die Arbeitslosenzahlen

waren es, die mit dafür gesorgt haben, dass rot-grün 2005 die Wahl verloren hat. Und damit Angela Merkel an die Macht verhalf, die zwischenzeitlich für eine Stimmung sorgt, die durchaus mit der am Ende der Kohl-Ära vergleichbar ist und die Herbert Grönemeyer so beschrieb:

witze kursieren
industrielle gehen schmieren
das geld ist wiedermal allmächtig
die politiker funktionieren prächtig
alles läuft auf wunsch

[…]

ein lächeln liegt auf diesem land
grinst unerträglich ignorant
lächeln wird bei uns zur pflicht
witz komm ‚raus
langsam wird’s lächerlich

5 Millionen Arbeitslose waren es Anfang 2005. Durch die Veränderungen, die die Umstellung der Sozialsysteme gebracht hatten, wurden erstmals arbeitslose, arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger_innen sichtbar. Der Zugang dieser Gruppe, die bislang immer ausgeblendet war, explodierten die Zahlen.

Auch Grünen-Chefin Claudia Roth betonte, die Überschreitung der Fünf-Millionen-Marke sei auf mehr Ehrlichkeit in der Statistik zurückzuführen.

Wie ist es heute?

Die aktuellen Zahlen sehen so aus:

Im August 2013 waren in Deutschland rund 2,95 Millionen Arbeitslose registriert. Die Bundesagentur für Arbeit definiert dabei Arbeitslosigkeit wie folgt: „Arbeitslos ist, wer keine Beschäftigung hat (weniger als 15 Wochenstunden), Arbeit sucht, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und bei einer Agentur für Arbeit oder einem Träger der Grundsicherung arbeitslos gemeldet ist. Nach dieser Definition sind nicht alle erwerbsfähigen Hilfebedürftigen als arbeitslos zu zählen.“

Auf der selben Seite findet sich folgender, interessanter Satz:

Die Arbeitslosigkeit steigt im Vergleich zum Vormonat um 1,1 % und im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,4 % auf 2,9 Mio. Die Unterbeschäftigung ohne Kurzarbeit ist um 0,1 % im Vergleich zum Vormonat gesunken und zum Vorjahresmonat sinkt sie um 0,2 %. Sie beträgt nun 3,9 Mio. Die Arbeitslosenquote beträgt 6,8 %, die Unterbeschäftigungsquote 8,8 %.

Dazu muss man wissen, was Unterbeschäftigung ist:

Unterbeschäftigt ist, wer an Maßnahmen der beruflichen Aktivierung und Reintegration teilnimmt.

Alle, die älter als 58 sind und arbeitslos sind, sind nicht arbeitslos:

Erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die nach Vollendung des 58. Lebensjahres mindestens für die Dauer von zwölf Monaten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende bezogen haben, ohne dass ihnen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten worden ist, gelten nach Ablauf dieses Zeitraums für die Dauer des jeweiligen Leistungsbezugs nicht als arbeitslos.

ebenso wie die, die im 2. Arbeitsmarkt beschäftigt sind, im Vorruhestand oder kurzfristig arbeitslos.

Allenfalls bei Kurzarbeit, geförderter Selbstständigkeit und Altersteilzeit ist einzusehen, dass sie nicht mitgezählt werden.

boots-are-made-for-workinNichtsdestotrotz ist es so, dass die Arbeitslosenzahl (PDF) inkl. derer, die auf diese Art und Weile herausgerechnet werden, nicht 2,95 Millionen Menschen beträgt, sondern de facto: 3,8 Millionen Arbeitslose. Das klingt natürlich nicht so gut. Berücksichtigt man jetzt noch, dass ein Vierteil (rund 8 Millionen) im Niedriglohnbereich beschäftigt ist, also Arbeit haben, die sonst keiner bezahlt, die aufstocken müssen, Bedenkt man außerdem, dass wir 2005 noch eine um 2 Millionen höhere Bevölkerungszahl hatten, der Anteil der Ü60-jährigen gestiegen ist – dann wird klar, dass die Zahl irgendwas mit mehr als 4 Millionen (4,4 Millionen Empfänger_innen Hartz IV), vermutlich fast 5 Millionen Arbeitslose heißen muss – sprich – es hat sich fast nichts verändert. Und nicht zu vergessen: die Umwandlung von Vollzeitstellen in Teilzeitstellen – teilweise in 450-€-Jobs (wie z.B. Auspackteams in Supermärkten)

Lug und Trug bei den Arbeitslosenzahlen – und wenn man sich der Effekte aus dem Jahr 2005 auf das Wahlergebnis bewusst ist, dann wird auch klar, warum. Dass die Presse das mitmacht, steht auf einem ganz anderen Blatt.

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