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schlechte Recherche – Filmkritik
Ich mag die Filmreihe “Planet der Affen”. Ich hatte sie als Jugendlicher Mitte der 1980er im Fernsehen gesehen und fand sie von der Idee damals gut gemacht. Und Zeitreisen und Geschichten darum fand ich schon immer sehr faszinierend.
Nun erscheint nach dem eher schlechten 2001er Remake des “Planeten der Affen” ein aktuelles, sogenanntes “Prequel” – also ein Film, der die Vorgeschichte darstellt – wie “es” soweit hat überhaupt kommen können. Und in meiner heutigen BNN steht dazu eine Kritik. Die leider in einem wichtigen Punkt falsch ist – der mich so ärgert, dass ich es aufschreiben muss:
Der Journalist(?) Peter Kohl ist nicht der einzige, man findet das auch bei SPON, aber er schreibt es wohl am deutlichsten falsch:
“die vier Fortsetzungen, die damals entstanden sind, haben den Erzählfaden einfach nur weiter gesponnen, [...].
Davif Kleingers schreibt im Spon:
Ganz wesentlich etwa die Entscheidung, statt der vertrauten Untergangsvision der Menschheit die Emanzipationsgeschichte der Affen in den Mittelpunkt zu rücken.
Das ist schlicht nicht wahr. 1971 erschien “Flucht vom Planet der Affen”, der genau das Prequel mit seinen zwei Fortsetzungen schreibt, die jetzt im aktuellen Film benutzt wird. Allerdings bedient sich der 71er Film der bekannten Charaktere Cornelius, Zira und Milo.
Alle weiteren Inhalte: Haustierseuche, Revolte der Affen (und Gleichberechtigung trotz Sieg der Revolution), Machtübernahme nach Atomkrieg findet der recherchierende Journalist im Internet.
Es ist sehr, sehr unangenehm, wenn ein Autor eine Kritik schreibt, wenn er nicht weiß, über was er schreibt. Peter Kohl hat wohl nie die 5 Teile, die Ende der 1960er bis Mitte der 1970er entstanden sind, gesehen. Vermutlich kennt er grob die Handlung des ersten Films – wobei die Geschichte des Planeten Erde ja im zweiten Film durch die Alpha-Omega-Bombe endet – und somit in Teil 3,4 und 5 auch nicht einfach weiter gesponnen werden kann. Und er macht sich leider nicht die Mühe, auch nur die Wikipedia dazu zu lesen.
Der aktuelle Film erzählt somit eine andere Geschichte – was ja grundsätzlich nicht schlimm ist – die alten Filme sind aus heutiger Sicht durchaus nicht immer gut gemacht. Aber schlicht etwas falsches zu schreiben – Rupert Wyatt erzählt eine neue Geschichte – und bedient sich dabei aber durchaus der alten Geschichte – die Hauptfigur heißt – wie schon früher Caesar und ist damals das Kind von Zira und Cornelius aus der Zukunft und heute eben das Kind einer Laboräffin.
So viel Korrektheit muss sein. Und soviel Mühe sollte sich ein Autor machen – oder etwas nicht?
übrigens: auch bei der HNA: “Nach dem schwachen Affen-Remake von Tim Burton 2001 wird nun eine Vorgeschichte – neudeutsch Prequel – hinzugedichtet.”
der Stern: Weil dem nichts hinzuzufügen ist, hat Regisseur Rupert Wyatt (“The Escapist”) keine Fortsetzung gedreht. Sein Film “Planet der Affen: Prevolution” erzählt die Vorgeschichte dieses tierischen Endzeitszenarios.
die Welt: “Prevolution” soll nun erzählen, wie alles begann und warum die Affen die Herrschaft auf der Erde übernehmen – eine Frage, die mindestens seit 1968 im Raum steht, als Charlton Heston in dem Filmklassiker von Franklin J. Schaffner als tapferer Astronaut seinem Raumschiff entsteigt, um von einer Horde überaus unangemessen intelligenten Affen geknechtet zu werden.
(und so weiter – alle erzählen den gleichen Käse…)
(Hab ich jetzt mal so ähnlich als Leserbrief an die BNN geschrieben, mal sehen, was zurück kommt)
Update: E-Mail der Kulturredaktion der BNN:
Mit freundlichen Grüßen
A. J.
Twitter Follow me Kalender 2011
Für 2011 wird es wieder einen Twitter-Wandkalender geben. Hierfür hat sich meinedruckfabrik.de eine nette Idee einfallen lassen. Jeder Blogger der über die Aktion berichtet, erhält automatisch den Wandkalender 2011. Anschließend muss man noch das passende Formular ausfüllen.
