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staatliches Fernsehen

Ich gebe zu – ich sehe gerne fern und am liebsten schau ich „ohne Werbung“. (Ja, ich weiß, das geht auch ohne feste TV-Zeiten…) Und ich finde es gerechtfertigt, dass alle über die GEZ einen Betrag abführen, mit der öffentlich-rechtliche Rundfunk und Fernsehen bezahlt wird. Das mag nicht immer zu 100% gerecht sein – aber das sind Pauschalen nie. Es überwiegt aber der Nutzen. Ich finde es gut, dass man im Rahmen der Digitalisierung auch Dinge probiert. EinsPlus, ZDFNeo sind da Stichworte. Dafür erwarte ich aber zum Beispiel, dass Fernsehen zu 100% barrierefrei ist – was es offenbar nicht immer ist, wenn man @einAugenschmaus auf Twitter folgt, wenn sie über die Untertitel – mit allem Recht wohl – abkotzt.

Was mich aber viel mehr drückt, ist die Masse an Sendern, die unter der Fahne ARD und ZDF laufen. Denn das alles kostet Geld – Gebührenzahlergeld. Wir haben

sowie

also 24(!!) TV-SEnder, die aus diesen Gebühren bezahlt werden müssen. Ich finde das viel zu viel.

Ich bin ja jetzt kein Medienfachmann, aber User, sozusagen. Ich kann sagen, was mir persönlich wichtig erscheint und erhalten bleiben sollte:

Das Erste, ZDF, denn ich finde es nicht falsch, zwei öffentliche Sender zu haben. Schafft Vielfalt. Und mehr Meinungen.
Arte – die Idee eines zweisprachigen Senders finde ich super. Und sie liefern ein überwiegend gutes Programm und einen interessanten Blickwinkel von „drüben“.
KiKa: auch wenn ich es abwegig finde, Kinder tagsüber Fernsehen schauen zu lassen – außer amWochenende die Sendung mit der Maus oder mal ne DVD – muss ich anerkennen, dass das so getan wird. Auch schon zum Frühstück. Und Logo als Nachrichten für Kinder sind wirklich toll gemacht (gingen sicherlich auch als Nachrichten in einfacher Sprache durch – barrierefrei) und auch das meiste von dem, was ich als Wissenssendungen sehe.
Phoenix als politischer Informationssender und die Deutsche Welle als Auslandsrundfunk.
Dann reicht sicherlich ein Sender für Experimente oder jüngeres Programm wie ZDFNEo. Die dritten Programme kann man komplett zusammenlegen mit einem gemeinsamen Rahmenprogramm und zu denselben Zeiten länderspezifisches. Wie früher im Vorabendprogramm. Es bleiben 8 Programme. Das ist immer noch viel – aber ich finde, es muss verschiedene Zielgruppen ansprechen. Qualität liefern. Was brauch ich 9 dritte Programme mit Wiederholungen vom Tatort, seltsamen Regionalsendungen und alten Western (die auch schon im Ersten laufen)?

Aber ich will Qualität. Eigenproduktionen. Keine Werbung. Keine Castings- und Quizshows auf allen Sendern – austauschbar, immer gleich. Und ich finde, es braucht wieder eine uneingeschränkt zugängliche Mediathek für alle Sender an einem Platz, ohne Jugendschutzzeiten, die durch jede DVD und jede Festplattenaufnahme ad absurdum geführt wird. Und es soll  auch Apps für mobiles Internet geben – plattformunabhängig. Damit ich alle öffentlichen Sender jederzeit überall empfangen kann. Vielfalt ermöglicht Teilhabe. Und die Umsetzungen und Anpassungen an die „neuen“ Medien erhalten sicherlich Arbeisplätze – halt nicht alle – aber es gibt ja auch keine Ansager_innen mehr. So konservativ bin ich, dass ich das gerne erhalten möchte – weil auch bei uns manchmal noch das Sandmännchen den Tag strukturiert (gemeinsames Abendessen, Sandmännchen, kleines Kind schlafen, großes Kind wach bis Logo). Ich will weiterhin unterschiedliche Politikformate und unterschiedliche Ansichten. Und ein Online-Angebot, das es leicht macht, die Sachen auf der TV-App zu sehen.

Natürlich könnte man die Sender auch auf einen eindampfen. Und auf’s Internet setzen. Aber irgendwie…Nee, soweit sind wir Alten noch nicht. Und ich bin mal gespannt, was die Jungen sgen, wenn sie so alt sind wie…nee, das sag ich jetzt lieber nicht. 🙂

der „Platz an der Sonne“ für Monika Lierhaus

Ich merk grad: man sollte Nachrichten nicht ungeprüft weiterleiten. Trotzdem nehme ich war, dass ich diese Nachricht für wahr halte – was schon schlimm genug ist.

Monica Lierhaus wird neues Werbe-Gesicht der ARD-Lotterie „Ein Platz an der Sonne“: Für ihre Rolle als Botschafterin bekommt sie nach SPIEGEL-Informationen zunächst 450.000 Euro jährlich, später soll es mehr werden.

schreibt Spiegel Online in einem heutigen Artikel.

