Archiv der Kategorie: Anti.AKW

Atomendlager – wie die Information darüber für Generationen bewahrt werden können

Ich weiß, dass dies sicherlich ein Thema für Doktorarbeiten und Wissenschaftler mit dem entsprechenden Fachbegriff ist – aber ein paar Gedanken habe ich mir schon über die Problematik, wie eine Information über einen Lagerort für hochradioaktiven Müll auf deutschem Boden (und in jedem anderen Land auch) über Generationen hinweg bewahrt werden kann. Schließlich komme ich aus der Anti-AKW-Bewegung, das Thema treibt mich daher grundsätzlich um, bin bekennender Science-Fiction-Fan und habe einen Faible für Dystopien und „weiß“ daher, was sich einige gute Autoren grundsätzlich zur Bewahrung von Informationen dazu gemacht haben. Und ich komme aus der IT und habe schon mit Großkommunikationsservern gearbeitet – insofern ist mir die Problematik der Langzeitarchivierung bewusst.

Während physische Objekte seit langer Zeit unter anderem in Archiven, Museen und Bibliotheken aufbewahrt und erhalten werden, stellen sich bei elektronischen Publikationen ganz neue Probleme. Daten, die auf digitalen Datenträgern gespeichert sind, können in relativ kurzer Zeit nicht mehr lesbar sein („digitales Vergessen“). Die Ursachen für diesen Informationsverlust sind die begrenzte Haltbarkeit der Trägermedien und der schnelle Medien- und Systemwandel. Bei der Umgehung dieser Schranken bereiten unter anderem proprietäre Formate und urheberrechtliche Beschränkungen Probleme.

Betrachtet man den Wikipedia-Eintrag kann man erkennen, dass unsere Speichermedien für Informationen von wenigen Ausnahmen abgesehen immer kurzlebiger werden – in der Frage einer Einlagerung von hochgiftigen Stoffen über einen Zeitraum von rund einer Million Jahre ist also neben dem Finde des vermutlich geeigneten Standorts die Informationsübertragung an kommende Generation eine zentrale Frage.

Die Endlagersuchkommission schreibt dazu lediglich (PDF, Seite 471):

Die Kommission empfiehlt daher die Einrichtung einer zentralen staatlichen Stelle, die als
hauptamtlich mit der Dokumentation befasste Organisation diese Daten und Dokumente
dauerhaft bewahrt und ein institutionelles „Bewusstsein“ für deren sicherheitstechnische Bedeutung hat

Wenn ich mir ins Bewusstsein rufe, welche Informationen wir noch aus der Römerzeit haben oder gar dem alten Ägypten, dann scheint mir das etwas wenig zu sein. Ich hätte erwartet, dass die Endlagersuchkommission sich der Tragweite dieser Frage bewusst ist und nicht nur eine staatliche Stelle empfiehlt, sondern eine Kommission einrichtet, die sich dieser Frage dauerhaft annimmt – mit Autoren, Religionswissenschaftlern, IT-lern, Ethnologen, Archäologen, Philosophen, Psychologen, Politikern besetzt, die sich offen dieser Frage annehmen.

 Bild: feuerle  / pixelio.de

Bild: feuerle / pixelio.de

Meine einfache Antwort auf diese Frage war bislang immer: gründet eine Religion. Aber die älteste, organisierte Religion, die wir kennen, ist das Judentum – und nur 3500 Jahre alt. Die Weltreligionen Christentum und Islam beruhen darauf. Aber nicht nur sie enthalten ältere Mythen und Übertragungen, die aus früheren Religionen stammen. So wissen wir, dass das Christentum „heidnische“ Feiertage und Gebräuche übernommen und adaptiert hat – und damit Informationen über einen wesentlich längeren Zeitraum transportiert, als die Religion existiert.

Laut dem Wikipedia-Artikel ist es so, dass :

Bestattungen und (später) Grabbeigaben als frühe archäologische Zeichen religiösen Ausdrucks anerkannt werden, die sich ab etwa 120.000 Jahren v. Chr. im Mittelpaläolithikum sowohl bei Homo sapiens als auch beim Neandertaler nachweisen lassen.

Hier werden also Gebräuche über einen Zeitraum transportiert – das beerdigen und die Beigabe von Gaben zum Grab – was ja abgeschwächt heute in Form von Grabsteinen immer noch stattfindet – die relevant sind für die Betrachtung, wie wir die Informationen über die Lagerung von giftigen Stoffen, die abgeschlossen von der Umwelt bleiben müssen, über diesen Zeitraum transportiert bekommen. Es ist ein religiöser Akt, der immer weiter gegeben wurde. Der Völkerwanderungen, Grenzverschiebungen, Hungersnöte, Dürren, die Ausbreitung des Menschen überhaupt, überlebt hat.

