die AfD und Spenden

Mit großem Interesse habe ich heute einen Beitrag in der Welt, nun wirklich keine linke Kampfpresse, über die AfD-Kandidatin, Beatrix von Storch und Ihren Mann gelesen. Sie ist auf Listenplatz 2 in Berlin, gilt aber laut allem, was man da und dort liest, als die heimliche Spitzenkandidatin.

Der Artikel beschreibt das so:

Trotzdem soll es einige private Rechnungen geben, die vom Vereinskonto aus bezahlt wurden. Erstens die Miete für eine Wohnung am einstigen Berliner Prachtboulevard Kurfürstendamm. Zweitens ein paar Stromrechnungen für die Privatwohnung der von Storchs. Drittens Skulpturen und andere Gartenartikel. Auch das sagen Eingeweihte, zum Teil an Eides statt.

Demnach geht es wahlweise um mehrere Hundert Euro, die über mehrere Monate hinweg bezahlt wurden. Um vielleicht 40 Euro, die nur ein paar Monate lang bezahlt wurden. Und um etwa 600 oder 700 Euro, einmalig. Alles bezahlt vom Konto der Zivilen Koalition

und

Sie bestätigt, dass ihr Mann auf dieser Reise einen Betrag von etwa 10.000 Euro vom Vereinskonto abgehoben hat. „Dieser ist ordnungsgemäß als Darlehen verbucht.“ Ein privates Darlehen also. Das hat einen Hautgout. Wer hat den Vertrag für den Verein unterschrieben? Und zu welchen Konditionen? Keine Antwort der von Storchs.

so kann man es in diesem Welt-Artikel lesen.

Na, dazu hätte ich ja nun nicht bloggen müssen. Stimmt – ich könnte den Artikel verlinken (was ich auch schon getan habe) und über soziale Medien verteilen und gut isses. Aber mir kommen da so zwei bis drei Gedanken.

  1. Die AfD wirbt gerade massiv vor allem bei ihren Sympathisanten Barmittel ein, um in der letzten Woche nochmal eine massive Kampagne zu fahren. Wie ist es um die Spendenbereitschaft der AfD-Mitglieder bestellt, wenn sie wüssten, dass das Geld am Ende bei Leuten wie den sicherlich nicht armen von Storchs landet? Ist es nicht ein Treppenwitz, dass die, die sich über die reichen Griechen beschweren, die sich aus der Verantwortung stehlen, offenbar genau das tun, was sie anderen vorwerfen? (was nicht heißen soll, dass sich die Upper-Class der Griech_innen ausreichend an der Behebung der Krise dort beteiligt).
  2. Ist es glaubhaft, dass dieses Geld – 98.000 €, in ein Bankschließfach transferiert wurde – ohne einen Beleg, ohne dass jemand davon wusste? Wieso gibt’s  dann nicht mindestens ein Foto von dem Schließfach mit dem Geld drin? Im Zeitalter von Smartphones ein Klacks.
  3. Wofür könnte das Geld denn dann sonst verwendet worden sein? Und da fiel mir ein: da war doch diese Anzeige in der FAZ, ganzseitig, vom „Freundeskreis der AfD„, in dem einige sehr unschöne Forderungen aufgestellt wurden, die ja offenbar nicht die uneingeschränkte Zustimmung von AFDlern hatten – und sich auch so nicht im Programm finden. Eine ganzseitige Anzeige in der FAZ kostet, wenn ich mich an verschiedene Gespräche, die man so als Landesvorstand im Zusammenhang mit Wahlkampagnen hat, erinnere, um die 80.000 €. Sollte etwa die Kandidatin der AfD diese Anzeige gesponsert, bezahlt  haben? Klingt zumindest so, als wäre es nicht von der Hand zu weisen. Ein bekannter Journalist, mit dem ich mich darüber unterhalten hatte, meinte ebenfalls, dass er es für möglich hält. Natürlich gibt es keine Beweise. Das würde aber auch ein Stückchen weit die Radikalisierung der AfD erklären.

Ich halte es nicht für ausgeschlossen. Die AfD hat gerade ihre: „der Wahl-Radar hat uns 7,5%-prognostiziert“-Plakatkampagne eröffnet. Klar ist die Strategie: sage, wir haben Erfolg, belege das noch mit einer positiven Umfrage und das wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung.

Den „Mut zur Wahrheit“ zeigt die AfD nicht: wie sich zeigt, ist der Inhaber des Wahlforschungsinstituts, der zu den offiziellen Umfragen auch noch die Social-Media-Daten hinzurechnet, als alles, was bei Twitter mit dem Hashtag #afd+ geschrieben wird, ein Funktionär der AfD ist.

