Archiv der Kategorie: Persönlich

ich werde seit August 2015 analog und online gestalked

Am 28. August 2015 habe ich diesen Beitrag veröffentlicht, nachdem es Gerüchte gab, dass ich derjenige welcher sei, der es war.

Die Reaktion darauf waren zwei große, rechte Shitstorms, über Blog, Twitter und Facebook. Und analog. Einer direkt, einer aus unerfindlichen Gründen ca. ein halbes Jahr später. Ich habe aus dem Sudingshitstorm gelernt und nicht mehr diskutiert – sondern gesperrt, gemeldet und blockiert.

Irgendwann ebbt jede Welle ab – aber irgendwie blieb bei diesen eine*r übrig. Zwei waren es bis zum März 2017 – vielleicht sind sie sogar ein und dieselbe Person. Einer verfolgt mich digital, der andere stalkte mich analog. Ich hab nie darüber geschrieben oder was darüber gesagt, weil ich ihm oder ihr keine zusätzliche Aufmerksamkeit schenken wollte. Heute werde ich nur noch digital belästigt.

Der Analog-Stalker

Kurz nach der Sache mit dem Busfahrer erhielt ich Briefe. Irgendwer verfolgte mein Onlineleben sehr genau, sehr akribisch. Druckte meine Seiten aus, verbesserte Tippfehler, kommentierte das, was ich schreib, bedrohte, beleidigte, beschimpfte mich. Die Briefe waren anonym, kamen manchmal auch aus dem Ausland. Auch die Polizei fand bisher nichts über den Versender heraus. Ich fand das zuerst sehr belästigend, meine Familie war besorgt um mich – mit der Zeit setzte aber ein Gewöhnungsprozess ein und irgendwann Anfang 2017 hörte es auf. Über anderthalb Jahre hatte jemand fast täglich 70 Cent ausgegeben, um mich zu belästigen. Das war schon ziemlich harter Tobak – zumal auch mein Engagement gegen die rechten Umtriebe in Karlsruhe regelmäßig Thema waren – soweit man das den Umschlägen entnehmen konnte. Die Briefe waren so aufwändig gestaltet, dass ich einen Teil der Botschaften schon auf dem Umschlag wahrnehmen musste. Meist las ich aber noch nicht einmal mehr die und warf die Briefe in einen Karton, den ich dann regelmäßig der Polizei übergab. Einige Briefe habe ich aber behalten.

Briefe des Analogstalkers

Ich wollte mich aber nicht einschüchtern lassen und habe mich auch vehement gegen Gedanken gewehrt, mich online einzuschränken oder anders zu kommentieren, meine Profile auf „privat“ zu stellen – obwohl hier jemand tatsächlich offensichtlich eine Obsession hatte.

Der Online-Stalker

Somewhere im Internet gibt es einen Typen, der sich „den satirischen Arm“ der PARTEI nennt und unter „Die Party“ oder „Graf Koks“ firmiert. Es gibt eine ziemlich widerliche Homepage dazu. Er hat ein Bild von mir mit „Blockwart“ verunstaltet, natürlich widerrechtlich. Er gibt an, in Hannover zu sitzen. Das kann man glauben oder auch nicht. Er firmiert unter EU-Domain. Ohne Impressum natürlich. Wie man es von Rechten kennt: große Klappe und nicht den Mut, dazu zu stehen.

Er hat eine Zeitlang exzessiv mein Blog kommentiert, heutzutage schickt er mir ab und zu eine E-Mail mit irgendwelchen stumpfsinnigen Inhalten – gerne als E-Card mit eben diesem Bild.

Heute, nachdem mein Twitteraccount wieder online ist, bekam ich eine Mail mit folgendem Inhalt:

So geht das nun seit 2015 – eine Zeitlang verliert er wohl wieder die Lust, dann hat er wohl wieder zuviel Zeit. Er ist eindeutig rechts bis rechtsextrem. Sprache, Duktus lassen auf einen Mann schließen.

Er hat versucht, nach meinen Wechsel zu meinen aktuellen Arbeitgeber, einen Shitstorm in den Bewertungen meines AG bei Google loszutreten. Interessiert hat das keinen. Außer ihm selbst

hat niemand einen Kommentar abgegeben.

Dass er dabei auch nicht davor zurückschreckt, mich zu verleumden, wohl in der Hoffnung, man würde mir kündigen, zeigt, wie verzweifelt er in seiner Wut sein muss.

Er wird auch diesen Artikel lesen und sich äußern, da bin ich sicher. Aber ich kann ja mit Mailfiltern umgehen. Ich lese das immer nur, wenn mir danach ist. Manchmal monatelang nicht – ich lass das in nen Ordner verschieben und da bleibt’s dann. Als Dokumentation.

Vielleicht kennt ihn ja jemand? Oder hat ne Ahnung, wer es sein könnte? Hinweise werden vertraulich behandelt.

Jedenfalls war es jetzt Zeit, damit auch an die Öffentlichkeit zu gehen. Es zu erzählen, es zu teilen. Nicht alleine damit zu sein. Ich hatte immer die Sorge, dass schon ein Kommentar zu „mehr“ ermutigt, aber ich glaube zwischenzeitlich, dass es egal ist.

In der Anfangszeit hat es mir etwas  ausgemacht. Hat mich beschäftigt. Ich war zuerst wütend. Besorgt, natürlich. Auf zwei Kanälen, inklusive jemanden, der täglich 70 Cent ausgibt. Mit der Zeit hat es mich eher belustigt. Ich hab auch Fehler gemacht, natürlich. Dem Party-Stalker Antwort gegeben, ihn wahrgenommen, mit ihm gemailt, auch über „Verwendung des eigenen Bildes“. Gedacht, den Menschen dahinter erreichen zu können. Lange vorbei.

