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8 Monate bei New Horizons – wie Freiberufler abgezockt werden

Nachdem ich im Jahr 2016 nicht länger beim Freundeskreis Asyl arbeiten konnte, bin ich in Teilzeit von 60% zurück zu meinem ehemaligen Arbeitgeber initial e. V. Ich konnte relativ nahtlos zurück in die Betreuung „meiner“ alten Maßnahme und übernahm darüber hinaus zusätzliche Aufgaben, wie in der Betreuung suchtkranker Menschen oder in der Praktikumsvermittlung von Asylbewerber*innen im Rahmen eines Alphabetisierungs- und Integrationskurses. 40%, also zwei Tage die Woche aber hatte ich „frei“ und natürlich fehlte das Geld vorne und hinten. Meine Suche für freiberufliche Stelle zusätzlich war nur bedingt erfolgreich – ich bin kein ausgebildeter Sozialpädagoge, sondern war immer „nur“ quer eingestiegen – alles, was ich nachweisen konnte waren 10 Jahre erfolgreiche Arbeit in der Betreuung von Menschen mit einfachen oder multiplen Vermittlungshemmnissen. Es gab darüber hinaus Dinge, die ich nicht mehr tun wollte – ein Office-Vermittlungskurs, wie ich ihn zu Beginn meiner Tätigkeit bei Bildungsträgern gemacht hatte, kam dauerhaft nicht mehr in Frage, ebenso fielen einige Bildungsträger raus, weil ich kaum aushalten konnte, wie dort gearbeitet wurde und wird.

Nichtsdestotrotz machte ich ein paar Excel-Kurse bei der DEKRA und fand das ganz attraktiv. Allerdings kam nichts Dauerhaftes zustande, da ich eben mit 60% woanders gebunden war. Bis Januar 2017 dauerte die Durststrecke, ich war gerade dabei, mir was ganz anderes zu suchen, als ich bei der bfw fündig wurde. Allerdings fand ich mich in einer Hartz-IV-Druckmaßnahme wieder – auf die Teilnehmenden wurde erheblicher Druck ausgeübt, 2 Tage die Woche teilzunehmen, einmal am Einzelgespräch, einmal an einem Seminar. Wer nicht kam, musste nachholen, klappte das nicht, mussten Abmahnungen geschrieben werden und das Jobcenter informiert werden. Im schlimmsten Fall führte das zu Kürzungen bei den Leistungen. Anstatt auf die Teilnehmenden einzugehen und zu schauen, dass sie sich wieder Ziele setzen, ihre individuelle Situation reflektieren und das nutzen, was sie mitbringen, ging es alleine darum, egal wohin zu vermitteln. Darüber hinaus war nicht immer ein Raum für Einzelgespräche verfügbar, manchmal musste ich coachen, wenn ein*e Kollege*in im Raum war, oder noch schlimmer, ein* Kollege*in im selben Raum ein*e andere*n Teilnehmende coachte.

So war ich froh, dass eine Kolleg*in auf mich zukam und mich fragte, ob ich nicht bei New Horizons in Karlsruhe anfangen wolle. Diese planten die Eröffnung einer Niederlassung in Karlsruhe, benötigten noch einen Bildungsberater – also jemanden, der die Teilnehmenden über Kursmöglichkeiten anhand ihrer individuellen Voraussetzungen und Bedarfe beriet. Auch beim Aufbau konnte ich mithelfen, in Bezug auf IT-Ausstattung, Raumsuche, Projektplan bis zur Eröffnung.

