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Abzocke – im Großen wie im Kleinen

Heute morgen ist mir beim Zeitungslesen beinahe die Milch im Kaffee sauer geworden. Herr Oehler von den Stadtwerken Ettlingen erzählt per Zeitung – BNN – dass es bei den Stadtwerken keine Abzocke gäbe.

Oehler_SWE_Strompreis (Wir erinnern uns: Herr Oehler war schon weg bei den Stadtwerken, kam dann aber wieder, weil niemand gefunden werden konnte, der den Job so gut machen konnte wie er oder s ähnlich – aber einE NeueR hätte vieleicht etwas veröffentlicht, das galubwürdiger gewesen wäre.) Sei’s drum, ich wollte eigentlich einen Leserbrief schreiben, aber da ich letzte Woche schon einen drin hatte, wollte man nicht schon wieder einen von mir veröffentlichen. Dann also hier meine Antwort:

Doch, Herr Oehler, auch die Nichtsenkung der Strompreise für Haushalte in Ettlingen ist Abzocke. Oder das Ergebnis einer verfehlten Einkaufspolitik durch die Stadtwerke. Wer das für die grüne Bundestagsfraktion erstellte Gutachten (http://www.gruene-bundestag.de/cms/energie/dokbin/348/348969.strompreis.pdf) genau liest, wird darin folgendenden Satz finden: „Die Rechnung zeigt, daß selbst bei einer langfristigen Beschaffungsstrategie die Preise mittlerweile in 2010 längst das Niveau von 2008 unterschritten haben.“ und „Nach Branchenangaben wird der Strom für die Haushaltskunden im Durchschnitt mit einer Vorlaufzeit von ein bis zwei Jahren, also im Mittel etwa 18 Monaten beschafft.“ Das bestätigt Herr Oehler ja auch, den aktuell wird der Strom für 2011 und die Hälfte von 2012 eingekauft, wie er berichtet – das liegt in diesem Zeitraum. VOR 18 Monaten (2007 ist doppelt solange her!) war der Strompreis allerdings auf einem Tiefstand. Zudem wird üblicherweise nicht der komplette Strom für ein Jahr eingekauft, sondern in Teiltranchen – auch das bestätigt die Pressemitteilung. Im Übrigen kann man der Begründung für die Strompreise ab 01.04.2010 entnehmen, dass deren Zustandekommen die Strombeschaffung von 2008 zugrunde liegt. Was erzählt Herr Oehler also da?
Auch die gerne von der Atomindustrie angeführte EEG-Umlage reicht nicht aus, um Preissenkungen auszuschließen – denn die stieg weniger als die Preiserhöhungen.

Es wird Zeit, dass die Stadtwerke Ettlingen ihre Einsparungen in der Energiebeschaffung an ihre Haushaltskunden weiter gibt. Denn nicht alle wollen ins Schwimmbad, ins Grünhaus oder zur Buhl’schen Mühle – die Kosten dafür muss sich Herr Oehler woanders erwirtschaften – oder aufhören, Dinge zu finanzieren, die nichts mit der Energieversorgung zu tun haben. Andernfalls wäre den Ettlingern angeraten, den Stromanbieter zu wechseln. Wird deshalb das Schwimmbad 50 Cent teurer, macht das bei einem Cent Einsparung 90 Schwimmbadbesuche, wenn man einen durchschnittlichen Haushalt zugrunde legt.

Demo -nstration und -kratie

Am letzten Samstag war ich zusammen mit anderen GRÜNEN Teil der Demonstration gegen Sozialabbau, zu der ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften und anderen Organisatoren aufgerufen hatte. Ich hatte eine friedliche Demo erwartet und fuhr also zusammen mit meinen kleinen Söhnen, beladen mit Rucksack und Kinderwagen nach Stuttgart. Auftaktkundgebung – etwas laut, dafür aber nahe des Wagens alle anderen GRÜNEN und unsere Landesvorsitzende getroffen. Marsch durch die Innenstadt – alles okay. Dann Abschlusskundgebung am Schlossplatz. Den Kindern wurde es angesichts der langen Reden etwas langweilig. Und obwohl es genügend Platz um mich herum gab, wurde es zusehends enger um mich herum. Dann verbale Angriffe auf die GRÜNEN, die ich mehrfach zu hören bekam – schließlich war ich mit grünem Wahlkampf-T-Shirt und Fahne leicht identifizierbar: „ihr habt doch den Sozialabbau zusammen mit der SPD angefangen, ihr ward das mit der Agenda 2010.“

Naja, meine Haltung ist da schon differenzierter und ich muss bei uns GRÜNEN anerkennen, dass wir gelernt haben, aus dem, was gut gemeint war und doch nur schlecht umgesetzt worden war. Wir sind zwischenzeitlich für eine Aussetzung der Sanktionen ebenso wie für eine höhere Grundsicherung – und ein guter Teil der Partei mit mir auch der Meinung, es müsste ein bedingsloses Grundeinkommen geben – wenn wir auch noch nicht in der Mehrheit sind. Auch bei allem, was recht ist: die Entscheidungen sind 9 Jahre her. und aus der täglichen Arbeit weiß ich, dass zumindest zusätzliche Arbeit nicht völlig falsch ist und ich in meiner Arbeit dafür sorge, dass 1-€-Jobs auch nur dort geleistet werden, wo es Sinn macht – als zusätzliche Arbeit.

Auf jeden Fall wurde es um mich herum enger. Ich versuchte, meinen Sohn davor zu schützen, an den Kinderwagen gedrückt zu werden, um mich herum lauter Männer und Frauen von der MLKP. Kein Verständnis, mir wurden in Gegenwart meiner Kinder Gewalt angedroht, wenn ich es wagen sollte, weiter meinen bzw. seinen Platz einzufordern. Als ich auch noch geheimnisvolles Herumwerkeln mit Tüten entdeckte, ebenso Eierkartons mit Eiern drin, war mir klar, was da kommt – und ging natürlich mit den Kindern sofort raus. Ein Foto von meinem Standort (ohne mich) fand ich übrigens in der Stuttgarter Zeitung wieder.