Und da ich das jetzt mal nete Idee finde, der Kalender nett aussieht und ich auch nix gegen nen hübschen Wandkalender habe – habe ich das jetzt mal gemacht.
Fußball
Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt – so klang es 1974 vom Plattenspieler meiner Eltern. Fußball interessiert mich als Menschen recht wenig, auch wenn ich früher in der Jugend im Verein gespielt habe, später dann, mit Mitte 20 nochmal in der zweiten Mannschaft in Ettlingen. In der Zeit hatte ich auch mal für zwei/drei jahre eine Jahreskarte für den KSC – es war die Zeit der UEFA-Cup-Teilnahme. Seitdem ist das Interesse mehr oder weniger abgeflacht. Sportschau schaue ich selten, ab und an ein Spiel in der Kneipe oder ein Montagsabendspiel in der zweiten Liga. Ein bißchen mitleiden muss ich aber trotzdem mit den blau-weißen – alte Liebe rostet nicht, oder so. Und die WM-Spiele Deutschland gegen irgendwen hab ich auch alle gesehen und mitgejubelt – aber nicht groß getrauert – höchstens mit meinem siebenjährigen Sohn, für den das Verlieren im Halbfinale schon arg war.
So, das mal zum Hintergrund. Fußball ist für mich ein Sport. Aber dabei ist er das gar nicht mehr. Er ist der fleischgewordene Kapitalismus. Zu diesem Beitrag haben mich zwei Meldungen getrieben: da schreibt einerseits der Stern: Mesut Özil ist 250 Millionen Euro wert. Und: der KSC hat einen neuen Hauptsponsor, mit Ach und Krach gerade noch rechtzeitig zum Saisonstart gefunden. Die Gerüchteküche im ka-news-Kommentarforum spricht von 500 bis 700.000 €, die KLAIBER Sonnen- und Wetterschutztechnik bezahlen wird. Schon hier wird eine Dimension ersichtlich, die kaum erträglich scheint. Man stelle sich vor, der KSC hätte ein Talent wie Özil, wie lange könnten sie ihn halten?
Und da beginnt das Problem. Dieses ganze Fußballding ist darauf ausgelegt, zu gewinnen. Klar, es ist ein Wettkampf. Aber gehört für die Spannung nicht auch dazu, dass nicht immer derselbe gewinnt? Und gehört zu einem fairen Wettkampf nicht dazu, dass die Gegner sich auf Augenhöhe begegnen? Wo aber ist die Augenhöhe, wenn ein Verein wie Bayern München seit Jahr und Tag in Geld schwimmend die besten Spieler der Liga (und teilweise des Auslands) verpflichten kann? Wenn ein Verein wie Hoffenheim, mit dem Geld des Herrn Hopp sich eine Mannschaft zusammenkauft und so einen Verein in die 1. Liga bringt. Klar, es gehört noch viel mehr dazu, außer gute Spieler aufzustellen – aber wann war der FC Bayern zum letzten Mal auf Platz 10? In den letzten 10 Jahren waren sie immer unter den ersten 4! Ist das noch das, was tatsächlich gewollt ist? Sollte in so einer Liga über viele Jahre gesehen, nicht eine gewisse Fluktuation herrschen? Aber es sind fast immer dieselben Mannschaften, die auf- und absteigen, die Meister werden oder in die europäischen Wettbewerbe gehen. Es passiert mal was wie letztes Jahr mit Hertha BSC, aber schon der Aufsteig von Hoffenheim zeigt die Verbindung von Geld und Erfolg.
(Dazu betrachtet, wie kommerziell Fanartikel gehandelt werden, wie bspw. die FIFA es geschafft hat, die Gewinne der von ihr ausgetragenen WM steuerfrei in einem Land wie Südafrika zu bekommen, das es dringend nötig hätte, dass die Steuereinnahmen aus so einer Veranstaltung bei ihr bleiben. Wieviel Leid könnte in diesem armen Land beseitigt werden, hätte werden können. Nun fließt/floss das Geld stattdessen in die Kassen der Funktionäre, von der Ausschaltung lokaler Händler mal ganz abgesehen.)