Quelle: https://www.planet-schule.de/sf/php/mmewin.php?id=145

Quelle: https://www.planet-schule.de/sf/php/mmewin.php?id=145

Es wäre also notwendig, in den Regionen, in denen Atommüll gelagert wird, Rituale, Symbole und Festtage zu erfinden und zu praktizieren, die Hinweise auf die Gefährlichkeit des Lagerortes geben, ebenso wie auf mögliche Handlungsmöglichkeiten. Um etwas so Langlebiges zu entwickeln, braucht es etwas volksnahes und etwas, das mit großem Ernst praktiziert wird. Dazu gehören Rituale, die bspw. Daten neu speichert und umformatiert,  Schriftstücke an bestimmten Orten niederlegt. Die Gründung einer Religion könnte ein Nebeneffekt sein, muss aber nicht.

Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage. Aber es wird Zeit, dass sie ernsthaft gestellt wird und ernsthaft in Handlungen mündet. Denn wenn ich heute eine Diskette aus der Anfangszeit meiner Computernutzung finde – dann habe ich schon Schwierigkeiten, die Daten darauf zu lesen. Es ist möglich und im wissenschaftlichen Umfeld sicherlich einfach – aber wer weiß, ob das so in der Form erhalten bleibt?! Offensichtlich ist: es besteht Handlungsbedarf.

kein Endlager in Sicht

ich weiß jetzt auch nicht, was mich zur Zeit umtreibt, aber irgendwie stelle ich gerade alles in Frage. Vielleicht ist es die gewonnene Freiheit: kein Mandat in Sicht. 🙂

Und ein Endlager für den Atommüll in diesem Lande auch nicht. Philippsburg, hier ganz in der Nähe, zittert davor, Dauerzwischenlager zu werden. Der dort vorhandene Müll und der, der durch den Abbau der beiden Reaktoren entstehen wird (zunächst erst der von Philippsburg I) müssen vor Ort bleiben. Gleiches steht in der ehemaligen Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe an: auch dort soll Atommüll zwischengelagert werden. Denn die Chance, dass Gorleben kein Endlager wird, sind gut. Aber was passiert, wenn jetzt dann irgendwann ein Endlagersuchgesetz geschrieben wird, Gorleben als Standort ausfällt? Wir als grüne Partei gehen davon aus, dass evtl. 2042 (!) ein mögliches Endlager in Betrieb gehen kann. Immer unter der Voraussetzung, das eines gefunden wird.

Aber was, wenn nicht?

Und wieso eigentlich suchen?

Im grünen Papier ist folgendes zu lesen:

Wir wollen die Rückholbarkeit für die Dauer der Betriebsphase des Endlagers, die gleichzeitig als Beobachtungsphase gilt. Danach wird das Endlager von der Biosphäre abgeschlossen. Eine Bergbarkeit für mindestens 500 Jahre muss durch die Behälter gewährleistet werden.

Ist nicht viel eher die Frage, dass man zunächst einmal überlegen müsste, wie man garantieren kann, dass die Informationen über den Müll und seine Gefährlichkeit über Jahrhunderte weitergegeben werden können? Und wäre es nicht besser, den Atommüll sichtbar und erreichbar zu lagern? Oberirdisch?

Ist die Suche nach einem Lager im Boden denn nicht vom allzu menschlichen Gedanken getrieben, dass Dinge, die man nicht mehr sieht, auch nicht mehr da sind. Weg? Aus den Augen, aus dem Sinn?

Wäre es da nicht sinnvoller, man beließe den Müll dort, wo er entsteht, anstatt ihn zu transportieren, an einen zentralen Ort? Wäre es nicht sinnvoller, an jedem Atomstandort ein Endlager zu errichten? Auf den Kühlturm einen großen Totenkopf und das Zeichen für Radioaktivität zu malen und dann einen Wachdienst zu organisieren und dafür zu sorgen, dass dieses Gelände immer überwacht wird?

Wer weiß, vielleicht gibt es in zweihundert Jahren eine schwere Krise, eine Epidemie, einen Krieg, bei denen ganze Landstriche entvölkert werden? Wäre es dann nicht sinnvoller, es gäbe Warnhinweise und Zugang, um den Müll entweder schnell wegzuschaffen oder erkennbar zu lassen? Wenn Gebiete wieder bevölkert werden und keiner weiß etwas von unterirdischen Lagern bekommt ja der Fluch der Mumie eine ganz neue Bedeutung….

Ist alles jetzt sehr ins Unreine geschrieben, so wie es mir an einem sonnigen Sonntagnachmittag grade in den Sinn gekommen ist. Ist es besser, dass das, worüber wir Informationen über Generationen weiter geben müssen, erkennbar bleibt oder nicht? Denken wir daran, was wir wissen über die Zeit von vor 500 Jahren, also 1513?. Und das, obwohl mit Schrift und Papier Medien vorhanden waren, die die Zeit überdauerten? Heute können wir tw. nicht mehr auf Daten zugreifen, die in der Pionierzeit der Computer erzeugt wurden. Wir verstehen vieles nicht.

Das scheint mir die viel wichtigere Frage zu sein: wer sorgt wie dafür, dass die Information über ein mögliches (End-)Lager für Atommüll und seine Gefährlichkeit die Zeiten überdauert? Und: wer bezahlt das….

