ich sprüh’s an jede Wand?

Ina Deter hat sie gefordert – die neuen Männer. Sie hat dabei sehr offen gelassen, was sie damit meint – was vielen den Raum lies, dort hinein zu interpretieren, was man so für sich selbst dachte. Gemeinhin wird der „neue Mann“ aber als das Gegenteil vom Mann im Patriarchat interpretiert – wie er – überdeutlich – hier dargestellt wird. Seine Rolle neu finden soll er, im Haushalt helfen, Kinder betreuen, emotional sein, reflektiert, nicht Sonntag früh beim Stammtisch, Partner, nicht der, der „die Hosen anhat“. Ein Partner in einer Beziehung auf Augenhöhe.

Zwischenzeitlich redet man sogar über das „Nice-Guy-Syndrom, das dramatischerweise dazu führt, dass offenbar

Frauen  Männer sexuell unattraktiv finden, die ständig nur als der Nette und Harmoniesuchende agieren und Konfrontationen stets ausweichen.

In der Zeit findet sich ein derzeit stark debattierter Beitrag von Nina Pauer, in der sie klischeehaft beschreibt

Heute tragen die jungen Männer Bärte und spielen Gitarre. Sie sind lieb, melancholisch und sehr mit sich selbst beschäftigt. Für die Frauen wird das zum Problem.

wie neue Männer, belastet mit dem Nice-Guy-Syndrom Frauen frustrieren, sie sich doch eher den zupackenden Mann wünschten. Sie stellt es so dar, als wären es vor allem auch eigene Erfahrungen, aus denen sie auf den Rest der Männerwelt schließt. Und das Bild des gitarrespielenden Bartträgers, der es dann nicht schafft „richtig“ zu flirten oder gar ma Ende „einfach mal küsst“ ohne zu fragen, der zupackende Mann, der Aufreißer – der fehlt ihr. Überhaupt das Küssen: in einem klugen Artikel im FAZ-Blog beschreibt Julia Seeliger aka @zeitrafferin, dsas es -nicht nur eigentlich – uncool ist, ungefragt zu küssen. Womit sie recht hat. Und schreibt die Botschaft aus ihren „geheimen Kanälen“:

Im Übrigen würden sich viele Männer auch freuen, wenn die Frau mal den ersten Schritt macht.

Korrekt. Kann ich bestätigen. So geheim ist das gar nicht. Ich habe in meinem Leben auch nicht immer der Forderung nach dem „ersten Schritt“  erfüllt. Das klassische „willst du mit mir gehen“ – gab es nie. Aber bis heute ist diese Erwartungshaltung da. Der Mann hat den ersten Schritt zu tun. Die Frage nach „willst du mich heiraten“ – die hat vor allem der Mann zu stellen und bitte noch gleich die wunderschönen Ringe mitzukaufen. Die Frage muss natürlich romantsich verbrämt an einem besonderen Ort – Urlaub, gutes Restaurant – gestellt werden und nicht bloß nicht nach einem durchschwitzten Beischlaf im gemeinsamen Bett. Er kauft die Ringe – sie kümmert sich dann zusammen mit einer Horde Freundinnen um die gelungene Ausrichtung der Hochzeitsfeier, schleppt ihn auf Hochzeitstage, das Kleid muss auch sauteuer sein – ein unvergesslicher Tag, bombastisch – durch und durch amerikanisiert.

Der Rollback findet statt – und er findet sich in Artikeln wie dem von Nina Pauer wieder. Einem Artikel, der nicht in der Bunten gestanden ist – sondern im intellektuellen Blatt „Zeit“. Wollte die Redaktion provozieren? Man weiß es nicht. Ich finde es aber erschreckend, dass sich solche Plattitüden verbreiten. Denn es ist ja nicht nur dieser Artikel, es ist eine ganze Reihe von ihnen – die das Bild der modernen Familie/Beziehung humorvoll, überspitzt und voller überkommener Klischees insLächerliche zieht. Wie das Herumhacken auf den angeblichen Latte-Macchiato-Müttern in Berlin und Frankfurt. Und wir, die wir uns dafür einsetzen, die klassiche Männerrollen zu überwinden, müssen rückwärtsgewandt Kämpfe führen. Autor_innen wie Nina Pauer gehen hand ind Hand mit der maskulistischen Szene, die ebenfalls gerne vom „richtigen Mann“ schwärmt und alle, die sich für „neue Männer“ einsetzen, als Pudel beschimpft – die, die noch dazu für die Gleichberechtigung kämpfen und Feminismus nicht er se vedammen, gar als „Lila Pudel“.