Ich werd weiterhin damit leben müssen. Gegen Überwachungsmethoden im Netz bin ich jedoch weiterhin. Auch wenn ich persönlich vom einen oder anderen Tool profitieren könnte.

Update 25.11.; 22:00
erwartungsgemäß

Datenschutzverstoß durch #aufstehen-Sympathisant

Seit geraumer Zeit bin ich Mitglied der Debattenliste der Arbeitsgruppe Föderalismus von Mehr Demokratie e. V. Ich bin Mitglied bei Mehr Demokratie, weil ich deren Ziele unterstütze, auf der Mailingliste, weil ich eigentlich als Kommunalpolitiker dort etwas mitarbeiten wollte. Derzeit lese ich allerdings nur mit – wobei ich schon Anregungen für meine politische Arbeit mitnehmen kann.

Diese Woche erhielt ich eine Einladung zu einer Mahnwache der lokalen Gruppe von aufstehen:

Mail von Eduard Meßmer vom 8.11.18

Ich stehe #aufstehen sehr kritisch gegenüber und konnte mir nicht erklären, wie ich auf einem Verteiler von #aufstehen gelandet sein könnte. Daher schreib ich eine E-Mail an den Absender zurück mit der Frage: „woher haben Sie meine E-Mail-Adresse?“

Daraufhin erhielt ich gestern Abend um 21:13 Uhr einen Telefonanruf von Herrn Meßmer, der offensichtlich Zugriff auf die Mailinglistenteilnehmer der MD-Förderalismusliste hat – denn er erklärte mir, dass er meine Mailadresse von dort habe. Er selbst ist Eigentümer der Präsenz Solidarnosch – mit der ich nichts zu tun habe und bislang nicht gekannt hatte. Dort verwendet er freimütig das Logo von Mehr Demokratie e. V. ebenso wie das der Gemeinwohlökonomie, wo er wohl für die Mittelbadische Gruppe verantwortlich zeichnet. Er fand es auch nicht ehrenrührig, einfach ohne zu fragen meine Mailadresse für Werbung für #aufstehen missbraucht zu haben, auch nicht, nachdem ich erklärt hatte, dass ich mit diesem in meinen Augen nationalistischen Projekt nichts zu tun haben wolle. Im Gegenteil, er versuchte noch, mich von #aufstehen zu überzeugen.

Ich muss davon ausgehen, dass Herr Meßmer nicht nur Mailinglisten von Mehr Demokratie, sondern auch der Gemeinwohl-Ökonomie missbraucht hat – beides Organisationen, denen ich im Gegensatz zu #aufstehen inhaltlich nahe stehe – um Werbung für #aufstehen und die Versammlung am 9. November (ausgerechnet!) zu machen. Da er die Einladungsmail an weitere Organisationen geschickt hat, besteht auch die Möglichkeit, dass er Mailadressen von dort verwendet hat – ich weiß es nicht.

Ich habe Mehr Demokratie angeschrieben – und die anderen Organisationen, die er ebenfalls mit einem offenen Verteiler angeschrieben hat, in Kopie gesetzt. Wenn Mehr Demokratie keine gute Erklärung abliefert und das zukünftig zu verhindern weiß, werde ich dort austreten.

Update: 11.11.18

Zwischenzeitlich hab ich mehrer Antworten von Mehr Demokratie, die mich wohlgemut stimmen, dass auch dort der Vorgang sehr kritisch gesehen wird.

Update: 15.11.2018

Mehr demokratie e. V. hat sich zwischenzeitlich durhc mehrere Mails und durch einen Telefonanruf aus der Berliner Geschäftsstelle für den Vorgang entschuldigt und sich deutlich von dem Vorgang distanziert. Der gute Herr Meßmer ist da in seinem Eifer deutlich über das Ziel hinaus geschossen. Das ist zwar verständlich – wer kennt das nicht?- aber nichtsdestotrotz nicht angemessen.

Klage gegen Twitter?

Viele von Euch wissen, dass mein Twitteraccount mit mehr als 2000 Followern im Januar 2018 wegen vermeintlicher Hatespeech gelöscht wurde. Nach langem Hin und Her – auch nach einem Versuch, einen neuen Account zu starten, der erneut gelöscht wurde – habe ich mich entschlossen, doch per Anwalt gegen Twitter vorzugehen. Das kostet natürlich Geld – das ich so nicht habe.

Die ganze Geschichte ist hier zu finden

Es wäre toll, wenn Ihr einen kleinen Beitrag leisten könntet, die mir hilft,diese Klage ohne allzu große Verluste zu finanzieren. Sollte ich mehr bekommen, als ich benötige, werde ich die Überzahlung an netzpolitik.org spenden

Ich habe mich für eine Sammelaktion bei Leetchi entschieden – ihr könnt mir aber auch direkt bei über joergrupp@joergrupp.de bei paypal etwas spenden.

