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eine Welt ohne Geld

Schließ für einen Moment die Augen und stelle es dir vor:

am 30. September 2017 beschließt die UN einstimmig, dass zum 1. Janaur 2018 das Geld abgeschafft wird. Zukünftig hat jeder Mensch auf diesem Planeten das Recht auf uneingeschränkten Zugang zu allem, was er zum leben braucht. Die Gemeinschaft sorgt dafür, dass alles ausreichend vorhanden ist – so wie es heute schon ist – und dass es gerecht verteilt wird.

Was wird passieren?

Sämtliche Statussymbole verlieren sofort jeden Wert. Ausbeutung rentiert sich nicht mehr. Geldkriminalität ist unnötig. Wissen, Ressourcen, intakte Umwelt, gewinnen an Wert. Jeder tut,  was er möchte, kann tun, sich ausprobieren. Kein Schulabschluss zu einem bestimmten Zeitpunkt wird mehr nötig – wichtig ist nur, dass man einen hat – und um bestimmtes Wissen  erlernen zu können, auch haben muss. Überleben hängt nicht vom Geldbeutel ab, Bildung auch nicht.

Die Gemeinschaft sorgt dafür, dass Lebensmittel produziert werden – aber es besteht kein Interesse mehr an Gewinnmaximierung – also braucht es auch keine Massentierhaltung mehr. Niemand kann mehr mit meinen Daten Gewinne erzielen. Wenn ich krank bin, kann ich geheilt werden, ohne dass ich das Geld für eine Krankenversicherung erwirtschaften muss. Alles gehört allen, das Wissen der Menschheit steht allen zu Verfügung. Es braucht keine Patente mehr – und im Umkehrschluss erst recht keine auf Leben.

Und wer tut dann die ganze Arbeit?

Menschen, die die Dinge, die sie gerne tun, machen möchten. Ich habe in meinem langen Vermittlerdasein Menschen kennen gelernt, die gesagt haben: ich kann putzen, ich will putzen. Mir macht da Spaß, bei anderen Menschen sauber zu machen. Menschen,die ganz eindeutig Verkäufer waren, KFZ-Mechatroniker, gerne mit Zahlen arbeiteten, gerne Menschen bedienten oder pflegten, deren Herz aufging, wenn sie eine Wand tapezieren konnten oder Häuser bauten.

Das alles wird weiterhin nötig sein – und das wird zu organisieren sein. Zukünftige Regierungen müssen diesen Prozess organisieren – aber alle Menschen können sich einbringen. Auf lokaler Ebene sagen: das brauchen wir – und es kann realisiert werden, weil es ja kein Geld kostet – nur Ressourcen, die klug verwaltet werden – weil man sie nicht zu Geld machen kann – nur zu Allgemeingut. Menschen werden sich dafür interessieren, was um sie herum passiert  – weil sie nicht jeden Tag für ihr Einkommen sorgen müssen. Grenzen werden verschwinden, wir werden alle Erdenbürger sein.

Das und viel mehr Gutes wird passieren.

Ein Traum, eine Vision?

Mag sein.

Imagine no possessions, I wonder if you can…
(John Lennon)

Die Trumps dieser Welt

gewinnen und handeln, wie diese Trumps so handeln – und keineR wehrt sich.  Trumps – das sind Orban, Trump, Erdogan, Putin. Bald kommt vielleicht Le Pen dazu. Sie gewinnen Wahlen – und dann regieren sie. Diejenigen, die ihre Wahl hätten verhindern können, sind bestürzt. Hinterher natürlich.

Vorher haben sie dem magischen Denken gefrönt, dass „Es“ schon immer irgendwie gut gegangen ist – auch wenn die Geschichte zeigt, dass es vielleicht hier in Europa und im nördlichen Amerika gut gegangen ist – sonst ist das eher selten auf dem Erdball.

Und da liegt der Hund begraben. Ja, man kann das Wahlergebnis aus den USA sinnig und intelligent bewirken – so wie es die ZEIT in diesem Artikel tut. Aber die Wahrheit ist doch:

Es gab zu wenige Wähler_innen, die ihn nicht nicht gewählt haben. Ich mein – ob Clinton besser gewesen wäre, sie mal dahingestellt. Die hätte andere Probleme gemacht – allerdings wäre sie berechenbarer gewesen und vielleicht nicht ganz so irrlichternd, wie Bernd Ulrich gut beschreibt.

Richtig ist so vieles – Abstiegsängste, Nationalismus, Establishment, Politiker, System, Ausbeutung, Angst, Angst, Angst, Neid, Gier, Dummheit, Ignoranz, Egoismus, Arroganz, Ungleichheit – all das und noch viel mehr führt dazu, dass Menschen sich extrem auf das eigene Wohl konzentrieren.

Dabei will das doch eigentlich keineR so richtig. Die meisten (westlichen) Menschen wollen erst einmal: ihre Ruhe. Ihr Leben leben. Einen Job oder eine Aufgabe haben, ein Einkommen, damit sie sich keine Sorgen machen müssen, eine Wohnung mit genügend individuellem Platz, genug zu essen, Zugang zu sauberem Trinkwasser, ein Klo. Frieden mit sich und den Nachbarn.

Niemand will andere hassen, sich Sorgen ums Essen machen müssen, keine gute Wohnung finden, die Kinder auf schlechte Schulen schicken müssen oder sie nur schlecht betreuen. Vereinsamt sein, alkoholkrank, hungrig, panisch, verarmt, hoffnungslos, zerstritten mit Nachbarn und Freunden. Angst ums Überleben, um das tägliche Einerlei.

