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Archiv für die Kategorie „Bildung“

Wie demokratisch ist das Internet?

Ein Gastbeitrag von Anke Domscheit-Berg – eigentlich für eine Gewerkschaftszeitung gedacht.

Das Internet ermöglicht die weitere Demokratisierung unserer Gesellschaft – durch mehr Zugang zu Informationen, mehr Transparenz und mehr Beteiligung. Bisher bedeutete Demokratie  (=Volksherrschaft), alle paar Jahre bei einer Partei ein Kreuz zu machen. Die Herrschaft des Volkes wurde dann für die Dauer der Legislatur in Vertretung ausgeübt – durch unsere Volksvertreter.

Häufig war die Enttäuschung nach der Wahl, wenn sich blumige Wahlkampfversprechen nicht realisierten. Wie und mit welchem Input realpolitische Entscheidungen (wie über die Lage von Großbahnhöfen) zustande kamen, wussten Otto und Lieschen NormalbürgerIn nicht. Diese Praxis lässt sich nicht länger halten. Über das Internet können wir Informationen jedem verfügbar machen. Wissen aber ist Macht, nur jetzt ist diese Macht aufgeteilt. Das schöne daran: geteiltes,
vernetztes Wissen wird mehr. Das einfachste Beispiel dafür ist Wikipedia, die Enzyklopädie, zu der unzählige Menschen beitragen und deren Umfang jede Minute wächst. Die Forderung nach  Transparenz in der Politik ist daher auch der Ruf nach Freigabe aller relevanten Informationen, die in wichtige Entscheidungen einfließen.

Zugang zu Informationen heißt, mitreden zu können. Informierte Bürgerinnen und Bürger können und wollen sich mehr einbringen. In repräsentativen Umfragen geben Menschen aller  Altersgruppen und soziologischen Schichten, Männer wie Frauen an, dass sie mehr Beteiligungsmöglichkeiten wünschen und mehr Transparenz über die Arbeit in Politik und  Verwaltung.

Das Internet macht es leicht, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen, Kräfte zu bündeln und effektiv für gemeinsame Ziele zu mobilisieren. Nicht nur der Arabische Frühling sondern auch Pro- und
Anti-Guttenberg Demos in Deutschland wurden über soziale Netze organisiert. Informationen darüber, was wo passiert – und jede Menge Hintergrundinformationen sind sekundenschnell verfügbar. Für viele ist Twitter schon jetzt der schnellste Informationskanal. Die Standardmedien verlieren dabei oft ihr „Breaking News“ Monopol, weil sich alles Interessante wie ein Lauffeuer auch an ihnen vorbei verbreitet. Twitternachrichten über das Erdbeben in Washington erreichten New York City schneller als die Bebenwellen selbst. Die Einfachheit des Informationsaustauschs in einer vernetzten Gesellschaft führt dazu, dass wir nicht mehr nur von einer Handvoll Meinungsmacher vorverdaute Geschichten serviert bekommen sondern dass uns zeitgleich vielfältige  Interpretationen bis hin zu den Fakten hinter der Geschichte und verschiedene Visualisierungen zur Verfügung stehen. Wir lernen zu gewichten, wie wir diese unterschiedlichen Quellen einordnen, dabei spielen auch persönliche Beziehungen und das Vertrauen zur Quelle eine wesentliche Rolle.

Ein gutes Beispiel für die gewachsene Pluralität im gesellschaftlichen Diskurs ist die Debatte um das Urheberrecht. Hier melden sich die unterschiedlichsten Interessens- und Expertengruppen zu Wort, zerpflücken gegenseitig ihre Argumente, werfen Studien mit Zahlen ins Feld, um ihre Positionen zu stützen. Mit dabei sind natürlich auch die Medien, aber nur noch als ein Player von vielen. Blogs wie Netzpolitik.org oder Spreeblick.de, Gruppierungen wie iRights.org oder die Piratenpartei verbreiten ihre jeweiligen Positionen und erzielen hohe Reichweiten. Aber auch 51 Tatortautoren haben sich vernetzt zu einer Interessensgemeinschaft und einen offenen Brandbrief im Netz veröffentlicht, der wiederum zu Stellungnahmen und Gegenbriefen anderer Urheber führten. Die globale  Petitionsplattform Avaaz.org erreichte viele Millionen Menschen auf der ganzen Welt – z. B. mit einer Unterschriftensammlung gegen ACTA für das europäische Parlament. Ich habe mich noch nie so breit informiert gefühlt wie in der Vielfalt der digitalen Gesellschaft!

Piratendemokratie

Für dieses System ist ein Update verfügbar

Piratenplakat: Für dieses System ist ein Update verfügbar

Ich habe mir heute morgen u. a. den Auftritt von Joachim Paul, Spitzenkandidat der Piraten zur NRW-Wahl, bei ZDF login angeschaut. Eigentlich wollte ich mich nicht mehr zu sehr mit ihnen beschäftigen, aber selten hat mich eine Aussage so zornig gemacht.

Ein Zuschauer fragte nach der Vorstellung der Piraten zu einer radikalen, direkten Demokratie mit Volksentscheiden zu allen wichtigen Themen. Die Antwort (ungefähr bei Minute 25:40) des Herrn Dr. Paul lautete:

Sehr viel. Aber diese Form der Demokratie setzt ein hohes Maß an Bildung und Mündigkeit voraus. Wir wollen irgendwann mal dahin, der springende Punkt ist halt nur: Bildung, Bildung, Bildung. In Bildung ist an der Stelle zu investieren, um bei den Leuten auch das Vermögen hervorzurufen, Dinge vom Standpunkt des Gegenüber, der anderer Meinung ist, betrachten zu können, sonst kommt man nicht zu demokratischen Entscheidungen.

