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sehr persönlicher Jahresrückblick 2013

das Jahr 2013 war mehr als durchwachsen und ich sehne das Ende herbei – verbunden mit der Hoffnung, dass das neue besser wird. Ist ja schon ein bisschen albern, wenn man sich das so überlegt, aber diese paar Tage, in Ruhe, am Ende des Jahres, verbunden mit dem Luxus einiger Tage Urlaub bis 7. Januar (kurz unterbrochen von einem halben Tag arbeiten am 2.1.), haben doch etas von einem ” da ist jetzt was vorbei, jetzt beginnt was Neues” an sich. Man blickt zurück auf ein Jahr, überlegt sich, wo stand ich denn im letzten Jahr und wo steh ich heute. Was hat sich verändert? Eigentlich etwas, für das erst in einer Woche wirklich die Zeit wäre, aber die vorweihnachtliche Stimmung, die Freude auf ein Weihnachten mit den Söhnen – bringt mich jetzt schon dazu, diesen Artikel schreiben zu müssen.

firework-display-29261295172514WkQIch war Weihnachten und Silvester 2012 noch einigermaßen damit beschäftigt, die Niederlage auf dem Listenparteitag zu verabeiten. Der größte Teil war zwar geschafft – aber gearbeitet hat es trotzdem noch in mir. Eigentlich dachte ich ja, ich könne politisch etwas kürzer treten. Dachte ich. Das hat 2013 nicht ganz geklappt. Schließlich war trotzdem Bundestagswahlkampf. Aber das Jahr hat ruhig begonnen. Wir saßen hier mit Freunden, mit denen wir seit ein paar Jahren irgendwie jedes Silvester verbringen, hatten Raclette, das bisschen Feuerwerk, das man gerade noch so als Grüner vertreten kann, wenn man Kinder hat :-) und im Großen und Ganzen schien es so zu laufen, wie es halt so läuft.

Dann kam am 29. Januar, ein Dienstag, mein Sohn, der noch im Haus wohnt, zu mir und meinte: “Papa, ich muss Dir was sagen.” Er teilte mir mit, dass meine Exfrau, mit ich mich in den letzten 12/13 Jahren fast nur noch gestritten hatte, im Koma läge. Ich kann mich daran erinnern, als wäre es gestern gewesen. Sie hatte am Sonntag davor ein Aneurysma im Gehirn gehabt. Und während ich noch dabei war, Durchhalteparolen und Trost zu spenden, war wohl klar, dass es nichts mehr werden wird. Am Tag darauf starb sie. Ich fand mich in einer absurden Situation wieder – einerseits war da noch immer diese Wut – andererseits war da eine tiefe Trauer um die Frau, ich mal geliebt hatte und mit der ich drei Kinder habe. Und, was mir erst in den nächsten Tagen auffiel, der völlige Verlust auf  die Chance, sich jemals wieder zu versöhnen – auf die ich gehofft hatte, wenn die Jungs mal groß wären und auf eigenen Beinen stünden. In Gedanken hastete ich voraus, Geburtstage, Weihnachten ohne sie. (und irgendwie kam mir auch die Hochzeit einer der Söhne in den Sinn und wie die wohl sein wird ohne sie). Ich machte mir ganz viele Gedanken, was denn alles so anders werden würde und hatte und habe auch nicht wenig Angst davor, mit den großen Jungs nun ohne sie zu sein – auch wenn wir eine Art Patchworkfamilie geworden sind mit meiner zweiten Frau. Die wird für Enkel, so denn sie denn jemals kommen, die Oma werden – ihr seht, so weit kann man voraus schweifen und solche teilweise absurden Gedanken machen einem zu schaffen. In  wenigen Tagen ist das erste Weihnachten ohne sie. Ich hoffe, ich mache alles richtig. Sie haben von ihren Eltern nur noch mich, mit dem sie die Dinge in ihrem Leben teilen können – naja, und meine Eltern. Blut ist dicker als Wasser, sagt man.

Einigermaßen wieder auf dem Damm hatte mein 4. Kind, das erste aus der zweiten Ehe, einen Autounfall. Ich hatte dazu schon was geschrieben. Beschäftigt hat uns das weiter in diesem Jahr, es gibt da schon noch Nachwirkungen – und ich stelle fest, dass ich ängstlicher um ihn geworden bin. Und mit der Ängstlichkeit meiner Frau ungeduldiger. Weil ich Ängstlichkeit nicht mag und Angst(!!) habe, die Kinder zu sehr einzuschränken. In ihrer Freiheit, hier raus zu gehen, in diesem Wohngebiet, in dem das noch möglich ist. Aber ich merke selbst, wie sehr ich ihn beobachte und auf Zeichen achte, ob da doch noch was nachkommt.

