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	<title>Blog GRÜN-(p)puR &#187; Kirche</title>
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	<description>ein grünes Blog für Karlsruhe, drumherum und die große weite Welt</description>
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		<title>Spenden &#8211; gut gemeint, aber&#8230;?</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Oct 2010 18:12:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Rupp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Donnerstag, 07.10.2010 stieß ich frühmorgens über einen Artikel in der ka-news, nachdem die evangelische freie Kirche Agape zum Erntedankfest mehr als 1300 Gläser Nutella gespendet hatten und daraus einen Altar gebaut haben. Und da sie so nette Christen sind, haben sie diese 1300 Gläser dann auch gleich anschließend an die Karlsruher Tafel weitergespendet. ...]]></description>
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										</div><p>Am Donnerstag, 07.10.2010 stieß ich frühmorgens über einen Artikel in der <a href="http://www.ka-news.de/region/karlsruhe/Wie-im-Himmel-Nutella-Altar-zu-Erntedank;art6066,485179" target="_blank">ka-news</a>, nachdem die evangelische freie Kirche <a href="http://www.agape-ka.de/" target="_blank">Agape</a> zum Erntedankfest mehr als 1300 Gläser Nutella gespendet hatten und daraus einen Altar gebaut haben. Und da sie so nette Christen sind, haben sie diese 1300 Gläser dann auch gleich anschließend an die Karlsruher Tafel weitergespendet. Man mag sich jetzt darüber streiten, was Nutella überhaupt mit unserem Erntedankfest zu tun hat. Die Schokoladenernte fällt hier ja eher mager aus. Aber worüber man sich trefflich mokieren kann, ist der Umstand, dass man ausgerechnet den Tafeln etwas schenkt, in einer derart großen Zahl, das durch Ausbeutung, noch dazu von Kindern, erzeugt wurde. Nun, es gibt vermutlich da wenig Problembewusstsein bei Schokolade und bei Nutella ja erst recht, wo doch unsere Fußballnationalspieler dafür Werbung machen und wer mag es den Kindern aus der Unterschicht missgönnen und überhaupt &#8211; immer was zu nörgeln. Ja, hab ich und hab deshalb einen Brief geschrieben:</p>
<p><img class="alignleft" src="http://www.ka-news.de/storage/scl/nachrichten/karlsruhe/581904_m1t1w238q75v41856_Pastor_Graziano_Gangi_Nutella_Altar.jpg" alt="" width="167" height="124" /></p>
<blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren von der freien Kirche,<br />
Sehr geehrte Frau Höhn von der Karlsruher Tafel,</p>
<p>mit Interesse konnte ich heute morgen der ka-news entnehmen, dass Sie  der Karlsruher Tafel Nutella gespendet haben. Über 1300 Gläser sind  zusammen gekommen, Sie haben da sogar einen Altar draus gebastelt &#8211;  Erntedank, konnte man dem Artikel entnehmen.</p>
<p>Nun, ich bin über soviel fehlendes Problembewusstsein erstaunt. Ich  finde die Spende an die Tafel pervers. Nutella &#8211; bzw. die Schokolade  dafür &#8211; wird, wie man weiß, weder biologisch noch fair angebaut und  geerntet. Die Schokoladenprodukte dieser Marken werden konventionell  produziert (kein Gütesiegel), d. h. es kann nicht ausgeschlossen werden,  dass der Kakao von Kindern in ausbeuterischer Kinderarbeit angebaut und  geerntet wurde. Es ist in meinen Augen der Gipfel der Ignoranz, aus  diesem Produkt einen Altar zu bauen und es dann den Ärmsten zum Verzehr  zu offenbaren &#8211; die Ausgebeuteten die Ausbeutung damit noch unterstützen  lassen. Dass die Tafel diese Spende annimmt, macht mich dabei noch  fassungsloser.</p>