Wer keine Angst haben muss, das, was er hat, zu teilen, weil er genügend hat und sieht, dass genügend da ist, dass auch noch jemand anderer in Ruhe und Frieden satt wird – der teilt gerne. Nicht jede_r ist ein solcher Menschenfreund_in, dass er oder sie etwas hergibt, und er /sie selbst nicht mehr genug für sich. Das schaut man sich gerne im Kino an, wenn es andere machen – in der Realität trifft man das eher selten an.

Jede_r kann sehen, dass genügend da ist. Aber es ist ungerecht verteilt. Auch das kann jede_r sehen. Jede_r weiß, dass ein Steuerhinterzieher wie Uli Hoeness die Gesellschaft weitaus mehr schadet als ein Hartz-IV-Bezieher_in, der/die selbiges tut. Hoeness aber wird wieder Bayern-Präsident. Geachtet. Menschen bekommen Millionengehälter. Manager bedienen sich. Fahren Geschäftswagen und haben andere Privilegien. Die, die das nicht können, werden ausgebeutet.

Trumps Wahl  – und die Erfolge der Rechtspopulisten in Europa – bedeuten vor allem, dass das westliche Politiksystem von einer relevanten Gruppe abgelehnt wird. Nicht die Demokratie an und für sich – obwohl die AfD da sicherlich gerne mit spielt – sondern das System drumrum. Wenn man mal die Ausländerhetze, die faschistoiden Aussagen, den Rassismus und die Verächtlichmachung von Grundwerten ausblendet bleiben bei AfD und bei den Trumps letztendlich eine Ablehnung von Politik, wie sie heute gemacht wird. Eine Politik, die in einer Parallelwelt lebt. Die Subventionen vergibt – und keine Arbeitsplätze sichert. Die unten drangsaliert – und oben das „politische Wiesle mäht“. Die sich selbst Gehälter und Pensionen gönnt, die für die „Normalen“ unerreichbar sind. Die mit Zug und Flugzeug durch die Gegend reisen – während andere kaum aus dem eigenen Ort heraus kommen. Die bei Naturkatastrophen entscheiden möchten, was denn jetzt genau kaputt gegangen sein soll und was ersetzt wird – und was nicht – und selbst diese Zahlungen dauern lange. Hier heißt es „Merkel muss weg“ – aber gemeint ist dieses sich selbst befruchtende System. Ich betreibe lange genug Politik, um gesehen haben zu können, was gemeint ist. Wenn sich Politik trifft, um über Hartz IV zu debattieren – gibts halt Schnittchen und Orangensaft, getagt wird in angenehmenen Räumen auf guten Möbeln. Alleine diese eine Debatte kostet so viel Geld, dass davon mehr als eine Familie über den Monat käme. Während man gerne und freudig Milliarden für die Ausstattung von Schulräumen ausgibt, kämpft die Kommune mit den Eltern um jeden EURO, den sie zum Mittagessen zuschießen muss. Als könnte man mit leerem Magen gut lernen, auch wenn der Chemiesaal der modernste im Umkreis ist. Ich arbeite bei einem Bildungsträger, mache dort unter anderem Vermittlungscoaching für arbeitslose Menschen – wer das mal vergleicht mit dem, was in Schulen so verbaut und angeschafft, von der Ausstattung, die völlig ausreichend ist und den Geldern, die bezahlt werden – die völlig unzureichend für die Träger sind – der weiß, was ich meine. Und so weiter, und so fort.

Das Problem heißt Misstrauen in ein politisches System, bei dem auch nicht mehr der beste gewinnt oder handeln darf – sondern der am besten vernetzte. Die Trumps, Petrys und Le Pens sagen: wir werden es anders machen. Wir werden nicht so sein. Wir gehören nicht dazu, denn wir sind Parias. Trump hat es auf die Spitze getrieben, hat darüber hinaus u. a.  machohaftes Verhalten an den Tag gelegt – belohnt mit Wahlstimmen von weißen Männern, die halt finden, dass ein „ganzer Mann“ Präsident sein soll in dieser Welt der Kriege und Konflikte – und kein gospelsingender, schwarzer, eloquenter Bildungsbürger.

Und das Problem heißt: Wahlverweigerung. Ähnlich wie beim Brexit gehen jetzt in den USA die auf die Straße, die sagen: wir wollen „das“ nicht. Es wird sich aber nicht mehr ändern. Trump ist Realität, die nächsten 4 Jahre auf jeden Fall. Was für alle, die den Siegeszug der Rechtspopulisten aufhalten wollen, Pflichtprogramm ist, ist nicht nur die eigenen Ziele zu überprüfen – sondern auch die eigene Haltung. Wer etwas fordert, muss versuchen, das auch zu leben. die Politik, wie sie heute von vielen Menschen wahrgenommen wird, ist unglaubwürdig geworden. Die Piraten haben das mit „politische Zwänge“ gut auf den Punkt gebracht – man sagt vor der Wahl, was man tun will, nach der Wahl macht man etwas völlig anderes. Unrühmliches Beispiel war die Erhöhung der Mehrwertsteuer – beide Koalitionspartner haben versprochen, sie zu senken, nach der Wahl haben sie sie erhöht. Oder bei meiner Expartei als Beispiel die Zivilklausel: SPD und GRÜNE hatten sie im Wahlprogramm – die Ministerin – die auch im Programmprozess dagegen votiert hatte – setzte ihre Linie am Ende durch. So finden sich viele Beispiele, jeder_m fällt sicherlich mindestens eines ein.