In den Sommerferien hatten wir uns die Kinderbetreuung geteilt und ich fuhr zu einem alten Schulfreund nach Hassfurth – etwas, das ich schon lange mal vorhatte. Der Jüngste ist dabei von einer kleinen Brücke aus 2,50m Höhe in ein Bächlein gestürzt, beim Steine runterwerfen hat er das Gleichgewicht verloren. Die Brücke hatte kein Geländer. Wäre auf der anderen Seite der Brücke runter gefallen, wäre er auf Steine gefallen und zumindest schwer verletzt gewesen. So ist nichts passiert, außer dass er sich erschreckt hat – und ich mich erst. Meine Frau war ganz bleich, als ich es ihr erzählte, (erst) als wir wieder daheim waren.

Hoch emotional belastende Momente, alle drei einhergehend mit wirklich essentiellen Fragen. Parallel dazu die Sorge um die Ausbildung der großen Söhne. Einer in München, wollte verständlicherweise 8bestätigt durch meine eigenen Erfahrungen) weg von Lilalu – und hatte bei Backstage etwas gefunden. Endlich die gewünschte Ausbildung – davor aber musste er aus seiner WG raus, der alte Vermieter drangsalierte mich wegen angeblichem schlechten Zustand der Mietsache, ohne mir die Möglichkeit gegeben zu haben, selbst nach zu bessern, und am 15.August ein Anruf um 10 Uhr morgens (ich arbeitete): Papa, ich muss aus der WG raus, kannst Du meine Sachen holen. Das konnte ich – aber danach 6 Wochen einen Sohn, der eigentlich obdachlos war. Ich hatte schon angefangen, bei ebay auf Wohnwagen mit zu steigern. Am Ende ging es gut, dank seiner Freunde und meiner Freunde und ein bisschen Glück (und 50 E-Mails) an Münchner Makler. Die Sorgen zwischendrin – permanent im Kopf. Der Kleinere noch immer auf der Suche nach dem, was er wollte – das Abi zu schlecht, um damit das zu studieren, was er will – Sonderpädagogik – und was macht man sonst. Nun, das scheint dieser Tage geklärt zu sein – ich bin etwas ruhige,r auch wenn ich in Sorge bleibe. Und ich merke in beiden Fällen – die Mutter, mit der ich das nicht hätte alleine tragen müssen – fehlt. Der ganz Große mit den üblichen Sorgen – aber das hat sich im Laufe des Jahres gegeben und im nächsten Jahr will er  ein bis zwei Jahre auf Work & Travel mit seiner sehr hübschen und netten Freundin, die ihn in der Trauerzeit aufgefangen hat. Um ihn mache ich mir – außer in finanziellen Fragen – derzeit die wenigsten Sorgen.

Parallel dazu Politik, ein Bürgermeisterwahlkampf, die Windräder in Malsch, ein Arbeitgeber, der mich immer voll und ganz fordert -was ich ja auch brauche – und natürlich die Familie. Ich habe im letzten Jahr die Ausbildung zur Transaktionsanalyse wieder aufgenommen – das fordert mich dann wieder sehr stark selbst. Es bleibt doch einiges unbearbeitet nach solchen Wochenenden, an denen man das eigene Modell ist, zurück.

Durchatmen. Manchmal denke ich, es wird Zeit, ein wenige kürzer zu treten aber hey – da wartet schon die nächste Aufgabe. Ich schaffe es (noch) und solange werde ich tun, was ich kann. Ich möchte im nächsten Jahr Gemeinderat hier in Malsch werden und werde danach einiges neu sortieren müssen, so denn es denn klappt. Jetzt freu ich mich auf drei Tage im Kreis der ganzen Familie, einen 2. Feiertag dazu mit meinen Eltern und meinem Bruder plus Kindern. Danach Silvester, dieses Jahr in Wannweil bei eben diesen Freunden, und dann geht’s ganz langsam wieder los. Mal sehen, was 2014 wird. Ich hoffe auf weniger einschneidende Nachrichten und Erlebnisse.

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Gleichstellungspolitik

oder doch nur Frauenpolitik?

Die grüne Bundestagsfraktion befand sich in Klausur. Das nutzt sie dazu, ein paar Beschlüsse zu fällen. Es muss ja nicht nur Papier, sondern auch Inhalte produziert werden, Handlungsmöglichkeiten ausgelotet, Leitlinien und Perspektiven beschlossen werden. Dazu sind Klausuren unter anderem da.

Zu einem relevanten Teil ging es um Gleichstellungspolitik und ich hatte dazu einen kurzen Twitterdisput mit Beate Müller-Gemecke, die ich ja als Sozial- und Arbeitspolitikerin sehr schätze, in dem ich schon vermutete, dass es weniger um Gleichstellungs- sondern eher um Frauenpolitik ginge. Das Papier, das dazu heute veröffentlich wurde, heißt dann wohlweislich:  GLEICHSTELLUNG IM LEBENSVERLAUF – die PDF_Datei aber “Beschluss_Weimar_Frauen” und das Papier dreht sich auch praktisch um die Rolle der Frau in der Welt und ihre Benachteiligung. Nicht das ich das alles negieren würde, aber ich finde nach wie vor, dass zu einer erfolgreichen Frauenpolitik auch eine erfolgreiche eigenständige Männerpolitik gehört – oder aber eine deutlichere Unterwerfung unter das Prinzip Gender Mainstreaming.