Ich bin ziemlich fassungslos. Das ist ein derart elitärer Demokratiebegriff, eine Überheblichkeit gegenüber Leuten, die obiges nicht können – die heute wohl alle eigentlich nicht in der Lage sind, an der Demokratie teilzunehmen. Es ist in keinster Weise barrierefrei, in der geäußerten Form offenbar sogar für Leute mit Lernbehinderungen offenbar sogar ausschließend – denn wenn sie nicht “Dinge vom Standpunkt des Gegenüber, der anderer Meinung ist, betrachten zu können”, sind sie offenbar nciht in der Lage, demokratische Entscheidungen zu treffen. Interessant auch, dass die Piraten erst “irgendwann” zu einer radikaleren Demokratie kommen wollen – angeblich wollen sie doch eine “Liquide Demokratie” mit jährlichen Updates der Programme – womit es passieren könnte, dass nach einem Jahr das Gegenteil dessen im Piratenprogramm stünde, als das, für was man sie gewählt hat. Beliebigkeit total.

Aber dieser elitäre Demokratiebegriff, der denjenigen, die nicht in der Lage sind, nach den Begriffen des Herrn Paul gebildet zu sein, die Demokratiefähigkeit abspricht – das ist unglaublich arrogant, undemokratisch, diskriminierend, ausschließend. Demokratie nur für die elitär Gebildeten – das ist das Ziel des Spitzenkandidaten der Piraten zur NRW-Wahl.

etwas verändert sich

Die Schule in Baden-Württemberg ist auf dem Weg der Veränderung. Mit der Regierungsübernahme vor einem Jahr konnten wir endlich beginnen, neue Akzente für ein besseres Bildungssystem in Baden-Württemberg setzen. Es gab und gibt ganz viele Baustellen – aber das Desaster in Hamburg mit der gescheiterten Einführung der sechsjährigen Grundschule hat uns allen deutlich gemacht, dass eine Schulreform tatsächlich nur funktionieren wird, wenn sie von unten kommt, wenn die Bürger_innen, die Eltern, die Schüler_innen und die Lehrer_innen den Weg mitgehen und Einflussmöglichkeiten auf diesen Weg behalten.

Neben der Finanzierung noch von der Vorgängerregierung, aber nicht finanzierten Maßnahmen wie unter anderem die Schaffung von mehr als 700 Lehrerstellen war eines unserer wichtigsten Anliegen die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung. Die CDU in Baden-Württemberg hat bis zuletzt dagegen polemisiert, auch die Lehrerverbände sind nicht alle dafür – die GEW als größte Bildungsgewerkschaft begrüßt diesen Paradigmenwechsel jedoch. Einige Schulleiter an Gymnasien in Südbaden haben wohl versucht, die Grundschulzeugnisse zu bekommen, um wohl doch noch Auslese durch die Hintertür zu betreiben. Vor allem die Entlastung der Grundschule und die Beendigung einer frühen, erzwungenen Auslese und Demütigung ist ein großer Schritt in Richtung mehr angsfreie Schule.  Die Beratungsatmosphäre ist offenbar weitaus entspannter. Es ist ja nicht so, als würden die Eltern hinsichtlich des Wechsels ihrer Kinder auf weiterführende Schulen nicht mehr beraten – aber sie haben das letzte Wort. Und grundsätzlich tun Eltern zunächst einmal nichts, was ihren Kindern schadet. Die neu eingeführte Gemeinschaftsschule wird gut angenommen – es gibt offenbar mehr Anmeldungen als Plätze. Und die verfehlte G8-Struktur, die die CDU geschaffen hat, wird gerade durch die Abstimmung mit den Füßen – den großen Anmeldezahlen beim Schulversuch mit G9 – als das erkennbar, was sie schon immer war: in der Form falsch. STatt prognostizierten 1500 Anmeldungen gab es 2200 Eltern, die ihren Kindern lieber den längeren Weg ermöglicht hätten. Zum G8 und dem Schüler_innenbild bzw. dem Menschenbild, das dahinter steht, könnte man seitenweise Aufsätze schreiben. Trotzdem ist es so, dass eine 100%ige Rückkehr zum G8 so teuer würde, dass alle anderen Reformen hintenan stehen müssten. Insofern werden wir uns hinsetzen und dies so gestalten, dass es zukünftig wieder ein Leben nach der Schule ermöglicht. Und die Gemeinschaftsschule ermöglicht ja ebenfalls einen schülergerechteren Weg zum Abitur. Ich bin sicher, das dieser Paradigmenwechsel sinnvoller ist als eine Rückkehr zum G9 für alle.

Heute morgen lese ich der erzkonservativen Zeitung meiner Region, den BNN, eine Stellungnahme des VBE-Sprecher Michael Gomolzig. Er

sieht das Problem einer Rückflutwelle in zwei Jahren von an Gymnasium und Realschule gescheiterten Schülern

da es zu wenige Anmeldungen an den Haupt- und Werkrealschulen des Landes gibt. Die Eltern reagieren also. Auf die Freiheit. Und auf jahrelang einhergehende schlechtere Ausbiuldungschancen ohne Abitur oder Mittlere Reife. Aber das hier der VBE-Sprecher die freie Entscheidung auf der Basis der Beratung am Ende der Grundschule massiv in Zweifel stellt, delegitimiert, das ist schon ein starkes Stück. Denn insgesamt zeigt sich, dass die Eltern eben nicht massiv an Gymnasien anmelden und die armen Gymnsiallehrer_innen dann überfordert werden mit doofen Schüler_innen, die eigentlich auf die Hautschule gehörten. Nein, die Eltern und die Schüler_innen entscheiden überwiegend sinnvoll.

