Leserbriefe
Leserbrief an die taz zum Thema Lohas und Latte-Macchiato-Mütter als Reaktion auf diesen Artikel:
Liebe Anja Maier,
ja, ich musste schmunzeln bei diesem Artikel. Und konnte mir die Haare raufen. Mich mit der “Chefin” so richtig aufregen. Nur – was bleibt von diesem Artikel? Überwiegend vermutlich richtige Kritik, aber aus einer so persönlichen und unfreundlichen Perspektive erzählt, dass man sich zwar einerseits hämisch auf die Schenkel klopfen kann, den Kritisierten aber andererseits aufgrund der Schärfe und Bösartigkeit der Angriffe (Kuh!) gar nichts anderes übrig bleibt, als jedwede Kritik an ihrem Verhalten von sich zu weisen. Insofern: haha – aber gebracht hat’s nichts. Außer die Gräben zu vertiefen.
Leserbrief zu den Ettlinger Stadtwerken, die ein schlechtes Ergebnis aufweisen und dafür die Ettlinger Bäder mit verantwortlich machen, die angeblich zu schlecht besucht sind: (veröffentlicht am 6.10.2011):
Im April war es sehr warm, nicht das erste Jahr übrigens und aktuell haben wir einen herrlichen Spätsommer. Für das Wochenende sind Rekordtemperaturen angesagt, es ist die ganze Woche schon wunderschön. Währenddessen haben die Ettlinger Freibäder schon seit Wochen geschlossen und bei den Stadtwerken scheint niemand in der Lage, auf die Schönwetterlage zu reagieren – weder im Frühjahr noch jetzt im Herbst. Dass man dann am Ende noch schlechtere Zahlen schreibt als notwendig gewesen wäre: kein Wunder. Bezahlen muss dieses Missmanagement (und die verfehlte Einkaufspolitk beim Strom) nicht der zurückgeholte Chef der Stadtwerke oder sonstige Verantwortliche, sondern am Ende der/die Kunde_in oder der/dieSteuerzahler_in. Vielleicht müssen da andere Haftungsbedingungen in den Arbeitsvertrag?
Leserbrief zum jährlichen Jubelartikel in den BNN zur erfolgreichen Videoüberwachung in den Straßenbahnen des KVV: (veröffentlicht am 10.09.2011)
Wie schon im letzten Jahr Anfang September ein euphorischer Artikel in den BNN zum Erfolg der Videoüberwachung in den Straßenbahnen. Waren es letztes Jahr noch 7.500 pro Monat weniger Vandalismus, sind es dieses Jahr 10.000 €. Klingt nach Erfolg – aber ist das so? Zwischen 6.000 und 10.000 € pro Jahr kostet so eine Videoanlage, die nicht nur die Straßenbahn innen, sondern auch den öffentlichen Verkehrsraum mit überwacht – die Kameras sind an den Einstiegen in Richtung Haltestellen gerichtet. Bei ca. 160 Bahnen Kosten von mehr als 1,2 Mio € – da braucht’s gut 10 Jahre, bis sich das rentiert hat – die Kosten für Bänder, Chips, Wartung, Reparatur, Ersatz nicht mitgerechnet.
Der Verein zur Förderung des bewegten und unbewegten Datenverkehrs (FoeBuD) aus Bielefeld sieht in der Videoüberwachung eine Verletzung der Rechtsstaatlichkeit, da die Unschuldsvermutung durch ständige Beobachtung außer Kraft gesetzt wird. Ähnlich argumentieren Datenschützer, die Entstehen und immer stärkeres Zusammenwachsen einer Überwachungsstruktur als eine Gefahr der freiheitlichen Demokratie ansehen. Ein Zustand in dem man sich permanent Fragen müsse, ob man gerade beobachtet werde, sei unbedingt zu verhindern. Dies wird vom Bundesverfassungsgericht damit begründet, dass Menschen, die mit der Registrierung all ihrer Handlungen rechnen müssten, alles täten um nicht aufzufallen.
Die Kameras in den Bahnen sind somit eher eine Gefahr für die Demokratie – und ersetzen zudem Arbeitsplätze. Allen Grund also, die Überwachung kritisch zu sehen. Es wird schon genügend Freiheit zugunsten einer virtuellen Sicherheit geopfert. Den “verantwortungsvollen Umgang” des Staates bei Zugriff auf solche Daten konnte man ja gerade bei den Protesten gegen die Naziaufmärsche in Dresden beobachten – wo offenbar widerrechtlich der komplette Handyverkehr ganze Stadtviertel anlasslos überwacht wurde. Und da man den Kameras ja nicht entgehen kann, wenn man mit einer entsprechenden Bahn fährt, heißt das noch lange nicht, dass man das alles unkritisch betrachtet.
