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Zukunftskonferenz

Auch schon wieder ne Woche her ist die grüne Zukunftskonferenz. Ein Ort, an dem man (grüne) Politik weiter denken kann, teilweise sagenhaften Input erhält, nicht nur im Rahmen von gewissen Zwängen auf Parteitagen (Losverfahren, vor mehreren hundert Leuten 3 Minuten reden, thematisch eingeschränkt, …) diskutieren kann – mit Fachleuten, mit der Parteispitze, mit Parteifremden. Traditionell am Ende eine Runde mit Externen, die die Konferenz bewerten und nochmal ein paar allgemeine Sätze zu Grüns sagen. Dieses Jahr mit viel Applaus bedacht mit Ulrike Herrmann, die ganz klar einerseits die Art der debatte begrüßte, aber auch (im Rückblick) auf die fehlende Aufarbeitung rot-grüner Regierungspolitik monierte – vor allem da ja noch teilweise dieselben Personen agieren wie 1998-2005. Dazu aber an anderer Stelle mehr.

Sehr beeindruckt hat mich die Keynote von Saskia Sassen (Soziologin an der Columbia University und LSE, Autorin).

Ich habe an zwei Workshops teilgenommen, an einem zur Geschlechtergerechtigkeit, weil diese Thematik ja nach wei vor mein politisches Hobby ist und ich nach wie vor eine sehr große Einseitigkeit meiner Partei in Genderfragen wahrnehme. Hier wollte ich auch als Mitunterzeichner des grünen Männermanifests Präsenz zeigen und dazu beitragen, den nächsten Schritt zu gehen, der langsam in Planung kommt. Es war auch notwendig, noch einmal darauf hinzuweisen, dass Männer genausowenig wie Frauen eine eigenständiges Recht auf Grundsicherung bei Hartz IV haben – auch wenn Frauen vermutlich stärker davon betroffen sind. Am Ende trifft es aber das Paar, das zusammenlebt – und nicht nur die Frau alleine. Mein Hinweis, dass Männer immer noch früher sterben als Frauen und man dort,wo klassische Rollenbilder in der Gesellschaft stärker abgefragt werden als bei uns, bspw. in Osteuropa, feststellt, dass die SChere noch weiter auseinadergeht, nämlich auf ca. 15 Jahre, wurde von Irmingard Schewe-Gerigk lapidar mit dem Hinweis beantwortet, dass die ja wohl selbst dran schuld sind – sie rauchten und tränken mehr und kümmerten sich (hier wie dort) weniger um die Gesundheitsvorsorge. Diese Antwort hat doch einiges an Empörung hervorgerufen, auch im Laufe der Konferenz wurde ich noch mehrfach angesprochen von Leuten – Männer wie Frauen – die sich diesen Satz völlig unmöglich fanden – und der wohl das Nichthandeln der Politik diesbezüglich begründen sollte. Auch finde ich, kann man das Bildungsproblem bei Jungen nciht damit wegdiskutieren, dass die beruflichen Chancen von Jungen auf den etwas höheren stufen der Karriereleiter besser sind. Ich habe darauf hingewiesen, dass im niedrigqualifizierten Bereich beide Geschlechter gleich betroffen sind. Frauen etwas mehr von Teilzeitarbeit – aber auch das liegt an den klassichen Rollenbildern, die es zu überwinden gilt.

Was ich verstehen kann – und was von rechten Männerrechtlern ja auch leider immer wieder gefodert wird – ist die Angst, dass Frauenprojekte zugunsten Männerprojekten diesbezglich zurückgefahren werden. Das halte ich für falsch – und trete an diesem Punkt den rechten Maskus ja auch entgegen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Es muss beides möglich sein. Schön auch, dass so ein neuer Kontakt zu Dag Schölper vom Bundesforum Männer entstanden ist.

Der zweite Workshop drehte sich um Urheberrecht und Meinungsfreiheit. Hier hatte ich eine Begegenung der dritten Art. Grundsätzlich aber vorweg: das Papier war eine gute Diskussionsgrundlage, durch die sehr wenig spezifierzte Festlegung natürlich auch provokant. Der Austausch auf dem Podium bewegte sich in bekannten Dimensionen.  Unsäglich aber der wiederkehrende Brötchenvergleich mit der Raubkopie. Auf dem Podium vertreten war Pit Budde, Musiker. Ich kenne ihn noch aus meiner Jugend. Er hat bei Cochise mitgewirkt, unter anderem mit so Titeln wie „Jetzt oder nie, Anarchie“ oder das Sommerliedchen „Letztn Somma warn ma schwimmen“ wo es um das illegale Schwimmen an einem Baggerseee geht. Dorthin kommt man wohl nur, wenn man ein Loch in einen Zaun schneidet. Die Übereinstimmung zu Musikdownloads war ihm nicht nahe zu bringen, er hat ja zuvor schon davon gesprochen, wenn man die Schutzfristen auf Grundstücke übertrage, sollten gekaufte Grundtücke nach 3 Jahren wieder in den Allgemeinbesitz übergehen. Zu „wir brauchen keine Gesetze, die uns knebeln“ stünde er aber immer noch….Hmm, da bin ich jetzt ein bißchen desillusioniert.

