Niederlagen

Ich hab lang überlegt, ob ich zur Niederlage für die Kandidatur zur Landtagswahl etwas posten soll. Aber dieses Blog soll ja auch aufzeigen, was für Menschen hinter denen stehen, die Politk machen, im Ehrenamt, in Funktionen oder in Mandaten. Irgendwie drückt mich es doch und so will ich doch ein paar Worte verlieren.

Ich habe am 23. Juni eine herbe Niederlage in der Nominierungsveranstaltung erlitten. Bei 74 Anwesenden habe ich lediglich 4 Stimmen erhalten. Teilweise wurde mir im Vorfeld signalisiert, der Favorit zu sein und bis zur Veranstaltung sahen mich viele zumindest gleichauf mit dem zukünftigen Landtagsabgeordneten Alexander Salomon. Ich denke nach wie vor, dass ich nicht der schlechtere Kandidat gewesen wäre, sondern sogar der Bessere. Aber die Versammlung sah das anders.

Viele, nicht nur ich, waren erschrocken über die niedrige Stimmenzahl, einige haben ihr Bedauern ausgedrückt, andere sich gar entschuldigt. Ich finde, der Wunsch der Versammlung, einen jungen Kandidaten ins Parlament zu schicken, geht in Ordnung, auch wenn ich ihn nach wie vor persönlich nicht teile. Aber meine 4 Stimmen gehen eben nicht in Ordnung. Nicht, dass ich irgendwelchen Anspruch erheben wollte, aber imerhin arbeite ich nun viele Jahre auf Kreis- und Landesebene – und ich finde, auch sowas sollte eine solche Versammlung anerkennen. Zumindest wenn sich ein engagierter Kreisvorstand zur Wahl stellt, dem zudem noch nachgesagt wird, der Politischste in dieser Funktion zu sein. Irgendwie passt es dann halt nicht zusammen. Aber so ist das in der Politik, manchmal laufen manche Dinge ganz komisch.

Ich bin traurig und zornig über das schlechte Ergebnis. Ich empfinde es als Beleidung, als Demütigung und als schlechten Umgang mit mir. Es hat sehr weh getan. Ich hätte mir etwas mehr Loyalität von der einen oder dem anderen erwartet. Aber so ist es dann halt. Mit 10 oder 15 Stimmen hätte ich gut leben können. So bleibt mir am Ende nur, von meinem Amt als Kreisvorstand zurückzutreten – denn offensichtlich fehlt das notwendige Vertrauen in mich. Gestern auf dem Landesausschuss des Landesverbandes habe ich viel Zuspruch erhalten – und viele, die beide Kandidaten kennen, äußerten auch Unverständnis über die Entscheidung der Versammlung. Nunja, aber das hilft ja auch nicht weiter.

Ich war immer der Meinung, dass man gefestigt genug sein muss und auch etwas anderes haben muss als die Perspektive auf so ein Mandat. Ich habe dankenswerterweise einen Arbeitgeber, der sich sehr über meine Niederlage gefreut hat, weil ich ihnen so erhalten bleibe – und ich habe ja auch lange gezögert, ob ich überhaupt antreten möchte, angesichts meines wirklich tollen Jobs und dass ich wirklich glücklich dort bin. Am Donnerstag gings mir übrigens mit jeder Stunde mehr arbeiten besser….:-)

Ich wünsche Alex alles Gute für sein Mandat und hoffe, er kann die Erwartungen erfüllen, die in ihn gesteckt werden. Ich werde als normales Mitglied im KV Karlsruhe bleiben und weiter arbeiten, wie ich es immer getan habe – aber nicht mehr im Vorstand. Dafür stehe ich nicht länger zur Verfügung.

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14 Gedanken zu „Niederlagen

  1. SD

    Wow, das ist heftig, aber nicht den Kopf hängen lassen. 🙂
    Auch bei den Grünen braucht’s Leute, die sich mit Netzpolitik und anderen Dingen, die dort gerne mal etwas stiefmütterlich behandelt werden, auskennen und das ein wenig pushen.