 

zivil – nicht militärisch

In der grünen Partei wird in kleinen und großen Kreisen seit dem Abschluss des Koalitionsvertrages vor einem Jahr heftig über die Zivilklausel gestritten. Zur Erinnerung: SPD und wir als grüne Partei hatten Zivilklauseln in unseren Wahlprogrammen, im Koalitionsvertrag fand sie sich dann allerdings nicht wieder. Theresia Bauer, grüne Wissenschaftsministerin, verweigert die Zivilklausel mit dem Hinweis auf die Freiheit der Forschung und der Unmöglichkeit, Dual Use zu vermeiden. In wenigen Tagen – am 19. April – wird das neue KIT-Gesetz in erster Lesung dem Landtag vorgestellt – eine Zivilklausel ist darin nicht vorgesehen.

Gerade beim KIT ist das schwer zu verstehen. Das KIT ist der Zusammenschluss der Universität Karlsruhe mit dem Kernforschungszentrum Karlsruhe zu einer großen universitären Forschungs- und Bildungsstätte.  Umso fataler ist es, wenn an der baden-württembergischen Wiege der deutschen Atomindustrie keine gesetzgeberische Vorgabe zur ausschließlichen friedlichen Forschung verabschiedet wird. Es kann nicht im Sinne der Gesellschaft sein, an einem Atomstandort mit der Brisanz, wie ihn Karlsruhe hat, keine ausschließlich zivile Nutzung vorzuschreiben. Erschwerend kommt hinzu, dass bei der ursprünglichen KIT-Konstruktion daran gedacht war, die Fraunhofer-Institute im Umland mit in das KIT einzubeziehen – darunter das Fraunhofer-Institut für Explosivstoffe in Berghausen. Dass in der Region keine Austausch der Wissenschaftler von statten gehen soll, ist mehr als naiv anzunehmen. Es macht ziemlich fassungslos, dass sich eine grüne Minsterin weigert, an einem Standort, der immer wieder in Verdacht stand, auch an der internationalen Know-How-Verbreitung ohne Ansicht der Empfängerstaaten beteiligt zu sein, eine Zivilklausel zu intallieren.

In alten Unterlagen finden sich Belege für die Gefahr der militaristischen Ausrichtung der deutschen Atomforschung – von den Gründungszielen bis hin zu internationalem Know-How-Austausch.  Im Angesicht der aktuellen Debatte um Iran/Israel und einem möglichen (atomaren) Erstschlag von welcher Seitee auch immer erscheinen die in dieser Broschüre (PDF) aufgezeigten Verbindungen von atomarer und ziviler Forschung in dieser deutschen Forschungseinrichtung mehr als fatal – es gab (und gibt?) Know-How-Transfer mit fast allen Atomwaffenstaaten dieser Welt. Nach einem taz-Bericht vom April 1987 stand das Forschungszentrum auch auf einer schwarzen Liste der CIA, nach der an das FZ wegen Atomrüstungsverdacht keine amerikanische High-Tech geliefert werden durfte. Es sind also nicht nur Hingespinste der Atomkraftgegner_innen und Friedensfreund_innen in diesem Land, die diesen Verdacht hegen.

Umso wichtiger ist die Formulierung einer Zivilklausel für die baden-württembergischen Hochschulen. Damit wird auch keine Grundlagenforschung verhindert, wie die Gegner_innen der Zivilklausel gerne behaupten. Aber Student_innen, Wissenschaftler_innen und ander Uni-Mitarbeiter_innen werden je nach Auftraggeber darüber diskutieren können, wie denn ein Forschungsauftrag zu werten ist. Eine Zivilklausel verschafft die notwendige Transparenz und die Hoheit über die eigenen Forschungsinhalte. Sie nciht ins KIT-Gesetz zu schreiben, ermöglicht verdeckte Forschungsfinanzierung durch Rüstungskonzerne oder Forschungs-Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, der NATO oder anderen, zivil-militärischen Einrichtungen wie den Fraunhoferinstituten oder Rüstungskonzernen.

Castor hin, Castor her

Atomsonne mit Victoryzeichen

Greenpeace hat eine erstaunliche Pressemitteilung herausgegeben. Darin heißt es unter anderem, basierend auf einer Studie des Diplom-Physikers Wolfgang Neuman:

Der nächste Castor-Transport muss nach Philippsburg rollen und nicht nach Gorleben

Danach verfügt das Zwischenlager am AKW Philippsburg über ein Drainagesystem, welches bei einem Flugzeugabsturz das ausströmende Kerosin ableiten soll. So können lang anhaltende Kerosinbrände vermieden werden. Zudem entfiele das in Gorleben nötige Umladen der Castorbehälter von der Schiene auf die Straße, da Bahngleise unmittelbar auf das AKW-Gelände Philippsburg führen, schreibt Greenpeace weiter in seinem Blog.

