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tot ist tot, oder?

Ich weiß, man kann es nicht vergleichen. Ich will es auch nicht vergleichen.

Was man aber vergleichen kann, sind die Reaktionen.

Von was ich rede?

Von einem Terroranschlag auf feiernde junge Menschen nach einem Konzert. Und einem verunglückten Boot auf dem Mittelmeer, voll mit Geflüchteten – davon viele Kinder.

Es sind Menschen gestorben. In Manchester. Auf dem Mittelmeer. Ich lese:

Zum Gedenken an die Opfer des Terroranschlags von Manchester sind die Fahnen auf allen offiziellen Gebäuden in Deutschland auf Halbmast gesetzt worden.

Und ich lese:

Die Hilfsorganisation MOAS erklärte, drei Holzschiffe mit rund 1500 Menschen seien am Mittwoch vor der libyschen Küste unterwegs gewesen. Eines der Boote sei gekentert. Rund 200 Menschen seien ins Wasser gefallen, darunter zahlreiche Kinder.

Wer gedenkt ihrer? Ihrer und den hunderten, tausenden anderen, die ebenso qualvoll ertrunken sind in den letzten Monaten, Jahren? Ertrunken auf der Flucht vor genau dem Terror, dem die Menschen in Manchester zum Opfer gefallen sind? Warum wird für die einen die Flagge auf Halbmast gezogen – und die anderen interessieren nicht?

Diese Heuchelei, diese Doppelstandards, diese Verkommenheit. Ich halte sie manchmal kaum mehr aus.

Öffnet die Grenzen. Rettet Leben.

Alleinerziehend – alleine gelassen

Noch während ich den Satz lese, explodiert der Zorn in meinem Bauch. Es ist ein alter Zorn, nicht mehr so mächtig, wie er war und er ist lange nicht mehr so heiß. Aber er ist mehr als eine Erinnerung an ein Gefühl, er ist präsent und er ist wohl bekannt. Es ist das Gefühl, dass eine Ungerechtigkeit geschieht und dass sie geschieht, hängt damit zusammen, dass die, die darüber entscheiden, nicht wissen wollen, was sie anrichten.

Die Sätze, die ihn auslösen, gehen so:

Es ist weiterhin unklar, ob jene Mütter und Väter, die von ihren getrennten PartnerInnen keinen Unterhalt für ihre minderjährigen Kinder bekommen, bald mit mehr Geld vom Staat rechnen können.

Die 16 MinisterpräsidentInnen der Länder, die sich am Donnerstag darüber mit dem Bund verständigen wollten, machten eine Einigung zur umstrittenen Reform des Unterhaltsvorschusses davon abhängig, ob die höheren Kosten dafür fair zwischen Bund und Ländern verteilt werden.

Es ist sehr egal, wie die Kosten zwischen Bund und Ländern verteilt werden – denn derzeit werden sie alleine den Alleinerziehenden angelastet – und das war schon immer falsch.

Unterhaltsvorschuss gibt es für die Alleinerziehenden – ich bevorzuge ja eigentlich immer noch Getrennterziehende – deren Expartner, der nicht mit den Kindern zusammen lebt, keinen Kindesunterhalt bezahlt.  Ich kenne dieses Problem aus langen Jahren Präsenz in Expartnerforen und vor allem aus eigener Erfahrung. Meine eigene Erfahrung dazu ist darüber hinaus die eines alleinerziehenden Mannes. Was der Sache noch einmal eine besondere Würze gibt.

Exkurs: „alleinerziehend“ ist man, solange man mit einer/m neuen Partner*in verheiratet ist, Zusammenleben ändert diesen Status nicht. (Die 1950er Jahre haben angerufen und wollen abgeholt werden)

Unterhaltsvorschuss gibt es für Kinder für maximal 72 Monate und bis maximal dem vollendeten 12. Lebensjahr. (Bis dahin werden die Frauen, für dieses Gesetz vermutlich mal geschrieben war, wohl wieder einen neuen Mann, der sie und das fremde Kind versorgt,  gefunden haben^^). Danach müssen die Eltern, deren Kinder unterhaltsberechtigt sind, alleine klar kommen (wenn sie schon keinen mehr ab bekommen oder gar in wilder Ehe leben^^). So ist das Gesetz seit ich es kenne und es ist, seitdem ich es kenne, ein schlechtes Gesetz. Politiker*innen, die darüber sprechen, nutzen die Gelegenheit immer, über die schlechte Zahlungsmoral der Väter zu spekulieren und wie die sich grundsätzlich arm rechnen, damit sie ihren Kindern keinen Unterhalt zahlen müssen. Über zahlungsunwillige Mütter reden sie dabei nie.

