Regeln

Diese Gesellschaft braucht Regeln. Ganz klar. Sonst schüttet jede/r sein Öl ins Grundwasser, Nachbarn erschießen Nachbarn, Leute fahren mit 180 druch ein Wohngebiet, es wird bis morgens um 3 laute Musik gehört, Waffen müssen vorschriftsgemäß aufbewahrt werden usw. usf.

Eine dieser Regeln lautet in Malsch:

(3) Die Verwendung von auftauenden Streumitteln ist verboten. Sie dürfen ausnahmsweise bei Eisregen verwendet werden; der Einsatz ist so gering wie möglich zu halten.

Nun, trotz dieser eindeutigen Regel, verkauft REWE in Malsch Streusalz (davon abgesehen, dass ich auch schon einige Menschen gesehen hab, die es benutzt haben). Gestern abend, als ich dort zum einkaufen war, war noch jede Menge da – von 1kg Päckchen bis zum 3kg Eimer. Heute abend:

08012010074[1]Leer. Einzig das Lavagranulat war noch da. Vor meinem Fenster schneit es, es liegen zwischenzeitlich sicherlich ein paar Zentimeter Schnee. Für was, lieber Himmel (so heißt auch unser Bürgermeister) braucht also jetzt irgendjemand Streusalz? Eisregen? Keiner angekündigt, es gab auch keinen diesen Winter.

Da niemand interveniert oder gar den Einsatz sanktioniert, wird sich da leider nicht viel ändern, auf absehbare Zeit. Das ist ziemlich traurig.

Auswirkungen von Streusalz (von www.naturtipps.com)

Streusalz erhöht die Salzkonzentration in den Böden, wodurch die Vegetation massiv beeinträchtigt und verändert werden kann. An Straßenrändern können sich salztolerante Pflanzen ausbreiten. Im Boden führen die Auftausalze zu Verdichtungen und Verschlämmungen, je nach Streusalztyp auch zur Alkalisierung oder Versauerung.

Auf Pflanzen wirkt Streusalz direkt und indirekt: Einerseits führt Kontakt mit Streusalz bei oberirdischen Pflanzenteilen zu Ätz- und Verbrennungsschäden, andererseits ändert sich durch die Bodenversalzung der Nährstoffgehalt, d.h. die Ionen-Zusammensetzung des Bodens. Dadurch können Mangelzustände auftreten. Durch die Verringerung des osmotischen Potentials des Bodens können die Pflanzen nicht mehr ausreichend Wasser aufnehmen. Bei Straßenbäumen werden die Folgen oft erst im nächsten Sommer sichtbar, wenn die Bäume trotz ausreichender Niederschläge vertrocknen. Über die Wurzeln gelangen die Salzionen auch in das Holz und bis in die Blätter, wo sie angereichert werden.

Durch Abschwemmungen und Entwässerung von Straßen können Salze ins Grundwasser, in Fließgewässer oder Seen gelangen (weitere Informationen). Auch über die Kanalisation gelangt das Streusalz in die Gewässer, da die Salze in den Kläranlagen weder abgebaut noch abschieden werden.

Streusalz verursacht Schäden an Bauwerken, da beim Schmelzen des Eises der Umgebung kurzfristig viel Wärme entzogen wird. Dadurch kühlt Beton rasch um einige Grade ab, wodurch die Deckschicht abplatzen kann. An Fahrzeugen führt das salzhaltige Wasser zu Korrosionen, wodurch die Metalloberflächen angegriffen werden und zu rosten beginnen.

Streusalz schadet den an den gestreuten Stellen vorbeilaufenden Haustieren.

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5 Gedanken zu „Regeln

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  2. TheK

    Nach einigen Knallkopf-Kommentaren, die ich in den letzten Tagen schon gehört habe und dem ständigen „eine Schneeflocke! Die Welt geht unter!“ (was verkehrstechnisch besonders dank der Dummheit vieler Autofahrer [Stichwort Sommerreifen im Winter] dann auch wahr wird) wundert mich das ganze nicht.

    Liegt in diesem Lande irgendwo Schnee, wird der sonst nur unterschwellige „lieber stirbt mein Nachbar als das ich mein Verhalten leicht ändern muss“-Egoismus erst richtig deutlich. Dazu passt auch der Fahrstil vieler Autofahrer (schön, wenn man bei Schneefall von einem Polo 86C überholt wird, das Ding gilt nicht ohne Grund als „rollender Sarg“) und die Entsorgungsmethoden des Schnees: Auf die Straße, auf das Grundstück des Nachbarn – aber um Gottes Willen bloß nicht auf die eigenen Blumen!

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  3. Jack

    Ach, solange ich dafür haftbar gemacht werde wenn jemand auf dem öffentlichen Gehweg vor meinem Haus stürzt und die Straßenmeistereien Tonnen von Streusalz auf die Straßen werfen, solange werde ich Streusalz verwenden. Was die Malscher Regeln angeht, ist es halt eine weiter schwachsinnige Regel wie so viele in diesem Land

    Jack

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  4. Wilderich Freiherr von Haxthausen

    Abhilfe zumindest auf Fußwegen bringt Maisspindelgranulat als abstumpfendes Streumittel gegen Eis-und Schneeglätte. Maisspindelgranulat ist naturbelassen ohne Zusatzstoffe, entwickelt keinen Staub. Natur und Technik bleiben ohne Schaden. Es kann von Hand oder mit dem Sreuer sparsam verteilt werden und ist schwer genug gegen Wind (Schüttgewicht 537 g/l).

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  5. Gonzo

    Schöne Idee mit dem Umweltgedanken i.S. “weniger Salz”. Ich wäre sofort dabei …… WENN diese unsinnige Räum- und Streupflicht für Privatpersonen abgeschafft, bzw. gelockert würde. Solange mir als Privatperson gnadenlos aufgebürdert wird, den Gehweg freizuhalten, auch wenn ich arbeiten bin, krank oder alt bin, so lange wird vor meinem Haus auch Salz gestreut, um der Vorschrift gerecht werden zu können. Dieses Jahr ist Salz knapp. Was passiert. Autobahnen werden gesperrt, weil nicht gestreut werden kann. Richtig im Sinne der Verkehrssicherheit. DAS möchte ich auch mal können – den Gehweg vor meinem Haus sperren, weil ich kein Salz mehr bekomme. Jaja, Split und andere Dinge. Schöne Idee – aber wenn ich morgens Split steue (den ich übrigens auch wieder wegfegen muss) ist das eine halbe Stunde später wieder mit Schnee bedeckt und es nützt nichts mehr. Und leider (oder zum Glück) muss ich tagsüber arbeiten und habe keine Zeit zum Schneeschieben. Also insofern aus meiner Sicht ein ein lobenswerter Gedanke i.S. der Umwelt, aber aufgrund der Rechtslage weltfremd.

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