Die Lösung für den Erhalt der wohnortnahen Gemeindeschulen wird die Gemeinschaftsschule sein, in der individuelle und inklusive Bildung möglich ist, nach Stärken und Schwächen und nicht nach so homogen wie möglich zusammengewürfelten Klassen. Die Eltern werden richtig entscheiden. Das zeigen nicht nur die Anmeldezahlen in Baden-Württemberg – auch in Nordrhein-Westfalen gehen Eltern mit uns den Weg in eine bessere Bildungslandschaft. Unsere Ideen für eine bessere Bildung hat zuerst die SPD übernommen und verkauft sie heute als ihre eigenen – jetzt setzt sie gemeinsam mit uns diesen Weg um. Grün wirkt.

Kitas flächendeckend

Um die Attraktivität des Berufs zu steigern und die Professionalität des pädagogischen Fachpersonals zu erhöhen, setzen wir uns dafür ein, die Studiengänge mit Bachelorabschluss an den Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen zügig auszubauen und auf die Dualen Hochschulen auszudehnen.

So steht es in unserem Wahlprogramm. Alle sind sich einig: Der Erzieher_innenberuf muss aufgewertet werden. Die Qualität insgesamt muss besser werden. Und wir benötigen flächendeckend KiTas, damit frühkindliche Bildung für alle möglich wird, unser langfristiges Ziel mindestens eines kostenlosen Kindergartenjahres schnellsmöglich auf die Tagesordnung kann. Familien brauchen die Sicherheit einer guten Versorgung ihrer Kinder. Der Wandel von der Selbst- zur Fremdbetreuung als “normal” muss schneller vorangehen. Es gibt viele Gründe dafür.

Da ist einerseits der Fachkräftemangel. Noch immer leisten es sich zu viele junge Frauen, drei oder mehr Jahre zu Hause zu bleiben, obwohl sie viel Zeit in eine gute Ausbildung investiert haben. Kommt dann ein Kind, erlebt man immer noch zu oft, dass der Mann arbeiten geht (und anfängt Überstunden zu arbeiten, um die Gehaltseinbußen aufzufangen) und die Frau bleibt zu Hause. Leider zu oft zu lange.  Wenn ein zweites Kind dazu kommt, werden oft zehn Jahre und mehr daraus. Denn neben den fehlenden Ganztageskindergärten fehlen flächendeckend Ganztagesschulen – bzw. Unternehmen, die zulassen, dass Eltern Teilzeit arbeiten können. Für Männer fehlen Teilzeitplätze fast überall. Job-Sharing-Modelle rufen höchstens Naserümpfen hervor anstatt begeisterte Unternehmer. Zudem kratzen sie am Nimbus der eigenen Unersetzlichkeit. Die Kinder gehen Teilzeit in den Kindergarten, nachmittags zum Sport, zum Reiten, zum Tanzen, zum Klavier, zum Schwimmen – alles innerhalb der üblichen Arbeitszeiten. Da muss eine bereit stehen – Männer trifft man selten bei Krabbelgruppen, bei all den Attivitäten “rund um’s Kind” und werden auch immer ein bißchen komisch angeschaut. Will man sich noch im Kindergartenelternbeirat engagieren – die treffen sich meist auch um 12, wenn der Kindergarten “zu Ende” ist. Gleiches gilt dann mit dem Schulanfang – das sechsjährige Kind kann ja nicht alleine zur Schule – weder laufen noch hinterher alleine mit den hausarufgaben klar kommen. In den SChülerhorts fehlts an pädagogischem Personal, das keine Hausaufgabenbetreuung machen darf und Hausaufgaben müssen ja sein – vom dritten Schultag an spätestens. Es könnte ja Schullaufbahnmäßig einiges schief gehen, wenn das Kind nicht gut begelitet wrid die ersten Jahre und Mama mit an den Hausis sitzt – Mütter übernehmen gerne diese Erstklässlersprache – und reden dann auch gerne davon, dass “wir schon das große Einmaleins gelernt haben” – man beachte – oft Akademiker_innen mit gutem Abschluss, aber auch sonst mehr oder weniger gut ausgebildetet Menschen mit zumindest einigen Jahren Schulbesuch und hoffentlich des Schreibens mächtig.

Ich rede bewusst von Müttern, weniger von Vätern. Denn so wie Frauen auch scheinbar automatisch lieber zu Hause bleiben, so gestalten sie auch das soziale Umfeld ihrer Kinder. Interessanterweise denken viele Väter genauso – in Bezug darauf, dass die Frau zu Hause bleiben soll und das alles zu managen hat. “Ich leite ein kleines Familienunternehmen” ist leider bittere Realität.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Insofern wäre eine andere Normalität dringend notwendig. Zumindest mal als Angebot – bis sich das Bild wandelt, wird es sicherlich noch eine Generation andauern.

Aber wie sollen wir eigentlich dafür sorgen, dass es genügend Erzieher_innen gibt. Flächendeckendes Angebot, ganztags und die Inklusion umgesetzt, das alles mit Bildungsplan – wer soll das bitte amchen und bitte, wer soll das alles bezahlen?

