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Facebook und der Hass – es scheint sich was zu tun

Seit dem Februar 2015 gehe ich zusammen mit anderen Karlsruher Antifaschist*innen gegen eine Gruppe, die sich zunächst Kargida, jetzt „Widerstand Karlsruhe“ nennt, jeden zweiten Dienstag auf die Straße. 20 Mal zwischenzeitlich.

Lutz Bachmann hat recht erfolgreich über einen langen Zeitraum versucht, Pegida dem Anschein nach nicht zu weit nach rechts driften zu lassen. Dazu war es ihm offenbar wichtig, Leute, die ganz offenbar rechtsextrem verortet waren und auf die auch staatliche Behörden aufmerksam wurden, von den Redepulten fern zu halten. Und er hat natürlich versucht, Leute, die ihm seinen Posten als Chef der Bewegung streitig machen hätten können, ebenfalls fern zu halten. Denn er will der neue Führer dieser rechtsradikalen Bürgerbewegung sein, es soll alleine sein Verdienst sein. Das zeigt das Kapitel um seinen zeitweisen Rückzug Anfang des Jahres, der Installation einer OB-Kandidatin auf verlorenem Posten – diese Niederlage ist somit nicht seine – und das zeigt, dass sich am Ende die eine oder andere *Gida umbenannt hat – wie die Karlsruher.

Denn der Karlsruher Bewegung eigen war von Anfang an, dass sie irgendwie keine „gescheiten“ Redner*innen gefunden haben. Bachmann war in Villingen-Schwenningen an einem Sonntag – Zeit für Karlsruhe hat er sich am direkt darauf folgenden Dienstag nicht genommen. In Karlsruhe redeten bekannte Rechtsradikale wie Michael Merkle alias Mannheimer und Michael Stürzenberger, vom bayrischen Verfassungsschutz beobachteten bekannte Rechte. Beide mit einem hohen Willen, „etwas“ zu werden – zumindest mehr als Pi-News-Autor oder sonst irgendwie unbekannter Redner*in. Und Stürzenberger finanziert sich ja sein Leben mit seiner Redetour. Da muss irgendwann ein bezahltes politisches Amt draus werden – sonst verschwindet er wieder in der Versenkung. Bachmann weiß das, und hält diese Leute auf Distanz (was nur ein Aspekt des Ganzen ist). Das alles bescherte uns in Karlsruhe Auftritte von Thomas Rettig, der „Leiter“ der Karlsruher Demos mit seinen stinklangweiligen Reden, in denen er entweder seine Facebookposts wiederholt oder Ausflüge in den Antifeminismus macht oder erzeugt lokale Größen wie Mathias Bückle, der dann allerdings (wie um Bachmanns Vorsicht zu bestätigen) seine eigene Bewegung gegründet hat – und sich nicht nur mit seinen Reden, seinen Auftritten sondern auch mit der mangelnden Resonanz mehr als einmal blamiert hat.

Zentral ist neben pi-news für die Karlsruher „Widerstand“-Truppe ihre Facebookgruppe. Und zwischenzeitlich auch wieder eine #Kargida-Seite. Es ist wenig transparent, wer da was schreibt und aktuell gibt es wohl eine neue „Teamleitung“. Bislang sind diese beiden Präsenzen jedenfalls mehr schlecht als recht moderiert, es gibt immer wieder Gründe, Einträge juristisch prüfen zu lassen. Gleiches gilt für die der beiden Führer, Stürzenberger und das „Schreikind“ Ester Seitz.

Mit großem Tamtam beschweren sie sich nun, das Facebook endlich die seit langem geforderte  verstärkte Moderation bei Hassbeiträgen umsetzt.

zensurausrufezeichen

Es wird Zeit, denn Mannheimer, bekannter Neonazi, überschreitet gerne jede Grenze – um Aufmerksamkeit zu erreichen, zu provozieren. WiKa und Kargida haben ihn ja mehrfach reden lassen, beide Reden haben Strafanzeigen nach sich gezogen, eine einige Presseberichte. WiKa und Kargida machen sich seine Haltung zu eigen, teilen munter seine Beiträge – und müssen nun zumindest auf pi-news-Links ausweichen, was deutlicher macht, woher der Wind weht.

