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Artikel-Schlagworte: „Kinder“

Familie oder nicht?

Die Frankfurter Allgemeine titelt:

Warum ist das mit den Kindern so kompliziert?

Trotz aller Anreize werden wenig Kinder geboren. Das größte Hindernis, so fand das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung heraus, sind die kulturellen Einstellungen: Das Leben mit Kindern gilt als anstrengend und soll perfekt gelingen. Muss das so sein?

Es folgen eine Reihe von Zustandsbeschreibungen dieser Republik von verschiedenen Autor_innen – von Familienfreundlichkeit, die man sich erkaufen muss, weil es sie sonst angeblich nicht mehr gäbe, bis hin zu den Müttern, die ausschließlich und nur erst mal Teilzeit arbeiten, zum Klotz am Bein, der Forderung nach Steuerfreiheit. Einzig Sandra Kegel schreibt:

Denn Kinder versprechen eine Glückserfahrung, die mit Geld nicht aufzuwiegen ist – weil sie dem Leben einen Sinn geben.

Ich würde jetzt nicht so weit gehen, und den Sinn meines Lebens “nur” an den Kindern festmachen. Aber diese Artikel machen mich wütend – weil er den Blick verstellt, auf das, was Leben mit Kindern bedeutet. Auch in den zwischenzeitlich beinahe hundert Lesermeinungen zum Artikel finden sich wenige positive Artikel zum Leben mit Kindern. Von Menschen, die Kindernnutzen berechnen bis hin zur üblichen Tirade auf Feministinnen, die

 die mit ihrer unsäglichen Gegenderei Leid und Unfrieden verursacht haben

Ich habe zwei Familien gegründet. Die erst noch ganz jung. Mit 19 bin ich zu meiner anschließend ersten Frau gezogen, die schon ein Kind hatte. Wir haben zusammen drei weitere bekommen. Und und 1998 scheiden lassen. 2003 und 2008 haben meine zweite, jetzige Frau und ich zwei Jungs bekommen. Zwischen (eigenem) Kind drei und Kind vier liegen 11 Jahre, fast auf den Monat genau.

Ich erinnere mich gut, dass ich als Kind mir immer vorstellte, viele Kinder zu haben. Ich konnte auch als Jugendlicher immer gut mit Kindern umgehen. Vielleicht hätte ich Erzieher lernen sollen. Zum ersten Kind konnte ich keine Entscheidung fällen. Es war schon da und ich nahm es an. Und auch wenn er heute nach einer sehr strittigen und emotional verletzenden Trennung und Scheidung nicht mehr mit mir spricht, so wird er doch immer irgendwo mein Sohn bleiben. Von den anderen Söhnen möchte ich keinen missen. Jeder ist anders, alle sind sich ähnlich.

Ich kann Kinder nicht in Nutzen berechnen. Ich beschwere mich nicht über mangelnde Perspektiven mit Kindern. Ich suche einen Weg. Und finde ihn meist. Ja, Kinder erfordern Opfer. Wenn man den Verzicht auf jährlichen Urlaub in der Karibik oder schon in der Türkei oder Ägypten als Opfer empfindet. Sofern man sich das nicht trotzdem leistet…