Kaum hinter der Menschenmenge angekommen, sprach Herr Schmiedel von der SPD – seine Rede ging in Eierwürfen, Flaschenwürfen und Geschrei und Gepfeife unter. Offensichtlich opfert man dem Protest und der Gewalt gerne demokratische Gepflogenheiten – so zum Beispiel das Recht auf freie Meinungsäußerung. Und Rechtfertigungen für die Gewalt gab es dann anschließend auch von Linken.

A lieber J örg, was hättest du denn als Grüner von den Demonstranten erwarte? Das die Demonstrierenden ihr Wut im Zaum halten und dem Repräsentanten einer Partei, die für Krieg, Privatsierungen, Sozialabbau, Stuttgart 21 steht geduldig und demütig zuzuhören?

oder

Die Gewewrkschafter sollen mal nicht rumheulen, haben mit den Polizisten gemeinsame Sache gemacht

Naja.

Egal, wie man zu Schmiedel steht, Demonstrations – Meinungs- und Redefreiheit sind hohe Güter in dieser Demokratie. Wer politische Gegner versucht mundtot zu machen, gefährdet sie. Da müssen einige noch sehr viel lernen.

Linksbündnisse scheitern?!

Erneut scheitert die Regierungsbildung der linken Parteien in einem Bundesland. Ich frage mich daher durchaus selbstkritisch, ob es dieses linke Lager eigentlich gibt. Man sollte meinen, es ist so. Oder ist es nur Parteidialektik, der man da aufsitzt?

Mal schauen: die größte linke Partei ist die SPD. Könnte man meinen. Wird uns gesagt. Aber das Handeln der SPD steht dem eigentlich entgegen: mit der Verlängerung der Restlaufzeiten bei AKWs schlagen wir uns doch nur herum, weil die SPD nicht bereit war, schneller aus der Atomenergie auszusteigen. Die Entfesselung der Hedgefonds war eine SPD-Idee, die Durchsetzung der Bürgerversicherung war unter rot-grün wegen der SPD nicht möglich und die Zeitarbeit wurde auf Betreiben des SPD-Superministers Clement aufgrund der Deregulierungen zu einem lukrativen Geschäft. Die Agenda 2010 ist eine SPD-Kanzler-Idee und derselbe Kanzler machte die Fortsetzung der rot-grünen Koalition davon abhängig, dass wir GRÜNEN dem Afghanistaneinsatz zustimmten – was dann geschah und für die Gesamtpartei GRÜNE bis heute eine Zerreissprobe ist. In Baden-Württemberg kann ich keine großen Unterschiede zwischen der SPD und der CDU feststellen, sei es in der Sozialpolitk, am Schlimmsten in der Verkehrspolitik oder der Netzpolitik. Hier vor Ort ähnlich: schaut man sich das Gebahren der SPD in Sachen Kombilösung oder Kohlekraftwerk in Karlsruhe an, dann kann man auch glatt die Windräder der Familie Müllerschön auf dem ehemaligen Müllberg vergessen. Oder ganz aktuell die geradezu hysterische Dbatte um den von uns angeregten Veggie-Tag im Gemeiderat Karlsruhe. Mal so als die Eckpunkte praktischer SPD-Politik, die mir spontan einfallen.

Ob man eine Partei wie uns GRÜNE, die sich zusehends als kleinere Partei in der Rolle des Pragmatikers wiederfindet und sich Kompromisse schönredet, als linke Partei bezeichnen kann, macht mich zusehends unsicher, wobei hinzukommt, dass manche Umfrage daraufhin verweist, dass unsere Wähler sich zunehmend nicht im klassischen Sinne als links bezeichnen würden. Für ein linke Partei fehlt es mir manchmal an Grundsätzlichkeit. Hinzu kommt die Begeisterung für schwarz-grüne oder Jamaika-Bündnisse mancher Landesverbände, auch unter dem Schlucken großer Kröten wie in Hamburg. Die Formel: „Inhalte statt Macht“ mit Leben zu erfüllen, ist schwerer, als ich erwartet habe. Der Eindruck der Beliebigkeit bleibt gerade bei Bündnissen wie dem in Hamburg.

„Die Linke“ ist für mich eine sehr konservative Partei – linkskonservativ. Ihre Autoritätshörigkeit gehört für mich zu den grundlegenden Dingen, aufgrund der ich sie für mich eindeutig nicht als meine Partei bezeichnen würde. Die Haltung zur Afghanistanfrage macht sie zwar symphatisch, allerdings bleibt es meist bei der Forderung nach „raus aus Afghanistan“. Auch „weg mit Hartz IV“ ist für mich einfach zu kurz gesprungen. Es bleibt bei all ihren politischen Forderungen ein großes „was dann?“ als Fragezeichen übrig. Allein in ihrer Haltung zum Antifaschismus ist sie konsequent – und wir GRÜNEN haben ihr da auch das Feld überlassen.

Gerade angesichts ihrer Haltung zum Faschismus scheint mir der Hype um die Haltung einzelner Mitglieder der Linken zur DDR eine Farce. Es erinnert mich durchaus an die Forderung an uns GRÜNE in den 80er Jahren, der Gewalt abzuschören. Darüber haben wir uns zu Recht aufgeregt und das abgelehnt. Ich glaube schon, dass es einzelne Mitglieder der Linken gibt, die das mit der DDR nicht allzu schlimm fanden oder denken, dass das System insgesamt gar nicht so schlecht war. Aber dass man vor Beginn von Koalitionsverhandlungen oder auch nur Sondierungen von ihnen den Schwur verlangt, halte ich für schlicht übertrieben. Denn wir finden auch Extreme oder sehr schräge Meinungen auch in den anderen Parteien. Und ich finde es auch nicht schlimm, wenn jemand betont, dass es auch Gutes in der DDR gab. Das ist richtig, nichtsdestotrotz kann man aus der Existenz einer guten Kinderbetreuung sicher nicht schließen, dass es nicht allzu schlimm dort war. Die DDR war alles, bloß kein Rechtsstaat – aber deshalb ist sie ja am Ende gescheitert. Die BürgerInnen haben das Experiment „Sozialismus“ beendet. (Es gehört übrigens für mich zur Gesschichtsfälschung, Helmut Kohl soviel Verdienst um die deutsche Einheit zuzuschreiben, ohne die BürgerInnen, die sich erhoben haben, existierte die DDR heute noch.)