Stürzenberger hat es nicht zu der berüchtigten Berühmtheit von Mannheimer geschafft – in Tateinheit mit Ester Seitz hat er ja mit der Widerstand-Trupppe versucht, in Westdeutschland eine Alternative zu Pegida aufzubauen – und ist kläglich gescheitert. Das liegt nicht nur an den handelnden Personen hier, sondern eben auch an der Sockenpuppe Seitz, die mit schriller Stimme auf armseligen Niveau in Karlsruhe immer weniger Leute auf die Straße bringt. Es wird nicht mehr allzulange dauern – dann entledigt er sich ihr.

Aber auch ihr Profil ist wegen Hasspostings zwischenzeitlich gesperrt, auch Stürzenberger hat Probleme. Facebook reagiert also endlich und schließt ihre wichtigsten Kommunikationskanäle. Das ist gut – denn gerade Seitz scheiterte mit ihrer WOW-Gruppe ja schon daran, eine Webseite zu betreiben. Ein angeblicher Hack – und schon verweist sie nur noch auf Facebook. Das alles ohne ein „richtiges“ Impressum, versteht sich.

Es ist ein wichtiger Erfolg im Kampf gegen die Etablierung rechter Genossen hier in der Gegend. Neben Karlsruhe gibt es keine funktionierende *Gida mehr – Villingen-Schwenningen ist weg, Weil am Rhein kämpft mit ähnlichen Problemen wie Karlsruhe – keine Mobilisierung. Die Protagonisten fallen durch unterdurchschnittliches intellektuelles Niveau auf, die Leute hören über Wochen die immer gleichen Reden oder den Sermon, der vorher schon auf der FB-Seite stand. Man steht stundenlang in der Kälte, weil Wichtigtuer unendlich lange Reden halten, die sie alle 14 Tage halten und die einem auch inhaltlich die Füße auszögen – selbst wenn man irgendwie die Meinung teilen würde. Ich hab mich selten so oft fremgeschämt wie wenn ich den Reden zuhörte – die man ja bei Youtube anschauen kann. Meist halte ich es ob des Niveaus nicht länger als 3 Minuten aus. Irgendwann will da auch der letzte Patriot nicht mehr. Und das ist gut so.

Daher ist der Durchbruch bei Facebook nicht zu unterschätzen. Ihr wichtigster Kanal versiegt, wird enger, sie müssen aufpassen, was sie schreiben, können nicht mehr wahllos hetzen, Wahrheiten verdrehen und falsche Zahlen verbreiten, Angst schüren. Sie müssen sich an ein paar abendländische Regeln halten – was ihnen schwer fällt. Würde ka-news endlich das selbe in seinen Foren machen – die wichtigsten Kanäle, die auch die dümmsten Neonazis finden, wären dicht. Man kann nur hoffen, dass der neue Redaktionsleiter das endlich einsieht. Die Rolle der Medien in Karlsruhe wird jedenfalls auch Thema bei den Wochen gegen Rassismus sein. Ka-News wird dort ein negatives Beispiel sein.

engagiert euch gegen rechts – oder lieber doch nicht?

Am gestrigen Abend, 5.8.2015, gab es im Pavillon im Schlossgarten das 6. Stadtgespräch: Die Lehren aus 12 Jahren Nationalsozialismus (hier der Trailer dazu). In einer eindrücklichen Einführung, in dem Schüler die Ergebnisses eines Schülerprojektes über Gerhard Caemmerer vorstellten, der während der Nazizeit in Karlsruhe befreundete Juden versteckte und versorgte.