Seit einiger Zeit denke ich, dass es, ähnlich wie im Bereich Altenpflege, eineN niedriger qualifizierteN Erzieher_in geben muss. Jemand, der nur mit den Kinder spielt. Nur aufpasst, dass “nix passiert”. Während einer der studierten eine Gruppe leitet. Den pädagogischen Plan erstellt. Überwacht, dass er umgesetzt wird. Elterngespräche führt. Mehr Geld verdinet. Und so weiter. Aber für einen ganz regulären Bereich “reicht” auch jemand als Hilfe, der unterstützt. Der “einfach” ausgebildet ist. Weniger Geld verdient. Nicht studiert hat, sondern eine Ausbildung gemacht hat. Was dafür sorgt, dass diesen Beruf auch mehr Menschen ergreifen können. Ohne Abitur. Das es leicht macht, ausländische Abschlüsse anzuerkennen – wie viele bspw. türkische oder russische Pädagog_innen gibt es in Deutschland, die an irgendwelchen Packstraßen verpacken oder putzen (unter anderm auch, weil sie keine Christen sind und daher vom Träger nicht angestellt werden…)? Es braucht diese “einfache”Erzieherin. Denn es gibt genügend, die mit einfachem “ich liebe Kinder” genausogut für Kinder sind wie eine sozialpädagisch ausgebildete akademische Erzieherin.

In Diskussionen mit Bildungs”experten” stoße ich mit dieser Ansicht meist auf Widerspruch. Alle sagen sie, dass die Aufwertung notwendig ist. ich glaube, sie irren sich. Aber mich würd mal interessieren, wie das diejenigen sehen, die diesen Artikel lesen. Also bitte, nicht mal nur mit dem Kopf nicken oder denken, “beim Rupp ist Hopfen und Malz verloren”. Ich trag mich nämlich mit dem Gedanken, meine Ansicht über Anträge in die politische Umsetzung zu bringen.

Forschung

 

Mit allem Recht steht die grüne Landesregierung in der Kritik aus verschiedenen Richtugnen, wenn es um das Thema Forschung geht. Denn teilweise wird hier in Baden-Württemberg an Dingen geforscht, die  diametral zu unserer grünen Programmatik stehen. Es sind drei Themengebiete, die ich dabei kritisch sehe:

1. Tierforschung

In Tübingen findet Grundlagenforschung in der Gehirnforschung statt, die mithilfe von Rhesusaffen durchgeführt wird. Während die Forscher (erwartungsgemäß) sagen, diese Forschung sei notwendig, sagen Tierschützer, dass diese Grundlagenforschung unnötig ist. Nicht zuletzt Reinhold Pix, grüner MdL, hält diese Versuche jedoch für unnötig und fordert deren Abschaffung. Und auch wir hatten im Wahlprogramm die Abschaffung von Tierversuchen mit Primaten gefordert. Dem gegenüber stehen die Aussagen von Ministerin Bauer, die für die Abschaffung der Tierversuche keine Rechtsgrundlage sieht, ebenso wie OB Palmer, der die Tierversuche für legitim hält.

2. Militärische Forschung an Universitäten

Demnächst steht das Weiterentwicklungsgesetz an, mit dem KIT organisatorisch und finanziell zu einer weitgehend autonomen Körperschaft öffentlichen Rechts für Forschung, Lehre und Innovation verschmolzen werden soll. Ebenso wie die SPD im Wahlprogrammhatten wir Grüne uns für eine Zivilklausel ausgesprochen, die die Universitäten verpflichten, mit ihrer Forschung ausschließlich friedliche Zwecke zu verfolgen. Leider steht auch hier Theresia Bauer im Fokus: sie lehnt anders als zu Oppositionszeiten eine solche Zivilklausel ab. Dies wiegt umso schwerer, als das räumlich nah das Franhofer Institut für Sprengstoffforschung in Berghausen liegt. An der Universität Karlsruhe wird Militärforschung traditionell betrieben, z.B. im Nachrichtentechnischen Institut mit Forschungen an Breitbandkommunikationssystemen für multinationale Interventionstruppen und, wie erst jüngst aufgedeckt, am Institut für Theoretische Elektrotechnik und Systemoptimierung an Drohnen für Auslandseinsätze der Bundeswehr. Noch schwerer jedoch ist die Existenz von Atomforschungsanlagen sowie Kernbrennstoffe in nicht unerheblichem Maße – z. B. Plutonium – auf dem Gelände des KIT. Somit haben wir in Karlsruhe die einmalige Situation, dass unter einem Dach militärisch und atomar geforscht werden darf. Ich lehne das strikt ab.

3. Die Atomforschung

Wie schon oben beschrieben, wird am KIT weiter Atomforschung betrieben. Wir haben auf unserem Landesparteitag im Oktober beschlossen (PDF) , dass das Land keinerlei Atomforschung mehr unterstützen wollen soll, mit Ausnahme der Forschung für Sicherheit, Endlagerung und Rückbau. Trotzdem findet diese Forschung weiter statt. Am europ. Institut für Transurane soll weiterhin Forschung in Sachen Kernfusion stattfinden – schwerwiegender jedoch ist die Forschung an den sogenannten Reaktoren der 4. Generation. Aufgrund einer Anfrage für einen Neubau der Forschungsgebäude in dem auch Kernbrennstoffe und andere radioaktive Stoffe gelagert werden sollen musste das Land die atomrechtliche Genehmigung erteilen. Gegen diese Pläne gibt es Widerstand.

Daraufhin wurde ein Mediationsverfahren beschlossen, dessen Ergebnis hier nachzulesen ist.

Auszug:

3. Das ITU verpflichtet sich, seine Forschungsarbeiten im Zusammenhang mit zukünftigen Reaktorsystemen auf sicherungs- und sicherheitsrelevante Untersuchungen der Kernbrennstoffe zu begrenzen. Forschung im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung von neuen Reaktorlinien ist damit ausgeschlossen.