Da eine progressive Politik nicht populistisch ist – man muss immer zuviel erklären – kann sie nur glaubwürdig sein. Ein GRÜNER im Armani-Anzug geht halt nicht. Ein Linker im Porsche auch nicht.

Die Honoratioren der Stadt Lüben um 1920-1940 (www.lueben-damals.de)

Die Honoratioren der Stadt Lüben um 1920-1940 (www.lueben-damals.de)

Wer allerdings glaubt, dass sich jetzt in den Parteien etwas ändern würde, der irrt. Die Diskussionen werden nach dem üblichen Schema ablaufen – am Ende kämpfen alle für ein „weiter so“ und „jetzt erst recht“ – weil sie alle um ihre Posten Angst haben. Ich schrieb an anderer Stelle, dass viel zu viele Menschen, deren Arbeitsstelle von Politik abhängt, diese bestimmen. Von denen ist kaum zu erwarten, dass sie riskieren, neu zu denken. Sie werden eher dafür sorgen, dass sie im Falle eines Arbeitsplatzverlustes gut abgesichert sind – bis hin zu ausufernden Pensionen und der Behauptung der eigenen Fehlerlosigkeit.

Ja, ich weiß, was zu tun ist und was ich verlangen kann. Nur das, was ich selbst bereit bin, zu geben und zu tun. Ich bin mehr denn je überzeugt – und wenn ich die Debatten in den sozialen Netzwerken der etablierten Parteigänger verfolge sowieso – dass es eine neue politische Kraft im linken Spektrum braucht. Eine, die glaubwürdig sein möchte und auch alles dafür tut, dass es so bleibt. Die die Leute wieder begeistert für Politik und sie dazu bringt, nachzudenken über Politik und Gesellschaft – und Einfluss gewinnen will. Politik braucht wieder mehr Raum im Privaten, in der Gesellschaft – nicht in Form von Honoratioren – sondern in Form greifbarer Veränderung. Da sind alle gefragt. Transparenz, Diskussion, Offenheit, Ehrlichkeit. Und Mut. Ganz viel Mut. Damit muss man JETZT!ANFANGEN.

Wahlbetrug

rufen wir, wenn mal wieder am Ende einer Koalitionsverhandlungen etwas rauskommt, was nicht in den Wahlprogrammen stand. Der Klassiker als Beispiel sind CDU und SPD 2005 und die Frage der Umsatzsteuererhöhung (Mehrwertsteuer in Umgangssprache genannt): Die CDU wollte um 2% erhöhen, SPD nur um 1%, am Ende haben sie zusammen 3% beschlossen. Empörung (zurecht!) allenthalben. In Baden-Württemberg trifft man in dieser Frage immer auf das Beispiel der Zivilklausel, die beide jetzigen Regierungsparteien wollten, die nun aber (leider) nicht kommt.

Das Problem ist und bleibt – man wählt Parteien und Programme – und weiß nicht, wie das Wahlergebnis am Ende aussieht und erst recht nicht, wie der Koalitionsvertrag zwischen den Koalitionen. Das Problem unserer repräsentativen Demokratie ist aber deshalb nicht das Parteiensystem, sondern der Wunsch nach klaren Verhältnissen im Deutschen Bundestag, Verlässlichkeiten und eindeutigen Mehrheiten. An aktuellen Koalitionsverträgen wird es wieder deutlich: es gibt Kompromisse und die haben es ganz schön in sich. Die SPD konnte ihre zwei zentralen Forderungen, die nach dem Doppelpass für alle Migranten und dem Ende des Wahlzwangs bzgl. der Nationalität nicht durchsetzen ebenso wenig wie den Mindestlohn. Oder an einem alten, rot-grünen Beispiel festgemacht: wir konnten uns mit einem schnellen Ausstieg aus der Atomenergie nicht gegen die SPD durchsetzen, mussten die Kröte der Laufzeitbegrenzung – den sogenannten Atomkompromiss – schlucken. Oder konnten uns in der Frage der Höhe der Hartz-Leistungen nicht durchsetzen – wir wollten die niemals auf Sozialhilfeniveau festlegen.

Insofern ist die Frage nach der Rechtmäßigkeit des SPD-Mitgliederentscheids gar nicht dumm, keine Provokation und die Unfähigkeit Sigmar Gabriels, auf Marietta Slomkas Fragen auch nur ansatzweise einzugehen, zeugt von großer, fehlender Einsicht in diesen Prozess der Regierungsbildung, der als durchaus undemokratisch empfunden werden muss. Denn ließe man diese Gedankengänge einmal zu und überlegte sich, was daraus folgte – so könnte durchaus ein Update der repräsentativen Demokratie daraus entstehen. Einige interessante Punkte dazu liefert auch die Wikipedia.

1. Warum Koalitionen?

Nach der Bundestagswahl wurden Stimmen laut, die dazu aufforderten, die CDU/CSU (eine faktische Koalition) möge in eine Minderheitenregierung gehen und sich die notwendigen Mehrheiten jeweils suchen. Das würde auch meines Erachtens das Wahlergebnis am besten repräsentieren. Die Regierung würde von der Partei gestellt, die die Wahl gewonnen hat, ihr Regierungsauftrag wäre das eigene Parteiprogramm, über das die Menschen abgestimmt haben und Kompromisse müssten im Parlament gesucht werden. Das wäre eine Lösung.

