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Archiv für die Kategorie „Ettlingen“

von der normativen Kraft des Faktischen

oder auch einfach: die äußeren Umstände zwingen einen, Dinge zu tun, die man auch durchaus anders sehen mag.

Antiatom KopieIn Philippsburg stehen zwei Atomkraftwerke. Sie heißen, wie üblich I und II. Der Reaktor Eins wurde 1980 im Regelbetrieb ans Stromnetz genommen. 2011 wurde er stillgelegt. Der Reaktor Zwei läuft noch und ist seit 1985 im Regelbetrieb am Netz. (beide Reaktoren lieferten vorher schon im Probetrieb) Der zweite Reaktor soll 2019 vom Netz gehen. Bis dahin produziert dieser Reaktor weiterhin Atommüll – neben dem Strom.

Auf dem Gelände befindet sich ein Zwischenlager mit einer Standfläche für 152 Castoren. Mit dem Endlagersuchgesetz  ändert sich aber etwas wesentliches: es werden keine Castoren mehr nach Gorleben gebracht. Damit ist die Verhandlungsrunde den Niedersachsen entgegen gekommen – ein Kompromiss zwischen der weißen Karte, also einer Suche über das ganze Bundesgebiet inklusive Gorleben und einem Ausschluss von Gorleben, wie von vielen Niedersachsen und Atomkraftgegnern auch innerhalb der grünen Partei gewollt. 26 Castoren sind noch in Sellafield bzw. La Hague. Insgesamt sollen diese Castoren auf die Kraftwerkststandorte, an denen jetzt schon Zwischenlager existieren, verteilt werden. Im Norden (Brunsbüttel unter anderem) sollen die Castoren aus Sellafield gelagert werden. Und hier im Süden wären die fünf Castoren aus La Hague aufzunehmen.

Beinahe erwartungsgemäß wehrt sich die Gemeinde Phlippsburg, allen voran ihr Bürgermeister Martus von der CDU, gegen dieses Ansinnen.

«Wir würden zivilen Ungehorsam leisten und dagegen auf die Straße gehen», sagte Bürgermeister Stefan Martus (CDU) am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa.

kann man der Presse entnehmen. Martus war ganz glücklich über den Ausstieg aus dem Ausstieg, den seine Partei vollzogen hatte. In Philippsburg wird das ja durchaus realistisch gesehen:

 [...]wie das AKW kam und nicht nur Energie, sondern auch Reichtum brachte. Es gibt eine Musikschule, ein Freibad, ein Bootshaus, ein Hallenbad, ein Schulzentrum und wunderschön herausgeputzte Denkmäler.

Philippsburg hat gut von der Atomkraft gelebt. Jetzt die Einlagerung der Castoren nihct zu wollen, zeigt von einer scheinheiligen Haltung. Atommüll aus Philippsburg lagert schon in Gorleben. Insofern kann Philippsburg getrost Atommüll aus La Hague aufnehmen. Bisher hat man sich auch nicht darum geschert, was mit den “eigenen” Hinterlassenschaften aus der Atomkraft, die der Gemeinde relativen Reichtum gebracht hat, passiert. Nun wird es Zeit, einen eigenen Beitrag zur Durchschlagung des gordischen Knotens in Sachen Endlager zu leisten.