Insofern scheint es nicht verwunderlich, dass dieses linke Bündnis nur rechnerisch existiert – in der Realität ist die Ähnlichkeit ziemlich schnell zu Ende. Denn es ist ja letztendlich so, dass GRÜNE und LINKE nur wegen verfehlter Politk der SPD existieren. Wäre die SPD eine linke Partei, wären wir GRÜNEN vermutlich der ökologische Flügel und die linke der sozzialisitische.

So bin ich bei Henning Schürig, mit mir im Landesvorstand in BW, der der Meinung ist, dass eine Ampel in NRW die Lösung zu sein scheint – eher noch als eine große Koalition, die sicher nicht nur Stillstand bedeutet. Natürlich ist es der SPD lieb, in einer großen Koalition zu regieren – zeigt es sich doch, dass kleinere Parteien durchaus Unterhaltungswert, aber keine Machtoption mehr haben. Wer grün oder links wählt, kriegt am Ende CDU, so die Botschaft, die damit einhergeht. Öko können wir auch und Sozialpolitik haben wir gerade wieder neu entdeckt. Also. Dass grüne da noch offensiv für werben, erinnert mich an dunkle rot-grüne Zeiten, wo ich manchmal das Gefühl hatte, man wäre nur noch Abnicker – oder wie das Antje Vogel-Sperl, grüne Ex-MdB mal sagte: ich hätte nicht gedacht, dass man mit dieser Koalition auch gleich das parteibuch der SPD in die Hand bekommt – und Antje war sicher keine linke Grüne. Dann doch lieber das Signal Ampel: denn auch für Baden-Württemberg wäre das ein deutliches Zeichen an die WählerInnen, dass es für dieses Land noch andere Optionen als CDUplus gibt.

Rollenbilder

Während einige grüne Männer (so auch ich) mit dem Männermanifest darüber sinnieren, dass es Zeit wird, Rollenbilder zu hinterfragen und zu überwinden, um einer gleichberechtigten Gesellschaft näher zu kommen, begegnet mir das klassische „Frau in der Küche“-Modell am eigenen Heim und Herd. Der Familienkoch hier bin ich, zumindest fast immer an den Tagen, an denen ich zu Essenszeiten zu Hause bin. Meine Frau kocht eher selten.

Nun ist es so, dass wir (die Kinder und ich) ziemlich gerne Pommes Frites essen. Wir haben schon immer eine Friteuse (die wir natürlich mit Bio-Fritier-Öl betrieben haben). Als diese nun vor 3 Wochen kaputt gegangen ist, entschlossen wir uns, eine beinahe fettfreie Friteuse zu kaufen. Unsere Wahl fiel auf die Tefal Actifry. Naja, ich bleib dabei, „richtig“ fritierte Pommes schmecken besser, aber im Haus riechts nicht mehr so nach Fett und gesünder ists allemal.

Bei der Friteuse beiligend ein Kochbuch, im dem Rezepte stehen, wie Kinder einfach zusammen mit einem Erwachsenen mit diesem Ding kochen können. Nette Idee. Dachte ich. Also, das Ding ausgepackt, ausprobiert und im Kochbuch geblättert. Aber was finde ich dort, wo die Rezepte der Kleinsten stehen? Jedes Rezept beginnt mit: Bitte Deine Mutter XYZ kleinzuschneiden etc.pp. Einen Vater, der kochen kann, konnte ich nirgends finden. Oder „bitte Deine Eltern, einen Erwachsenen“, alles, was neutral gewesen hätte sein können. Nein, die Mutter ists, die in der Küche steht und mit den Kleinsten kocht. Tefal: FAIL! Die Rezepte mit Nährwertangabe machen allerdings einen leckeren Eindruck.

tefal

Schöne neue Arbeitswelt

Ich erzähle es immer wieder in meinen Kursen: die Technik wird weitere Berufe überflüssig machen. Der nächste Job, der mehr und mehr aussterben wird, ist der der Kassiererin in Märkten. Ein Beruf, der angelernt werden kann. Der vor allem von Frauen ausgeübt wird. Teilzeitgeeignet ist. Verantwortung bedeutet. IKEA macht es vor, andere werden folgen.

Ende März war ich bei IKEA in Walldorf. Kind 1 und 3 benötigten neue Betten. Und ich ein Gästebett fürs Büro. Die Kinder wollten ne Schlafcouch, fürs Büro war das eh praktischer und so entschlossen wir uns nach viel hin und her für Ikea – „Beddinge“. Nicht zu teuer, einigermaßen robust, „nachrüstbar“, ne richtige Matraze drauf. Passt in die Studentenbude für Kind 1 und auch ins Jugendzimmer von Kind 3. Als wir an die Kasse kommen, bietet sich uns ein völlig neues Bild: es gibt Selbstbedienungskassen.

ikea

Man scannt seine Artikel selbst ein, kontrolliert, nimmt seine EC (oder andere) Karte, bezahlt damit und geht raus. Am Ende des Kassendurchgangs steht dann noch jemand und kontrolliert, ob du alles drin hast. Und an den Scannern ist jemand, der hilft. Geht viel schneller als an der „normalen“ Kasse. Eingespart werden Personal und damit Arbeitsplätze.