2. Regierung

Eine Minderheitenregierung könnte einerseits Minister_innen aus dem eigenen Lager berufen, andererseits sich aber auch Menschen aus den anderen Fraktionen suchen. So könnte eine Vereinbarung – kein Koalitionsvertrag – mit einer anderen Fraktion getroffen werden – die Duldung. Für diese Duldung könnten Ministerien besetzt werden,  was aber keinen Automatismus bei den Abstimmungen bedeuten müsste.

Man könnte aber darüber nachdenken, dass die Ministerien entsprechend des Wahlergebnisses zu besetzen sind, also jede in den Bundestag entsandte Fraktion mindestens eineN Minister_in stellt. Die Regierung (also das Kabinett) sollte dann nur Entscheidungen mit mindestens 2/3 oder gar 3/4 Zustimmung fällen können.

3. Koalitionsvertrag

Man könnte auch tatsächlich nach einer Wahl die Koalitionsverträge, die verschiedene Parteien miteinander treffen, erneut zur Abstimmung stellen. Dann würde am Ende die Regierung einen Koalitionsvertrag ausführen, über den die Bevölkerung abgestimmt hat. Das ist der Gedankengang, an dem die Kritik von Marietta Slomka greift. Der Weg wäre dann also Wahl/Verhandlungen/Verträge/Abstimmung. Die Regierung stellte dann das Bündnis, dessen Koalitionsvertrag gewählt wurde. Die Regierung wäre an dieses Votum gebunden. Alternativ könnte man auch die Bevölkerung die einzelnen Themen der Wahlprogramm zusammenstellen lassen. Alle Wahlprogramm müssten nach dem gleichen Schema, analog zu den Ministerien, geschrieben sein. Die Bevölkerung stimmt ab, welcher Programmteil welcher Partei zum Koalitionsvertrag wird. Das Ministerium wird entsprechend besetzt.

4. Koalitionen

Analog zur diskutierten Drittstimme, die zählt, wenn die Zweitstimme wegen Nichterreichens der 5%-Hürde verfällt, könnte man Koalitionen/Bündnissse zur Wahl stellen. An dieses Votum wären die Parteien dann gebunden. Es regiert dann das Bündnis, dass die meisten Stimmen hat, auch als Minderheitenregierung.

5. Weitere Formen sind denkbar – sollten sich aber daran orientieren, so gut wie möglich den Wählerwillen abzubilden.

Flügelkämpfe

Ich muss mich setzen. Bin genervt von Flügelinterpretationen. Genervt von einer Presse, die einen Boris Palmer hofiert, der Interviews im Akkord gibt – und seine Flügelsicht in die Welt hinausposaunt – als wäre er nicht maßgeblich am Ergebnis beteiligt gewesen mit seinen in ähnlichen Massen gegebenen Interviews mit Kritik an den Steuerplänen. Als wäre er nicht gerade sang- und klanglos erst aus dem Parteirat – und dann aus der grünen bundespolitischen Relevanz geflogen. Schlimm genug, dass er nicht den politischen Anstand hat, diese Interviews bleiben zu lassen. Wobei ich persönlich glaube, dass er nur das Sprachrohr ist – das Sprachrohr einer Realoclicque, die nicht gerne mit Namen hinter ihren Schlussfolgerungen stehen möchte.

Bin genervt von Cem Özdemirs, die noch nicht einmal den Anstand haben, ein paar Tage zwischen Rücktritt und Wiederkandidatur zu warten – anstatt sich flügelübergreifend Fürsprecher zu suchen – wie sie sich sicherlich für Malte Spitz und Astrid Rothe-Beinlich finden werden. Hoffe auf eine Bin begeistert von Claudia Roth, die ihnen allen erneut den Spiegel vorhält. Genervt von einem Jürgen Trittin, der seinen Rücktritt zusammen mit Katrin Göring-Eckardt hinauszögert hinausgezögert hat (und Katrin will ja Fraktionsvorsitzende werden – ganz schön viel Chuzpe hat sie) – vielleicht, weil er immer noch auf einen Ministerposten hofft. Der sich in seiner Analyse dazu versteigt, eine virtuelle Mehrheit rechts von der Mitte zusammen zu fabulieren, damit er vielleicht noch mit einem blauen Auge davon kommt. Als wäre für die Regierungsbildung nicht die Parlamentsmehrheit relevant – und die liegt nicht bei den Schwarzen. Genervt von Rücktrittsforderungen an Trittin – die vergisst, dass der gesamte Fraktionsvorstand im Boot mit ihm sitzt. Es geht ja nicht nur darum, wer den Kopf hingehalten hat – und das hat Jürgen weitaus mehr als Katrin, die als Spitzenkandidatin in meinen Augen eine völlige Fehlbesetzung war, trotz Basisvotum – sondern wer in der Sache zu verantworten hat, dass wir die Angriffe nicht parieren konnten. Das ist ja nicht nur eine inhaltliche Frage – sondern eine kommunikative Frage.