Der grün-roten Landesregierung wirft man „Wortbruch“ vor, weil diese ihren Einfluss bei der EnBW nicht geltend mache und eine solche Lagerung in Phlippsburg damit nicht herbeiführe. Der Umweltminister reagiert darauf mit einem offenen Brief(PDF) und weist den Wortbruch von sich und wirft statt dessen Greenpeace „Stimmungsmache“ vor. Das übliche politische Geschäft, wiese nicht Greenpeace richtigerweise darauf hin, dass Umweltminister Untersteller das früher mal selbst so von der CDU-geführten Landesregierung gefordert hatte, zwischenzeitlich das Land erheblich mehr Aktien besitzt als früher – wenn auch durch einen Staatsstreich, möchte man fast sagen – und ein solches Begehren so kurz vor dem wahrscheinlich anstehenden Castortransport Ende November schon gut wäre. Ein aktives Betreiben dieser alten Forderung sieht anders aus – wobei wir alle nicht wissen, was bi(oder mehr-)lateral da in Hinterzimmern läuft. (So richtig vorstellen, dass Herr Villis da vorprescht, kann ich mir allerdings auch mit den veränderten Besitzverhältnissen nicht.). Sei’s drum, offene Briefe hin- und herschicken hilft da auch nicht weiter – außer der Atomlobby womöglich.

Als gäbe es nicht schon genug zu lesen, legen die Südwestdeutschen Antiatominitiativen nach – und kritisieren Greenpeace in einem weiteren Schreiben(PDF), in dem es unter anderem heißt:

Ironischerweise ist das Zwischenlager in Philippsburg ansonsten die gleiche Kartoffelscheune wie in Gorleben, deshalb ist die Greenpeace-Forderung am Schluss des Films: „Kein Atommüll ins Kartoffellager! Zwischenlagerung in Philippsburg genehmigen.“ absurd.

[…]

Die Südwestdeutschen Anti-Atom-Initiativen lehnen jegliche Atommülltransporte ab, solange in Atomkraftwerken, Atomforschungseinrichtungen, Uranminen, Urananreicherungsanlagen und Brennelementefabriken weiter neuer Atommüll produziert wird. Die Atommülltransporte dienen nur einem Zweck: Atomanlagen weiter betreiben zu können und eine Lösung der Atommüllproblematik vorzugaukeln. Mit dem Abtransport aus der Plutoniumfabrik in La Hague wird dort Platz geschaffen, für die weitere Abtrennung von atomwaffenfähigem Plutonium und einhergehender Verseuchung der Umwelt besonders im Ärmelkanal und der Normandie.

Ergänzend zu diesem Schreiben, hatte ich heute eine Diskusion via Twitter mit dem Twitteraccount der Nachttanzblockade Karlsruhe resp. der südwestdeutschen Anti-AKW-Initiativen (die Veranstaltung beim Transport aus dem ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe im Februar diesen Jahres, die zur zeitweiligen Bloackde geführt hat, hatte ich selbst angemeldet). Der Tenor war ähnlich, davon abgesehen, dass sich der/diejenige, die den Account bediente, sich mit Vorwürfen zur grünen Antiatompolitik äußerte

Na, wenn IHR die #AKW stillgelegt hättet (2004, oder eben jetzt), DANN müssten wir Standort JETZT diskutieren.

Schlimm fand ich aber den Gedanken, dass das Verursacherprinzip hier völlig außer Acht gelassen wird. Es gibt keine Idee, dass die Standorte La Hague oder Sellafield gar nicht geeignet sein könnten für eine Zwischenlagerung. Von „Kartoffelscheunen“ bzgl. Gorleben und Philippsburg zu sprechen und das strahlende Zeug ausgerechnet in La Hague belassen zu wollen! Vielleicht wäre ein Besuch dort vor Ort hilfreich, um nachzuvollziehen, dass diese WAA um ein Vielfaches gefährlicher ist als die im Vergleich dazu harmlosen Zwischenlager in unserem Land. Auch die Endlagersuche wird abgelehnt, mit den Worten:

Der Müll IST dort! Wir sagen nicht dass er da für immer bleiben soll. Aber: erst Stilllegen!

Das ist St. Floriansprinzip. Es gibt, wie Franz Untersteller richtig in seinem Brief an Greenpeace schreibt, internationale Verträge über die Rücknahme dieses Atommülls. Und letztendlich gehören die CASTORen in die Zwischenlager der AKW-Betreiber, die sie genutzt haben. Das wäre die Ideallösung – bis ein Endlager gefunden ist. Ich finde nicht, dass man so tun kann, als gäbe es den bisher produzierten Atommüll nicht, die Rücknahmeverpflichtung nicht und als löste der Nichttransport irgendwie irgendetwas. Die Antiatominitiaven zeigen sich hier zwar vordergründig kompromisslos und der „reinen Lehre“ verpflichtet, verkennen aber, dass sie das bundesdeutsche Problem auf England bzwl. Frankreich abwälzen – unter vermutlich erheblich schlechteren Sicherheitsbedingungen. Das Risiko für eine Verseuchung der Nordsee wird dadurch erhöht. Dabei wird auch negiert, dass es keine gesellschaftliche noch eine parlamentarische Mehrheit für einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie gibt – so traurig und falsch das auch sein mag. Wenn ich aber am Ende in dieser Frage etwas erreichen will, muss ich die Tatsachen akzeptieren und mit diesen umgehen.