Ich finde, irgendwo ist die Grenze erreicht. Es kann nicht sein, dass Spieler – bald auch schon Spielerinnen – absurde Millionengehälter kassieren, Kopfprämien in noch absurderer Höhe bezahlt werden – nur um zu gewinnen – weil nur der andauernde Gewinn eines Spieles für dauerhafte, sehr hohe Werbeeinnahmen führt. Wie konnte es nur soweit kommen?

Für den Sport, glaube ich, wäre es besser, fände man eine Handhabe, dies einzuschränken. Man muss diesen Zirkus nicht mitmachen. Wer sagt, dass die FIFA die WM ausrichten muss? Wieso können das nicht die Sportministerien? Wieso nicht die Umwandlung von Vereinen in AGs unterbinden, den Zugang zur Bundesliga nur noch e. V.s zu gewähren und im Vereinsrecht Regelungen finden, die solch horrende Summen unmöglich machen?
Mag sein, dass Bayern dann mal absteigt. Mag sein, dass kein deutscher Verein auf Jahre hinaus die Shampions League gewinnt. Aber vielleicht würde es dazu führen, dass die Vereine wieder mehr auf Nachwuchsförderung setzen würden. Dass, wer keine Abermillionen für Spieler und Stab benötigt, auch mal wieder Eintrittskarten verkaufen kann, die sich jemand, der nicht so reich ist, auch leisten kann. Vielleicht hätte ein Stuttgarter Verein wieder überwiegend Stuttgarter (oder schwäbische) Spieler. Vielleicht wären dann 700K € von einem Sponsor das, was sie sind – ein Haufen Geld. Und kein Grund zur Häme. Und vielleicht würde die deutsche Nationalmannschaft trotzdem die WM gewinnen….
Ich würde mir kleinere Brötchen wünschen, in dieser Branche. Ich hab nichts dagegen, wenn Menschen mit etwas Geld verdienen, das anderen ein Hobby ist. Aber die Dimensionen sind so aberwitzig wie bei Film- oder Popstars. Denn wenn am Ende das Geld den Ausschlag gibt, wer weiß, wieviele Talente so ungehört und ungesehen verloren gehen. Wer weiß, wieviele Erfolgsgeschichten so nicht geschrieben werden. Und wer weiß – wieviel mehr Spaß würde das alles machen.
Wieso in XYZ und nicht bei uns?
In Stuttgart erleben wir in diesen Tagen aktuell einen bundesweit geachteten Protest gegen das Projekt Stuttgart 21. Ich mag hier nicht einen weiteren Blogbeitrag dazu aufmachen, sondern mich interessiert daran eher der Bürgerprotest.
Während in Stuttgart am heutigen 20. August – das ist mitten in den Sommerferien – nach Teilnehmerangaben rund 30.000 (!) Menschen in Stuttgart zusammen kommen, waren Proteste in Karlsruhe gegen das parallel laufende Millionengrab “Kombilösung” faktisch kein Protest zusammen gekommen. Im letzten Herbst gelang es, mit dem Schwung aus dem Bundestagswahlkampf, rund 30.000 Unterschriften für einen dritten Bürgerentscheid zu sammeln. Auf der Straße fanden sich aber faktisch keine Menschen, Kundgebungen und Demonstrationen waren schlecht besucht.
Wir kennen ähnliches von anderen Projekten. Auch das sich im Bau befindliche Kohlekraftwerk der EnBW war der Protest eher ein intellektueller Protest – weniger auf der Straße, mehr durch Aktionen oder Podien geführt. Auch hier waren nur wenige Menschen für Demonstrationen zu gewinnen. Und ich erinnere mich natürlich an den mich politisierenden Widerstand gegen das Atomforschungszentrum Karlsruhe, die Wiege der deutschen Atomindustrie. Es tränen einem die Augen, wenn man ahnt, was schon hier verhinderbar gewesen hätte, wäre die Bewegung endlich mal aufmerksam geworden. Während man sich in Kalkar oder Wackersdorf bei zig Demonstrationen mit bundesweiten Teilnehmern letztendlich die dortigen geplanten Anlagen verhindern konnte, wurde in Karlsruhe über Jahre hinweg eine Wiederaufarbeitungsanlage als Pilotanlage im Maßstab 1:10 zu Wackersdorf - die WAK – betrieben. Auch ein schneller Brüter lief in Karlsruhe, der KNK II. Aufmerkdsamkeit hierfür: allenfalls regional, selten überregional. Das Forschungszentrum war Ende der 80er Jahre wegen seiner Atomexportpraxis bzw. Lnow-How-Transfer (u. a. nach Israel, Brasilien oder auch dem Apartheidsregime Südafrika oder dem Iran )auf der schwarzen Liste der CIA. Interesse hierfür: gering. Demonstrationen: keine. Allenfalls die Demonstrationen gegen den Irakkrieg füllten mal den Marktplatz….