Ziemlich schnell verstand ich aber, dass der Geschäftsführer, Dr. Peter Engelmann,  dieser Niederlassung – New Horizons ist ein Franchise-System – nichts beitrug zum Gelingen. Die OP-Managerin – meine Kollegin – und ich machten praktisch die ganze Arbeit. In den 14 Tagen, in denen wir beide im letzten Jahr an Pfingsten weg waren, geschah dort rein gar nichts. Er war überfordert, leitete Informationen, die essentiell waren (zum Beispiel,wie das interne CRM freigeschaltet wurde bzw. was die Voraussetzungen dafür waren), wie KURSNET der BA gefüllt wurde, wie man insgesamt vorging, welche Lizenzen freizuschalten waren undundund – wir mussten uns alles erarbeiten und durch teilweise stundenlange Telefonate mit anderen Standorten mühselig recherchieren – was bei ihm in Broschüren und Mails sicherlich vorlag. Dementsprechend verschob sich die Eröffnung um 3 Monate – und das Geld wurde knapp. Im September – erhielt ich zum ersten Mal mein Geld für den zurückliegenden Monat nicht. Erst Anfang Oktober wurden die Rechnungen für August und September bezahlt. Gleichzeitig bezahlte er Gehälter nicht mehr, entließ Mitarbeiter, ohne Gehälter zu bezahlen,schob Zahlungen, das Konto wurde gepfändet. Ich telefonierte mit Krankenkassen und anderen Unternehmen, erreichte Zahlungsaufschübe und damit konnte wieder über das Konto verfügt werden – alles nicht meine eigentliche Aufgabe, aber er selbst schien dazu nicht in der Lage. Im Oktober das selbe – keine Zahlung, auch Ende November nicht. Er war spätestens zu diesem Zeitpunkt zahlungsunfähig. Trotzdem: zwei Berater noch immer im Unternehmen, beide erhielten ihr Geld.

Dann, als ich Ende November in die Unterrichtsräume komme, die große Überraschung: ein neuer „Berater“ hat sich aufgetan – ein alter Bekannter – Silvio Neumark, von ehemals Strike Dialogmarketing bzw. POI Marketing. (Dass sich über ihn wenig bis nichts im Netz finden lässt, zeigt, wie viel er via Google hat entfernen lassen – aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten über Google hinaus).

Da ich ihn kannte als jemanden,der mich auch schon beschäftigt hatte, ohne zu bezahlen, habe ich mich mehr oder weniger auf der Türschwelle rumgedreht und meine Tätigkeit dort beendet. Parallel dazu fand ich in den darauf folgenden Tagen eine neue Anstellung in Vollzeit, mit der ich sehr zufrieden bin.

In den Folgemonaten erlebte ich durch Kontakt zu den Exkollegen deren weitere Leidensgeschichte dort mit.  Kurz und bündig: alle landeten vor dem Arbeitsgericht. Die Vergleiche, die er schloss, hielt er nicht ein – offensichtlich spielte er auf Zeit. Ich hatte ihn direkt Anfang Dezember angemahnt, danach die Klage eingereicht. Im März dann das erste Versäumnisurteil Versäumnisurteil erreicht, gegen das er Widerspruch einlegte und beim zweiten Termin – am 7. Juni 2018 – ebenfalls nicht zu erscheinen und ein zweites vollumfängliches Versäumnisurteil zu kassieren. Ob ich mein Geld pfänden kann – wir werden sehen. Er hat jetzt wohl endlich Insolvenz angemeldet.

Wir haben uns natürlich hilfesuchend an die anderen Niederlassungen gewendet, mit denen wir zu tun hatten, die hilfreich zur Seite standen, als wir alle Informationen suchten. Wir haben uns an die Franchisezentrale gewandt.

Diese schrieb uns – sie, die sie nahezu immer ihr Franchisegeld erhalten hatte, soweit ich anhand der Kontoauszüge sehen kann – Folgendes:

Es tut mir persönlich sehr leid zu lesen, dass ihr den Gerichtsweg beschreiten musstet, um eure Forderungen gegenüber der NH Baden GmbH geltend zu machen. Lt. eurem email habt ihr auch bereits die Gerichtsbeschlüsse für die ausstehenden Gelder erhalten. Das Thema liegt somit in den Händen eurer Anwälte.

Deshalb kann ich nichts mehr tun, außer euch darauf hinzuweisen, dass die NH Baden GmbH eine eigenständige Gesellschaft und Peter selbständiger Unternehmer ist. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir keine Handhabe haben, in einem solchermaßen gelagerten Fall auf das Verhalten von NH Baden GmbH Einfluss zu nehmen.

Ihr wart Angestellte der NH Baden GmbH und nicht von New Horizons. Bitte beachtet diesen Unterschied in eurer Kommunikation nach außen: Insbesondere habe ich euch aufzufordern, negative Äußerungen über New Horizons in der Öffentlichkeit, die den Ruf unseres Unternehmens, des Franchisesystems und der anderen Franchisenehmer, schädigen könnten, zu unterlassen.