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  2. Uner

    Schade Jörg,
    Sicherlich sind 4 stimmen eine große Entäuschung. Ich epfand deine Arbeit als Vorstand immer gut. Erinner mich gern an „meine“ Neumitgliederversammlung und deinen guten Vortrag. Dein Einsatz in Netzthemen war einer der Gründe warum ich nach dem Intel Night Desaster doch Mitglied wurde.

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    1. joerg

      Hi Uner, dankeschön. Leider war die Kompetenz nicht das allein ausschlaggebende Argument. 🙂 Ich werde weiterhin als Mitglied arbeiten.

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  3. Alex

    Ich habe eben erst davon gelesen. Das Ergebnis ist wirklich ärgerlich, und ich denke auch, du hättest mehr verdient gehabt. Ich kann daher deine Entscheidung, vom Vorstand zurückzutreten, verstehen, aber ich hoffe, du bleibst uns in der Netzpolitik erhalten, denn da brauchen wir dringend kompetente Leute!

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    1. joerg

      Lieber Sascha, hier ging es nicht um das Verhältnis des Stiefsohnes zum Stiefvater und einer Geschichte, in der du dich ja nie um eine differenzierte Sichtweise bemüht hast, sondern um ein politisches Amt. Insofern ist Dein Beitrag ein wenig unpassend. Aber macht ja nix.

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      1. Sascha Rupp

        Da muß ich dir ausnahmsweise einmal recht geben; es geht nicht um unser privates Verhältnis. Ich habe mittlerweile sehr wohl eine differenzierte Sichtweise, sind ja schließlich ein paar Jahre ins Land gegangen. Gerade diese differenzierte Sichtweise erlaubt es mir deine Äußerungen im Netz / der Öffentlichkeit ein wenig anders zu deuten als Personen die dich privat nicht kennen bzw. nicht mit dir zusammengelebt haben.
        Klar, abgesehen von deiner politischen Einstellung mit der ich mich nicht anfreunden kann klingen deine Beiträge zu Familie und Jugendarbeit etc ganz vernünftig. Mit ein kleinwenig Insiderwissen sieht das Ganze eben schon etwas anders aus. Du beklagst dich über fehlendes Vertrauen? Ich kann nur sagen: „pratice what you preach“ sollte eigentlich auch oder gerade in der Politik gelten.

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        1. joerg

          Da es mir wichtig ist: du kennst immer nur die Sicht von außen, Sascha, nicht meine und hast nie ein Wort mit mir über irgendwas gewechselt. Es gilt aber für mich das, was seit 15 Jahren gilt und ich dir auch schrieb, vor vielen Jahren: die Tür steht offen. Da das hier aber so gar nicht passt, werde ich die Diskussion hier nicht weiter zulassen können. Es steht dir aber offen, mir ne Mail zu schreiben, anzurufen oder eine Tasse Kaffee zu trinken, wenn ich Deinen Bruder abhole.

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        2. Sascha Rupp

          Wir sollten nur kurz fürs Protokoll festhalten dass du ihn vor knapp 9 monaten vor die Tür gesetzt hast 😉

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    1. joerg

      ahh, Mistverständnis: das Ergebnis war 51:15:4:4 ….wir waren 4 KandidatInnen. Und es gab ne Reihe von Gründen – die einen besser, die anderen nicht so.

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  4. Bernd

    Hallo,

    Euer Netzpolitik Programm ist ein richtiger Schritt, liest sich wie das der Piraten. (Wenn man mal von der partiellen Durchseuchung mit einer Gender Gap absieht). Mal sehen ob das Euer neuer Kandidat noch zu seinen Schwerpunkten machen will bis zur Wahl – währe schade drum.

    Gruss
    Bernd

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