Damit ist klar, dass Umweltminister Franz Untersteller damit einverstanden ist, dass dort an der nächsten Generation Kernelemente geforscht werden darf. Forschung in einem Bereich, aus dem wir den Ausstieg über lange Jahre gekämpft haben. Der Minister ermöglicht so den Weiterbetrieb von Kernreaktoren auf der Welt mit deutschem Know-How. Auch das teile ich überhaupt nicht.

Für mich als Parteirat respektive Mitglied des Landesvorstands ist das nicht ganz einfach. Ich erwarte eigentlich, dass sich die Minister auch für grüne Ziele einsetzen – soweit das im Kabinett mit der SPD überhaupt möglich ist. In allen Fällen ist jedoch öffentlich kein roter Gegenwind wahrzunehmen – es ist grüner Gegenwind.

Ich werde mich im nächsten Jahr dafür einsetzen, dass wir wahrnehmbar eine breite Debatte über die Forschung, die wir wollen, führen. Ich persönlich möchte keine Forschung an Tieren, keine Militärforschung und keine Atomforschung der Forschung für Sicherheit, Endlagerung und Rückbau – wobei nicht die Sicherheit der nächsten Generation Kraftwerke gemeint ist. Ich finde, hier muss es einen klaren Eingriff in die Forschungsfreiheit geben. Nicht alles was möglich ist, sollte auch getan werden. Wer solche Forschungen durchführen möchte, soll das da tun, wo sie erlaubt ist. Bei uns sollte man sich davon verbaschieden – schnell, wenn’s geht.

Update:
am 24.12. erreichte mich folgender Brief (PDF) aus dem Forschungs- und aus dem Umweltministerium – der den Dissens noch einmal deutlich beschreibt.

von schreienden Lehrern

Kurz vor den großen Ferien fuhr ich etwas früher von der Arbeit nach Hause. wie der Zufall es will, stieg eine Schulklasse auf dem Nachhauseweg nach Kuppenheim zu – und dabei kam es zu den folgenden Ereignissen, die ich ebenfalls per E-Mail dem Schulleiter mitteilte:

Um 12:43 Uhr stieg ich am Karlsruher HBF in die Bahn ein. Eine Schülergruppe stieg zu, wie ich am Rande mitbekommen hatte. Auf einmal erhob sich ein Riesengeschrei, eine männliche Person schrie mehrere Schüler zusammen, weil sie noch etwas am Bahnhof eingekauft hatten. Beinahe hätten sie wieder aus der Bahn aussteigen müssen. Es war reichlich knapp, das ist schon wahr. Aber diesen Ton habe ich in der Form lange nicht mehr gehört. Erniedrigend, sehr laut, demütigend, autoritär: “wenn ich sage, dass nichts mehr gekauft wird, dann wird nichts mehr gekauft” unter anderem.

Ich habe mich eingemischt und ihn darauf hingewiesen, dass ich es kaum als adäquaten Ton empfinde, wenn ein Lehrer in diesem Ton mit seinen Schülern spricht. Er hat mich dann regelrecht angemacht, ich solle mich nicht einmischen, solle bloß nicht versuchen, mich zu profilieren. Sein Ton mir gegenüber war sehr aggressiv, ich fühlte mich regelrecht bedroht (laut, dominant, nach vorne gebeugt). Zuerst wollte er mir dann nicht die Schule sagen, an der er arbeitet. Als ich implizierte, dass er wohl Angst davor habe, es zu sagen, teilte er sie mir mit.

Ich finde es erschreckend, wie ein so junger Lehrer derart mit seinen Schülern umspringt. Er war sichtlich mit der Situation überfordert. Die Chance, dass alle etwas von lernen, wenn sich wenige nicht an Regeln halten und deshalb alle leiden müssen (30 Minuten später fahren nämlich), kam ihm überhaupt nicht in den Sinn. Kritik versuchte er mit derselben Aggressivität ihm gegenüber zu unterbinden, die er gegenüber seinen Schülern wohl als einziges Mittel kennt. Von pädagogischem Verhalten keine Spur, nur lauthalses Schreien. Das kenne ich noch aus den 1970ern und 80ern….Ich frage mich, was passiert, wenn er seitens eines Schülers kritisiert wird?

Zentral bleibt aber die Frage: wieso hat denn der gute Herr nicht mitbekommen, dass seine Schüler noch etwas eingekauft haben? Da hat er wohl seine Aufsichtspflicht verletzt. Denn hätte er diese wahr genommen, wäre es gar nicht zu dieser Situation gekommen. Und minderjährige Schüler bei einem Schulausflug alleine am Karlsruher Bahnhof zu lassen, finde ich wahrlich nicht in Ordnung.

Ich dachte, der Schulleiter wäre an so etwas interessiert und bekam dann leider doch wieder mein Bild der Krähe, die der anderen kein Auge auskratzt, bestätigt:

Bezüglich des von Ihnen geschilderten Vorfalls habe ich mit den beiden begleitenden Lehrern gesprochen. Es war wohl so, dass sich zwei Schüler über die klare Anweisung hinweggesetzt haben, im Bahnhof nichts zu kaufen. Sie kamen dadurch zu spät auf den Bahnsteig und die Bahn, in die der Rest der Gruppe schon eingestiegen war, wäre fast schon abgefahren. Ich denke es gehört auch heute noch zum Erziehungsauftrag eines Lehrers den Schülern, die gegen die Regeln verstoßen und den Ablauf eines Ausfluges für die ganze Gruppe gefährden, klar zu sagen, dass ihr Verhalten so nicht in Ordnung war. Die Verantwortung, die ein Lehrer übernimmt, wenn er mit einer Schülergruppe unterwegs ist, bedarf, zum Wohle aller, klarer Absprachen. Ich persönlich kenne den von Ihnen angesprochenen Kollegen als sehr engagierten und von Eltern und Schülern geschätzten Kollegen, der sich in keiner Weise aggressiv gegenüber anderen Personen verhält. Ihre Vorwürfe kann ich leider so nicht nachvollziehen.