Das mag rechtlich einwandfrei sein. Die Umstände waren seit Monaten bekannt, man hat nichts getan, um die Angestellten zu schützen und sich nicht um den Ruf von New Horizons gekümmert – solange wohl das Geld an die Zentrale floss. Leider ist eine Bereitschaft, einen Teil des Schadens,der auch entstanden ist, weil man bei New Horizons offenbar nicht so genau hinschaut, wer da Unternehmer (neudeutsch: Owner) bei ihnen wird und nichts unternimmt, wenn Probleme auftauchen, auszugleichen.

Verbraucherschutz und Banken

Hin und wieder stoße ich auf das Verbraucherschutzmagazin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Jedes Mal denke ich, eigentlich sollte man regelmäßig auf deren Website die aktuellen Eintragungen lesen – es sind immer wieder gute und sehr gute Ratschläge dabei.  Das Magazin liegt uns seit dem Wahlgewinn in BW interessanterweise den Landesvorstandsunterlagen bei, aber auch bei der Gemeinde aus.

Im letzten Magazin gab es ein paar Tipps zum Thema Banken. Geldanlagen, Zinsen, Finanzdienstleistungen. Interessant fand ich dabei einen Artikel über die bekannten Zwangskontoauszüge.

„Zwangsauszüge“ sind Kontoauszüge, die den Kunden ohne oder gegen ihren Willen von der Bank zugesendet werden, wenn diese nicht innerhalb eines bestimmten Zeitraums abgerufen wurden“

Ich benutze seit einigen Jahren die kostenpflichtige Software WISO „Mein Geld“, weil ich mal vorhatte, unseren Geldfluss genauer ins Auge zu fassen. Dort habe ich alle Kontenbewegungen gespeichert und kann mir bei Bedarf Belege ausdrucken – was bislang für meine Belange auch immer ausreichend war. Trotzdem sendet mir meine Volksbank regelmäßig meine Kontoauszüge zu.

Das Landgericht Frankfurt hatte der Deutschen Bank in einem Urteil (Az.: 2-25 O 260/10, vom 8. April 2011) genau dies untersagt:

Banken dürfen nach einem Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main kein Entgelt verlangen, wenn sie dem Kunden unaufgefordert einen Kontoauszug zusenden. Eine Bank ist grundsätzlich gesetzlich verpflichtet, den Kunden mindestens einmal im Monat über die Zahlungsvorgänge auf seinem Konto zu informieren, ob online, am Auszugsdrucker oder per Zusendung. Für die Erfüllung dieser Pflicht darf kein Entgelt erhoben werden. Dies ist nur in gesetzlich vorgesehenen Ausnahmefällen möglich, etwa wenn der Kunde eine zusätzliche Zusendung ausdrücklich verlangt.

Ich habe also verlangt, dass die Volksbank mir die Kosten zurückerstattet. Zunächst hat man mir das verweigert – erst nach meinem Hinweis auf das Urteil wurden mir immerhin 8 € für 2011 zurückerstattet. Nicht ohne mir einen Brief(!) zu schreiben (ich sende denen immer nur E-Mails):

Darin verweist man darauf, dass speziell gegen die Volksbank kein Urteil erstritten wurde. Man legt mir nahe, mich für die Online-Auszüge bei der Voksbank „freischalten“ zu lassen – was ich ebenfalls unnötig finde. Und erklärt mir das Verfahren, das zum Zwangsauszug führte – und das unnötig wie ein Kropf ist, wenn man andere Möglichkeiten hat als Papierauszüge abzuholen. Darüber hinaus bittet man mich, meine Auszüge regelmäßig abzuholen. Das Porto wurde ebenfalls nicht zurückerstattet. Ich überlege nun, ob ich wegen 1,10 € weiterhin dranbleiben soll. Verklagen wegen diesem Betrag kann man sie ja schlecht.

Die Sparkasse Karlsruhe verlangt widerrechtlich für eine Nichtausführung eines Auftrags mangels Deckung. Ist uns letzten Monat durch eine zeitliche Überschneidung passiert. Unangenehm und peinlich, kann aber vorkommen. Auf dem Kontoauszug (also in „Mein Geld“) wird dies als „Rücklastschriftgebühr“ ausgewiesen – als ich das als widerrechtlich reklamiert habe hieß es, das wäre nur das Porto gewesen.