Die CDU in der Region hat mit ihrer Mehrheit in vielen Gemeinderäten oder mit Unterstützung konservativer Wählervereinigungen in der ganzen Region eine Resolution verfasst und Ende 2011, Anfang 2012 auch in mehreren Gemeinden und im Kreistag in Solidarität mit der ablehnenden Haltung von Philippsburg verabschiedet. Eine Resolution, deren Ziel es war, das “Aus” für Gorleben zu verhindern. Es gibt eine Reihe von grünen Gemeinderäten, die dieser Resolution zugestimmt haben. Die grüne Kreistagsfraktion, allen voran ihr Vorsitzender Karl Mittag, ebenfalls – es gab bei der Abstimmung im Februar 2012 nur 3 Gegenstimmen im Kreistag – die grüne Fraktion umfasst 8 Menschen.  Es wäre an der Zeit, die Zustimmung zu dieser Resolution angesichts der Veränderungen rückgängig zu machen – zwar damals die Zustimmung schon falsch, jetzt, mit diesem Kompromiss, der ein bundesweit geeignetes, standortunabhängiges Endlager sucht, wird es Zeit, die Blockade der CDU zu durchbrechen. Leider will man nun nicht mehr zuständig sein für End- und Zwischenlagerung von Atommüll. Das war man zwar damals auch nicht. Aber da war es wohlfeil, zuzustimmen. Jetzt will man sich davon nicht distanzieren. Ein Trauerspiel grüner Antiatompolitik, ein Beispiel für Kirchturmpolitik und St. Florians-Prinzip. Und das in einem Landkreis, in dem die deutsche Atomindustrie und ihre Hinterlassenschaften das Licht der Welt erblickt hat. Manchmal bin ich fassungslos.

Update: heute (19.4.) ein Beitrag des FDP-Abgeordneten Meinhardt in den BNN, der sich erwartungsgemäß auf die Seite des CDU-Bürgermeisters stellt. Das gipfelt in dem Satz: “Selbstverständlich, so Meinhardt, habe der Philippsburger Bürgermeister recht, wenn er den Widerstand dagegen ankündigt, Gorleben II zu werden.”

Bei allem was recht ist: ein Teil von maximal 5 Castoren zusätzlich in Philippsburg ist kein “Gorleben II”. Da fehlt jede Relation, sondern da wird nur versucht, Schlagworte zu produzieren – fern jeder Sachkenntnis.

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der christliche MDL Raab von der CDU und Autismus

Zu Weihnachten beschert uns der Landtagsabgeordnete der Christlichen Demokratischen Union und ehemalige Bürgermeister der Stadt Ettlingen, Herr Raab eine Anfrage an die Landesregierung, in der er fordert, die Landesregierung möge zu Autismus berichten. Das ist bemerkenswert, denn nach dem Amoklauf von Newtown gab es eine Reihe unschöner Spekulationen über den Amokläufer und eine angebliche Autimuserkrankung. Als wäre das nicht genug, krönt Herr Raab seine Anfrage mit folgendem Satz : (danke für den Hinweis an @EinAugenschmaus, Julia Probst)

“Autismus hat starken Einfluss auf die persönliche und vor allem schulische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Dies setzt sich im Bereich der Berufsausbildung fort und kann im Hinblick auf den Fachkräftemangel sowie die Belastung der Sozialsysteme nicht ohne Weiteres hingenommen werden.”

Ich weiß nicht so genau, was Herr Raab nun denkt, was man mit Menschen mit Autismus tun soll, das geht ja aus der Anfrage nicht hervor – denn er  wird von Ärzten, Forschern, Angehörigen und Autisten selbst als eine angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns beschrieben. Die “Gefahr” für die Sozialsysteme und den Fachkräftemangel kann aber eigentlich nur so gedeutet werden, dass er Menschen, die nicht so ganz dem entsprechend, als “Belastung” wahrnimmt, die man irgendwie unterbinden müsse. Nun, Herr Raab: Das 2008 in Kraft getretene Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die UN-Behindertenkonevention ist auch von der EU ratifiziert worden, um Menschen mit Behinderungen  die gleichberechtigte Teilhabe bzw. Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Das mögen Menschen wie Sie als Belastung wahrnehmen. Für Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörige ist es ein Grundrecht. Für dessen Umsetzung man offenbar weiter kämpfen muss.

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Asylsuchende

Ich reibe mir die Augen. Täglich findet sich regelrecht ausländerfeindliche Hetze gegen Roma in den Medien. Und nicht nur das. Ein Teil des deutschen Ostens gilt als teilweise für fremdländisch aussehende Menschen über unbereisbar – bewohnbar ist fast undenkbar. In Berlin wird einfach so ein junger Mann zu Tode geprügelt – und ausländerfeindliche Sätze landen sogar im öffentlich ausliegenden Kondolenzbuch. “Meine” Tageszeitung – es gibt hier keine andere – berichtet ungefiltert, ohne Nachrecherche und ohne Differenzierung von zureisenden Mazedoniern und Serben, die ja nur kommen, um Sozialhilfe abzugreifen – und kaut dabei den alltäglichen CDU-Rassismus wider.

