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Archiv für die Kategorie „Familie und Gender“

Fasching und der liebe Alkohol

am 11.11. um 11:11 Uhr beginnt die 5. Jahreszeit – die Fastnachts/-Faschings-/Karnevalskampagne. Bis Ende Januar/Anfang Februar bekommt davon meist wenig mit, dann beginnen die Umzüge. Nicht nur an den sogenannten “närrischen” Tagen, sondern meist weit davor, vor allem hier in der Gegend. In den letzten Jahren haben sich zudem als Publikumsmagnet sogenannte Nachtumzüge heraus kristallisiert – bei denen es jedoch leider immer wieder zu Saufgelagen kommt, vielfach junge Menschen schon angetrunken dort erscheinen und dementsprechend auffallen. Oft genug geht das dann mit gewalttätigen Auseinandersetzungen, Pöbeleien, Krankenhausaufenthalten einher. Ganz aktuell gab es einen Vorfall in Bühl:

Gegen 18.30 Uhr waren rund 300 Jugendliche mit einem Regionalzug aus Norden angekommen, die allesamt versuchten, den einzigen Linienbus in Richtung Unzhurst zu stürmen. Weil einzelne ‘Fahrgäste’ bereits Notausstiege zerstörten und sogar auf das Dach des Busses kletterten, war an eine Personenbeförderung nicht mehr zu denken. Weitere ‘Fahrgäste’ ließen ihren Unmut über den schließlich ausgefallenen Transfer am Inventar des Busses aus. Die hinzugerufene Polizei konnte zwar die eskalierte Situation beruhigen, der Bus allerdings war für eine ordnungsgemäße Personenbeförderung nicht mehr zu gebrauchen.

und zusammenfassend:

Mehrere Anzeigen wegen Köperverletzungsdelikten, zwei Sachbeschädigungen, vier Beleidigungen, ein Diebstahl und drei Gewahrsamnahmen sind die vorläufige Bilanz der Bühler Polizei nach dem Nachtumzug in Unzhurst in der Nacht zum Samstag. Der Hästrägerverein “Wildsäu vom Hungerberg 1998 e.V.” zogen die Konsequenzen aus ähnlichen Vorfällen am letztjährigen Nachtumzug in Haueneberstein (16.02.2012). Der Umzug findet dieses Jahr nicht mehr statt.

Es ist schon ein schockierend. Aber neben Verboten, Zwangsmaßnahmen und dem großflächigen Einsatz von Alkoholpräventionsteams in Form besorgter Eltern gehört doch etwas Ursachenforschung dazu. 300 Jugendliche kommen mit dem Zug an. Ein Bus (50 Plätze nehme ich an) stehen zur Verfügung. Das nenne ich eine schlechte Vorbereitung, zudem das vermutlich im Zug feststellbar war. Keine Kommunikation zwischen Bahnpersonal und lokalen Behörden/Polizei/Veranstalter. Schlecht. Kann man sich ja eigentlich denken, dass da ein Bus nicht genügt. Sonderbusse wären notwendig gewesen. Nichtsdestotrotz muss man sich fragen, was in eine Horde Jugendliche fährt, die einen Bus deshalb demolieren. Alkohol? Und wieso werden nur einige Personalien aufgenommen? Und nicht alle? Fragen über Fragen.

Eine Antwort könnte heißen: Enthemmung und Kontrollverlust. Und dazu fällt mir ein Gespräch mit einer Schulkameradin ein, das ich vor kurzem bei einem Bier(!) hatte. Da wir beide Kinder in dem Alter haben, in dem wir waren, als wir uns wegen der Schulpflicht noch täglich sahen, haben wir uns zwangsläufig auch über “solche” Themen unterhalten. Meine großen Söhne trinken auch Alkohol, auch manchmal zu viel (da findet man dann einen morgens auf der Couch statt im Bett). Und einen musste ich mal frische Kleider in die Klinik, wo er zur Entnüchterung war, bringen. “Man” kennt sich also aus. Wir waren uns einig, dass auch früher Alkohol getrunken wurde. Ich war lange Jahre im Karnevalsverein als Blasmusiker aktiv, Alkohol war da immer ein Thema. Und ja, es konnte nicht immer verhindert werden, dass schon Unter-16-jährige Alkohol tranken, aber ab der Grenze war es dann “normal”. Die Sommer verbrachten wir musizierend und feiernd  in Bierzelten und anderen Festen, Fasching auf den Straßen in der Region und als Gastmusiker auf Prunksitzungen, der Verein unternahm auch mal Ausflüge oder Besuche in Partnerstädten, verbunden mit mehr oder weniger langen Busfahrten. Ich spielte Fußball – auch da war Alkohol trinken gang und gäbe. Meist Bier, aber auch sowas wie “gedopte” Asbach Uralt – das aber dann eher in der Faschingszeit. Und auch damals gingen schon auf Umzügen an Fasching Schnapsflaschen durch die Reihen.

Ich kann eigene Volltrunkenheit an einer Hand abzählen – für mein ganzes 47-jähriges Leben wohlgemerkt. Ich hatte öfter mal einen Affen, wie man hier sagt.  Aber das war es. Aber meine “alte Bekannte” und ich waren uns einig – wir kannten unsere Dosis. Weil wir probiert haben. Und es nicht ständig Aktionen gegen Trinken gab, keine moralische Entrüstung, keine Elternaktionen, bei denen Eltern mit irgendwelchen Sprüchen auf Jugendfestivals rumlaufen und aufpassen, dass niemand (zuviel) Alkohol trinkt. Es gab Ecken, da war man unter sich – und da hat man sich ausprobiert. Heute wartet an jeder Ecke ein Sittenwächter. Keine Prohibition – aber Komasaufen kommt nicht alleine von Jugendlichen, die zuviel saufen, weil sie das wollen – sondern auch, weil sie nicht gelernt haben, mit der Droge Alkohol umzugehen. Wie kleine Kinder, die ganze Tafeln Schokolade essen – und es ihnen anschließend schlecht geht. Es gab geschützte Räume – und wenn’s zuviel wurde, ist auch mal ein Erwachsener eingeschritten. Und hat weder sofort die Polizei noch die Eltern informiert.

Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge. Überall zugänglich, Teil von Ritualen wie Fassanstiche. Der Bierpreis auf Oktoberfest und Canstatter Wasen ist jedes Jahr eine Schlagzeile wert. Jugendlich müssen auch mal über die Stränge schlagen dürfen – damit sie rausfinden, was gut – und was nicht gut für sie ist. Ein Glas Bier unter Papas Augen ist kein “ausprobieren”. Etwas mehr Gelassenheit würde uns allen in dieser Frage gut tun – und beim nächsten Nachtumzug ein paar Busse mehr wären auch nicht schlecht.

Be the first to like.

Vater sein

Der Till Westermayer inspiriert mich zu einem Artikel über Familie. Hab ich lange nicht gemacht, obwohl sie doch im letzten Jahr nach dem Tod meiner Exfrau eine ganz neue Bedeutung bekommen hat.

In der ZEIT ist aktuell ein Text zu lesen, in dem zwei Väter sich beklagen. Weil … das wir nicht so ganz klar. Irgendwie klappt es nicht so richtig mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Kindern und Karriere. Sie fühlen sich schlecht, weil sie, wenn sie denn schon mal Zeit für das Kind haben, doch berufliche SMS schreiben, und überhaupt: Überforderung. Und dann: Ratlosigkeit. Ich kann das zum Teil nachvollziehen

schreibt er. Ich hab den Artikel auch gelesen und entdecke in ihm Parallelen zu diesem Text, ebenfalls aus der Zeit. Es geht letztendlich darum, wie ein gutes Leben mit Kindern aussehen kann. Bei dem “Vereinbarkeitstext” geht’s mir ähnlich wie Till, der schreibt:

Verzicht auf Perfektion aber nicht nur auf der Karriereseite, sondern auch auf der Kinderseite: Kinder großzuziehen, ist, sollte, finde ich, Alltag sein. Familienarbeit heißt eben auch Kochen, Waschen, Putzen, Kinder ins Bett bringen, … und nicht nur: »Qualitätszeit«.

Darüber hinaus – und das fehlte mir und ich wollte es nicht nur bei ihm kommentieren – gehört auch, dass man sich und seine eigenen Bedürfnisse ernst und wichtig nimmt – und diese auch lebt. Die beiden Journalisten reklamieren Sigmar Gabriel, der 3 Monate “Auszeit” genommen hat und sich  trotzdem um seinen Beruf gekümmert hat:

Gleich in den ersten Tagen twitterte er ein Bild von sich, vor dem Laptop sitzend, die Kaffeetasse in der Hand: “Mariechen ist abgefüttert, der Kaffee ist da, also kann’s losgehen :-))”. Und dann diskutierte er online eine Stunde lang über die Rente, den Euro, die SPD. Genau das ist er doch, der tägliche Selbstbetrug:

Und? Ist das nicht okay? Die Krux ist doch, dass man sich selbst so völlig unwichtig nimmt, dass man gar nicht mehr vorkommt oder zumindest in angemessenem Abstand zum Lebensmittelpunkt “Kind”, dass einem gar nichts mehr übrig bleibt, als zum Helikopter-Elter zu werden. “Hyperprotektion” nennt es Nina Pauer in der Zeit. (Leider verliert sie ein bisschen den Faden und diskriminiert echte Allergien/Unverträglichkeiten wie Laktose-Intoleranz. Wir wissen hier wie das ist, wenn ein Kind nach einem halben Glas “normale” Milch erst mit Bauschmerzen auf der Couch liegt – und dann aufs Klo rast. Sowas ist vermeidungspflichtig). Aber im Grund genommen ist es das: der Wusch, alles Schlimme und Böse von den Kindern fernhalten. Das Kind soll die Eltern cool finden, am besten noch vom Kind während der Pubertät zum Kumpel mutieren (weshalb man sich auch noch mit 49 jugendlich kleiden muss und bei Primark und H&M einkauft), nur die beste Bildung erhalten und bloß nie krank werden. Deshalb findet Sagrotan einen reißenden Absatz – ich nenne es bei mir immer die Generation “Sagrotan”, die garantiert ohne einer einzigen Bakterie in der Umwelt getroffen zu haben, groß wird – und fahren Mütter und Väter ihre Kinder zur Schule und Kindergarten.