Tja, da sich der “Kollege” – ein sehr junger Lehrer darüber hinaus, doch sehr aggresiv verhalten hat – den SchülerInnen und mir gegenüber – können wir davon ausgehen, dass er weiterhin mit seinem Verhalten durchkommen wird. Kein Wort davon, dass die Aufsichtspflicht verletzt wurde, keine Info an die Eltern, kein Ton der Entschuldigung oder gar ein Dank für die Information.

Diskriminierungen

Gerade lese ich einen Kommentar über den neuen Polizeichef von Stuttgart im Rahmen der Stuttgart 21 – Debatte in der Stuttgarter Zeitung. Wie immer in Kommentarspalten von Onlinezeitungen geht es nicht nur nett zu. Es ist oft einfacher, nicht im Angesicht des Gegenübers fiese und beleidigende Kommentare abzugeben. Das passiert oft – ich habe reichlich Forenerfahrung (seit dem Ende der 1990er) und insofern bin ich einiges gewöhnt.

Also, ich lese diesen Artikel heute und da steht zwischendrin ein Kommentar, der mich jetzt dazu gebracht hat, zu bloggen:

Sie zeigen mit ihren leichten ortographischen Schwächen eindrucksvoll, mit welches Geistes Kindern wir uns hier unterhalten.

Einer meiner Söhne ist Legastheniker. Er ist intelligent, hat die Mittlere Reife und geht nach vielen Problemen in der Schule unter anderem wegen der Legasthenie heute seinen Weg. Er musste schon in der Schulzeit Umwege in Kauf nehmen, wir mussten bei Lehreren und Schulleitern vorstellig werden und um die Umsetzung des Legasthenieerlasses (PDF) des Landes kämpfen. Die Grundschule tat sich sehr schwer damit, das anzuerkennen (unter anderem Schreibarbeiten als Strafarbeiten, die Probleme bei schriftlichen Textaufgaben in Mathematik wurde nur nach massiver Interverntion meinerseits überhaupt in Erwägung gezogen, dabei erzählte selbst die Lehrerin:”Herr Rupp, wenn er die schrifltiche Aufgabe lösen soll, benötigt er sehr lange, lese ich sie dagegen vor, hat er als erster die Lösung…) und letztendlich landete er unter anderem deshalb auf der Hauptschule und musste die Mittlere Reife auf einem Umweg machen.

Insofern wünsche ich mir, dass wir die Argumente von Menschen, die nicht immer richtig schreiben, weil sie es nicht können, ernster nehmen und Rechtschreibfehler nicht als Grund zur Häme benutzen – sondern uns darüber bewusst sind, dass es Menschen gibt, die es einfach nicht besser können. Auch diese Menschen müssen uneingeschränkten Zugang zu Bildung und Beuf haben und ihre Argumente zählen nicht weniger, nur weil sie orthografisch nicht (ganz) richtig sind (von der Problematik, die eigenen Fehler zu erkennen, mal ganz abgesehen, das erlebe ich als Vielschreiber immer wieder). Das gebietet nicht zuletzt das Antidiskrimierungsgesetz. Niemand käme auf die Idee, Wolfgang Schäuble weniger ernst zu nehmen, nur weil er im Rollstuhl sitzt. (sondern höchstens wegen seiner schlechten Argumente)….

 

Her mit Euren Namen

Am 3. Juli kam unter dem Titel “Die Blender-Republik – wie weit kommt frech?” eine der letzten Sendungen mit Anne Will auf dem Sonntag-Sendeplatz.

Der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis. Die Internetplattform “VroniPlag” will auf 136 Seiten seiner Doktorarbeit Plagiate entdeckt haben. Chatzimarkakis weist die Vorwürfe zurück und sieht sich an den Pranger gestellt.

Und Chatzimarkakis war (neben Anke Domscheit-Berg, Michael Spreng und Bertram Quadt) auch selbst Diskussionsteilnehmer. Im Blog von Konrad Neuwirth findet man dazu einen interessanten Beitrag, der mit den Worten endet:

Übri­gens ent­behrt es nicht einer dunk­len Iro­nie, dass gerade ein Autor, in des­sen Dis­ser­ta­tion diverse Pla­giate nach­ge­wie­sen sind, von den Recher­cheu­ren eine nament­li­che Kenn­zeich­nung ihrer Arbeits­leis­tung ein­zu­for­dern ver­sucht, oder?

Das war für mich die Essenz des Abends – neben einem seltsamen Rechtsverständnis, dass die Rechtmäßigkeit der Recherche über Veronikas Saß’ Doktorarbeit mit “Sippenhaft” beschreibt. Ausgerechnet die Tochter des ehemaligen bayrischen Ministerpräsidenten soll sakrosant sein? Nur, weil sie selbst kein öffentliches Amt bekleidet? Ich nehme an, Veronika Saß hat die Vorteile der Prominenz ihres Vaters durchaus positiv zu würdigen gewusst. Nun muss sie auch mit den Nachteilen leben. Das ist der eine Punkt.