<p><a href="http://direkteaktion.over-blog.de/ext/http://unsdiewelt.com/2008/12/greenpeace-osterreich-wie-okologisch-und-fair-sind-schokomarken/" target="_blank">http://direkteaktion.over-blog.de/ext/http://unsdiewelt.com/2008/12/greenpeace-osterreich-wie-okologisch-und-fair-sind-schokomarken/</a></p>
<p>An einer Stellungnahme bin ich sehr interessiert &#8211; von Ihnen, vor allem aber auch von der Tafel.</p>
<p>Mit erzürnten, aber freundlichen Grüßen</p>
<p>Jörg Rupp</p></blockquote>
<p>Darauf ist erwartungsgemäß bis heute keine Antwort gekommen. Und grundsätzlich stellt sich da auch die Frage: wie sehr sind die Tafeln schon Teil des Systems, dass sie sowas gar nicht merken? Und bitte, wer kommt auf die Idee, 1300 Gläser Nutella zu kaufen und Ferrero anzubeten? Zu Erntedank?</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://joergrupp.de/?flattrss_redirect&amp;id=1021&amp;md5=95782cd924c5a8f40b3b55a5547da506" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://joergrupp.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gutmenschentum und die Wahrheit</title>
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		<comments>http://joergrupp.de/gutmenschentum-und-die-wahrheit/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 05 Sep 2010 17:50:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Rupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich bin das, was man derzeit in den Kommentaren der Zeitungen und Magazine einen Gutmensch nennt. Ich glaube an das Gute im Menschen, möchte die Welt verbessern und glaube im Grund genommen an einen Rechtsstaat bzw. die rechtliche Durchsetzbarkeit gewisser Regeln. Ich wünsche mir den Weltfrieden. Meine Grundhaltung gegenüber anderen Menschen ist positiv.

Naiv bin ...]]></description>
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										</div><p>Ich bin das, was man derzeit in den Kommentaren der Zeitungen und Magazine einen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gutmensch" target="_blank">Gutmensch</a> nennt. Ich glaube an das Gute im Menschen, möchte die Welt verbessern und glaube im Grund genommen an einen Rechtsstaat bzw. die rechtliche Durchsetzbarkeit gewisser Regeln. Ich wünsche mir den Weltfrieden. Meine Grundhaltung gegenüber anderen Menschen ist positiv.</p>
<p>Naiv bin ich jedoch nicht &#8211; insofern ist &#8220;Gutmensch&#8221; als Kampfbegriff mir gegenüber auch nicht unbedingt korrekt. Ich weiß, dass auch in Deutschland des Recht gebeugt wird, Gerechtigkeit ein unerreichtes Ideal ist. Ich habe in einem bis heute bei meinen GRÜNEN nicht abgeschlossenen, schmerzhaften Diskussionsprozess lernen und einsehen müssen, dass es Menschen auf der Welt gibt, denen man nur mit der Waffe in der Hand entgegen treten kann. Obwohl ich beruflich Menschen aus der Arbeitslosigkeit in reguläre Arbeitsverhältnisse vermittle, so begenet mir doch ab und zu eineR , der/die alles tut, damit es zu keinem Arbeitsverhältnis kommt. Und ich bin mir natürlich bewusst, dass jemand, der aus einem anderen Land zu uns kommt, genausowenig nett und ehrlich ist (oder gar arbeitswilig) wie eineR meiner NachbarInnen. Um es mal so zu sagen: Arschlöcher gibt es überall.</p>