Ich habe 5 (6) Söhne. Mit zwei Frauen. Meine erste Frau hatte glücklicherweise muss ich schon fast sagen, schon ein Kind, als wir uns kennen gelernt haben. Das hat entspannt – wie Pauer richtig schreibt, war beim ersten eigenen Kind nicht immer dauernd alles neu für mich. Also hab ich eigentlich 6 Söhne. Ich selbst bin halt auch irgendwie kein Superpapa. Ich spiele nicht gerne. Weder Brettspiele, noch Indianer und Cowboy, ich finde selbst erfundenes Theater meiner Kinder langweilig und interessiere mich kein bisschen für den Inhalt der Computerspiele und zum Fußballspielen (der Kleinste) nehme ich mein eBook mit oder fahre währenddessen einkaufen. Wenn er ein Supertalent ist, werd ich das rechtzeitig erfahren und wenn ich nur jedes zweite Tor von ihm sehe, wird die Welt – weder seine noch meine – untergehen. Ich will wissen, was in der Schule läuft – aber nicht jedes Detail. Ich will wissen, wer seine Freunde sind – kann mir aber auch nicht immer alle Namen aller Kinder merken, die ich noch nie gesehen hab. Die, die schon mal hier waren, kenne ich. Ich hab bis heute nicht mit allen Eltern aus der Schule telefoniert, kenne aber die meisten zumindest vom sehen  – auf einer freien Schule bist du mehr anwesend als bei einer regulären. Ich mach mir Sorgen – vor allem nach den zwei Unfällen im letzten Jahr, die beide hätte das Leben kosten können – aber ich werd den Teufel tun, sie ab da einzusperren.

Und ich hab ein eigenes Leben. Eines, das einen 40-Stunden-Job beinhaltet und sicherlich nochmal 10 Stunden Politik in der Woche – Sitzungen, Blogbeiträge, Facebookdebatten, Anträge schreiben, Wahlprogramme lesen, zu Parteitagen und AG-Sitzungen fahren, …). Ich mache nebenberuflich eine Ausbildung in Transaktionsanalyse mit 6 Wochenenden im Jahr + Lesen und Lernen, damit mein Quereinstieg in die Sozialpädagogik ein fachliches Fundament erhält.

Aber als im letzten Jahr meine Exfrau starb, mit der ich mich lange gestritten habe – viel um Geld, direkt (Unterhalt) und indirekt (wer versichert die Kinder) und natürlich auch um Verletzungen vielerlei Art – hab ich erst um sie getrauert und tue dies immer noch. Und hab versucht, so gut wie möglich für meine großen Söhne, die gerade alle drei im Umbruch entweder aus (abgebrochenem Studium) ins Berufsleben oder Ausbildungsplatzsuche oder Schule in “was will ich werden” standen. Ich habe Waisenrentenanträge ausgefüllt, aktuell einen Grabstein für das Grab organisiert, weil der Witwer das scheinbar nicht auf die Reihe kriegt und es ihnen wichtig ist, ich hab versucht, sie zu trösten, ich hab versucht, heraus zu finden, wie man bei drei erwachsenen Söhnen mehr präsent ist, ohne zu übertreiben und es damit irgendwie zu entwerten und ohne sie zu vernachlässigen. Es scheint mir gut gelungen zu sein, wenn ich ihre Raktionen richtig werte.

Und ich mache morgens die Kinder fertig  (meine Frau ist ein Morgenmuffel und ich mit dem ersten Hahnenschrei normalerweise wach), mache meinen Teil des Haushaltes, bring den größeren der beiden auf die Straßenbahn, weil ich eh in die gleiche Richtung muss und den kleinen auf dem Weg dahin in die KiTa. Ich versuche, gemeinsam mit meiner Frau, ihnen möglichst viel Freiraum für ihre Entwicklung zu geben. Sie herausfinden zu lassen, was sie wollen. Dazu gehört Klavier – weil es in der freien Schule ein Musikzimmer gab, auf dem man in freien Schulen einfach so rumklimpern kann und der Wunsch so aus dem Kind entstehen kann. Dazu gehört Sport. Dazu gehören Grenzen (Schmatz nicht, man sagt Danke und Bitte und solche Dinge) und Regeln.

Kinder müssen frei sein, sich selbst zu finden. Kinder sind eigenständige Wesen, die niemandem gehören, außer sich selbst. Sie sind kein Selbstverwirklichungsobjekt und wollen ab der Pubertät wenig mit uns Eltern zu tun haben. Wenn wir Glück haben und wir nicht allzuviel falsch gemacht haben, ändert sich das wieder. Und wenn Kinder lernen sollen, wer sie selbst sind und was sie glücklich macht – dann brauchen Sie dafür Vorbilder von Menschen, die das auch wissen – und sich selbst den Raum geben. Manchmal in zeitlichen Konflikt – aber in der Abwägung um Zeit oder nicht dürfen nie immer die Kinder gewinnen. Ich liebe meinen Job so wie meine Frau den ihren liebt – das können die Kinder erfahren, wenn wir davon sprechen oder sie damit in Berührung kommen. Ich liebe mein Hobby Politik – und die Kinder konnten erfahren, dass ich in der Abwägung zu anderen Hobbies auch Dinge sausen lies, was mir auch Spaß gemacht hat.  “Meine Kinder” sind ein wichtiger Teil meines Lebens, aber eben ein Teil und nicht mein “Ein und Alles”. Ich würde alles für sie tun – aber doch nicht dauernd – sondern wenn sie es brauchen. Klar, wenn einer der Großen anruft, dass er pleite ist und er Geld braucht, dann kriegt er Geld. Aber wenn er es zurückzahlen kann – dann soll er das auch tun. Nicht weil wir es (immer) brauchen – sondern weil er Verantwortung für sich selbst hat, wenn er erwachsen ist.

Ich kann nicht alles Böse von ihnen fernhalten. So sehr es mir weh tut – sie müssen Enttäuschungen kennen lernen, Streit mit Freunden, Trennungen, Misserfolge, Niederlagen, Streit mit den Eltern, sterbende Haustiere und Großeltern. Als ich sechs Jahre alt war, ist meine Oma, zu der ich einen starken Bezug hatte, gestorben. Ich durfte aus Überbehütung meiner Eltern nicht mit auf die Beerdigung. Ich bin heute, 41 Jahre später, zwar etwas milder – aber immer noch unglaublich zornig auf sie deshalb. Wer in der Welt und der Gesellschaft (über)leben soll, der muss lernen, wie sie funktioniert und was das Leben ausmacht – Geburt, Leben, Streben, Tod.

Bin ich ein Rabenvater? Keine Ahnung. Ich hab für mich und hoffentlich auch für meine Kinder einen Weg gefunden, mit dem wir alle leben können. Ja, ich könnte mehr präsent sein. Die Frage ist, ob ein unzufriedener, präsenter Vater irgendwem etwas bringt. Leben mit Kindern heißt, sie zu lehren, dass sie wichtig sind – für mich, aber eben auch für sich. Wenn  ich ihnen vorlebe, dass ich selbst nicht mehr wichtig bin, weil sie auf der Welt sind – wie sollten sie lernen, dass sie selbst wichtig sind?

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CDU und Sex

das schließt sich irgendwie aus. Also, ein Verhältnis, das man unverkrampft, offen, tolerant bezeichnen kann. Das artikuliert sich in sonderbaren Reden vor dem baden-württembergischen Landtag – und in einer katastrophalen Ignoranz drängender Probleme. Da ist einmal die Debatte um den baden-württembergischen Bildungsplan.

facepalm

Mehr könnte einem eigentlich nicht einfallen. CDU-Hauk, der neben dem Schäuble-Schwiegersohn Strobl ebenfalls Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2016 werden möchte – zeigt “Verständnis” für den Petenten und seine Unterstüzter der Online-Petition gegen den Bildungsplan, in dessen Entwurf die Landesregierung als Leitprinzipien die Toleranz gegenüber sexueller Vielfalt in Schulen verankert wissen möchte – eine Petition, in zu lesen ist:

In »Verankerung der Leitprinzipien« fehlt die ethische Reflexion der negativen Begleiterscheinungen eines LSBTTIQ-Lebensstils, wie die höhere Suizidgefährdung unter homosexuellen Jugendlichen, die erhöhte Anfälligkeit für Alkohol und Drogen, die auffällig hohe HIV-Infektionsrate bei homosexuellen Männern, wie sie jüngst das Robert-Koch-Institut veröffentlichte, die deutlich geringere Lebenserwartung homo- und bisexueller Männer, das ausgeprägte Risiko psychischer Erkrankungen bei homosexuell lebenden Frauen und Männern.