Leserbrief an die BNN Ettlingen zum Wunsch des ESV SSV Ettlingen, die Tribüne im Albgaustadion sanieren zu lassen vom 18.05.2011: (veröffentlicht)
Es ist doch immer wieder faszinierend, was Menschen einfällt, wenn sie etwas für sich möchten. Der SSV Ettlingen meint, eine Tribüne haben zu müssen, weil sonst die Leichtathletik in Ettlingen gefährdet wäre. 400.000 ? kostet die Sanierung der alten, baufälligen Tribüne, 2,2 Millionen gar der Neubau. Nun, da muss die Stadt ja springen, wenn ein großer und wichtiger Verein wie der E+ASV Ansprüche anmeldet. Wenn doch Sport in Frage gestellt wird. Jugendarbeit. Und so weiter. Ich erinnere mich an kein sportliches Großereignis im Baggerloch, dass Bedarf über die vielen vorhandenen Stehplätze hinaus erzeugt hätte. Sollte Sitzbedarf vorhanden sein, findet man sicher eine Lösung unterhalb von 50.000 ?. Umkleidekabinen sind vorhanden beim ehem. ASV, ehemal. ESV und im Anbau am Stadion. Letztere vermutlich auch etwas sanierungsbedürftig. Aber die im Clubhaus vom ESV?
Und vielleicht gelingt es ja dem großen und mächtigen SSV auch, einen Sponsor zu finden, der das hinkriegt. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Sportvereine sind wichtig. Aber für eine Tribüne so eine Menge Geld ausgeben zu wollen, für eine einzige Sportart in einem Verein von mehreren, das ist recht eigenartig. Nicht alle Sportler in Ettlingen fühlen sich mit gutem Grund unter dem Logo des SSV wohl. Und auch für diese muss noch Geld vorhanden sein – das dann dort sinnvoller angelegt ist als in einer Tribüne, deren Nutzen zweifelhaft ist. Zweifelhaft wie der Nutzen einer Pocketbike-Rennbahn, ebenfalls unter der Ägide eines Vereins mit offenbar guten Beziehungen zur Verwaltung, die Bürgern dieser Stadt offensichtlich mit unnötigem Lärm die Wochenenden vermiest. Wie kommt sowas nur zustande?
Leserbrief an die BNN zur Ansiedlung des Mercesdes-Kogostikzentrums und Dachser in Malsch – Bericht vom 20.01.2011:
Da ist sie wieder – die überregionale, verfehlte Ansiedlungspolitik in Malsch. Gewerbesteuereinnahmen hin oder her: ein Logistikzentrum für das 10km entfernte Mercedeswerk in Rastatt, verbunden mit dem Wunsch nach einem vom Steuerzahler bezahlten Autobahnanschluss in Malsch. Parallel dazu plant die nächste Spedition ihren Umzug hierher. Mehr Lärm, mehr Abgase, mehr Verkehr, weniger Lebensqualität sind unausweichlich, hinzu kommt eine weitere Flächenversieglung. Wer glaubt, die neu geschaffenen Arbeitsplätze würden mit Mälschern besetzt, irrt – die meisten werden mit PKWs einpendeln – denn es sind ja keine neuen Arbeitsplätze, nur verlegte. Das mit dem gewünschten Autobahnanschluss bei jedem Stau auf der A5 mit Umfahrungsverkehr durch Malsch zu rechnen sein wird, interessiert derzeit offenbar noch wenig, wenn es dann soweit ist, wird man lauthals eine Umgehungsstraße mit Anschluss an die L607 fordern. Vermutlich wird man dann auch Sätze hören wie:”damit konnte nicht gerechnet werden”. Zur jetzigen Ansiedlung gibt es ein “alternativlos” und Jubel morgen beim Neujahrsempfang.
Diese Ansiedlung ist so abwegig wie das Fleischwerk in Rheinstetten. Offenbar denken die meisten Bürgermeister nur bis zur Ortsgrenze. Wir brauchen weniger, nicht mehr Verkehr. Denn zu dieser Verkehrszunahme wird Malsch auch zunehmend von den steigenden Passagierzahlen des Baden-Airparks belastet – mehr Flüge über dem Ort sind in letzter Zeit zu beobachten.
