Meine E-Mail an Matthias Güldner

Ziemlich entsetzt krieg ich heute einen Link auf einen Artikel in der Welt, in der sich der Fraktionsvorsitzende der Bremer GRÜNEN nicht nur zum Thema Internetzensur äußert.

Ich konnte nicht umhin, ihm eine Mail zu schreiben, sehr kurz, aber ich denke, deutlich genug:

Lieber Matthias Güldner,

selten habe ich etwas so Dummes wie Deine Äußerungen in der Welt gelesen. Man mag inhaltlich getrennter Meinung sein. Man mag, wie Du, nicht begreifen wollen, dass mit dem Totschlagargument „Kinderpornografie“ versucht wird, eine Zensurinfratruktur aufzubauen. Du kannst alles nachlesen, hast sicher vieles schon gehört. Ich muss Dir nicht sagen, dass das STGB auch im Internet gilt – da wirst die Casa Tauss wahrgenommen haben.

Aber unverständlich angesichts unseres Wahlprogramms, in dem eindeutig das Gegenteil steht sind Deine Äußerungen in der Springerpresse schon. Sie sind geradezu parteischädigend. Weißt Du, es ist kein Landtagswahlkampf in Bremen. Noch nicht. Der kommt bald, dann darfst Du wieder. Bis dahin meine Empfehlung: Klappe halten. Zumindest beim Thema Internet. Beim Rest weiß ich’s nicht, aber ich hoffe das Beste.

Grüße

Jörg Rupp
Bundestagskandidat im WK 272

P.S.: der Brief kommt in mein Blog, ist also doch ein ziemlich offener Brief. 🙂

Be the first to like.

18 Gedanken zu „Meine E-Mail an Matthias Güldner

  1. Sebs

    Ich hätte das gerne mal offiziell von euren Jungs und Mädels im Bundestag. Sonst unwählbar. Im ernst. Unwählbar.
    Ich kann es nicht akzeptieren einer Partei die Stimme zu geben die zuerst a) sagt (wie hier bei dir) und dann b) macht.
    Abschaffen von Atomkraft hin oder her. meine persönliche Freiheit und die meiner meinung nach aufziehende Diktatur sind mir da wichtiger.

    Antworten
    1. joerg

      Hallo Sebs,
      im Blog findest Du in diesem Beitrag den Text aus dem Wahlprogramm. Der ist sehr eindeutig. Bei der Abstimmung über das Gesetz haben sich leider 15 grüne Abgeordnete enthalten, jedoch keine/r zugestimmt. Mehr als 2/3 haben es abgelehnt. Jedoch war die grüne Fraktion diejenige, die immer die namentliche Abstimung eingefordert hat.
      Gruß
      Jörg Rupp

      Antworten
  2. Helmut Blöcker

    Ich habe gestern schon dem Herrn Kollegen deutlich meine Meinung zukommen lassen. In der Formulierung etwas anders, aber inhaltlich voll in die gleiche Richtung. Ich warte jetzt auf eine Antwort…..

    Helmut Blöcker, grüner Direktkandidat, Wahlkreis 51 (Braunschweig).

    Antworten
  3. alwin

    @jörg
    Ich will nicht nur ein Stück aus einem Wahlprogramm – wir wissen doch alle, wie weit man sowas trauen kann.

    Solange nicht eine eindeutige Replik aus dem Grünenvorstand (Bremen, Bund) kommt sind die Grünen für mich das erste mal seit nun mehr beinahe 20 Jahren absolut unwählbar. Dieses ich-bin-dagegen-aber-ich-enthalte-mich-nur-Getue im Bundestag war der Anfang – dieser schwachsinnige Text aus Bremen sind da eigentlich nur der logische Höhepunkt.

    Wenn der Typ sich öffentlich und weitverbreitet mit Wahlkampfbeschlüssen angelegt hat – dann soll bitte schön auch die Grünenspitze genauso deutlich, weitverbreitet sich dazu äussern. Ansonsten wird sich das hier http://tinyurl.com/n6yxdq oder äquivalentes bei StudiVZ (eurer doch begehrtesten Zielgruppe) erheblich ausdehnen.

    ex-wähler

    Antworten
    1. joerg

      Das Wahlprogramm wird vom höchsten Gremium der Partei, vom Bundesparteitag, beschlossen. Der Bundesvorstand wird also genau das sagen, was auch darin steht. Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand, hat sich am Wochenende auch genauso geäußert. [Update] Ebenfalls gibt es zwischenzeitlich eine sehr eindeutige Stellungnahme des Bundesvorstands.