Nun, für diese Haltung fehlt mir jegliches Verständnis – denn es ist anzunehmen, dass diese negativen Folgen eher eine Folge des nicht toleranten Umgangs mit dem LSBTTIQ-Lebensstil sind – nicht umgekehrt. Wer diese Folgen nicht will, muss informieren und aufklären (HIV!) und nicht verschweigen. Nur wer in seinem Selbst angenommen wird, ist in der Lage, ein selbstbewusstes Leben zu führen, wer sich in seinem Grundbedürfnis nach Liebe und Sexualität verstecken muss, wird krank werden. Soviel Psychologie sollte sogar ein Realschullehrer gelernt haben. Dass es ist die Angst vor: “wenn die das kennen lernen und keiner sagt ihnen, dsas das nicht normal ist, dann werden die auch so” ist, ist dabei klar. Nur: diese unaufgeklärte Haltung kann nicht Leitbild einer modernen Politik sein. Das absurde Argument: “wer das als (LSBTTIQ-Lebensstil) als normal bezeichnet, zerstört die “normale” Ehe und Familie” ist auch kaum zu verstehen – denn iemand sagt ja, dass Frau und Mann nicht mehr heiraten dürfen. Man erinnere sich: Verständnis für diese Petition erwecken führende Mitglider einer Partei, die es bis 2011 zugelassen ahben, dass sich homosexuelle Menschen, die sich verpartnern wollten, dies (auch) in KFZ-Zulassungsstellen tun mussten – und willfähriger Hilfe von regionalen (CDU-geführten) Kommunalpolitikern. Dazu kommt auf Bundesebene die aktuelle Debatte um die Pille danach. Welche Frauenbild da herrscht. die Pille danach sol laut CDU – immerhin Regierungspartei – nicht rezeptfrei zu bekommen sein. Da wird davon gesprochen, dass Frauen diese dann “wie Smarties” nähmen. Wer sowas sagt, ignoriert völlig, neben allen richtien Argumenten wie sie im verlinkten taz-Artikel genannt werden,

Der Witz dabei ist, Frauen die Entscheidung, was sie mit ihrem Körper machen, zuzugestehen. Es heißt, ihnen zuzutrauen, dass sie entscheiden können, ob sie lieber die Nebenwirkungen der Tablette in Kauf nehmen oder die einer ungewollten Schwangerschaft.

die Nebenwirkungen dieser Pille. Und diese können heftig sein. Ich habe das miterleben müssen, als meine heutige Frau in einem frühen Zeitpunkt in unserer Beziehung, in der wir definitiv keine gemeinsamen Kinder wollten, diese Pille nehmen musste. Es ging ihr schlecht, so schlecht, dass es für mich so eindrücklich war, dass ich mir sicher war, dass ich das nie mehr wollte. Und sie erst! Die Haltung, Frauen könnten sich so ein Zumutung für sich und ihren Körper einfach so antun – was unionsgebildete Abreibungsgegner ja auch immer unterstellen – der hat schlicht keine Ahnung. (Und ja, ich glaub, ich muss das noch nicht einmal gendern. Ich glaub, CDU-Frauen wissen das, dürfen es aber nicht sagen). Ein Medikament mit einer derartig starken Wirkung hat sehr wahrscheinlich auch sehr starke Nebenwirkungen. Ich glaube, der CDU und ihren Mannen geht es dabei vor allem um selbstbestimmte Sexualität – bei Frauen in der Pillenfrage – und bei Homo- und anders Sexuellen generell. Vielleicht ekeln sie sich vor küssenden Männern. Oder haben Angst, dass ihr Kinder “sowas” ausprobieren – und sie nachher nicht Opa werden, weil sie ja die Adoption nicht zulassen werden. Ein Bild, das weit verbreitet ist. Ich musste am eigenen Leib erfahren, wie das ist, wenn jugendliche Ausprobieren mit Homosexualität den Eltern bekannt wird. Die Freundschaft sollte beendet werden, es wurde zwischen den Eltern(!) ein Kontaktverbot vereinbart – das natürlich nicht lange hielt. Dabei bestand für mich nie in Frage, dass ich heterosexuell bin. Aber mit 15 muss man halt sowas auch mal ausprobieren. Und obwohl das nicht die einzige Erfahrung war, hab ich heut 5 Söhne und bin verheiratet. Also alles nix weiter als unbegründete Ängste, verbunden mit Vorurteilen und Unverständnis. CDU-Mitglieder sind offenbar verklemmt. Umso wichitger ist Aufklärung. So gesehen, ist dieser Bildungsplan gut geeignet, die CDU weiter zu moderniesieren. Probiert halt mal was aus, ihr CDUler – es wird Euch die Augen öffnen. Und die Zeiten, in denen Frauen nur noch im dunklen Schlafzimmer nach dem Ehegelübde Sex haben dürfen – wenn der Mann wollte und zwar nur und immer dann – sind zum Glück lange vorbei. Ich weiß nicht, wovor sie da Angst haben. Aber irgendwiewas mit Sex ist ja immer.

Update: 25.01.2014

Früher oder später werd ich doch immer wieder bestätigt:
CDU-Bräuchle wird auf idea.de – Das christliche Nachrichtenportal so zitiert:

Jugendliche brauchten eine Ermutigung zu verbindlichen Treuebeziehungen, aus denen Familie entstehen könne, „aber keine Bestärkung im Ausreizen und Ausprobieren aller sexuellen Varianten und Orientierungen“.

Übrigens, schon in der Plenardebatte war abzusehen, dass über die Schiene “sexuelle Vielfalt” versucht wird, uns wieder in Zusammenhang mit der Pädophilie-Debatte zu bringen:

Toleranz gegenüber verschiedenen Lebensentwürfen dürfe nicht mit Akzeptanz von sexueller Vielfalt gleichgesetzt werden. Jede auf Gleichwertigkeit mit „bunten Lebensentwürfen“ zielende Relativierung des Leitbildes von Ehe und Familie sei entsprechend dem biblischem Zeugnis und der Verfassung abzulehnen. Zudem sei nicht definiert, wo sexuelle Vielfalt ende: „Angesichts der offenen Debatten in Kreisen der Grünen zum Beispiel um Pädophilie ist hier Vorsicht geboten.“

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von wegen “Generation Praktikum”

der Versuch einer Antwort:

Generation Praktikum: „Ihr habt es ja so gut“

schreibt Katharina Nocun in einem breit beachteten Beitrag und beschwert sich über die mangelnden Chancen “ihrer” Generation. Die an der 5%-Hürde gescheiterte Spitzenkandidatin der Piraten in Niedersachsen macht deutlich, dass ihre Generation keine Beteiligungsmöglichkeit hat, keine Rente, keine sicheren Arbeitsplätze, keine Partei,die sie vertritt, keinen Bock, weil keine Zukunftsaussichten, Kinder zu zeugen.

Seifenblase*Seufz*. Ja, Ihr hab es schwer.

Aber wann sollen wir denn bitte sehr Kinder bekommen? Während des Studiums mit Bachelor-Master-System vielleicht? Mit Anwesenheitspflicht, Regelstudienzeitdiktat und Studienkredit? Während des unbezahlten Praktikums? Vielleicht beim niedrig bezahlten Volontariat oder Ausbildung ohne Übernahmeaussicht mit Überstunden-Garantie? Oder zwischen zwei jobbedingten Umzügen weil wir ja so unglaublich flexibel und mobil für den Arbeitsmarkt sind? Wer zahlt uns den Karriereknick durch Kinderzeit? Was ist wenn man am Ende Alleinerziehend ist? Und überhaupt, wo wir schon einmal beim Thema sind: Wer passt auf das Kind auf? Wenn es nicht einmal genug Kindergärten, KiTa-Plätze, Ganztagsschulen und mit Familie vereinbare Jobs gibt. Sorry, aber uns Egoismus zu unterstellen, weil wir wenig und eher spät Kinder bekommen, ist in Anbetracht der Umstände mehr als unangebracht.

Und zweifelsohne gibt es da ein Problem. Aus diesem Artikel im Blog entstand einer für die Zeit:

Piraten: Meine Generation hat keine Lobby

Aber sie gibt sich in beiden Artikeln nur kurz mit denjenigen ihrere Generation ab, die auch betroffen sind: denen mit Mittlerer Reife und mit Hauptschulbschluss. Die ohne Abschluss kommen gar nicht vor.

Es ist ein Jammerartikel und das Problem liegt schon darin, dass sie diese Gruppen, die nicht zu ihrer gehören, praktisch ausblendet.Auch sie redet nicht für alle, auch sie denkt nicht für alle mit, sie denkt nur an sich und ihresgleichen.