Leserbrief an die BNN Region als Reaktion auf einen Leserbrief, der sich gegen eine PV-Anlage wandte:
(geschrieben am 14.01., veröffentlicht am 08.02.2011)
Der Jubelleserbrief über das AKW in Philippsburg bedarf einiger Korrekturen und Ergänzungen. Zunächst bleibt festzustellen, dass es mit der erwähnten sicheren Energieerzeugung durch Atomkraft nicht weit her ist. Der Block 1 des AKW wurde unter anderem im Oktober 2010 wegen eines Störfalls vom Netz genommen. 2010 gab es 7 meldepflichtige Ereignisse, 2009 11. Die Haushalte wollen aber auch Strom, wenn es mal wieder ein kaputtes Brennelement im AKW gibt oder der Rhein zu wenig Wasser führt, um das Kraftwerk zu kühlen. Atomstrom ist zudem nicht CO²-frei, denn schon die Förderung von Uran muss mittels Kraftwerken betrieben werden – oft genug Kohlekraftwerke, von den weiteren Umweltbelastungen bis hin zur Verstrahlung der Arbeiter in den Minen mal ganz abgesehen. Natürlich verschweigt der Leserbriefschreiber auch die Unmengen an Atommüll, die in Phlilippsburg produziert w(u)erden und für die es nach wie vor keine Entsorgungsmöglichkeit gibt – und für die der Steuerzahler überwiegend aufkommen muss. Und was die AKWs für die Strompreise tun, können wir derzeit an der neuesten Stromerhöhung der EnBW feststellen: Preisstabilität wird durch erneuerbare Energien hergestellt, die Gewinne aus der Stromerzeugung mittels AKW sind für die Rendite.
FAkt ist und bleibt: Die Lösung ist ein intelligenter Energiemix, ohne die Ressourcen zukünftiger Generationen mit Wirkungsgraden unter 50% zu verschwenden, wie man es mit Kohle- und Atomkraftwerken tut, aus erneuerbaren Energieen, die standortnah ausgebaut werden müssen. Hinzu kommen müssen intelligente Netze – sodass es kein Problem ist, wenn in Philippsburg keine Sonne scheint – entweder tut sie es in Karlsruhe oder Kiel, wenn nicht weht der Wind, wird Biomasse verbrannt oder Strom aus Wasserkraft oder Punpspeicherkaftwerken entnommen. Hinzu kommt das größte Potential, das wir haben: Energie sparen – spart mehr CO² als jede Energiesparlampe. Es wird Zeit, dass der Irrweg der Energieerzeugung mittels fossiler und radioaktiver Stoffe aufgegeben wird – für eine bessere Zukunft, für Zukunftstechnologien und damit einhergehend moderne Arbeitsplätze – anstatt dem Festhalten an Dinosauriertechnologie.
Leserbrief an die BNN (KA) vom 14.11.2010 zur CDU-Parteitag in Karlsruhe:
(veröffentlicht)
Zum CDU-Parteitag:
Da veranstaltet die CDU zum Beginn ihres Parteitags mitten im Berufsverkehr einen Gottesdienst in der Innenstadt, wegen dem dann der Verkehr umgeleitet und die Strecke zwischen Ettlinger Tor und Marktplatz gesperrt werden muss. Deutlicher kann man nicht zeigen, wie abgehoben man vom Leben der Bürger ist und in welcher Parallelgesellschaft man lebt. Schlimm genug, dass weder die Kirche noch die Stadt oder gar der KVV über die Konsequenzen nachgedacht haben. Mein Kind geht in Karlsruhe in die Schule, ich arbeite da.
Damit gesichert ist, dass mein Kind pünktlich in der Schule ist, muss ich also am Montag früher fahren. Hätte man nachgedacht, hätte man ja in der Messe einen Gottesdienst abhalten können.
Leserbrief an die BNN vom 09.10.2010 zur Berichterstattung über Stuttgart 21:
(unveröffentlicht)
Liebe BNN,
seit vielen Jahren bin ich (nein, halt, meine Frau!) Abonnent Ihrer Zeitung. Man braucht Sie halt für die lokale Berichterstattung. Ich bin viel von Ihnen gewohnt. Aber die Berichterstattung über Stuttgart 21 schlägt dem Fass den Boden aus.