Doch im Sommer sind die Zahlen noch einmal deutlich in die Höhe geschnellt. Hauptherkunftsländer sind Syrien, der Irak sowie Serbien und Mazedonien. Laut dapd sieht das bayerische Innenministerium eine Ursache für die Flut der Asylanträge aus den beiden letztgenannten Ländern in der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom Juli, wonach die Leistungen für Asylbewerber zu erhöhen sind. Und: Seit Dezember 2009 können Serben und Mazedonier ohne Visum in die EU einreisen.

schreibt sie am 4.10. im Regionalteil. Hintergrund ist: Der Landkreis hat es verpasst, für ausreichende Plätze zu sorgen. Dabei ist die Situation in den Ausfnahmestellen im Landkreis mehr als angespannt. Schon vor rund 2 Jahren habe ich auf die unerträgliche Situation in Ettlingen aufmerksam gemacht. Getan aht sich seitdem wenig – obwohl saniert, ist der Platz nicht mehr geworden, der Standort ist nach wie vor unfassbar menschenunwürdig.

Der Bericht hat mich zu einem Leserbrief förmlich getrieben:

Ihr Bericht stellt die Situation ziemlich unbefriedigend dar. Der Landkreis hat es verpasst, für ausreichend menschenwürdige Unterkünfte zu sorgen, die Zahlen sind schon länger bekannt. Die Notlage jetzt, unter der vor allem die Asylsuchenden leiden müssen, ist hausgemacht. Schaut man sich bspw. die Unterkunft in Ettlingen genau an, dann wird man sehr schnell feststellen, dass es sich dabei kaum um eine menschenwürdige Unterkunft handelt. Hineingequetscht zwischen Autohaus nund 24h-Tankstellenbestrieb, ohne Anschluss an den ÖPNV (der sich mittels Bedarfshaltestelle sogar leicht einrichten liese) hat das, was der Landkreis dort leistet, wenig mit einer so dringend benötigten Willkommenskultur oder gar der im Grundgesetz garantierten Menschenwürde zu tun.
Leider erweckt auch Ihr Artikel den Eindruck, als ginge es den Flüchtlingen aus Serbien und Mazedonien alleine um den Leistungsbezug. Es fehlt die grundlegende Information, wer denn von dort hierher flüchtet: es sind vor allem Roma, von deren Situation vor Ort Pro Asyl sagt: “Wenn man mal akribisch zusammenstellen würde, was eine Roma-Familie alles an Ausgrenzung und Gewalt erlebt, dann wäre das Maß einer Gruppenverfolgung wohl erreicht.” Und die Schnapsidee, die Visumspflicht wieder einzuführen, wird genau dieser Bevölkerungsgruppe dort wieder als negativ ausgelegt werden – und für eine weitere Verschärfung ihrer Situation sorgen. Viele andere Flüchtlinge kommen aus den Krisengebieten der Welt wie Afghanistan, Iran, Syrien, Irak – ich glaube kaum, dass irgendwer annimmt, man flöhe von dort aus Jux und Dollerei.
Asylsuchendenunterkünfte haben in Industriegebieten nichts verloren. Es wird Zeit, dass alle Gemeinden ihrer Unterbringungspflicht genüge tun und die Menschen innerhalb dieser Gemeinden in guten Unterkünften unterbringen. Flüchtlinge brauchen Solidarität, keine Gängelung oder Unterstellung niederer Absichten, wie es leider auch in Ihrem Artikel zwischen den Zeilen mitschwingt.