Das Papier beginnt mit Sätzen wie:

Frauen sind weniger erwerbstätig als Männer und arbeiten in schlechter bezahlten Branchen, sie sind öfter in beruflichen Auszeiten oder Arbeit in Teilzeit oder Minijobs.

Das ist richtig.  Aber eben nicht nur. Daher gehe ich einen Schritt zurück und hole mir mal aus der Wikipedia die Definition von “Gleichstellung“:

Unter Gleichstellung versteht man die Maßnahmen der Angleichung der Lebenssituation von im Prinzip als gleichwertig zu behandelnden Bevölkerungsgruppen (wie Frau und Mann) in allen Lebensbereichen.

Und daher muss dieser Satz entpauschalisiert werden. Das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe liefert für Dezember dazu folgende Zahlen:

Der Anteil der Frauen an der registrierten Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland betrug im Dezember 2012 46,0%. (Dezember 2011: 46,9%)

Die schlechter bezahlten Branchen in dieser Pauschalität wage ich zu bezweifeln, denn wenn ich dran denke, dass Männer bspw. überwiegend im Paketdienst arbeiten und mir dazu noch ein paar weitere Beispiele einfallen würden wie der Sicherheitsdienst, Gebäudereiniger (da wo Fensterreinigung mit drin ist) Haus- und Hofdienste, und so weiter – dann ist diese Verpauschalierung ein Schlag ins Gesicht der Männer, die ebenfalls von Niedriglöhnen betroffen sind. Und ob wie so bei “überwiegend” landen, ist für mich nciht völlig klar – aber möglicherweise gibt es irgendwo eine Statistik?

Die beruflichen Auszeiten und die Mini- und Teilzeitjobs – das sehe ich ähnlich. Aber hier fängts dann an: wieso ist das nur ein Problem, bei dem die Politik auf die Frauen schauen muss? Ist es denn nicht eher so, dass man auch Männern dringend den Weg in Teilzeitarbeit leichter machen muss? Ist die Anforderung an “Männerjobs” nicht praktisch ausschließlich die Bereitschaft, Vollzeit zu arbeiten. Ich sehe täglich, dass es gerade Männer, die gesundheitlich angeschlagen sind, schwer haben, eine Stelle zu finden, die ihrer verminderten Leistungsfähigkeit entsprechen. Und junge Familienväter, die gerne ihre Arbeitszeit reduzieren möchten, stehen oft genug vor dem Problem, dass sie das nicht können.

Im Papier geht es weiter mit:

Eine moderne Gleichstellungspolitik muss also den gesamten Lebensverlauf in den Blick nehmen

Korrekt – aber warum wird dann nur wieder über Frauen geredet? Nur wenn sich für Männer und Frauen etwas ändert, wird sich die Situation für beide Geschlchter verbessern.

Es folgen 5 Punkte, die ich alle so unterschreibe – bis auf

Beim Unterhaltsrecht wiederum wird die sonst so dominante Absicherung über die Ehe durchbrochen, hier wird die schnelle finanzielle Eigenständigkeit der Partner nach einer Scheidung gefordert.

was völlig in Ordnung ist, wenn man davon ausgeht, dass man nach einer gewissen Zeit, die ja auch immer noch vorgesehen ist, sich wieder um sein eigenes Leben kümmert, wenn man geschieden ist. Ja, es braucht Übergansfristen für Ehen, die schon länger andauern – aber ich finde, ab einem bestimmten Stichtag ist das nicht mehr zu rechtfertigen. Daher konstatiert man weiter unten auch richtig:

Frauen müssen heute – genauso wie Männer – grundsätzlich selbst für ihren Unterhalt sorgen.

Väter und Männer kommen zwar vor in diesem Papier – aber eben “auch” vor.

Aber auch Väter wünschen sich mehr Zeit mit der Familie

Der Satz ist falsch. Familien wünschen sich, dass beide zusammen mehr Zeit für Familie haben. Kein “auch”. Keine Überraschung, keine Almosen, kein Ergebnis von Erziehung – sondern eine Selbstverständlichkeit. Noch immer wird so getan, als müssten Männer dazu getrieben werden, Familienarbeit zu leisten:

Auch für Männer wären die Anreize größer, ihre Arbeitszeit zeitweise für Sorgearbeit zu reduzieren

Ansonsten steht da natürlich viel richtiges drin – aber der Grundtenor bleibt gleich: in diesem Politikfeld machen wir vor allem Politik für Frauen. Eine eigenständige Männerpolitik in diesem Bereich ist nicht notwendig – sagt ja auch Katrin Göring-Eckart in diesem Streitinterview mit Ursula von der Leyen.

Wenn Jungs das Gefühl haben, dass das tollste Vorbild ein Macho ist, sollte man darüber reden. Dafür brauchen wir aber keine neue Männerpolitik, das ist ganz normale Bildungspolitik.