Was ist hier in Karlsruhe anders als anderswo? Es gibt wie überall Grüne, Linke, Antifa, BUND, Greenpeace, … Karlsruhe wählte bei der letzen Kommunalwahl die GRÜNEN als zweitstärkste Kraft in den Gemeinderat. Auch bei der Landtagswahl und der Bundestagswahl überdruchschnittliche Ergebnisse. Eigentlich ein hohes Protestpotential. Ist der Karlsruher jemand, der lieber von zu Hause aus protestiert, mittels Unterschriften oder Wahlzettel? Liegt es an er erzkonservativen BNN? Ich bin ratlos – und wie manch anderer: ein bißchen neidisch.
Leserbriefe
Kurzkommentar:
Ich habe diese Woche einen Leserbrief geschrieben, weil im taz-Artikel zur gemeinsamen Sorge von unverheirateten Vätern mal wieder die Angst vor prügelnden Vätern in den Vordergrund gestellt wurde. Gut, kann man erwarten, wenn es von den Frauenhäusern kommt. Von einer Zeitung erwarte ich dann aber etwas differenzierende Berichterstattung, so beispielsweise die Erkenntnis, dass Mütter ihre Kinder ungefähr genauso oft schlagen wie Väter. Dazu gibt es genügend scheuklappenlose Erkenntnisse. Die taz aber nun kürzt meinen Leserbrief aber dann genau um die kursive Stelle:
Selbstverständlich müssen Gewaltopfer geschützt werden. Und es ist eine berechtigte Forderung, dass Frauenhausadressen geheim bleiben müssen. Aber wenn es um die Kinder geht, um elterliche Sorge, dann steht das eben hintendran und nicht vornedran. Dann muss der Kontakt eben über Dritte wie Großeltern oder Jugendamt gewährleistet werden. Denn die Strafe für Körerverletzung heißt nicht: lebenslanger Kinderentzug oder Entväterung.
Darüber hinaus bleibt windmühlenartig zu wiederholen: Kinder werden zu gleichen Teilen Opfer von Gewalt durch Männer und Frauen. Wenn eine Frau ihr Kind drischt, soll man sie dann auch davon ausschließen, über die Schule ihres Kindes eine Entscheidung treffen zu dürfen? Oder ihr lebenslang den Kontakt zu ihrem Kind untersagen dürfen?
Das ist regelrecht sinnenstellend. Und ich finde es schlimm, weil es genau dieser Aspekt ist, der im Ursprungsartikel fehlt und damit einseitig Gewalt Vätern zuordnet. Leider erlbt man das in der Debatte um Gewalt immer wieder. Nicht das Opfer muss geschützt werden, sondern der männliche Täter soll angeprangert werden. Schade taz.
ehrlich und seriös
Eine Frau besitzt ein gutgehendes Geschäft in einer kleineren Ortschaft, irgendwo in Deutschland. Es sichert ihr Auskommen, sie beschäftigt ein paar wenige Menschen. Sie wird nicht reich, scheint aber zufrieden. Um ihre Kunden ordentlich zu bedienen, stellt sie Anfang 2010 eine Mutter in Elternzeit ein.
Sie selbst spezialisiert sich ein bißchen auf eine bestimmte Art von Kunden und ihre Produktinteresse – und als sie während des Jahres die Gelegenheit erhält, in die nächstgrößere Stadt umzuziehen, wo sie mehr von genau diesen Kunden hat, nimmt sie diese Gelegenheit wahr. Ihrer frisch eingestellten Mitarbeiterin macht sie ein interessantes Angebot: ich weiß, dass ich nicht alle Kunden dazu bewegen kann, weiter bei mir Kunde zu sein, weil der Weg zu weit wird. Übernimm du doch die Kunden, die du bisher betreut hast, die von mir, die nicht so weit fahren möchten, bekommst du dazu – und mache dich selbstständig. Geh zu meinem Stuerberater, der liefert dir alle notwendigen Zahlen.