Genervt von Flügelbünden, die die Sicht ihrer  Führungspersönlichkeiten weitergeben – und ihre Führungspersönlichkeiten schon als Nachfolger präsentieren. Genervt von Realos, die schwarz-grün noch immer nicht aufgeben wollen. Da reisst dann der Wahlverlierer Janecek die Klappe auf, als hätte er nicht das grüne Ergebnis in Bayern – ohne Pädoaffäre mit Jürgen Trittin – an die Wand gefahren. Ich frage: wo ist die Basis in diesem Machtspielchen?  Es kursiert die Idee, den Parteitag im Oktober, der als Koalitionsvertragsparteitag geplant war, abzusagen. Es ist wohl die Absicht, auf dem Länderrat, auf dem die Basis unterrepräsentiert ist, die Analyse abzuschließen. Das reicht nicht. Ihr werdet Euch der Basis stellen müssen, meine Freundinnen und Freunde. Und nicht erst auf der BDK im November, wenn dann schon viel Wasser die diversen deutschen Flüsse hinuntergeflossen ist. Ich erwarte, dass die BDK stattfindet.

Ich fühle mich weiterhin dem linken Flügel zugehörig – politisch. Aber ich kann wenig mit diesem Pöstchengeschacher anfangen, das jetzt, ohne das alle Verantwortlichen mal etwas Demut geübt haben, losgeht. Ich mochte auch unsere Kampagne bei der Präsentation. Ich habe wenige Gegenstimmen gehört. Wie ich wenig Gegenstimmen zu allem gehört habe – die Zustimmung zum Programm war riesengroß – ich war dabei.

Gibt’s Grüne die mir folgen in einem Antrag, die BDK im Oktober aufrecht zu erhalten – als Sonder-BDK zum Wahlergebnis? Schaffen wir es, 46 Kreisverbände zusammen zu trommeln?

schlechte Recherche – Filmkritik

Ich mag die Filmreihe „Planet der Affen“. Ich hatte sie als Jugendlicher Mitte der 1980er im Fernsehen gesehen und fand sie von der Idee damals gut gemacht. Und Zeitreisen und Geschichten darum fand ich schon immer sehr faszinierend.

Szene aus Planet der Affen von 1968

Nun erscheint nach dem eher schlechten 2001er Remake des „Planeten der Affen“ ein aktuelles, sogenanntes „Prequel“ – also ein Film, der die Vorgeschichte darstellt – wie „es“ soweit hat überhaupt kommen können. Und in meiner heutigen BNN steht dazu eine Kritik. Die leider in einem wichtigen Punkt falsch ist – der mich so ärgert, dass ich es aufschreiben muss:

Der Journalist(?) Peter Kohl ist nicht der einzige, man findet das auch bei SPON, aber er schreibt es wohl am deutlichsten falsch:

„die vier Fortsetzungen, die damals entstanden sind, haben den Erzählfaden einfach nur weiter gesponnen, […].

Davif Kleingers schreibt im Spon:

Ganz wesentlich etwa die Entscheidung, statt der vertrauten Untergangsvision der Menschheit die Emanzipationsgeschichte der Affen in den Mittelpunkt zu rücken.

Das ist schlicht nicht wahr. 1971 erschien „Flucht vom Planet der Affen“, der genau das Prequel mit seinen zwei Fortsetzungen schreibt, die jetzt im aktuellen Film benutzt wird. Allerdings bedient sich der 71er Film der bekannten Charaktere Cornelius, Zira und Milo.

Alle weiteren Inhalte: Haustierseuche, Revolte der Affen (und Gleichberechtigung trotz Sieg der Revolution), Machtübernahme nach Atomkrieg findet der recherchierende Journalist im Internet.

Es ist sehr, sehr unangenehm, wenn ein Autor eine Kritik schreibt, wenn er nicht weiß, über was er schreibt. Peter Kohl hat wohl nie die 5 Teile, die Ende der 1960er bis Mitte der 1970er entstanden sind, gesehen. Vermutlich kennt er grob die Handlung des ersten Films – wobei die Geschichte des Planeten Erde ja im zweiten Film durch die Alpha-Omega-Bombe endet – und somit in Teil 3,4 und 5 auch nicht einfach weiter gesponnen werden kann. Und er macht sich leider nicht die Mühe, auch nur die Wikipedia dazu zu lesen.

Der aktuelle Film erzählt somit eine andere Geschichte – was ja grundsätzlich nicht schlimm ist – die alten Filme sind aus heutiger Sicht durchaus nicht immer gut gemacht. Aber schlicht etwas falsches zu schreiben – Rupert Wyatt erzählt eine neue Geschichte – und bedient sich dabei aber durchaus der alten Geschichte – die Hauptfigur heißt – wie schon früher Caesar und ist damals das Kind von Zira und Cornelius aus der Zukunft und heute eben das  Kind einer Laboräffin.

So viel Korrektheit muss sein. Und soviel Mühe sollte sich ein Autor machen – oder etwas nicht?

übrigens: auch bei der HNA: „Nach dem schwachen Affen-Remake von Tim Burton 2001 wird nun eine Vorgeschichte – neudeutsch Prequel – hinzugedichtet.“

der Stern: Weil dem nichts hinzuzufügen ist, hat Regisseur Rupert Wyatt („The Escapist“) keine Fortsetzung gedreht. Sein Film „Planet der Affen: Prevolution“ erzählt die Vorgeschichte dieses tierischen Endzeitszenarios.

die Welt: „Prevolution“ soll nun erzählen, wie alles begann und warum die Affen die Herrschaft auf der Erde übernehmen – eine Frage, die mindestens seit 1968 im Raum steht, als Charlton Heston in dem Filmklassiker von Franklin J. Schaffner als tapferer Astronaut seinem Raumschiff entsteigt, um von einer Horde überaus unangemessen intelligenten Affen geknechtet zu werden.