Währenddessen wird am Baden-Airpark weiter abgeschoben. Auch und vor allem Roma, die kein Asyl erhalten. Zurückgeschickt nach Serbien, Mazedonien und in den Kosovo – obwohl man ihre Situation dort kennt – keine Chance auf Arbeit, keine Chance auf Integration in die Gesellschaft. Auch Frankreich handelt so – teilweise widerrechtlich wie wir wissen. Die Roma sind weiterhin verfolgt, verachtet, schikaniert. Das Mahnmal in Berlin, das an die von den Nazis ermordeten Sinti und Roma erinnern soll – es ist Hohn angesichts dessen, was wir mit diesen Menschen in diesem Land anstellen.

Blogedit:

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) etwa unterstellte den Roma unlängst „tausendfachen Asyl-Missbrauch“, da sie aus rein wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kämen. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat gefordert, die seit Ende 2009 bestehende Visafreiheit für Bürger Serbiens und Mazedoniens wieder aufzuheben, die den jetzigen Zustrom erst möglich gemacht hat. Nur den Satz „Das Boot ist voll“ hat bisher noch niemand benutzt.

Anders, als die Frankfurter Rundschau in einem wirklich nachdenklich machenden Artikel vermutet, wird der Satz doch benutzt – meist von Kommentatoren auf Nachrichtenseiten wie der ka-news. Nicht das ich die latente Ausländerfeindlichkeit nicht kennen würde – aber die Ignoranz gegenüber Asylsuchenden und ihrer Notlage ist erschreckend. Dabie geht es auch anders. Hinter unserer Schule, der FASKA in Karlsruhe, sind seit kurzer Zeit Asylbewerber_innen aus Serbien und Mazedonien untergebracht. Ein Bürogebäude – ich würde darin vielleicht 30 Personen vermuten. Die Stadt Karlsruhe hat darin 250 Menschen untergebracht. Teilweise leben bis zu 5 Familien in einem Zimmer. Die Menschen sind sich selbst überlassen. Kleine Kinder, Jugendliche, Erwachsene, sie sprechen fast kein Deutsch. Viele FASKA-Eltern haben in den letzten Tagen warme Kleider und Spielsachen gesammelt und dort vorbei gebracht – weil die Not so völlig offensichtlich ist, die Perspektivlosigkeit fast mit Händen greifbar.

Wie kann jemand ernsthaft von Wirtschaftsflüchtlingen reden, wenn er von solchen Schicksalen liest:

Die Armee-Rente wurde ihm verweigert. Die Fabrik, in der er arbeitete, entließ ihn. Sein Vermieter setzte ihn und seine Familie vor die Tür. Als ihm nichts anderes mehr übrig blieb, zog er mit Frau und Kindern auf die Mülldeponie. Sie wühlten nach allem, was sich noch irgendwie verkaufen ließ. „Und dann wollten die Lehrer meine Kinder nicht mehr unterrichten. Weil sie stinken. Wie soll man nicht stinken, wenn man von der Deponie lebt?“

Und wie kann man einem Menschen ein menschenwürdiges Leben verweigern – in einem der reichsten Länder der Welt?

Blogedit 2:

Heute ein Leserbrief in den BNN, Ausgabe Ettlingen zu meinem Leserbrief:

 

Blogedit vom 23.11.2012

Am Mittwoch hatten wir eine Mitgliederversammlung und ich habe die Unterbringung von Asylbewerbern eine “humanitäre Katastrophe genannt – was die BNN auch zitiert hat. Daraufhin habe ich heute folgende Mail erhalten:

eine humanitäre Katastrophe .. mitten in Deutschland. Eine Kleinstadt am Rande des Schwarzwaldes ist Zentrum einer Tragödie, erschütternde Szenen,
Flüchtlinge in Notunterkünften, der Winter steht vor der Tür, rationierte Lebensmittel und Seuchengefahr, die Hilfskräfte kommen nicht an den Ort des Geschehens …
aber Jörg Rupp ist schon da, und damit die Grünen, als erste reichen sie die Hände und blicken in große, dankbare Kinderaugen. Es ist so gut ein Grüner zu sein und für das Menschliche in unserer herzlosen Welt zu kämpfen …
Mir wird übel, wenn ich die Berichte und eure Kommentare zum Thema Asylpolitik lese. Gibt es bei euch Gutmenschen nicht irgendwann auch ein Stimmchen, das euch darauf hinweist, he, du wirst hier verarscht. Kommt euch nicht in den Sinn, daß Zigeuner über Jahrhunderte Strategien entwickelt haben, wie sie den Sesshaften die Hühner aus dem Stall klauen.
Jetzt, wo unsere Hühner auf der Hühner-Bank sicher sind, nehmen sie die Gelegenheit war und machen sich bei uns wenigstens einen warmen Winter.
Da passt es, das auch gerade Weihnachten vor der Tür steht und die jämmerliche Erscheinung von Frau und Kinder so manch einen “erbettelten” Euro in den Beutel des Sippenoberhauptes spült.
Eigentlich habe ich erwartet, dass der Gerechtigkeitssinn der Grünen irgendwann wach wird und unterscheidet zwischen Flüchtlingen deren Geschichte tatsächlich von Krieg und Vertreibung erzählt und den Anderen, die sich hier bedienen wollen.
Dann, diesen Zustand – humanitäre Katastrophe – nennen, ist eine rethorische Entgleisung besonderer Art. Was schlägst Du vor, eine dezentrale Lösung. Ist in deiner Nachbarschaft noch eine Wohnung frei
oder etwa in deinem Haus? Versuchs mal mit gutem Zureden, wenn deine Lebensumfeld plötzlich durch eine Zigeunersippe “bereichert” wird.
Multikulti kann so farbig sein …

Macht nur weiter so, ich sehe eine große Wut in unserer Gesellschaft wachsen. Mag sie gerecht sein oder ungerecht,
euer Geschwafel trägt dazu bei, dass die Gemeinschaft der Bürger zwar noch links/grün wählt aber rechts denkt.

Ich war Grüner der ersten Stunde, hab mich bis zuletzt gefreut über die vielen Wahlerfolge – aber ich kann es nicht mehr hören, das sozialromantische Gelabere, das feuchtwarme Ärschekriechen in die Hintern der Minderheitenverbände.

Jetzt ist für mich Schluss – nie wieder Grün!

für Natur und Umwelt

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Heimat

Die Grünen in Bayern haben begonnen, den Heimatbegriff grün zu besetzen:

Das Bedürfnis im Zuge der Globalisierung und Individualisierung einen Ort zu haben, wo man zuhause ist, der vertraut ist, wo man hingehört, ist spürbar gewachsen. Und mit ihm, neben unverwüstlichen Heimatkitsch, ein ernsthaftes Nachdenken über das Phänomen Heimat, das von weltoffener und liberaler Gesinnung getragen wird.

Auch im Landtagswahlkampf in Schleswig Holstein wird die Heimat thematisiert:

Heimat, aber welche?

Mit Recht betont Robert Habeck den funktionalen politischen Wert, den Heimat in sich birgt, gerade auch für die ökologische und soziale Gestaltung unserer Umwelt – dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass Heimat mehr ist als ein wichtiger Faktor politischer Kalkulation, dass Heimat für sich einen Eigenwert besitzt.

und zitiert Margarete Bause (Fraktionsvorsitzende der Grünen in den Bayerischen Landtag):

“Heimat ist nicht etwas, in das du hineingeboren wirst und das immer so bleibt. Sondern Heimat ist das, wo es mir nicht egal ist, was um mich herum passiert. Wo ich mir mein Umfeld gestalte.”

Es wird Zeit, dass wir den Begriff aus seiner nationalistischen und konservativen Gefangenschaft befreien. Ich verbinde mit Heimat keinen “Stolz” darauf, in einer bestimmten Gegend der Welt geboren zu sein. Und ich verbinde damit auch kein “alles ist irgendwie gut, daheim” oder gar die Pflicht, sich mit einer wie auch immer gearteten Heimat verbunden zu fühlen.

