Der Presserat zur Berichterstattung von Straftaten von Geflüchteten

Im Mai und Juni 2017 habe ich zwei Beschwerden an den Presserat gerichtet, da in Presseberichten der BNN die Nationalität von Geflüchteten genannt wurde, was, wie ich fand, nichts mit der Tat, dem Tathergang oder der Aufklärung der Straftat zu tun hat. Der Presserat hat eine Beschwerde abgelehnt und in einer einen Hinweis an die BNN gegeben.

Zum einen handelte es sich um diesen Bericht über den versuchten Mord an einer Siebenjährigen durch ihren Vater. Sie wurde mit Messerstichen verletzt, der Täter war gefasst, imho war es nicht notwendig, seine Nationalität zu nennen, da nicht nach ihm gefahndet wurde.

Im Rahmen der Fahndungsmaßnahmen konnte der aus Kamerun stammende Beschuldigte unweit des Tatortes vorläufig festgenommen werden, berichtet die Polizei. Das Kind sei vor Ort notärztlich versorgt und in eine Klinik gebracht worden. „Derzeit ist das Mädchen außer Lebensgefahr“, berichten die Behörden

Allerdings ist das Mädchen einige Tage später gestorben.

Der Presserat Presserat (PDF) seine Einstufung meiner Beschwerde als unbegründet mit dem Hinweis, dass

die Nennung der Staatsangehörigkeit des festgenommenen Mannes aufgrund der Schwere der Tat presseethisch vertretebar ist.

Ich finde das interessant, da ja in Ziffer 12 steht:

Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.

Die Schwere der Tat rechtfertigt offensichtlich das begründete öffentliche Interesse. Das ist zwar nicht schön – aber nachvollziehbar – und passt auch zum zweiten Fall.

Dort hat ein 17-jähriger versucht, sich gewaltsam Zutritt zum Freibad in Ettlingen zu verschaffen.

Hier lautet die Begründung für den Hinweis an die BNN, Redaktion Ettlingen:

[…] dass die Nationalität und der Asylstatus des Jugendlichen keine Relevanz für den beschriebenen, nicht schwerwiegenden Vorgang haben. Daher ist ein begründetes öffentliches Interesse an diesen Informationen nicht ersichtlich.

Insofern ist man hier meiner Beschwerde gefolgt. Ich finde dies Ausführungen wichtig, weil es ja öfter mal Diskussionen mit Pressevertreter/innen oder Leser/innen in Zeitungsforen gibt, wenn die Nationalität eines/r Täter/in genannt wird. Die SChwere der Tat bedingt offensichtlich ein größeres öffentliches Interesse.

Ich bedanke mich beim Presserat für seine Ausführungen – ich hab was gelernt und werde zukünftig darauf achten.

 

 

 

Ein Gedanke zu „Der Presserat zur Berichterstattung von Straftaten von Geflüchteten

  1. Sofie Lehmann

    Woran erinnert mich das nur? Ach ja, da war ja was, im vorigen Jahr.
    Eine Beschwerde von mir, aus dem gleichen Grund.
    Interessant war, dass es den Artikel im General-Anzeiger-Bonn einen Tag nachdem ich einen Brief erhielt, den ich leider nur als jpg gespeicher habe, mit blablabla, wann der Presserat tagt und nur viermal imJahr und weiß der Geier was.
    Die Beschwerde wurde natürlich abgelehnt. Klar doch. Warum sollte sich der Presserat an den Pressekodex halten.

    http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/Presserat-Nicht-alles-was-Fakt-ist-ist-auch-von-Relevanz-article1803644.html

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    Bitte antworten Sie nicht auf diese E-Mail. Fragen zu Ihrer Beschwerde können Sie unter info‎@‎presserat.de oder telefonisch unter 030-367007-0 an uns richten.

    Vielen Dank.

    Anrede Frau
    Vorname Sofie
    Nachname Lehmann
    Firma/Institution/Verein
    Straße und Hausnummer Heisterbacher Str. 178
    Postleitzahl und Ort 53639 Königswinter
    Land, wenn nicht Deutschland
    E-Mail admin@gedichte-world.net
    Artikel [Titel]Sexuelle Übergriffe in Köln Polizei unter Beschuss
    Ausgabe (bei Printmedien) bzw. Link (bei Onlinemedien) [Name der Zeithttp://www.general-anzeiger-bonn.de/region/koeln/Polizei-unter-Beschuss-article1796586.htmlung/Zeitschrift] bzw. [Link]
    Datum der Veröffentlichung 06.01.2015
    Begründung In dem Bericht, der beispielhaft ist für andere Berichte in anderen Medien, wird meinem Verständnis nach gegen Ziffer 2 des Pressekodex, der Sorgfaltspflicht, Ziffer 12, Diskriminierung,Ziffer 13, Unschuldsvermutung, verstoßen. Leider ist es mir nicht möglich, auch die Printausgabe einzureichen, da mir die finanziellen Mittel dazu fehlen, sie zu erwerben.
    Ziffern 2,12,13

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