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Anschließend gab es eine Podiumsdiskussion, mit Ellen Esen, dem Innenminister Gall, ernst Otto Bräuche, Leiter des Stadtarchivs und Stefan Nüersch, als Teil der Schülerprojektgruppe, der die Ergebnisse in einer tollen Präsentation vorgestellt hatte, unter dem Titel

„1933: Karlsruhe unterm Hakenkreuz. 2015: Brauchen wir ein NPD-Verbot? Die Lehren aus 12 Jahren Nationalsozialismus“.

Caemmerer hat in Karlsruhe sicherlich mehr Aufmerksamkeit verdient (dass die von ihm gegründete Kanzlei heute den Pfadfinderbund Süd vertritt, würde ihm aber imho vermutlich zu schaffen machen).

Der Innenminister war sich nicht zu schade, Engagement gegenüber rechten Hetzern einzufordern und zu loben. Allerdings blieben Fragen offen. Ich hatte mich zu Wort gemeldet  und unter viel Beifall ein Statement abgegeben und folgende Punkte thematisiert:

  • Es dauerte in Karlsruhe bis in den April hinein, dass sich Presse und Oberbürgermeister auf die Seite derjenigen stellte, die sich seit Februar als Kargida, Pegida Karlsruhe und heute Widerstand Karlsruhe entgegen stellten
  • Bis heute wird diese Gegenbewegung kriminalisiert, wie ich es am eigenen Leib erfahren durfte
  • Nach wie vor wird Rechtsextremismus in Debatten in einem Atemzug mit Linksextremismus benannt, obwohl es verschiedene Dinge sind (was der Innenminister eine halbe Stunde dann auch gleich mal vorführte, in dem er Rechtsextreme, Salafisten und Linksextreme letztendlich gleichsetzte)
  • Die Antifa macht letztendlich die Drecksarbeit, stellt sich auf die Straße und wird dafür belangt, noch nicht einmal Mittel des zivilen Ungehorsams werden anerkannt. Über die Antifa wird abfällig berichtet. Und das, obwohl bspw. am Mittwoch durch die Infos aus dem Umfeld der Antifa ein Anschlag auf die Notunterkunft in Bruchsal verhindert wurde
  • Die (regionale) Presse hat kaum kritisch über die Rechtsextremen berichtet, sich kaum mit deren Inhalten auseinandergesetzt, letztendlich für sie ein Wohlfühlklima geschaffen – bis durch die Aufbereitung der Infos und der Übergabe dieser Zusammenfassung der OB sich auf die Seite der Antifa schlug. Erst dann kippte es, die Reden und Redner, die von Anfang an eindeutig waren, schafften dies nicht.
  • Medien stellen sich rechtsradikaler Wortergreifungsstrategien nicht entgegen, berichten verharmlosend über AfD und Pegida. Rassisten werden zu Asylkritikern, antimuslimischer Rassismus zu Islamkritik, Rechtsextreme zu „besorgten Bürgern“. Die Politik nimmt das hin und übernimmt sogar die Begriffe

Ich erhielt nicht nur Beifall, sondern in weiteren Redebeiträgen aus dem Publikum wurde teilweise ähnliches moniert. Leider sah auch der BNN-Redakteur, der moderierte, keinen Anlass zur Selbstkritik.

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Foto: Michael M. Roth, MicialMedia

Lehren aus 12 Jahren Nationalsozialismus? Wie Otto Bräuche richtig anmerkte, muss dafür unbedingt die Zeit der Weimarer Republik mit betrachtet werden und eine Gesellschaft, die eine Demokratie leichtfertig opferte. Dabei geht es nicht um Schuld – sondern um Verantwortung.

In Karlsruhe konnte man in den letzten 6 Monaten sehen, wie wenig die Wohlfühlgesellschaft Anteil nimmt an der Entstehung einer solchen Bewegung – die flankiert wird von der Politik. Seehofer möchte Zigeunerlager Abschiebezentren für Flüchtlinge vom Balkan an den bayrischen Grenzen errichten, die BNN berichtet nahezu völlig unkritisch über die AfD und ihren rechtsextremen Kern. Die ka-news beherbergt nach wie vor das Zentrum der Karlsruher Rassisten und Fremdenfeinde und bietet ihnen ein Vernetzungstool – und das noch nach außen anonym. Auf der Straße aber stellen sich den Rechtsextremen diejenigen entgegen, die man anschließend wieder kriminalisiert.