So ist das nur ein weiteres Papier, das alte Forderungen zwar richtigerweise neu auflegt – aber immer noch nicht den Sprung zu einer Gleichstellungspolitik schafft, die diesen Namen auch verdient. Der Grundton bleibt: Männer müssen zu richtigem Verhalten erzogen werden. Und auch wenn ich das bei einzelnen MdBs nicht wahrnehme, so bleibt bei mir, der ich jetzt viele Jahre Genderpolitik mache, diese Wahrnehmung da. Ich erinnere mich gut,  wie ich angegangen wurde, als ich vor 4 Jahren den Halbsatz “aber auch Männer sind zunehmend davon (Vereinbarkeit von Familie und Beruf) betroffen” im Wahlprogramm haben wollte. Dafür habe ich einen ganzen Tag lang verhandelt.

Solange sich meine grüne Partei nicht wirklich innerlich von dieser Haltung löst, solange wird sie nicht in der Lage sein, eine gerechte Gleichstellungspolitik zumindest einmal zu formulieren. Männer wie Frauen brauchen eigenständige Akzente, individuelle Anreize und Rücksichtnahme. Scheißjobs gibt es für jedes Geschlecht. Katrin bestätigt diese Haltung, während ich diesen Beitrag schreibe übrigens mit diesem Tweet:

Welche Männer will man mit solchen Aussagen erreichen? Welche Frauen?

Für die ganz normalen Menschen da draußen ist das so nicht relevant. Menschen brauchen Vorbilder.

Wenn die smarte Biochemikerin in der TV-Serie “Post Mortem” einen grausamen Mordfall löst, dann begeistert das Frauen für den Beruf. Die TU Berlin will deshalb in Serien für technische Berufe werben.

Wem ständig der Zeigefinger gezeigt wird, wird sich nicht kooperativ verhalten, sondern rebellieren (oder resignieren).  Deshalb wird es Zeit für eine echte grüne , die Frauen und Männer ernst nimmt in dem, was sie brauchen, um diese für sich auch umzusetzen. Männer sind anders. Frauen auch. Aber gemeinsam sind sie vor allem Menschen, mit meist ganz ähnlichen Bedürfnissen, abseits aller Klischees. Ein gutes Leben, genug zum Leben, Sicherheit. Daran gilt’s zu arbeiten – nicht neue Klischees zu produzieren.

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Familie oder nicht?

Die Frankfurter Allgemeine titelt:

Warum ist das mit den Kindern so kompliziert?

Trotz aller Anreize werden wenig Kinder geboren. Das größte Hindernis, so fand das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung heraus, sind die kulturellen Einstellungen: Das Leben mit Kindern gilt als anstrengend und soll perfekt gelingen. Muss das so sein?

Es folgen eine Reihe von Zustandsbeschreibungen dieser Republik von verschiedenen Autor_innen – von Familienfreundlichkeit, die man sich erkaufen muss, weil es sie sonst angeblich nicht mehr gäbe, bis hin zu den Müttern, die ausschließlich und nur erst mal Teilzeit arbeiten, zum Klotz am Bein, der Forderung nach Steuerfreiheit. Einzig Sandra Kegel schreibt:

Denn Kinder versprechen eine Glückserfahrung, die mit Geld nicht aufzuwiegen ist – weil sie dem Leben einen Sinn geben.

Ich würde jetzt nicht so weit gehen, und den Sinn meines Lebens “nur” an den Kindern festmachen. Aber diese Artikel machen mich wütend – weil er den Blick verstellt, auf das, was Leben mit Kindern bedeutet. Auch in den zwischenzeitlich beinahe hundert Lesermeinungen zum Artikel finden sich wenige positive Artikel zum Leben mit Kindern. Von Menschen, die Kindernnutzen berechnen bis hin zur üblichen Tirade auf Feministinnen, die

 die mit ihrer unsäglichen Gegenderei Leid und Unfrieden verursacht haben

Ich habe zwei Familien gegründet. Die erst noch ganz jung. Mit 19 bin ich zu meiner anschließend ersten Frau gezogen, die schon ein Kind hatte. Wir haben zusammen drei weitere bekommen. Und und 1998 scheiden lassen. 2003 und 2008 haben meine zweite, jetzige Frau und ich zwei Jungs bekommen. Zwischen (eigenem) Kind drei und Kind vier liegen 11 Jahre, fast auf den Monat genau.

Ich erinnere mich gut, dass ich als Kind mir immer vorstellte, viele Kinder zu haben. Ich konnte auch als Jugendlicher immer gut mit Kindern umgehen. Vielleicht hätte ich Erzieher lernen sollen. Zum ersten Kind konnte ich keine Entscheidung fällen. Es war schon da und ich nahm es an. Und auch wenn er heute nach einer sehr strittigen und emotional verletzenden Trennung und Scheidung nicht mehr mit mir spricht, so wird er doch immer irgendwo mein Sohn bleiben. Von den anderen Söhnen möchte ich keinen missen. Jeder ist anders, alle sind sich ähnlich.

