Schlagwort-Archive: Journalismus

Leistung schützen

Der Name „Leistungsschutzrecht“ impliziert ja, dass es darum ginge, Leistungen zu schützen. Doch schon der Name dieser unseligen Idee ist eine Nebelkerze.

Das deutsche Verlagswesen, vor allem aber die Verlagshäuser, die Zeitungen herausgeben, ist krank. Es wird nicht mehr so viel Geld verdient mit Zeitungen und Zeitschriften, seitdem man alle und jede Meldung auch kostenfrei irgendwo im Internet nachlesen kann. Journalisten werden entlassen, Zeitungen fusioniert oder eingestellt. Manche überlebt knapp. Alternative Modelle wie die hier ansässige ka-news oder die Netzzeitung entstehen – mit durchwachsenem Erfolg und oft genug getragen von einem Modell, das ohne Volontariatspraktikant_innen nicht tragbar wäre. Viele Blätter haben den Zug verpasst, der hohe Rendite aus Anzeigenverkauf erbrachte und rennen diesem nun hinterher. Mit der Drohung eines sterbenden Journalismus wird die sogenannte 5. Macht im Land in Frage gestellt, der Schuldige inForm einer großen Suchmaschine gefunden und ein Gesetz erdacht, das sicherstellen soll, dass die Suchmaschine für das, was sie tut, bezahlen soll – nämlich Geld für das Finden von Zeitungsartikeln.

Das Grundgesetz garantiert die Freiheit der Presse und ebendiese Freiheit sorgt für die Aufdeckung nicht nur manches Skandals, sondern eben auch dafür, dass Meinungsvielfalt in Form gedruckter Nachrichten herrscht – theoretisch. Wer wie ich im Landkreis Karlsruhe lebt, weiß, dass die hier herrschende Meinung zu oft von einem pechschwarzen Blatt wie der BNN bestimmt wird, mit allen Konsequenzen, die die einseitige politische Aufstellung eines solchen Blattes hat – in bestimmten Themenfeldern, der Zugangsmöglichkeit herrschen starke Einschränkungen. Seit 8 Jahren bspw. sitzt Sylvia Kotting-Uhl für Karlsruhe und die GRÜNEN im deutschen Bundestag, war erst umweltpolitische, dann atompolitische Sprecherin, Themen, die die Republik angesichts des Atomausstiegs und der Katatrpphe in Fukushima wahrlich umgetrieben haben. Aber einer GRÜNEN in karlsruhe zuviel Raum zu geben, noch dazu einer linken GRÜNEN, das kommt für den Verleger – und damit seiner Chefredaktion – offenbar nicht in Frage.

Und da sind wir dann auch schon bei der Frage, um was es eigentlich geht. Man muss ein Geheimnis darum machen, dass wir über Google und nicht über Lycos reden, das als Suchmaschine das Internet durchfprstet und alle gefunden Zeitungsartikel in der Rubrik „News“ sammelt und mit einem kurzen Auszug aus dem Artikel verlinkt. (übrigens, Bing machtdas ebenso, der Nam fällt allerdings nie). Es ist technisch ganz einfach, diese Verlinkung zu unterbinden, jeder Verlag könnte dafür sorgen, dass der ganze Internetauftritt oder lediglich einzelne Artikel nicht gefunden werden. Ein kurzer Eintrag in der „robots.txt“ – einer Datei im Kopf jeder Webseite – und schon ist es vorbei mit der Auffindbarkeit und damit dem kostenfreien Auszug und Link.

Doch daran herrscht offenbar bei den Verlgen kein Interesse. Mit Recht. Denn sie nutzen die Infrastruktur des Netzes wie jeder andere Netzgänger auch, um gefunden zu werden, damit Menschen ihre Artikel – und ihre Weltsicht!! –  lesen und teilen, um Werbeeinnahmen mittels Werbung auf ihren Seiten zu generieren. Je mehr Leute auf ihre Verlagsseite kommen, desto mehr klicken auf dort angebrachte Werbung. Werbung im Text, als Banner, als Anzeigen. Aber es gibt halt nciht mehr soviel Geld für Anzeigen wie früher, als man als Quasi Monipolisit alleine die Preise bestimmten konnte. Hier in der Region gibt es übrigens keinen freien Zugang zu BNN oder BT. Schade.