(und so weiter – alle erzählen den gleichen Käse…)

(Hab ich jetzt mal so ähnlich als Leserbrief an die BNN geschrieben, mal sehen, was zurück kommt)

Update: E-Mail der Kulturredaktion der BNN:

Sehr geehrter Herr Rupp,
vielen Dank für Ihre Zuschrift. Hier scheint tatsächlich ein bedauerlicher Fehler vorzuliegen oder zumindest eine irreführende Verkürzung, denn einerseits wird der Faden des ersten Films ja tatsächlich weitergesponnen (alle Filme bauen aufeinander auf), andererseits durch das Element der Zeitreise ein „Prequel“ geschaffen. Diese Wendung der späteren Fortsetzungen ist offenbar aber weitgehend in Vergessenheit geraten (bzw. nie richtig wahrgenommen worden), so dass die Produzenten des neuen Films sich leicht darüber hinwegsetzen konnten – wie Sie zu Recht bemerken, finden sich auch in anderen Kritiken keine Hinweise darauf. Dennoch hätte man den Aspekt des Neuansatzes vor diesem Hintergrund sicher anders einordnen können (ein früherer Termin der „Planet der Affen“-Nacht auf kabel eins hätte die Erinnerung unseres Kritikers vielleicht aufgefrischt…). Daher nochmals vielen Dank für Ihr Feedback, denn natürlich ist für uns die Korrektheit der gedruckten Angaben von äußerster Wichtigkeit.

Mit freundlichen Grüßen

A. J.

 

Twitter Follow me Kalender 2011

Für 2011 wird es wieder einen Twitter-Wandkalender geben. Hierfür hat sich meinedruckfabrik.de eine nette Idee einfallen lassen. Jeder Blogger der über die Aktion berichtet, erhält automatisch den Wandkalender 2011. Anschließend muss man noch das passende Formular ausfüllen.

Und da ich das jetzt mal nete Idee finde, der Kalender nett aussieht und ich auch nix gegen nen hübschen Wandkalender habe – habe ich das jetzt mal gemacht.

Fußball

Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt – so klang es 1974 vom Plattenspieler meiner Eltern. Fußball interessiert mich als Menschen recht wenig, auch wenn ich früher in der Jugend im Verein gespielt habe, später dann, mit Mitte 20 nochmal in der zweiten Mannschaft in Ettlingen. In der Zeit hatte ich auch mal für zwei/drei jahre eine Jahreskarte für den KSC – es war die Zeit der UEFA-Cup-Teilnahme. Seitdem ist das Interesse mehr oder weniger abgeflacht. Sportschau schaue ich selten, ab und an ein Spiel in der Kneipe oder ein Montagsabendspiel in der zweiten Liga. Ein bißchen mitleiden muss ich aber trotzdem mit den blau-weißen – alte Liebe rostet nicht, oder so. Und die WM-Spiele Deutschland gegen irgendwen hab ich auch alle gesehen und mitgejubelt – aber nicht groß getrauert – höchstens mit meinem siebenjährigen Sohn, für den das Verlieren im Halbfinale schon arg war.

So, das mal zum Hintergrund. Fußball ist für mich ein Sport. Aber dabei ist er das gar nicht mehr. Er ist der fleischgewordene Kapitalismus. Zu diesem Beitrag haben mich zwei Meldungen getrieben: da schreibt einerseits der Stern: Mesut Özil ist 250 Millionen Euro wert. Und: der KSC hat einen neuen Hauptsponsor, mit Ach und Krach gerade noch rechtzeitig zum Saisonstart gefunden. Die Gerüchteküche im ka-news-Kommentarforum spricht von 500 bis 700.000 €, die KLAIBER Sonnen- und Wetterschutztechnik bezahlen wird. Schon hier wird eine Dimension ersichtlich, die kaum erträglich scheint. Man stelle sich vor, der KSC hätte ein Talent wie Özil, wie lange könnten sie ihn halten?

Und da beginnt das Problem. Dieses ganze Fußballding ist darauf ausgelegt, zu gewinnen. Klar, es ist ein Wettkampf. Aber gehört für die Spannung nicht auch dazu, dass nicht immer derselbe gewinnt? Und gehört zu einem fairen Wettkampf nicht dazu, dass die Gegner sich auf Augenhöhe begegnen? Wo aber ist die Augenhöhe, wenn ein Verein wie Bayern München seit Jahr und Tag in Geld schwimmend die besten Spieler der Liga (und teilweise des Auslands) verpflichten kann? Wenn ein Verein wie Hoffenheim, mit dem Geld des Herrn Hopp sich eine Mannschaft zusammenkauft und so einen Verein in die 1. Liga bringt. Klar, es gehört noch viel mehr dazu, außer gute Spieler aufzustellen – aber wann war der FC Bayern zum letzten Mal auf Platz 10? In den letzten 10 Jahren waren sie immer unter den ersten 4! Ist das noch das, was tatsächlich gewollt ist? Sollte in so einer Liga über viele Jahre gesehen,  nicht eine gewisse Fluktuation herrschen? Aber es sind fast immer dieselben Mannschaften, die auf- und absteigen, die Meister werden oder in die europäischen Wettbewerbe gehen. Es passiert mal was wie letztes Jahr mit Hertha BSC, aber schon der Aufsteig von Hoffenheim zeigt die Verbindung von Geld und Erfolg.