<p>Aber andererseits ist mein ideales Gesellschaftsbild eine multikulturelle Gesellschaft &#8211; für die ja ebenso abwertend der Begriff &#8220;Multikulti&#8221; gefunden wurde &#8211; in der jede/r nach seinen/ihren Möglichkeiten all das werden kann, dass er oder sie möchte oder ihr oder ihm möglich ist. Ob derjenige Moslem, Atheist, Christ, Buddhist, Zeuge Jehovas ist oder an das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fliegendes_Spaghettimonster" target="_blank">fliegende Spaghettimonster</a> glaubt, ist dabei völlig egal, genauso, wie es wurschd ist, welche Hautfarbe er oder sie hat, aus welchem Bundesland er oder sie stammt, welche Behinderung, welches Alter, selche sexuelle Orientierung und was man sich sonst noch so an individuellen Merkmalen denken kann.</p>
<p>Daher ist das, was ich in der Debatte um die kruden Theorien des Thilo Sarrazin wahrnehme, zwar nicht wirklich überraschend, aber doch ziemlich erschreckend. Mich erinnert &#8211; und das ist ja offensichtlich kein Zufall &#8211; die Debatte um Migration in ihrer Abwertung der betroffenen Personen leider an die Art und Weise, wie Sarrazin, Westerwelle, Merkel und viele andre, über diejenigen herziehen, die Sozialleistungen beziehen. (Merkel z. B. heute in Sachen Pflege). Oder grundsätzlich, wie mit Andersdenkenden und deren Meinung umgegangen wird.</p>
<p>Das Vorgehen erscheint mir dabei immer ähnlich: diskriminierende Thesen werden aufgestellt (Migranten, Sozialhilfe/Hartz IV-Empfänger), dabei wird verallgemeinert und pauschalisiert. Ist der Thesen aufstellende prominent genug, dann bekommt er recht einfach eine mediale Bühne. Denn in den Redaktionen des Spiegels, des Sterns, der FAZ, bei Anne Will und Frank Plasberg ist natürlich klar, was Quote schafft: Sarrazin, Missfelder, Hohmann, Möllemann&#8230;.</p>
<p>Macht man dann deutlich, dass es eben nicht in Ordnung, ganze Bevölkerungsgruppen zu diskriminieren, dass Thesen falsch sind, das Herrenmenschentum nicht in Ordnung ist, dann füllen sich die Kommentarspalten mit den Broders und Matuschecks, die Leserforen mit Weiblein und Männlein, die davon reden, dass man doch wohl die Wahrheit sagen dürfe und dass diese Kritik, Empörung über die Diskriminierung die Meinungsfreiheit beschränke und überhaupt. Das geht einmal quer durch die Gesellschaft. Am Ende darf natürlich nicht die BILD fehlen, die noch immer meint, sie wäre &#8220;Volkes Stimme&#8221;.</p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 372px"><a href="http://www.joergrupp.de/wp-content/uploads/2010/09/58739_1481367407188_1623922260_1110235_3996935_n.jpg"><img class="size-full wp-image-935" title="58739_1481367407188_1623922260_1110235_3996935_n" src="http://www.joergrupp.de/wp-content/uploads/2010/09/58739_1481367407188_1623922260_1110235_3996935_n.jpg" alt="58739_1481367407188_1623922260_1110235_3996935_n" width="362" height="504" /></a><br />
<p class="wp-caption-text">BILD-Titelseite vom 04.09.2010</p></div>
<p>Denn nicht die Differenzierung der Thesen steht dann im Vordergrund, sondern es soll und muss der Eindruck erweckt werden, es würde eine Meinung unterdrückt. Dass das Gegenteil der Fall ist, offensichtlich an Sarrazin, der ja sein Buch veröffentlichen darf, der Zugang zu Diskussionssendungen hat, dessen Buch vorab veröffentlicht wurde, dass wird ins Gegenteil verkehrt. Und viele Menschen springen drauf an. Und schaut man sich die Thesen an, die die BiLD da veröffentlicht, dann fragt man sich, auf dem Boden welchen Grundgesetzes deren Redakteure sich befinden. Man darf all die Dinge sagen, sie sind allgegenwärtig in den Kommentaren, in der Politik, an den Stammtischen, auf der Straße. Das ändert nichts daran, dass man genau diese Thesen kritisieren muss, weil sie zu undifferenziert sind, pauschal verächtlich machen. Es grenzt für mich an Volksverhetzung, den Eindruck zu erwecken, man dürfe z. B. nicht sagen, dass man sich nicht dafür entschuldigen müssen möchte, dass man einE DeutscheR ist. Es ist falsch, dass man keine Arbeit bekommt, wenn man keinen Beruf gelernt hat und es ist grundfalsch, dass sich &#8220;die Ausländer&#8221; nur an uns anpassen müssen. Wer auch immer &#8220;wir&#8221; sind.</p>