Ich kann Kinder nicht in Nutzen berechnen. Ich beschwere mich nicht über mangelnde Perspektiven mit Kindern. Ich suche einen Weg. Und finde ihn meist. Ja, Kinder erfordern Opfer. Wenn man den Verzicht auf jährlichen Urlaub in der Karibik oder schon in der Türkei oder Ägypten als Opfer empfindet. Sofern man sich das nicht trotzdem leistet…

Für mich war es nie ein Opfer, auf weite und teure Urlaubsreisen zu verzichten. Ich brauche kein Hotel, kein All-Inclusive. Uns reicht ein Campingplatz. Den größten Luxus, den wir uns leisten, ist das schon aufgebaute Zelt oder ein Wohnwagen. Ferienwohnung. Ich muss mich nicht darüber beschweren, dass sich meine Kinder in Hotels “benehmen” müssen. Nicht mit sandigen Füßen und nassen Badehosen am Tisch sitzen können. Ich gehe dahin, wo es niemanden stört. Ich schaue in Kindergarten und Schule, dass es dort so abläuft, wie ich mir das vorstelle – unter der Prämisse, dass es meinem Kind gut geht. Ich kämpfe wie ein Löwe und finde Kompromisse. Einer meiner Söhne geht auf eine freie Schule, weil er im regulären Schulsystem nicht zurecht gekommen ist. Einer ist mit ADS und Legasthenie so diskriminiert worden, und hat am Ende mit Glück doch noch einen Lehrer gefunden, der ihn nahm, wie er ist, seine Stärken förderte und ihn so dazu brachte, nach der Hauptschule noch die mittlere Reife zu machen und nun eine Ausbildung macht. Einer studiert, einer schaut grad, wo der Hase lang läuft und der Kleinste wird heraus finden, dass er nicht die ganze Familie herumkommendieren kann. Sie sind 6 Menschen, deren Existenz an keine Bedingung geknüpft ist. Deren Wohlergehen mir selbstverständlich am Herzen liegt. Die aber gleichzeitig mir den Raum lassen müssen, um mir selbst gerecht werden zu können.

Man bekommt nie das Ideal. Verzichten lernen heißt sich selbst zurück nehmen. In meiner ersten Ehe hatte ich nur noch die Wahl zwischen Einkommen herbei schaffen und Familienleben. Zu mehr gab es keinen Raum. Daher – und aus ein paar Gründen mehr, die aber hier nichts zur Sache tun – musste ich mich trennen, weil es keine Abhilfe gab. In meiner zweiten Ehe habe ich von Anfang an meinen eigenen Platz gesucht. Keine Aufopferung mehr. Leben mit Kindern, das eigenes Leben und Verwirklichen mit einschloss.

Denn Kinder können auch lernen, dass ihre Eltern eigenständige Personen sind, mit eigenen Bedrüfnissen und keineswegs perfekt. Die auch mal weinen, zornig sind, ungerecht, fehlerbehaftet und verletzt. Die Grenzen kennen und einfordern. Und trotzdem einen lieb haben, bedingslos. Egal welchen Mist sie bauen. Egal, wie zornig sie einen machen. Egal, wie unfair sie selbst zum eigenen Kind sein können. Wie desinteressiert auch manchmal an dem, was sie tun, weil man garnix damit anfangen kann, was sie da tun.

Kinder zu haben ist ein Wert an sich. Sie die Welt kennen lernen zu sehen, ihren Weg finden zu sehen, mitzuerleben, wie sie ihren Platz finden, wie sie mit einem und sich  selbst kämpfen ist eine ungeheure Erfahrung. Wie sie heraus finden,was sie können und was sie nicht können. Sie los zu lassen, die schwierigste und befreiendste Erfahrung, die man sich täglich neu erarbeiten muss.

Am Ende befriedigt ihre bloße Existenz. Kein Geld der Welt, kein Amt, kein Mandat, keine Reise nach Südafrika oder zum Mond können mir das bieten, was mir meine Kinder abverlangen: mich täglich zu hinterfragen, sie zu lieben, sie kommen und gehen zu lassen und heraus finden, was sie einfach so von mir und von anderen haben, gelernt haben oder mit der Muttermilch aufgesogen – wie man so schön sagt. Am Ende gehen sie hinaus in die Welt, alleine und eigenständig.

Das Leben mit Kindern gilt als anstrengend und soll perfekt gelingen

Nichts gelingt perfekt und alles, was einem nicht gerade so gelingt, ist anstrengend. Auch ein Leben ohne Kinder ist anstrengend. Für die allermeisten Menschen. Und was bitte ist “perfekt”. Eigenes Haus, 20 Geschenke zu Weihnachten und Geburtstag. Urlaub? Oder ganz einfach ein Leben gemeinsam, mal mehr (zu Beginn), mal weniger (so ab 10 Jahren :-). Gelebt vom Willen, es gut zu machen und respektvoll? Ich glaube, für ein perfektes Leben mit Kindern braucht es nichts von dem, da geschrieben wurde bei der FAZ. Sondern nur den Willen, ihnen gerecht zu werden, ihnen zu vertrauen, für sie da zu sein, wenn sie einen brauchen und sie ins Leben zu entlassen und zu einem aufrechten Menschen zu “erziehen” – was immer “erziehen” auch bedeuten mag.