Der andere war für mich die Deutlichkeit, mit der sich der Plagiator Chatzimarkakis darüber ereiferte, dass diejenigen, die (nicht nur) seine Doktorarbeit öffentlich überprüfen, anonym bleiben wollen. Und sich auch noch die Mitdiskutantin (eine Sternstunde bei Anne Will) Anke Domscheit-Berg im direkten Schlagabtausch mit ihm positiv darüber äußerte. Chatzimarkakis, dem heute der Dokotortitel aberkannt wurde, bekam sich schier nicht mehr ein.  Und mir war völlig klar, was der Grund dafür war.

Da sitzt einer, daran gewöhnt, einen gewissen Einfluss zu haben und muss zuschauen, wie öffentlich, für jedeN einsehbar, im Internet seine Doktorarbeit auseinandergenommen wird, er des Plagiats überführt wird – und seine ganzen Beteuerungen nichts helfen: die machen einfach weiter. Ich kann mir vorstellen, dass er viele Mails geschrieben hat, um das zu ändern. Er hat keinerlei Einflussmöglichkeit, muss machtlos zuschauen, wie er demontiert wird. Und so ist auch klar, warum er die Namen wissen will. Denn würden er und seine KollegInnen – Guttenberg, Koch-Mehrin, Saß usw. – die Namen derjenigen kennen, die VroniPlag betreiben – sie würden nicht ruhen, bis die Seite vom Netz  ist. Die BetreiberInnen mit Gerichtsverfahren überziehen, einstweilige Verfügungen erwirken, Gegendarstellungen, Geldstrafen, die ganze Batterie. Aber so – muss er da sitzen und warten, bis sie fertig sind. Und die Uni entschieden hat. Ohne, dass er großartig was dran machen kann. Sein ganzer Einfluss – nichts wert. Reduziert auf die Fakten. Und die sprachen offenbar gegen ihn.

In der Dissertation hätten die Prüfer in zahlreichen Fällen aus anderen wissenschaftlichen Arbeiten entlehnte Passagen gefunden, die nicht als wörtliche Übernahmen gekennzeichnet waren, erklärte die Universität zur Begründung.

[...]

Er räumte aber ein, dass seine Zitierweise vielleicht missverständlich war.

 

Wie wichtig die Möglichkeit ist, anonym im Netz zu bleiben – eine gutes Beispiel. Und der oder die nächste zittert schon vor der Überprüfung seiner oder ihrer Zitierweise…..

die Schule beginnt…

und wir stehen vor neuen Herausforderungen.

Mein jetzt siebenjähriger Sohn wurde letztes Jahr eingeschult. Er ist aufgeweckt, interessiert, sensibel und hatte sich sehr auf die Schule gefreut. Und er war immer ein fröhliches Kind. Im Laufe dieses Jahres ist die Fröhlichkeit verschwunden. Er kam zunehmend mit Kopfschmerzen nach Hause. Er erzählte von der Lehrerin, die immer mehr rumbrüllte. Die rausging und dann die anderen SchülerInnen Unfug machten – und er versuchte, Ruhe in die Klasse zu bringen mit der Glocke, die die Klassenlehrerin auf ihrem Pult stehen hatte. Er klagte über Lärm. Und er klagte über Kopf- und Bauchschmerzen. Trotzdem erbrachte er überdurchschnittliche Leistungen. Eine Mobbingaktion gegen ihn durch einen Schüler der zweiten Klasse wurde erst beendet, nachdem ich massiv wurde. Schulhofaufsicht funktioniert nicht in Malsch an der Hans-Thoma-Schule. Alles Probleme, die seit Jahren bekannt sind, auch mit der Lehrerin.

Die Klassenlehrerin darauf angesprochen beklagte sich über die zu großen Klassen, schließlich hätte sie 26 SchülerInnen, später kam sogar noch ein Kind hinzu. Die Kopfschmerzen führten dazu, dass wir uns große Sorgen um unser Kind machten. Der hinzugezogene Kinderarzt meinte auch, dass es vermutlich Anpassungsschwierigkeiten gäbe. Nachdem die Kopfschmerzen aber nicht aufhörten, das Kind fast nicht mehr lachte, Stunden mit Hausaufgaben verbrachte und immer bleicher wurde – er ist eh sehr dünn – schickten wir ihn sogar in Todesangst um ihn zur Kernspintomografie, um alles Körperliche auszuschließen. Es war nichts, die Kopfschmerzen blieben und obwohl die Lehrerin informiert war, empfahl sie uns dann noch, eine Histaminunverträglichkeit zu prüfen. Hauptsache keine Reflektion über den eigenen Unterricht.

Am Ende war es dann genug. Nachdem im Elterngespräch auch noch die Eltern insgesamt beschimpft wurden, die doch endlich was gegen den zu großen Klassenteiler tun sollten – als täten sie das zusammen mit der GEW nicht seit Jahren – entschlossen wir uns, ihn auf eine freie Schule nach Karlsruhe zu schicken. Ein weiteres Experiment an einer anderen staatlichen Schule wollten wir nicht mehr wagen.

Eine lange E-Mail an den Schulleiter wegen der Ummeldung blieb unbeantwortet. Sie endete mit den Worten:

Am Ende haben wir resigniert – zum Wohle unseres Kindes, dem in der von Ihnen geleiteten Einrichtung nicht gerecht worden war und unser Kind an der Freien Aktiven Schule in Karlsruhe angemeldet. Was das für uns an Mehraufwand – zeitlich und finanziell – bedeutet, muss ich Ihnen sicher nicht sagen. Aber uns liegt natürlich an unserem Kind – soviel, wie es an Ihrer Einrichtung an Interesse daran mangelt. Ich zweifle nicht, dass Frau X einmal eine gute Lehrerin war. Warum man ihr heute, obwohl seit Jahren unbeliebt bei Kindern und Eltern, noch Erstklässler anvertraut, verstehe ich nicht. Man hat uns vor ihr gewarnt, mehrfach. Ich bezweifle, dass Sie das alles nicht wissen.