Für mich ist Heimat da, wo ich daheim bin. Ich bin sehr bodenständig und, wie man so schön sagt, meiner Heimat – “wo meine Wiege stand” – verbunden. Einen 18-monatigen Arbeitsausflug ins Saarland habe ich wegen Heimweh abgebrochen. Ich tue mich schwer mit baulichen Veränderungen in meinem Umfeld. Bin traurig, wenn sich Ecken in “meiner Stadt” sich verändern. Gewöhne mich aber auch schnell an das Neue. Ich habe eine sehr emotionale Bindung an die Orte, die mein Leben prägten. Ebenso wie auch an Dinge, an die ich mein Herz gehangen habe (ich hab immer noch alle LPs im Schrank…).Ich bin gerne hier. Ich wohne zwischenzeitlich ein paar Kilometer von meinem Heimatort Ettlingen entfernt und ich hab ein bißchen Heimweh. Aber insgesamt, fühle ich mich wohl und will nicht fort. Hier ist größer als Ettlingen.

Und deshalb bin ich auch daran interessiert, wie mein Lebensraum hier aussieht. Dass Erhaltenswertes erhalten bleibt. Ich möchte eine lebenswerte Umwelt, und ich möchte sie gerne mit meiner politischen Heimat verbinden. Das bedeutet Veränderungen – und ich stelle fest, dass mir diese leichter fallen. Denn zum Beispiel stehen auf den Hügeln hier keine Windräder – obwohl sie hier einen ordentlichen Beitrag zur Energiewende leisten könnten. Ich möchte die Natur erhalten, ich möchte mich in meiner alten und neuen Gemeinde (nicht kirchliche Gemeinde) wohlfühlen und etwas zu ihr beitragen können, was in meinen Augen positiv ist. Ich darf wie jede_r andere, die hier aufgewachsen ist sagen: “Hier bin e dehoim”. Es ist mir ein Anliegen, mit grüner Politik auch meinen eigenen  – und der meiner Familie und Freunde – Lebensraum zu gestalten.

Dafür möchte ich nicht länger Gefahr laufen, in eine rechte Ecke gestellt zu werden. Es gibt eine linke Definition von Heimat. Es ist möglicherweise ein bißchen spießig – aber wen kümmert das schon. Ich trage gerne dazu bei, meine Heimat zu erhalten. Eine Heimat, die ich in erster Linie geografisch definiere, in zweiter Linie kulturell. Politisch-geografisch könnte das hier auch Frankreich sein. Wäre mir egal. Ist es aber nicht. Ich finde es schön, sich auf den Weg zu machen, den Heimatbegriff von seiner völkischen Interpretation bin hin zur Blut-und-Boden-Ideologie reinzuwaschen zu entkoppeln. Sich verantwortungsvoll dem zu stellen, was zum Wohlbefinden meiner Umwelt beiträgt. Im Kleinen, der Kommune, im Größeren, dem Land und im Großen, dem Staat. Nicht buckelnd, sondern aktiv gestaltend. Ich bin nicht stolz ein Deutscher zu sein – aber ich bin es einfach gerne.

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Wahlkampf im Internet

In Ettlingen ist OB-Wahlkampf. Die Oberbürgermeisterin Büssemaker tritt aus diversen Gründen nicht mehr – einer davon ist sicherlich der, dass sie keine Unterstützung außer der der FDP in Ettlingen mehr erhalten wird. Die anderen beiden Parteien, die sie mit aufs Tagbleau gehoben haben, werden sie nicht erneut unterstützen.

Es kandidieren vier Männer für den Posten. Keine der im Gemeinderat vertretenen Parteien hat es geschafft, eine Frau für diese Bewerbung zu finden. Auch den Ettlinger Grünen ist dies nicht gelungen, es gibt darüber hinaus noch nicht einmal einen eigenständigen grünen Kandidaten.  Alle vier Männer erklären sich für unabhängig. Dabei ist einer – Steffen Neumeister – Ortsvorsteher in Schöllbronn und das für die CDU. Der andere – Heinz-Jürgen Deckers – hat schonmal für die FDP für den Landtag kandidiert. Der dritte – Johannes Arnold – wird angeblich von SPD-Urgestein Lorch beraten. Und der vierte – Matthias Wittber – ist Mitglied der freien Wähler Ettlingen – er dürfte sich wohl noch am ehesten als unabhängig bezeichnen können.

