Hallo Rapunzel, wir müssen reden

ein „offener Brief“

Hallo Rapunzel,

ich kaufe viel Eurer Produkte im Bioladen oder bei Alnatura, seit vielen, vielen Jahren. Ihr macht leckerer Schokolade, tolle Müslis, ein fabelhaftes Samba und sehr leckere Penne. Heute fiel ich in meinem Bioladen über Euren Schokoladenaufsteller – passend zu Ostern wohl – und musste mit Entsetzen die Produkte „MilchMichl“ und „MichMarie“ als neue Produkte entdecken.

2013-03-26 18.00.04

Das ist klassische, sexistische Produktpolitik. Klar, die „Mädchenschokolade“ ist rosa, die „Michl“ ist ganz klar hell(!!)blau. Ich weiß echt nicht mehr, was ich sagen soll. Ich kann kaum annehmen, dass Ihr die Debatten um die rosa Überraschungseier nicht mitbekommen habt.

Dieser taz-Artikel beschreibt es eigentlich ziemlich gut –

Wahrscheinlich gibt es bald auch die Kinder-Schokolade in Rosa, in Konkurrenz zur lila Milka.

nur ist es nicht die böse Kinderschokolade, mit der Ferrero weiter in die Sexismusfalle tappt, sondern Ihr, die „Guten“ (dachte ich und ihr wohl auch) von Rapunzel. Ja, in Eurer Firmenphilosophie steht nichts von „Sexismus vermeiden“. Aber trotzdem dachte ich irgendwie, das wäre für ein Unternehmen, wie Ihr es seid, gar kein Thema. Faire Schokolade, sexistische Kackscheiße. Eine Kombination, die ich mir nicht hätte ausdenken können.

Die Emma schreibt dazu:

,Rosa macht Mädchen dümmer'“. Zum Wohl ihrer Profitraten vermüllt die Pink-Industrie den kleinen Mädchen das Gehirn.“ Heraus kämen Prinzessinnen, die nur eins im Kopf haben: Konsum

Ich bin frustriert und sauer und werde vorerst auf Eure Produkte verzichten.

Frohe Ostern

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13 Gedanken zu „Hallo Rapunzel, wir müssen reden

  1. Detlef Reppenhagen

    Ich meine, wir sollten hier nicht über das Ziel hinausschießen. Heute war ich in der Kantine und habe ein „Zigeunerschnitzel“ gegessen. Na und? Es hat geschmeckt. Auf dem Rückweg fragte ich mich, ob das künftig „Sintischnitzel“ heißen soll? So ein Blödsinn. Jahrelang musizierte ich den Tango „Du schwarzer Zigeuner, komm spiel mir was vor.“ Also mit Bedacht herangehen an die Sache. Veränderungen brauchen ihre Zeit.

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    1. Lusru

      Korrekt, Detlef!
      Der Jürgen Rupp hätte besser ein Mandat bekommen sollen, dann würde er sich jetzt nicht mit Rosablausexistischgrau abplagen, sondern was Richtiges bewegen.
      Was hältst du davon, verehrter Jürgen, den (Gesichts)Bart als sexistisches Wahrzeichen zu brandmarken, oder die weiblichen Brustdrüsen, oder … oder …. – die sind doch für Sexismusdeklarationen weit ergiebiger, als die Babyfarben – soweit ist das nun schon von der Antje abgefärbt, daß Babyfarben aus der Tradition gerissen werden sollen – Jürgen wach auf, was haben die Babyfarben dir getan? Muß ich nach deiner Farbenlehre nun meine braunen Hosen und roten Hemden vernichten, damit da keine dummen Schlüsse gezogen werden können?
      Du solltest dich nicht lächerlich machen, das hast du nicht nötig.