Die Idee, auf die man nun gekommen ist, ist, Google dafür bezahlen zu lassen, dass es Ergebnisse werbefrei verbreitet. Eigentlich ein Paradoxon. In Frankreich haben sie einen Vergleich geschlossen:

Der Suchkonzern bringt 60 Millionen Euro in einen Technologiefonds ein, der umgestaltende Innovationen im Digital Publishing fördern soll. Außerdem will Google den Verlegern zu steigenden Online-Werbeeinnahmen durch Nutzung seiner Dienste AdSense, AdMob und AdExchange verhelfen.

Man könnte nun sagen: gut, ist eine Sache der Konzerne, der Staat hält sich raus. Aber Journalismus ist wichtig. Wer nicht glaubt, wie wichtig, schaue nach Italien. Dort hat Zeitung auf Totholz – also klassisch auf Papier – noch eine andere, größere Bedeutung als hier und so kann sich der Verleger Berlusconi trauen, womöglich erneut als Minsiterpräsident des Landes zu kandidieren. Vielfalt ist dort in der Form, wie wir sie hier kennen, nicht gegeben. (ja, es gibt auch noch andere Ursachen und es ist selten so einfach).

Die Gefahr, die erwächst, ist die Abhängigkeit von Geldgebern, die die Zeitung eben nicht mehr über den Kaufpreis (und Geselligkeits-, Todes, – Autoverkaufs, -Immobilen/Miet, -usw.-Anzeigen) finanzieren, sondern eben über Anzeigen. Damit einhergehend größeren Einfluss. Schon heute wissen wir, dass Lidl und Aldi und andere als Großanzeiger dafür sorgen, das kritische Berichterstattung über sie nicht in der Form anfällt, wie es möglich und nötig wäre. Und es kann davon ausgegangen werden, dass das weitgehend ohne Entlassung funktioniert.

Interesse kann er Staat, die Gesellschaft als solches aber nur an der Berichterstattung haben – am Erhalt von Verlagshäusern eher nicht – zumal sie eh nicht (mehr) die Aufgaben erfüllen, zumindest nicht in der Form, wie sie könnten. Und ganz abseits: Google ist nicht altruistisch und die „News“ natürlich nur vordergründig werbefrei. Google ist auch nicht der Bewahrer des freien Netzes, sondern daran interessiert, Geld zu verdienen. Selbst wenn die News weiterhin werbefrei blieben, was nirgendwo garantiert ist, so sind die News doch ein Teil des Gesamtportfolios und tragen damit zum Erfolg der Suchmaschine bzw. des Konzerns bei.

Alternativ könnte der Staat ein Portal schaffen. Die Haushaltsabgabe ist hoch genug, kürzte man an anderen Stellen, an denen unnötig Geld verblasen wird – zu hohe Gehälter, doppelte Infrastrukturen, zuv viele öffentlich-rechtliche Sender und so weiter – wäre Potential, bspw. unter einem Portal tagesschau.de nicht mehr nur Nachrichten der tagesschau-Redaktion, sondern jedes akkreditierten Journalisten zu jedem Thema zu veröffentlichen. Der Journalist wird für seinen Text (und Anzahl der Klicks) bezahlt, kann und darf seinen Text auch noch an ein Verlagshaus – das ja letztendlich auch nur mehr ein Portal ist, wenn es nicht mehr Druckhäuser zur Verfügung stellen muss – und es ist Meinungsvielfalt weiterhin möglich. Akkreditierung am Meinungsportal bedeutet gleichzeitig die Bezahlung eines Mindestlohns in geringer Höhe, sodass aber auch gewährleistet sein kann, dass auch Invertigativjournalismus, der ja oft eine über mehrere Wochen/Monate oder gar Jahre andauernden Recherche bedarf. Hierzu gilt es weitere Modelle zu entwickeln.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Meinungsvielfalt bleibt gewährleistet und nicht ein amerikanisscher Konzern oder ein Verlagshaus profitieren von Journalismus, sondern die Gesellschaft und der Journalist. Und nur in so einem Staatsportal, das über staatsferne Rundfunkräte keinen Einfluss auf die „Programm“gestaltung nehmen können, gewährleistet auch Vielfalt.

schlechte Recherche – Filmkritik

Ich mag die Filmreihe „Planet der Affen“. Ich hatte sie als Jugendlicher Mitte der 1980er im Fernsehen gesehen und fand sie von der Idee damals gut gemacht. Und Zeitreisen und Geschichten darum fand ich schon immer sehr faszinierend.

