der christliche MDL Raab von der CDU und Autismus

Zu Weihnachten beschert uns der Landtagsabgeordnete der Christlichen Demokratischen Union und ehemalige Bürgermeister der Stadt Ettlingen, Herr Raab eine Anfrage an die Landesregierung, in der er fordert, die Landesregierung möge zu Autismus berichten. Das ist bemerkenswert, denn nach dem Amoklauf von Newtown gab es eine Reihe unschöner Spekulationen über den Amokläufer und eine angebliche Autimuserkrankung. Als wäre das nicht genug, krönt Herr Raab seine Anfrage mit folgendem Satz : (danke für den Hinweis an @EinAugenschmaus, Julia Probst)

„Autismus hat starken Einfluss auf die persönliche und vor allem schulische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Dies setzt sich im Bereich der Berufsausbildung fort und kann im Hinblick auf den Fachkräftemangel sowie die Belastung der Sozialsysteme nicht ohne Weiteres hingenommen werden.“

Ich weiß nicht so genau, was Herr Raab nun denkt, was man mit Menschen mit Autismus tun soll, das geht ja aus der Anfrage nicht hervor – denn er  wird von Ärzten, Forschern, Angehörigen und Autisten selbst als eine angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns beschrieben. Die „Gefahr“ für die Sozialsysteme und den Fachkräftemangel kann aber eigentlich nur so gedeutet werden, dass er Menschen, die nicht so ganz dem entsprechend, als „Belastung“ wahrnimmt, die man irgendwie unterbinden müsse. Nun, Herr Raab: Das 2008 in Kraft getretene Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die UN-Behindertenkonevention ist auch von der EU ratifiziert worden, um Menschen mit Behinderungen  die gleichberechtigte Teilhabe bzw. Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Das mögen Menschen wie Sie als Belastung wahrnehmen. Für Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörige ist es ein Grundrecht. Für dessen Umsetzung man offenbar weiter kämpfen muss.

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6 Gedanken zu „der christliche MDL Raab von der CDU und Autismus

  1. Tante Jay

    Ich möchte an dieser Stelle eindringlich darauf hinweisen, dass überhaupt nicht feststeht, ob der Täter überhaupt das Asperger-Syndrom hatte.

    Er war ein Einzelgänger, er war verschlossen – aber das alles macht keinen Asperger aus.

    Und was gar nicht geht, ist, jetzt Autisten als potenzielle Serienkiller zu behandeln.

    Die Gamer haben das schon durch – nu sinds die Autisten, was kommt als nächstes?

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  2. Jan M

    Ich störe mich ein bisschen an dem Begriff „Autismuserkrankung“. Autismus ist keine Erkrankung, man kann nicht irgendwann an Autismus erkranken oder „geheilt“ werden. Die meisten Autisten, die ich während meines Zivildienstes kennenlernen durften lehnten das auch ab. Sie wurden als Autisten geboren und wollen als solche aktzeptiert werden. Erkrankung hatte ihnen eine viel zu deutlich negative, abwertende Konnotation. Ich bleibe deshlab bei „Diagnose“. Das ist sachlich richtig und weniger konnotiert.

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  3. CS

    Natürlich hätte man es besser formulieren müssen und der letzte Satz ist in jedem Fall missverständlich. Beim Lesen der Fragen habe ich jedoch keinen bösen Willen oder so etwas entdecken können. Die Reaktion darauf, wie sie auch durch Twitter geistert, finde ich eher kontraproduktiv. Man hätte beispielsweise einfach mal fragen können, wie es gemeint ist.

    Wie schön und ohne die CDU verteidigen zu wollen, dass Vertreter anderer Parteien noch nie etwas missverständliches in einer Anfrage hatten.

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Ich kann die Fragen nur im Zusammenhang mit den Begründungen sehen – und im zeitlichen Zusammenhang mit dem Amoklauf in Newtown. Und warum soll ich Herrn Raab fragen? Herr Raab ist ein sehr erfahrener Politiker, der schon wissen wird, welche Fragen er in welchen Zusammenhängen stellt.
      Darüber hinaus findet er die meisten Antworten ja, indem er einfach googelt. Also – was soll das?

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