Die Gesellschaft schaut zu, die Politik fordert Engagement – aber diese Engagement darf nicht zu laut sein. Es war eine doppeldeutige Botschaft, die der Innenminister gestern Abend gab. Im Gegensatz dazu war der philosophische Ansatz des letzen Fragenden: wie stelle ich mich der NPD in mir und in meinem Umkreis entgegen, tatsächlich des Pudels Kern: kann ich wegsehen, wen über Asylbewerber geschimpft, Muslime diskriminiert und Roma verurteilt werden, nur weil sie anders sind, anders aussehen oder gar noch anders riechen, sich anders verhalten?

Zustimmung allenthalben – bei der nächsten Kundgebung gegen den Widerstand aber, so vermute ich – werden wieder viele Leute aus der Antifa und ein paar wenige Bürger_innen auf die Straße gehen – neben noch weniger politischen Aktivisten wie ich es einer bin. Auch weil zu viele Angst haben, es anschließend mit der Polizei zu tun zu bekommen. Was das über unsere Polizei und den Innenminister aussagt – das wäre eine spannende Debatte über die Lehre aus dem Nationalsozialismus.

Damals wurde bei Fluchtversuch geschossen

Ex-Pegida Karlsruhe, Ex-Kargida und heute Widerstand Karlsruhe.
So kommentieren sie aktuelle Ereignisse auf Facebook und anderswo:

Damals wurde bei Fluchtversuch geschossen

Hans H., am 18. Juni 2015, 18:26 als Kommentar zur Räumung des
Sitzstreiks an der Cote d’Azur
Stand jetzt: 3 Menschen gefällt das

meine Mutter ist vor vielen Jahren aus Ungarn vertrieben worden (1945) und wen es in Deutschland so weiter geht werde ich meine Rente in Ungarn verleben um nicht unter Muslimen und Ihren Gesetzten leben zu müssen. Ihr solltet stolz auf Eure Regierung sein und nicht den US Juden in den Arsch kriechen wie es unser Geschäftsführer tun.

Stefan W. am 19. Juni um 20:48
zur Berichterstattung im ZDF zu Zuwanderungspolitik in Ungarn
Stand jetzt: 3 Menschen gefällt das

Ich fordere den sofortigen Rücktritt dieser Muselschlampe!

Carmen W. am 6. Juni um 16:41
i
n Bezug auf Angela Merkel unter einem Bild,
auf dem Menschen eine Deutschlandfahne verbrennen
Stand jetzt: 3 Menschen gefällt das

Blutrünstiges, primitives Moslem-Faschisten-Gesindel! Sie gehören restlos ausgerottet! Lasst dieses türkische Moslemschwein deutlich spüren was es ist und wo es sich hier befindet!

Renè S. am 10. Mai um 11:39
zu einem Bericht über Erdogan, der in Karlsruhe war

 

Islamunterrich muss Pflicht sein.
Wie sollen die kleinen Lieben sonst wissen, wie man später korrekt einen Kopf anschneidet?

User „Je Suis Charlie“ am 20.06.2015 13:47 auf ka-news
zu einem Bericht über islamischen Religionsunterricht

Es stimmt. Kommen noch mehr, gibt es bald Krieg. Daher: Torpedo Mark48. Lautlos und kraftvoll.

 Michael E. am 12. Juni um 14:45
z
u einem Bericht über Aussagen zu den Schutzsuchenden, die in Italien ankommen, des Vorsitzenden der  rechtspopulistische, zunehmend fremdenfeindliche italienischen Partei „Lega Nord“

Gebt dem Penner einfach ein schärferes Messer und gut is

Peter B. am 2. Juni um 12:10
z
u einem Bericht über einen Asylbewerber, der sich gegen schlechtes Essen gewehrt hatte

Selbstmord bitte.