Jeder Euro hilft – ich danke jetzt schon allen hilfreichen Menschen

8 Monate bei New Horizons – wie Freiberufler abgezockt werden

Nachdem ich im Jahr 2016 nicht länger beim Freundeskreis Asyl arbeiten konnte, bin ich in Teilzeit von 60% zurück zu meinem ehemaligen Arbeitgeber initial e. V. Ich konnte relativ nahtlos zurück in die Betreuung „meiner“ alten Maßnahme und übernahm darüber hinaus zusätzliche Aufgaben, wie in der Betreuung suchtkranker Menschen oder in der Praktikumsvermittlung von Asylbewerber*innen im Rahmen eines Alphabetisierungs- und Integrationskurses. 40%, also zwei Tage die Woche aber hatte ich „frei“ und natürlich fehlte das Geld vorne und hinten. Meine Suche für freiberufliche Stelle zusätzlich war nur bedingt erfolgreich – ich bin kein ausgebildeter Sozialpädagoge, sondern war immer „nur“ quer eingestiegen – alles, was ich nachweisen konnte waren 10 Jahre erfolgreiche Arbeit in der Betreuung von Menschen mit einfachen oder multiplen Vermittlungshemmnissen. Es gab darüber hinaus Dinge, die ich nicht mehr tun wollte – ein Office-Vermittlungskurs, wie ich ihn zu Beginn meiner Tätigkeit bei Bildungsträgern gemacht hatte, kam dauerhaft nicht mehr in Frage, ebenso fielen einige Bildungsträger raus, weil ich kaum aushalten konnte, wie dort gearbeitet wurde und wird.

Nichtsdestotrotz machte ich ein paar Excel-Kurse bei der DEKRA und fand das ganz attraktiv. Allerdings kam nichts Dauerhaftes zustande, da ich eben mit 60% woanders gebunden war. Bis Januar 2017 dauerte die Durststrecke, ich war gerade dabei, mir was ganz anderes zu suchen, als ich bei der bfw fündig wurde. Allerdings fand ich mich in einer Hartz-IV-Druckmaßnahme wieder – auf die Teilnehmenden wurde erheblicher Druck ausgeübt, 2 Tage die Woche teilzunehmen, einmal am Einzelgespräch, einmal an einem Seminar. Wer nicht kam, musste nachholen, klappte das nicht, mussten Abmahnungen geschrieben werden und das Jobcenter informiert werden. Im schlimmsten Fall führte das zu Kürzungen bei den Leistungen. Anstatt auf die Teilnehmenden einzugehen und zu schauen, dass sie sich wieder Ziele setzen, ihre individuelle Situation reflektieren und das nutzen, was sie mitbringen, ging es alleine darum, egal wohin zu vermitteln. Darüber hinaus war nicht immer ein Raum für Einzelgespräche verfügbar, manchmal musste ich coachen, wenn ein*e Kollege*in im Raum war, oder noch schlimmer, ein* Kollege*in im selben Raum ein*e andere*n Teilnehmende coachte.

So war ich froh, dass eine Kolleg*in auf mich zukam und mich fragte, ob ich nicht bei New Horizons in Karlsruhe anfangen wolle. Diese planten die Eröffnung einer Niederlassung in Karlsruhe, benötigten noch einen Bildungsberater – also jemanden, der die Teilnehmenden über Kursmöglichkeiten anhand ihrer individuellen Voraussetzungen und Bedarfe beriet. Auch beim Aufbau konnte ich mithelfen, in Bezug auf IT-Ausstattung, Raumsuche, Projektplan bis zur Eröffnung.

Ziemlich schnell verstand ich aber, dass der Geschäftsführer, Dr. Peter Engelmann,  dieser Niederlassung – New Horizons ist ein Franchise-System – nichts beitrug zum Gelingen. Die OP-Managerin – meine Kollegin – und ich machten praktisch die ganze Arbeit. In den 14 Tagen, in denen wir beide im letzten Jahr an Pfingsten weg waren, geschah dort rein gar nichts. Er war überfordert, leitete Informationen, die essentiell waren (zum Beispiel,wie das interne CRM freigeschaltet wurde bzw. was die Voraussetzungen dafür waren), wie KURSNET der BA gefüllt wurde, wie man insgesamt vorging, welche Lizenzen freizuschalten waren undundund – wir mussten uns alles erarbeiten und durch teilweise stundenlange Telefonate mit anderen Standorten mühselig recherchieren – was bei ihm in Broschüren und Mails sicherlich vorlag. Dementsprechend verschob sich die Eröffnung um 3 Monate – und das Geld wurde knapp. Im September – erhielt ich zum ersten Mal mein Geld für den zurückliegenden Monat nicht. Erst Anfang Oktober wurden die Rechnungen für August und September bezahlt. Gleichzeitig bezahlte er Gehälter nicht mehr, entließ Mitarbeiter, ohne Gehälter zu bezahlen,schob Zahlungen, das Konto wurde gepfändet. Ich telefonierte mit Krankenkassen und anderen Unternehmen, erreichte Zahlungsaufschübe und damit konnte wieder über das Konto verfügt werden – alles nicht meine eigentliche Aufgabe, aber er selbst schien dazu nicht in der Lage. Im Oktober das selbe – keine Zahlung, auch Ende November nicht. Er war spätestens zu diesem Zeitpunkt zahlungsunfähig. Trotzdem: zwei Berater noch immer im Unternehmen, beide erhielten ihr Geld.

Dann, als ich Ende November in die Unterrichtsräume komme, die große Überraschung: ein neuer „Berater“ hat sich aufgetan – ein alter Bekannter – Silvio Neumark, von ehemals Strike Dialogmarketing bzw. POI Marketing. (Dass sich über ihn wenig bis nichts im Netz finden lässt, zeigt, wie viel er via Google hat entfernen lassen – aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten über Google hinaus).

Da ich ihn kannte als jemanden,der mich auch schon beschäftigt hatte, ohne zu bezahlen, habe ich mich mehr oder weniger auf der Türschwelle rumgedreht und meine Tätigkeit dort beendet. Parallel dazu fand ich in den darauf folgenden Tagen eine neue Anstellung in Vollzeit, mit der ich sehr zufrieden bin.