Für mich war es nie ein Opfer, auf weite und teure Urlaubsreisen zu verzichten. Ich brauche kein Hotel, kein All-Inclusive. Uns reicht ein Campingplatz. Den größten Luxus, den wir uns leisten, ist das schon aufgebaute Zelt oder ein Wohnwagen. Ferienwohnung. Ich muss mich nicht darüber beschweren, dass sich meine Kinder in Hotels “benehmen” müssen. Nicht mit sandigen Füßen und nassen Badehosen am Tisch sitzen können. Ich gehe dahin, wo es niemanden stört. Ich schaue in Kindergarten und Schule, dass es dort so abläuft, wie ich mir das vorstelle – unter der Prämisse, dass es meinem Kind gut geht. Ich kämpfe wie ein Löwe und finde Kompromisse. Einer meiner Söhne geht auf eine freie Schule, weil er im regulären Schulsystem nicht zurecht gekommen ist. Einer ist mit ADS und Legasthenie so diskriminiert worden, und hat am Ende mit Glück doch noch einen Lehrer gefunden, der ihn nahm, wie er ist, seine Stärken förderte und ihn so dazu brachte, nach der Hauptschule noch die mittlere Reife zu machen und nun eine Ausbildung macht. Einer studiert, einer schaut grad, wo der Hase lang läuft und der Kleinste wird heraus finden, dass er nicht die ganze Familie herumkommendieren kann. Sie sind 6 Menschen, deren Existenz an keine Bedingung geknüpft ist. Deren Wohlergehen mir selbstverständlich am Herzen liegt. Die aber gleichzeitig mir den Raum lassen müssen, um mir selbst gerecht werden zu können.

Man bekommt nie das Ideal. Verzichten lernen heißt sich selbst zurück nehmen. In meiner ersten Ehe hatte ich nur noch die Wahl zwischen Einkommen herbei schaffen und Familienleben. Zu mehr gab es keinen Raum. Daher – und aus ein paar Gründen mehr, die aber hier nichts zur Sache tun – musste ich mich trennen, weil es keine Abhilfe gab. In meiner zweiten Ehe habe ich von Anfang an meinen eigenen Platz gesucht. Keine Aufopferung mehr. Leben mit Kindern, das eigenes Leben und Verwirklichen mit einschloss.

Denn Kinder können auch lernen, dass ihre Eltern eigenständige Personen sind, mit eigenen Bedrüfnissen und keineswegs perfekt. Die auch mal weinen, zornig sind, ungerecht, fehlerbehaftet und verletzt. Die Grenzen kennen und einfordern. Und trotzdem einen lieb haben, bedingslos. Egal welchen Mist sie bauen. Egal, wie zornig sie einen machen. Egal, wie unfair sie selbst zum eigenen Kind sein können. Wie desinteressiert auch manchmal an dem, was sie tun, weil man garnix damit anfangen kann, was sie da tun.

Kinder zu haben ist ein Wert an sich. Sie die Welt kennen lernen zu sehen, ihren Weg finden zu sehen, mitzuerleben, wie sie ihren Platz finden, wie sie mit einem und sich  selbst kämpfen ist eine ungeheure Erfahrung. Wie sie heraus finden,was sie können und was sie nicht können. Sie los zu lassen, die schwierigste und befreiendste Erfahrung, die man sich täglich neu erarbeiten muss.

Am Ende befriedigt ihre bloße Existenz. Kein Geld der Welt, kein Amt, kein Mandat, keine Reise nach Südafrika oder zum Mond können mir das bieten, was mir meine Kinder abverlangen: mich täglich zu hinterfragen, sie zu lieben, sie kommen und gehen zu lassen und heraus finden, was sie einfach so von mir und von anderen haben, gelernt haben oder mit der Muttermilch aufgesogen – wie man so schön sagt. Am Ende gehen sie hinaus in die Welt, alleine und eigenständig.

Das Leben mit Kindern gilt als anstrengend und soll perfekt gelingen

Nichts gelingt perfekt und alles, was einem nicht gerade so gelingt, ist anstrengend. Auch ein Leben ohne Kinder ist anstrengend. Für die allermeisten Menschen. Und was bitte ist “perfekt”. Eigenes Haus, 20 Geschenke zu Weihnachten und Geburtstag. Urlaub? Oder ganz einfach ein Leben gemeinsam, mal mehr (zu Beginn), mal weniger (so ab 10 Jahren :-) . Gelebt vom Willen, es gut zu machen und respektvoll? Ich glaube, für ein perfektes Leben mit Kindern braucht es nichts von dem, da geschrieben wurde bei der FAZ. Sondern nur den Willen, ihnen gerecht zu werden, ihnen zu vertrauen, für sie da zu sein, wenn sie einen brauchen und sie ins Leben zu entlassen und zu einem aufrechten Menschen zu “erziehen” – was immer “erziehen” auch bedeuten mag.

