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CDU und Sex

das schließt sich irgendwie aus. Also, ein Verhältnis, das man unverkrampft, offen, tolerant bezeichnen kann. Das artikuliert sich in sonderbaren Reden vor dem baden-württembergischen Landtag – und in einer katastrophalen Ignoranz drängender Probleme. Da ist einmal die Debatte um den baden-württembergischen Bildungsplan.

facepalm

Mehr könnte einem eigentlich nicht einfallen. CDU-Hauk, der neben dem Schäuble-Schwiegersohn Strobl ebenfalls Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2016 werden möchte – zeigt „Verständnis“ für den Petenten und seine Unterstüzter der Online-Petition gegen den Bildungsplan, in dessen Entwurf die Landesregierung als Leitprinzipien die Toleranz gegenüber sexueller Vielfalt in Schulen verankert wissen möchte – eine Petition, in zu lesen ist:

In »Verankerung der Leitprinzipien« fehlt die ethische Reflexion der negativen Begleiterscheinungen eines LSBTTIQ-Lebensstils, wie die höhere Suizidgefährdung unter homosexuellen Jugendlichen, die erhöhte Anfälligkeit für Alkohol und Drogen, die auffällig hohe HIV-Infektionsrate bei homosexuellen Männern, wie sie jüngst das Robert-Koch-Institut veröffentlichte, die deutlich geringere Lebenserwartung homo- und bisexueller Männer, das ausgeprägte Risiko psychischer Erkrankungen bei homosexuell lebenden Frauen und Männern.

Nun, für diese Haltung fehlt mir jegliches Verständnis – denn es ist anzunehmen, dass diese negativen Folgen eher eine Folge des nicht toleranten Umgangs mit dem LSBTTIQ-Lebensstil sind – nicht umgekehrt. Wer diese Folgen nicht will, muss informieren und aufklären (HIV!) und nicht verschweigen. Nur wer in seinem Selbst angenommen wird, ist in der Lage, ein selbstbewusstes Leben zu führen, wer sich in seinem Grundbedürfnis nach Liebe und Sexualität verstecken muss, wird krank werden. Soviel Psychologie sollte sogar ein Realschullehrer gelernt haben. Dass es ist die Angst vor: „wenn die das kennen lernen und keiner sagt ihnen, dsas das nicht normal ist, dann werden die auch so“ ist, ist dabei klar. Nur: diese unaufgeklärte Haltung kann nicht Leitbild einer modernen Politik sein. Das absurde Argument: „wer das als (LSBTTIQ-Lebensstil) als normal bezeichnet, zerstört die „normale“ Ehe und Familie“ ist auch kaum zu verstehen – denn iemand sagt ja, dass Frau und Mann nicht mehr heiraten dürfen. Man erinnere sich: Verständnis für diese Petition erwecken führende Mitglider einer Partei, die es bis 2011 zugelassen ahben, dass sich homosexuelle Menschen, die sich verpartnern wollten, dies (auch) in KFZ-Zulassungsstellen tun mussten – und willfähriger Hilfe von regionalen (CDU-geführten) Kommunalpolitikern. Dazu kommt auf Bundesebene die aktuelle Debatte um die Pille danach. Welche Frauenbild da herrscht. die Pille danach sol laut CDU – immerhin Regierungspartei – nicht rezeptfrei zu bekommen sein. Da wird davon gesprochen, dass Frauen diese dann „wie Smarties“ nähmen. Wer sowas sagt, ignoriert völlig, neben allen richtien Argumenten wie sie im verlinkten taz-Artikel genannt werden,

Der Witz dabei ist, Frauen die Entscheidung, was sie mit ihrem Körper machen, zuzugestehen. Es heißt, ihnen zuzutrauen, dass sie entscheiden können, ob sie lieber die Nebenwirkungen der Tablette in Kauf nehmen oder die einer ungewollten Schwangerschaft.

die Nebenwirkungen dieser Pille. Und diese können heftig sein. Ich habe das miterleben müssen, als meine heutige Frau in einem frühen Zeitpunkt in unserer Beziehung, in der wir definitiv keine gemeinsamen Kinder wollten, diese Pille nehmen musste. Es ging ihr schlecht, so schlecht, dass es für mich so eindrücklich war, dass ich mir sicher war, dass ich das nie mehr wollte. Und sie erst! Die Haltung, Frauen könnten sich so ein Zumutung für sich und ihren Körper einfach so antun – was unionsgebildete Abreibungsgegner ja auch immer unterstellen – der hat schlicht keine Ahnung. (Und ja, ich glaub, ich muss das noch nicht einmal gendern. Ich glaub, CDU-Frauen wissen das, dürfen es aber nicht sagen). Ein Medikament mit einer derartig starken Wirkung hat sehr wahrscheinlich auch sehr starke Nebenwirkungen. Ich glaube, der CDU und ihren Mannen geht es dabei vor allem um selbstbestimmte Sexualität – bei Frauen in der Pillenfrage – und bei Homo- und anders Sexuellen generell. Vielleicht ekeln sie sich vor küssenden Männern. Oder haben Angst, dass ihr Kinder „sowas“ ausprobieren – und sie nachher nicht Opa werden, weil sie ja die Adoption nicht zulassen werden. Ein Bild, das weit verbreitet ist. Ich musste am eigenen Leib erfahren, wie das ist, wenn jugendliche Ausprobieren mit Homosexualität den Eltern bekannt wird. Die Freundschaft sollte beendet werden, es wurde zwischen den Eltern(!) ein Kontaktverbot vereinbart – das natürlich nicht lange hielt. Dabei bestand für mich nie in Frage, dass ich heterosexuell bin. Aber mit 15 muss man halt sowas auch mal ausprobieren. Und obwohl das nicht die einzige Erfahrung war, hab ich heut 5 Söhne und bin verheiratet. Also alles nix weiter als unbegründete Ängste, verbunden mit Vorurteilen und Unverständnis. CDU-Mitglieder sind offenbar verklemmt. Umso wichitger ist Aufklärung. So gesehen, ist dieser Bildungsplan gut geeignet, die CDU weiter zu moderniesieren. Probiert halt mal was aus, ihr CDUler – es wird Euch die Augen öffnen. Und die Zeiten, in denen Frauen nur noch im dunklen Schlafzimmer nach dem Ehegelübde Sex haben dürfen – wenn der Mann wollte und zwar nur und immer dann – sind zum Glück lange vorbei. Ich weiß nicht, wovor sie da Angst haben. Aber irgendwiewas mit Sex ist ja immer.