Politik zu machen, mit

Und die Lösung ist: sofortige Stilllegung aller Atomanlagen durchsetzen + so lange Sand im Getriebe sein, statt mitzuhelfen.

ja, damit kann ich auf die Straße gehen. Politik machen und die Stillegung tatsächlich irgendwann erreichen – das wird so nicht klappen.

Sonder-BDK zum Atomausstieg

Die grüne Sonder-BDK zum Atomausstieg ist vorbei. Obwohl ich als Landesvorstand hätte kostenlos hinfahren können, habe ich es mir nicht nehmen lassen, mich von meinem Kreisverband delegieren zu lassen, um die Entscheidung in meinem Sinne mitgestalten zu können. Man kann sich vorstellen, dass es angesichts des Themas und der Debatte die RednerInnenboxen voll waren. Zu meinem Glück wurde ich aber als REdner gezogen und konnte so sogar einen Redebeitrag beisteuern, der allgemein auch gelobt wurde. Da ich kein Redemanuskript habe – ich rede meist anhand eines Blattes mit Spiegelstrichen der wichtigsten Punkte, die ich ansprechen möchte – mein Beitrag als Video.

Nun, am Ende wurde der Antrag des Bundesvorstands Leitantrag. Dies wird einerseits als Niederlage der Parteilinken gewertet bzw. als Sieg der Parteiführung. Leider berichten die Medien auch nicht über die Änderungen, die übernommen wurden bzw. hineingestimmt wurden – und so ist die Berichterstattung etwas ungenau:

Einerseits wurde der Antrag der BAG Energie (PDF) angenommen, der sich noch einmal intensiv mit der Sicherheitsfrage der Atomkraftwerke beschäftigt:

• Alle weiter betriebenen AKWs müssen unverzüglich echten Stresstests unterzogen werden.
• Die wichtigsten Sicherheitskriterien, wie auch die Verbindlichkeit des neuen kerntechnischen
Regelwerkes müssen in das Atomgesetz übernommen werden.
• Für alle AKWs muss eine redundante, von Stromnetzen unabhängig (batteriebetriebene) Notstromversorgung sichergestellt sein, die für mindestens 72 Stunden funktionsfähig ist.
• Es muss für jedes AKW Notsteuerstellen geben, die verbunkert und von der Anlage hinreichend
entfernt sind. Die Leitungen müssen auch schwersten Störfallen standhalten.
• Die Auslegung aller Anlagen (AKWs wie Zwischenlager) für Erdbeben in vor Ort prinzipiell nicht auszuschließender Stärke wie für dadurch bewirkte Erdbewegungen ( wie Erdrutsche) ist neu zu  überprüfen und zu bewerten. Eine nukleare Anlage kann nur dann weiterbetrieben werden, wenn Schäden durch derartige Szenarien nach menschlichem Ermessen auszuschließen sind.
• Die Sicherung der Anlagen vor Überschwemmungen, einschließlich der aus Kanälen,
muss gewährleistet sein.
• Kühlleitungssysteme müssen so weit – etwa durch Verbunkerung – gesichert sein, dass
ihre Zerstörung durch Außeneinwirkungen praktisch ausgeschlossen werden kann.
• Die Anlage muss gegen den Absturz auch von Großraumflugzeugen so weit gesichert
sein, dass weder die Reaktorhülle, noch die Kühlleitungen und die (zumindest) Notstromversorgung
dadurch zerstört werden können.
• Gleichwertige Sicherheiten sind für die Brennelemente-Becken zu garantieren.
• Alle Anlagen sind vollständig IT-sicher (against cyber attacs) zu betreiben.
• Die Siedewasserreaktoren sind daraufhin zu überprüfen, ob Folgen eines Störfalles wie
in Fukushima, etwa durch Flugzeugabstürze, Terroranschläge oder Erdbeben auszuschließen
sind. Ist dies nicht der Fall, ist diesen die Betriebsgenehmigung dauerhaft zu
entziehen.

Ebenfalls übernommen wurde der Antrag des Landesvorstands Rheinland Pfalz, den auch unser Landesvorsitzender Chris Kühn unterschrieben hatte. Die Forderungen, die nun im Beschluss der BDK stehen sind:

Der Ausstieg muss endgültig sein. Daher werden wir die Debatte um eine Festschreibung
des Verzichts auf die Atomkraft ins Grundgesetz genau so weiter führen, wie um einen
schnelleren Ausstieg bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode.
• Die sieben ältesten Atomkraftwerke sowie das AKW Krümmel bleiben endgültig auf gesetzlicher
Basis abgeschaltet. Eine „atomare Kaltreserve“ lehnen wir ab. Sie ist gefährlich,
technisch unsinnig und darüber hinaus unnötig, da genügend Reserveleistung existiert bzw.
durch flexible Gaskraftwerke bereitgestellt werden kann.
• Wir wissen: Der Atomausstieg ist bis 2017 seriös umsetzbar. Wir werden daher die Bundestagswahl
2013 zu einer Abstimmung über eine beschleunigte Energiewende machen. Im Falle einer GRÜNEN Regierungsbeteiligung werden wir die Rahmenbedingungen so ändern, dass das letzte AKW noch deutlich vor 2022 abgeschaltet wird.
• Atomstrom darf nicht durch zusätzliche Kohlekraftwerke kompensiert werden und die Klimaschutzziele
dürfen nicht aufgeweicht werden.

