Schöne neue Arbeitswelt

Ich erzähle es immer wieder in meinen Kursen: die Technik wird weitere Berufe überflüssig machen. Der nächste Job, der mehr und mehr aussterben wird, ist der der Kassiererin in Märkten. Ein Beruf, der angelernt werden kann. Der vor allem von Frauen ausgeübt wird. Teilzeitgeeignet ist. Verantwortung bedeutet. IKEA macht es vor, andere werden folgen.

Ende März war ich bei IKEA in Walldorf. Kind 1 und 3 benötigten neue Betten. Und ich ein Gästebett fürs Büro. Die Kinder wollten ne Schlafcouch, fürs Büro war das eh praktischer und so entschlossen wir uns nach viel hin und her für Ikea – „Beddinge“. Nicht zu teuer, einigermaßen robust, „nachrüstbar“, ne richtige Matraze drauf. Passt in die Studentenbude für Kind 1 und auch ins Jugendzimmer von Kind 3. Als wir an die Kasse kommen, bietet sich uns ein völlig neues Bild: es gibt Selbstbedienungskassen.

ikea

Man scannt seine Artikel selbst ein, kontrolliert, nimmt seine EC (oder andere) Karte, bezahlt damit und geht raus. Am Ende des Kassendurchgangs steht dann noch jemand und kontrolliert, ob du alles drin hast. Und an den Scannern ist jemand, der hilft. Geht viel schneller als an der „normalen“ Kasse. Eingespart werden Personal und damit Arbeitsplätze.

Der nächste Schritt wären RFID-Chips in den Artikeln oder den EAN-Aufklebern auf den losen Artikeln, dann kann die Kasse einfach per Funk auslesen, was man auf dem Wagen hat. Kontrolle, Karte rein – am Schlauesten noch die Ikea-Card, bezahlen, raus. Ich selbst hab aber dann an den Kassen bezahlt, an denen noch Personal sitzt. Weil da noch Personal sitzt. Nur, wenn das weiterhin verlangt wird, werden die das auch beibehalten. Und wenn das Kunden sagen.

Ich finde, letztendlich haben die Unternehmen neben ihrer Gewinnmaximierung auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Jedes Unternehmen hat vor der Einführung neuer Technik eigentlich zu überlegen, ob das nicht nur in Bezug auf die Kosten sinnvoll ist, sondern auch in Bezug auf die MitarbeiterInnen und die Gesellschaft. Diese Verantwortung sehe ich genauso beim/ bei der ErfinderIn, dem/r VerkäuferIn. Technik – so sehr faszinierend die Möglchkeiten manchmal sind – sollte bewusst eingesetzt werden. Das geschieht leider viel zu wenig. Am Ende sind nicht nur Wissen verloren gegangen, sondern auch Lebensqualität. Und für mich gehrt es zum Einkaufen, irgendwo auch noch einen freundlichen VerkäuferIn zu treffen – und sei es an der Kasse. Ich habe mal gelernt – ich hab ja im Einzelhandel gelernt – das es sher wichtig ist, dass Kunden beim Bezahlen freundlich bedient wird – schließlich nimmt man ihm Geld ab – eigentlich ein unangenehmer Vorgang….da ist das IKEA-Prinzip kontraproduktiv…

Ich finde es NICHT gut, was IKEA da macht – und überleg mir für die Zukunft echt, ob ich da noch einkaufen möchte.

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7 Gedanken zu „Schöne neue Arbeitswelt

  1. Christian

    Dieses IKEA Prinzip ist doch nur die Weiterführung des Onlinehandels,
    die meisten Leute wollen Möbel vor dem Kauf nunmal vorher doch noch in echt sehen und nicht nur ein paar Bilder und eine Beschreibung.
    Ich bezahle ja nicht dafür, dass jemand dafür bezahlt wird, dass er mir das Geld abknöpft.
    Ich bezahle für ein Möbelstück und evtl. eine Beratung, wobei man da sowieso schon längst woanders als bei IKEA besser aufgehoben ist.

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  2. Christian Stahl

    Das ist nun mal der Gang der Technik. Was ist denn mit all den Post Angestellten, die im Zeitalter von E-Mails und Faxen keine Briefe mehr sortieren müssen? Heute schreibt man sich doch lieber eine SMS oder E-Mail aus dem Urlaub, anstatt eine Postkarte zu schreiben. Wie steht es mit Ihnen Herr Rupp? Schreiben Sie noch klassische Briefe, oder schreiben Sie eher eine E-Mail?

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  3. TheK

    Bisherige Versuche dieser Art waren eher wenig von Erfolg gekrönt, insofern wäre abzuwarten, ob sich das bei IKEA durchsetzt – mittelfristig allenfalls als zusätzliches Angebot für Leute, die meinen nur keine Sekunden verschwenden zu dürfen und so wenigstens nur sich selbst anmeckern können, wenn’s dauert.

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  4. Daniel

    Ich sehe das eher wie meine Vorredner. Die Technik ist eben drauf und dran Arbeitsplätze zu vernichten. Und das ist gut so. Denn jede Beruf der wegfällt kann im Zweifelsfall immer noch durch Ausüben einer ähnlichen Tätigkeit als Hobby ersetzt werden. Der Punkt ist nicht die Arbeitsplatzvernichtung, sondern das mangelhafte soziale Netz, dass nur mit Arbeitszwang zu reagieren versucht und keine Möglichkeit zur Entfaltung außerhalb der Erwerbsarbeit zulässt. Dieses Problem gilt es anzugehen, z.B. mit einem „Bedingungslosen Grundeinkommen“.

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    1. joerg

      naja, ganz so einfach ist das mit dem BGE aber nicht. Denn KassiereInnenjobs sind eben nicht einfach schlechte Jobs – es sei denn bei ALDI & Co. Ich habe z. B. immer wieder Frauen in der Maßnahme, die gerne noch arbeiten gehen, aber körperlich nicht mehr in der Lage sind, Verkäuferinnen zu sein und deshalb „nur“ kassieren möchten – ein Beruf, der früher besser bezahlt wurde als der einer Verkäuferin – Stichwort Kassiererinzulage. Ich finde auch nicht, dass alles, was machbar ist, getan werden muss.

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      1. Daniel

        Mir ging es auch nicht um eine Kategorisierung/Einteilung in „gute“ und „schlechte“ Jobs. Meiner Ansicht nach ist es nur sinnvoll soweit wie möglich jeden Job durch Maschinen zu ersetzen, da die Arbeit dann ja immer noch gemacht wird (und zwar zu günstigeren Kosten, sonst würde der Betrieb einen solchen Umstieg ja nicht machen) und der/die Mitarbeiter/-in kann sich (bei angemessener Alimentierung) außerhalb ihres Berufslebens entfalten. Wenn sie tatsächlich Spaß am kassieren hätte könnte sie sich z.B. mit anderen Personen zusammenfinden und eine entsprechende Hobby Gruppe gründen. Vll. entdeckt sie aber auch, dass es andere Dinge gibt die ihr ebenfalls Spaß machen und somit entsteht eine gute Basis für gesellschaftliches Engagement außerhalb der „klassischen“ Erwerbsarbeit. Meiner Meinung nach sollte also durchaus „alles“ getan werden, was machbar ist um Arbeit durch Produktionsmittel zu ersetzen (mal überspitzt formuliert ;). Allerdings müssen dafür auch die passenden Rahmenbedingungen geschaffen werden (Alimentierung -> soziales Netz) sonst ist das ganze Vorhaben von vorne herein zum Scheitern verurteilt.

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  5. Pingback: Verantwortung durch Beteiligung

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