Gesagt, getan, überlegt: der Steuerberater eröffnet, dass der Kundenbestand bezahlt werden müsse, so xx.000 € müsse man branchenspezifisch schon rechnen. Ja, und einen Teil der Geschäftseinrichtung könne man übernehmen, für die Überstunden und den Resturlaub.
Die Mitarbeiterin ist guten Mutes, erkundigt sich über Ablöse, rechnet, nimmt ein Darlehen auf und will einen Übernahmvertrag machen für den Tag, an dem das Darlehen ausbezahlt wird. Am Ende stellt sich heraus, weil es angeblich zu lange ging, dass aus der Verhandlung mit dem Ergebnis, dass weniger Geld zu bezahlen sei, folgt: die Inhaberin zieht um, versucht aber jetzt alles, um alle Kunden mitzunehmen. Sie bricht alle mündlichen Absprachen, verweigert sich Gesprächen, unterlässt zugesagte Hilfestellungen, hat keine Zeit für Besprechungen und geht sogar soweit, ein Teil der Überstundenvergütung nicht ausbezahlen zu wollen und den Kunden, die sie nicht mitnehmen kann zu empfehlen, zur Konkurrenz zu gehen. Sie behält wichtige Post ein, die für die neue Inhaberin ist und schadet somit bewusst ihrer “Nachfolgerin” – in der Branche ein nicht ganz richtiger Ausdruck. Es bleibt der Eindruck, dass man versuchte, irgendwie an xx.000 € zu kommen.
Warum ich das poste: weil mir eine solche Unanständigkeit tierisch auf den Keks geht.
Abzocke – im Großen wie im Kleinen
Heute morgen ist mir beim Zeitungslesen beinahe die Milch im Kaffee sauer geworden. Herr Oehler von den Stadtwerken Ettlingen erzählt per Zeitung – BNN – dass es bei den Stadtwerken keine Abzocke gäbe.
(Wir erinnern uns: Herr Oehler war schon weg bei den Stadtwerken, kam dann aber wieder, weil niemand gefunden werden konnte, der den Job so gut machen konnte wie er oder s ähnlich – aber einE NeueR hätte vieleicht etwas veröffentlicht, das galubwürdiger gewesen wäre.) Sei’s drum, ich wollte eigentlich einen Leserbrief schreiben, aber da ich letzte Woche schon einen drin hatte, wollte man nicht schon wieder einen von mir veröffentlichen. Dann also hier meine Antwort:
Doch, Herr Oehler, auch die Nichtsenkung der Strompreise für Haushalte in Ettlingen ist Abzocke. Oder das Ergebnis einer verfehlten Einkaufspolitik durch die Stadtwerke. Wer das für die grüne Bundestagsfraktion erstellte Gutachten (http://www.gruene-bundestag.de/cms/energie/dokbin/348/348969.strompreis.pdf) genau liest, wird darin folgendenden Satz finden: “Die Rechnung zeigt, daß selbst bei einer langfristigen Beschaffungsstrategie die Preise mittlerweile in 2010 längst das Niveau von 2008 unterschritten haben.” und “Nach Branchenangaben wird der Strom für die Haushaltskunden im Durchschnitt mit einer Vorlaufzeit von ein bis zwei Jahren, also im Mittel etwa 18 Monaten beschafft.” Das bestätigt Herr Oehler ja auch, den aktuell wird der Strom für 2011 und die Hälfte von 2012 eingekauft, wie er berichtet – das liegt in diesem Zeitraum. VOR 18 Monaten (2007 ist doppelt solange her!) war der Strompreis allerdings auf einem Tiefstand. Zudem wird üblicherweise nicht der komplette Strom für ein Jahr eingekauft, sondern in Teiltranchen – auch das bestätigt die Pressemitteilung. Im Übrigen kann man der Begründung für die Strompreise ab 01.04.2010 entnehmen, dass deren Zustandekommen die Strombeschaffung von 2008 zugrunde liegt. Was erzählt Herr Oehler also da?
Auch die gerne von der Atomindustrie angeführte EEG-Umlage reicht nicht aus, um Preissenkungen auszuschließen – denn die stieg weniger als die Preiserhöhungen.
Es wird Zeit, dass die Stadtwerke Ettlingen ihre Einsparungen in der Energiebeschaffung an ihre Haushaltskunden weiter gibt. Denn nicht alle wollen ins Schwimmbad, ins Grünhaus oder zur Buhl’schen Mühle – die Kosten dafür muss sich Herr Oehler woanders erwirtschaften – oder aufhören, Dinge zu finanzieren, die nichts mit der Energieversorgung zu tun haben. Andernfalls wäre den Ettlingern angeraten, den Stromanbieter zu wechseln. Wird deshalb das Schwimmbad 50 Cent teurer, macht das bei einem Cent Einsparung 90 Schwimmbadbesuche, wenn man einen durchschnittlichen Haushalt zugrunde legt.