Ich finde nicht EIN kritisches Wort von Ihnen zum rechtswidrigen Vorgehen der Polizei letzten Donnerstag. Die Pressekonferenz der Schüler, die gestern stattgefunden hat, die eindeutige Belege für unnötige Polizeigewalt erneut geliefert hat, wird von Ihnen vollkommen ignoriert. Zwischenzeitlich ist klar, dass die Abholzung illegal war – kein Wort von Ihnen. Kritische Nachfragen bei Stefan Mappus oder Heribert Rech, wie sie sogar im heute journal von Frau Slomka oder Herrn Bratzler im SWR gestellt werden – nichts. Da werden SchülerInnen von der Polizei verschlagen und Sie schweigen.
Ihre Berichterstattung hat wenig mit Journalismus zu tun, sondern mehr mit Hofberichterstattung, ist so ne Art “embedded journalism” bei der Landesregierung. Bei allem Verständnis für politische Gefälligkeiten – den Rechtsstaat aushöhlende Aktionen wie letzte Woche bedürfen eines kritischen Journalismus, um Schlimmeres zu verhindern. Ich darf nur an die gerade ergangenen Urteile in Sachen Heiligendamm in diesem Zusammenhang verweisen, die klare Rechtsbrüche durch die Polizei gerichtlich festgestellt haben.
Mit Grüßen
Jörg Rupp
die BNN hat geantwortet:
Leserbrief vom 14.09.2010 an die taz zum Thema Konservativ-radikale Väterrechtler
(veröffentlicht am 15.09.)
in dieser ganzen Debatte um Scheidung und -folgen zeigt doch dieser Brief die Kehrseite der so gescholtenen Väterrechtler, die mit der Prägung konservativ-radikal sicherlich mindestens richtig bezeichnet werden.Aber dazu dann die Gegenseite herauszukehren, die das Bild des allzeit gewaltbereiten Mannes zeichnet, hilft ja keinen Schritt weiter. Das Interview mit Rainer Sonnenberger zeichnet ein Bild der Väter, die um ihre Kinder kämpfen, dass durchaus respektabel erscheint. Kommunikation, Mediation und Trennungstherapie in Folge einer strittigen Scheidung sind geradezu zwingend – trotz bester Absicht gelingt es vielen Paaren nicht, ihre Beziehung nur als Eltern ausgeglichen zu gestalten.
DAss Frauenhausbetreiberinnen durchaus einen einseitigen Blick auf Männer haben könne, will ich gar nicht anzwifeln – aber es gibt noch viele andere da draußen und ws helfen denn Einzelfallschilderungen in einer solchen Diskussion? So wie es prügelnde Partner gibt, sind es die Frauen, die zu gut 50% ihre Kinder schlagen. Frauen, die ihre Kinder ermorden. Frauen, die ihre Kinder mitnehmen in den Freitod. Frauen, die ihren Männern Kuckuckskinder unterschieben. Aber was hilft das, es zu benennen, mit der Intention, jeglichen Dialog zu eskalieren? Es gibt Dinge, die kann kein Gesetz regeln und wer streiten will, der streitet, auch wenn die eigenen Kinder dabei auf der Strecke bleiben.
Aber so wie es konservativ-radikale Väter gibt, so gibt es konservativ-radikale Mütter. Beides sollte baldmöglichst der Vergangenheit angehören – indem man positivere Beispiele noch stärker herausstellt. Meine eigene Scheidungsgeschichte eignete sich dafür übrigens nicht. Aber manches würde ich heute anders machen.
Leserbrief vom 06.08.2010 an die BNN zum Thema “Stadtwerke Ettlingen und Strompreise”
(nicht veröffentlicht)
Doch, Herr Oehler, auch die Nichtsenkung der Strompreise für Haushalte in Ettlingen ist Abzocke. Oder das Ergebnis einer verfehlten Einkaufspolitik durch die Stadtwerke. Wer das für die grüne Bundestagsfraktion erstellte Gutachten (http://www.gruene-bundestag.de/cms/energie/dokbin/348/348969.strompreis.pdf) genau liest, wird darin folgendenden Satz finden: “Die Rechnung zeigt, daß selbst bei einer langfristigen Beschaffungsstrategie die Preise mittlerweile in 2010 längst das Niveau von 2008 unterschritten haben.” und “Nach Branchenangaben wird der Strom für die Haushaltskunden im Durchschnitt mit einer Vorlaufzeit von ein bis zwei Jahren, also im Mittel etwa 18 Monaten beschafft.” Das bestätigt Herr Oehler ja auch, den aktuell wird der Strom für 2011 und die Hälfte von 2012 eingekauft, wie er berichtet – das liegt in diesem Zeitraum. VOR 18 Monaten (2007 ist doppelt solange her!) war der Strompreis allerdings auf einem Tiefstand. Zudem wird üblicherweise nicht der komplette Strom für ein Jahr eingekauft, sondern in Teiltranchen – auch das bestätigt die Pressemitteilung. Im Übrigen kann man der Begründung für die Strompreise ab 01.04.2010 entnehmen, dass deren Zustandekommen die Strombeschaffung von 2008 zugrunde liegt. Was erzählt Herr Oehler also da?