Alex B. am 3. Juni um 14:52
z
um selben Artikel

Unglaublich, was sich diese Asylschmarotzer herausnehmen

Matthias G. am 6. Juni um 23:41
g
leicher Thread

und so geht es immer weiter und weiter…..

rassistische und ausländerfeindliche Hater

am Beispiel eines Beitrags in der ka-news. Die ka-news haben heute, am Ostermontag, ein Portrait über die Bloggerin Lisa Hess berichtet, die, ähnlich wie Martin Gommel, den ich schon länger kenne, Fotos von Menschen in der Karlsruher LEA (Landeserstaufnahmestelle für Asylbewerber_innen) macht, sich mit ihnen unterhält und das dann verbloggt. Sie lässt sich auf die Menschen ein, macht diesen und sein Schicksal – soweit erfahrbar – hinter der/m anonymen Asylbewerber_in sichtbar.

Die ka-news berichten schon länger immer wieder über Blogs aus Karlsruhe und der Umgebung, stellen Macher und Intention vor.  Die Community, die ka-news-Nachrichten kommentiert, ist geprägt von Menschen, die aus dem Schatten der Anonymität in klassischer Hatersprache über alles und jeden herfallen, den sie nicht verstehen wollen oder oft genug auch können. Die ka-news sind im Besonderen geprägt von einer Gruppe Rassisten, die dem Umfeld der Karlsruher Kargida zugeordnet werden kann – man erkennt Sprache und Sätze aus Kommentaren und Facebook teilweise wieder. Die Redaktion lässt das meines Erachtens schon zu lange laufen – Off-Topic-Beiträge werden ebenso selten gelöscht wie echte Beleidigungen und ausländerfeindliche oder hasserfüllte Kommentare.

Der Beitrag erschien heute morgen – und es dauerte bis kurz nach der Mittagszeit, wohl bis alle aufgestanden waren und dann entluden sich die ersten Kommentare – der bekannten Protagonisten hinter ihren Pseudonymen:

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Und natürlich fallen sie auch, anonym, über den Blog her:

 

 

 

 

 

 

Stand 14:00 Uhr gibt es knapp über 50

 

 

 

 

 

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Kommentare, bei Themen, die sich um Asyl drehen, sind es meist über 100 oder auch 200, manchmal auch mehr. Es endet meist in persönlichen Anfeindungen gegen einzelne Nutzer, die sich dem entgegenstellen. Befeuert wird das vom seltsamen Faible von ka-news, Polizeiberichte über Straftaten sehr breit zu veröffentlichen – und obwohl da die meiste Hetze stattfindet, Kommentare zuzulassen.  Früher dachte ich, auch da gilt „kein Fußbreit“ – zwischenzeitlich lese ich die Kommentare und die Artikel kaum noch. Aber diese Arbeit diese jungen Frau,  so in den Dreck zu ziehen, abzuwerten, sie persönlich abzuwerten – das ist eine typische Art und Weise, wie ich sie hier im Artikel „Sie sind da“ beschrieben habe.

Forciert wird das alles von einer in Karlsruhe von Rechtsextremen

getragenen Bewegung namens Kargida. Vergleicht man Beiträge bei Facebook und den ka-news, dann kriegt man die Leute auch ziemlich eindeutig eingekreist und ahnt zumindest, wer wer ist. Es gibt ein paar Leute, die dagegen anschreiben, so wie ich lange Zeit. Als am Ende die Angriffe zu persönlich wurde und Hausbesuche angedeutet wurden – löschte ich meinen Zugang.

