Like my Partei – ein Experiment und ein Fazit

till

So schrieb Till Westermayer vor einer Woche auf Facebook. Ich geb zu: im ersten Moment war ich etwas angefressen, dachte, er will mich vielleicht vorführen. Aber dann dachte ich: warum nicht? Denn: eigentlich überhaupt kein Problem, es ist ja in mir.

Was Till anregen wollte, war, dass ich auch das Positive sehe, das Grüne tun, anstoßen, gestalten. Das ich nicht nur Negativkritik äußere, sondern konstruktiv die Dinge angehe – er sprach gar von Beziehungspflege zwischen mir und „meiner“ Partei. Till arbeitet im Landtag, ist Mitarbeiter der Landtagsfraktion – ich nehm‘ mal an, das man da teilweise genervt mit den Augen rollt, wenn man den Namen „Jörg Rupp“ hört oder liest (mit mindestens einer Ausnahme :-)).

Also hab ich in einer Woche jeden Tag mindestens eine (oder zwei oder drei) „gute Botschaften“ gepostet – und dabei auch nicht die Ministerin ausgespart, wo die Minister_in nicht unbedingt zu meinen innerparteilichen Freunden gehört. Ja, sogar einen positiven Artikel über Reinhold Gall habe ich verlinkt und auch den Toni Hofreiter nicht vergessen. Eine kleine Auswahl (Link im Bild):

Mannheimer Morgen: Kulturförderung

Mannheimer Morgen: Kulturförderung

2

 

 

 

 

 

3

4

 

 

 

 

Bis zur Landesvorstandsklausur, die ja auch in diesem Artikel von Ulrich Schulte zum Shitstorm beschrieben ist,  war ich tatsächlich ein Raving-Fan der Landesregierung. Selbst mit dem Asylkompromiss hatte ich meinen Frieden einigermaßen gemacht – ich glaubte Winfried Kretschmann, dass er mit sich gerungen hatte. In dieser Sitzung stellte sich das für mich anders dar – und ich war kurz davor, auszutreten (was sicherlich den einen oder anderen Stoßseufzer der Erleichterung in Stuttgart oder Berlin ausgelöst hätte). Ich mag ihn hier nicht zitieren in der Asylfrage – aber die Selbstverständlichkeit, wie er auch basisdemokratische Prozesse im Landesverband in Frage stellte („ich brauche keine Besserwisser“) brachten mich zusammen mit anderen Äußerungen an den Rand von allem. Wäre ein Linker oder ein Pirat mit Mitgliedschaftsantrag vor der Tür gestanden – ich hätte vermutlich unterschrieben.

Das verging – denn es sind ja auch noch Dinge zu tun. Da ist der

im Herbst, den ich als BAG-Delegierter über die BAG Medien und Netzpolitik mit angestoßen hatte – auch mit einer wichtigen Diskussion zum Thema Arbeit der Zukunft. Außerdem wurde ich als Parteirat gewählt – da hört man nicht so einfach auf. Und eigentlich bin ich vor allem ein Grüner – ein piratiger Grüner, ein linker Grüner (ohne Flügelmitgliedschaft allerdings!) und das eigentlich auch mit Leib und Seele – auch wenn der Magen grummelt, was er halt zurzeit ziemlich laut tut.

Ich schreibe mir das, was mich umtreibt, von der Seele. Manchmal viel, manches Mal weniger. Ich bin ein Digital Immigrant – erst mit Anfang 30 tatsächlich die Begeisterung für Computer und die damals wirklich noch „neuen Medien“ entwickelt. Für mich ist das Smartphone und die Welt mit Twitter und Facebook und WhatsApp etc. tatsächlich eine Erweiterung meines Lebensraums. Ich schreib nicht alles – aber das meiste. ich würde gerne mehr bloggen – was dann zu oft mit meinem Zeit kollidiert. Und derzeit eben vor allem kritisch – kritisch und laut. Das nervt, ich weiß. Es gäbe noch andere Dinge zu berichten – alleine, ich weiß, man kann und darf nicht alles sagen und schreiben.

Ich klinge auch für mich wie ein Nörgler – aber ich kann (und will) die Klappe nicht halten. Was Till bezweckte – im Sinne von Beziehungsarbeit, wie er schrieb, kann ich nur erahnen. Ich schrieb zurück, Beziehung bedeutet Beidseitigkeit. Und das ist mein Ernst. Ulrich Schulte hat mich im oben verlinkten Artikel ein Stückchen weit als „unbelehrbar“ beschrieben. Er meinte, das wäre nicht so eindimensional zu betrachten: ich hätte eben Positionen, die ich als nicht verhandelbar betrachte. Haltung. Und ich glaube, dass man, wenn man zu viele Positionen zur Verhandlungsmasse macht, als politische Partei, gerade so Säulen wie beim Asyl – dann verliert man Glaubwürdigkeit.

Ich kann positive Dinge entdecken, in dem was wir tun. Aber wenn ich vergleiche zwischen Asyl und Kulturförderung, zwischen „Ehe für alle“ und TTIP, zwischen dem Vertrag mit der Bahn und den Gigalinern – da sehe ich Dinge, die unvereinbar sind, die meiner Meinung nach in ihrer negativen Wirkung als Maßnahme und für uns gravierender sind als die positiven Dinge.

Mein Fazit: es macht auch Spaß, die guten Dinge zu sehen. Und soviel Sozialpädagoge bin ich, um zu wissen, dass man die positiven Dinge betonen muss oder sollte.  Ich denke, ich werde mehr drauf achten, nicht ausschließlich die negativen Dinge zu sehen.Sie verschweigen werde ich aber nicht. Insofern: Danke Till für diese Erfahrung.

9 Menschen gefällt dieser Beitrag.

Kommentar verfassen