Wenn der Staat Unterhalt bezahlt, tritt er für die/den säumigeN Zahler*in ein. In der Regel beantragt man dann zusätzlich eine Beistandschaft, um die Unterhaltsansprüche auch durchzusetzen oder sich zumindest einen einklagbaren Unterhaltstitel zu besorgen.

Ist das Kind dann aber plötzlich – und wer Kinder hat, weiß, wie schnell das gehen kann – 6 Jahre alt oder 6 Jahre lang ohne zweite Erziehungsperson im Haushalt oder wird gar noch 12 Jahre alt während dessen – dann ist es vorbei damit, das der Staat hilft.

Dann muss man die Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke, die Klassenfahrten, die durchlöcherten Jeans, den geänderten Modegeschmack, den Wachstumsschub, den PC, damit das Kind auch beim digitalen Lernen, das ja alle Kinder brauchen, mitmachen kann und alles andere eben auch noch, alleine bezahlen. Wenn man Glück hat, kriegt man Job und Kind unter einen Hut und Kind dann auch noch gut betreut – wenn man Pech hat, nicht. Die Ministerpäsidenten interessiert das nicht, Herrn Schäuble sowieso nicht – solche Probleme gibt’s in katholischen Familien nicht – die interessieren alleine die Kosten der Staatskasse – nicht die Sorgen und Nöte derer am anderen Ende der gesellschaftlichen Leiter. Denn wieso soll der Staat denn für all diese Drückeberger (nicht gegendert!) bezahlen? Diese Haltung bleibt gleich – auch wenn die Finanzminister, die Kämmerer der Landkreise wissen, dass sie, selbst wenn sie mal wieder zum großen „wir holen uns den Unterhaltsvorschuss zurück“-Hallali blasen, sie immer nur ca. 1/4 der säumigen Zahler*innen dazu bringen können, zu bezahlen.

Derzeit zahlen die Jugendämter der Kommunen den Unterhaltsvorschuss und holen sich das Geld von den Vätern – und wenigen Müttern – zurück. Doch die „Rückholquote“ ist gering: Nur knapp ein Viertel fließt wieder zurück in die öffentlichen Kassen.

Weil die auch nicht mehr verdienen, weil die sich gar nicht arm rechnen, weil die vielleicht auch eine neue Beziehung haben und möglicherweise noch ein Kind bekommen haben,  weil sie keinen Job finden, der sie ernährt, undundund (kein Exkurs über ausbeuterische Arbeitsverhältnisse).

Ich habe es als alleinerziehender Vater erlebt: drei Kinder aus dieser ersten Ehe, einer ist 1998 zu mir gezogen. Ich war unterhaltspflichtig für 2 Kinder, sie war unterhaltspflichtig für eines. Ich habe gearbeitet, sie nicht. Ich habe meistens bezahlt – auch mal nicht, wenn ich arbeitslos war oder zu wenig Geld verdient hab – aber immer zumindest in Teilen und immer so viel ich konnte. Sie nicht. Da hat keine Beistandschaft geholfen. Sie hätte arbeiten können – hat aber keine Stelle „gefunden“ – das Arbeitsamt hat nicht den geringsten Druck auf sie ausgeübt. Sie hatte zwar gearbeitet – aber das nicht „offiziell“. So überwies ich meistens Unterhalt für 2 Kinder an sie – sie keinen an mich. Auch als der Jüngste dann mit 15 zu mir zog – keinen Cent. Ich will das alles nicht vertiefen – sie ist gestorben und es ist alles lange her.

Und trotzdem bleibt der Zorn auf dieses System, dass uns mit dieser Situation völlig alleine gelassen hat. Sie konnte oder wollte nicht, wohl beides und der Staat, dem Kinder so wichtig sind, Ehe und Familie unter den Schutz des Grundgesetzes gestellt hat, der lässt all diejenigen, die nicht für ihre Kinder zahlen können genauso im Stich wie die, die darauf angewiesen sind, dass das Geld kommt. Denn es ist ja in aller Regel nicht so, dass man gerne keinen Unterhalt bezahlt.