Als ich 25 Jahre jünger war, hatten wir ähnliche Probleme. Die Renten waren nur noch laut Norbert Blüm sicher, es war abzusehen, dass man kaum sein Leben lang im selben Job arbeiten würde und die von Wirtschaftsexperten vorgetragene, heute durch Tatsachen belegte Fakten, dass der asiatische Raum mal eine Wirtschaftsstärke erreichen könnte wie die “unsere” wurde höchstens belächelt – Pläne oder langfristige Visionen gab es dafür nicht. Dafür sind wir mit Tschernobyl aufgewachsen, mit saurem Regen und Waldsterben, mit einem Ozonloch und Hautkrebswachstum, das alle wirtschaftlichen Wachstüme hinter sich lies, in einem zweigeteilten Deutschland, in die ein SPD-Kanzler amerikanische Mittelstreckenrakten stationieren lies und unter ständiger Angst vor dem Ernstfall, Angst vor einem Atomunfall wie in Harrisburg und nach Tschernobyl vor mehr Atomkraftwerken im dichtbesiedelten Land.

Ja, auch wir hatten Zukunftsangst. Ich habe mich mit 18 gefragt, ob ich Kinder in “diese Welt” setzen möchte – und dann hat mich die Biologie überholt und ich habe festgestellt, dass man Kinder auch, wenn auch mühsam, mit einem Gehalt als Einzelhandelkaufmann ernähren kann. Ich bin groß geworden mit dem Bild, dass ein Mann “seine” Familie ernähren können muss und hab mich davon verabschieden müssen, es dann auch langfristig zu können – wenn ich auch noch ab und an mit dieser Familie in Urlaub fahren wollte.

Und jetzt kommt da eine daher, die Teil einer Partei ist, die gerade die Lobby dieser Generation, der sie angehört, an die Wand gefahren hat und jammert uns was vor. Und “alle” finde es gut. Ja, auch wir waren nicht mehr zufrieden mit dem, was SPD und CDU (und die FDP, die damals noch eine liberale Partei waren) uns geboten hat. Nein, auch wir fanden uns nicht vertreten von den “alten Säcken” im Bundestag, in den Landtagen und vor allem in der Kommunalpolitik. So wie ihr gegen ACTA, waren wir in Wackersdorf und in Kalkar, Brokdorf und Gorleben. Und so wie dort ein paar von den Älteren waren, so waren auch ein paar von uns (unter anderem ich) auch auf ACTA- und anderen Demos. Aber wir haben nicht gejammert.

Wir haben etwas getan. Wir haben eine junge Partei gegründet, weil uns die SPD nicht mehr gereicht hat. Wir sind eingezogen in die Kommunalparlamente, haben Sacharbeit gemacht, in die Landtage, in den Bundestag. Wir haben gestritten bis nachts um 1 Uhr auf Mitgliederversammlungen, in BIs, auf Versammlungen. Wir haben Kinder gezeugt, erzogen und wenn es keine Betreuung gegeben hat, haben wir sie selbst organisiert. Weil es keine Bioläden gab, haben wir Landwirtschaft studiert und Höfe übernommen. Bioläden gegründet. Kommunen. Raus aufs Land und selbst versorgt. Ihr wollt das alles heute vom Staat geliefert bekommen. Wir waren Handwerker, Kaufleute, Bänker und wir waren Studenten und Akademiker.

Ja, es gibt da ein Problem mit Jobperspektiven. Aber meine Generation hätte kaum zugelassen, das eine Regierung eine ganze Branche an die Wand fährt wie die aktuelle die Solarbranche. Während Ihr in der Occupy-Bewegung schlapp macht, weil man durchhalten muss, haben wir über den Marsch durch die Institutionen am Ende die Atomwirtschaft besiegt. Wir hatten Angst, aber auch den Mut, anzufangen. Ihr demonstriert vor der deutschen Bank  und habt dann Euer Konto bei Ihr. Ihr habt Angst vor schlechtem Essen – aber ihr kauft bei McDonalds und Aldi. Ihr ärgert Euch über schlechte Arbeitsbedingungen in Fernost – aber Ihr kauft bei Apple, Primark und H&M.

Ihr habt nicht gelernt, dass das private auch politisch ist. Politische Haltung muss in konkrete Handlung münden. Die Piraten müssen scheitern, weil sie nicht in der Lage sind, hinter ihrem Rechner hervor zu kommen und ihre Forderungen Ausdruck zu verleihen. 30.000 21.265 Mitglieder zahlen keinen Beitrag und die, die in die Parlamente gehen, geben von ihren Diäten nichts ab. Ihr seid unsolidarisch. Sie müssen scheitern, weil sie nicht gelernt haben, zu diskutieren, andere Meinungen auszuhalten und Demokratie als System der Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren.

Statt echter Reformen wurde von Wahl zu Wahl an kranken Systemen herumgedoktert. Mich wird das noch zu Lebzeiten einholen. Es macht mich wirklich wütend, dass es derzeit keine dauerhaften, tragfähigen Lösungen gibt.

schreibt sie, die Gute. Mich macht es wütend, diese “Alles-oder-Nichts”-Haltung. Politische Prozesse sind langwierig. Es werden selten schnelle Entscheidungen getroffen. Die Änderungen im Verständnis von Familie, Energiepolitik, Geschlechterrollen, Ökologie undundund haben dreißig Jahre gedauert – und wir stehen in vielen Dingen erst am Anfang. Wer Sicherheit will, muss sie sich schaffen. Wenn Eure Partei nichts taugt, geht in andere. Verändert sie oder macht Eure Partei mehrheitsfähig. Ja, ihr habt andere Ziele als wir (obwohl, dass was sie schreibt, in ein grünes Programm passt). Aber eben nicht nur. Wer etwas verändern will, braucht den Mut und die Kraft, durchzuhalten. Die Kraft, Niederlagen anzunehmen – und trotzdem weiter zu kämpfen.

Derzeit werden die Lasten des demografischen Wandels abgewälzt auf die Jungen und die Mittelschicht.

Jede Last wird auf die nächste Generation abgewälzt. Jede Generation muss mit dem leben, was ihr die vorhergehende hinterlässt. Das ist normal. Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt. Ihr auch. Und ihr habt die verdammte Pflicht, Verantwortung zu übernehmen. Dieser verweigert Ihr Euch, wenn Ihr weiterhin annehmt, ihr könnt mit einem Gewurschtel wie den Piraten etwas verändern. Ihr streitet Euch über eine ständige Mitgliederversammlung – und seid noch nicht einmal in der Lage, gemeinsame Ziele zu formulieren.  Ihr – oder einige von Euch- meinen, Liquid Feedback sei die Lösung – dabei schafft Ihr es noch nicht einmal, 10 Arbeitsgruppen zu bilden, die zu 10 Themen Vorschläge machen, über die ihr dann abstimmt. Weil Ihr schon denen misstraut, die den Entwurf schreiben. Was Euch schwach macht, ist Euer Misstrauen, Euer Egoismus, der sich auch in den beiden Artikeln wiederfindet. Am Ende – und wenn man die Zeitkommentare dazu liest – bekommt man das Gefühl, es geht letztendlich nur ums Geld. Einkommen. Akademikergehälter, die höher sein müssen als derjenigen, die nicht studiert haben. Während Ihr Euch über die Studiengebühren, die wir wieder abgeschafft haben, erfreut machen andere Eurer Generation mit Meister-Bafög, das sie auf Heller und Pfennig zurückzahlen müssen, ihren Handwerksmeister.

Der Blogbeitrag endet mit den Worten:

Meine Generation ist nicht unpolitisch. Wir wollen etwas bewegen. Nur müssen wir uns als Gesellschaft eben auch als Ganzes bewegen, um das Ruder noch herumreißen zu können.

 Doch, ihr seid unpolitisch. Ihr wollt etwas bewegen, ohne die Opfer bringen zu müssen. Ihr wollt, dass wir Euch zuhören und das tun, was Ihr wollt. So einfach ist es aber nicht. Die Gesellschaft wird sich nur ändern, wenn die Mehrheit dazu bereit ist. Und dazu müsst ihr sie und uns überzeugen. Und das bedeutet, dass ihr vormachen müsst, dass es sich so zu leben lohnt, wie ihr das wollt. Mein Eindruck ist: ihr wollt nur, dass wir Euch absichern. Etwas dafür tun wollt ihr nicht. Und deshalb habt Ihr keine Lobby. Weil ihr noch nicht einmal Eure eigenen Lobby sein wollt. Befreit Euch von Euren Helikopter-Eltern. Legt los. Wir warten. Und wenn nicht – machen wir halt so weiter, wie WIR denken, dass es richtig ist. Es zeigt uns ja niemand was anderes.

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her mit den wilden Weibern

oder so ähnlich könnte die Forderung aussehen, liest man Tills Blog von heute zur Verteilung von Männern und Frauen als Autor_innen der letzten 100 Beiträge bei Carta. Till ist ja selbst Autor dort. In einem längeren P.S. zu diesem Artikel klärt er nochmal näher auf, wie lange die Debatte um diese Frage auch schon carta selbst beschäftigt, deren Empfehlung lautet:

Aber sie (Frauen) sollten es (bloggen/schreiben)lauter tun. Eine Flüstertüte nehmen und rufen, ‘seht her, ich hab was geschrieben, das euch interessieren wird!’. Mit Leuchtfarbe auf Twitter, facebook, identi.ca – wo auch immer, annoncieren. In anderen Blogs Werbung machen. Sich vernetzen. Sich was trauen. Für Öffentlichkeit sorgen.