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Grüne Familienpolitik

Seit nunmehr 12 Jahren kämpfe ich innerhalb der grünen Partei um eine gerechtere Familienpolitik, die einen Ausgleich zwischen den berechtigten Interessen von Frauen, Männern und vor allem Kindern schafft. In einem wegweisenden Urteil hat in diesem Jahr der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Verbesserung der rechtlichen Stellung von ledigen Vätern gegenüber Müttern und geschiedenen Vätern verlangt.

Nun hat die grüne Bundestagsfraktion einen Antrag zur Umsetzung eben dieses Urteils eingebracht. Ich habe diesen Antrag sorgfältig gelesen. Er gefällt mir in weiten Teilen gut, aber es gibt auch Kritikpunkte. Diese Kritikpunkte brechen in meinen Augen den von uns GRÜNEN immer propagierten Kurs des Gender Mainstreamings, weil er einseitig Männer in eine schlechtere Position bringt bzw. einseitig als Verursacher benennt:

Punkt 1 sowie der gesamte Antrag räumt Vätern keine Möglichkeit ein, die Vaterschaft einzuklagen. Was hilft ein Klagerecht auf gemeinsame elterliche Sorge, wenn vorher schon die Frau durch einfache Nichtnennung des Vaters jegliche rechtliche Handlungsmöglichkeit des nichtehelichen Vaters aushebeln kann?

Darüber hinaus fehlt die dringend notwendige Einspruchsmöglichkeit gegen eine Freigabe des gemeinsamen Kindes zur Adoption, sofern die Mutter den Namen des Vaters nicht nennt. (wie im Falle Görgülü)

Die Mediation sollte verpflichtend entsprechend dem Cochemer Modell verankert werden.

Wenn das Kind ein eigenständiges Recht auf Übernahme und Ausübung der elterlichen Sorge durch beide Eltern haben soll, dann muss es auch einen unabhängigen, eigenen Anwalt haben.

Der Gewaltschutz sollte vor allem für Kinder explizit benannt werden, weil Kinder zur Hälfte Opfer von Gewalt durch Frauen werden. Natürlich ist der Schutz von allen im Verfahren Beteiligten zu gewähren.

Der Teil mit dem Unterhaltsvorschussgesetz benennt einseitig Männer als Unterhaltsschuldner, obwohl prozentual mehr Frauen unterhaltssäumig sind. Selbst wenn man das nicht annähme, gibt es genügend Fälle, um hier beide Geschlechter zu benennen. Das nicht zu tun, ist fahrlässig, falsch und politisch ein Skandal. Darüber hinaus verkennt dieser Teil, dass selbst bei massiver Sanktionsandrohung und Einschaltung auch privater Inkassounternehmen nur bis ca 1/3 aller Unterhaltsvorschussbeträge rückholbar (ein Beispiel aus Bayern) waren. Dazu gibt es genügend Untersuchungen aus den letzten Jahren. Und es liegt nicht an der Zahlungsunwilligkeit – diese UnterhaltszahlerInnen können schlicht nicht bezahlen. Insofern muss die Einschränkung des Unterhaltsvorschusses auf 72 Monate bzw. max 12. Lebensjahr aufgehoben werden und Unterhaltsvorschuss uneingeschränkt bis zur Vollendung des 25. LJ – analog zur Unterhaltspflicht bei Hartz IV – bezahlt werden.

Schade, dass man die innerparteiliche Fachlichkeit so wenig abruft.

