrage, was ungefähr an Pacht für das Netz zu erwirtschaften wäre, wenn der Netzbetrieb ausgeschrieben wird (das kann die Gemeinde nicht selbst) wird nicht vorgelegt.

Die Telekom möchte das natürlich nicht und hat angeboten, stattdessen die Gemeinde mit dem sogenannten Vectoring zu versorgen, also die bisherigen Kupferkabel durch Entstörung (vereinfacht gesagt) schneller zu machen. Dieses Vectoring bietet sie der Gemeinde kostenlos an – der Landkreis wäre aus dem Spiel und auch das gemeindeeigene Netz. Das Netz, das liegt, gehört der Telekom und kann von anderen gegen Entgelt genutzt werden. Das Problem an Vectoring ist: ohne Verstärker, die in die Leitungen eingebaut werden müssen, sinkt der Erfolg dieser Maßnahme 500m Kabellänge nach dem Verteilerkasten (KvZ) auf praktisch Null.

Damit liegt aber noch keine Glasfaser im Ort – die unbestreitbar die Technologie der Zukunft ist. Und auch wenn die Telekom der Gemeinde Vectoring „kostenlos“ anbietet – und damit weiterhin einen Markt für sich sichert – so gibt es immer noch keine Aussage – auch das trotz Nachfrage von Gemeinderäten im Dezember – was die weiteren Ausbauschritte (Vectoring II, G-Fast, …?) bis 100% Glasfaser im Ort durch die Telekom kosten wird. Deshalb habe unter anderem ich in dieser Dezembersitzng eine Gegenüberstellung dieser Kosten verlangt – und bis heute, wo mir die Sitzungsunterlagen für die nächste Gemeinderatssitzung vorliegen, immer noch nicht erhalten. Dass auch die Telekom irgendwann Glasfaser verlegen wird, steht ebenfalls außer Frage. Was dies dann kosten wird, ob das teurer für die Gemeinde werden wird, als wenn sie es selbst tun würde, keine Auskunft. Und wenn der Monopolist, den man sich so schafft, dann den Preis diktieren kann, kann man sich denken, wenn wir uns daran erinnern, mit welcher Chuzpe eine ordentliche Verbindung nach Waldprechtsweier ausgeschlossen wurde, sodass die Gemeinde selbst aktiv werden musste.

Natürlich kann man nach der Notwendigkeit des Umbaus der Hans-Thoma-Schule nicht einfach so beschließen, selbst ein Glasfasernetz zu verlegen. Daher wollten mehrere Gemeinderäte eine Gegenüberstellung der Kosten. Was uns in der Vorlage für die nächste Gemeinderatsitzung, bei der darüber entschieden werden soll, vorgelegt wurde, ist

a) eine Kostenaussage fürs eigene Netz, ohne die Förderbeträge und mögliche Erträge herauszurechnen (ein Beispiel aus Brigachtal, Scharzwald-Baar-Kreis, 5000 Einwohner: dort hat man den Ausbau des eigenen Netzes selbst gemacht und Ende 2014 abgeschlossen. Es ist der Gemeinde gelungen, einen Netzbetreiber zu finden, der für die Pacht des Netzes so hohe Beträge bezahlt, dass die Gemeinde ab 2018 schwarze Zahlen damit schreibt)

b)von der Telekom die Aussage, der erste Schritt (Vectoring) wäre kostenlos – was alle weiteren Ausbauschritte kosten werden, die zwingend folgen müssen, angesichts der Tatsache, dass sich der Bandbreitenbedarf alle 2 Jahren ungefähr verdoppelt, wird nicht gesagt. Und ist anzunehmen, es wäre günstiger, wenn sie es nicht sagen wollen? Nach allem was man liest, kostet Vectoring ungefähr ein Viertel des Ausbaus mit Glasfaser. Was also, wenn auf die Gemeinde im zweiten und dritten Schritt jeweils diese Kosten zukommen – und am Ende dann noch die Kosten für den Glasfaserausbau? Was ist dann wohl teurer als der sofortige Ausbau mit Glasfaser?