Jetzt mal ganz abseits von Frau Lierhaus‘ persönlichem Schicksal, das tragisch ist. Und bewundernswert ihr Kampf gegen Sprachlosikeit und Bewegungslosigkeit, ihr Kampf für eine Rückkehr in ein „normales“ Leben. Ja, und da sind wird schon – beim normalen Leben.

Da ist zunächst mal die Tatsache, dass mich der TV Auftritt:, den ich wie viele erst durch die Medeinberichterstattung wahrgenommen habe, ebenfalls sehr brührt hat. Ich bin kein Sportschau-Fan (ich schau ganz gern ab und an mal Fußball, leide seit vielen Jahren mit dem KSC –  aber Samstage verbring ich gerne anders) und ich kannte wohl den Namen, musste aber zunächst nachlesen, wer sie überhaupt ist. Man konnte sehen, dass sie kämpfen muss und dass sie das auch tut.

Aber ich kam dann doch ins Grübeln. Zunächst mal fragte ich mich, wieso sie sich so an die Springergruppe verkauft. Sicherlich Profi genug – oder ihr Management – um sie vor herabwürdigender BILD-Berichterstattung zu schützen – oder sie wusste, wenn ich es nicht tue, kann ich es gar nicht kontrollieren. Keine Ahnung, reine Spekulation. Stefan Niggemeier brachte dann mein Gefühl auf den Punkt:

Und doch stellt sich bei aller Sympathie ein merkwürdiges, irrationales und etwas unfaires Gefühl ein: Die Erkennbarkeit einer Inszenierung, die Offenkundigkeit eines Deals mit Springer, die Berechnung, die hinter all dem steht, lässt den Zuschauer und Leser zu einem Teil des Plans werden, ebenso wie übrigens das Publikum im Saal. Das Erzwingen des Schweigens vorher wirkt im Nachhinein so nicht als Grundrecht, sondern fast als dramaturgischer Kniff, um den Überraschungseffekt beim Wiederauftritt auf der Bühne noch größer werden zu lassen.

Das ist kein gutes Gefühl.

Ja, und dann kommt nach dem Auftritt die Bekanntmachung, dass sie Botschafterin für die ARD-Fensehlotterie wird. Gut, dachte ich, das passt. Ist sicher ein guter Einstieg und da muss man vermutlich nicht die ganze Woche ran und sie kriegt das gut mit der Therapie zusammen. Und jetzt die Sache mit dem Geld. Ich missgönne Frau Lierhaus ihr Einkommen nicht. Ich würde es gar nicht haben wollen. Ich würde mich schämen, wenn ich von einer gemeinnützigen Organisation, die etwas für benachteiligte oder eingeschränkte Personen tut und von Spendengeldern lebt, soviel Geld annehmen würde.

Wikipedia dazu:

Die ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ ist eine gemeinnützige, soziale Lotterie im Auftrag der ARD und der kommunalen Spitzenverbände zugunsten hilfsbedürftiger Menschen, die 1956 gegründet wurde.

Die Millionen-Erlöse mussten schließlich nach bestimmten Förderrichtlinien an soziale Projekte vergeben werden. Dazu wurde 1967 die Stiftung des privaten Rechts Deutsches Hilfswerk mit Sitz in Hamburg gegründet, die organisatorisch eng mit der Fernsehlotterie verbunden ist. Der Bundespräsident hat die Schirmherrschaft über diese Stiftung übernommen. Initiatoren waren der NDR als federführende Rundfunkanstalt der ARD und die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände. Die Stiftung dient der Verteilung des Reinerlöses der Lotterie unter allen Altersgruppen in allen Regionen Deutschlands.

Ja, und ist wohl zum Selbstbedienungsladen der Unterhaltungsindustrie geworden. Mir fehlt jedes Verständnis für ein so exorbitant hohes Gehalt. Ich habe keine Idee, aus welchem Grund sie soviel Geld bekommt. Aber vielleicht hat ja einer der MitleserInnen eine? Wenn ich mir vorstelle, was man mit dem Geld – 37.500 € im Monat = >100mal Hartz IV – alles tun könnte. Wenn sie 10.000 bekäme – immer noch zuviel – dann bleiben immer noch 27.500 für die gemeinnützigen Dinge. So gesehen: könnte mal irgendwer überprüfen, ob die Gemeinnützigkeit dieser Lotterie bzw. dieser Stiftung noch gewährt ist?

Meine Frau, Ergotherapeutin, meinte dazu, vermutlich kann sie das persönlich nicht überblicken nach so einer Krankheit. Nun, das ändert aber nichts daran, dass da jemand ist, der es ihr angeboten hat und jemand, der gesagt hat, sie nimmt es….und insofern ist auch klar, warum so inszeniert wurde: wer wagt es jetzt noch, dagegen anzuschreiben?

Und die politische Frage: wer kontrolliert denn sowas?

Ich glaub ja nicht, dass Frau Lierhaus das liest. Aber wenn wider Erwarten doch, dann können Sie vielleicht eine Antwort geben: warum?