Entschuldige Dieter Janecek: richtig lesen

Da ist mir ja jetzt ein richtiger Fauxpas passiert. Der Landesvorsitzende der bayrischen Grünen möchte für den Bundestag kandidieren. Ein seit längerer Zeit offenes Geheimnis, also wirklich nichts überraschendes. Transparent und netzaffin wie er ist, hat er seine Entscheidung sehr früh öffentlich gemacht und das vertwitttert. Ich hab es gelesen – und offenbar hab ich was falsch gelesen.

Er schreibt:

So werde ich für den Stimmkreis München-West/Mitte sowie für einen vorderen Platz auf der bayerischen Landesliste antreten.

Ich habe wohl statt „für“ „auf“ gelesen. Da ich mich natürlich bei jemand andrem rückversichert hatte und es mehr als einmal gelesen hatte – ich bin eigentlich ein guter Leser und regelrecht über diesen Satz gestolpert – hab ich einen harrschen Kommentar geschrieben:

Was ich ja so als -zugegeben baden-württenbergischen – Landesvorstand so spannend finde, lieber Dieter, ist folgender Halbsatz: “[…]sowie einen vorderen Platz auf der bayerischen Landesliste antreten”.
Das bestimmt ja wohl immer noch die Versammlung – und wie man bei Cem Özdemir gesehen hat, kann so eine Annahme durchaus von der Versammlung anders gesehen werden. Oder hat der Listenparteitag in Bayern schon stattgefunden?
Ich nehme mal an, du hast dich verschrieben, Dieter. Ansonsten finde ich eine solche Haltung, die voraussetzt, dass man einen vorderen Listenplatz erhält, schlicht sehr undemokratisch.

Mein Verständnis war, dass Du, Dieter, damit öffentlich sagst, dass Du diesen Platz bekommst. Sonst machte ja das Beispiel Cem Özdemir keinen Sinn. Das habe ich wohl gründlich missverstanden. (Hättest mich aber auch mal anschreiben können.)

Also, jetzt ist es in der Welt, heraus bekommt man es nicht mehr, also nehme ich den Beitrag zurück und entschuldige mich dafür – hab ich schon einmal in Deinem Blog getan und tu es hiermit nochmal in meinem eigenen. Mehr kann ich nicht tun – und werde mich in zukünftig bemühen, etwas dreimal zu lesen, weil zweimal offenbar nicht reicht. Und über dem einen oder anderen Kommentar noch ne Nacht schlafen.

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8 Gedanken zu „Entschuldige Dieter Janecek: richtig lesen

  1. Henning

    Kann ich gut nachvollziehen. Es klingt total blöd, aber mir ist das auch schon passiert. Eine Kleinigkeit falsch gelesen, sich voll drüber aufgeregt und nachher kann man sich gar nicht erklären, wieso es so war, denn man denkt, dass man – gerade wenn man sich so drüber aufregt – das ja schon richtig gelesen haben wird. Man liest’s ja dann in der Regel auch nicht nur einmal. Gerade, wenn man drauf reagiert. Tjaja, unser Gehirn…

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  2. Pingback: transparent

    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Hallo Katja, danke – aber das ist ja das, was ich immer einfordere. Und ich kann sowas nur einfordern, wenn ich selbst in der Lage bin, so zu handeln. Wobei ich das wirklich für eine Selbstverständlichkeit halte. Gerade in Zeiten von Wulff und Konsorten 🙂

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  3. Matthias Schlegel

    Wunderbar. So muss das sein. Streiten ist ok. Fehler machen auch. Menschlichkeit und damit Fehleranfälligkeit zugeben das Wichtigste. Da sind wir doch hier im Netz schon auf einem guten Weg.
    Auch deshalb würde ich mich freuen, wenn wir noch mehr Leute mit netzpolitischem Know-how im Bundestag haben könnten.

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  4. Wolfgang G. Wettach (@wettach)

    Sehr gut –

    und nachdem ihr euch weiter versteht, hoffe ich doch, dass auch du, Jörg, diesmal auf einem Listenplatz etwas weiter vorne als letztes Mal antrittst und auch landest, damit ihr euch beide im nächsten Bundestag weiter verstehen und sinnvoll ergänzen könnt. Wie Matthias richtig sagt: Es geht nicht nur um Menschlichkeit, sondern auch um netzpolitisches Know-How.
    Herzliche Grüne Grüße aus Tübingen,
    Wolfgang G. Wettach

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  5. Johannes Rehborn

    Hallo Jörg,

    super! Die Reaktion finde ich echt gut.
    Und genau deshalb mag ich die Grünen. Weil wir uns in die Augen schauen können und weil wir auch mal Fehler zugeben können.

    Danke dafür
    Johannes

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