In den Folgemonaten erlebte ich durch Kontakt zu den Exkollegen deren weitere Leidensgeschichte dort mit.  Kurz und bündig: alle landeten vor dem Arbeitsgericht. Die Vergleiche, die er schloss, hielt er nicht ein – offensichtlich spielte er auf Zeit. Ich hatte ihn direkt Anfang Dezember angemahnt, danach die Klage eingereicht. Im März dann das erste Versäumnisurteil Versäumnisurteil erreicht, gegen das er Widerspruch einlegte und beim zweiten Termin – am 7. Juni 2018 – ebenfalls nicht zu erscheinen und ein zweites vollumfängliches Versäumnisurteil zu kassieren. Ob ich mein Geld pfänden kann – wir werden sehen. Er hat jetzt wohl endlich Insolvenz angemeldet.

Wir haben uns natürlich hilfesuchend an die anderen Niederlassungen gewendet, mit denen wir zu tun hatten, die hilfreich zur Seite standen, als wir alle Informationen suchten. Wir haben uns an die Franchisezentrale gewandt.

Diese schrieb uns – sie, die sie nahezu immer ihr Franchisegeld erhalten hatte, soweit ich anhand der Kontoauszüge sehen kann – Folgendes:

Es tut mir persönlich sehr leid zu lesen, dass ihr den Gerichtsweg beschreiten musstet, um eure Forderungen gegenüber der NH Baden GmbH geltend zu machen. Lt. eurem email habt ihr auch bereits die Gerichtsbeschlüsse für die ausstehenden Gelder erhalten. Das Thema liegt somit in den Händen eurer Anwälte.

Deshalb kann ich nichts mehr tun, außer euch darauf hinzuweisen, dass die NH Baden GmbH eine eigenständige Gesellschaft und Peter selbständiger Unternehmer ist. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir keine Handhabe haben, in einem solchermaßen gelagerten Fall auf das Verhalten von NH Baden GmbH Einfluss zu nehmen.

Ihr wart Angestellte der NH Baden GmbH und nicht von New Horizons. Bitte beachtet diesen Unterschied in eurer Kommunikation nach außen: Insbesondere habe ich euch aufzufordern, negative Äußerungen über New Horizons in der Öffentlichkeit, die den Ruf unseres Unternehmens, des Franchisesystems und der anderen Franchisenehmer, schädigen könnten, zu unterlassen.

Das mag rechtlich einwandfrei sein. Die Umstände waren seit Monaten bekannt, man hat nichts getan, um die Angestellten zu schützen und sich nicht um den Ruf von New Horizons gekümmert – solange wohl das Geld an die Zentrale floss. Leider ist eine Bereitschaft, einen Teil des Schadens,der auch entstanden ist, weil man bei New Horizons offenbar nicht so genau hinschaut, wer da Unternehmer (neudeutsch: Owner) bei ihnen wird und nichts unternimmt, wenn Probleme auftauchen, auszugleichen.

ethische und nachhaltige Taschengeldkonten

Unser jüngster Sohn wird in den nächsten Wochen 10 Jahre alt und er möchte schon geraume Zeit ein eigenes Girokonto wie sein großer Bruder. Es liegt nahe, mit diesem Bedarf zur örtlichen Sparkasse (die ja hier zwischenzeitlich eine regionale geworden ist, weil die Sparkasse Karlsruhe eine ganze Reihe von örtlichen Sparkassen geschluckt hat) und dort ein Konto zu beantragen. Alternativ wäre eine VR-Bank oder hier in der Region die Badische Beamtenbank. Allerdings sehe ich das bei diesen Banken ähnliche wie utopia.de:

Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken und die Spardabank sind schwierig über einen Kamm zu scheren. Allgemein kann man aber festhalten: Hier wird verantwortungsvoller mit deinem Geld umgegangen als bei den großen privaten Banken. Dennoch spielen ethische und ökologische Kriterien bei Finanzaktivitäten dieser Banken nur eine untergeordnete Rolle. Vor zweifelhaften Investitionen und Spekulationsgeschäften ist dein Geld auch hier nicht sicher.

Zumal auch die Sparkassen heute vor allem dieselben bürokratischen Monster sind wie andere Banken. Vom „persönlichen Bankberater oder örtlichem Filialleiter“, der auch mal in Notzeiten das Konto kurzfristig überziehen lässt oder freundliche, menschliche Unterstützung und Beratung anbietet, nicht alleine die Gewinnmaximierung im Kopf hat, sind auch diese heutzutage weit entfernt. Außerdem schließen auch beide Banken Geldautomaten in kleineren Orten und sorgen für die Bargeldversorgung auch nur noch alleine nach kapitalistischen Kriterien. Wir waren gestern bei beiden Banken hier am Ort (Volksbank und Sparkasse) und das, was ich vor 5 Jahren beim Großen schon einmal erlebt habe, hat sich wiederholt: ich benötige selbst für die Eröffnung eines Kindergirokontos einen Termin (!) bei einem der Kundenberater. Ich kann nicht einfach in eine Bankfiliale laufen, mein Anliegen vortragen, mit den erforderlichen Unterlagen unterm Arm, die Dame oder der Herr am Schalter druckt mir die Antragsformulare aus – besser noch, ich finde sie im Internet und hab sie ausgefüllt und unterschrieben dabei – und 10 Minuten später, nachdem sie/er die Daten eingegeben hat, haben wir ein Tachengeldkonto. Nein, nicht machbar. Am Gründonnerstag sind zudem die meisten Kundenberater nachmittags um 15:30 Uhr schon im langen Wochenende – sodass man mich noch nicht einmal irgendwo spontan beraten könnte. Früher, ja früher…(ich fass‘ es nicht, dass ich sagen muss, dass früher alles besser und einfacher war). Und dann kommt der Verweis auf die gesetzlichen Bestimmungen, die eine Beratung vorschreiben – wieso dass dann Onlinebanken ohne hinbekommen, kann nicht erklärt werden.