Der nächste Schritt wären RFID-Chips in den Artikeln oder den EAN-Aufklebern auf den losen Artikeln, dann kann die Kasse einfach per Funk auslesen, was man auf dem Wagen hat. Kontrolle, Karte rein – am Schlauesten noch die Ikea-Card, bezahlen, raus. Ich selbst hab aber dann an den Kassen bezahlt, an denen noch Personal sitzt. Weil da noch Personal sitzt. Nur, wenn das weiterhin verlangt wird, werden die das auch beibehalten. Und wenn das Kunden sagen.

Ich finde, letztendlich haben die Unternehmen neben ihrer Gewinnmaximierung auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Jedes Unternehmen hat vor der Einführung neuer Technik eigentlich zu überlegen, ob das nicht nur in Bezug auf die Kosten sinnvoll ist, sondern auch in Bezug auf die MitarbeiterInnen und die Gesellschaft. Diese Verantwortung sehe ich genauso beim/ bei der ErfinderIn, dem/r VerkäuferIn. Technik – so sehr faszinierend die Möglchkeiten manchmal sind – sollte bewusst eingesetzt werden. Das geschieht leider viel zu wenig. Am Ende sind nicht nur Wissen verloren gegangen, sondern auch Lebensqualität. Und für mich gehrt es zum Einkaufen, irgendwo auch noch einen freundlichen VerkäuferIn zu treffen – und sei es an der Kasse. Ich habe mal gelernt – ich hab ja im Einzelhandel gelernt – das es sher wichtig ist, dass Kunden beim Bezahlen freundlich bedient wird – schließlich nimmt man ihm Geld ab – eigentlich ein unangenehmer Vorgang….da ist das IKEA-Prinzip kontraproduktiv…

Ich finde es NICHT gut, was IKEA da macht – und überleg mir für die Zukunft echt, ob ich da noch einkaufen möchte.

Netzsperren – die CDU rudert zurück

Interessante Ansichten zum Thema „Netzsperren“ bietet die CDU derzeit:

Der Karlsruher MdB Wellenreuther spricht sich in den BNN vom 14.04.2010 (PDF-Datei, 117 kb) erneut für Netzsperren aus. Und wieder kommen die alten, falschen Argumente, die letztes Jahr im Wahlkampf angeführt worden sind:

„Das Gesetz, das den Zugriff auf Kinderpornografie im Internet erschweren soll, ist seit Februar in Kraft. Nun müsse es auch genutzt werden, so Wellenreuther: „Es leistet immerhin einen gewissen Beitrag im Kampf gegen Kinderpornografie im Internet und ist aufgrund des Grundsatzes ‚Löschen vor Sperren’ auch verhältnismäßig.““

Es werden die falschen Bahauptungen der „200 neuen Bilder pro Tag“ wiederholt und die Forderung an die FDP erneuert, dieses Gesetz endlich zuzulassen. Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger hatte das Gesetz aufgrund seiner in einer breiten gesellschaftlichen Debatte im Jahr 2009 dokumentierten Mängerl und Gefahr der Installation einer Zensurinfrastruktur im letzten Jahr gestoppt. Jetzt tauchen die alten Forderungen wieder auf, als wäre nichts gewesen. Entweder hat Welenreuther die Debatte nicht mitbekommen oder die CDU sieht tatsächlich die Notwendigkeit einer Zensur als so notwendig an, dass sie diese Debatte erneut vom Zaun brechen will.

“Nicht länger Machos sein müssen” – Das Grüne Männer-Manifest

Eine Frau ist Bundeskanzlerin. Frauen machen die besseren Bildungsabschlüsse, können Bischöfin werden, mischen in Rap und Hip-Hop mit und sind im Fußball international erfolgreicher als ihre männlichen Kollegen. Gleiche Rechte in Deutschland anno 2010? Ist Alice im Wunderland angekommen?

Mitnichten. Wir Männer sehen, dass unsere Gesellschaft noch immer von einem tief sitzenden Geist der geschlechtlichen Polarität durchflutet ist, der Frauen auf Weiblichkeit und Männer auf Männlichkeit reduziert. Damit muss endlich Schluss sein. Wir wollen nicht länger Machos sein müssen, wir wollen Menschen sein!

Man wird nicht als Mann geboren, man wird dazu gemacht.

Bedeutende Frauen wie Olympe de Gouges, Louise Otto-Peters, Simone de Beauvoir und die Frauenbewegungen im 20. Jahrhundert waren Pionierinnen für Gleichberechtigung und Feminismus. Einen Makel haben einige feministische Diskurse aber leider gerade in Deutschland bis heute: Männer spielen in ihm nur selten eine Rolle. Dabei ist wirkliche Gleichberechtigung, sind gleiche Rechte und gleiche Pflichten nur mit den Männern zu erreichen – nicht gegen sie. Frauen haben durch den Feminismus ihre Möglichkeiten erweitert, Männern steht dieser Schritt noch bevor.

Das Diktum des sozialen Geschlechtes, des Rollenzwangs und der festgelegten Verhaltensmuster gilt nämlich ebenso für Männer. Weil diese davon aber materiell und sozial immer profitiert haben, wurde erst in jüngerer Zeit zum Thema, dass Geschlechterrollen auch für Männer ein Korsett sind, das ihnen mehr schadet als nützt.

Nach dem Selbstmord von Nationaltorhüter Robert Enke ging eine Debatte über die Gesundheit von Männern, über Schwäche und Depressionen, über Versagensängste durch die Republik – endlich! Wir fragen uns jedoch: Sind die Männer, die öffentlich trauerten und weinten, aber nicht auch diejenigen, die eine Woche später in den Stadien und Fankneipen einen Fußballer als Schwuchtel beschimpfen würden, wenn er sich als homosexuell outet? Oder als Weichei, wenn er ein Jahr Babypause nimmt und seine Frau für den Lebensunterhalt sorgen lässt?

