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ethische und nachhaltige Taschengeldkonten

Unser jüngster Sohn wird in den nächsten Wochen 10 Jahre alt und er möchte schon geraume Zeit ein eigenes Girokonto wie sein großer Bruder. Es liegt nahe, mit diesem Bedarf zur örtlichen Sparkasse (die ja hier zwischenzeitlich eine regionale geworden ist, weil die Sparkasse Karlsruhe eine ganze Reihe von örtlichen Sparkassen geschluckt hat) und dort ein Konto zu beantragen. Alternativ wäre eine VR-Bank oder hier in der Region die Badische Beamtenbank. Allerdings sehe ich das bei diesen Banken ähnliche wie utopia.de:

Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken und die Spardabank sind schwierig über einen Kamm zu scheren. Allgemein kann man aber festhalten: Hier wird verantwortungsvoller mit deinem Geld umgegangen als bei den großen privaten Banken. Dennoch spielen ethische und ökologische Kriterien bei Finanzaktivitäten dieser Banken nur eine untergeordnete Rolle. Vor zweifelhaften Investitionen und Spekulationsgeschäften ist dein Geld auch hier nicht sicher.

Zumal auch die Sparkassen heute vor allem dieselben bürokratischen Monster sind wie andere Banken. Vom „persönlichen Bankberater oder örtlichem Filialleiter“, der auch mal in Notzeiten das Konto kurzfristig überziehen lässt oder freundliche, menschliche Unterstützung und Beratung anbietet, nicht alleine die Gewinnmaximierung im Kopf hat, sind auch diese heutzutage weit entfernt. Außerdem schließen auch beide Banken Geldautomaten in kleineren Orten und sorgen für die Bargeldversorgung auch nur noch alleine nach kapitalistischen Kriterien. Wir waren gestern bei beiden Banken hier am Ort (Volksbank und Sparkasse) und das, was ich vor 5 Jahren beim Großen schon einmal erlebt habe, hat sich wiederholt: ich benötige selbst für die Eröffnung eines Kindergirokontos einen Termin (!) bei einem der Kundenberater. Ich kann nicht einfach in eine Bankfiliale laufen, mein Anliegen vortragen, mit den erforderlichen Unterlagen unterm Arm, die Dame oder der Herr am Schalter druckt mir die Antragsformulare aus – besser noch, ich finde sie im Internet und hab sie ausgefüllt und unterschrieben dabei – und 10 Minuten später, nachdem sie/er die Daten eingegeben hat, haben wir ein Tachengeldkonto. Nein, nicht machbar. Am Gründonnerstag sind zudem die meisten Kundenberater nachmittags um 15:30 Uhr schon im langen Wochenende – sodass man mich noch nicht einmal irgendwo spontan beraten könnte. Früher, ja früher…(ich fass‘ es nicht, dass ich sagen muss, dass früher alles besser und einfacher war). Und dann kommt der Verweis auf die gesetzlichen Bestimmungen, die eine Beratung vorschreiben – wieso dass dann Onlinebanken ohne hinbekommen, kann nicht erklärt werden.

Also habe ich mich erneut auf die Suche nach nachhaltigen Kinder- und Jugendgeldkonten gemacht, in der Hoffnung, dass ich ein solches Konto online eröffnen kann. Aber leider hat sich auch da wenig geändert. außer der GLS-Bank hat keine nachhaltige Bank Kinder- und Jungendkonten.  Die GLS zudem nur Jugendkonten, für U-14-jährige gibt es nur die Möglichkeit, bei konventionellen Banken ein Taschengeldkonto zu eröffnen.