Wir bezahlen ab diesem Schuljahr 205 € + 37,50 € Fahrtkosten damit unser Kind in der Schule so erzogen und gefördert wird, wie wir uns das vorstellen. Wir bezahlen, weil die Regelschule das nicht leisten kann. Weil Kinder in der Schule funktionieren müssen und in der ersten Klasse einen ganzen DIN A 4-Ordner mit Arbeitsblättern füllen müssen, weil der Lehrerin nichts anderes einfällt. Unser jüngstes Kind geht in die Vollzeit-Kita. Mit Essen kostet uns das 333,00 €.

Wir können uns das einigermaßen leisten. Urlaube und Sonderanschaffungen werden schwer. Gesunde Lebensmittel auch. Was macht jemand, der weniger Geld hat? Die das nicht können? Deren Kinder müssen in einem solchen System leiden. Ein unerträglicher Gedanke.

Kinderland Baden-Württemberg.

Warnung vor dem Netz

Heute morgen in SWR1: IHK Karlsruhe und Verdi warnen Auszubildende davor, private Bilder bei Facebook, VZ etc. pp einzustellen. Frau Lang von der IHK bemühte auch gleich ein gern genommenes Beispiel: “Wollen Sie wirklich, dass Ihr Chef Bilder von Ihnen sieht, in denen Sie leicht bekleidet mit nem Bier an der Strandbar zu sehen sind?” Denn jetzt, nach der Urlabuszeit, droht offensichtlich Gefahr für den Job oder das Renommée, wenn man in sozialen Netzwerken Bilder vom Urlaub einstellt, anstatt zum Diaabend einzuladen. Denn, die Personalverantwortlichen, die loggen sich mit Pseudonymen ein und checken so heimlich, was ihre Angestellten (oder BewerberInnen) so in ihrer Freizeit treiben.

2648544,238Begleitend hat der SWR eine Straßenumfrage gemacht. Klar, jede Antwort der an der Stimme als junge Menschen – männlich wie weiblich – identifizierbare Interviewte, stellt bedenkenlos Bilder vom Urlaub oder von Parties ins Netz. Und, das böse Netz vergisst nichts. Ausrufezeichen.

Diese Propagandamaschine ist sehr unehrlich. Ich persönlich finde zwar auch, dass es Bilder gibt, die man besser nicht ins Netz stellt. Aber dass man wie selbstverständlich davon ausgeht, dass Personalverantwortliche erstens sich die Zeit nehmen, andauernd hinter ihren Angestellten herzuspionieren, ist schon ne interessante Aussage einer Vertreterin der IHK. Woher hat sie wohl ihre Infos? Und dass man außerdem davon ausgeht, dass man in Personalabteilungen davon ausgeht, dass das Personal kein Privatleben hat, nun, das halte ich für schlicht ignorant. Außerdem habe ich auch schon gehört, dass, gibt es keine Infos in sozialen Netzwerken, man in manchen Personalabteilungen davon ausgeht, dass mit einem was nicht stimmt, vor allem, wenn man zur jüngeren Generation (also jünger als ich:-) gehört.

Mir scheinen diese Ratschläge schlicht von einer Haltung dem Internet gegenüber zu sprechen, die mit deutlichem Misstrauen und Unverständnis auf diejenigen herabblickt, die moderne Kommunikationsmittel nutzen, um mit FreundInnen und Bekannten Kontakt zu halten. Menschen, die einerseits mittels Handy, PC und Telefon (manchmal gelichzeitig) kommunizieren, tun das halt auf andere Art und Weise, als man das “früher” getan hat. Die Mittel sind da und jeder nutzt sie nach eigenem Gutdünken. Dazu gehört auch das Teilen privater Informationen. Früher hat man halt in der Schule oder an anderen öffentlichen Plätzen über den Urlaub geredet und mit derselben Selbstverständlichkeit teilen Menschen eben Bilder von sich und ihren Erlebnissen. Mich erinnern diese ständigen Warnungen an die Warnungen vor Büchern oder Filmen oder dem Fernsehen.

Am Ende des Beitrags wurde es dann aber doch etwas heftig: mit derselben Frauenfeindlichkeit, mit denen früher Vergewaltungen an kurzen Röcken festgemacht wurden (selbst schuld!) und die Verantwortung für die Tat vom Täter aus das Opfer projeziert wurde, erzählte eine Frau von einer Freundin, die sexuell belästigt wurde. Nicht,w eil der Belästiger nicht in der Lage war, die Grenzen einzuhalten. Sondern weil die Freundin ein Bild, auf dem sie leicht bekleidet (im Bikini?) zu sehen war. Was man im Sommer in jedem öffentlichen Schwimmbad sieht. Leicht bekleidete Menschen. Und dahört für mich dann der Spaß auf. Sowas ist nicht nur frauenfeindlich, sondern zeugt von einer Prüderie, wie ich sie von Klischées übe die USA her kenne.

Wie gesagt, nicht jedes Bild muss ins Netz. Aber dieses gefährliche Netz – als hätte es vor dem Internetzeitalter keine sexualisierten Straftaten gegeben – das existiert doch in den Phantasien dieser Menschen, die solches propagieren. Und wenn ich auf dnem Fest mit Freunden feiere und mein Chef kommt vorbei – kann passieren – ja, was soll ich dann zukünftig tun, folgte ich den Thesen der Frau von der IHK? Zu Hause bleiben?

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