Update: 25.01.2014

Früher oder später werd ich doch immer wieder bestätigt:
CDU-Bräuchle wird auf idea.de – Das christliche Nachrichtenportal so zitiert:

Jugendliche brauchten eine Ermutigung zu verbindlichen Treuebeziehungen, aus denen Familie entstehen könne, „aber keine Bestärkung im Ausreizen und Ausprobieren aller sexuellen Varianten und Orientierungen“.

Übrigens, schon in der Plenardebatte war abzusehen, dass über die Schiene „sexuelle Vielfalt“ versucht wird, uns wieder in Zusammenhang mit der Pädophilie-Debatte zu bringen:

Toleranz gegenüber verschiedenen Lebensentwürfen dürfe nicht mit Akzeptanz von sexueller Vielfalt gleichgesetzt werden. Jede auf Gleichwertigkeit mit „bunten Lebensentwürfen“ zielende Relativierung des Leitbildes von Ehe und Familie sei entsprechend dem biblischem Zeugnis und der Verfassung abzulehnen. Zudem sei nicht definiert, wo sexuelle Vielfalt ende: „Angesichts der offenen Debatten in Kreisen der Grünen zum Beispiel um Pädophilie ist hier Vorsicht geboten.“

NPD-Burn-Out

„Als jemand, der selbst einmal an einer Depression litt, bin ich ziemlich unschlüssig, ob mir die Häme gefällt, die über Holger Apfel angesichts seines Burnouts ausgeschüttet wird. Ich kann das zwar verstehen, Apfel ist politisch schlicht ein Scheißkerl und niemand, mit ich auch nur ansatzweise etwas zu tun haben will, weder menschlich noch politisch – aber so verstehe ich Auseinandersetzungen grundsätzlich nicht – egal welcher Art. Wer am Boden liegt, auf den tritt man nicht mehr drauf. Ich verstehe auch Politik für sexuelle Freiheit nicht so, dass jemand, der seine Homosexualität nicht leben kann – in dem Fall aus selbst gewählten Zwängen – deshalb Ziel von noch dazu ätzendem Spott sein sollte. Egal wie es ist – die Politik Holger Apfels lehne ich aus tiefstem Herzen ab – aber ansonsten wünschte ich mir, dass in dieser Frage mehr nach dem Motto: „was du nicht willst, das man dir tut, das füg‘ auch keinem andren zu“ gehandelt würde – auch oder gerade bei Menschen wie Apfel. Denn wir sollten niemandem das Menschsein absprechen.“

hab ich heute bei Facebook geschrieben – und irgendwie finde ich, fehlt das in allen Berichten über ihn. Es ist die schwierigste Übung in der Auseinandersetzung. Apfel hat alles dafür getan, dass man ihn außerhalb des eigenen Lagers und der Naziszene nicht mögen kann. Die NPD-Plakate in diesem Wahlkampf sind unvergessen, die Tour durch Deutschland, sich auf vielen Plätzen der Antifa und aufgebrachten Bürgern zu stellen, um damit zu demonstrieren, „ihr könnt uns nicht verhindern“, machen ihn auch nicht symphatischer.

Aber auch Holger Apfel ist ein Mensch. Ein Mensch, für den alle Kapitel des Grundgesetzes gelten, von der unantastbaren Würde bis hin zum Recht auf körperliche Unversehrtheit. Er hat eine psychische Erkrankung zugegeben, darüber hinaus gibt es Gerüchte, dass er homo- mindestens bisexuell ist. Beides verkehren die Bild ins verkehrte – ein Nazi hat stark zu sein und heterosexuell. Homosexualität wird von der NPD bekämpft und Homosexuelle mit verbalem Unrat übergossen. Ich habe seinen Brief zu seinem Rücktritt gelesen – und wenn alle stimmt, was da drin steht, dann ist er psychisch krank. Und alles, was nun an Häme über ihn ausgeschüttet wird, ist verbale Gewalt, verschlimmert seine Situation. Ich bin niemand, der „wie du mir, so ich dir“ gut findet – obwohl ich das durchaus verstehen kann und ich solche Impulse ebenfalls kenne – und auch schon danach gehandelt habe. Nobody’s perfect. Aber in Ordnung ist es trotzdem nicht – und in der Geballtheit, mit (fast) ein ganzes Land und nahezu alle Medien nun über ihn herfallen – da fehlt die Stimme die sagt: „Stopp. Auch Holger Apfel hat ein Recht darauf, gesund zu werden.“ Danach kann man sich wieder mit ihm auseinandersetzen. So schwer das auch sein mag. Das ist der Maßstab, an dem ich gemessen werden möchte. Das das nicht seiner ist, ist mir wohl bewusst. Aber in Auseinandersetzungen bspw. um den Moscheebau, wenn es heißt: „aber in der Türkei oder in Saudi-Arabien, da darf man auch keine Kirchen bauen“ sage ich immer: Unrecht ist nicht mein Maßstab. Und das gilt nun auch in diesem Fall.