Also habe ich mich erneut auf die Suche nach nachhaltigen Kinder- und Jugendgeldkonten gemacht, in der Hoffnung, dass ich ein solches Konto online eröffnen kann. Aber leider hat sich auch da wenig geändert. außer der GLS-Bank hat keine nachhaltige Bank Kinder- und Jungendkonten.  Die GLS zudem nur Jugendkonten, für U-14-jährige gibt es nur die Möglichkeit, bei konventionellen Banken ein Taschengeldkonto zu eröffnen.

Konten werden nicht so leicht gewechselt, man erreicht oft eine lange Kundenbindung, wenn man schon früh ein Konto bei einer Bank hat. Das Erfolgsmodell der Volksbanken und Sparkassen war ja die regionale Verortung und dass man dann halt bei der Bank blieb, bei der man immer war, solange man normale Geldgeschäfte (bis hin zum Immobiliendarlehen) abgewickelt hat. Die ethischen/nachhaltigen Banken, die ihre Geldgeschäfte fair, ethisch und ökologisch abwickeln, haben hier eine echte Lücke. Wäre Zeit, dass sie sie füllen. Und dann auch die Konteneröffnung so einfach wie möglich gestalten.

Schultrauma

Es gibt gute Gründe, die in meiner eigenen Geschichte liegen, warum ich für Reformpädagogik, für notenfreies Lernen, mich für freie oder demokratische Schulen oder zumindest Gemeinschaftsschulen einsetze. Es muss natürlich immer für das Kind passen und  für unseren Jüngsten suchen wir derzeit ein Gymnasium.

Ich habe eine typische „ich scheitere auf dem Gymnasium“-Karriere gemacht – guter Grundschüler, aber ab der Mittelstufe wurden die Noten nach und nach schlechter. Bis dahin fiel mir alles zu, ab da musste ich lernen – und das fiel mir schwer. Hinzu kamen Lehrer, die es in sich hatten. Schreiende, fiese Gymnasiallehrer, ungerecht benotend und natürlich von Pädagogik keine Spur. Ich war schon als Jugendlicher keiner, der sich ins Muster pressen lies.  Bis heute bin ich Volltischler – als Schüler eben jemand, der zwar nicht alles ordentlich im Heft hatte, aber trotzdem wusste, wo die Dinge sind. Meine Lehrer*innen und Schule generell ist aber auf Leertischler geeicht – damals wie heute.  Und mit unnötig langen Rechenwegen hatte ich ebenfalls Probleme (und Punktabzug), Sprachen lernte ich lieber durch Sprechen als durch Vokabeln büffeln oder Buchseiten abschreiben und so weiter.  „Aus heutiger Sicht kann ich meinen Teil erkennen, ich weiß aber auch, woran es bei den Lehrer*innen lag.

Meine ganze Berufswahl und -„karriere“ ist ein Muster meines chaotischen Lerntyps

Der kreativ-chaotische Lerntyp nehmen die Welt hauptsächlich über die Augen auf und es gelingt ihnen gut, sich Texte bildlich vorzustellen, was gleichzeitig für seine große Phantasie und kreative Neigung spricht. Kreativ-chaotische Lerner sind sehr unterhaltsame, positive und harmonische Zeitgenossen, aber ihr Schreibtisch ist leicht mit einem Schlachtfeld zu verwechseln. Spaß, Abwechslung und neue Herausforderungen lassen sie auf Hochtouren laufen, doch sind sie unter Druck, verlieren sie den Überblick über ihr Chaos und machen Flüchtigkeitsfehler. Unbehagen bereitet ihnen daher penibler Ordnungssinn und festgefahrene Prozesse. Ihm hilft eine größere Aufmerksamkeitsspanne und einmal mehr hinschauen, hinhören und überlegen. (Stangl, 2018).

Verwendete Literatur
Stangl, W. (2018). Die Lerntypentheorie – eine Kritik. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/LERNEN/Lerntypen.shtml (2018-03-10).

– ich habe immer Stellen gebraucht, in denen ich viel Freiheit hatte. Als 22-jähriger Marktleiter, als Auslieferungsfahrer, als Call-Agent, in der als GF-Assistent,  in der Flüchtlingshilfe, heute als Standortleiter – ich brauche Entscheidungsfreheit und eine „lange Leine“, wie man so schön sagt. Wenn es eng wird, durch Vorschriften, Regeln, dann geh ich in die Rebellion. Ich bin zwar fähig, mein Verhalten zu ändern oder den Gegebenheiten anzupassen – aber ich brauche dafür Zeit  oder muss die Stelle wechseln.

Jedenfalls waren wir gestern an dem Gymnasium, das ich damals nach der 9. Klasse verlassen musste, um am Tag der offenen Tür zu sehen, ob es für unseren Sohn in Frage kommt. Und obwohl ich ja immer mal wieder in diesem Gebäude war – immer bei außerschulischen Veranstaltungen -, seitdem ich dort wegging, war es mir gestern unheimlich. Kaum im Gebäude, fing ich an zu schwitzen, ich bekam Atemnot, musste raus. Meine Frau sagte, dass ich einen hochroten Kopf hatte und ich hatte ein permanent schlechtes Gefühl. Ich konnte es sofort identifizieren. Mein Kind hierhin? Meine Alarmanlagen schrillten, ich wollte raus aus dem Gebäude, ich wollte hier nicht auf Elternabende. Ich schritt auf den Wegen, die ich als Jugendlicher ging, sah in Zimmer, in denen ich maximale Demütigung erfuhr (Rupp, im Arrest sortierst du die Kabel der Länge und Farbe nach) und mir wurde richtig, richtig eng.

