Herr Wehaus kommentiert in den Stuttgarter Nachrichten zu #Asyl

Ein schier unerträglicher Kommentar von Rainer Wehaus, der eigentlich in nach pi-news gehört, findet sich am 28. Juli in den Stuttgarter Nachrichten:
Die gut gemeinte Flüchtlingspolitik von ihm selbst und seiner Partei wächst dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann über den Kopf. Deutschland wird von Armutsflüchtlingen überrannt.

Ich habe diesen Kommentar per Leserbrief beantwortet:

Sehr geehrter Herr Wehaus,
seit 6 Monaten gehe ich alle 14 Tage in Karlsruhe gegen die Rassisten und Neonazis von Pegida, jetzt Widerstand Karlsruhe auf die Straße, organisiere Gegenwehr, Demonstrationen, bin einer von mehreren Anmelder_innen von Gegenkundgebungen und rede dort auch hin und wieder. Ihre Argumentationsweise, wie Sie sie in Ihrem Artikel heute verlautbaren, deckt sich weitgehend mit deren Argumentation, seit sei nicht mehr nur über Muslime verbal herfallen, sondern schon länger auch über die zahlreichen Menschen, die mit dem Wunsch nach Einlösung des Menschenrechts auf Asyl in dieses Land kommen.

Ihre Worte sind zynisch und ich frage mich, wie man in einer der reichsten Regionen der Welt anfangen kann, Cents zu zählen und den Menschen, die auf der Flucht hierher sind, auf der Flucht, vor Krieg und Gewalt, vor perspektivlos machender Armut, die das Leben bedroht, vor systematischer und struktureller Verfolgung, wie sie die Roma auf dem Balkan unterliegen, Schutz zu missgönnen. Ausgerechnet den Roma, der zweitgrößten Gruppe, die im 3. Reich in den Konzentrationslagern vernichtet wurden. Ausgerechnet den Roma, die immer noch keinen europaweiten Schutzstatus haben – und ihn so dringend benötigten. Ausgerechnet den Roma, deren Peiniger nach dem 3. Reich einfach wieder in Amt und Würden kamen und sie in der jungen Bundesrepublik weiterhin verfolgt haben – bis heute dauert die Verfolgung der Roma in Europa an.

Und den syrischen Frauen, geflohen vor unmenschlicher Gewalt, sexueller Gewalt, ein Teil systematischer Kriegsführung in allen Kriegen, denen missgönnen Sie die Hilfe, die sie hier erhalten können, denken 95 Millionen Euro wären zu viel.

Was ist ein Menschenleben, was ist körperliche Unversehrtheit, was ist die hoffentliche Wiederherstellung der seelischen Gesundheit – oder zumindest der Kraft, mit dem Gewaltakt zu leben, der kaum persönlicher sein kann – in den Redaktionsräumen der Stuttgarter Nachrichten wert? Was darf humanitäre Politik kosten? Hätten Sie geschrieben: Scheiß auf die Schuldenbremse, lasst uns Häuser bauen und diesen Menschen Hoffnung, Arbeit, Ruhe, Frieden, Zutrauen, eine Perspektive geben – kurzfristig oder mit der Option, immer hier zu bleiben und Winfried Kretschmann dafür kritisiert, das er das nicht tut – ich hätte Ihnen zugejubelt. So muss ich sagen: Ihre Worte unterscheiden sich kaum von denen der Neonazis und Rassisten, die in Karlsruhe 14-tägig über die Straßen taumeln und sich für das Volk halten – 36 waren es gestern nach eigenen Angaben. Seriöser Journalismus ist das nicht – das ist Hetze, die sich als Zeitungsartikel tarnt.

Keine Grüße

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2 Gedanken zu „Herr Wehaus kommentiert in den Stuttgarter Nachrichten zu #Asyl

  1. Heiner Müller

    Hallo,

    Teilaspekte:

    Ihnen sind die Zahlen der Geschlechterverteilung bekannt? 70 – 80% der Flüchtlinge sind junge Männer.
    Frauen / weibliche Jgendliche sind weit in der Minderheit.
    http://www.zeit.de/2015/39/fluechtlingsunterkuenfte-langeweile-beschaeftigung-aggression?page=20#comments

    Meine Vorgehensweise:
    Ich überprüfe meine Thesen von Zeit zu Zeit.
    Dazu nehme ich die Vergangenheit, heutige bekannte
    Zahlen, auch aus Nachbarländern + Lebenserfahrungen.
    daraus kann ich eine halbwegs realitischeAbschätzung
    ableiten / vorhersagen.

    Beispiel: Was passiert wenn jedes jahr eine Million Chinesen nach Deutschland kommen?
    Deutschland wird chinesischer.
    Spätestens nach 8 Jahren stellen (Ex)Chinesen
    10% der Bevölkerung.
    Jetzt selbstständig weiterdenken…….

    MfG.

    ps. Ob Pegida & co, gegen Atomkraft, gegen TTIP,
    Ausspionierung, pro Asyl, MLPD, NPD; Abtreibungsgegner, Befürworter, usw.

    Alles muss demonstrieren können.
    Art. 5 u. 8 GG.

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Ja, warum nur kommen vor allem junge Männer? Vielleicht liegt es alleine an der Tatsache, dass eine Flucht zu Fuß über tausende Kilometer kein Spaziergang ist?
      Und ansonsten: jedeR darf demonstrieren. Nur muss er halt damit rechnen, dass andere dagegen demonstrieren. Das Recht auf freie Meinungsäußerung beinhaltet nicht, dass jede Meinung unwidersprochen geäußert werden darf.

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