Stoppt endlich den Autobahnausbau

Die Geschichte der letzten Jahre zeigt: der Staat, die Gesellschaft kann gar nicht so schnell die Autobahnen ausbauen lassen, wie der Verkehr zunimmt. Zwischen 6 und 20 Millionen € rechnet man für den Kilometer Autobahnausbau/Neubau. Mindestens. Es kann auch teurer werden.

Der Aus- und Neubau kostet aber nicht nur „bares“ Geld in Form von Leistungsbezahlung, er vernichtet auch Unsummen an volkswirtschaftlichem Vermögen, verursacht Staus, die diejenigen, die drin stehen, ebenfalls Zeit (und Geld) kosten. Straßenausbau wie wir ihn derzeit praktizieren, ist ein großes Fenster, durch das jede Menge Geld geworfen wird.

Grund für den zunehmenden Verkehr, für die Notwendigkeit, nahezu alle Autobahnen auf drei Spuren auszubauen, ist vor allem der Güterverkehr, der über die Maße hinaus zugenommen hat. Länger schon reichen die LKW-Parkplätze nicht mehr, auch diese müssen ausgebaut werden.

Übervoller Autobahnrastplatz, Quelle Verkehrsrundschau

Übervoller Autobahnrastplatz, Quelle Verkehrsrundschau

Grund für volle Autobahnen, zuviel Verkehr, Staus ist vor allem auch der zunehmende LKW-Verkehr. Viele Unternehmen haben ihre Lagerflächen abgebaut und verlangen von ihren Zulieferern Just-in-Time-Lieferung – der Autositz, der irgendwo anders produziert wird, soll dann angeliefert werden, wenn er gebraucht wird. Die Unternehmen reduzieren so ihre Lagerfläche und ihre Kosten – und verlagern damit die Kosten auf die Allgemeinheit – der LKW ersetzt ein Lager am Standort etwas vereinfacht gesagt.

Solange der Staat dem hinterher baut, wird es kaum besser werden. Das Ziel, mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu bekommen, scheitert auch daran – und den fehlenden Güterbahnstrecken. Auch auf der Schiene konkurriert der Güter- mit dem Personenverkehr um die Vorfahrt. Und der Ausbau des Schienennetzes konkurriert mit dem Ausbau der Autobahnen – vor allem, wenn es ums Geld geht. Lärmschutz – der bei Autobahnen in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland zu einer zunehmenden Fahrt in einer Röhre ohne Deckel führt, spielt auch dabei eine große Rolle – viele alte Güterwaggons sind laut, wenig gedämpft.

Wir sollten daher folgende Dinge tun: den Autobahnausbau stoppen. Angefangene (nicht geplante) Projekte zu Ende führen. Punkt. Der Status Quo ist ausreichend, der Erhalt verschlingt ausreichend Geld, mehr kann sich der Staat nicht mehr leisten. Statt dessen sollte das eingesparte Geld in den Ausbau der Schienen und Finanzierung lärmgedämpfter Güterwaggons gesteckt werden. Und drittens sollten Unternehmen dazu verpflichtet werden, einen bestimmten Anteil an benötigten Produktionsmittel vorrätig zu haben – also ihre Lagerflächen zu vergrößern. Auf den Autobahnen wird für LKWs ein generelles Überholverbot verhängt, Sprinter dürfen die linke Spur nicht mehr benutzen.

Ich höre schon den Aufschrei – aber es gäbe eine Maßnahme, die man ergreifen könnte: wenn die Transportunternehmen und ihre Auftraggeber der Meinung sind, dass sie für ihre LKWs Überholmöglichkeiten benötigen – dann dürfen sie einen Autobahnausbau beantragen, die Planung und Genehmigung bezahlen und ebenso den Ausbau – dann gibt es eine reine LKW-Spur, die von denen genutzt wird, die sie bezahlt haben. Gleiches gilt für Parkplätze. Ich finde, die Unternehmen haben ausreichend Teile ihrer Kosten sozialisiert. Die Gesellschaft kann daran kein Interesse mehr haben – zumal abzusehen ist, dass in den nächsten Jahren mehr und mehr selbstfahrende LKWs auf die Straße kommen. Ein LKW, der keinen Menschen mehr am Steuer hat, braucht keinen Parkplatz und muss nicht überholen.

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2 Gedanken zu „Stoppt endlich den Autobahnausbau

  1. C E

    Die Logik zum Thema Lagerflächen erschließt sich mir leider überhaupt nicht. Auch wenn die Firmen Lagerflächen haben, für z.B. 3 Tage oder eine Woche Material, so muss das, was verbaut wird und damit das Lager verlässt, ebenso schnell wieder aufgefüllt werden. Dies reduziert nicht ein Auto auf deutschen Strassen. Das Problem liegt in der Globalisierung. Der Autositz kommt aus z.B. Spanien, das Material hierfür wieder aus Deutschland, nur der Zusammenbau ist dort halt billiger. Das gleiche passiert mit Bier, wird hier in Deutschland produziert und zur Abfüllung per LKW nach Italien gefahren, dann abgefüllt wieder hierher.
    Hier muss man ansetzen, was bei dem deutschen Lohnniveau und der Geiz ist Geil Mentalität recht schwer fällt. Lagerflächen in den Firmen schaffen, vergrößert nur die Industrieflächen, versiegelt mehr Landschaft und kostet nebenbei auch nur mehr Energie z.B. für Beleuchtung und Heizung. Das ist weder grün noch sinnvoll durchdacht.

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    1. Jörg Rupp Beitragsautor

      Wenn ich aber kleinere Mengen habe, weil ich JIT liefern lasse, dann liefert halt nur noch der LKW – und nicht der Zug. Der natürlich auch unflexibler ist, was die Anlieferungszeiten angeht. Das andere gehört genauso dazu – aber wir haben eigentlich schon ziemlich niedrige Löhne.

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