Auch die gerne von der Atomindustrie angeführte EEG-Umlage reicht nicht aus, um Preissenkungen auszuschließen – denn die stieg weniger als die Preiserhöhungen. Es wird Zeit, dass die Stadtwerke Ettlingen ihre Einsparungen in der Energiebeschaffung an ihre Haushaltskunden weiter gibt. Denn nicht alle wollen ins Schwimmbad, ins Grünhaus oder zur Buhl’schen Mühle – die Kosten dafür muss sich Herr Oehler woanders erwirtschaften – oder aufhören, Dinge zu finanzieren, die nichts mit der Energieversorgung zu tun haben. Andernfalls wäre den Ettlingern angeraten, den Stromanbieter zu wechseln. Wird deshalb das Schwimmbad 50 Cent teurer, macht das bei einem Cent Einsparung 90 Schwimmbadbesuche, wenn man einen durchschnittlichen Haushalt zugrunde legt.
Leserbrief vom 26.07.2010 an die BNN zum Thema “Sparkassenfusion”
(veröffentlicht)
Das Problem an dieser ganzen Fusionsgeschichte ist doch neben den fachlich fragwürdigen Aspekten, dass die Demokratie auf der Strecke bleibt. Zudem ist natürlich dieser Wahn zur Zentralisierung, der dann angeblich Kosten senken soll, das Insitut “besser Aufgestllt” erscheinen lassen soll, daneben aber die Aufgaben einer regionalen Sparkasse vermutlich schlechter erledigen lassen wird. Die Zentrale in Karlsruhe ist weiter weg von den Menschen in Ettlingen und den regionalen Gegebenheiten, als dass man immer Entscheidungen erwarten könnte, die abseits der reinen Zahlen auch noch andere Gesamtzusammenhänge mit in Betracht ziehen – dazu kennt “man” dort zuwenig die örtlichen Zusammenhänge. Wie beim ehemaligen, aus Mannheim pendelnden Referenten der OB.
Darüber hinaus bleibt aber für mich fraglich, ob die OB tatsächlich nur Ausführungsorgan des Gemeinderats ist oder ob sie eine eigene Entscheidungsbefugnis hat. Wenn sie diese Entscheidungsbefugnis faktisch hat, dann ist an ihrer Entscheidung möglicherweise inhaltliche Kritik anzubringen, aber mehr auch nicht. Dass ausgerechnet gewählte Vertreter beinahe aller Parteien sich nun echauffieren, erscheint mir da ein bißchen mehr als fragwürdig: denn sie selbst treffen oftmals Entscheidungen, ohne alle BürgerInnen zu befragen, fassen viele Beschlüsse nichtöffentlich, obwohl das oft genug unnötig ist und verwehren sich dann der Kritik, indem sie sich auf die Nichtöffentlichkeit berufen – da gibt es genügend Beispiele.
Vielleicht bedarf das Prinzip der Nichtöffentlichkeit in diesen Entscheidungsfindungen, die soviele BürgerInnen betreffen, einer grundsätzlichen Überprüfung. Und vielleicht gehen die jetzt so lautstark protestierenden Gemeinderäte mit gutem Beispiel voran und schaffen mehr Öffentlichkeit.
Leserbrief vom 15.06. an die BNN zum Thema: “Zum CDU-Vorschlag Kreisel an der Kreuzung Burbach/Schöllbronn”:
Anstatt wieder hunderttausende Steuergelder für Straßenbau an einer Waldkreuzung zu verbuddeln wäre es doch wesentlich einfacher, an dieser Kreuzung eine Ampelanlage mit Geschwindigkeitssensor wie früher am Silberstreifen zu installieren, der gleichzeitig eine Blitzanlage hat, die Rotsünder fotografiert. Alternativ wäre auch nur eine Blitzanlage, motorradwirksam, mit einer entsprechenden wirkungsvollen Geschwindigkeitsbegrenzung denkbar – das ist günstig, innerhalb weniger Tage installierbar – und der Unfallschwerpunkt ist entschärft. Wetten?