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Leserbriefe

Kurzkommentar:

Ich habe diese Woche einen Leserbrief geschrieben, weil im taz-Artikel zur gemeinsamen Sorge von unverheirateten Vätern mal wieder die Angst vor prügelnden Vätern in den Vordergrund gestellt wurde. Gut, kann man erwarten, wenn es von den Frauenhäusern kommt. Von einer Zeitung erwarte ich dann aber etwas differenzierende Berichterstattung, so beispielsweise die Erkenntnis, dass Mütter ihre Kinder ungefähr genauso oft schlagen wie Väter. Dazu gibt es genügend scheuklappenlose Erkenntnisse. Die taz aber nun kürzt meinen Leserbrief aber dann genau um die kursive Stelle:

Selbstverständlich müssen Gewaltopfer geschützt werden. Und es ist eine berechtigte Forderung, dass Frauenhausadressen geheim bleiben müssen. Aber wenn es um die Kinder geht, um elterliche Sorge, dann steht das eben hintendran und nicht vornedran. Dann muss der Kontakt eben über Dritte wie Großeltern oder Jugendamt gewährleistet werden. Denn die Strafe für Körerverletzung heißt nicht: lebenslanger Kinderentzug oder Entväterung.

Darüber hinaus bleibt windmühlenartig zu wiederholen: Kinder werden zu gleichen Teilen Opfer von Gewalt durch Männer und Frauen. Wenn eine Frau ihr Kind drischt, soll man sie dann auch davon ausschließen, über die Schule ihres Kindes eine Entscheidung treffen zu dürfen? Oder ihr lebenslang den Kontakt zu ihrem Kind untersagen dürfen?

Das ist regelrecht sinnenstellend. Und ich finde es schlimm, weil es genau dieser Aspekt ist, der im Ursprungsartikel fehlt und damit einseitig Gewalt Vätern zuordnet. Leider erlbt man das in der Debatte um Gewalt immer wieder. Nicht das Opfer muss geschützt werden, sondern der männliche Täter soll angeprangert werden. Schade taz.

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vom Lesen mit Kindern

So früh als möglich haben wir den Kindern vorgelesen. Zunächst Bilder- und Pixi-Bücher und einfache Sachen, von klassischer Kinderliteratur bis hin zu heute aktuellen Buchtiteln. Rituale sind für Kinder wichtig und so gehört bei uns eben dazu, dass den Kindern abends normalerweise vorgelesen wird, neben einem Gute-Nacht-Lied. Wir tun das so weit als möglich abwechselnd. Und wenn ich das größere von den kleinen Kindern morgens wecken muss, weil er’s alleine nicht schafft, dann weck ich ihn mit einer umgetexteten Version von “Wer hat an der Uhr gedreht, …”, das früher beim Abspann zu “Paulchen Panther” lief. Er mag das total gern, dass es ein Lied “nur für ihn” gibt.

Jakob (6) bekommt daher zu Weihnachten, Geburtstag und anderen Anlässen immer auch ein Buch geschenkt. Als er 2 war, war ich stationär in einer Klinik und ich hab ihm von dort aus ein Buch geschickt, dass wir dann gemeinsam gelesen haben. Das hat ihm sehr über die Zeit geholfen und anschließend konnte er fast auswendig.

Petterson und Findus gehört dabei genauso dazu, inklusive von 1. Dezember bis Ende Januar der Weihnachtsfilm – da kann er nicht genug davon bekommen. Wir haben “Urmel” gelesen, Jim Knopf auf Videos angesehen und gleichzeitig gelesen. (einen VHS-Videorekorder zu besitzen, spart durchaus Geld in der Anschaffung solcher Filme). Interessanterweise mag er Ottfried Preussler überhaupt nicht, was ich sehr schade finde, denn ich kann mich aus als Erwachsener mal in ne Ecke verdrücken und den “Räuber Hotzenplotz” weglesen. Dafür mag er den Pumuckl, der mir immer eher suspekt war….Aktuell lesen wir “Seeräuber Moses” von Kirsten Boie. Ein sehr zu empfehlendes Buch.