Es hängt soviel damit zusammen – wenn man sich trennt. Nehmen wir den Durchschnittsverdiener:

Verheiratet, ein Kind, 35.000 € im Jahr. Er oder sie verdient mit einem Kind und einem halben Kinderfreibetrag rund 2136,00 €. Wenn er/sie sich trennt, sind es nur noch 1882,00 € – weil er/sie sofort in die Steuerklasse 1 kommt. 250,00 € muss er sofort mehr an Steuern bezahlen. Und auch Steuerklasse 2 bedeutet einen sofortigen Einkommensverlust von 200 €.  Dabei müsste es ja anders sein: jetzt ist doppelte Haushaltsführung angesagt, Dinge müssen neu beschafft werden, Kinderzimmer in beiden Haushalten vorgehalten werden. Das Leben wird sofort teurer – Vater Staat, sind Kinder und Familie nur solange wichtig, wie sie in trauter Eintracht mit Trauschein leben. Steuerermäßigende doppelte Haushaltsführung gibt es nur aus beruflichen Gründen – nie aus Gründen der Lebensführung.

Und wenn das gemeinsame Kind schon 12 Jahre ist – dann müssen das beide irgendwie stemmen.

Das ist mein Zorn, meine Wut.

Von der Reform profitieren laut Schwesig 260.000 Kinder. Unter ihnen insbesondere Mütter mit geringen Einkommen, die durch mehr Unterhalt aus der Armutsfalle geholt werden könnten. Hartz-IV-EmpfängerInnen haben nichts von dem erweiterten Unterhaltsvorschuss, weil die Leistung mit dem Sozialgeld verrechnet wird.

Aber Hauptsache, der Haushalt der Länder und des Bundes stimmen. Ach so – und ganz am Ende fällt mir noch ein:

Schlechte Bildungschancen stehen in engem Verhältnis zu materieller Armut. Und von Armut sind in Deutschland rund zehn Prozent aller Kinder betroffen – das sind 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld der wirtschaftlich am weitesten entwickelten Staaten – so das Ergebnis der UNICEF-Vergleichsstudie „Child Poverty in Rich Countries 2005“. Den engen Zusammenhang zwischen Bildungsabschlüssen und sozialer Herkunft sprach auch Bundespräsident Horst Köhler in seiner Berliner Grundsatzrede an. Er forderte Chancengleichheit im Bildungssystem: „Bildungschancen sind Lebenschancen. Sie dürfen nicht von der Herkunft abhängen.“

Das meine ich. Darüber geredet wird schon lange (deshalb ein Köhler-Zitat). Gefordert wird schon lange. Jetzt könnte man endlich etwas tun. Aber:

DSGB-Geschäftsführer Gerd Landsberg forderte vor dem Treffen der Ministerpräsidenten, Bund und Länder müssten „sämtliche Mehrkosten“ übernehmen, die den Kommunen entstehen. Inklusive der Personal- und Sachkosten.

Wie wäre es denn damit: Die Kosten tragen nicht länger die Väter und Mütter, wenn sie nicht können und ihr streitet Euch so lange ihr wollt, wer die Kosten übernimmt. Bis dahin ist der, der bestellt, der, der bezahlt. Es ist ein Bundesgesetz, der Herr Schäuble ist hat eh ne schwarze Null und alles andere kann so schwer nicht sein.

Vater sein

Der Till Westermayer inspiriert mich zu einem Artikel über Familie. Hab ich lange nicht gemacht, obwohl sie doch im letzten Jahr nach dem Tod meiner Exfrau eine ganz neue Bedeutung bekommen hat.

In der ZEIT ist aktuell ein Text zu lesen, in dem zwei Väter sich beklagen. Weil … das wir nicht so ganz klar. Irgendwie klappt es nicht so richtig mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Kindern und Karriere. Sie fühlen sich schlecht, weil sie, wenn sie denn schon mal Zeit für das Kind haben, doch berufliche SMS schreiben, und überhaupt: Überforderung. Und dann: Ratlosigkeit. Ich kann das zum Teil nachvollziehen

schreibt er. Ich hab den Artikel auch gelesen und entdecke in ihm Parallelen zu diesem Text, ebenfalls aus der Zeit. Es geht letztendlich darum, wie ein gutes Leben mit Kindern aussehen kann. Bei dem „Vereinbarkeitstext“ geht’s mir ähnlich wie Till, der schreibt:

Verzicht auf Perfektion aber nicht nur auf der Karriereseite, sondern auch auf der Kinderseite: Kinder großzuziehen, ist, sollte, finde ich, Alltag sein. Familienarbeit heißt eben auch Kochen, Waschen, Putzen, Kinder ins Bett bringen, … und nicht nur: »Qualitätszeit«.