Update:

Hier stand vorher ein Beitrag über die Ethikbank. Die Ethikbank hat mich richtigerweise daraufhin hingewiesen, dass sie keine Rücklastgebühren (mehr) verlangen.Und bevor ich juristisch belangt werden, nehme ich das hier raus.

Ich konkretisiere das allerdings,  weil es im Internet entsprechende Berichte gibt: die Ethikbank hat unter den Namen Ethikbank Rücklastschriftgebühren erhoben, und zwar mit sehr hohen Beträgen. Ich persönlich weiß von Gebühren von über 10 €, die erhoben wurden:

Ich bin noch Kundin bei der Ethik Bank! Mit einem Mikrokonto!!
Der Fall: Eine Gebühr von 4,99 Euro sollte per Lastschrift eingezogen werden, da das Mikrokonto ein reines Onlinekonto ist und man nur am Geldautomaten Geld abholen kann habe ich EUR 1,27 Euro zuwenig auf dem Konto gehabt als die Gebühr eingezogen werden sollte. Das brachte mir eine Entgelt Retouren über EUR 10,50 was mir sofort abgebucht wurde! Was laut BGHnicht zulässig ist!! Das brachte mir weitere Rücklastkosten von EUR 8,50 von dem Lastschrifteinzieher der mir mitteilte, die Ethik Bank, stellt Uns, diese Kosten in Rechnung! Das bedeutet für EUR 1,27 habe ich jetzt insgesamt EUR 19,00 Rücklastkosten von der Ethik Bank berechnet bekommen

 

Update: ich bin ja etwas unverschämt manchmal. Aber irgendwie finde ich das mit den Zwangsauszügen sehr schwierig. Selbstverständlich muss mich meine Bank informieren – und das tut sie ja auch, wenn sie mir einen Online-Zugang zur Verfügung stellt. Dass ich da noch auf diesen oder jenen Haken klicken muss, damit man mir keine Auszüge mehr (kostenpflichtig) zustellt, kann ich weder ab noch sehe ich das ein. Ich kann das ganz gut selbst entscheiden – und brauche so gut wie nie Kontoauszüge. Da mir aktuell wieder welche zugestellt wurden, habe ich mich erneut beschwert – und erhielt daraufhin folgenden Brief .

Ich muss schon sagen: der Stil ist unerträglich. Ich will auch nicht zu einer Großbank – aber wahrscheinlich hat die GLS, bei der ich meine Geschäftseingänge neuerdings verbuche, eine Schufa-Abfrage gemacht, die er sehen kann…

Ich will auf jeden Fall nicht bevormundet werden. Will selbst bestimmen, ob ich einen Auszug habe oder nicht. Und mir von keiner Bank was vorschreiben lassen. Wer Glaspaläste

Architekten - Neubau VoBa Ettlingen

von: Stiess Windbiel Architekten GbR Sophienstraße 150 76135 Karlsruhe

in die Gegend baut und nachts das Licht brennen lässt, der wird auch ein paar Euro für einen Programmierer haben, der in ihrer Kundenverwaltungssoftware einen Haken setzt; holt Auszüge eigenverantwortlich ab.

Verbraucherschutz im Internet

In aller Munde sind beim Verbraucherschutz im Internet unter anderem die sogenannten Abzocker – Internetportale, die im Kleingedruckten Kosten verstecken, die man nicht ahnen kann – mit gesundem Menschenverstand aber schon ahnen könnte – und damit Abos verkaufen. Meist machen sie sich bemerkt, wenn sie anfangen abzubuchen – sofern man seine Kontonummer angegeben hat oder man Rechnungen erhält, die man zunächst nicht zuordnen kann. Nicht immer ist es ein Klingelton, den der pubertierende Sohn oder das neues Lied, das die Tochter heruntergeladen hat. Manchmal gerät man an so einen Anbieter, ohne das man weiß, wie das gekommen ist. Das ist mir passiert – und meine Erfahrungen sind dann doch ein kleines bißchen erstaunlich – oder auch nicht, wenn man nichts anderes erwartet hat.