Ein Nebeneffekt: Jakob hat nie so richtig einen Draht zum Fernsehen bekommen. Zwischenzeitlich schauen wir natürlich die Sendung mit der Maus, sofern wir sonntags zur Sendezeit zu Hause sind. Und er hat jetzt auf dem Kinderkanal ziemlich alle Folgen von Yakari gesehen – aber mit dem Einstellen der Serie ist das auch wieder vorbei. Wenn ihn etwas fasziniert, dann dauerhaft. Als Konsequenz daraus heißt unsere Katze “Miss Sally” – der (weibliche) Porsche aus dem Disney-Film “Cars”.

Zwischenzeitlich hat er einen Stapel Pixibücher bei sich im Bett, in denen er abends noch liest. Irgendwann, so hoffe ich, liest er auch “meine” ersten Bücher. Zentrales Medium aber bleiben für ihn bislang die Bücher, auch nachdem er fast ein ganzes Jahr schon auf der Schule ist und wir beinahe erwartet hatten, dass sich das ändert, trotz Videos, trotz Hörspielen.

Wichtig scheint mir dabei, dass das Vorlesen keine Einmalveranstaltung ist, sondern regelmäßig zum (Bettgeh-)Ritual gehört. Eine Geschichte oder ein Kapitel, wenn’s mal besonders spannend ist, auch mal zwei. Keine 5 Pixibücher, sondern eins. Zugang über andere Wege zur Geschichte sind ebenfalls wichtig, so kann er die Phantasie und das Erleben mit den Figuren verschiedenartig ausleben: Buch, CD, DVD, Figuren, Spiel. Als er eine angstvolle Phase hatte, wachte abends Frau Mahlzahn an der Kinderzimmertür über seinen Schlaf und am Treppenaufgang hängt ein mit Mama gemaltes Bild einer Gruppe von Indianers, die aufpassen, dass keine Räuber kommen….

Fazit: das Interesse an frühmorgendlichem Fernsehkonsum ist recht gering, kommt aber schonmal vor. Unser Kind geht eher raus und spielt mit Freunden, als dass er sich mittags vor Super-RTL setzt – zumal bei uns der Fernseher vor sieben nicht bzw. nur gezielt angeht (Yakari bzw. DVDs) bzw. zwischenzeitlich halt wieder erst zur Landesschau. Und er freut sich sehr über die Bücher und neue Geschichten. Ich hoffe mal, dass das so bleibt.

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vom Hass auf Andersdenkende

Im Jahr 1998 beschloss mein damals 8-jähriger Sohn, dass er nicht mehr bei seiner Mutter leben wollte. Nachdem ich seinen Wunsch auf Ernthaftigkeit geprüft hatte und sicher war, das es dass war, was er wollte, wandte ich mich hilfesuchend ans Jugendamt und versuchte mit ihr eine Einigung zu treffen – denn einfach so konnte und wollte sie wohl nicht zustimmen. Anfang August 1999 fand dieser Termin statt. Am Freitag davor telefonierte ich mit ihr, es war Umgangswochenende, die Kinder waren bei mir – mein Vater hatte sie schon bei ihr abgeholt. Sie äußerte eindeutig ihre Zustimmung zum Umzug, sodass wir am Wochenende schon Pläne schmiedeten. Dann kam Mitte der Woche der Termin. Einer ihrer ersten Sätze war, dass sie dem Umzug nicht zustimmen würde, weil die Betreuung des Kinder nicht gewährleistet wäre, weil ich Vollzeit berufstätig war. Das Jugendamt hatte keine Handhabe, in die eine oder andere Richtung zu intervenieren und ich hatte keine große Ahnung, was möglich war und was nicht. Am nächsten Tag reichte ich die damals schon seitens meiner Rechtsanwältin vorbereitete Klage ein mit dem Ergebnis, dass er im Oktober 1999 aufgrund einer am Tag der Gerichtsentscheidung gefällten Zustimmung meiner Exfrau endlich zu mir ziehen konnte – wobei das Urteil trotzdem noch entsprechend gesprochen wurde.

In der Folge kam ich in Kontakt mit der im Internet aktiven Männer- und Väterbewegung, damals noch überwiegend in Foren aktiv. Ich benötigte Unterstützung in allem familienrechtlichen Angelegenheiten. Am Ende sollte dieser Streit andauern, mit Unterbrechungen bis eigentlich heute in verschiedenen Ausprägungen und Intentionen.