Ein kurzer Vergleich. Die Netzpiloten stehen scheinbar vor einem ähnlichen Problem:

https://twitter.com/Isarmatrose/status/319446876149657600

Und schaue ich in die Liste der Autoren bei heises Telepolis  zeichnet eine Frau unter lauter Männern als Autor_innen und Blogger_innen. SChaue ich ins baden-württembergische Blog von uns Grünen, in dem ich auch sporadisch mitschreiben, dann finde ich dort 10 Autor_innen von 20. Die letzten 15 Beiträge sind von Männern geschrieben – das war kaum besser, auch solange noch Silke Krebs ihre Freitagskolumne dort geschrieben hatte.

Als mögliche Lösung schlägt sie einen Ort vor, an dem quasi das Schwimmen geübt werden kann, der sanfte Übergang von Tweets und Kommentaren zu eigenen Blogtexten.

kann man bei Till noch als Lösungsvorschlag von Vera Bunse von Carta nachlesen.

Ist es das? Oder ist es das nicht?

Am 15. November veröffentlicht die AGOF folgende Studie:

Während Sport- und Testergebnisse bei den männlichen Onlinern stark nachgefragt sind (76,6% bzw. 68,7%), interessieren sich zwei Drittel der Frauen für Lifestyle-Themen wie VIP-News oder Horoskope. Bei weit über 50 Prozent der Männer stehen zudem Nachrichten (Weltgeschehen oder regional), der Bereich „Flirten und Kontakte“ so­wie Webblogs/ Blogs auf der Liste der häufig genutzten Aktivitäten. Sechs von zehn Frauen wiederum nehmen im Internet besonders oft die Themenkomplexe „Familie und Kinder“, „Essen, Trinken und Genießen“ in Anspruch, sowie jede Zweite außerdem Jobbörsen.

Ähnliche Ergebnisse bekommt man auch für die Nutzung von Smartphones:

Frauen wollen wissen, wie es ihren Freundinnen und Verwandten geht. [...]Männer dagegen fokussieren sich stärker auf praktische Anwendungen.

Ich glaube, Till beschreibt das Problem schon selbst ganz gut:

[...]ich kenne mich da allerdings zugegebenermaßen nicht so besonders aus, was Männerthemen wären

Es ist ein klassisches Genderproblem. Männer sind anders, Frauen auch. Es ist das selbe wie mit Frauen in der Politik: die wenigsten drängen sich auf. Deshalb gibt es keine Frauen bei den Piraten, also so gut wie keine (ja, ich weiß, die Berliner Liste!) und wenige bei der CDU und erst recht wenige bei der SPD. Bei uns funktioniert das nur über die Quote. Weil sich sonst die Männer vordrängen würden und die Frauen mit der Schulter zucken. Klar, nicht alle. Aber selbst toughe Frauen wie Kerstin Andreae, die 3 Kinder während des Mandats auf die Welt bringen und wieder Spitzenkandidatin der baden-württembergischen Grünen ist – ist weit seltener in der Presse als ihr Mitspitzendkandidat Cem Özdemir.

Frauen schreiben schon – nur eben nicht so sehr zu Politik wie Männer. Wir finden eine gleichwertige oder sogar andere Geschlechterverteilung bei Themenblogs, die außerhalb der Politik angesiedelt sind. Politische Blogs von Frauen sind halt eher selten. Es gibt keine Quote,. die das unsichtbar macht. Sondern es liegt hier. Auf dem Präsentierteller. Man muss es nur sehen wollen.

Frauen sind anders sozialisiert. Verhalten wird über Generationen weiter gegeben. Das ist nicht innerhalb von wenigen Jahrzehnten grundlegend zu ändern. Wir sind nicht da, wo wir hin wollen. Auch daher war das piratige “postgender” eine Negierung gesellschaftlicher Realitäten.

Das “Politikgeschäft” ist eines, das typisch männliche Verhaltensweisen erfordert. Das politische Bloggeschäft auch: zeig dich, melde dich zu Wort, sag offen Deine Meinung, versuche nicht, zu vermitteln, präsentiere dich.

Wenn wir das in Bezug setzen zu dem, was wir über das Nutzungsverhalten wissen, dann passt das einfach. Die traditionellen Protagonisten der Geschlechter verharren überwiegend in traditionellen Geschlechterrollen. Ausnahmen gibt es. Das Ziel bleibt: umgekehrt muss es sein. Das Verharren in Geschlechterrollen muss die Ausnahme werden. Nicht nur deshalb ist und bleibt Feminismus notwendig. An den Stellen, an denen es keinen Einfluss gibt, wird es überdeutlich.

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Hallo Rapunzel, wir müssen reden

ein “offener Brief”

Hallo Rapunzel,

ich kaufe viel Eurer Produkte im Bioladen oder bei Alnatura, seit vielen, vielen Jahren. Ihr macht leckerer Schokolade, tolle Müslis, ein fabelhaftes Samba und sehr leckere Penne. Heute fiel ich in meinem Bioladen über Euren Schokoladenaufsteller – passend zu Ostern wohl – und musste mit Entsetzen die Produkte “MilchMichl” und “MichMarie” als neue Produkte entdecken.

2013-03-26 18.00.04

Das ist klassische, sexistische Produktpolitik. Klar, die “Mädchenschokolade” ist rosa, die “Michl” ist ganz klar hell(!!)blau. Ich weiß echt nicht mehr, was ich sagen soll. Ich kann kaum annehmen, dass Ihr die Debatten um die rosa Überraschungseier nicht mitbekommen habt.

Dieser taz-Artikel beschreibt es eigentlich ziemlich gut -

Wahrscheinlich gibt es bald auch die Kinder-Schokolade in Rosa, in Konkurrenz zur lila Milka.

nur ist es nicht die böse Kinderschokolade, mit der Ferrero weiter in die Sexismusfalle tappt, sondern Ihr, die “Guten” (dachte ich und ihr wohl auch) von Rapunzel. Ja, in Eurer Firmenphilosophie steht nichts von “Sexismus vermeiden”. Aber trotzdem dachte ich irgendwie, das wäre für ein Unternehmen, wie Ihr es seid, gar kein Thema. Faire Schokolade, sexistische Kackscheiße. Eine Kombination, die ich mir nicht hätte ausdenken können.

Die Emma schreibt dazu:

,Rosa macht Mädchen dümmer’”. Zum Wohl ihrer Profitraten vermüllt die Pink-Industrie den kleinen Mädchen das Gehirn.” Heraus kämen Prinzessinnen, die nur eins im Kopf haben: Konsum

Ich bin frustriert und sauer und werde vorerst auf Eure Produkte verzichten.

Frohe Ostern

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der #aufschrei fängt erst an

oder: ist das der Beginn vom Ende des Patriarchats, wie wir es kennen?

Unter dem Hashtag #aufschrei ist eine Debatte entbrannt, die mehr als überfällig war. Mein eigenes Unbehagen mit vermeintlich männlichem Gehabe hab ich im Blog “Bin ich auch so einer” weitgehend ausformuliert. Gut 2000 Zugriffe hat es auf diesen Text gegeben. Und doch bin ich auch kaum weiter. Mein eigenes Verhalten kann ich reflektieren, ändern oder zumindest damit leben. Das meiner Geschlechtsgenossen nicht. Und das von Frauen, die sich dem nicht mehr ganz so herrschenden Meinungsdruck unterwerfen, erst recht nicht.

Jan Fleischhauer heute im Spiegel ist so einer dieser Verharmloser.

Schwer zu sagen, was man bei dem neuerlichen Aufschrei mehr bewundern soll: den Empörungsgestus, der genau jenen “Tugendfuror” unter Beweis stellt, den Gauck im SPIEGEL beklagt hat. Oder den hochgespannten Zentralratston, den man normalerweise von Institutionen wie der Synode der Evangelischen Kirche, dem Bundesvorstand der Grünen oder dem Paritätischen Wohlfahrtsverband kennt.

schreibt er. Er hat es nicht verstanden, will es nicht verstehen. Denn es geht doch ihm und anderen darum, den im #aufschrei dokumentierten alltäglichen Sexismus, vom Herrenwitz bis zu gefährlicher sexueller Belästigung, von Ausnutzen und Einfordern von Sex als “Belohnung” nicht verächtlich zu machen, sondern ihn schuldlos weiter tot zu schweigen, ihn zu akzeptieren, ihn schuldlos zu halten. Es erinnert mich an eine große Grüne der ersten Stunden, Waltraut Schoppe.

Zur Erinnerung:

Doch die “Reala”, wie pragmatisch orientierte grüne Frauen damals genannt wurden, ließ nicht locker und forderte vor dem Deutschen Bundestag bis dato Unvorstellbares – eine “Bestrafung bei Vergewaltigung in der Ehe”, was prompt Tumulte im Hohen Haus auslöste. Als die mutige Novizin auch noch zur Einstellung des “alltäglichen Sexismus hier im Parlament” aufrief und Formen des lustvollen schwangerschaftsverhütenden Liebesspiels empfahl, glich der Bundestag einem Tollhaus. Selten fielen wohl in dem männerdominierten Plenum obszönere Zwischenrufe als nach dieser tabubrechenden Attacke.