Dieser junge Frau ist ebenso wie Martin Gommel Wertschätzung entgegen zu bringen – weil sie sich nicht darauf verlassen, was sie lesen oder hören – sondern sich ein Bild von den Schutzsuchenden machen. Ein Bild, dass zeigt, dass Menschen zu uns kommen – keine anonymen Zahlen an Flüchtenden. Keine Fluten – sondern Menschen, die teilweise ein schreckliches Schicksal haben – und denen diese Leute aus Gier, Neid und Missgunst, aus Verachtung für andere und Hass auf alles, was sie nicht kennen, selbst die grundlegende Hilfe verweigern würden. Die von Wirtschaftsflüchtlingen reden – ohne anzuerkennen, dass unser Asylsystem lange nicht mehr der Lage auf der Welt gerecht wird. Was machen wir, wenn morgen die ersten Küsten überschwemmt werden. Nehmen wir dann auch die CO²-Flüchtenden nicht auf – Opfer unseres umweltzerstörenden Wirtschaftens? Die, wenn sie argumentativ in der Sackgasse landen, immer behaupten, diese Menschen wären kriminell.

Ich bin mehr denn je überzeugt, dass es keine illegalen Schutzsuchenden in Europa geben kann. Europa ist reich und es gibt genügend Platz. Wer eine Perspektive hat, wird sich integrieren. Wer die Sicherheit hat, dass der Schulplatz morgen nicht von Vandalen verwüstet ist und das Ausbildungsunternehmen auch morgen noch steht – wird sich einlassen auf ein staatliches System, das jedem eine Chance bieten kann. Und die profanste Botschaft ist: wo Menschen kommen, kommen eben nicht nur nette Menschen. Aber dafür gibt es einen Rechtsstaat, der niemanden bevor- oder benachtieligen soll. Auch wenn es Rechtspopulisten immer und immer wieder behaupten.

Es braucht mehr Blogger_innen wie Martin und Lisa.

KARGIDA toleriert Gewalt

Über mehrere Jahre schlug ich mich mit Karlsruher Rechtspopulisten und Neonazis, Rassisten und anderen Menschen, von denen ich nicht geduzt werden möchte, online in ka-news-Kommentarspalten herum. Getreu dem Motto „Keinen Fußbreit den Rassisten“ habe ich dort versucht, den immer und immer wiederkehrenden rechten Umtrieben etwas entgegenzusetzen, widerlegt, diskutiert. Ende letzten Jahres habe ich meinen Account dort gekündigt – mit folgender Begründung:

ja, es gibt einen speziellen Grund. Die Moderation ist leider nicht gut genug, es wird gemobbt, beleidigt, beschimpft, Unwahrheiten verbreitet. Es gibt Nachrichtenportale, die das besser im Griff haben. Ich weiß natürlich auch, dass ka-news nicht gerade das reichste Blatt im Land ist.

Vielleicht finden Sie ja irgendwann einen Weg, das anders zu gestalten. Die Effekte nach Bekanntgabe der neuen Etikette sind völlig verpufft, Leute melden sich mit mehreren Nicknamen an oder eröffnen einfach wieder einen neuen, nachdem sie gesperrt wurden und trauen sich sogar, das in ihre Beiträge zu schreiben.

Wenn Sie durch Werbeanzeigen oder ähnliches die Möglichkeit hätten, Vergünstigungen anzubieten würde ich mir an Ihrer Stelle überlegen, ob Sie keine Ehrenamtlichen suchen wollen, die einen Teil der Moderation übernehmen – für ein Ticket vom KVV oder für ein Konzert oder Rabatte bei Anzeigenkunden. So ist das leider nicht mehr sehr angenehm und ich will mich einfach nicht länger diesem Mob aussetzen. Ja, ich weiß, dass ich durchaus auch mal provoziert, aber im großen und ganzen glaube ich, hab ich über die vielen Jahre die Form gewahrt.

Der Redakteur hat das bedauert und mich gebeten, das zu überdenken und ich habe geantwortet:

Mir wird das echt zuviel, die Angriffe unter der Gürtellinie nehmen mehr und mehr zu. Lesen werde ich weiterhin, kommentieren nicht mehr. Gerade die User, die nach einer Sperrung sich sofort einen neuen Account anlegen, sind ein großes Problem – dass Sie nicht in den Griff bekommen.