Demo -nstration und -kratie
Am letzten Samstag war ich zusammen mit anderen GRÜNEN Teil der Demonstration gegen Sozialabbau, zu der ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften und anderen Organisatoren aufgerufen hatte. Ich hatte eine friedliche Demo erwartet und fuhr also zusammen mit meinen kleinen Söhnen, beladen mit Rucksack und Kinderwagen nach Stuttgart. Auftaktkundgebung – etwas laut, dafür aber nahe des Wagens alle anderen GRÜNEN und unsere Landesvorsitzende getroffen. Marsch durch die Innenstadt – alles okay. Dann Abschlusskundgebung am Schlossplatz. Den Kindern wurde es angesichts der langen Reden etwas langweilig. Und obwohl es genügend Platz um mich herum gab, wurde es zusehends enger um mich herum. Dann verbale Angriffe auf die GRÜNEN, die ich mehrfach zu hören bekam – schließlich war ich mit grünem Wahlkampf-T-Shirt und Fahne leicht identifizierbar: “ihr habt doch den Sozialabbau zusammen mit der SPD angefangen, ihr ward das mit der Agenda 2010.”
Naja, meine Haltung ist da schon differenzierter und ich muss bei uns GRÜNEN anerkennen, dass wir gelernt haben, aus dem, was gut gemeint war und doch nur schlecht umgesetzt worden war. Wir sind zwischenzeitlich für eine Aussetzung der Sanktionen ebenso wie für eine höhere Grundsicherung – und ein guter Teil der Partei mit mir auch der Meinung, es müsste ein bedingsloses Grundeinkommen geben – wenn wir auch noch nicht in der Mehrheit sind. Auch bei allem, was recht ist: die Entscheidungen sind 9 Jahre her. und aus der täglichen Arbeit weiß ich, dass zumindest zusätzliche Arbeit nicht völlig falsch ist und ich in meiner Arbeit dafür sorge, dass 1-€-Jobs auch nur dort geleistet werden, wo es Sinn macht – als zusätzliche Arbeit.
Auf jeden Fall wurde es um mich herum enger. Ich versuchte, meinen Sohn davor zu schützen, an den Kinderwagen gedrückt zu werden, um mich herum lauter Männer und Frauen von der MLKP. Kein Verständnis, mir wurden in Gegenwart meiner Kinder Gewalt angedroht, wenn ich es wagen sollte, weiter meinen bzw. seinen Platz einzufordern. Als ich auch noch geheimnisvolles Herumwerkeln mit Tüten entdeckte, ebenso Eierkartons mit Eiern drin, war mir klar, was da kommt – und ging natürlich mit den Kindern sofort raus. Ein Foto von meinem Standort (ohne mich) fand ich übrigens in der Stuttgarter Zeitung wieder.
Kaum hinter der Menschenmenge angekommen, sprach Herr Schmiedel von der SPD – seine Rede ging in Eierwürfen, Flaschenwürfen und Geschrei und Gepfeife unter. Offensichtlich opfert man dem Protest und der Gewalt gerne demokratische Gepflogenheiten – so zum Beispiel das Recht auf freie Meinungsäußerung. Und Rechtfertigungen für die Gewalt gab es dann anschließend auch von Linken.
A lieber J örg, was hättest du denn als Grüner von den Demonstranten erwarte? Das die Demonstrierenden ihr Wut im Zaum halten und dem Repräsentanten einer Partei, die für Krieg, Privatsierungen, Sozialabbau, Stuttgart 21 steht geduldig und demütig zuzuhören?
oder
Die Gewewrkschafter sollen mal nicht rumheulen, haben mit den Polizisten gemeinsame Sache gemacht
Naja.
Egal, wie man zu Schmiedel steht, Demonstrations – Meinungs- und Redefreiheit sind hohe Güter in dieser Demokratie. Wer politische Gegner versucht mundtot zu machen, gefährdet sie. Da müssen einige noch sehr viel lernen.
Linksbündnisse scheitern?!