Leserbrief vom 14.06.2010 and die BNN zum Thema: Formulierung “sozial schwach”:
Zu: “Diakonie eröffnet ihre Opferwoche”
Auch Landesbischof Ulrich Fischer wählt den immer wieder fatal-falschen Terminuns der “sozial Schwachen”. Auch wenn er sich eingebürgert hat, so kann man nicht aufhören, dagegen anzureden und zu -schreiben. Sozial Benachteiligte wäre richtiger – denn die Menschen, die hier gemeint sind, diejenigen, die mit niedrigem finanziellen Einkommen ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, der ihnen gerade wieder sozial ungerecht verknappt wurde, sind keinesfalls schwach in Bezug auf das Soziale. Sie sind benachteiligt von einer Gesellschaft, die immer noch glaubt, wer länger arbeitlos ist, der ist selbst schuld und wer nicht genug Geld zum Leben hat, auch. Knapp 7 Millionen Menschen in diesem Land leben an an der Armutsgrenze, weil sie Leistungen aus dem Sozialhaushalt aufgrund fehlender Beschäftigung oder zu niedriger Löhne benötigen. Sie deshalb als “schwach” zu bezeichnen, ist diskriminierend. Dass das allerdings von der Diakonie, mithin der Kirche kommt, die ja gut von der Beschäftigung von 1-€-Kräften lebt, wundert nicht wirklich.
Leserbrief vom 06.10.2009 an die BNN zum Thema “Alkoholverbote”
Schon wieder: Verbote. mehr fällt einigen wohl nicht ein. Aber gut, dann bitte konsequent: kein Alkoholverkauf mehr an Vereinsfesten, die Jugendabteilungen haben. Wie beim Sportfest, wenn die Kinder- und Jugendturniere sind. Und beim nächsten Straßenfest geht es mal gar nicht, dass es beim Fassanstich kostenloses Bier für alle über 16 gibt, noch dazu um 11:00 Uhr morgens. Von wegen gutes Beispiel und so.
Zur Jugend gehört es auch, dass man sich mal ausprobiert. Die eigenen Grenzen kennenlernt. Und dazu gehört auch bei vielen auch, Alkohol auszuprobieren. Andere rauchen. Oder Kiffen. Das mag einem gefallen oder nicht. Solange keiner andauernd betrunken ist, ist das doch alles gar kein so großes Problem. Nur, mit Verboten verhindert man nichts – man verdrängt das Problem nur. Aufzeigen, dass man auch ohne Alkohol/Drogen Spaß haben kann, kann man mit Verteufelung und Verboten nicht. Mir ist es lieber, 16-jährige Jugendliche trinken zusammen in der Öffentlichkeit ein/zwei Bier anstatt irgendwo im Gebüsch 2 Flaschen Wodka. Aufklärung tut Not und ansonsten gehört auch Vertrauen dazu.
Was mir dabei noch auffällt: erneut werden städtische Aufgaben outgesourced – der Sicherheitsdienst. Da wäre die Stadt doch als Arbeitgeber gefragt, gerade in der Krise. Private Sicherheitsdienstleister statt Streetworker – Kloppe statt Pädagogik? Und: werden diese privaten Dienstleister eigentlich dahingehend überprüft, wie sie ihre Mitarbeiter behandeln, wie die Arbeitszeiten sind etc.? Oder ist das egal, Hauptsache billig?
taz vom 26.08.2009 – Leserbrief zum Artikel “Klassenfahrt ins Atom-Endlager
Erbsensuppe und Panzerfaust
betr.: “Klassenfahrt ins Atom-Endlager”, taz vom 22. 8. 09
Na, das hat sich das Bundesamt für Strahlenschutz bei der Bundeswehr abgekuckt. Früher kam auch der Jugendbeauftragte in die 10. Klassen, erzählte was über die tolle Verteidigungsaufgabe, diskutierte ein bisschen und lud dann die SchülerInnen in die nächste Kaserne ein. Da gab’s dann beeindruckende Hubschrauberlandungen, Erbsensuppe, einen netten Film über entspannte Manöver in Norwegen und Waffenschau (möchtest du mal die Panzerfaust nehmen? So manipuliert man Minderjährige. JÖRG RUPP, Malsch
Stuttgarter Nachrichten vom 3. Juli2009 – Leserbrief auf den Artikel der StN zu Winfried Kretschmanns Äußerungen zu schwarz-grün:
Gute Arbeit in der Opposition leisten
Zu Berichten über eine mögliche schwarz- grüne Koalition in Land:
Dass die Grünen, zu denen ich gehöre, in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, würde ich so nicht unterschreiben. Unsere Themen sind es. Noch immer werden wir von den Parteien mit dem großen C misstrauisch
beäugt. Winfried Kretschmann versucht seit Jahren, die Grünen im Land in Richtung ei ner schwarz-grünen Koalition zu schieben. Es wird ihm nicht gelingen. Es sind nicht nur Themen wie derAtomausstieg oder der Fana-
tismus für große Autos, die die CDU von den Grünen trennt, es sind auch die in der CDU nach wie vor weit verbreitete Rechtslastig keit und der Unwille, sich von alten Herren aus ihrer Geschichte zu distanzieren. Es sei nur an die Filbinger-Rede von Oettinger er innert und an Weikersheim.