Szene aus Planet der Affen von 1968

Nun erscheint nach dem eher schlechten 2001er Remake des „Planeten der Affen“ ein aktuelles, sogenanntes „Prequel“ – also ein Film, der die Vorgeschichte darstellt – wie „es“ soweit hat überhaupt kommen können. Und in meiner heutigen BNN steht dazu eine Kritik. Die leider in einem wichtigen Punkt falsch ist – der mich so ärgert, dass ich es aufschreiben muss:

Der Journalist(?) Peter Kohl ist nicht der einzige, man findet das auch bei SPON, aber er schreibt es wohl am deutlichsten falsch:

„die vier Fortsetzungen, die damals entstanden sind, haben den Erzählfaden einfach nur weiter gesponnen, […].

Davif Kleingers schreibt im Spon:

Ganz wesentlich etwa die Entscheidung, statt der vertrauten Untergangsvision der Menschheit die Emanzipationsgeschichte der Affen in den Mittelpunkt zu rücken.

Das ist schlicht nicht wahr. 1971 erschien „Flucht vom Planet der Affen“, der genau das Prequel mit seinen zwei Fortsetzungen schreibt, die jetzt im aktuellen Film benutzt wird. Allerdings bedient sich der 71er Film der bekannten Charaktere Cornelius, Zira und Milo.

Alle weiteren Inhalte: Haustierseuche, Revolte der Affen (und Gleichberechtigung trotz Sieg der Revolution), Machtübernahme nach Atomkrieg findet der recherchierende Journalist im Internet.

Es ist sehr, sehr unangenehm, wenn ein Autor eine Kritik schreibt, wenn er nicht weiß, über was er schreibt. Peter Kohl hat wohl nie die 5 Teile, die Ende der 1960er bis Mitte der 1970er entstanden sind, gesehen. Vermutlich kennt er grob die Handlung des ersten Films – wobei die Geschichte des Planeten Erde ja im zweiten Film durch die Alpha-Omega-Bombe endet – und somit in Teil 3,4 und 5 auch nicht einfach weiter gesponnen werden kann. Und er macht sich leider nicht die Mühe, auch nur die Wikipedia dazu zu lesen.

Der aktuelle Film erzählt somit eine andere Geschichte – was ja grundsätzlich nicht schlimm ist – die alten Filme sind aus heutiger Sicht durchaus nicht immer gut gemacht. Aber schlicht etwas falsches zu schreiben – Rupert Wyatt erzählt eine neue Geschichte – und bedient sich dabei aber durchaus der alten Geschichte – die Hauptfigur heißt – wie schon früher Caesar und ist damals das Kind von Zira und Cornelius aus der Zukunft und heute eben das  Kind einer Laboräffin.

So viel Korrektheit muss sein. Und soviel Mühe sollte sich ein Autor machen – oder etwas nicht?

übrigens: auch bei der HNA: „Nach dem schwachen Affen-Remake von Tim Burton 2001 wird nun eine Vorgeschichte – neudeutsch Prequel – hinzugedichtet.“

der Stern: Weil dem nichts hinzuzufügen ist, hat Regisseur Rupert Wyatt („The Escapist“) keine Fortsetzung gedreht. Sein Film „Planet der Affen: Prevolution“ erzählt die Vorgeschichte dieses tierischen Endzeitszenarios.

die Welt: „Prevolution“ soll nun erzählen, wie alles begann und warum die Affen die Herrschaft auf der Erde übernehmen – eine Frage, die mindestens seit 1968 im Raum steht, als Charlton Heston in dem Filmklassiker von Franklin J. Schaffner als tapferer Astronaut seinem Raumschiff entsteigt, um von einer Horde überaus unangemessen intelligenten Affen geknechtet zu werden.