<p>Aber so erzeugt man Stimmungen im Land. Denn es ist ja tatsächlich nicht so, dass eine Debatte über die Integration nicht geführt würde!</p>
<p>Toleranz ist schwer. Und Toleranz muss weh tun, sonst ist es keine.Es ist einfach, sich an die zu gewöhnen, die so sind wie man selbst. Und es ist schwer, einzusehen, dass man selbst etwas tun muss, damit Menschen sich hier integrieren. Darüber hinaus kann es nicht sein, dass Wohnviertel so aus der Kontrolle des Staates gleiten, dass sich die Polizei nicht mehr durchsetzen kann. Das geht nicht. Es gibt hier Regeln und Gesetze, an die muss man sich halten. Es gibt keine Todesstrafe und es gibt Religionsfreiheit. Ehrenmorde sind nicht zu akzeptieren. Aber genauso hat der Staat eine Fürsorgepflicht. Dass in Strafgefängnissen manchmal keine Therapien angeboten werden, kann nicht sein. Dass Deutschkurse weniger gefödert werden und man nicht versucht, die Leute, die hierher kommen, dort abzuholen, wo sie sind, wenn sie nicht selbst kommen, geht auch nicht. Aber zur Religionsfreiheit gehört eben auch ein Ort, an dem man seine Religion ausüben kann. Was ist so schwer daran, zu erkennen, dass, näme man sich das Verbot der Ausübung der christlichen Religion in manchen arabischen Ländern als Maßstab, es keine Religionsfreiheit gäbe? Und was ist falsch daran, wenn sich Christen nicht mit radikalen Evangelikalen oder bombenwerfenden irischen Radikalen in einen Topf werfen lassen möchten?</p>
<p>Am Ende bleibt, dass wir alle Individualisten sind. Um positiv zu gestalten, müssen wir daran glauben, dass unser positiver Beitrag etwas positives bewegt. Können wir das nicht, dann ziehen wir uns zurück, tragen nichts mehr bei. Verlieren die Perspektive. Und daraus resultieren dann die Probleme &#8211; nicht nur &#8211; in der Integration, die wir heute haben. Es gibt welche, keine Frage. Doch lösen können wir sie nur, wenn wir einen positiven Weg finden, in dem alle zu ihrem Recht kommen oder Kompromisse mittragen, die sie nicht das Gesicht verlieren lassen. Das dauert länger, als &#8220;Kopftuch runter, Türken Raus&#8221; &#8211; um einen ungeliebten Parteifreund zu zitieren (ja, es gibt sowas auch bei uns GRÜNEN). Aber es wird dazu führen, dass es mehr Özils, Podolskis, Schimanskis, Sarrazins und wie sie alle heißen geben wird, die selbstverständlich hier gerne Deutsche sind oder Europäer werden und die dann vielleicht auch mal solch krude Thesen über die, die es noch nicht sind, sagen dürfen &#8211; ganz im Sinne der Meinungsfreiheit.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://joergrupp.de/?flattrss_redirect&amp;id=923&amp;md5=084ab487a31f4885abf30fca4e0da84b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://joergrupp.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kindesmissbrauch in der Kirche</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 07:20:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörg Rupp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
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		<description><![CDATA[In aller Munde ist die derzeit laufende Debatte über Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Dass die Kirche hier ein ernsthaftes Problem hat, dürfte zwischenzeitlich allen klar sein - bis auf jene, die die Existenz derartiger  Vorfälle per se leugnen.