Mit einer CDU, die dem rechten Rand so nahe ist, kann es keine schwarz-grüneKoali tion geben. Dann muss man halt warten, bis sich mit der Einsicht in Notwendiges auch die Mehrheiten im Land ändern – und bis es soweit ist, gute Arbeit in der Opposition leisten. Auch das geht. Dann kann zwar
Kretschmann nicht mehr Minister werden – das wird dem Land aber nicht schaden.
Jörg Rupp, Malsch (per E-Mail)
taz vom 26.05.2009 zum Artikel vom 25.5.2009
Schwan war die bessere Wahl
Franz Walter mal wieder. Das ist der Herr, der im Spiegel seit Jahren das Bild der grünen Partei zeichnet, die doch jetzt endlich mal mit jemand anders als der SPD, und wenn schon nicht das, doch wenigstens mit in ‘ne Ampel muss. Nee, Herr Walter, Köhler hat sich zwar von seinem Image “befreit”, das heißt, es wurde von Schreibern wie Ihnen auch nicht mehr thematisiert, aber das heißt noch lange nicht, dass die Grünen vergessen haben, wo Köhler herkommt. Und deshalb war das nicht hinterher, sondern gleichauf. Schwan war die bessere Wahl. Das wussten alle Grünen, Eid und Stokar ausgenommen. Aber die gehören dem nächsten Bundestag eh nicht mehr an. JÖRG RUPP, Malsch
ältere Leserbriefe aus der taz:
Wo Männer “lila Pudel” sind
betr.: “Rechte Männer in Angst”, taz zwei vom 20. 9. 08
Danke für diesen Artikel. Ich bin seit Jahren in Scheidungs- und Männerrechtsforen unterwegs, kenne einige der Protagonisten auch persönlich, muss allerdings dazu sagen, dass es nicht ganz so einfach ist wie dargestellt. Es gibt strukturelle Ungerechtigkeiten gegen Männer, vor allem im Bereich Scheidung/Trennung und daraus resultierende Folgen, etwa im Umgangsrecht oder ganz allgemein in der Durchsetzung der gemeinsamen elterlichen Sorge. Das geht oft genug Hand in Hand mit – meist – Frauen, die an entsprechenden Schaltstellen wie Jugendämtern sitzen. (Meine eigene Frau musste sich auf dem Amt dafür rechtfertigen, warum sie mir als damals unehelichem Vater die gemeinsame Sorge einräumte…).
Aus solchen Geschichten und anderen, z. B. Umgangsboykotten, Unterhaltszahlungen bis an den Rand des Existenzminimus und darüber hinaus und anderen hat sich eine Szene etabliert, die aus der Wut über solche Dinge durchaus als rechts angesehen werden kann. Nicht nur die junge Freiheit als gerne benutztes Vehikel, sondern auch daraus resultierend politische Auseinandersetzung mit teilweise wirklich falschen Informationen haben etwas etabliert, das durchaus als rechts einzuordnen ist. Die Auseinandersetzung mit Argumenten führt dann oft genug dazu, dass man als Mann als “lila Pudel” bezeichnet wird – womit man sich dann nicht mehr mit Argumenten auseinandersetzen muss. Fakt bleibt jedoch, dass auch Männer diskriminiert werden, auch aufgrund des Geschlechts, und die Erkenntnisse beispielsweise aus der Pilotstudie “Gewalt gegen Männer” bedürfen dringen einer Verifizierung durch eine richtige Studie – vor allem im Bereich “Bundeswehr”. JÖRG RUPP, Malsch
Grüne Politiker mittenmang
betr.: “Heile Welt, furniert. Günther H. Oettinger, Ministerpräsident Baden Württembergs, ist bei weitem nicht der Einzige, der zurzeit Geschichte wieder fälschen will. Warum werden gerade jetzt alte Nazi-Täter rehabilitiert?”, taz zwei vom 14. 4. 07