(Dazu betrachtet, wie kommerziell Fanartikel gehandelt werden, wie bspw. die FIFA es geschafft hat, die Gewinne der von ihr ausgetragenen WM steuerfrei in einem Land wie Südafrika zu bekommen, das es dringend nötig hätte, dass die Steuereinnahmen aus so einer Veranstaltung bei ihr bleiben. Wieviel Leid könnte in diesem armen Land beseitigt werden, hätte werden können. Nun fließt/floss das Geld stattdessen in die Kassen der Funktionäre, von der Ausschaltung lokaler Händler mal ganz abgesehen.)

Ich finde, irgendwo ist die Grenze erreicht. Es kann nicht sein, dass Spieler – bald auch schon Spielerinnen – absurde Millionengehälter kassieren, Kopfprämien in noch absurderer Höhe bezahlt werden – nur um zu gewinnen – weil nur der andauernde Gewinn eines Spieles für dauerhafte, sehr hohe Werbeeinnahmen führt. Wie konnte es nur soweit kommen?

Für den Sport, glaube ich, wäre es besser, fände man eine Handhabe, dies einzuschränken. Man muss diesen Zirkus nicht mitmachen. Wer sagt, dass die FIFA die WM ausrichten muss? Wieso können das nicht die Sportministerien? Wieso nicht die Umwandlung von Vereinen in AGs unterbinden, den Zugang zur Bundesliga nur noch e. V.s zu gewähren und im Vereinsrecht Regelungen finden, die solch horrende Summen unmöglich machen?

Mag sein, dass Bayern dann mal absteigt. Mag sein, dass kein deutscher Verein auf Jahre hinaus die Champions League gewinnt. Aber vielleicht würde es dazu führen, dass die Vereine wieder mehr auf Nachwuchsförderung setzen würden.  Dass, wer keine Abermillionen für Spieler und Stab benötigt, auch mal wieder Eintrittskarten verkaufen kann, die sich jemand, der nicht so reich ist, auch leisten kann. Vielleicht hätte ein Stuttgarter Verein wieder überwiegend Stuttgarter (oder schwäbische) Spieler. Vielleicht wären dann 700K € von einem Sponsor das, was sie sind – ein Haufen Geld. Und kein Grund zur Häme. Und vielleicht würde die deutsche Nationalmannschaft trotzdem die WM gewinnen….

Ich würde mir kleinere Brötchen wünschen, in dieser Branche. Ich hab nichts dagegen, wenn Menschen mit etwas Geld verdienen, das anderen ein Hobby ist. Aber die Dimensionen sind so aberwitzig wie bei Film- oder Popstars. Denn wenn am Ende das Geld den Ausschlag gibt, wer weiß, wieviele Talente so ungehört und ungesehen verloren gehen. Wer weiß, wieviele Erfolgsgeschichten so nicht geschrieben werden. Und wer weiß – wieviel mehr Spaß würde das alles machen.

Wieso in XYZ und nicht bei uns?

In Stuttgart erleben wir in diesen Tagen aktuell einen bundesweit geachteten Protest gegen das Projekt Stuttgart 21. Ich mag hier nicht einen weiteren Blogbeitrag dazu aufmachen, sondern mich interessiert daran eher der Bürgerprotest.

Während in Stuttgart am heutigen 20. August – das ist mitten in den Sommerferien – nach Teilnehmerangaben rund 30.000 (!) Menschen in Stuttgart zusammen kommen, waren Proteste in Karlsruhe gegen das parallel laufende Millionengrab „Kombilösung“ faktisch kein Protest zusammen gekommen. Im letzten Herbst gelang es, mit dem Schwung aus dem Bundestagswahlkampf, rund 30.000 Unterschriften für einen dritten Bürgerentscheid zu sammeln. Auf der Straße fanden sich aber faktisch keine Menschen, Kundgebungen und Demonstrationen waren schlecht besucht.

Wir kennen ähnliches von anderen Projekten. Auch das sich im Bau befindliche Kohlekraftwerk der EnBW war der Protest eher ein intellektueller Protest – weniger auf der Straße, mehr durch Aktionen oder Podien geführt. Auch hier waren nur wenige Menschen für Demonstrationen zu gewinnen. Und ich erinnere mich natürlich an den mich politisierenden Widerstand gegen das Atomforschungszentrum Karlsruhe, die Wiege der deutschen Atomindustrie. Es tränen einem die Augen, wenn man ahnt, was schon hier verhinderbar gewesen hätte, wäre die Bewegung endlich mal aufmerksam geworden. Während man sich in Kalkar oder Wackersdorf bei zig Demonstrationen mit bundesweiten Teilnehmern letztendlich die dortigen geplanten Anlagen verhindern konnte, wurde in Karlsruhe über Jahre hinweg eine Wiederaufarbeitungsanlage als Pilotanlage im Maßstab 1:10 zu Wackersdorf  – die WAK – betrieben. Auch ein schneller Brüter lief in Karlsruhe, der KNK II. Aufmerkdsamkeit hierfür: allenfalls regional, selten überregional. Das Forschungszentrum war Ende der 80er Jahre wegen seiner Atomexportpraxis bzw. Lnow-How-Transfer  (u. a. nach Israel, Brasilien oder auch dem Apartheidsregime Südafrika oder dem Iran )auf der schwarzen Liste der CIA. Interesse hierfür: gering. Demonstrationen: keine. Allenfalls die Demonstrationen gegen den Irakkrieg füllten mal den Marktplatz….