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Zukunftskonferenz

Auch schon wieder ne Woche her ist die grüne Zukunftskonferenz. Ein Ort, an dem man (grüne) Politik weiter denken kann, teilweise sagenhaften Input erhält, nicht nur im Rahmen von gewissen Zwängen auf Parteitagen (Losverfahren, vor mehreren hundert Leuten 3 Minuten reden, thematisch eingeschränkt, …) diskutieren kann – mit Fachleuten, mit der Parteispitze, mit Parteifremden. Traditionell am Ende eine Runde mit Externen, die die Konferenz bewerten und nochmal ein paar allgemeine Sätze zu Grüns sagen. Dieses Jahr mit viel Applaus bedacht mit Ulrike Herrmann, die ganz klar einerseits die Art der debatte begrüßte, aber auch (im Rückblick) auf die fehlende Aufarbeitung rot-grüner Regierungspolitik monierte – vor allem da ja noch teilweise dieselben Personen agieren wie 1998-2005. Dazu aber an anderer Stelle mehr.

Sehr beeindruckt hat mich die Keynote von Saskia Sassen (Soziologin an der Columbia University und LSE, Autorin).

Ich habe an zwei Workshops teilgenommen, an einem zur Geschlechtergerechtigkeit, weil diese Thematik ja nach wei vor mein politisches Hobby ist und ich nach wie vor eine sehr große Einseitigkeit meiner Partei in Genderfragen wahrnehme. Hier wollte ich auch als Mitunterzeichner des grünen Männermanifests Präsenz zeigen und dazu beitragen, den nächsten Schritt zu gehen, der langsam in Planung kommt. Es war auch notwendig, noch einmal darauf hinzuweisen, dass Männer genausowenig wie Frauen eine eigenständiges Recht auf Grundsicherung bei Hartz IV haben – auch wenn Frauen vermutlich stärker davon betroffen sind. Am Ende trifft es aber das Paar, das zusammenlebt – und nicht nur die Frau alleine. Mein Hinweis, dass Männer immer noch früher sterben als Frauen und man dort,wo klassische Rollenbilder in der Gesellschaft stärker abgefragt werden als bei uns, bspw. in Osteuropa, feststellt, dass die SChere noch weiter auseinadergeht, nämlich auf ca. 15 Jahre, wurde von Irmingard Schewe-Gerigk lapidar mit dem Hinweis beantwortet, dass die ja wohl selbst dran schuld sind – sie rauchten und tränken mehr und kümmerten sich (hier wie dort) weniger um die Gesundheitsvorsorge. Diese Antwort hat doch einiges an Empörung hervorgerufen, auch im Laufe der Konferenz wurde ich noch mehrfach angesprochen von Leuten – Männer wie Frauen – die sich diesen Satz völlig unmöglich fanden – und der wohl das Nichthandeln der Politik diesbezüglich begründen sollte. Auch finde ich, kann man das Bildungsproblem bei Jungen nciht damit wegdiskutieren, dass die beruflichen Chancen von Jungen auf den etwas höheren stufen der Karriereleiter besser sind. Ich habe darauf hingewiesen, dass im niedrigqualifizierten Bereich beide Geschlechter gleich betroffen sind. Frauen etwas mehr von Teilzeitarbeit – aber auch das liegt an den klassichen Rollenbildern, die es zu überwinden gilt.

Was ich verstehen kann – und was von rechten Männerrechtlern ja auch leider immer wieder gefodert wird – ist die Angst, dass Frauenprojekte zugunsten Männerprojekten diesbezglich zurückgefahren werden. Das halte ich für falsch – und trete an diesem Punkt den rechten Maskus ja auch entgegen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Es muss beides möglich sein. Schön auch, dass so ein neuer Kontakt zu Dag Schölper vom Bundesforum Männer entstanden ist.

Der zweite Workshop drehte sich um Urheberrecht und Meinungsfreiheit. Hier hatte ich eine Begegenung der dritten Art. Grundsätzlich aber vorweg: das Papier war eine gute Diskussionsgrundlage, durch die sehr wenig spezifierzte Festlegung natürlich auch provokant. Der Austausch auf dem Podium bewegte sich in bekannten Dimensionen.  Unsäglich aber der wiederkehrende Brötchenvergleich mit der Raubkopie. Auf dem Podium vertreten war Pit Budde, Musiker. Ich kenne ihn noch aus meiner Jugend. Er hat bei Cochise mitgewirkt, unter anderem mit so Titeln wie “Jetzt oder nie, Anarchie” oder das Sommerliedchen “Letztn Somma warn ma schwimmen” wo es um das illegale Schwimmen an einem Baggerseee geht. Dorthin kommt man wohl nur, wenn man ein Loch in einen Zaun schneidet. Die Übereinstimmung zu Musikdownloads war ihm nicht nahe zu bringen, er hat ja zuvor schon davon gesprochen, wenn man die Schutzfristen auf Grundstücke übertrage, sollten gekaufte Grundtücke nach 3 Jahren wieder in den Allgemeinbesitz übergehen. Zu “wir brauchen keine Gesetze, die uns knebeln” stünde er aber immer noch….Hmm, da bin ich jetzt ein bißchen desillusioniert.