Ich habe das meiner Frau gegenüber angesprochen und so ging sie alleine mit dem Sohn durchs Gebäude, schaute sich mit ihm zusammen die Angebote an und ich suchte mir meinen eigenen Weg. Sprach mit Lehrer*innen, Schüler*innen und anderen Eltern, was sie über die Schule wussten. Betrachtete die Übersicht über den Lehrkörper und was natürlich klar war – keiner der Lehrerinnen, die damals an der Schule waren, unterrichteten heute noch dort. Nach und nach beruhigte ich mich – aber ich hab auch heute Nacht von Schule geträumt und insgesamt weiß ich, dass das Trauma, das ich überwunden glaubte, doch tiefer sitzt als gedacht. Vor Jahren bin ich einem der damaligen Lehrer begegnet, er hat einen flotten Spruch über mich als Schüler gemacht (Sie waren ja damals ein komplizierter Schüler) und ich bin fast explodiert. Es ist nach wie vor präsent in mir.

Quelle: http://kraetzae.de/_de/inhalt.gfx/wik1.gif

Was ist das für ein Schulsystem, das so etwas einem Kind, einem Jugendlichen antun kann? Ich werde mit meiner immer vorhandenen Wut auf diese Lehrer*innen leben müssen, weiter Reinhard Mey’s „Zeugnistag“ singen und daran arbeiten, dass ich das nicht auf die Lehrer*innen meiner Kinder projiziere. Einfach ist das nicht – aber alleine die Bewusstheit und das meine Frau das weiß und mich notfalls bremst, gibt mir Hoffnung, dass ich das gut hinbekomme. Schlimm genug, dass es so ist.

Und wenn Sie das hier lesen, Frau N*, Frau P* oder Herr G* – schämen Sie sich.

NetzDG – zweierlei Maß

Im vorherigen Beitrag hatte ich beschrieben, dass ich bei Facebook und Twitter wegen eines satirischen Beitrags gesperrt war, der sehr deutlich die Stimmung für Lynchjustiz gegenüber Asylbewerber*innen und Menschen, die sich für Asyl als Menschenrecht einsetzen, beschreibt – vor allem wenn ein (vermeintlicher) Asylbewerber*in eine Straftat begangen hat. Vor allem wenn es um Straftaten mit einer sexuellen Konnotation geht oder aber um Gewalt. Verteidigt man dann in Diskussionen in den sozialen Medien oder Zeitungskommentarspalten, dann bekommt man nicht nur sinngemäße solche Sätze zu hören

Pakt die Gewehre aus, wir rotten sie alle aus

sondern dem Verteidiger wünscht man oft noch, man möge dieselbe Straftat erleiden, damit man beurteilen könne, wie es denn so sei, wenn man vergewaltigt würde. Oder die Ehefrau, die Tochter möge vergewaltigt werden.

Ich wurde gesperrt – bei Twitter wurde offensichtlich mein Account gekickt und bei Facebook nach 7 Tagen wieder geöffnet.

Während meiner Sperrung wurde die schreckliche Mehrfachvergewaltigung eines 8-jährigen Jungen in Freiburg aufgedeckt, der von seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten Pädosexuellen (nicht Pädopohilen) angeboten wurde und die damit ihren Lebensunterhalt finanzierten. Die Berichte darüber wurden auch in Facebook geteilt und so konnte ich Berichte darüber lesen, aber nicht kommentieren. Als der Account wieder frei war, habe ich zwei Kommentare unter einem Artikel von KA-Insider gemeldet, die ihren Account bei Facebook wie viele andere ja weder pflegen noch moderieren:

 

 

 

 

 

 

 

Diese Mordphantasien sind ernst gemeint – im Gegensatz zu meinem zynischen Blick auf rechte Mordphantasien. Würde ich unter dem Beitrag was von Rechtsstaat und Menschenrechten auch für Menschen, die Kinder vergewaltigen schriebe, würde man vermutlich auch schreiben, dass man mich mit an die Wand stellen solle etc. pp. Nicht dass diese Tat zu verteidigen wäre – aber nichtsdestotrotz solltet auch der schlimmste Täter eine rechtsstaatlichen Verfahren unterworfen werden und entsprechend verurteilt werden – aber es müssen alle Umstände beleuchtet werden. In diesem Fall auch die Umstände, die dazu geführt haben, dass der Lebensgefährte der Mutter, der eigentlich ein Kontaktverbot mit Kindern hatte, dort ohne weiteres, mit Wissen des Jugendamtes, wohnen durfte. Der Staat darf nicht rachsüchtig sein – und Informationen gibt es keine, wenn man Menschen tötet.

Die Antwort von Facebook:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Offensichtlich ist man auf einem Auge blind. KA-Insider löscht nicht, Facebook löscht nicht, sperrt nicht, die Hassrede bleibt weiterhin im Netz, für alle sichtbar.

Ich verstehe es nicht. Weder die Kriterien, nach denen die Konzerne vorgehen, noch die Reaktionen. Insofern ist offensichtlich nicht nur das NetzDG mehr als kritikwürdig, sondern auch die Durchführung der Betreiber der Sozialen Netze. Vor allem ist sie das, was schon früh in der Kritik als Argument auftauchte: Willkür ist Tür und Tor geöffnet.

Bye Bye Twitter

Im letzten Beitrag hier im Blog habe ich ja dargestellt, dass ich bei Facebook und Twitter gesperrt wurde. Facebook hat mit eine 7-Tage-Sperre wegen des Textes auferlegt, Twitter hat meinen Account dauerhaft gesperrt.