(und so weiter – alle erzählen den gleichen Käse…)

(Hab ich jetzt mal so ähnlich als Leserbrief an die BNN geschrieben, mal sehen, was zurück kommt)

Update: E-Mail der Kulturredaktion der BNN:

Sehr geehrter Herr Rupp,
vielen Dank für Ihre Zuschrift. Hier scheint tatsächlich ein bedauerlicher Fehler vorzuliegen oder zumindest eine irreführende Verkürzung, denn einerseits wird der Faden des ersten Films ja tatsächlich weitergesponnen (alle Filme bauen aufeinander auf), andererseits durch das Element der Zeitreise ein „Prequel“ geschaffen. Diese Wendung der späteren Fortsetzungen ist offenbar aber weitgehend in Vergessenheit geraten (bzw. nie richtig wahrgenommen worden), so dass die Produzenten des neuen Films sich leicht darüber hinwegsetzen konnten – wie Sie zu Recht bemerken, finden sich auch in anderen Kritiken keine Hinweise darauf. Dennoch hätte man den Aspekt des Neuansatzes vor diesem Hintergrund sicher anders einordnen können (ein früherer Termin der „Planet der Affen“-Nacht auf kabel eins hätte die Erinnerung unseres Kritikers vielleicht aufgefrischt…). Daher nochmals vielen Dank für Ihr Feedback, denn natürlich ist für uns die Korrektheit der gedruckten Angaben von äußerster Wichtigkeit.

Mit freundlichen Grüßen

A. J.

 

also Fernsehen…

…ist ja auch so ein Dauerthema.

Stern.de, eine der Seiten neben SPON, die ich schlagzeilenmäßig überfliege, berichtet vom Wiederholungswahn über die Feiertage bei den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern. Scheinbar ist man der Meinung, dass immer was neues kommen muss. (Man=Wolfgang Röhl). Nunja, hin und wieder kommt aber auch gar nix. Oder eben was, was man schon kennt. Das geht mir aber nicht nur bei ARDZDFSWRetc. so, sondern mindestens genauso bei den Privaten.

Und ich muss für mich sagen, dass ich ja auch über manche Wiederholung froh bin. „Notting Hill“ zum Beispiel würde ich mir nie auf DVD kaufen – aber ab und an eine Wiederholung ist doch nett. Und „Ist das Leben nicht schön“ ist so gut, dass ich den Video habe, wenn die Wiederholung an Weihnachten mal wieder spätnachts kommt.

Stefan Niggemeier hat in seinem Blog übrigens diese Liste als ziemlich falsch entlarvt – und wohl als die übliche Leier eines Journalisten, der gerne auf der „GEZ-Gebühren-abschaffen“-Welle schwimmt. Ich bin da übrigens sehr froh drum, schon beim Lesen des Stern-Artikels hatte ich das Gefühl, dass die Liste einiges umfasst, was auch im privaten TV wiederholt wird.

Ich sehe übrigens gerne die Öffentlichen Fernsehprogramme. und ich reg mich zwar über die GEZ auf, die regelmäßig meint, uns hier mit Anmeldungen von Kindern drangsalieren zu können, die hier nicht (mehr) wohnen, aber ansonsten finde ich die Finanzierung gerechtfertigt. Ich finde Werbung zwischen und zwischenzeitlich auch in den Filmen total nervig. Letzte Woche habe ich (eine Wiederholung von) „Postman“ gesehen, trotz der Kritik im Link finde ich, dass es ein guter Film ist (vom Schluss mal abgesehen, den ich als zu optimistisch betrachte). Der ging bis 2:30 Uhr und die Werbeunterbrechungen waren bei einem Film dieser Länge nur noch nervig. So oft kann man ja gar nicht zum Kühlschrank laufen oder mit der Partenrin reden, die schon lange selig schlief.

Ich finde das öffentlich-rechtliche Fernsehen wichtig, habe viele tolle Reportagen und Filme dort entdeckt. Ich liebe es, sonntags statt dem Polit-Klamauk Anne Will mir im ZDF Krimis zu schauen, die sonst vermutlich nirgendwo kämen. Ich schalte gerne um, wenn sich die deutschen „Comdedians“ auf Sat1RTLPROSIEBENetc. ihre platten Witze wiederholen. Und ich finde es wichtig, dass Filme wiederholt werden. Manches sieht man gerne zweimal, manches traditionell öfter – was wäre Silvester ohne „Dinner for One“? UNd was Fernsehen ohne Arte? Und wieso nicht einfach mal abschalten?