Die Übernahme dieser Forderungen, ohne Debatte, sind ein klares Angebot an die Kritiker und an die Anti-AKW-Bewegungen. Sie sagen deutlich: wenn wir genügend Stimmen bekommen, dass wir in Regierungsbeteiligung kmmen,  2013 (oder früher), werden wir das Atomgesetz erneut ändern und schneller aussteigen. Dies alles war mit ein Grund, warum ich am Ende auch dem geänderten Antrag zugestimmt habe.

Das ist für mich letztendlich ein gangbarer Kompromiss zwischen den aufgestellten Forderungen. Noch letzte Woche hatte Cem Özdemir gesagt, dass dies nicht möglich wäre. Durch die Übernahme ist er hier glatt widerlegt. Ich finde es mehr als kritisch, wenn der Bundesvorsitzende solche Äußerungen im Rahmen einer Telefonkonferenz mit Kreisvorständen im Vorfeld einer BDK tätigt – und dann doch sich einer solchen Kompromissformel beugen muss. Nicht nur darüber wird man nochmal reden müssen.

Darüber hinaus bleiben aber doch Fragen offen: wie kann eine Parteitagsregie einerseits fairen Umgang miteinander fordern, andererseits durch ein Übergewicht von Vorstandsantragsbefürwortern ein Ungleichgewicht der REdner festlegen. Wieso verweigert man Christian Ströbele einen gesetzten Redebeitrag.

Betrachtet man darüber hinaus die Botschaft, dann bleiben einem jedoch nicht nur Zweifel an Merkels Anti-Atom-Kurs, den wir grün geadelt haben am vergangen Wochenende, sondern auch an der Durchsetzbarkeit der so übernommenen Ziele. Ich befürchte, das Friedensangebot ist nicht viel ehrlicher als Angela Merkel mit dem „Atomkraft-Nein Danke“-Button. Um zu beweisen, dass es ihr ernst ist, muss dies ein zentrales Verprechen im Wahlkampf werden. Alles Mögliche dafür zu tun, dass es so wird. Und mit dem entsprechenden Ergebnis – ich kann mir nur ein grün-rotes Vorstellen, dass dies möglich werden könnte, auf die SPD ist da nicht zu zählen – dann einen schnelleren Ausstieg auch durchsetzen. Wir können das Paket aufschnüren, denn wir haben laut genug gesagt: das geht uns nicht schnell genug. Das ist aber auch nur passiert, weil sich diejenigen, die für eine Ablehnung des Kompromisses lautstark, mit Herz und Hirn geäußert haben. Und gekämpft haben.

2013 wird grün.

Gefahren durch Fukushima

Ich muss nicht betonen, dass ich ebenso wie so ziemlich der ganze Rest der Welt, der davon Kenntnis hat, geschockt bin von den Ereignissen in Japan. Ich hab an mir am Freitag eine gewisse Distanz beobachtet: zunächst war ich völlig ungläubig, dass das überhaupt passiert. Mein nächster Gedanke war: wird schon nicht so schlimm sein. Mit zunehmendem Entsetzen begriff ich im Laufe des Freitags und Samstags, dass dort ein mehrfacher GAU möglich ist – womöglich auch ein Super-Gau. Und das angesichts der verheerenden Wucht des Tsunamis mit mehreren tausend Toten zu rechnen sein wird.

Während ich dies schreibe, berichtet der Spiegel über den verzweifelten Versuch der japanischen Rettungskräfte, ein Abklingbecken für radioaktive, abgebrannte Brennstäbe mit Wasserwerfern zu kühlen, nachdem eine solche verzweifelte Absicht mittels Hubschraubern durch die hohe Strahlung vor Ort nicht mehr möglich war. Damit ist klar, dass Radioaktivität in nicht unerhbelicher Menge an die Atmosphäre abgegeben wurde, die jetzt als Wolke über dem Meer schwebt. Zum Glück, schreibt die Presse, bläst der Wind diese Wolke „aufs Meer hinaus“, muss ich immer wieder lesen. Im Spiegel ist zu lesen:

Die größte Gefahr geht nicht von einer Wolke aus, sondern von der von ihr kontaminierten Nahrung.

Und während ich dies las, dachte ich: es kann doch wohl nicht sein, dass alle so eindimensional denken. Scheinbar denkt jedeR, dass die Radioaktivität, die seit Tagen unkontrolliert an die Luft abgegeben wird, einfach irgendwo „über dem Meer“ verschwindet. Das kann ja aber wohl nicht sein.