Ich glaube schon, dass man einen Weg finden muss, wie KünstlerInnen eine angemessene Vergütung für ihre Werke erhalten. Kulturflatrate oder die von der eidg beschlossene Förderung der CC-Verfahren halte ich da eine gute Lösung. Menschen, die “illegal” downloaden zu kriminalisieren mit der Begründung “die bekaluen mich” (Budde) halte ich für grundfalsch. KünstlerInnen müssensich an die Gegebenheiten, wie sie heute sind, anpassen. MusikerInnen speziell: man kauft heute eher keine Hardware mehr (LPs, CDs) mit kunstvollen Covern und Inlays, sondern oft genug nur Daten. Wenn die niemand findet – dann muss sich der/die KünstlerIn eben überlegen, wie man das macht, dass man gefunden wird. Ein gutes Beispiel dafür ist – gut vergleichbar zu Budde – die schwäbische Rockband Anyone’s Daughter. Ich beziehe den Newsletter, kriege so jede Neuveröffentlichung mit und kaufe, wenn mir danach ist – und zwischenzeitlich kann ich sogar downloaden, wenn ich will. So geht das. (und ganz ehrlich: das Remaster von Piktor’s Verwandlungen war ein echtes Geschenk an den Fan).

Fazit: eine tolle Konferenz, die von mir aus gerne jedes Jahr stattfinden könnte. Aber gerne lieber zweitägig – es hätte noch weitere Workshops gegeben,die ich gerne besucht hätte. Und ein Alleinstellungsmerkmal der grünen Partei.

 

 

 

 

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Väter

Ein uneheliches Kind hatte ich. Das vierte ist unehelich geboren. 2003. Nicht 1987. Und ich erinnere mich noch sehr genau an die Prozedur, als wir die gemeinsame Sorge eintragen lassen wollten. Wir gingen gemeinsam zum Jugendamt, nachdem wir einen Termin bekommen hatten und wurden dann beraten. Wie gesagt, ich hatte schon 3 größere Söhne und hatte lange Kämpfe geführt, auch um regelmäßigen Umgang zu erreichen, der nicht willkürlich von der Mutter abgesagt werden konnte oder um den Umzug eines Sohnes zu mir zu ermöglichen, gegen den ausdrücklichen Wunsch der Mutter (bei gemeinsamer Sorge) bzw. Unterhaltszahlungen zu erreichen (da hab ich zwar jedes Verfahren gewonnen, aber nie Unterhalt erhalten)….

Meine damalige zukünftige Frau wurde nach meinem kurzen Gespräch sehr intensiv vom Jugendamtsmitarbeiter “beraten”. Und erst als sie sagte, sie räume mir selbstverständlich jetzt die gemeinsame Sorge ein, da sie angesichts der Streitigkeiten aus meiner ersten Ehe vermute, dass sie es mir im Falle einer Trennung nicht mehr zugestehen würde, hörte der Jugendamtsmitarbeiter (ein Mann!) auf, sie vor diesem Schritt zu warnen.

Ich bin kein perfekter Vater, sowenig wie die Mütter meiner Söhne perfekte Mütter sind. Ich mache Fehler, raste auch mal aus, schimpfe, verliere die Geduld. Aber ich gebe mir Mühe, es gut zu machen. So gut es geht. Kümmere mich. Sorge mich. Handle. Ich liebe meine leiblichen Söhne über alles. Und auch der verlorene Stiefsohn ist nicht vergessen.

Vor dem Hintergrund meiner eigenen Erfahrungen mit Scheidung, Trennung und den Folgen und meinen Anschauungen in 10 Jahren (Internet-)Foren und Selbsthilfe mit Männern und Frauen in diesem Kontext kann ich das gestrige Urteil (SPON-Artikel) des BVerfG zur gemeinsamen elterlichen Sorge auch für uneheliche Väter nur begrüßen. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ich würde mir wünschen, dass die gemeinsame Sorge die Regel ist, mit der geringen Einschränkung eines Vetorechts eines der beiden Elternteile, das ausschließlich von Familiengerichten behandelt werden darf.

Interessant finde ich die Debatte drumherum: von Antje Schrupp, die sich irgendwie nicht so recht davon lösen will, dass man Männern sagen muss, was ein guter Vater ist (Männer sollten einmal darüber nachdenken, was genau sie sich eigentlich unter Vaterschaft vorstellen und was ihnen daran wichtig ist), gleichzeitig aber den Weg aufmacht in Richtung Familienvertrag, denn es kann ja auch andere Elternkonstelletationen als nur VaterMutterKind geben. In der taz dagegen findet sich ein differenziertes Bild auf der Leserbriefseite, wobei die rückwärtsgewandte Sicht mancher Frau dabei eher erschreckt. Und auch Till Westermayer findet 11 interessante Sätze zum Urteil. Man hat wohl gerne Männern gesagt, dass sie gute Väter sein sollen, jetzt, wo sie es wollen, scheint das auch irgendwie nicht richtig zu sein – ich vermute, weil Väter (wie ich) selbst bestimmen, auf welche Art sie Kinder erziehen.