Wir brauchen ein neues Bewusstsein für eine neue Männlichkeit. Wir als männliche Feministen sagen: Männer, gebt Macht ab! – es lohnt sich.

Wir wollen Neue Werte – Neue Arbeit – Neue Perspektiven!

Die Krise ist männlich. Klimakrise, Finanz- und Wirtschaftskrise, Hunger- und Gerechtigkeitskrise, all dies sind direkte Folgen einer vor allem „männlichen“ Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsweise, die unseren Planeten an den Rand des Ruins getrieben hat. Entfesselter Wachstum und ungehemmter Profit müssen ein Ende haben. Wir wollen anders leben!

Wir wollen entlang von Werten leben und arbeiten, die auf Wertschöpfung, Gemeinwohlorientierung, individueller Freiheit, Nachhaltigkeit und Entschleunigung basieren. Dazu müssen politische Weichen gestellt werden. Neue Zeitmodelle in den Unternehmen müssen es Männern ermöglichen, ihre Wochen- und Lebensarbeitszeit zu reduzieren, Teilzeitphasen oder Sabbatjahrmodelle zu verwirklichen. Entschleunigung ist auch hier Schlüssel: Viel zu selten werden Männern im Erwerbsarbeitsleben „nicht-klassische“ Erwerbsbiografien ermöglicht. Das Bild vom männlichen Hauptverdiener schwebt auch hier noch in den Köpfen vieler Personalverantwortlicher.

Es ist weder schlau noch gut, Menschen lediglich eindimensional in wirtschaftliche Wachstumsprozesse einzubinden. Familienleben und soziales wie gesellschaftliches Engagement sind gerade für Männer eine Möglichkeit, an einem qualitativen Wachstum mitzuwirken. Vernetztes Denken, ganzheitliche Bildung und Kreativität können sich nur vollends entfalten, wenn Menschen alle Lebensbereiche gemeinsam gestalten. Das Ende der Rollenaufteilung ist auch wirtschaftlich notwendig, denn ein Ende der Ungleichbehandlung führt für alle Beteiligten zu einer größeren Zufriedenheit.

Wir brauchen Neue Wege für Jungs!

Die Wiege der Gleichberechtigung ist wie so oft die Bildung und Erziehung. Hier fallen die Würfel. Viel ist in den letzten Jahren von der Bildungsmisere der Jungen geschrieben und gesprochen worden und vieles ist richtig. Jungen fallen viel häufiger als „Verlierer“ aus dem Bildungssystem: Sie brechen die Schule öfter ab, erreichen schlechtere Leistungen und Abschlüsse, sind häufiger schulmüde als Mädchen. Deshalb braucht es eine emanzipatorische Erziehung und eine individuelle Förderung, die die Stärken von Jungen und Mädchen gleichermaßen wertschätzt und fördert.

Zwischen emanzipierten Müttern und frauenverachtenden Hip-Hoppern bekommen Jungen heute ein breites Repertoire zur Orientierung geboten. Was oft fehlt, sind die positiven Rollenbilder einer anderen, neuen Männlichkeit. Längst wissen wir, dass mit zunehmender Gleichberechtigung das Patriarchat umso härter zurückschlägt: mit Gewalt, medialem Sexismus oder Schein-Bastionen der Männlichkeit in Sport und Musik. Wir wollen role models aus Sport, Medien, Politik und Kultur, die nicht den Macker spielen müssen, weil sie eben selber stark genug sind, auch schwach sein zu dürfen.

Wir wollen mehr geschlechtersensible Männer in „klassischen“ Frauenberufen: mehr Erzieher, mehr Grundschullehrer, mehr Sozialpädagogen. Und wir wollen, dass Jungen selbstbewusst ihren Interessen nachgehen können und nicht in tradierte Schemata gedrängt werden. Deswegen fordern wir neue Wege für Jungs durch die Etablierung von „Boy’s Days“ und ein geschlechtersensibles Bildungs- und Berufsberatungsangebot. Denn das Interesse am Maschinenbau ist nicht angeboren.

Wir fordern: Neue Väter statt „Vater morgana“!

Seit der Einführung der Partnermonate im Elterngeld durch Ursula von der Leyen bejubeln viele Medien die „neuen Väter“ und den Run auf die beiden Monate zwischen Wickeltisch und Sandkasten. Und, in der Tat: Die beiden Partnermonate waren ein Erfolg, ein Einstieg in die Übernahme von Verantwortung von Vätern in Haushalt und Erziehung. Aber werden Männer damit wirklich zu „neuen Vätern“? Oder handelt es sich nicht in Wirklichkeit um eine „Vater morgana“, die Vätern lediglich eine verlängerte Auszeit vom Job ermöglicht, und zwar in der Regel dann, wenn die ersten zwölf Monate nach der Geburt glücklich überstanden sind?

Wir wollen auch hier Gleichberechtigung: Die Aufteilung der Elternzeit muss paritätisch sein. Dies würde nicht nur Männern mehr Verantwortung abverlangen, sondern auch die Unternehmen und Arbeitgeber zum Umdenken zwingen. Zwei Monate ist ein Arbeitnehmer für den Arbeitgeber zu entbehren, sechs Monate oder länger jedoch verlangen neue Zeit- und Jobmodelle, die wir dringend brauchen – hin auf dem Weg zu echter Gleichberechtigung.

Männer leiden unter ähnlichen Vereinbarkeitsproblemen wie Frauen: Gerade junge Männer haben mittlerweile den Anspruch, Kind(er), Karriere, Engagement und Freizeit miteinander vereinbaren zu können, anstatt sich für das eine oder gegen das andere entscheiden zu müssen. Sie wollen nicht länger daran scheitern, Berufs- und Privatleben in eine gute Balance zu bringen, sondern moderne Partnerschaftskonzepte durchgängig leben und die Rolle des “neuen Vaters” tatsächlich einnehmen. Als moderne Väter wollen sie ihren Kindern beim Aufwachsen helfen, selbstbestimmt die Erziehungsarbeit teilen – statt Zuschauer zu bleiben. Auch deshalb muss Teilzeit für Chefs sowie Männer in Kitas und Grundschulen zur Selbstverständlichkeit werden.