Konten werden nicht so leicht gewechselt, man erreicht oft eine lange Kundenbindung, wenn man schon früh ein Konto bei einer Bank hat. Das Erfolgsmodell der Volksbanken und Sparkassen war ja die regionale Verortung und dass man dann halt bei der Bank blieb, bei der man immer war, solange man normale Geldgeschäfte (bis hin zum Immobiliendarlehen) abgewickelt hat. Die ethischen/nachhaltigen Banken, die ihre Geldgeschäfte fair, ethisch und ökologisch abwickeln, haben hier eine echte Lücke. Wäre Zeit, dass sie sie füllen. Und dann auch die Konteneröffnung so einfach wie möglich gestalten.

Formulare, Formulare…

…von der Wiege bis zu Bahre.

Meine Exfrau ist Ende Januar verstorben. Zwei unserer Söhne sind noch in der Ausbildung bzw. im Bufdi. Daher haben sie einen Anspruch auf Halbwaisenrente und ich fülle für sie den Antrag aus, was schon für mich eine enorme emotionale Belastung darstellt und ich es ihnen daher abnehmen möchte. Ich merke aber, dass ich nicht nur emotional, sondern auch nervlich an meine Grenzen komme.

Die Anspruchsvorausstzung ist dabei klar:

4) Der Anspruch auf Halb- oder Vollwaisenrente besteht längstens

1. bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres oder

2. bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres, wenn die Waise

a) sich in Schulausbildung oder Berufausbildung befindet, oder

b) sich in einer Übergangszeit von höchstens vier Kalendermonaten befindet, die zwischen zwei Ausbildungsabschnitten oder zwischen einem Ausbildungsabschnitt und der Ableistung des gesetzlichen Wehr- oder Zivildienstes oder der Ableistung eines freiwilligen Dienstes im Sinne des Buchstabens c liegt, oder

c) ein freiwilliges soziales Jahr im Sinne des Gesetzes zur Förderung eines freiwilligen sozialen Jahres oder ein freiwilliges ökologisches Jahr im Sinne des Gesetzes zur Förderung eines freiwilligen ökologischen Jahres leistet oder

Um einen Antrag auf Halbwaisenrente zu stellen, muss man aber eine Menge Fragen beantworten. Fragen, die einem schlicht unnötig vorkommen. Ich habe mindestens zweimal die Angaben zum Konto beantwortet. Gefühlte tausendmal ihren Namen getippt. Ich gebe mehr als einmal Namen, Geburtsdatum, Rentenversicherungsnummer und so weiter pro Kind an. Dabei sollten doch zumindest alle Daten vorhanden sein, Kindschaftsverhältnis und so weiter. Eigentlich reichte ein einfacher Antrag (Hallo, ich hier, das Kind, meine Mutter ist gestorben, hier die Sterbeurkunde und meine Geburtsurkunde, meine Bankverbindung), mit der Bestätigung, dass sich der Antragsteller_in in Ausbildung etc. befindet, weiviel er verdient (wegen Einkommensgrenzen) und die Bankverbindung – auf übliche Art, nicht mit BIC und IBAN.

Ich könnte schreien. Ich brauche Tage. Es nervt. Es ist unerträglich, es ist nicht bürger_innenfreundlich und in der Gesamtsituation, in der man dann eigentlich trauert und für diese Art der Bürokratie eh keinen Sinn hat, einfach eine Unverschämtheit. Formular folgt auf Formular, Auskunft auf Auskunft, eine unnötiger als die andere. Man sitzt fassungslos vor dem PC und denkt sich: wer kommt eigentlich auf sowas. Der Staat als Dienstleister für die Bürger_innen, das wäre mal was.   Denn eigentlich könnte es ja so sein: jemand stirbt, die Rentenversicherung prüft automatisch die ihr vorliegenden Daten der Kinder (aus denen sicherlich auch das Einkommen ersichtlich ist, wenn sie arbeiten), lässt ihren Computer einen Antrag ausgefüllt (Datenbank!, Abfragen!, SQL!!!Einself!!) ausdrucken, schickt diesen der Waise zu, die überprüft die Daten, ergänzt um Kontonummer und schwupp kommt die Rente. Ja, so könnte es sein….