(ich betone, ich bin weder Meeresbiologe, noch Fischfangexperte, noch Klimaforscher)

Verteilung im Meer

Wenn ich mir eine Karte über Meeresströmungen anschaue (diese hier habe ich von www.klett.de), fällt mir auf, dass überall dort, wohin seit Freitag fast ununterbrochen der Wind weht, die großen Meersströmungen verlaufen. Wenn die Wolke über dem Meer abregnet, dann werden sich die radioaktiven Partikel nicht wie nach Tschernobyl im Boden anreichern, sondern im Meerwasser – und sich anhand der großen „Umwälzpumpe“ bis zu uns verteilen. Man mag argumentieren, dass sich das verdünnt – aber wer weiß, welche ungeheuren Mengen im Meer landen und an welche Partikel sie sich heften. Die bekannten Drifterunfälle mit Nikeschuhen und den Gummienten zeigen, dass sich diese Partikel über die ganze Welt verteilen können. Alleine Thunfisch, der ja im Pazifik gefangen wird, insgesamt hunderte von Tonnen jedes Jahr, könnte damit belastet sein. Viele andere Fischsorten weltweit ebenfalls. Am heutigen Tag ist nicht zu erwarten, dass die Abgabe von radioaktiven Isotopen an die Luft gestoppt werden könnte. Wer sich an seine Schulzeit erinnert und daran, wie Regen entsteht, wird ahnen, dass der Nordostwind vielleicht ein Segen für Tokio ist – für den Rest der Welt befürchte ich, wird es das nicht sein. Zumal die Partikel nicht in hohe Atmosphäreschichten getragen werden. Dazu kommen die Unmengen, die mit dem Wasser zurück ins Meer gespült werden – schließlich wird seit Tagen mit Meerwasser gekühlt…Diese Katastrophe wird ähnlich wie Tschernobyl dafür sorgen, dass wir wieder über Cäsium im Essen nachdenken müssen – dieses Mal im Seefisch. Ich bin mir sicher, dass die internationale Fangflotte wenig darum geben wird. Über die Anreicherung durch fressen und gefressen werden mag ich gar nicht nachdenken. Und über das Plutonium auch nicht – Reaktor 3….

Gefahren an Kraftwerkstandorten

In einem Abklingbecken in Fukushima lagern abgebrannte Brennstäbe. Diese Becken kann ebenfalls nicht mehr gekühlt werden. Ebenfalls wird von immer wieder aufflammenden Bränden an den Standorten berichtet. Der Standort ist aufgrund der hohen Strahlung nicht mehr zugänglich. Eine Knallgasexplosion findet bei über1000° Celsius statt, nach allem, was ich schlechter Chemieschüler herausfinden konnte.

Castorbehälter halten nur ca. 30 Minuten Temperaturen von gerade 500 bis 800 Grad aus, was beim Zusammenstoß mit einem Gefahrstofftransport selbstverständlich einmal nicht ausreichen kann.

Seit Freitag wissen wir, dass es das Wort Restrisiko nicht mehr gibt. Ein AKW-Unfall in Deutschland mit ähnlichen Konsequenzen, einem GAU, bei dem andauernd Brände entstehen, an einem Standort, an dem abgebrannte Brennstäbe nicht nur in Abklingbecken, sondern in Castoren, die nicht für diese genaue Belastung ausgelegt sind, an diesem Standort lagern und möglicherweise nicht mehr zugänglich sind, weil die Strahlung zu hoch ist oder es brennt – das geht nicht. Im auch von uns GRÜNEN mitgetragenen „Atom-Konsens“ wurden diese Zwischenlager eingerichtet, weil

weil der Abtransport des Atommülls aus den Atomkraftwerken in die Wiederaufarbeitungsanlagen und in die zentralen deutschen Zwischenlager den Atomkraftwerksbetreibern in den 1990er Jahren zunehmend Probleme gemacht hatte.

Nun, nach Fukushima wird das nicht mehr haltbar sein. Wir werden uns damit abfinden müssen, dass wir in Deutschland ein zentrales Zwischenlager werden errichten müssen, das abseits von einem aktiven AKW-Standort sein muss. Das bedeutet dann auch wieder mehr Atomtransporte – bis kein Müll mehr entsteht. Oder wir schalten sofort alle Atomanlagen ab – dann können die inaktiven Standorte als Zwischenlager genutzt werden. Von der „grünen Wiese“ allerdings sind wir weiter entfernt als jemals zuvor – bis es eines Tages vielleicht ein sicheres Endlager gibt. Fukushima hat weitaus mehr Konsequenzen, als wir uns heute ausmalen. Ich bin sicher, ich bin auf viele Dinge noch nicht gekommen, die abseits des jetzt offensichtlichen sind.

 

in Berg

Widrige Umstände (der Bus von KA ab fuhr nicht) haben mich davon abgehalten, an der Castorblockade im Wendland teilzunehmen. Also fuhr ich kurzentschlossen am Samstag früh nach Berg in der Pfalz, um an der Südblockade teilzunehmen.