Wir stehen für ein Neues Gesundheitsbewusstsein!

Männer sterben noch heute im Schnitt sechs Jahre früher als Frauen – Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Zeichen chronischer Überlastungen sind die häufigsten Todesursachen. Jahrhundertelang gehörte es nicht um Selbstbild eines Mannes, sich um seine Gesundheit zu kümmern. Dumme Sprüche wie “Ein Indianer kennt keinen Schmerz” führen dazu, dass viele Männer körperliche Warnsignale überhören oder bagatellisieren. Doch der Körper lügt nicht.

Männer sollen krank werden dürfen – ohne als Versager dazustehen. Umso wichtiger ist ein großer Aufbruch für die Männergesundheit. Wir brauchen mehr Konzentration auf die Prävention von Männerkrankheiten, in den Krankenkassen und in der Betrieblichen Gesundheitsförderung.

Die bestehende Rollenaufteilung der Geschlechter führt immer wieder zu schweren psychischen Belastungen. Sowohl Frauen als auch Männer leiden unter den enormen gesellschaftlichen Anforderungen, die ihnen auf Grund ihres Geschlechts abverlangt werden. Dies ist vor allem dort ein Problem, wo die eigene Entwicklung den Normvorstellungen wenig entspricht. Für Körper und Psyche des Menschen ist es daher dringend nötig, die Rollen endlich aufzubrechen.

Wir sind Grüne Feministen und haben gute Erfahrungen gemacht, Macht und Einfluss zu teilen. Wir sind mit Quoten und Doppelspitzen groß geworden. Wir kennen und schätzen gleiche Rechte und gleiche Pflichten sowie die Verantwortung, als Beispiel voranzugehen. Uns trägt die Vision einer Gesellschaft verschiedenster Individuen, die unter gleichen Bedingungen zusammenleben.

Wir sind keine Dinosaurier mehr. Wir wollen auch keine Alleinernährer sein. Wir wollen weniger Leistungsdruck, bessere gesundheitliche Prävention und mehr wertvolle Zeit. Wir wollen keine Helden der Arbeit sein, wir wollen leben. Wir wollen Macht, Verantwortung und Pflichten teilen und das Korsett alter Geschlechterrollen von uns reißen. Wir wollen neue Perspektiven für Männer im 21. Jahrhundert!

Sven Lehmann | Landesvorstand Bündnis 90/Die Grünen NRW

Jan Philipp Albrecht MdEP | Grüne Fraktion im Europäischen Parlament

Kai Gehring MdB | Grüne Fraktion im Deutschen Bundestag

Malte Spitz | Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen

Arndt Klocke | Landesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen NRW

Gerhard Schick MdB | Grüne Fraktion im Deutschen Bundestag

Dieter Janecek | Landesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen Bayern

Sven-Christian Kindler MdB | Grüne Fraktion im Deutschen Bundestag

Till Steffen | Justizsenator Hamburg

Rasmus Andresen MdL | Grüne Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein

Eike Block | Sprecher Grüne Jugend NRW

Christian Kühn | Landesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg

Max Löffler | Sprecher Grüne Jugend Bundesverband

Henning von Bargen | Leiter Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung

Christoph Erdmenger | Landesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen Sachsen-Anhalt

Jörg Rupp | Parteirat Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg

Martin-Sebastian Abel | Sprecher LAG Kultur Bündnis 90/Die Grünen NRW

Matthi Bolte | Ratsmitglied Bündnis 90/Die Grünen Bielefeld

Martin Wilk | Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Kreuzberg-Friedrichshain

Janosch Dahmen | Sprecher LAG Gesundheit Bündnis 90/Die Grünen NRW

Can Erdal | Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Düsseldorf

Energieverschwendung

Alltägliches Ärgernis in Malsch:

am 14.03.2010 habe ich Bahn darüber informiert, dass am Bahnhof Malsch offenbar ganztägig die Beleuchtung an ist. Man reagierte schon zwei Tage später mit einer E-Mail:

12032010140

Sehr geehrter Herr Rupp,

vielen Dank für Ihre Hinweise zu den leuchtenden Lampen in 76316 Malsch am Bahnhof.

Wir haben diese an den zuständigen Unternehmensbereich der DB Station&Service AG
in Karlsruhe Hbf weiter gegeben, damit die Beleuchtung überprüft wird.

Nochmals vielen Dank für den Hinweis.

Für weitere Fragen und Anregungen stehen wir Ihnen, sowie die Servicemitarbeiter
von DB Station&Service AG in Karlsruhe Hbf auch weiterhin gern zur Verfügung.

P.S.: Wenn Sie weitere Fragen oder Anregungen haben, rufen Sie uns bitte an. Sie
erreichen

uns unter der Service-Nummer 0180 5 99 66 33 (14 ct/Min. aus dem Festnetz. Tarif bei

Mobilfunk ggf. abweichend, ab 1. März 2010 max. 42 ct/Min.) täglich rund um die Uhr.

Mit freundlichen Grüßen aus Mannheim

DB Regio AG

Tja, und passiert ist seitdem: nichts. Die Lampen brennen weiter, Tag für Tag. Zwischenzeitlich waren Techniker da – und haben Fahrgastinformationssysteme installiert. Ein Interesse an der Energieeinsparung hat die Bahn offensichtlich nicht – sie brennt lieber weiterhin „ein Loch in den Tag“ – wie man hier so schön sagt….

ich werde alt!?

gänzlich unpolitisch und mal ganz persönlich:

Ganz real werd ich am Dienstag nächste Woche 44 Jahre alt – aber das ist nicht der Grund für diesen Blogeintrag.