Was mich nahezu fassungslos macht, ist, das mit beiden Konzernen keine Kommunikation möglich war. Ich habe beiden Sperren widersprochen. Facebook hat überhaupt nicht reagiert, aber pünktlich heute den Account wieder geöffnet, Twitter hat mir auf jede Mail, die ich ihnen schrieb, nur mit dem Standardtext geantwortet:

Hallo,

dein Account wurde gesperrt und wird nicht wiederhergestellt, da er gegen die Twitter Nutzungsbedingungen verstoßen hat, insbesondere gegen die Twitter Regeln gegen Hass-Inhalte.

Es verstößt gegen unsere Regeln, aufgrund der Rasse, ethnischen Zugehörigkeit, nationalen Herkunft, sexuellen Orientierung, des Geschlechts, der geschlechtlichen Identität, religiösen Zugehörigkeit, des Alters, wegen Behinderungen oder Krankheiten Gewalt gegen andere zu fördern oder Personen aus diesen Gründen direkt anzugreifen oder zu bedrohen.

Stellen wir darüber hinaus fest, dass der Hauptzweck eines Accounts darin besteht, andere aus diesen Gründen zu schädigen, kann dieser Account ohne Vorwarnung gesperrt werden.

Mehr über unsere Richtlinien gegen Hass-Inhalte erfährst du hier: https://support.twitter.com/articles/20175050 <https://support.twitter.com/articles/20175050>.

Vielen Dank,

Twitter

Es war unmöglich, den falsch wahr genommenen Sachverhalt richtig darzustellen. Auch von anderen Menschen (prominentes Beispiel) habe ich gehört, dass satirische/zynische Texte zu willkürlichen Löschungen und Sperren geführt haben. Ich habe es aufgegeben, weitere Mails dorthin zu schicken. Ist es so, wie Netzpolitik vermutet – dass lediglich Algorithmen Tweets bewerten – und auch dann den Einwand bearbeiten?

Mein Twitteraccount mit über 49.000 Tweets und rund 2050 Followern ist damit hinüber – außer es geschähe noch ein Wunder. Ich bin also ein Opfer von Heiko Maas‘ Netzwerkdurchsetzungsgesetz – denn offensichtlich sind die Provider nicht in der Lage, individuell einen Tweet zu bewerten. Und sie sind nicht in der Lage, eine adäquate Form des Einspruchs zuzulassen. Für mich sieht es so aus, als wäre mein Tweet von einem Algorithmus als besonders hasserfüllte Sprache bewertet worden und es hat nie mehr ein Mensch drauf geschaut – sondern nach wenigen Stunden erfolgte eine automatisierte Absage.

Damit schließe ich mich den Forderungen von Netzpolitik.org an:

Was tun? Ein demokratisches Gemeinwohl braucht Informations- und Meinungsfreiheit. Wir brauchen ein Recht auf Veröffentlichung legaler Inhalte. Jegliche Einschränkung braucht neben konkreten und spezifischen Normen eine adäquate Regelung der Verantwortlichkeiten, der Verfahren und mögliche Widerspruchsoptionen. Wenn private Konzerne die öffentlichen Räume zur Verfügung stellen, in denen die grundsätzlichen gesellschaftlichen Debatten geführt werden, brauchen wir eine Ausdehnung der Grundrechte gegenüber Unternehmen (sie galten bislang vor allem als Abwehrrechte gegenüber dem Staat).

Falls es jemals eine Lösung gibt oder anders bewertet würde – ich fürchte, ich hab dann keine Lust mehr auf Twitter. Ich fühle mich ausgeschlossen, gedemütigt – was vor allem damit zusammen hängt, dass überhaupt nicht darauf eingegangen wurde, was ich als Einspruch gegen die Sperre formuliert hatte. Insofern fühle ich eher auch, dass ich mit einem Konzern, der mich so behandelt, nichts mehr zu tun haben möchte.

Und ich hab schlicht Angst, bei Facebook auf den Beitrag zu verlinken, in dem der Text steht – ich könnte schon wieder gesperrt werden. Das hat nichts mehr mit Freiheit im Netz zu tun.

Schade, es waren interessante Jahre. Mit Shitstorm, mit schönen Diskussionen, vielen Infos und überhaupt: viel Spaß. Twitter wird mir fehlen – aber es gibt auch ein Leben ohne.

Im übrigen zeigt ja der Screenshot, dass es völlig absurd ist, mir Hatespeech in Hinblick auf Geflüchtete zu unterstellen, also den Text für bare Münze zu nehmen:

 

bei Twitter und Facebook gesperrt

Heute Morgen habe ich eine alte Platte gehört und beim hören des zynischen Liedes „Das Anarchistenschwein“ dachte ich so bei mir: der Text passt eigentlich gut auf die derzeitige Situation in Deutschland:

Komm ein jeder starker Mann
Der für’s Vaterland kämpfen kann
Sogar Frauen seh’n wir gern
Die sich ihrer Häute wehr’n!
Oma und Opa sind auch dabei –
Endlich wieder ’ne Schießerei!

Wir müssen unser Land befrei’n
Vom Anarchistenschwein –
Packt die Gewehre aus
Wir rotten sie alle aus!
[…]

(Text und Musik: Cochise/Pit Budde)

Den Text habe ich geringfügig nach den ersten beiden Strophen angepasst und im Refrain aus dem Anarchistenschwein ein „Asylantenschwein“ gemacht – um zu verdeutlichen, wo der Feind der neuen und alten Rechten in diesem Land vor allem steht – bei den Geflüchteten, die hier Schutz suchen und den Menschen, die ihnen helfen und den Menschenrechten und dem Rechtsstaat, der ihnen ein rechtstaatliches Verfahren garantiert.