      Antworten
  4. Ostwestfale

    Bezeichnend ist auch, daß auf welt.de heute so um 14.00 Uhr rum alle Leserkommentare zu dem Güldner-Geschreibsel auf einmal „verschwunden“ sind. Waren ja nur 17 Seiten. Soviel also zum Thema Meinungsfreiheit und „Debatte“ auf welt.de.
    Glückwunsch. Die Grünen sind damit ebenso wie die anderen „Volksparteien“ für mich unwählbar geworden. Schmeisst den Typen raus, dann kann man es vielleicht überdenken, jemals wieder eine Stimme für die Grünen abzugeben. Nochmal zum Verdeutlichen:
    *UNWÄHLBAR*

    Antworten
    1. joerg

      Naja, was können jetzt die GRÜNEN dafür, dass die WELT ihre Kommentarseiten löscht? Und „rausschmeissen“ geht nun wirklich nicht. Sorry, Leute, was ist das hier für ein Demokratieverständnis? Wir haben das Recht auf freie Meinungsäußerung. ein wichtiges und hohes Gut. Wir sind eine Partei, die nicht immer geschlossen hinter jedem Detail steht. Toeranz gegenüber anderen Meinungen gehört auch dazu. Mir gefallen die Äußerungen auch nicht, das habe ich wohl deutlich gemacht. Mehr geht nicht, wenn er sich nicht anders äußert, sich entschuldigt oder was auch immer: was will man dann tun? Und wenn es an dem einen Punkt hängt, dass in einem Stadtstaat irgendwo im Norden ein Bürgerschaftsabgeordneter was von sich gibt, nun, dann ist das halt so.

      Antworten
  5. Pingback: đª]V[ªX » Hirn rausgegrünt? [UPDATE3]

  6. Pingback: Matthias Güldner schreibt minderbetwittert gegen das Internet - und gegen die Grünen - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach - http://gruene.wettach.org

  7. Pingback: till we *) . Blog » Kurz: Es ist alles schon gesagt

  8. Halodri

    @joerg
    Es hat niemand behauptet, dass die Grünen etwas mit der Löschung der Leserkommentare bei welt.de zu tun haben.
    Es zeigt aber sehr schön, was die Medien tun, wenn einem Politikprofi (?) mal richtig der Wind ins Gesicht bläst: Schnell alles offline nehmen, damit bloß nicht der schöne Schein gestört wird, dass hierzulande alles Friede-Freude-Eierkuchen ist und die Bürger brav alles schlucken, was ihnen von der Politik vorgekaut wird.
    Offensichtlich hat sich bei welt.de dann doch die Einsicht durchgesetzt, daß man das ganze nicht mehr vertuschen und irgendwo in einer Kommentarecke leise verschimmeln lassen kann, weil schon etliche der von Herrn Güldner als Vollidioten abgestempelten Internetnutzer darauf reagiert hatten.
    Wenn man die Kommentare durchsieht, merkt man allerdings auch, dass die Zensoren bei welt.de immer noch sehr aktiv sind. Sogar die Kommentare, die sich mit dem Verschwinden der kompletten Kommentarfunktion heute mittag beschäftigen, sind komplett wieder gelöscht worden. Man möchte also bei welt.de nicht den Eindruck erwecken, dass dort zensur stattfindet – und zensiert deshalb fleissig. 😐

    Und, um noch direkt auf ein Zitat von dir zu antworten:

    „Sorry, Leute, was ist das hier für ein Demokratieverständnis? Wir haben das Recht auf freie Meinungsäußerung. ein wichtiges und hohes Gut. Wir sind eine Partei, die nicht immer geschlossen hinter jedem Detail steht. Toeranz gegenüber anderen Meinungen gehört auch dazu.“

    – Das Demokratieverständnis, das hier zum Brechen ist, ist das Herrn Güldner, darum geht es! Er hat nicht die geringste Ahnung von dem, worüber er schreibt, aber er nimmt sich die Freiheit, Millionen Internetnutzer, Computerspieler oder Blogger als halbkriminelle Vollpfosten darzustellen.

    – Das Recht auf freie Meinungsäusserung ist eben das, was Güldner den Internetnutzern absprechen will.

    – Der Kommentar hat nix mit „geschlossen hinter einem Detail stehen“ zu tun, er ist das exakte Gegenteil von dem, was als grüne Politik und Meinung zur Sache ausgegeben wird.

    – Und Toleranz gegenüber anderen Meinungen ist exakt das, was Herr Güldner offensichtlich überhaupt nicht besitzt, dafür aber ein übersteigertes Selbstbewusstsein bei total fehlender Sachkenntnis

    Sie es, wie du willst, aber die Veröffentlichung dieses Kommentars hat nicht nur den Grünen in Bremen erheblich geschadet, sondern den Grünen als gesamte Partei – auch wenn G. nur ne kleine Nummer im Norden ist.

    Antworten
  9. Pingback: zeitrafferin » Julia Seeliger » Herr Güldner aus Bremen

  10. Pingback: Unerträgliche Phrasen, wahrlich keine Leichtigkeit | Just my (2 Cent) - Dennis Knake schreibt und knipst

Kommentar verfassen