Im Oktober vergangenen Jahres erhielt ich eine Rechnung von melango.de (hier ist absichtlich kein Link), einem Internetportal, das angeblich als B2B-Marktplatz fungiert. Man stellte mir eine einmalige Aufnahmegebühr von 99 € in Rechnung – zzgl. MWSt. insgesamt 117,81 €. Ich wusste, dass ich mich dort NICHT angemeldet hatte, überprüfte meinen Browser-Cache und verhielt mich ruhig. Am nächsten Tag erreichte mich die nächste Rechnung. Nun wollte man außerdem 240 € Grundgebühr (285,60 € brutto) für 24 Monate von mir. Ich äußerte mich weiterhin nicht – stellte aber am selben Tag noch Strafanzeige wegen des versuchten Betrugs. Und gab den Name des Portals in eine Suchmaschine ein. Und die Ergebnisse waren erstaunlich.

Melango war öfter schon Thema bei Akte – der „Investigativsendung“ von Sat1 – mit diesem Meyer, der früher den heißen Stuhl gemacht hat. Mehr geht wohl nicht. Naja, anderes Thema.

Akte hat zum ersten Mal wohl Anfang 2009(!) unter dem Titel

Bestellt, bezahlt und nicht geliefert! Wer Sie mit Mogel-Schnäppchen abkassiert

über melango berichtet. Bezahlte Waren wurden nicht geliefert, dafür gab es Rechnungen über eine kostenpflichtige Mitgliedschaft. Es gibt einen Forumsbereich dafür, wo man sich rege austauscht und andauernd neue Geschädigte reinschreiben, es Verhaltenstipps gibt. Was man so erwarten würde. Aber das man schon über 2 Jahre darüber Bescheid weiß – das wollte mir nicht so recht in den Kopf.

Zwischenzeitlich hörte ich nichts von melango – außer den Hinweis auf die letzte, außergerichtliche Mahnung Anfang November. Aber von der Staatsanwaltschaft. Sie teilte mir mit, dass meine Strafanzeige unter der Vorgangsnummer 366/10/0368423 bearbeitet würde – in  Chemnitz, wo auch der Firmensitz ist.  Schon am 09.12.2010 teilte mir der Herr Staatsanwalt Kegler mit, dass in dem Verfahren gemäß § 154 Abs. 1 StPO abgesehen wird, da

Das Aktenzeichen lässt darauf schließen, das schon seit 2008 ermittelt wird. Seit 2008 meldet diese Firma also ruhig, während „Sachverständige“ die Akten auswerten, in aller Ruhe Menschen an, verschickt Rechnungen und bekommt im einen oder anderen Fall natürlich Geld. Viele Menschen bezahlen – spätestens bei der Androhung der gerichtlichen Mahnung, aus Angst um ihre Kreditwürdigkeit oder weil sie sich nicht sicher sind, ob sie nicht doch was abgeschlossen haben oder weil sie das Kleingedruckte nicht richtig gelesen haben oder weil sie eingeschüchtert sind. Das SAT1-Forum spricht Bände. Oder melango lässt anmelden ohne die Echtheit der Anmeldung zu prüfen. Keine Verifizierung. Logisch. Seit nunmehr fast drei Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft. Ohne Konten einzufrieren, den Geschäftsbetrieb einzuschränken oder zu kontrollieren lässt man weiterhin gutgläubige und ahnungslose Menschen in die Falle tappen. Ich habe der Einstellung der Ermittlung erstmal widersprochen.

Zu meiner Überraschung meldete sich dann Ende Dezember die acoreus Inkasso bei mir – um den Betrag, der zwischenzeitlich auf 481,73 € angewachsen ist, einzufordern. Man bekommt sogar einen Internetzugang zu seinem „Konto“ bei der Inkasso  und damit auch den einzigen Weg, mit den Menschen dort Kontakt aufzunehmen. Auch gegen diese Firma habe ich Strafanzeige gestellt. Wegen Beihilfe zum Betrug. Auch diese Firma ist polizeibekannt. Niemand tut etwas dagegen. Außer Akten zu prüfen.

Das ist der Verbraucherschutz, den wir nicht brauchen. Langsam. Untätig. Wirtschaftsfreundlich. Mit den Erkenntnissen, die man spätestens Anfang 2009, also vor 2 Jahren hatte, hätte man jeglichen Geschäftsbetrieb unterbinden können und müssen. Statt dessen stellt man sogar Verfahren ein, weil

die Strafe nicht beträchtlich ins Gewicht fiele.

Wenn nur ein Mensch am Tag bezahlt hat – es ist anzunehmen, das falsche Anmeldungen in großer Zahl das Haus verlassen – dann haben sie in 2 Jahren knapp 300.000 € eingenommen. Für nichts. Das Geld wird weg sein, bis die Staatsanwaltschaft Chemnitz die Akten fertig geprüft hat. Und die Geschädigten werden in die Röhre schauen.