Komm ein jeder starker Mann
Der für’s Vaterland kämpfen kann
Sogar Frauen seh’n wir gern
Die sich ihrer Häute wehr’n!
Oma und Opa sind auch dabei –
Endlich wieder ’ne Schießerei!

Wir müssen unser Land befrei’n
Vom Asylantenschwein –
Packt die Gewehre aus
Wir rotten sie alle aus!

Jubel, Trubel und Freibier
Diesen Krieg gewinnen wir!
Wir waren ja schon deprimiert –
Hundert Jahre und kein Sieg!
Der liebe Gott hat’s gut gemeint
Er schickte uns ’nen Feind!

Wir müssen unser Land befrei’n
Vom Asylantenschwein –
Packt die Gewehre aus
Wir rotten sie alle aus!

Springer, Schulz und die Genossen
Reichen sich jetzt mal die Flossen
Merkel, Palmer, CDU –
Keiner sieht diesmal nur zu!
Das ganze Parlament wird vereint
Durch den gemeinsamen Feind!

Wir müssen unser Land befrei’n
Vom Asylantenschwein –
Packt die Gewehre aus
Wir rotten sie alle aus!

Sieht einer verdächtig aus
Knüpfen wir ihn einfach auf
egal woher einer kommen mag
wir brauchen keine Flüchtlingsplag‘
Und jeden Sympathisant
Stell’n wir an die Wand!

Wir müssen unser Land befrei’n
Vom Asylantenschwein –
Packt die Gewehre aus
Wir rotten sie alle aus!

Ich hatte parallel dazu einen Link (bei Facebook in den Kommentaren und bei Twitter mittels #lasttweet ein Interview mit Pit Budde verlinkt, der das Lied damals geschrieben hat, das die Intention beschreibt.

Im „Cochise Songbook“ beschreibt Songwriter Pit Budde die Entstehungsgeschichte des „Anarchistenschweins“:

„Ich hatte mich seit meinem Kurzaufenthalt in Paris im Sommer 68, inklusive Leben in der besetzten Uni, zusammengeschlagen von der Polizei, und wiederholten Knastaufenthalten, immer mehr mit dem Anarchismus beschäftigt. Ich hab die RAF nie für Anarchisten gehalten. Trotzdem hatten sie meine Sympathie, als der Staat zum Krieg der 60 Millionen gegen die 60 Revolutionäre aufrief. Zu der Zeit konnte man nicht über Anarchie reden, geschweige denn ein Lied darüber machen. Als Baader, Meins und Raspe zum Frohlocken der gesamten BRD gefangen wurden, hab ich das Anarchistenschwein geschrieben. In dieser Lynchstimmung konnte ich nur bitteren Zynismus loswerden. Ich hab das Lied dann gesungen, und viele Leute haben es nicht verstanden oder fanden es zu pauschal, alle Parteien in einen Topf zu werfen usw. Ich hab die Anarchosau erst Jahre später bei der Gründung von Cochise wieder ausgegraben. Und siehe da, es gefällt mir immer noch, ist immer noch aktuell.“

Ich weiß nicht, wer den Text bei FB und Twitter gemeldet hat – aber ich kann mich da Pit nur anschließen:

Das Lied ist immer noch aktuell. Es beschreibt vor allem im Text mit „Packt die Gewehre aus, Wir rotten sie alle aus!“ eine aus damaliger Sicht überspitzte Formulierung. Aus heutiger Sicht, nach dem der Menschenrechtskrise folgenden Diskursen vor allem in den sozialen Netzwerken mit Hatespeech, Drohungen gegen Andersdenkende „Und jeden Sympathisant, Stell’n wir an die Wand!“, die ich ja auch an eigener Person erleiden musste, zeigt der Text nicht nur, dass diese Haltung, die Pit damals überzeichnet hat, in real auch da ist.

Insofern zeigt auch die Sperrung die Doppelmoral dieser Dienste: während sie weitgehend unbescholten Hatespeech verbreiten, Gewalt- und Morddrohungen gegen mich

nicht löschen oder finden, solche Reden widersprechen nicht den Regeln.

Ja, ich finde, der Text ist mehr als aktuell.

 

Update:

ich versuche, bei Accounts wieder zu aktivieren. Twitter antwortet mit Standardantworten.

Hallo,

dein Account wurde gesperrt und wird nicht wiederhergestellt, da er gegen die Twitter Nutzungsbedingungen verstoßen hat, insbesondere gegen die Twitter Regeln gegen Hass-Inhalte.

Es verstößt gegen unsere Regeln, aufgrund der Rasse, ethnischen Zugehörigkeit, nationalen Herkunft, sexuellen Orientierung, des Geschlechts, der geschlechtlichen Identität, religiösen Zugehörigkeit, des Alters, wegen Behinderungen oder Krankheiten Gewalt gegen andere zu fördern oder Personen aus diesen Gründen direkt anzugreifen oder zu bedrohen.

Stellen wir darüber hinaus fest, dass der Hauptzweck eines Accounts darin besteht, andere aus diesen Gründen zu schädigen, kann dieser Account ohne Vorwarnung gesperrt werden.

Mehr über unsere Richtlinien gegen Hass-Inhalte erfährst du hier: https://support.twitter.com/articles/20175050 <https://support.twitter.com/articles/20175050>.

Vielen Dank,

Twitter
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Ein persönlicher Kontakt, bei dem man das Problem lösen könnte, ist nicht möglich. Ich habe nun die dritte Mail geschrieben. Ich bin gespannt, ob ich diesen Account jemals wieder aktiviert bekommem de ich seit 2009 habe und der noch nie gesperrt war oder sonst negativ aufgefallen wäre.