Erneut scheitert die Regierungsbildung der linken Parteien in einem Bundesland. Ich frage mich daher durchaus selbstkritisch, ob es dieses linke Lager eigentlich gibt. Man sollte meinen, es ist so. Oder ist es nur Parteidialektik, der man da aufsitzt?
Mal schauen: die größte linke Partei ist die SPD. Könnte man meinen. Wird uns gesagt. Aber das Handeln der SPD steht dem eigentlich entgegen: mit der Verlängerung der Restlaufzeiten bei AKWs schlagen wir uns doch nur herum, weil die SPD nicht bereit war, schneller aus der Atomenergie auszusteigen. Die Entfesselung der Hedgefonds war eine SPD-Idee, die Durchsetzung der Bürgerversicherung war unter rot-grün wegen der SPD nicht möglich und die Zeitarbeit wurde auf Betreiben des SPD-Superministers Clement aufgrund der Deregulierungen zu einem lukrativen Geschäft. Die Agenda 2010 ist eine SPD-Kanzler-Idee und derselbe Kanzler machte die Fortsetzung der rot-grünen Koalition davon abhängig, dass wir GRÜNEN dem Afghanistaneinsatz zustimmten – was dann geschah und für die Gesamtpartei GRÜNE bis heute eine Zerreissprobe ist. In Baden-Württemberg kann ich keine großen Unterschiede zwischen der SPD und der CDU feststellen, sei es in der Sozialpolitk, am Schlimmsten in der Verkehrspolitik oder der Netzpolitik. Hier vor Ort ähnlich: schaut man sich das Gebahren der SPD in Sachen Kombilösung oder Kohlekraftwerk in Karlsruhe an, dann kann man auch glatt die Windräder der Familie Müllerschön auf dem ehemaligen Müllberg vergessen. Oder ganz aktuell die geradezu hysterische Dbatte um den von uns angeregten Veggie-Tag im Gemeiderat Karlsruhe. Mal so als die Eckpunkte praktischer SPD-Politik, die mir spontan einfallen.
Ob man eine Partei wie uns GRÜNE, die sich zusehends als kleinere Partei in der Rolle des Pragmatikers wiederfindet und sich Kompromisse schönredet, als linke Partei bezeichnen kann, macht mich zusehends unsicher, wobei hinzukommt, dass manche Umfrage daraufhin verweist, dass unsere Wähler sich zunehmend nicht im klassischen Sinne als links bezeichnen würden. Für ein linke Partei fehlt es mir manchmal an Grundsätzlichkeit. Hinzu kommt die Begeisterung für schwarz-grüne oder Jamaika-Bündnisse mancher Landesverbände, auch unter dem Schlucken großer Kröten wie in Hamburg. Die Formel: “Inhalte statt Macht” mit Leben zu erfüllen, ist schwerer, als ich erwartet habe. Der Eindruck der Beliebigkeit bleibt gerade bei Bündnissen wie dem in Hamburg.
“Die Linke” ist für mich eine sehr konservative Partei – linkskonservativ. Ihre Autoritätshörigkeit gehört für mich zu den grundlegenden Dingen, aufgrund der ich sie für mich eindeutig nicht als meine Partei bezeichnen würde. Die Haltung zur Afghanistanfrage macht sie zwar symphatisch, allerdings bleibt es meist bei der Forderung nach “raus aus Afghanistan”. Auch “weg mit Hartz IV” ist für mich einfach zu kurz gesprungen. Es bleibt bei all ihren politischen Forderungen ein großes “was dann?” als Fragezeichen übrig. Allein in ihrer Haltung zum Antifaschismus ist sie konsequent – und wir GRÜNEN haben ihr da auch das Feld überlassen.
Gerade angesichts ihrer Haltung zum Faschismus scheint mir der Hype um die Haltung einzelner Mitglieder der Linken zur DDR eine Farce. Es erinnert mich durchaus an die Forderung an uns GRÜNE in den 80er Jahren, der Gewalt abzuschören. Darüber haben wir uns zu Recht aufgeregt und das abgelehnt. Ich glaube schon, dass es einzelne Mitglieder der Linken gibt, die das mit der DDR nicht allzu schlimm fanden oder denken, dass das System insgesamt gar nicht so schlecht war. Aber dass man vor Beginn von Koalitionsverhandlungen oder auch nur Sondierungen von ihnen den Schwur verlangt, halte ich für schlicht übertrieben. Denn wir finden auch Extreme oder sehr schräge Meinungen auch in den anderen Parteien. Und ich finde es auch nicht schlimm, wenn jemand betont, dass es auch Gutes in der DDR gab. Das ist richtig, nichtsdestotrotz kann man aus der Existenz einer guten Kinderbetreuung sicher nicht schließen, dass es nicht allzu schlimm dort war. Die DDR war alles, bloß kein Rechtsstaat – aber deshalb ist sie ja am Ende gescheitert. Die BürgerInnen haben das Experiment “Sozialismus” beendet. (Es gehört übrigens für mich zur Gesschichtsfälschung, Helmut Kohl soviel Verdienst um die deutsche Einheit zuzuschreiben, ohne die BürgerInnen, die sich erhoben haben, existierte die DDR heute noch.)