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										</div><p>In aller Munde ist die derzeit laufende Debatte über Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Dass die Kirche hier ein ernsthaftes Problem hat, dürfte zwischenzeitlich allen klar sein &#8211; bis auf jene, die die Existenz derartiger  Vorfälle per se leugnen.</p>
<p>In die Debatte schwappt auch die Forderung nach Strafverschärfung. Denn die jetzt bekannt werdenden Fälle sind alle zwischen 1950 und 1980 passiert. Kindesmissbrauch ist aber 20 Jahre, nachdem das Opfer 18 geworden ist, <a href="http://www.n-tv.de/politik/dossier/Verjaehrungsfristen-verlaengern-article731112.html" target="_blank">verjährt</a> &#8211; nach also maximal  38 Jahren. Damit ist praktisch keine Strafverfolgung mehr möglich. Ich halte es daher für richtig, die Verjährung bei sexuellem Missbrauch, nicht nur bei schwerem Missbrauch von Schutzbefohlenen und Kindern aufzuheben. Gleichzeitig gibt es keine Anzeigepflicht, die gibt es nur bei Gefahrenabwehr. Auch unterlassene Hilfeleistung ist in den Fällen wohl verjährt und so sind die TäterInnen fein raus. Oh natürlich, sie müssen mit ihrer Schuld leben &#8211; aber das tun sie ja wohl nun schon ein paar Jahre. Und offensichtlich ist hier die Schweigepflicht (und die fehlende Anzeigepflicht) des Beichtvaters kontraproduktiv &#8211; denn auch dies hat weitere Missbräuche erlaubt. Aber auch das müssen diese Beichtväter mit sich ausmachen. (Wobei es tatsächlich sachlich gute Gründe gibt, auf eine Anzeigepflicht zu <a href="http://www.broken-rainbow.de/de/rechtjustiz_20030212_fluegge.html" target="_blank">verzichten</a>.) Ich denke aber, die Güterabwägung sollte im Strafverfahren getroffen werden, sicherlich fände man eine Regelung, nach der nach einer Anzeige und Strafverfolgung auf jeden Fall die Jugendämter und Sexualtherapeuten mit einzubeziehen hat, ehe die Staatsanswaltschaft irgendeinen Dorfpolizisten zur Befragung losschickt.</p>
<p>Gleichzeitig ist der Umgang mit den Fällen durch die Kirche geradezu abenteuerlich. Offensichtlich wurde nach dem Bekanntwerden von solchen Fällen der entsprechende Missbraucher lediglich versetzt. Keine Kündigung, keine Entlassung &#8211; sondern den Tätern wurde ein neues Spielfeld zugewiesen. Dabei kam es wohl zu neuen Missbräuchen. Aber ach &#8211; auch alles schon zu lange her. Keine Strafverfolgung.</p>
<p>Dass sich Kirchenvertreter dabei gleichzeitig genötigt fühlen, ihrerseits in den Angriff zu gehen und sich zu erdreisten, sie <a href="http://www.liborius.de/aktuell/aktuell/mixa-zum-missbrauch.html" target="_blank">sexuelle Revolution der 68er</a> für die Missbräuche verantwortlich zu machen, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Denn alles was mit Sex zu tun hat, der nicht zur Fortpflanzung führt, ist konservativen Kirchenvertretern ja schon immer supekt. Gleichzeit zeigt der Vorstoß des Herrn Mixa, dass der auch von grünen Vertretern wie <a href="http://www.schwaebische.de/lokales/wir-im-sueden/wir-im-sueden-kurz_artikel,-Kretschmann-Kirche-hat-aus-Fehlern-gelernt-_arid,4056313.html" target="_blank">Winfried Kretschmann</a>vermutet Lerneffekt bei der Kirche tatsächlich nicht eingetreten ist. Das scheint mir eher Wunschdenken zu sein. Wunschdenken, das negiert, dass es in der Kirche immer wieder Fälle von schwerer Gewalt bis hin zu sexuellen Übergriffen gegenüber ihren Schutzbefohlenen gegeben hat, in Heimen, in Pfarreien. Nun so zu tun, als wäre das etwas Neues oder jetzt würde endlich etwas getan, scheint mir sehr illusorisch. Denn bislang wurde auch nichts getan &#8211; und Herr Mixa zeigt ja, wie <span style="text-decoration: line-through;">groß</span> klein das Schuldbewusstsein ist.</p>