Von der Auftaktkundgebung weg verlief die Demonstration friedlich durch das Dorf. Viele Menschen aller Altersgruppen, ich schätze zwischen 1200 und 1400 Menschen beteiligten sich. Am vorgesehenen Platz der Abschlusskundgebung aber angekommen, liefen wir einfach weiter – und erreichten, sehr überraschend für mich, ohne großen Widerstand die Gleise. Binnen weniger Minuten waren überall Menschen, die sich an der Blockade beteiligten. Die Polizisten erschienen ratlos, eine begonnene Räumung machte nicht den Eindruck, als sollte sie tatsächlich dazu führen, dass die Gleise geräumt würden. Obwohl die Polizei mehrfach dazu aufforderte, freiwillig die Gleise zu räumen, ging niemand, die Lautsprecheransagen der Polizei wurden beklatscht, vor allem, wenn die Uhrzeit angesagt wurde 🙂

Urplötzlich verließen die PolizistInnen dann das Gebiet, wünschten teilweise einen schönen Nachmittag und waren wieder in ihren Mannschaftswagen verschwunden.  Parallel dazu erreichte uns die Info, dass der Castor über Kehl umgeleitet würde. Wir verliesen die Gleise erst, nachdem diese Meldung bestätigt war.

Bei der anschließenden, verschobenen Abschlusskundgebung wurde bekannt gegeben, dass in Karlsruhe noch am Bahnhof eine spontane Demonstration stattfinden sollte. Eigentlich wollte ich nicht hin, als ich dann Polizeipräsenz am Bahnhof bemerkte, blieb ich dann doch lieber – ein bisschen Gegengewicht schien mir nötig.

Vor dem Bahnhof fand dann die Kundgebung statt, bei der lautstark „Abschalten“ skandiert wurde – ein Geigenspieler war da, es wurde gesungen. Aber irgendwie schien sich dann der Protest, der sich ja gegen die Durchfahrt des Castors richten sollte, zu verlaufen. Nachdem mich mehrere MitdemostrantInnen angesprochen hatten, dass doch auch noch hinter dem Bahnhof am Südausgang Leute stünden, schlug ich der Menge vor, nach hinten zu gehen,weil ja dort auch die Gleise näher waren – was wir dann auch taten.

Wir versuchten sehr schnell, auf die Schwarzwaldbrücke zu kommen, weil unter ihr der Castor durchfahren würde. Wir hatten die Hoffnung, die Brücke eine Weile halten zu können, um den Castor aufzuhalten. Leider war die große Gruppe ein kleines bisschen zu langsam und die Polizei ein wenig zu nah – sodass die Hauptgruppe aufgehalten und eingekesselt wurde – und lediglich rund 50 DemonstrantInnen den Weg zur Brücke fanden. Immerhin konnten wir diese blockieren, ein Durchkommen gab es aber nicht.

ALs wir zurück zum Südeingang des Bahnhofes kamen, fanden wir eine völlig undurchsichtige Situation vor: ein paar DemonstrantInnen hatten sich vor ein Bahngebäude auf der anderen Straßenseite verirrt, weil sie ortsunkundig waren und dachten, sie kämen auf diesem Weg zu den Schienen. Im Dunkeln, wurde mir glaubwürdig berichtet, haben dann wohl mehrere der Bundespolizisten ziemlich hemmungslos ihre Knüppel eingesetzt. Ansonsten gab es auf dem Gelände vor dem Bahnhof mehrere Rempeleien und Provokationen – die Polizisten reagierten teilweise unbeherrscht oder sperrten völlig unkoordiniert Strecken ab – die Polizeikette brach dann mitten auf dem Platz ab, sodass man bequem drumherum gehen konnte – Sinn der Absperrung: keine.

Am Ende zogen wir gemeinsam wieder durch den Bahnhof mit lauter Sambatrommlermusik auf den Bahnhofsvorplatz. Da mehrere Leute hinter dem Bahnhof festgenommen worden waren – unter anderem einer aus der Sambatruppe – gingen wir gemeinsam – wir waren noch ungefähr 100 Leute – zum Polizeipräsidium, um unsere Solidarität zu zeigen. Nach dem Rückmarsch – es war zwischenzeitlich viertel vor Acht – löste sich dann auch diese Gruppe auf.

Insgesamt ein erfolgreicher Tag. Leider glückte die zweite Castorblockade nicht. Das nächste Mal müssen wir dafür sorgen, dass mehr Menschen mit auf die umgeleitete Strecke kommen – und vielleicht sollte man sich nicht ausgerechnet den gut erschlossenen Hauptbahnhof Karlsruhe als Ziel suchen. In Durlach wären wir möglicherweise erfolgreicher gewesen…..

Wählen gehen

Ultrakurzblog:

Da lese ich heute morgen in der taz folgenden Satz in der Berichterstattung über die Demonstration gegen Atomkraft in Berlin:

Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Hans-Peter Friedrich, sagte, die Demonstranten repräsentierten nicht die Mehrheit der Bevölkerung. Union und FDP hätten die Bundestagswahl vor einem Jahr mit der klaren Ansage gewonnen, die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängern zu wollen.

Das passiert, wenn man nicht wählen geht. In Umfragen wird seit Jahren bestätigt, dass die Mehrheit für den Austieg aus der Atomkraft ist. Aber viele gehen aus Frust über die Politik generell nicht wählen, die Wahlbeteiligung sinkt seit Jahren. Nun werden ihre Stimmen einfach im Verhältnis auf das Gesamtergebnis umgelegt. Das macht mich jetzt zwar verdrossen, aber andere hoffentlich so sauer, dass sie das nächste mal wählen gehen anstatt ihre Stimme abzugeben.