Das Bild des gehemmnten jungen Mannes, der sich nicht an die Frau traut, gezeichnet mit

Statt seinen Stolz zu nehmen und nach einem letzten romantisch-heroischen Versuch einzusehen, dass es richtig wäre aufzugeben, trauert er, wochen-, monatelang.

ist sowas von 1950er, dass es weh tut. Ja, Männer dürfen weinen, Männer dürfen trauern, Männer dürfen unerfüllt lieben und Männer dürfen nicht wissen, wie sie die Angebetene herumkriegen – zu was auch immer. Und wenn eine Frau dsa merkt – dann kann sie sich ja trauen und sagen: trau dich ruhig. Ich wünsch es mir. Ich bin sicher, das würde es so leicht machen, wie Frau Pauer sich das wünscht. Eine Rückkehr zum Macho, der sich „die Weiber schnappt“ – die darf gerne weiter an Stammtischen und in Maskuforen gefordert werden, der Zugang und der Ausdruck von Gefühlen gerne weiter pudelig. Wir sind da weiter.

 

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4 Gedanken zu „ich sprüh’s an jede Wand?

  1. habicht

    Mag sein, dass es diese Frauen gibt, die darauf warten, dass der Mann ihr den Antrag macht, um ihn dann irgendwann auf „Hochzeitstage zu schleppen“ – verirrte und komischen Menschen gab es schon immer und wird es auch immer geben.

    Gottseidank hat man(n) da aber auch eine Wahlmöglichkeit. Ich habe gehört, dass es Frauen gibt, für die so eine Vorstellung ebenso schlimm wäre, wie anscheinend für dich.

    Genauso, wie es bestimmt irgendwo Männer gibt, die unbedingt den Antrag machen wollen und ihrer Verlobten unbedingt das unfassbar teure Kleid kaufen wollen, um beim von dir aufgeworfenen Hochzeitsbeispiel zu bleiben.

    Menschen, ihre Moralvorstellungen und persönlichen Vorlieben sind nunmal unterschiedlich, ganz egal, wie dämlich man die ein oder andere Ausrichtung persönlich findet.

    Bis sich die Gesellschaft endlich an das emanzipierte Frauen- und Männerbild gewöhnt hat, wird es wohl so bleiben. Aber wie gesagt, niemand wird dazu gezwungen, sich den Rollenbildern zu unterwerfen.

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  2. James T. Kirk

    Der Rollback findet statt – und er findet sich in Artikeln wie dem von Nina Pauer wieder. Einem Artikel, der nicht in der Bunten gestanden ist – sondern im intellektuellen Blatt “Zeit”. Wollte die Redaktion provozieren? Man weiß es nicht. Ich finde es aber erschreckend, dass sich solche Plattitüden verbreiten.

    Sehr geehrter Herr Rupp,

    verstehe ich Sie richtig, daß Sie es anderen Menschen nicht zugestehen wollen, wie sie leben möchten und was sie attraktiv am eigenen oder anderen Geschlecht finden?

    Ich finde ihre Einstellung sehr totalitär und anmaßend.

    Und wir, die wir uns dafür einsetzen, die klassiche Männerrollen zu überwinden, müssen rückwärtsgewandt Kämpfe führen.

    Als Grün-Wähler möchte ich ausdrücklich nicht, daß Sie sich anmaßen, anderen Menschen die von Ihnen favorisierte Lebensweise zu oktroyieren.

    Woher nehmen Sie diese Autorität?

    Stehen die Grünen nicht für eine Überwindung der Fremdbestimmung anderer Menschen durch subjektive Wertungen und Weltbilder?

    Genau dies tun Sie.

    Ich finde es zudem schade, daß Sie einen äußerst verengten Blick auf Feminismuskritiker haben, zu denen ich mich auch zähle.

    Ich finde es beschämend, daß ein Mitglied der Grünen derart demagogisch handelt und offenbar keine Skrupel kennt, Feminismuskritiker als rechtsextrem darzustellen.

    Hier fehlen nachwievor schlüssige Belege.

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Ich bin Mitglied einer demokratischen Partei, die Zeiel vertritt, die nicht automatisch von 100% der Gesellschaft geteilt werden. Wäre es anders, hätten wir 100% Wählerstimmen. Insofern ist Ihr Vorwurf, ich wäre totalitär und anmaßend, völlig verfehlt. Meine Ziele sind offenbar anders als die Ihren aber ebenso wie mir steht es Ihnen frei, für Ihre zu kämpfen. Das ist Demokratie und die Aufgabe von Parteien oder andere Interessenvertretungen. Es gibt solche und solche Feminismuskritiker_innen. Das es unter ihnen eine ganze Reihe von Rechtspopulisten mit einem stark geschlechtliche Rollenbilder fixierenden Kern gibt – die ist nicht wegzudiskutieren und selbstverständlich gibt es schlüssige Belege. Dazu müssen Sie einfach einmal eine Weile in deren Propagandaseiten mitlesen. Man kann es schons ehr schnell erkennen.
      Jede_r soll leben können wie er oder sie möchte. Dabei gibt es aber ein paar Regeln zu beachten. Die Basis für diese Regeln sind Grundgesetz und die Menschenrechte.

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  3. Pingback: Blick zurück nach vorn

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