Aber darum geht es mir gar nicht. Ich habe mir die 4 Homepages der Kandidaten angeschaut. Und fühle mich in die 90er versetzt. Deckers Seite so miserabel, dass er sie auch hätte lassen können – trotz schlauer Auswahr des URL. Einzig die Seite von Johannes Arnold ist das, was man als einigermaßen up-to-date bezeichnen könnte. Von ihm gibt es auch als einzigem ein Facebookprofil – obwohl deutlich wird, dass dies nicht für Komunikation genutzt wird – sondern leider lediglich als weiterer Sendekanal. Twittern tut keiner, es gibt praktisch keine Podcasts, nichts, was die Informationen nicht nur ins Web tragen würde, oder gar einen Austausch über klassische Formen hinaus befördern würde. Gefällt mir gar nicht. Denn es ist eine verpasste Chance. So, in der jetzigen Form, sind die Auftritte verschenkt, sind insgesamt lieblos (von Arnolds einmal abgesehen, Deckers’ Seite ist auch eher Nuller Jahre und die Auslösung…naja) und irgendwie: man macht es halt, aber was man so richtig damit bezweckt, wird nicht klar. Peinlich auch Neumeisters Auftritt, der zentral den Streit zwischen der bald Ex-OB und ihrem Bürgermeister in den Mittelpunkt stellt. Wenn das die zentrale Aussage ist: ich streite nicht so wie die – dann hätte er gar nicht antreten brauchen.

Am Ende ist: ein Flyer mehr, halt im Internet. Schade, das lässt nicht darauf hoffen, dass moderne Bürgerbeteiligungsformen auch den Weg ins Ettlinger Rathaus finden werden.

Update: Jürgen Deckers twittert seine Termine, Johannes Arnold twittert ebenfalls ein bißchen (und das sieht schon mehrnach Kommunikation aus), Steffen Neumeister muss man als Freund bei Facebook hinzufügen, wenn man an seine Infos kommen möch. Insgesamt bleibe ich bei meiner Einschätzung, zumal das alles ja nicht so leicht zu finden ist – also das Gegenteil von dem ist, was Social Media für einen Politiker sein sollte.

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Von “mächtigen” Vereinen

In Ettlingen gibt es einen großen Sportpark. 5 Fußballplätze für ehemals 2 Ettlinger Fußballvereine, deren große Zeiten längst vorbei sind, befinden sich dort. Einer davon im Albgaustadion, das von Fußballern – selten – und von Leichtathleten genutzt wird. Vor nicht allzu langer Zeit hat man die beiden Vereine fusioniert. Nun gibt es also einen großen Verein  – mit entsprechendem Einfluss.

Im Albgaustadion gibt es eine alte Tribüne, die von ehemaligen amerikanischen Streitkräften aus Karlsruhe 1959 hertransportiert und montiert wurde. Diese wurde nach einer Überprüfung Anfang 2008 gesperrt und ist somit nicht mehr nutzbar. Da der Badische Leichtathetlikverband für regionale Großveranstaltungen 500 überdachte Sitzplätze verlangt, sieht man sich nun genötigt, der Stadt Druck zu machen, damit sie entweder die Tribüne saniert – der TÜV meint, das kostet ca. 400.00 € – also vermutlich 600.000 – bzw. laut dem städtischen Gebäudemanagement Neubau inklusive Nebengebäude, Lager, Sanitäranlagen, Umkleiden für 2,2 Millionen €. Im einen Fall sind das 800 € für den Sitzplatz, im anderen 4.400 €. Viel Geld, das in eine einzige Sportart investiert werden soll. Geld, das anderen Sportvereinen fehlt.  Ich habe einen ziemlich geharnischten Leserbrief geschrieben, weil ich mich richtig geärgert habe. Erstens, weil es massig Umkleiden auf dem Gelände gibt, auch und vor allem durch den ehemaligen ESV vorangetriebene Neubauten. Und zweitens, weil es unter der Tribüne Lagerräume, Umkleiden, eine Gastronomie, die früher sogar bewirtschaftet war, usw. gibt. Dies hat man verkommen lassen. Diese Umkleiden wurden in meiner Jugend noch genutzt. Dann hat man neben das Stadion ein neues Nebengebäude mit Platzwartwohnung gebaut, zweistöckig. Damals wurden die Umkleiden noch teilweise genutzt, aber es gab schon die neuen Umkleiden im neuen Gebäude. Dann hat man den Hauptspielplatz verlegt, ein neues Clubhaus mit Gastronomie errichtet – und ebenfalls neue Umkleiden gebaut. Anstatt die alten Räumlichkeiten zu erhalten. Ich bin sicher, es gab damals eine Berechnung, nach der ein Neubau günstiger wäre. Bzw. so teuer, dass sich der Erhalt der alten Gebäude, die man einfach hat stehen lassen, nicht rentiert. Und man weiß ja, in Deutschland wird gerne mal was gebaut.