Ich benötigte auch Wissen, dass ich mir durch Beiträge in Foren und aktive Hilfe, wälzen von Rechtshilfeseiten angeeignet hatte. Wissen, damit ich nachvollziehen konnte, was meine Anwältin da machte und schrieb und warum. Mit der Zeit war ich selbst in der Lage zu beraten. Und mehr und mehr wurde mir die politische Dimension bewusst. Und grenzte mich sehr schnell von der radikalisierten Männerbewegung ab, die mir zum einen in ihren Äußerungen sehr rechtslastig erschien und darüber hinaus sehr frauenfeindlich und rückwärtsgewandt.

Trotz aller Erfahrungen mit meiner Exfrau erscheint es mir nicht angebracht, meine negativen Erfahrungen auf andere Frauen zu projezieren. Sicher, ich bin wacher geworden – und manchmal etwas übervorsichtig. Ich weiß auch, dass es meine Sicht ist, die ich habe – und meine Ex die Dinge natürlich ganz anders wahrnimmt. Aber ansonsten erschließt es sich mir nicht, wie man bspw. ernsthaft sich den Thesen einer Eva Hermann oder Christa Müller anschließen kann, die ja mehr oder weniger offen von der Rückkehr der Frau an Heim und Herd propagieren. Und es gibt einen relevanten Teil der sogenannten Männerbewegung, die diesen Thesen anhängt. Hinzu kommen radikale Katholiken, Männer, für die Frauen lediglich zum be-Sexen da zu sein scheinen, andere, die offen für die Vorherrschaft der Männer plädieren. Männer, deren Hauptaugenmerk “der Feminismus” ist, für die Schließung von Frauenhäusern plädieren – wie Professor Amendt oder gar die Adressen von Frauenhäusern im Internet veröffentlichen wollen. Rechts ist wohl die richtige Einschätzung für diese Männer – und Frauen, die es auch darunter gibt. Eine davon – Foren- und Blogbetreiberin – lebte mal für 4 Wochen mit ihrem Sohn bei mir, als sie kurzfristig eine Wohnung suchte, nachdem ihr “Mann” ihren damals 13-jährigen Sohn aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen hatte. Ihre Helden sind Männer, die offen beschreiben, dass sie ihre Kinder verlassen hätten und dafür jetzt mit einer – oft – viel jüngeren Frau in Thailand oder sonstwo leben.

Aktuell kann man in der Debatte um das grüne Männermanifest – das ich mitunterzeichnet habe – mitlesen, wie sie sich selbst in Wut schreiben und ihre Argumente oder solche, die sie dafür halten, wiederholen und ihre rein optische Übermacht durch viele Beiträge, bei denen sie gar nicht mehr auf Antworten warten und diese teils selbst geben, meinen, die Meinungshoheit zu haben. Sie belegen sich selbst – Andersdenkende werden niedergepöbelt und wo das nicht funktioniert, soviel geschrieben, dass man auch gar keinen Sinn mehr drin seiht, auch nur einen Satz zu antworten. Auch zeitversetzte Kommunikation muss einen Dialog möglich machen – aber daran sind sie nicht interessiert. Seit Jahren sitzen diese Männer hinter ihren PCs und trauen sich nicht dahinter hervor. Keine Aktionen, keine Zusammenschlüsse. Keine Männerhäuser, für die sie öffentliche Gelder erwarten, ohne nachweisen zu können, dass es einen Bedarf gibt. Keinen Boys Day – soll Vater Staat machen. Keinen Mut, Maulhelden, sozusagen. Dafür wird alljährlich darüber geschimpft, dass es einen Girl’s Day gibt. Die Alternative wäre, selbst entsprechende Aktionen für Jungs zu organisieren, wenn man die einseitige Praxis des Staates – mit Recht – kritisiert und sowas für notwendig hält (ich find’s grundsätzlich etwas schräg). Aber motzen am PC, versteckt hinter einem Pseudonym, ist einfacher.