Wer also bei der Schule genau hinschaut, kann das bei Breitband nicht unterlassen. Ob da mit eine Rolle spielt, dass laut Aussage eines Gemeinderats CTDI in Malsch den Auftrag bekommen würde, Vectoring in Malsch zu realisieren?

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2 Gedanken zu „Breitbandversorgung in Malsch

  1. Tante Jay

    Vectoring ist ein Trostpflaster der Telekom, das lediglich kurzfristig wirkt und bei weitem nicht das liefert, was Glasfaser liefert.

    Guck dir mal das Angebot eines beliebigen Kabelbetreibers an. Ich bin bei Unitymedia.

    Internet 150 mbit/Horizon inkl. Box/Telefonflat/Internetflat/Handygespräche kost mich alles lediglich 63 Euro.

    Mit dem Betrag hab ich also Kabelfernsehen, verdammt schnelles Internet, Telefon und Handy abgedeckt.

    Davon können die Telekom-Kunden nur träumen. Vor allem in ländlichen Gebieten.

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  2. Berta Brahmer

    Glasfaser.
    Wie auch immer, von wem auch immer – allerdings jetzt und nicht (telekomeventuell)später.

    Ihr Beispiel der Glasfasernetz- selbsterstellenden und -vermarktenden Nachbargemeinde ist in mehrfacher Hinsicht DAS Modell der Zukunft:

    – modernste und damit einzig zukunftsträchtige Technologie mit Glasfasernetz
    – Vermeidung der Monopol(preis)Falle durch Eigenregie und dieses durch Eigenbesitz
    – Ermöglichung von Vielfalt und dadurch Preismitgestaltung bei der Partnerfindung
    – Erstellung der Mittel für die künftige Ersatzinvestitin und Erneuerung / Erweiterung durch Möglichkeit der schwarzen Zahlen in Eigenregie
    – Teilbeitrag zur echten Demokratisierung in der Entscheidungsfindung zugunsten langlebigen Nutzens der Gemeinde (gesamten) anstelle von kurzlebigen Stützung der Produktion und des Gewinns von nur Teilen der Gemeinde, die mit eventuellem Vektoring nur Profiterhöhung betreiben könnten.

    Diese nur anscheinen „lokalpolitische“ Frage entscheidet sich aber letztlich wohl an der scheinbaren Alternative einer für nur kurze Zeit stattfindenden Arbeitsplatzsicherung und Steuerverbessereung für diese Gemeinde über eine eventuelle Vertragsvergabe an die ortsansässige Firma im Käfig des Monopolplayers Telekom gegenüber der weitsichtigen und nachhaltigen Verbesserung für alle Gemeindmitglieder mit gemeindeeigenem Glasfasernetz – was wohl auch die Finanzen der Gemeinde aufbessern kann – das dann allerdings nachhaltig und weit über die Zeit der einmaligen Vertorisierung hinaus.

    Schaun mer mal, ob die Gemeindevertreter Malsch sozial, finanztechnisch, technologisch und im Demokratieverständnis sich mitgenommen haben in das jetzige Jahrhundert, denn die Entscheidung überhaupt nach der Gegenüberstellung der jeweiligen Kosten (Glasfaser vs. Vektoring) treffen zu wollen, deutet nicht daraufhin, daß das Problem und die langfristige Finanzproblematik bisher schon verstanden wurde, was mit der Auftragsvergabe nur an „das Einheimische“ deutlich auch nicht lösbar ist.
    Merk- und denkwürdig:
    Nach kurzer aber heftiger Interaktion von meiner Seite an meinen Provider mit dem Hinweis auf alternative Varianten (incl. Kündigung und Wechsel) für mich erhalte ich nun innerhalb von 2 Monaten VDSL über Glasfaserkabel, obwohl das bis dahin „auf Jahre hinaus nicht in Sichtweite“ gewesen sein soll, bis zu meiner Attacke mit Kündigungsandrohung und Terminstellung dazu …
    Mein Provider ist seit langem nicht mehr „die“ Telekom, diese TELEKOM.

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