Eigentlich geht es mir mehr sowas wie „Werte“, professionales Handeln in mancherlei Hinsicht. Zwei Dinge haben mich bewogen, das hier zu schreiben. Da ist einerseits ein kleiner Laden eines Telekommunikationsanbieters in Karlsruhe auf der Kaiserstraße. (17032010145Wir alle wissen, dass viele dieser Läden oft genug prekär arbeiten. Es sind Franchisingsysteme. Die Angebote, einen solchen Laden zu übernehmen oder zu gründen, finden sich oft in der Stellenbörse der Arbeitsagentur. Fachliche Voraussetzungen sind eine irgendwie verkäuferische Ader und Ahnung von aktueller Telekommunikationstechnik – also, aktuelle Handies sozusagen – und die Bereitschaft, sich selbstständig zu machen.) Und dieser Laden wirbt für seine Sonderangebote mit selbst gemalten Verkaufsplakaten. Das aktuelle ist ja noch geradezu nett . Bis letzte Woche war das nur mit einem „normalen“ Edding auf Flipchartpapier geschrieben, keine Gestaltung außer Absätzen. und ich muss sagen, dieses Schild hat mich so geärgert, dass ich mich als potentieller Kunde regelrecht beleidigt fühle. Plakatschrift kann man lernen, das ist nicht sonderlich schwer. Zu Plakatgestaltung findet man auch einiges. Man könnte das Ding am PC entwerfen und auf A1 plotten lassen – ist unter 5 € zu haben. Es gäbe viele Möglichkeiten und Infos darüber sind gar nicht schwer zu finden – aber scheinbar ist sich der Mensch, der diesen Shop betreibt, gar nicht darüber im klaren, wie negativ seine schlecht und unprofessionell gestalteten Plakate wirken. Ich als Kunde möchte gerne, dass man sich zumindest ein bißchen mehr Mühe gibt, mich anzusprechen. Und ich erwarte von jemandem, der so unprofessionell seine Außenwerbung auf der Karlsruher Kaiserstraße gestaltet, auch ehrlich gesagt wenig Sachkenntnis – und möglicherweise auch ein unprofessionelles Verhalten im Umgang mit einer möglichen Reklamation. Geht anderen Menschen vermutlich ähnlich.

Der andere Grund waren zwei Praktikumsbesuche, die ich durchgeführt habe. Bei beiden hatte ich es mit zwei Unternehmern zu tun, die „Verkäufer der alten Schule“ waren – und ich hab 1985 ja auch mal Verkauf gelernt. Was beide beschreiben, fand ich höchst bemerkenswert – es ging dabei nicht um „meine“ Praktikanten. Beide erzählen, dass sie öfter mal junge Leute /Schüler für ein Kurzpratkikum oder auch für einen 400-€-Job bei sich arbeiten lassen. Diese jungen Leute beherrschen im Umgang mit Kunden dann aber selten die grundlegenden kommunikativen Fertigkeiten wie jemanden begrüßen, wenn er oder sie den Laden betritt. Verabschieden ist oft noch schwerer.

Ich hab mir natürlich Gedanken gemacht. Wo kommt das her. Im Großen und Ganzen halte ich „die Jugend von heute“ nicht für schlechter erzogen als wir es waren – sie sind halt anders, weil es eine andere Zeit ist und die Umstände andere. Vieles kann ich verstehen – z. B. im Umgang mit den Medien, anderes wird mir verschlossen bleiben, weil ich eben keine 15 oder 20 mehr bin. Ich denke mir, es hängt auch damit zusammen, dass sie Einkaufen ganz anders erelben, als wir das durften. Viele kennen gar keine Supermärkte mehr, in denen Personal Zeit hat, zu beraten. Tante-Emma-Läden, wo der Verkäufer/die Verkäuferin gar noch jeden Kunden mit Namen kannte, gleich gar nicht. Wenn man heute mit Namen angesprochen werden will, muss man mit EC-Karte (oder irgendeiner Kundenkarte) bezahlen – wobei das noch lange keine Garantie ist. Ich finde das schon traurig. Der VerkäuferInnenberuf umfasst eigentlich sehr direkt das „verkaufen“ – doch es kommt in der Praxis oft genug nicht mehr vor. Und verkaufen kann man nur, wenn man auch die Leute kennt, die bei einem einkaufen. Im Aldi kann man das vergessen und im Media Markt gibt es das schonmal gar nicht. In den kleineren Läden – mein letzter Supermarkt, den ich leitete, hatte knapp über 500 m², heute undenkbar für eine Kette und es waren mindestens immer 3 Leute im Laden – an der Kasse, an der Wurst und jemand im Laden, der auf-/einräumte, aber auch Ansprechpartner für die KundInnen war – hat man beim Umgang gerlent, dass zwischenmenschliche Beziehungen auch etwas wert sind. Nicht nur der Verkaufspreis ist wichtig – sondern auch das Verkaufsgespräch. Die Empfehlung. Die Rückmeldung: danke für den guten Rat. STeaks macht man so. Kein Problem, Sie bekommen ein Ersatzgerät, solange Ihr Fernseher hier in der Reparatur ist (stell Dir das mal heute bei einem handy vor…).

Ja, ich werde alt. Die Servicewüste, das Verschwinden von Selbstverstänldichkeiten im persönlichen Umgang – das fehlt mir. Ich finde es heute dort, wo noch mehr Personal ist – z. B. im Bioladen. Bei meinem Getränkehändler. Dort, wo ich meine Hemden bügeln lasse. Auf dem Markt – aber selbst da nicht bei jedem/r. Da nimmt man sich noch Zeit für den/die KundIn und behandelt ihn/sie mit dem Respekt, der ihm zukommt – schließlich bringt er/sie sein Geld. In großen Ketten muss man froh sein, wenn sich die KassiererInnen nicht nebenbei unterhalten, während sie dich abkassieren.

Ja,ich glaube, ich werde alt. Weil ich tatsächlich entdecke, dass es Dinge gibt, die „früher“ besser waren – und für die es keinen adäquaten Ersatz gibt.