Das dabei mögliche Mitstreiter vergrault werden, ist dabei uninteressant. Ich denke, insgesamt, gibt es berechtigte Anliegen der Männerbewegung. (und irgendwann hab ich auch wieder mein männer-/vätergrün online). Es gibt Missstände, gerade in Sachen Väterrechte. Es gibt gesellschaftlichen Handlungsbedarf, weil alte Rollenbilder überwunden werden müssen. Wenn ich bspw. heute in unserer Tageszeitung, die es online nur gegen Geld gibt, lesen muss, dass Bärbel Schäfer, Ex-Moderatorin eines Talksendung, im Interview sagt:

Alle Mütter, egal wo auf der Welt, wollen das Beste für ihre Kinder und sie beschützen vor Widrigkeiten des Lebens. Gemeinsamkeiten gibt es im Blick voller Liebe auf unsere Kleinen.

dann zeigt das doch, wie künstlich dieses Bild immer noch überhöht ist. Auch Mütter tun Kindern Furchtbares an. Sexueller Missbrauch durch Mütter und Frauen ist ebenso eine gesellschaftliche Tatsache wie in diesem Zusammenhang das Wegschauen von Müttern, wenn ihre Partner die eigenen Kinder missbrauchen. Das Münchhausen-by-proxy-Syndrom betrifft beinahe ausschließlich Mütter. Mütter ermorden ihre eigenen Kinder. In Sorgerechtsstreitigkeiten kommt es eben nicht nur zu männlichen Unterhaltsflüchlingen, sondern prozentual gesehen zahlen Frauen sogar schlechter – wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Umgangsverweigerungen, Kindesentzug – das sind nicht nur die Männer, die ihre Kinder ins Auslang entführen, sondern Mütter tun das auch – vor allem auch schon im eigenen Land, manchmal unter tätiger Mithilfe der Jungendämter. Um solche Missstände aufzudecken, um hier einen offenen gesellschaftlichen Blick zu erreichen, einen Bewusstseinswandel, bedarf es aller Kräfte. Diejenigen, die einen gleichberechtigte Gesellschaft wollen, auch viele Feministinnen, wollen, dass diese Gleichberechtigung für Frau und Mann gilt. Und für Frauen gibt es gerade in Hinblick auf berufliche Teilhabe großen Nachholbedarf, das ist schon historisch bedingt. Und für Männer eben in anderen Bereichen. Gemeinsam und getrennt sollten sich aber alle, die eine gleichberechtigte Gesellschaft wollen, dafür einsetzen. Aber was es nicht braucht, sind Pöbeleien und Herabwürdigungen.

Im weitesten Sinne Konsens zu meiner Analyse auch der Artikel in der “Zeit” zu Thomas Gesterkamps Expertise “Geschlechterkampf von rechts (PDF)”

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Leukämie an Atomkraftwerksstandorten

Kurz gebloggt:
Es gibt eine neue Meta-Analyse zur Erhöhung der Häufigkeit von Leukämieerkrankungen bei Kindern. Ingesamt festigt sich das Ergebnis der KiKK-Studie, eine Fall-Kontroll-Studie, in der das Leukämie-Risiko um 16 deutsche Kernkraftwerke untersucht wurde. Es zeigte sich eine bis 50 Kilometer Entfernung nachweisbare signifikante Erhöhung des Erkrankungsrisikos bei Säuglingen und Kindern unter 5 Jahren.

Es zeigt sich, dass Atomkraft nicht nur unwirtschaftlich ist – 168 Mrd. € Subventionen insgesamt sind in diese Technologie geflossen – sondern auch die Gefahren, die wir Atomkraftgegner befürchtet haben, auch tatsächlich Realität sind. Eigentlich müste man die Standorte von Kindern evakuieren und Zuzug verbieten – oder halt sofort abschalten.

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