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        1. Lusru

          Sorry Jörg, mein leider verstorbener Freund hieß Jürgen Rup (mit einem P!), das kommt halt manchmal noch durch.
          Offenbar bist du ja der Meinung, du würdest hier „politisch“ bloggen. mit Verlaub, wenn bereits blaue und rosa Kinderschokoladenverpackung von dir als potentielle sexistisch anrüchtig Fehlhandlung“ gesehen wird, ist mir dieser dürre Radius (statt Horizont, der hier fehlt) für Politik zu krümelkackerisch, ist wohl gut so, daß du kein Mandat erhalten hast – ob das mit solchen rosabluen Kinderschokoladenbetrachtungsperspektiven direkt zusammenhäng?
          Du sagstals „Motiv“ für diese Krümelperspektive: „Und ich lebte gerne in einer Gesellschaft, in der diese Geschlechterstereotypen überwunden sind.“ – Was ist denn das nun wieder? Ein lila Traumzauberbaum mit Moosmutzelchen usw.?
          Komm zurück auf die Erde, dort leben Menschen, richtige, die genau das in einer langen Evolution nur das geworden sind, was sie sind, weil sie UNTERSCHIEDLICH waren und sind, weil sie diese UNTERSCHIEDE wahrnehmen, erfassen und zweckmäßig „verarbeiten“ konnten, nur das hat sie in der Evolution vorwärts gebracht, nur das schud Information und damit die Intelligenz und den Geist, der uns von anderen Lebewesen unterscheidet.
          Und du willst in dieser seit zig tausenden von Jahren von Information (Unterschied) geprägten Informationsgesellschaft, die als soziale Menschengemeinschaft nur als Unterschiedsgesellschaft existieren und sich entwickeln kann, einen der wesentlichsten dieser Unterschiede, den Geschlechterunterschied eleminieren?
          Das was du als „Geschlechterstereotypen“ bezeichnetst, sind wesentlicher Teil der Unterschiedlichkeiten, die die sozialen Informationen erzeugen und erlauben progressiv sozial zu verarbeiten.
          Extreme Überhöhungen und Unterschlagungen gibt es überall, das rechtfertigt indes nicht, diese zum negativen MASSSTAB des Lebens und das womöglich noch zur Allgemeinsicht machen zu wollen, da das bereits selber zu einer Frage der Unfähigkeit der Erfassung und sozialen BEWERTUNG der Unterschiede um dich herum sich auswächst und nur zur Errichtung neuer riesiger Betonmauern in der Geisteswelt der Menschen führt – das erachte ich nicht nur als schädlich sondern, wie bei allen fundamentalistischen Erscheinungen, als gemeingefährlich und vor allem der selbst dasmit bezweckten Ziele für äußerst schädlich.
          Wenn von 10 Millionen 5000 Getreidekörner verdorben sind, leben wir NOCH LANGE NICHT IN EINER VERDORBENEN WELT – Das ist jedoch deine Moosmutzelperspektive, so wird es nie etwas damit, die Menge der „verdorbenen“ zu verkleinern, die übrigens wie alles was wächst auf der Erde, auch immer wieder „nachwächst“ – was vsoll diese rührseelige fruchtlose Traumtänzerei gegen rosablaue kindliche „Geschlechterstereotypen“?
          Warum werden die „Verdorbenen“ nicht weniger? Ob da in der Kindheit bereits passende (!!) Geschlechterstereotype gefehlt haben???
          Das laß dir bei Gelegenheit mal durch DEINEN Kopf gehen.
          Damit laß auch ich dich nun allein, störrische Gernewisser zu „informieren“ bringt nicht viel, die brauchen das wohl so, es ist meist ihr Leben, ihr ganzes.
          Schade und tschüss mit den Worten:
          Diese Welt lebt grün, nicht rosablaugrau, mann kann es aber auch sich selbst zum Gegenteil zerreden, zer Ruppen.

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  2. Martin Retsum

    Der Euro geht den Bach runter, die weltweiten Ressourcen neigen sich dem Ende zu, Nordkorea erklärt Kampfbereitschaft, Islamisten streben die Weltherrschaft an, das Klima wandelt sich, Russland, Ungarn werden zusehends wieder zu Diktaturen, die USA wollen großflächig Fracking zur Erdölförderung einsetzen und in Deutschland erfinden sie die Mädchenschokolade!

    SCHEIß HEILE WELT!

    Ihr merkt’s nicht mehr!

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Jo. Nur weil es große Probleme gibt, darf man sich um die scheinbar kleinen nicht kümmern? Ist das die Botschaft? Ich finde, Stereotype sind ein großes Problem, weil sie im Zusammenspiele mit ein paar anderen zu großen Problemen führen. Und himmelblaue und rosa Schokolade(nverpackungen) sind eine Ausprägung eines viel größeren Problems…

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      1. Martin Retsum

        Das ist jetzt nicht Ihr ernst, oder? Stellen Sie sich nur eines der oben genannten Szenarien vor! Ihr Problem, wäre nicht mehr wahrnehmbar! Die Diskussion über Stereotype erzeugt erst welche: Hier die bösen sexistischen Männer und dort die armen guten Frauen!
        Die Menschheit, dazu gehören Männer und Frauen, kann nur zusammen überleben! Diese neue innerdeutsche Grenze zwischen den Geschlechtern in kontraproduktiv!
        Wir haben in Deutschland ausreichend juristische Mittel um mit echten Mißständen klarzukommen!