Insofern scheint es nicht verwunderlich, dass dieses linke Bündnis nur rechnerisch existiert – in der Realität ist die Ähnlichkeit ziemlich schnell zu Ende. Denn es ist ja letztendlich so, dass GRÜNE und LINKE nur wegen verfehlter Politk der SPD existieren. Wäre die SPD eine linke Partei, wären wir GRÜNEN vermutlich der ökologische Flügel und die linke der sozzialisitische.
So bin ich bei Henning Schürig, mit mir im Landesvorstand in BW, der der Meinung ist, dass eine Ampel in NRW die Lösung zu sein scheint – eher noch als eine große Koalition, die sicher nicht nur Stillstand bedeutet. Natürlich ist es der SPD lieb, in einer großen Koalition zu regieren – zeigt es sich doch, dass kleinere Parteien durchaus Unterhaltungswert, aber keine Machtoption mehr haben. Wer grün oder links wählt, kriegt am Ende CDU, so die Botschaft, die damit einhergeht. Öko können wir auch und Sozialpolitik haben wir gerade wieder neu entdeckt. Also. Dass grüne da noch offensiv für werben, erinnert mich an dunkle rot-grüne Zeiten, wo ich manchmal das Gefühl hatte, man wäre nur noch Abnicker – oder wie das Antje Vogel-Sperl, grüne Ex-MdB mal sagte: ich hätte nicht gedacht, dass man mit dieser Koalition auch gleich das parteibuch der SPD in die Hand bekommt – und Antje war sicher keine linke Grüne. Dann doch lieber das Signal Ampel: denn auch für Baden-Württemberg wäre das ein deutliches Zeichen an die WählerInnen, dass es für dieses Land noch andere Optionen als CDUplus gibt.
Rollenbilder
Während einige grüne Männer (so auch ich) mit dem Männermanifest darüber sinnieren, dass es Zeit wird, Rollenbilder zu hinterfragen und zu überwinden, um einer gleichberechtigten Gesellschaft näher zu kommen, begegnet mir das klassische “Frau in der Küche”-Modell am eigenen Heim und Herd. Der Familienkoch hier bin ich, zumindest fast immer an den Tagen, an denen ich zu Essenszeiten zu Hause bin. Meine Frau kocht eher selten.
Nun ist es so, dass wir (die Kinder und ich) ziemlich gerne Pommes Frites essen. Wir haben schon immer eine Friteuse (die wir natürlich mit Bio-Fritier-Öl betrieben haben). Als diese nun vor 3 Wochen kaputt gegangen ist, entschlossen wir uns, eine beinahe fettfreie Friteuse zu kaufen. Unsere Wahl fiel auf die Tefal Actifry. Naja, ich bleib dabei, “richtig” fritierte Pommes schmecken besser, aber im Haus riechts nicht mehr so nach Fett und gesünder ists allemal.
Bei der Friteuse beiligend ein Kochbuch, im dem Rezepte stehen, wie Kinder einfach zusammen mit einem Erwachsenen mit diesem Ding kochen können. Nette Idee. Dachte ich. Also, das Ding ausgepackt, ausprobiert und im Kochbuch geblättert. Aber was finde ich dort, wo die Rezepte der Kleinsten stehen? Jedes Rezept beginnt mit: Bitte Deine Mutter XYZ kleinzuschneiden etc.pp. Einen Vater, der kochen kann, konnte ich nirgends finden. Oder “bitte Deine Eltern, einen Erwachsenen”, alles, was neutral gewesen hätte sein können. Nein, die Mutter ists, die in der Küche steht und mit den Kleinsten kocht. Tefal: FAIL! Die Rezepte mit Nährwertangabe machen allerdings einen leckeren Eindruck.








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