Dabei bleibt doch eins gewiss: es gibt zunehmend andere Formen des Zusammenlebens als die klassische Ehe. Dieser Tendenz muss die Gesellschaft endlich Rechnung tragen. Dass die Bundesregierung nun aktiv wird, dazu aber ein Urteil des EuGH sowie des Verfassungsgerichts braucht, um diesen Missstand zu beheben – und da nehme ich sieben rot-grüne Jahre nicht aus – ist dabei eine Schande. Und auch wenn der Familienvertrag irgendwann kommen wird, wird es nicht unnötiger werden, die Folgen strittiger Trennungen gesetzlich und gerichtlich abzufedern. Dazu gehört auch ein Konzept wie das Cochemer oder andere Modelle – und für die, die es dann immer noch nicht können, klare Gesetzesregelungen und vor allem einklagbare Konsequenzen. Und selbst wenn es mir geholfen hätte – die Grenzen zu Zwangsarbeit für Unterhaltsschuldner oder Wegzugbegrenzungen sollten dabei nicht überschritten werden – höchstens durch die Pflicht zur Kostenübernahme des Wegziehenden.

Wichtig ist aber, dass mit diesem Urteil ein weiterer Wegstein auf dem Weg zur gleichberechtigten Elternschaft erreicht ist. Langfristig, ich bin mir sicher, werden sich mehr Eltern darauf einigen, Umgang und Aufenthalt im Sinne des Kindes zu regeln.

Update 11.08.:

die Debatte bekommt dabei natürlich teilweise bizarre Züge. In der taz melden sich jetzt Frauenhausvertreterinnen, die die Sorge ins Feld führen, das gemeinsame Sorgerecht mit ledigen Vätern sei eine Gefahr für Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden. Als würde der Trauschein Schutz vor häuslicher Gewalt gewähren. Darüber hinaus wird die Durchsetzung des Umgangsrechts bemängelt. Ich hab einen Leserbrief dazu geschrieben:

Selbstverständlich müssen Gewaltopfer geschützt werden. Und es ist eine berechtigte Forderung, dass Frauenhausadressen geheim bleiben müssen. Aber wenn es um die Kinder geht, um elterliche Sorge, dann steht das eben hintendran und nicht vornedran. Dann muss der Kontakt eben über Dritte wie Großeltern oder Jugendamt gewährleistet werden. Denn die Strafe für Körerverletzung heißt nicht: lebenslanger Kinderentzug oder Entväterung. Darüber hinaus bleibt windmühlenartig zu wiederholen: Kinder werden zu gleichen Teilen Opfer von Gewalt durch Männer und Frauen. Wenn eine Frau ihr Kind drischt, soll man sie dann auch davon ausschließen, über die Schule ihres Kindes eine Entscheidung treffen zu dürfen? Oder ihr lebenslang den Kontakt zu ihrem Kind untersagen dürfen?

Auch die Mädchenmannschaft beschäftigt sich mit dem Thema, auch hier überwiegt der Eindruck, dass Frauen sich jetzt zwar schon lange keine Familienpatriarchen mehr wünschen, aber selbst gerne noch die Definitionsmacht darüber hätten, wie dend ein Vater zu sein habe. Und klar wird gleichzeitig gefordert, dass Väter doch bitteschön erstmal ihren Pflichten nachkommen müssten. Also, Rechtstaat hin oder her: erst wenn alle Väter sich so um ihre Kinder kümmern, wie Frauen das gerne hätten, dann können alle Väter, auch die, die sich jetzt schon kümmern wollen, das Recht auf gemeinsame Sorge zugesprochen werden. “Sippen” (Sippe=Mann)haft gibt es nicht mehr in diesem Staat, dachte ich. Ein getrennt von der Mutter und den Kindern lebender Vater gehört aber scheinbar grundsätzlich zur unzuverlässigen Sorte. Fast alle Väter wollen sich kümmern. 50% der Väter aber verlieren im ersten Jahr nach der Trennung den Kontakt zu ihren Kindern. Warum wissen wir nicht. Aber der alleinige Grund ist sicher nicht ein Nicht-Wollen. Ich vermute eher Vorschriften, Besserwisserei, Kontaktabbruch durch die Mutter und Willkür und Streit – und bei manchem Vater sicherlich die Schmerzen, die mit dem von oben verordneten 14-tägigen Umgangsrecht einhergehen. Ich hab sehr oft “Ain’t no sunshine” gehört, nachdem ich die Jungs zurück gebracht hatte. Und das hielt oft noch tagelang an. Trennten sich alle friedlich, gäben sich Mühe, im Sinn ihrer Kinder zu entscheidden – diese Diskussion wäre gar nicht notwendig. Fazit: Rollen zu überwinden erfordert Mut zur Reflektion von allen Beteiligten.

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