Maut

Schon längere Zeit geistert immer mal wieder die Idee einer PKW-Maut durch die Medien oder man trifft auf sie in Diskussionen. Hintergrund sind oft die vielen PKWs, die durch Deutschland fahren und Frankreich meiden, weil man dort eine Straßennutzungsgebühr bezahlen muss. Andere Stimmen meinen, man müsste dem Straßenbau mehr Geld zur Verfügung stellen und es gibt Leute, die meinen, man könne mit den Erträgen einer Maut gar den ÖPNV fördern. Hehre Ziele, könnte man meinen.

Offenbar waren Teile der grünen Landtagsfraktion in Baden-Württemberg ebenfalls der Meinung, ohne „Straßennutzungsgebühr“ ginge es nicht. Inspiriert von den Berichten über ein niederländisches Mautsystem, will man dieses nun nach Deutschland importieren.

(Update: diese Maut ist in den Niederlanden vom Tisch)

Ich bin nicht sicher, ob man so gewiss davon sprechen kann, dass eine Maut kommt, es wäre nur fraglich wann, wie die grüne Landtagsfraktion das tut. Das hängt auch von zukünftigen Mehrheiten in diesem Land ab. Da ich aber davon ausgehe, dass es Alternativen zu schwarz-gelb in Baden-Württemberg gibt, gehe ich davon aus, dass es möglich ist, probatere und intelligentere Mittel durchzusetzen, um (Auto-)Verkehr (und damit CO²-Ausstoß) zu verringern.

Einige Punkte, die mir daran aufstoßen:

Eine Maut, wie sie vorgestellt wird bzw. wie sie aktuell debattiert wird, ist davon abhängig, dass es weiterhin KFZ-Verkehr gibt. (Ergänzung nach Kritik: in der bisherigen Form und Umfang). Das ist schwierig in Hinblick auf das Ziel – da geht es doch darum, Verkehr zu reduzieren. Selbst eine zeit- und streckenbezogene Maut, wie sie vorgestellt wurde, benötigt Verkehr, um das System zu finanzieren.

Die tatsächlichen Kosten des PKW-Verkehrs werden nicht korrekt abgebildet. Wenn derzeit 3 oder 6,7 Cent pro Kilometer im Gespräch sind, dann reicht das bei weitem nicht aus. Denn solch niedrige Sätze blenden Folgeschäden komplett aus. Höhere Sätze werden aber schwer akzeptiert, und wie Werner Wölfle ja sagt, ist es wichtig, dass das System akzeptiert wird.

Die KFZ-Steuer soll abgeschafft werden. Das ist grundsätzlich falsch, denn PKWs verursachen auch Kosten (für die Allgemeinheit), wenn sie stehen – selbst wenn sie ein Jahr lang stehen.

Der Datenschutz ist nicht gewährleistet. Zwar gehen die betreiber davon aus, dass Fahrdaten getrennt in einem Krypto-Chip offline gespeichert werden und nur zu Abrechnungszwecken übertragen werden – nur die Wegstrecke, nicht die konkreten Orte – so ist so ein System ja jederzeit von außen ansteuerbar und somit in der Lage, die Daten in Echtzeit zur Verfügung zu stellen – sogar ohne dass das der Fahrer mitkriegt. Selbst das herausreißen der Einheit bringt nichts, denn im Fahrzeug wird ein RFID-Chip sein, der sicherlich eindeutig zu identifizieren sein wird.

Es gibt bessere Möglichkeiten: Ökosteuer, Verbrauchssteuer, Verbilligung und Ausbau des ÖPNV, Carsharingprojekte verschiedener Art und Ausrichtung, Förderung anderer Antriebsarten, Verknappung von öffentlichem Parkraum, um Pendeln unattraktiver zu machen (60% der Pendler pendeln mit dem PKW), steuerliche Förderung von ÖPNV-Tickets, …und wie ich schon sagte: wenn die Volksseele eine Maut braucht, damit auch bei holländischen Autos in der Ferienzeit abkassiert werden kann, stimme ich auch Mauthäuschen zu – das schafft zudem Arbeitsplätze im geringqualifizierten Bereich – etwas, dass wir gut brauchen können.

Eine Lenkungswirkung kann in alle Richtungen gehen – wer will verhindern, dass bspw. ein Factory-Outlet auf der grünen Wiese die letzen 25 km zu sich auf allen Strecken „einkauft“ und so den Weg dahin kostenlos macht – als Marketingmaßnahme? Das könnte dann sogar noch von der Steuer abgesetzt werden….

Resumée:

Die grüne Maut wird mit zu vielen Zielen überfrachtet, die sie nicht einlösen kann:

– sie schafft keine durchschlagende Reduzierung des Verkehrsaufkommens

– sie trägt nicht zur Reduzierung des Flächenverbrauchs bei

– sie belohnt undifferenziert alle Ökoautos – z.B. auch Elektroautos, die mit Atomstrom betankt wurden

– sie verlagert u.U. Verkehr in ländliche Gebiete (zum Einkaufen), wo die Gebühren niedriger sind

– sie gewährleistet keinen 100%igen Datenschutz

– sie erfordert mehr Bürokratie bei Kontrollen

– sie kann nicht garantieren, dass eingenommenes Geld nicht im Haushalt versickert

– sie verschwendet Gelder, die an den Mautsystembetreiber zu zahlen sind

– sie verschwendet u.U. Gelder für Straßenbau und Straßensanierungen, weil keiner Maut für schlechte Straßen bezahlen wird

Das Unweltbundesamt schlägt in einem aktuellen Papier ebenfalls keine Maut als Maßnahme für den PKW-Verkehr vor, sondern empfiehlt:

  • Erhöhung der Energiesteuer auf Kraftstoffe und Besteuerung auf Basis des Kohlenstoffgehalts der Kraftstoffe
  • CO2-bezogene Kraftfahrzeugsteuer