Es ist so ähnlich heute. Es sind nicht nur die Männer derselben Parteien CDUCSUFDPSPD im Deutschen Bundestag, die auch damals schon mit ausfallenden Bemerkungen auf sich aufmerksam machten, es sind auch dieselben Reaktionen, von denen die Fleischhauers nur eine von vielen ist, die systematisch sind für die Art und Weise, wie mit der Frage umgegangen wird.

Joachim Gauck hat es versucht, der von einem breiten Bündnis gewählte Präsident, ein Mann, von dem Mann es nicht erwartet hätte, diese Reaktion. Er spricht vom Tugendfuror und der flächendeckenden Fehlhaltung, die er nicht erkennen möchte. Doch die Reaktion blieb nicht aus, auch wenn die konservativen Männer dieser Republik versuchen, aus dem #aufschrei eine “Jugendbewegung” zu machen oder den Sturm der Entrüstung zu einem Stürmchen herunter zu schreiben, weil es ja angeblich nur viele Retweets waren – also nur “Kopien”. Nun ja, er hat vermutlich Twitter nicht verstanden. Aber Gauck hat verstanden – und heute seine Position korrigiert.

Ich schäme mich für Männer und Frauen, die sich auf die Fahnen haben, diese ungestüme Leid, dass sich hier endlich Bahn bricht, lächerlich zu machen. Der Tenor geht dabei in bekannte Richtungen – bis hin zu Frauen, die andere Frauen beschuldigen, durch ihr aufreizendes Äußeres doch selbst schuld zu sein an der Belästigung (Zitat: “aber die Bluse haben sie auf”). Und viel zu viele Männer machen das auch.

Nein, liebe Männer, liebe Frauen, liebe Einhörnchen: ich will mich nicht nur unbefangen Frauen nähern, ohne Angst haben zu müssen, sie habe Angst, sondern mich auch meines Interesses nicht schämen zu müssen. Ich fahre viel ÖPNV mir begegnen viele in meinen Augen gut aussehende Frauen. Und manche durchaus aufreizend angezogen (aber nicht, um mich! anzumachen). Und einigen davon werfe ich gerne einen zweiten Blick zu. Aber verdammt noch mal: ich käme doch keine Sekunde auf die Idee, mich an sie ranzumachen, mich an sie zu drücken im engen Bahnwaggon, in der Menschenmenge, “aus Versehen” ihre Brust zu berühren. Ich spräche sie nicht an und machte Bemerkungen über ihre Oberweite. Nein, es ist nicht in Ordnung, von einer Frau, die ich gut aussehend finde und einen Kurs bei meinem Bildungsträger besucht, als “Lohn” für eine Vermittlung oder Beratung zu ihren Bewerbungsunterlagen Sex im Beratungszimmer einzufordern – und sie zu mobben und ihr Unterstützung zu verweigern, wenn sie sich weigert. Sie womöglich anzuschwärzen bei der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter. Ja, ich frotzle mal, mache Witze, flirte. Aber ich vergewissere mich – indem ich darauf achte, wie das Gegenüber reagiert – dass ich keine Grenze überschreite und im Zweifel frage ich! Das geht und keiner fällt davon tot um und meine Krone hat hinterher noch alle Zacken.

Nicht das, was Ihr Fleischhauers unter “ganz normal” versteht ist normal, sondern es ist übergriffig und ekelhaft. Das was ich mache – so ungefähr zumindest -sollte normal sein.

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Der Kachelmann

ist ein Justizopfer. Stimmt. Keine Frage. Und das was ihm passiert ist, ist kein Einzelfall. Oder doch. Einer, der immer wieder vorkommt. Leider.

Er hat seine Lehre gezogen, aus dem Fall. Ein Unwort geprägt. “Opferabo”. Das angeblich Frauen hätten.

Der Begriff wurde von Jörg Kachelmann geprägt: Der Schweizer Moderator hatte im Herbst davon gesprochen, dass Frauen in der Gesellschaft ein “Opfer-Abo” hätten. Mit ihm könnten sie ihre Interessen 
in Form von Falschbeschuldigungen – unter anderem der Vergewaltigung – gegenüber Männern durchsetzen. “Das ist das Opfer-Abo, das Frauen haben”, sagte Kachelmann dem Spiegel. “Frauen sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen wurden. Menschen können aber auch genuin böse sein, auch wenn sie weiblich sind”, sagte der Moderator.

so ist es in der Zeit zu lesen. Hat er Recht? Er beharrt auf seiner Meinung. Er hat Recht. Bedingt. Aber eben nicht nur.  Und nicht so. In Diskussionen mit mir dazu per Twitter verlinkt er allzu gerne auf einen Buchabschnitt seines Buches. Und auch wenn er darauf besteht, sich mit niemanden gemein zu machen:

so ist seine Sprache doch verräterisch. Ich nehme an, dass er natürlich im Netz recherchiert hat. Und so kommen Wörter wie “Opferabo”, “Opferindustrie”, “Image der Frau als Opfer” zustande. Wörter, die den Blick verstellen, auf das, was da letztendlich passiert ist. Wörter, die ich zu gut aus der Maskuszene kenne, die ich seit vielen Jahren beobachte. Natürlich ist seine leidvolle Erfahrung ein gefundenes Fressen für die rechte Maskuszene, zu deren Held er wird und der als Beleg für den Mythos der massenweisen Falschbeschuldigungen herhalten muss. (kein Link!)

Kachelmann ist das Opfer einer Frau, deren Eifersucht explodiert ist, die offenbar versucht hat, ihn mit der Falschbeschuldigung einer Vergewaltigung öffentlich zu schlachten. Es ist ihr gelungen, ihm seinen Status als den netten Wetterman zu nehmen, der uns Wetternachrichten auf unvergleichliche Art und weise neu nahegebracht hat (Blumenkohlwolken!) in beinahe in den Ruin zu treiben. Sie hat es geschafft, ihn hinter Gitter zu bringen und er wurde dort über die Maßen hinaus festgehalten. Der Staatsanwalt hat offenbar genüsslich öfter Informationen an die Presse gegeben, als für einen neutralen Verlauf des Prozesses gut war. Und mit Alice Schwarzer fand sich eine bereitwillige Jägerin, die bis heute an seiner Glaubwürdigkeit Zweifel streut, den Freispruch nicht anerkennen will.

Aber was resultiert daraus? Eine feministische Verschwörung? Oder nur fehlerhaftes Verhalten bei einigen Personen?

Fakt ist: am Ende hat das Recht gewonnen. Aber Gerechtigkeit ist nicht wieder hergestellt worden. Das ist auch unmöglich. Die Prominenz, die ihm zuvor soviele Annehmlichkeiten gebracht hat, hat sich gedreht, wurde zu seinem Unglück. Die Boulevardpresse fiel wie im ähnlich prominenten Fall Andreas Türck über ihn her – und lies ihm keine Ruhe mehr. Aber letztendlich konnte in einem Indizienprozess die Falschbeschuldigung erkannt werden, Kachelmann wurde frei gesprochen. Was nichts daran ändert, dass er weiterhin nicht mehr bei der ARD die Wettervorhersage macht und es viele Leute gibt, die ihn nicht für den netten Mann von nebenan hielten, sondern nun auch einiges über ihn wissen, dass sie lieber nicht gewusst hätten. Klar, “wer ohne Schuld is, der werfe den ersten Stein” – und trotzdem trägt  die Gesellschaft hier eine Doppelmoral als Monstranz vor sich her, die ihresgleichen sucht.

Die Öffentlichkeit hat geurteilt. Er beschäftigt sich seit dem mit der Problematik “Falschbeschuldigungen”. Ja, das gibt es. Es gibt eine Studie, auf die sich rechte Männerrechtler wie Arne Hoffmann  in dieser Frage immer wieder gerne berufen – allerdings zitieren sie gerne “punktuell” – freundlich ausgedrückt – einen Polizeibeamten, der von deutlich mehr als der Hälfte der Fälle berichtet. Doch diese gibt tatsächlich für das Jahr 2000 für Bayern einen Anteil von 7,4 Prozent falschen Verdächtigungen an allen Anzeigen wegen Vergewaltigung an. Aber:

Diese näherungsweise Berechnung auf Grundlage der Sachbearbeiterbefragung liegt erstaunlich nahe bei dem von den Sachbearbeitern durchschnittlich geschätzten prozentualen Anteil der Vortäuschungen und falschen Verdächtigungen an allen Anzeigen gem. § 177 StGB – Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung mit 33,4%. In ihren Schätzungen geben diese also – auf Basis ihrer  beruflichen Erfahrungen – relativ genau den prozentualen Anteil der Anzeigen an, bei denen auch  nach Abschluss der Ermittlungen nicht alle Zweifel an den Angaben des Opfers ausge räumt werden konnten. Berücksichtigt man für eine – wiederum näherungsweise – Berechnung nur die tatsächlich als Vortäuschung oder falsche Verdächtigung angezeigten Fälle, und die gem. § 170 II StPO eingestellten Verfahren, die von den Sachbearbeitern als „mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Vor täuschung oder falsche Verdächtigung“ bewertet wurden, dann ist aus Sicht der ermittelnden  Beamten immer noch etwa jeder fünfte Fall sehr zweifelhaft.