Es fließen vor allem aber auch die Zahlen des „Wahl-O-Meters“ ein, das zählt, wie oft eine Partei und ihre Politiker auf Twitter erwähnt werden. Darin schneidet die AfD regelmäßig derart gut ab, dass sie auch im „Wahl-Radar“ immer deutlich über fünf Prozent liegt.

Und es ist wohl kein Zufall, dass das „Wahl-Radar“ ausgerechnet diese Methode anwendet, um seine Prognosen zu berechnen. Denn hinter dem „Wahl-Radar“ — und das hat leider keines der oben genannten Medien geschrieben — steckt ein AfD-Mann.

schreibt Bildblog.

Übrigens mit einer einfache denic-Abfrage und etwas Suchmaschine in noch nicht einmal 5 Minuten herauszufinden. Ganz ohne Bildblog. Eine Partei, die sich solcher Methoden zur öffentlichen Manipulation bedient – und das ist mehr als seine eigenen Inhalte zu propagieren – der ist auch zuzutrauen, dass ein ihr eigener Flügel Geld in die Hand nimmt und es in Kampagnen investiert, die Inhalte transportieren soll, die dazu geeignet sind, den NPD-Wähler, den Herr Lucke gerne ansprechen möchte, auf die AfD aufmerksam zu machen. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt. Ob die 98.000 € im Schließfach bleiben oder bei der FAZ (und anderen Zeitungen) auftauchen.

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8 Gedanken zu „die AfD und Spenden

  1. Tante Jay

    Zu Punkt 2 der Fragen: Es *braucht* keine Screenshots. Es braucht nur eine ordentliche nachvollziehbare Buchführung. Ist die nicht da, werden die Spenden nicht ordentlich verbucht => Steuerfahndung rein, verhauen.

    So einfach kann Bergbau sein 😉

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      1. Tante Jay

        Es gibt hier nur zwei Möglichkeiten:

        Entweder seriös mit ordentlicher Verbuchung oder unseriös ohne das.

        Selbst Fotos wären da kein Beweis, weil man die problemlos manipulieren kann.

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  2. Systemkritik war gestern

    Ein CDU-Blatt lanciert eine primitive Schmuddelkampagne auf der Basis von Gerüchten und Hörensagen und hier im GRÜNEN BLOGG wird die trübe Gerüchtesuppe noch mit weiteren selbsterfundenen Phantasien garniert.
    Schon mal darüber nachgedacht, dass ihr Euch damit an eine Kampagne der Hochfinanz dranhängt, die einen Einzug der AFD in den Bundestag wie der Teufel das Weihwasser fürchtet? Ein Stopp der Eurorettung würde nämlich viele nette Profite der 1% Provence-Fraktion auf Kosten der Allgemeinheit in Frage stellen und könnte eventuell auch für das grüne Sparkonto von Claudia Normalverbraucherin langfristig positiv sein.
    Wie wärs, wenn Ihr Euch statt mit Kampagnentrash mit den faktischen, nachprüfbaren, objektiven, politischen Aussagen der AFD zum Thema „Eurorettung“ und ESM auseinandersetzen würdet? Aber da müsste man ja angestrengt nachdenken, recherchieren, analysieren und womöglich seine eigene Position überdenken. Wie wärs, wenn Ihr Euch mal glaubwürdig über alternative Ansätze im Hinblick auf den TEURO und den damit einhergehenden Demokratieabbau Gedanken machen würdet? Früher war GRÜN systemhinterfragend, basisdemokratisch und nonkonformistisch, heute anscheinend bankierstützend, CDU-linear und ackermännlich. Prosit GREEN Wall Street!

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      1. Systemkritik war gestern

        Unser Problem als GRÜNE PARTEI ist, dass viele, so auch der Herr Blogbetreiber, offenbar in schwarz-weiß Denkschemata verkrustet sind, die aber weder drängende Probleme lösen, noch Menschen zukünftig bewegen werden können. Neue Probleme fordern neue Lösungen, aber wer den Rauch nicht sehen will, kann auch das Feuer nicht löschen. Die AfD wird den GRÜNEN langfristig Wähler (und nicht der NPD, die hat ja eh fast keine)abnehmen, weil viele GRÜNE heute noch nicht wahrhaben wollen, dass EURO-Kritik notwendige Kapitalismuskritik ist und darum auf die GRÜNE Agenda gehört, wenn man zukünftig ernsthafte Wirtschaftspolitik betreiben will.

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        1. Tante Jay

          Mit Großbuchstaben untermauert man keine Meinungen. Der Post ist eine Ansammlung von Wahlkampfgeblubber, hat keine Substanz und vor allem keinerlei Aussagen – nur Anschuldigungen und unbewiesene Behauptungen.

          Und sowas will ernsthaft diskutieren. Pft. Du bist ne Beleidigung für die Diskussionskultur.

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