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        1. Jörg Rupp Beitragsautor

          Wissen Sie, das hier ist ein politisches Blog – und auch ein persönliches. Hier blogge ich zu Dingen, die mir auffallen. Nicht immer finde ich die Zeit, mich mit den „großen“ Themen schriftlich auseinanderzusetzen. Ein Blogbeitrag: „Fracking ist scheiße, weil es unökologisch ist, Chemie in die Erde zu pumpen und noch dazu gefährlich“ entspricht nicht meinem Anspruch. Ich schreib hier zu großen und zu sogenannten „Orchideen“themen. Und ich finde das legitim und auch in Ordnung. Denn das Leben selbst ebsteht aus großen und kleinen Problemen. Und ich lebte gerne in einer Gesellschaft, in der diese Geschlechterstereotypen überwunden sind. Ich finde dieses rosa/himmelblau ganz furchtbar und finde es dann noch schlimmer, wenn ein Unternehmen, von dem ich sowas wirklich nicht erwartet hätte — von Ferrero erwarte ich eigentlich wenig Gutes – dann auch auf dieser Schiene fährt. Es hat mich beschäftigt und daher habe ich es gebloggt. In seiner Ausprägung mag es nicht so groß sein wie ein durchgehendes AKW – aber es ist ein Teilaspekt eines viel größeren Problems, dass Sie offenbar nicht sehen wollen – und es geht dabei nicht um böse Männer und gute Frauen. Sondern um Rollenbilder. Wenn wir die überwinden, kommt auch keiner mehr auf die Idee, davon zu sprechen.

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          1. Martin Retsum

            Ihr Ansinnen ist durchaus legitim, aber sind wir (Frauen u. Männer) nicht doch auch ein wenig unterschiedlich? Ich bin auf dem Land aufgewachsen – ein Verzicht auf Rollenbilder, wäre gleichermaßen ein Verzicht auf Effektivität gewesen. Es ist nun mal so, dass der Durchschnittsmann bei schweren Arbeiten der Durchschnittsfrau überlegen ist. Dumm, wer sich das nicht zunutze macht. In einer modernen automatisierten Welt zählt das natürlich nicht mehr! Trotzdem möchte ich anmerken, dass es in Deutschland auch heute noch schwere körperliche Arbeit gibt, die zu fast 100% von Männern erledigt wird. Hier wird, warum auch immer, keine Quote gefordert!
            Vielen Dank, dass Sie meine Kommantare nicht einfach ignoriert haben. Das ehrt Sie! Ich wünsche ein schönes Osterfest!

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          2. Lusru

            Wenn die „Rollenbilder“ von „Mann“ und „Frau“ zu „man“ werden, ist das doch nicht etwa eine erstrebebswerte Perspektive?
            Das Gegenteil ist erforderlich: Mann und Frau müssen jeweils IHRE Rolle als Mensch weit intensiver in der Öffentlichkeit GEMEINSAM (vor)leben, positive Beispiele leben, immer wieder neu und ohne Verzagen, anstatt separierende Forderungen zum Ziel zu machen (und das wohl möglich noch den Kindernaugen als die rosablaugefilterte KINDERSCHOKOLADE des Lebens missionieren).

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  3. Till

    Ich habe grade mal überlegt, warum ich mich nicht aufgeregt gabe (obwohl die Schokotafeln auch bei uns im Bioladen stehen), und warum mein Bauchgefühl beim Lesen deines Blogposts eher ein „naja, Boykott ist übertrieben“ war (BTW: Ich hoffe, du hast das nicht nur verbloggt, sondern auch brieflich an Rapunzel geschickt).

    Ergebnis meines Nachdenkens: der Bullerbü-Effekt ist schuld. Zwar setzen die Schokoverpackungen auf geschlechterstereotype Bilder und Farben, aber sie sexualisieren nicht. Die beiden abgebildeten Kinder wirken altertümlich, aber sie sind ganz klar Kinder und keine Minierwachsenen. Heide und Geißenpeter, nur ohne TM und Anime. All das scheint mir dazu beizutragen, dass es, sagen wir mal, keine Katastrophe wäre, würde ein Laden nur eine der beiden Sorten führen – der Kinder-Süßigkeitenhunger könnte trotzdem gestillt werden.

    Aber du hast natürlich recht, dass es ärgerlich ist, dass Rapunzel meint, auf diesen Trend aufspringen zu müssen.

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Klar hab ich ds E-Mailig an Rapunzel geschrieben. Ich hab da glaub ich nach der ganzen Ü-Eier-Debatte und dem #aufschrei einfach ein Ohr dafür – und muss sagen, leider in der Familie eine sehr rosa Nichte. Ich glaub, da gibt es Zusammenhänge auf der persönlichen Ebene :-). Ich war aber immerhin nicht SO sauer, dass ich alles, was ich von Rapunzel zu Hause hab, zurückgeschickt habe. Sowas mach ich sonst durchaus mal 🙂

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      1. Lusru

        Was ist das:
        „eine sehr rosa Nichte in der Familie“-?
        Eine neue Stereotyp-Kreation?

        Laß das doch einfach weg, die Nichte spürt dich in deiner rosa-Rosa-Aversion, was wohl kaum für irgend jemanden nützlich ist.
        Was sind die Geschlechterstereotypablehner doch für gewaltige Egoisten, wenn sie anderen rosa nicht gelten lassen.
        Rosa gehört dazu! Genau wie rosa.
        Das wars aber nun.

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