Neben all dem Richtigen, das zu dem alten, uneinsichtigen Nazirichter Filbinger richtigerweise zu sagen war und ist und auf den Punkt “Altnazi” gebracht werden kann, bleibt die Frage, warum Grünen-Fraktionschef in BW, Kretschmann, und Freiburgs OB und sein Vorgänger im Amt, Salomon, an der Beerdigung dieses Altnazis teilgenommen haben. Dafür kann es keine vernünftige Erklärung geben – außer ein Anbiederungsversuch in Richtung Oettinger-CDU – den man angesichts dessen Ausfälle besser gelassen hätte. Denn einem Altnazi eine Ehre zu erweisen – wenn es auch die letzte ist -, kann nicht Ziel grüner Politiker sein. JÖRG RUPP, Malsch
Toleranz ist das Zauberwort
betr.: “Fakten und Vorurteile
Wenn Sie heute christlich orientierte Frauen sonntags morgens vor der Kirche fragen, ob sie das Christentum dem Islam für überlegen halten, sagen auch mindestens 87 % “Ja”. Und das ist dann bei Kirchgängern sicher deutlich ausgeprägter als beim Durchschnitt der Bevölkerung – hoffentlich. Und das Gefühl der “Ausgewähltheit” kennen wir alle sicherlich von George Bushs Fantasien über die Welt und seine Präsidentschaft. 15 % befürworten einen Gottesstaat? Fragen Sie doch mal all diejenigen, die den totalitären Herrscher eines diktatorischen Staates – ich meine den Papst – mit Staatsehren empfangen, ob sie sich einen von der katholischen Kirche geführten Staat vorstellen könnten, ich bin sicher, sie finden auch ein paar Prozent.
Toleranz ist und bleibt das Zauberwort – für Muslime und Christen. JÖRG RUPP, Malsch
taz vom 8.11.2006, S. 12, 15 Z. (LeserInnenbrief)
Wissen wir das nicht schon lange?
betr.: “Die schmutzigen Tricks der Billigdiscounter”,
Das taz-Dossier zu den Methoden der Discounter, taz vom 18. 6. 05
Es ist ehrenhaft, wenn ihr (und Ver.di) sie endlich (wieder-)entdeckt: die Geschundenen im Lebensmitteleinzelhandel. Aber irgendwo zwischendrin sollte zumindest der Satz stehen: Das war eigentlich schon immer so.
Die Zustände bei Schlecker sind mir persönlich schon seit Ende der 80er-Jahre bekannt, als ich selbst noch im Lebensmitteleinzelhandel tätig war – bei einer mittelständischen Lebensmittelkette, die zwischenzeitlich verkauft ist (Pfannkuch). Und zu Lidl ging nur, wem die 60 bis 80 Stunden, die man in der Woche ab Position Filialleiterassistent gearbeitet hatte, nicht genug waren. Unbezahlte Überstunden, Mobbing, wenn man sie einforderte, Kassenkontrollen, Schikanen, Abmahnungen bei Kleinigkeiten (Ware nicht ausgepackt trotz 80 Stunden nachweislich gearbeitet), falsche Verdächtigungen, die man gleich noch rum erzählte, ausgesetzte Beförderungen, künstliche Personalverknappung usw. – all das gab es sogar bei anderen Unternehmen als “nur” bei den Discountern. Es ist in der Branche üblich – der konventionellen wohlgemerkt.
Ich habe 1990 gekündigt, mit sechs Wochen Kündigungsfrist zum Quartalsende – es war das erste Mal, dass ich Überstunden eingefordert und bekommen hatte – für drei Monate habe ich vier Wochen Überstunden abgebaut – und angesichts der bevorstehenden Kündigung schon angefangen, deutlich weniger zu arbeiten. “Normal” war, morgens um halb sieben spätestens im Laden zu stehen, die Mittagspause nur zu einem Viertel zu nehmen und dann bis viertel/halb acht im Laden zu stehen, bis die Kasse gemacht war, bei Ladenschließung um 18.30 Uhr. 38,5 Stunden hatte ich meist schon donnerstags nach der Frühstückspause – Freitag/Samstag gehörte nicht Vati, sondern dem Unternehmen.
Man sollte also nicht so tun – auch die Gewerkschaften nicht – als hätten sie da was Neues entdeckt. Sie sind bislang nur nicht damit (so massiv) an die Öffentlichkeit gegangen.
JÖRG RUPP, Malsch
taz Nr. 7698 vom 24.6.2005, Seite 11, 59 Zeilen (LeserInnenbrief)






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