Was ist hier in Karlsruhe anders als anderswo? Es gibt wie überall Grüne, Linke, Antifa, BUND, Greenpeace, … Karlsruhe wählte bei der letzen Kommunalwahl die GRÜNEN als zweitstärkste Kraft in den Gemeinderat. Auch bei der Landtagswahl und der Bundestagswahl überdruchschnittliche Ergebnisse. Eigentlich ein hohes Protestpotential. Ist der Karlsruher jemand, der lieber von zu Hause aus protestiert, mittels Unterschriften oder Wahlzettel? Liegt es an er erzkonservativen BNN? Ich bin ratlos – und wie manch anderer: ein bißchen neidisch.

Leserbriefe

Kurzkommentar:

Ich habe diese Woche einen Leserbrief geschrieben, weil im taz-Artikel zur gemeinsamen Sorge von unverheirateten Vätern mal wieder die Angst vor prügelnden Vätern in den Vordergrund gestellt wurde. Gut, kann man erwarten, wenn es von den Frauenhäusern kommt. Von einer Zeitung erwarte ich dann aber etwas differenzierende Berichterstattung, so beispielsweise die Erkenntnis, dass Mütter ihre Kinder ungefähr genauso oft schlagen wie Väter. Dazu gibt es genügend scheuklappenlose Erkenntnisse. Die taz aber nun kürzt meinen Leserbrief aber dann genau um die kursive Stelle:

Selbstverständlich müssen Gewaltopfer geschützt werden. Und es ist eine berechtigte Forderung, dass Frauenhausadressen geheim bleiben müssen. Aber wenn es um die Kinder geht, um elterliche Sorge, dann steht das eben hintendran und nicht vornedran. Dann muss der Kontakt eben über Dritte wie Großeltern oder Jugendamt gewährleistet werden. Denn die Strafe für Körerverletzung heißt nicht: lebenslanger Kinderentzug oder Entväterung.

Darüber hinaus bleibt windmühlenartig zu wiederholen: Kinder werden zu gleichen Teilen Opfer von Gewalt durch Männer und Frauen. Wenn eine Frau ihr Kind drischt, soll man sie dann auch davon ausschließen, über die Schule ihres Kindes eine Entscheidung treffen zu dürfen? Oder ihr lebenslang den Kontakt zu ihrem Kind untersagen dürfen?

Das ist regelrecht sinnenstellend. Und ich finde es schlimm, weil es genau dieser Aspekt ist, der im Ursprungsartikel fehlt und damit einseitig Gewalt Vätern zuordnet. Leider erlbt man das in der Debatte um Gewalt immer wieder. Nicht das Opfer muss geschützt werden, sondern der männliche Täter soll angeprangert werden. Schade taz.

ehrlich und seriös

Eine Frau besitzt ein gutgehendes Geschäft in einer kleineren Ortschaft, irgendwo in Deutschland. Es sichert ihr Auskommen, sie beschäftigt ein paar wenige Menschen. Sie wird nicht reich, scheint aber zufrieden. Um ihre Kunden ordentlich zu bedienen, stellt sie Anfang 2010 eine Mutter in Elternzeit ein.

Sie selbst spezialisiert sich ein bißchen auf eine bestimmte Art von Kunden und ihre Produktinteresse – und als sie während des Jahres die Gelegenheit erhält, in die nächstgrößere Stadt umzuziehen, wo sie mehr von genau diesen Kunden hat, nimmt sie diese Gelegenheit wahr. Ihrer frisch eingestellten Mitarbeiterin macht sie ein interessantes Angebot: ich weiß, dass ich nicht alle Kunden dazu bewegen kann, weiter bei mir Kunde zu sein, weil der Weg zu weit wird. Übernimm du doch die Kunden, die du bisher betreut hast, die von mir, die nicht so weit fahren möchten, bekommst du dazu – und mache dich selbstständig. Geh zu meinem Stuerberater, der liefert dir alle notwendigen Zahlen.

Gesagt, getan, überlegt: der Steuerberater eröffnet, dass der Kundenbestand bezahlt werden müsse, so xx.000 € müsse man branchenspezifisch schon rechnen. Ja, und einen Teil der Geschäftseinrichtung könne man übernehmen, für die Überstunden und den Resturlaub.

Die Mitarbeiterin ist guten Mutes, erkundigt sich über Ablöse, rechnet, nimmt ein Darlehen auf und will einen Übernahmvertrag machen für den Tag, an dem das Darlehen ausbezahlt wird. Am Ende stellt sich heraus, weil es angeblich zu lange ging, dass aus der Verhandlung mit dem Ergebnis, dass weniger Geld zu bezahlen sei, folgt: die Inhaberin zieht um, versucht aber jetzt alles, um alle Kunden mitzunehmen. Sie bricht alle mündlichen Absprachen, verweigert sich Gesprächen, unterlässt zugesagte Hilfestellungen, hat keine Zeit für Besprechungen und geht sogar soweit, ein Teil der Überstundenvergütung nicht ausbezahlen zu wollen und den Kunden, die sie nicht mitnehmen kann zu empfehlen, zur Konkurrenz zu gehen. Sie behält wichtige Post ein, die für die neue Inhaberin ist und schadet somit bewusst ihrer „Nachfolgerin“ – in der Branche ein nicht ganz richtiger Ausdruck. Es bleibt der Eindruck, dass man versuchte, irgendwie an xx.000 € zu kommen.

Warum ich das poste: weil mir eine solche Unanständigkeit tierisch auf den Keks geht.