Ich denke, das man davon ausgehen kann, dass sich KARGIDA und Pegida Karlsruhe aus diesem mindestens rechtspopulistischen und offen fremdenfeindlichen Pool zumindest teilweise rekrutiert. Daraus resultierend war es natürlich sehr unangenehm für diese Leute, dass ich einer der Initiatoren und Organisatoren der NoKARGIDA-Kundgebung mit 1500 Menschen am 26. Januar war. Und der Betreiber der KARGIDA-Seite fühlte sich offenbar durch meine Person so provoziert, dass er das Spiel, das bei ka-news begonnen hatte, fortsetzte und Artikel auf der KARGIDA-Seite postete, die sich mit mir als Person beschäftigten – unter anderem ein Foto von der Kundgebung gegen den Versuch einer KAGESA-Kundgebung am 6. Dezember, bei der ich mit Mitgliedern der grünen Jugend ein Antifa-Transparent gehalten habe. Dieses Foto war schon Thema im ka-news-Forum gewesen.

Unter einem weiteren Artikel fand sich dann obiger Beitrag eines Mario Wackenhut aus Brackenheim, der von hier stammt und unter anderem bei Argus Fluidtechnik gearbeitet hat. Er hat dazu aufgerufen, mich einfach umzulegen, mich Sau. Mithilfe von Facebook wurde dann die KARGIDA-Seite gestern Abend gelöscht und ist zumindest bis auf weiteres nicht erreichbar.

umlegen2

Pegida Karlsruhe hat sich dann gestern Abend kurz vor Mitternacht dazu zu Wort gemeldet, offenbar, nachdem sie meinen Beitrag über die Offline-Meldung von KARGIDA gelesen hatten:

pegida_Stellungnahme_Kargidaweg

Angesichts der Umstände und auch der Tatsache, dass KARGIDA von dem Gewaltaufruf Kenntnis hatte, kann dieser Beitrag nur als Hohn bzw. Leugnen der Realität bezeichnet werden, der Aufruf an die „Gegenseite“ als Unverschämtheit.

KARGIDA und PEGIDA Karlsruhe haben damit offen gezeigt, dass ihre Distanzierung von Gewalt nur Lippenbekenntnisse sind.

Übrig geblieben ist nun Pegida Karlsruhe. Diese versuchen, diesen Vorgang zu verharmlosen. Aber damit ist klar, dass die gesamte Gruppe, die zur Pegida-Demonstration in Karlsruhe aufruft, Gewalt zumindest mittelbar toleriert. Die Threads über meine Person waren so angelegt, auch mit verächtlicher Sprache, dass davon ausgegangen werden kann, dass eventuelle Gewalt gegen mich persönlich billigend in Kauf genommen wurde.

Es gab vom Betreiber von KARGIDA noch von Herrn Wackenhut, dem Gewaltaufrufer, weder eine Entschuldigung noch eine Distanzierung von dem Gewaltaufruf – im Gegenteil, Herr Wackenhut hat mein politisches Profil blockiert. Damit muss er auch ernst genommen werden. Da er laut eigener Auskunft in verschiedenen Facebook-Postings weiterhin einmal wöchentlich in Karlsruhe ist, obwohl er in NRW wohnt, noch mehr.

Ich habe daher Strafanzeige gestellt. Gegen Herrn Wackenhut – und gegen den KARGIDA-Betreiber. Denn nach dem Telemediengesetz ist jeder Facebook- und Google-Plus-Nutzer Diensteanbieter weil man die Seite selbst gestaltet hat und der einzige ist, der die Möglichkeit hat, darauf Inhalte zu löschen.

Die gerade noch in Baden-TV getätigten Verlautbarungen von Thomas Rettig zur Gewaltlosigkeit der KARGIDA , der unter „Tea Party Karlsruhe“ firmiert hat, und sich bei der „Freien Welt“, wo er auch Autor ist, sich so äußert:

Das größte Glück ist weder eine funktionierende Partnerschaft bzw. Ehe, noch der Bau eines Eigenheims oder die Familiengründung. Für mich wäre das größte Glück Frieden in Christus. Der kostet allerdings die Mühe, den geistlichen Kampf zu kämpfen (Epheser 6,10 bis 17), den Kampf gegen die Mächte der Finsternis: Gegen den Wohlfahrtsstaat, gegen die autoritätslose Erziehung, den Feminismus, die Übersexualisierung, die Political Correctness, das Spießbürgertum und generell gegen die angeborene Undankbarkeit und Bosheit der Menschen, die zu bändigen unsere sterbende Kultur kaum mehr in der Lage ist (www.liberalkonservative.de/#Christentum). Vorbilder: Martin Luther, Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Dietrich Bonhoeffer, Anselm Grün

sind daher ebenfalls als Farce entlarvt. Wer dort mit mitläuft, läuft mit Gewaltverharmlosern, Gewaltaufrufern und Gewalt billigend-in-Kauf-Nehmern.

Die ka-news gelten übrigens bei den Leuten, die die rechte Szene in Karlsruhe beobachten, zwischenzeitlich als zentrales Vernetzungsforum für die Karlsruhe Szene. Es wird Zeit, dass man sich dort Gedanken darüber macht, wie man zukünftig mit dem rechten Mob in den eigenen Kommentarspalten umgeht.

Update: Kargida ist zurück. Es hat wohl den ganzen Tag gedauert, bis sie Facebook überzeugt hatten, dass das zukünftig besser wird. Und es sind sehr viele Beiträge gelöscht. Ich werde die Seite weiter beobachten

Karlsruhe gegen Kardiga

Am Sonntag nachmittag wurde es Gewissheit – die rechte Szene versucht in Karlsruhe unter dem Namen „Kargida“ eine #Pegida-Demonstration zu organisieren. Natürlich organisiert man sich via Facebook. Mit einer Karlsruher Expertin für Rechtsextremismus, die die Karlsruher Szene gut kennt, habe ich am Sonntag um 15:32 Uhr „Karlsruhe gegen Kargida“ eröffnet, um zumindest auch in den sozialen Medien zu demonstrieren, dass mehr Karlsruher gegen diese Truppe der Verirrten bereit ist, einzutreten, als welche dafür sind.

Aufmerksam geworden bin ich auf sie, weil ich vorletzte Woche bedroht wurde – und derjenige, der das getan hat, einschlägig bekannt ist. Über ihn hatte ich einen aktuellen Zugang zur Szene und mit ein paar Links fand ich plötzlich die „Kargida“-Seite.

brügmann

 

Gesagt, getan – Sonntag starteten wir mit 2 „Gefällt mir“ bei Facebook, heute abend haben wir „Kargida“ überholt. Karlsruhe stellt sich schon online gegen die *giden – ein gutes Zeichen. Im ka-news-Forum ist zu lesen, dass sie auf jeden Fall eine Kargida-Demo starten wollen – nun, ich bin nicht bange, dass sich Karlsruhe ihnen entgegenstellt – wie es in Kassel, in Bonn und überall außer in Dresden geschehen ist.

Was über die Pegiden zu wissen ist, kann man diesem ausgezeichneten Beitrag des NDR entnehmen, der sie ungekürzt und ungefiltert hat zu Wort kommen lassen:

Ich selbst erlebe nun, dass das konsequente Einstehen gegen Rechts, mit vollen Namen, dazu führt, dass man bedroht oder beschimpft wird.

ronny_franke

 

 

Herr Franke behauptet weiterhin, Unternehmer zu sein, hat auch noch solche Sätze auf Lager:

Dann nehme dir drei Ausländer mit heim und lass sie von deinem Geld leben meine Steuergelder die ich als Unternehmer zahle sollen meinen Kinder zu gute kommen nicht den Ausländern die hier denken das wäre ihr Land

Passt gut ins Bild und deckt sich mit der Argumentationslinie, die ich auch schon hier beschrieben habe oder die ich aus dem ka-news-Forum kenne.

Wer also einen Facebook-Account hat und gerne ebenfalls ein Zeichen setzen will, gegen die Fremdenhasser, die Reichsbürger_innen, die Nazis und Islamophoben, kann das gerne hier tun:

Karslruhe gegen Kardiga