Für diese Problematiken,die in dieser und ähnlicher Art immer wieder passieren,  erleben wir seit Jahren vollmundige Ankündigungen. Aber keine Verbesserungen im Verbraucherschutz. Statt Kontensperre oder zumindest vor Ort Überprüfung – was wäre einfacher, als stichprobenartig die Kundenkartei zu verifizieren und so die Rechtmäßigkeit der Rechnungen zu überrüfen? Das mache ich innerhalb einer Woche. Ein Skandal – und ein Versagen der Verbraucherschutzbehörde und der Justiz. Der Blick über den Tellerrand würde da wohl weiterhelfen.

Achso: Akte 2011 hab ich irgendwann mal deshalb angeschrieben („Wir kämpfen für Sie“). Reaktion: Null.

Abzocke – im Großen wie im Kleinen

Heute morgen ist mir beim Zeitungslesen beinahe die Milch im Kaffee sauer geworden. Herr Oehler von den Stadtwerken Ettlingen erzählt per Zeitung – BNN – dass es bei den Stadtwerken keine Abzocke gäbe.

Oehler_SWE_Strompreis (Wir erinnern uns: Herr Oehler war schon weg bei den Stadtwerken, kam dann aber wieder, weil niemand gefunden werden konnte, der den Job so gut machen konnte wie er oder s ähnlich – aber einE NeueR hätte vieleicht etwas veröffentlicht, das galubwürdiger gewesen wäre.) Sei’s drum, ich wollte eigentlich einen Leserbrief schreiben, aber da ich letzte Woche schon einen drin hatte, wollte man nicht schon wieder einen von mir veröffentlichen. Dann also hier meine Antwort:

Doch, Herr Oehler, auch die Nichtsenkung der Strompreise für Haushalte in Ettlingen ist Abzocke. Oder das Ergebnis einer verfehlten Einkaufspolitik durch die Stadtwerke. Wer das für die grüne Bundestagsfraktion erstellte Gutachten (http://www.gruene-bundestag.de/cms/energie/dokbin/348/348969.strompreis.pdf) genau liest, wird darin folgendenden Satz finden: „Die Rechnung zeigt, daß selbst bei einer langfristigen Beschaffungsstrategie die Preise mittlerweile in 2010 längst das Niveau von 2008 unterschritten haben.“ und „Nach Branchenangaben wird der Strom für die Haushaltskunden im Durchschnitt mit einer Vorlaufzeit von ein bis zwei Jahren, also im Mittel etwa 18 Monaten beschafft.“ Das bestätigt Herr Oehler ja auch, den aktuell wird der Strom für 2011 und die Hälfte von 2012 eingekauft, wie er berichtet – das liegt in diesem Zeitraum. VOR 18 Monaten (2007 ist doppelt solange her!) war der Strompreis allerdings auf einem Tiefstand. Zudem wird üblicherweise nicht der komplette Strom für ein Jahr eingekauft, sondern in Teiltranchen – auch das bestätigt die Pressemitteilung. Im Übrigen kann man der Begründung für die Strompreise ab 01.04.2010 entnehmen, dass deren Zustandekommen die Strombeschaffung von 2008 zugrunde liegt. Was erzählt Herr Oehler also da?
Auch die gerne von der Atomindustrie angeführte EEG-Umlage reicht nicht aus, um Preissenkungen auszuschließen – denn die stieg weniger als die Preiserhöhungen.

Es wird Zeit, dass die Stadtwerke Ettlingen ihre Einsparungen in der Energiebeschaffung an ihre Haushaltskunden weiter gibt. Denn nicht alle wollen ins Schwimmbad, ins Grünhaus oder zur Buhl’schen Mühle – die Kosten dafür muss sich Herr Oehler woanders erwirtschaften – oder aufhören, Dinge zu finanzieren, die nichts mit der Energieversorgung zu tun haben. Andernfalls wäre den Ettlingern angeraten, den Stromanbieter zu wechseln. Wird deshalb das Schwimmbad 50 Cent teurer, macht das bei einem Cent Einsparung 90 Schwimmbadbesuche, wenn man einen durchschnittlichen Haushalt zugrunde legt.