Jetzt möchte man also einen Neubau, wenns irgendwie geht. Glaubt doch keiner, dass es hier nur um die Sanierung geht. Wer hat denn der Stadt den Auftrag gegeben, den Neubau zu berechnen und mit welchem Ziel?

Außerdem gibt es scheinbar keine Bemühungen des Großvereins (5% der Bevölkerung ist Mitglied), dies über Sponsoren, Eigenbemühungen zu machen. In einem Leserbrief wirft man mir daraufhin “Kirchturmdenken” vor – und da wohl auch der SC 88 (kein Link, HP läuft nur unter IE) und andere das Gelände nutzen, scheint es auch nicht nötig zu sein, den horrenden Betrag zu begründen.

Ich hatte ja in meinem Leserbrief geschrieben – das wird ignoriert – das es sicherlich günstigere Möglichkeiten gibt. Eigenarbeit der beteiligten Vereine und vielleicht sogar Schulen, Sonnensegel für die Stehplätze bzw. Montage von Sitzen auf den Stehstufen. Sponsorensuche, auch um das alte Gebäude zu sanieren. Minimierung von Kosten, zumindest den Willen dazu. Statt dessen wird im Artikel von Jürgen Becker, im Vorstand der Wählervereinigung “Für Ettlingen” mit dem Motto: “Mein vorrangiges Ziel ist es, den Sanierungsstau im Schul- und Sporthallenbereich aufzulösen”, und Geschäftsführer des SSV die Gefährdung der Ettlinger Leichtathletik ins Spiel gebracht. Die Pistole auf der Brust der noch amtierenden OB und der Gemeinderäte. Der SSV hat eh schon enorme Vorteile in Ettlingen in Hallenfragen, ich habe selbst erlebt, wie ohne Widerspruch der Stadt dieser Verein eine Abteilung auflöste, durch eine andere ersetze und einfach die für die alte Sportart belegte Halle weiter nutzte – und das wo viele andere Vereine auf der Warteliste stehen.

Was ich vermisse, wäre ein verändertes Anspruchsdenken. Aber scheinbar meint man, man sei groß genug, um Ansprüche anmelden zu können, die, würden sie andere äußern, nur Unverständnis entgegengebracht würden. (Das ist übrigens derselbe Geschäftsführer, der einen Trainer wegen angeblich zu hoher Gehaltsforderungen entlassen hat – fristlos versteht sich – und einen anderen, günstigeren genommen hat.) Ein Suche nach der für die Stadt günstigsten Lösung. Vor allem angesichts der Geschichte dieses Stadions:(nochmal aus dem Stadtwiki)

Den endgültigen Ausbau hat das Stadion dem Ettlinger Laufsportbegeisterten Albert Olbrechts zu verdanken. Auf seine Initiative hin wurden die Arbeiten aufgenommen und Olbrecht selbst verlegte über 6.000 Stehstufen. 1981 konnte das Stadion mit über 30.000 Plätzen eingeweiht werden. Als Dank der Stadt Ettlingen wurde ihm dafür der Ehrenbrief und der Sibyllataler verliehen.

Heute verlangt man Geld.

 

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