eine Sonder-BDK

Bild einer Hand eines grünen Delegierten bei einer Abstimmung

Abstimmung – Bild von www.gruene.de

Warum wir trotz einer Abstimmung im Bundestag am kommenden Freitag eine Sonder-BDK brauchen?

Die Messe ist gelesen, die Abstimmung beendet, der Länderrat meiner Grünen hat am vergangen Sonntag dem ausgehandelten Kompromiss mit der Regierung und SPD zugestimmt. Mit einem denkbar knappen Ergebnis – letztendlich handelt es sich mit 40 zu 37 um zwei Delegierte – wurde der Linie der Parteiführung zugestimmt. Das ist bitter, aber das ist auch Demokratie. Letztendlich bleibt am Freitag die Abstimmung im Bundestag – und dann geht alles seinen Gang.

Jetzt mehren sich die Stimmen derer, die sagen: ich war zwar gegen die Zustimmung, aber eine Sonder-BDK benötigen wir nach der Abstimmung nicht mehr. Das konnte man auf Twitter von mehreren MdBs heute nachlesen. Keine Ahnung, was in dieser Fraktionssitzung vorgefallen ist – am Sonntag waren aber folgende Argumente zu hören:

Die Krise ist nicht vorbei. Mit dem Fiskalpakt und dem ESM wird die Krise in Europa nicht beendet sein. Wir werden weiterhin die Spätfolgen der Bankenkrise be- und verhandeln müssen – mit uns, mit der Gesellschaft und den europäischen Partnern. Zumal eine Eindämmung der Krisenursachen nach wie vor nicht erfolgt: Raubtierkapitalimus, Bankenkrise, ungehemmte Spekulation, keine Abwehrmöglichkeit.

Die Europäische Union braucht eine Transformation. Wolfgang Schäuble spricht seit Tagen immer wieder von der Abgabe von Souverenitätsrechten der Bundesrepublik an die EU. Haushaltsrecht, Wirtschatspolitik. Es gibt nach wie vor die Idee einer gemeinsamen Außenpolitik. Darüber muss debattiert werden. Wer wenn nicht wir soll das tun?

Die Euopäische Union muss demokratischer werden. Das Parlament muss gestärkt werden. Es braucht echt Gesetzesinitiativrecht. Es braucht mehr Mitsprache. Und die euopäische Politik muss mehr in die gesellschaftliche Debatte gebracht werden. Darüber müssen wir reden.

Die Auswirkungen des Fiskalpakts müssen begleitet werden. Wir brauchen Instrumente, um zu erkennen, was in den Ländern passiert. Und wir müssen prüfen, ob wir tatsächlich ein neues Hartz-IV auf den Weg gebaracht haben.

Deutschland braucht eine europäische grüne Vision. Wir müssen in dieser Debatte als echte Eruopapartei auf nationaler Ebene debattieren, welche Rolle Deutschland in Zukunft in Europa spielen soll – und wie es das tun soll.

All dies – und noch weitaus mehr – kann nicht in einer Programmdebatte zur Europawahl 2014 besprochen werden. All dies können wir nicht mehr alleine der Regierung und unseren Parteispitzen überlassen. Es zeigt sich eine flügelübergreifende Kluft zwischen Fraktionsführung, die aus Parteiräson versucht, staatsmännisch „erwachsen“ zu handeln und so Regierungsfähigkeit demonstrieren möchte, großen Teilen der Parteibasis, der Europafraktion. Darüber muss geredet werden, nicht nächstes Jahr, nicht übernächstes Jahr, sondern jetzt. Und ich hoffe, jedes Jahr ab jetzt.

Eine Sonder-BDK bleibt unerlässlich. Nicht um nachzutreten. Nicht um den Länderratsbeschluss schlecht zu reden. Nicht, um die Parteispitze zu diskreditieren. Sondern um eine Debatte zu führen, die andere Parteien gar nicht führen, die die Gesellschaft nicht führt, die aber dringend notwendig ist. In Sachen Europa müssen wir einmal mehr voran gehen. Dazu müssen wir aber wissen, was die Partei darüber denkt. Und das werden wir nur erfahren, wenn wir uns ausgiebig, ohne Programmdruck, wo eine gewissen Einigkeit hergestellt werden muss, streiten und diskutieren. Deshalb bleibt eine Sonder-BDK notwendig. Fast noch mehr als vorher.

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2 Gedanken zu „eine Sonder-BDK

    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      weil auch ein Sonder-TOP wieder Grenzen setzt, die zu eng sind. Außerdem glaube ich nicht, dass daran Interesse besteht. Eine Konferenz ist zu unverbindlich, die BDK hat Regeln und außerdem entsendet jeder Kreisverband Delegierte. Zudem berichtet die Presse sicherlich sehr ausführlich über eine BDK mit dem alleinigen Thema Europa anders, als wenn das ein Thema unter mehreren wäre.

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