Es sind also mehr, ein Drittel der Fälle sind zweifelhaft. Das heißt noch nicht, dass sie nicht wahr wären, aber es gibt Indizien. Dazu gehören auch  Dinge wie

„Opfer erstattete erst rund zwei Monate später im Rahmen der  Scheidungsauseinandersetzung Anzeige.“

oder

„Opfer stand zum Zeitpunkt der Anzeigeerstattung deutlich sichtbar unter  Medikamenten- bzw. Drogeneinfluss, schlief ständig ein und konnte anfangs keine detaillierten Angaben machen.“
Da ich jetzt weder Statstiker bin noch Kriminalbeamter, will ich es mal dabei belassen. Laienhaft: krass! Was mich umtreibt: besteht politischer Handlungsbedarf? Ja und Nein. Mit dem Wissen meiner eigenen strittigen Scheidung im Kopf weiß ich, das Menschen bereit sind, sich Dinge anzutun und sich an den Kopf zu werden, dass man an ihrem Verstand zweifeln muss. Jahre des Erlebens von Geschichten von Männern und Frauen in Scheidungsverfahren haben mir gezeigt, dass man Rachegelüste nicht am Geschlecht festmachen kann. Und so gibt es in einem solchen Prozess, an dem Menschen beteiligt sind, die sehr in der Öffentlichkeit stehen, ja, diese auch suchen/gesucht haben, ein paar Dinge, die die Justiz beachten sollte. Stillschweigen und Ausschluss der Öffentlichkeit vom ersten Tag an sollte selbstverständlich sein. Schutz der Angeklagten und der Ankläger ebenfalls. Ein Staatswanwalt, der so agiert wie im Prozess Kachelmann müsste sofort entlassen werden – ein völliges Unding. Die Polizei muss weiter sensibiliet werden -steht aber im Anzeigefall vor einem Dilemma.
Das Opfer muss einer rechtsmedizinisch haltbaren Untersuchung zugeführt werden. Erkennt sie den Opferstatus zunächst nicht an und der Vergewaltigungsvorwurf ist wahr, bekommt sie ein Problem. Geht sie rüde mit dem/r vermeintlichen Täter_in um, hat sie ebenfalls ein Problem. Es muss für solche Vorfälle geschulte Polizist_innen geben, die in der Lage sind, die Unschuldsvermutung professionell umzusetzen, ohne den Opferschutz zu vernachlässigen. Eine echte Krisenintervention. Schwierig. Eigentlich kann man nur alles falch machen. Was wir als Politik aber tun können, ist dafür zu sorgen, dass es diese speziell ausgebildeten Polizist_innen gibt. Dass die Umsetzung erfolgt. Supervision stattfindet. 7,4 % sind kein Pappenstiel.
Und Kachelmann? Der könnte seine Prominenz einsetzen, um zu einem differenzierten Bild beitragen. Rita Eva Neesser hat seinen Prozess verfolgt, hat ihn verteidigt. Das tue ich übrigens auch, bis heute. Auch nicht immer einfach gewesen – so wie es grundsätzlich schwer ist, die Unschuldsvermutung argumentativ durchzuhalten und Vorverurteilungen abzuwehren. Heute sammelt sie, wie die besten Männerrechtler Beispiele für Faschbeschuldigungen durch Frauen. Und er verlinkt darauf. Er (und sie) stellen unser Rechtssystem in Frage. Ja, man muss immer wieder Fragen stellen. Es gibt spektakuläre Fehlurteile von Harry Wörz bis Jörg Kachelmann. Wo Menschen agieren, passieren Fehler. Schlimme Fehler. Furchtbare Fehler. (und oft genug gestehen sie ihn hinterher nicht ein)  Hier maximale Sicherheit zu schaffen, muss ein Grundanliegen von Politik sein.
In der Form aber, ind er augeblicklich agiert, stellt Kachelmann das System insgesamt in Frage. Hätte er Recht, lebten wir in einem Unrechtsstaat. Das tun wir aber nicht. Er könnte hergehen und seine Prominenz und seine unbestreitbar richtige Wut über seinen Fall dazu benutzen, das System Berichtersattung in Frage zu stellen. Statt dessen kommt er auf die feministische Verschwörung, das Opferabo. Er bedroht mit seiner Kampagne alle Frauen, die Opfer von sexueller Nötigung, Vergewaltigungen geworden sind. Das ist fatal. Vorallem, weil er es nicht sieht. Auf seinem Kreuzzug. Es gibt andere Wege, den Opfern zu helfen. Anlaufstellen. Hotlines. Aufklärung. Ohne Wut. Ohne Hass. Ihnen muss geholfen werden. Auch das ist eine politische Aufgabe. Im übrigen: nur mit Fingerspitzengefühl voran zu bringen. Nicht mit Schaum vor dem Mund. Kachelmann: packen wir’s an.
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Sorgerecht

der vorletzte Schritt ist getan. Schon bald können uneheliche Väter beim Familiengericht einen Antrag auf gemeinsame Elterliche Sorge stellen und bekommen es auch, sofern dem Kindeswohl nichts weiter entgegen steht. Ein richtiger, ein wichtiger Schritt – und doch noch nicht genug.

Die grüne Bundestagsfraktion und sie vor allem auch durch die Arbeit der in diesen Fragen sehr gut aufgestellten Katja Dörner haben darüber hinaus in einem Entschließungsantrag die vorhandenen Lücken im jetzigen Gesetzentwurf der Regierung offen gelegt.

Der Antrag sollte beim Jugendamt gestellt werden. Das Jugendamt kann die Mutter informieren udn gleichzeitig eine vernünftige Beratung anbieten. Gleichzeitig müssten Jugendämteraber endlich kontrolliert werden, ob sie ihre Rolle neutral wahrnehmen. Eine Beratung für antragstellende Väter gehört da natürlich dazu. Ohne die Schaffung einer solchen Infrastruktur ist das dann zwar niederschwelliger, allerdings ist die Neutralität nicht gewährleistet.

Die Widerspruchsfrist von 6 Wochen für die Mutter sollte länger und flexibler gehandhabt werden.  Eine Hemmung während der Mutteschutzfrist (8 Wochen nach der Geburt) gehört dazu. 14 Tage mehr können hilfreich sein.

Konflikte sollen verstärkt durch Beratungs- und Mediationsangebote gelöst werden. Eine Mediationspflicht von mindestens 5 Stunden scheint mir allerdings angemessen zu sein. Konflikte lassen sich unter professioneller, guter Anleitung oft entschärfen.
In der taz erschienen dazu drei Artikel, eine Beschreibung, ein Pro- und ein Kontraartikel. Der Kontraartikel von Isabel Lott hat mich dazu motiviert, dazu zu bloggen. Sie zeichnet das Bild des ignoranten Vaters und hat natürlich passende Beispiele für die Männer, die sich ja grundsätzlich seltenst um ihren Nachwuchs kümmern wollen:

über unzuverlässige Väter, die Termine mit den Kindern absagten, weil sie lieber ins Kino gingen, oder den Unterhalt nicht bezahlten, weil ihre zwei Motorräder so teuer waren