<p>Ich vermute, dass das Zölibat eine Mitursache ist. Denn eine aktive Sexualität ist ein Grundbedürfnis. Dies zu dem Körper zu verweigern, muss letztendlich krank machen. Gleichzeitig weiß man aus anderen Fällen von Missbrauch Schutzbefohlener, dass sich Pädophile oft beruflich entsprechend orientieren, um Kindern nahe zu sein. Dass da die Kirche auch daher ein Ort der Berufung ist, ist dabei völlig klar, wurde aber bislang völlig ausgeblendet. Warum aber die Kirche ein derart gestörtes Verhältnis zur Sexualität hat, sollte sie vielleicht zunächst selbst klären. Und die Gesellschaft darüber eine Debatte führen. (Und: ich frage mich, wieso zwischenzeitlich wieder nur noch über missbrauchende Pfarrer gerdet wird und nicht auch über den sexuellen Missbrauch durch <a href="http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,678762,00.html#ref=rss" target="_blank">Frauen</a> in der Kirche)</p>
<p>Warum schreibe ich das hier? Ein weiterer Beitrag in einem Blog eines Feierabendprovinzpolitikers?</p>
<p>Weil es mich umtreibt, wie wenig aus diesen Fällen und dem Umgang damit die gesellschaftliche Rolle der Kirche in Frage gestellt wird. Angesichts dieser Fälle muss man sich doch fragen: hat das aufgehört, schlagartig, in den 80ern? Was passiert heute? In Pfarreien mit Ministranten. Im Kommunionsunterricht. In Zeltlagern. In Heimen. Wieviel Kinderpornos findet man wohl, untersuchte man (ohne Vorwarnung) Kirchencomputer? Und wieso untersucht das niemand? Nicht genügend Anfangsverdacht? Ich finde: doch. Warum blicken wir nur zurück. Und warum reden wir erneut nur über die Männer in der Kirche. Und welche Rolle spielt dabei der Papst. Und für mich die allerwichtigste: müssen wir nicht endlich dafür sorgen, dass dieser Staat kein säkulärer mehr ist, sondern wir eine strikte Trennung von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Laizismus" target="_blank">Staat und Kirche</a> durchführen? Nicht weil es einzelne Fälle von Kindesmissbrauch gegeben hat &#8211; sondern weil diese Kirche wohl offensichtlich nicht in der Lage ist, selbst begangenes Unrecht ihrer Mitarbeiter zu ahnden, sie lieber Taten verschleiert, schlimmer noch, Schutzbefohlene weiter gefährdet durch Versetzungen der TäterInnen? Wollen wir für eine solche Organisation, die neben diesem Problem ja auch eins hat mit ihrer Rolle im dritten Reich, mit ihrer Rolle in Fragen des <a href="http://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=421&amp;langId=de" target="_blank">Gender Mainstreaming</a>, und vieler anderer Vorfälle, wollen wir einer solchen Organsation weiterhin die Macht einräumen, die sie einfordert?</p>
<p>Ich meine Nein. Es wird Zeit dass wir aussteigen. Jede/r soll an das glauben, wonach ihr oder ihm ist. Sei es Gott, Abraham, Jahwe, Allah, Buddha oder das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spa%C3%9Freligion" target="_blank">fliegende Spaghettimonster </a>- oder natürlich an keine &#8220;übergeordnete Entität&#8221;. Alleine oder in Gemeinschaften. Aber bitte ohne staatliche Unterstützung. Ohne Einzug der Zwangsbeiträge durch die Finanzämter. Ohne Zugriff auf neue Opfer als Träger von Kindergärten. Ohne Meinungshoheit durch Rundfunkstaatsverträge. Ohne staatliche Gottesdienste als Trauerakte. Eine Gleichberechtigung aller Glaubensrichtungen &#8211; auch derjenigen, die nicht glauben.</p>
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