Ich glaube schon, dass man einen Weg finden muss, wie KünstlerInnen eine angemessene Vergütung für ihre Werke erhalten. Kulturflatrate oder die von der eidg beschlossene Förderung der CC-Verfahren halte ich da eine gute Lösung. Menschen, die „illegal“ downloaden zu kriminalisieren mit der Begründung „die bekaluen mich“ (Budde) halte ich für grundfalsch. KünstlerInnen müssensich an die Gegebenheiten, wie sie heute sind, anpassen. MusikerInnen speziell: man kauft heute eher keine Hardware mehr (LPs, CDs) mit kunstvollen Covern und Inlays, sondern oft genug nur Daten. Wenn die niemand findet – dann muss sich der/die KünstlerIn eben überlegen, wie man das macht, dass man gefunden wird. Ein gutes Beispiel dafür ist – gut vergleichbar zu Budde – die schwäbische Rockband Anyone’s Daughter. Ich beziehe den Newsletter, kriege so jede Neuveröffentlichung mit und kaufe, wenn mir danach ist – und zwischenzeitlich kann ich sogar downloaden, wenn ich will. So geht das. (und ganz ehrlich: das Remaster von Piktor’s Verwandlungen war ein echtes Geschenk an den Fan).

Fazit: eine tolle Konferenz, die von mir aus gerne jedes Jahr stattfinden könnte. Aber gerne lieber zweitägig – es hätte noch weitere Workshops gegeben,die ich gerne besucht hätte. Und ein Alleinstellungsmerkmal der grünen Partei.

 

 

 

 

Musik

Früher dachte ich, Musik könnte etwas bewegen. Musik könne Menschen bewegen. Einsehen erzeugen. Zu Taten bringen. Engagement hervor rufen.

Ich bin mit Musik aufgewachsen. Lernte Flöte, Gitarre, Trompete, Orgel. Bin musikalisch. Kann ganz gut singen, wenn ich in Übung bin – was ich lange nicht mehr bin.  Und ich bin politisch. (und ein bißchen lyrisch, aber da hab ich noch weniger Vertrauen).

Ich habe gehört:

oder

oder

.

Ich war überzeugt, zumindest USA for Africa würde etwas bewegen. Ändern.

Michael Jackson mit „Heal the world“. Boney M. sang gegen die atomare Aufrüstung. Udo Jürgens gegen Spießertum. Karl-Heinz Böhm engagierte sich in Afrika. Sting in Südamerika. Es gab das Live Aid Concert. Schwoißfuaß. Hannes Wader. Zupfgeigenhansel. Joan Baez. Peter Gabriel. Und auch heute, wenn ich auch nicht mehr auf dem Laufenden bin, gibt es Musik, Lieder, Texte, die gegen den Wahnsinn der Ausbeutung ebenso ansingen wie gegen Krieg, Terror und Unterdrückung. Die ganze Welt  – auch die junge Union – singt  –

Imagine no possessions
I wonder if you can
No need for greed or hunger
A brotherhood of man
Imagine all the people
Sharing all the world…

und Gesine Lötzsch wird fertig gemacht.

Soviele Lieder, so wenig Wirkung. (und Bücher über Bücher. Brecht und Böll in der Schule, Schiller, Frisch, Kafka und Borchert, undundund….) Interessanterweise gibt es ja in Deutschland keine Lieder für den Bau von Atomkraftwerken und auch die Kriegslieder sind die alten. Und trotzdem.

Ich weiß auch nicht, was ich damit machen soll. Was soll ich damit anfangen, dass Menschen die Wahrheit wissen – aber nicht danach handeln. Begeistert mitsingen, es spüren – aber dann doch verharren. Oder doch lieber wieder SPD wählen. Oder noch Schlimmeres. Es gibt vergeichbares. Die DFB-Aktion „Mein Freund ist Ausländer“. In der „Lindenstraße“ werden bis heute immer wieder kritisch Zeitfragen thematisiert. Und doch, viele Menschen tun nichts. Schauen weg. Resignieren. Werden gleichgültig. Betreten nie einen Bioladen. Gehen zu LIDL. Lesen die BILD. Schauen DSDS. (Wo sie dann vielleicht ner Coverversion von Imagine zujubeln). Manchmal fasse ich es nicht.

Und trotzdem. Bleibt die Hoffnung. 10. Juni:

Noch ist es nicht so weit, doch seit einiger Zeit werden es Tag für Tag mehr – immer mehr.

Oder, um es mit Louis Fürnberg zu sagen:

Jeder Traum, an den ich mich verschwendet,
Jeder Kampf, da ich mich nicht geschont,
Jeder Sonnenstrahl, der mich geblendet
Alles hat am Ende sich gelohnt.