Seit 1999 treibe ich mich im Internet in sogenannten “Scheidungsforen” herum. Grund waren eine äußerst strittige Sorgerechtsstreiterei zu Beginn, dazu Hilfe suchen und Unterhaltsstreitereien mit der Mutter meiner Kinder. Fachliche und emotionales Unterstützung – die ich von Frauen wie Männern erfahren habe. Ich kenne diese Materie durch und durch, ich kenne Geschichten von treulosen und ignoranten Vätern – und solche von umgangsverweigernden Müttern. Aber es gibt auch jeweils die Gegenseite dazu und oft genug ist das, was erzählt wird, nur die halbe Wahrheit.
So wie es beschrieben ist, sind das auch heutzutage schon  Gründe für eine Aufhebung der gemeinsame Sorge. Schwerer wiegt in den Augen von Frau Lott offenbar die Sorge, dass sich
One-Night-Stands und Kurzaffären, also fremde Männer
in dsa Leben einer Frau einmischen können. Liebe Frau Lott, bei gemeinsamer elterlicher Sorge geht es um “das Leben einer Frau” nur sekundär – es geht vor allem darum, einem Kind zu ermöglichen, dass die leiblichen Eltern auch die sorgenden Eltern sein können. Ein One-Night-Stand, sodenn er denn irgendwie bekannt oder auffindbar sein sollte, muss “auch” Unterhalt für das Kind bezahlen. Das tut er in aller Regel auch gerne – sofern er das kann (da. 1/3 aller Unterhaltsschuldner können nicht mehr oder überhaupt bezahlen, das belegen alle Zahlen über die Versuche, die Gelder einzutreiben). Er soll aber auch Verantwortung übernehmen, für sein Kind da sein, es versorgen können, es kennen können. Das tut er gemeinhin viel lieber, wenn er auch das Gefühl hat, dass seine Meinung in Erziehungsfragen auch etwas zählt. Wenn ihn das alles nicht interessiert – dann wird er auch keine gemeinsam Sorge beantragen. Das gilt ebenso für “Kurzaffairen”. Die Frage ist aber: wieso sollen Väter, die offenbar ein Interesse daran haben, sich um ihre Kinder zu kümmern, davon ausgeschlossen werden, auch etwas entscheiden zu können? Frau Lott reklamiert ja abwesende Väter. Jetzt gibt es welche, die so sind, wie sie das will – also interessiert an ihren Kindern – und die sollen aber bitte keine gemeinsame Sorge haben dürfen? Das ist widersinnig.
Nicht mal ein Konto für das Kind kann eine Mutter ohne den Vater eröffnen. Er kann verhindern, dass die Mutter mit dem Kind aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt zieht.
schimpft sie am Ende ihres Kontra-Artikels. Gut so, finde ich. Es geht beim Konto ja nicht nur um die Kontoeröffnung – sondern auch um die Verfügbarkeit über die dort hinterlegten Beträge. Die kann sie nur noch gemeinsam mit dem sorgeberechtigten Vater abheben. Und der Umzug: wenn eine gute Bezeihung zwischen Vater und Kind besteht und dieses bei der Mutter wohnt, ist es im Interesse des Kindes, dass der Kontakt zum Vater erhalten werden kann. Ein Umzug kann dafür sorgen, dass dieser Kontakt völlig abbricht. Das entpräche nicht dem Kindeswohl.
Frau Lott argumentiert einzig und allein für eine fiktive Alleinerziehende, die das Leben ihres Kindes alleine bestimmen will. Sich nicht darum scheren will, was ein möglicher sorgender Vater zu ihren Entscheidungen zu sagen hat. Sie argumentiert alleine aus der Sicht einer Frau, die schlechte Erfahrungen gemacht hat. Sie argumentiert keine Sekunde im Interesse des Kindes. Aber bei der elterlichen Sorge geht es alleine darum. Um das, was dem Kind gut tut. Das ist schon in bestehenden Beziehungen mit Kindern schwer genug. Aber auch da ist man nicht immer einer Meinung. Aber selten hat jemand per se einfach so recht. Und auch Mütter können sich irren. Und falsche Entscheidungen treffen.
Eltern sollten Eltern bleiben können. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie man miteinander streiten kann, obwohl man es besser weiß. Das liegt aber nicht am der gemeinsamen Sorge, sondern an der fehlenden Einsicht bei den streitenden Eltern. Manches in meiner eigenen Geschichte wäre mit ein bißchen gutem Willen auf der jeweils anderen Seite (als auch auf meiner) vermeidbar gewesen und friedlicher zu lösen. Hinterher ist man immer schlauer. Aber mit dieser Erfahrung plädiere ich für gemeinsame Sorge von Geburt an, automatisch mit einer zur obigen Regelung adäquaten Einspruchsfrist- und möglichkeit der Mutter – sowie einer Mediations oder niedrigschwelliger Beratungspflicht in jedem Streitfall. Um einen Ausgleich der Elterninteressen und den immer im Vordergrund stehenden Kindesinteressen. Das Leben mit Kindern ist gezeichnet von Kompromissen. Eltern haben oft unterschiedliche Vorstellungen. In einer funktionierenden Beziehung sind sie daran gewöhnt, diese Kompromisse selbst zu finden. Sie haben eine gemeinsame Wertebasis, sonst würde die Beziehung nicht funktionieren. Das schließt zwar Streitigkeiten nicht aus, macht sie aber unwahrscheinlicher als wenn zwei Menschen jeweils alleine oder gar in anderen Beziehungen leben. Kinder aber wollen beide Elternteile. In aller Regel. Dem wird die gemeinsame Sorge gerecht. Gemeinsame Sorge fördert das. Alleinige wirkt dem entgegen.

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bin ich auch so einer?

Das wird ein schwieriger Text. Als Mann bin ich vordergründig immer des Sexismusses verdächtig – schlimm genug! Und insofern mag es mir passieren, dass ich Formulierungen wähle, die andere (Frauen?) als nicht angemessen betrachten. Ich gebe mir zwar Mühe, das zu vermeiden, aber wer weiß?!

Schon der Anfang dieses Artikels zeigt mir, wie schwer das alles ist. Wenn man nicht “so einer” sein möchte. Ich gebe zu – ich bin nicht gefeit vor der Attraktivität anderer Frauen als meiner eigenen, ich nehme Dekolletés ebenso wahr wie kurze Röcke und befürchte: würde ich von Alkohol nicht müde, würde ich meine Außenwirkung nach dem 5. Bier womöglich ebenfalls mächtig überschätzen. Und vielleicht ist es mein Glück, das ich nie der Aufreißer-Typ war, ich hab immer auf eindeutige Signale gewartet, sodass ich sicher war, ich würde mich weder aufdrängen noch könnte der Korb zu groß werden.

Seit vielen Jahren mache ich Politik auch im Themengebiet Gender. Ich hab am Maskulismusbuch von Andreas Kemper mitgeschrieben, kenne also ziemlich viel unangenehme sexitische Kackscheiße, verbunden mit rechtsgerichteten, rückwärtsgewandten Ansichten sogenannter Männerrechtler.

Was mich an dieser Debatte, die auf Twitter aber jetzt unter dem hashtag #aufschrei sich seine Bahn bricht, erschrickt, ist zum einen eine gewisse Undifferenziertheit. Mich macht es als Mann unsicher, wenn ich das Gefühl bekomme, ein nicht vermeidbarer Blick auf einen Busen macht mich schon zum Sexisten. Dabei ist mir das selbst unangenehm. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist das, was da an täglichem Angebagger, Angegrapsche bis hin zu sexueller Gewalt beschrieben wird. Von Frauen und Männern. Home- und heterosexuell. Es ist schlicht unerträglich. Weil scheinbar so normal.

Und das ist es wohl. Gesellschaftlich anerkannt, geduldet, gewollt. Ich brech’s jetzt mal auf  “Frau ist Mann zu Willen” herunter.

Das Privatfernsehen trägt viel dazu bei. Sendungen wie “Der Bachelor”, “Bauer sucht Frau” sind Beispiele dafür – bei letzterem vor allem die begleitende Berichterstattung gerade von Blättern wie dem Stern und Spiegel bis hin zur Tagespresse. Im ZDF sind es Stars wie Thomas Gottschalk, der durch solche Aussagen glänzt: (übrigens ganz unbeachtet im Stern veröffentlicht):

“Wenn es in Deutschland ein paar hunderttausend Männer gibt, die künftig schon deshalb ‘Wetten, dass…?’ anschalten, weil sie in Michelles Dekolleté sehen wollen, soll’s mir recht sein”, sagte Gottschalk dem “Spiegel”.

Kein Aufreger, weil normal. Mario Barth’s beinahe komplettes Programm basiert auf Sexismus – und er füllt damit Fußballstadien und darf damit auch noch den Werbe-Anchorman machen – was offenbar funktioniert. Nicht wenige Filme zeigen Szenen, in denen Männer der Widerspenstigen dann doch endlich am Ende den Kuss aufdrängen – und sie sich nach anfänglichem Wehren dem hingibt – “nein” bedeutet ja doch “ja”. In diesen  Tagen beginnt die sogenannte 5. Jahreszeit – Fasching. Ich bin im Fastnachtsverein groß geworden, habe dort in meiner Jugend Musik gemacht. Es wird wieder tausende Prunksitzungen geben, in denen Männer und Frauen über sexitische Witze zu Lasten beider Geschlechter lachen. Und nicht nur harmlose. Wir alle kennen das, die meisten von uns ertragen es oder gehen dem aus dem Weg – Protest dagegen hört man selten.

Alles nicht so schlimm? Doch – denn die Normalität, mit der sexuelle Belästigung, Beleidigung, Sexismus herunter gespielt wird, die Art und Weise, wie Männer Rainer Brüderle ihre Solidarität zusichern – ganz vorne die unerträgliche BILD – die Sprüche von “ach hab dich nicht so” bis hin zu “die will  doch, die tut nur so”, all das ist schlimm.

Ich weiß, das ich kein Sexist bin. Und ich weiß, dass so, wie ich mich verhalte, ich mich nicht für Männer, die sich absolut Scheiße verhalten, rechtfertigen muss.  Aber trotzdem bleibt bei mir ein Gefühl des Unwohlseins. Bin ich irgendwo respektlos? Überschreite ich Grenzen? Wie deutet sie meinen Blick? Hat sie bemerkt, dass ich auf ihren Busen geschaut hat (hat sie vermutlich)?

Für mich als Mann stellt sich am Ende die Frage: wie kann ich angesichts der Übermacht dieser ganzen sexistischen Arschlöcher noch völlig unbefangen eine Frau nett und attraktiv zu finden und mit ihr flirten (was ich gerne tue!) – ohne am Ende Angst haben zu müssen, dass mir mein Interesse (vielleicht noch nicht einmal von der Frau selbst, sondern auch noch von jemandem Dritten) falsch ausgelegt wird? Dafür gibt es eine Lösung – und weil es so ist, finde ich dieses ganzen Kackmist, den Leute wie Mario Barth und Rainer Brüderle mit ihrem bescheuerten, ekelhaften Verhalten anrichten, zum Kotzen. Nicht weil ich auch so bin. Sondern weil ich nicht mehr unbefangen bin. Und das wäre ich gern. Wieder.

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