Darüber hinaus – und das fehlte mir und ich wollte es nicht nur bei ihm kommentieren – gehört auch, dass man sich und seine eigenen Bedürfnisse ernst und wichtig nimmt – und diese auch lebt. Die beiden Journalisten reklamieren Sigmar Gabriel, der 3 Monate „Auszeit“ genommen hat und sich  trotzdem um seinen Beruf gekümmert hat:

Gleich in den ersten Tagen twitterte er ein Bild von sich, vor dem Laptop sitzend, die Kaffeetasse in der Hand: „Mariechen ist abgefüttert, der Kaffee ist da, also kann’s losgehen :-))“. Und dann diskutierte er online eine Stunde lang über die Rente, den Euro, die SPD. Genau das ist er doch, der tägliche Selbstbetrug:

Und? Ist das nicht okay? Die Krux ist doch, dass man sich selbst so völlig unwichtig nimmt, dass man gar nicht mehr vorkommt oder zumindest in angemessenem Abstand zum Lebensmittelpunkt „Kind“, dass einem gar nichts mehr übrig bleibt, als zum Helikopter-Elter zu werden. „Hyperprotektion“ nennt es Nina Pauer in der Zeit. (Leider verliert sie ein bisschen den Faden und diskriminiert echte Allergien/Unverträglichkeiten wie Laktose-Intoleranz. Wir wissen hier wie das ist, wenn ein Kind nach einem halben Glas „normale“ Milch erst mit Bauschmerzen auf der Couch liegt – und dann aufs Klo rast. Sowas ist vermeidungspflichtig). Aber im Grund genommen ist es das: der Wusch, alles Schlimme und Böse von den Kindern fernhalten. Das Kind soll die Eltern cool finden, am besten noch vom Kind während der Pubertät zum Kumpel mutieren (weshalb man sich auch noch mit 49 jugendlich kleiden muss und bei Primark und H&M einkauft), nur die beste Bildung erhalten und bloß nie krank werden. Deshalb findet Sagrotan einen reißenden Absatz – ich nenne es bei mir immer die Generation „Sagrotan“, die garantiert ohne einer einzigen Bakterie in der Umwelt getroffen zu haben, groß wird – und fahren Mütter und Väter ihre Kinder zur Schule und Kindergarten.

Ich habe 5 (6) Söhne. Mit zwei Frauen. Meine erste Frau hatte glücklicherweise muss ich schon fast sagen, schon ein Kind, als wir uns kennen gelernt haben. Das hat entspannt – wie Pauer richtig schreibt, war beim ersten eigenen Kind nicht immer dauernd alles neu für mich. Also hab ich eigentlich 6 Söhne. Ich selbst bin halt auch irgendwie kein Superpapa. Ich spiele nicht gerne. Weder Brettspiele, noch Indianer und Cowboy, ich finde selbst erfundenes Theater meiner Kinder langweilig und interessiere mich kein bisschen für den Inhalt der Computerspiele und zum Fußballspielen (der Kleinste) nehme ich mein eBook mit oder fahre währenddessen einkaufen. Wenn er ein Supertalent ist, werd ich das rechtzeitig erfahren und wenn ich nur jedes zweite Tor von ihm sehe, wird die Welt – weder seine noch meine – untergehen. Ich will wissen, was in der Schule läuft – aber nicht jedes Detail. Ich will wissen, wer seine Freunde sind – kann mir aber auch nicht immer alle Namen aller Kinder merken, die ich noch nie gesehen hab. Die, die schon mal hier waren, kenne ich. Ich hab bis heute nicht mit allen Eltern aus der Schule telefoniert, kenne aber die meisten zumindest vom sehen  – auf einer freien Schule bist du mehr anwesend als bei einer regulären. Ich mach mir Sorgen – vor allem nach den zwei Unfällen im letzten Jahr, die beide hätte das Leben kosten können – aber ich werd den Teufel tun, sie ab da einzusperren.

Und ich hab ein eigenes Leben. Eines, das einen 40-Stunden-Job beinhaltet und sicherlich nochmal 10 Stunden Politik in der Woche – Sitzungen, Blogbeiträge, Facebookdebatten, Anträge schreiben, Wahlprogramme lesen, zu Parteitagen und AG-Sitzungen fahren, …). Ich mache nebenberuflich eine Ausbildung in Transaktionsanalyse mit 6 Wochenenden im Jahr + Lesen und Lernen, damit mein Quereinstieg in die Sozialpädagogik ein fachliches Fundament erhält.

Aber als im letzten Jahr meine Exfrau starb, mit der ich mich lange gestritten habe – viel um Geld, direkt (Unterhalt) und indirekt (wer versichert die Kinder) und natürlich auch um Verletzungen vielerlei Art – hab ich erst um sie getrauert und tue dies immer noch. Und hab versucht, so gut wie möglich für meine großen Söhne, die gerade alle drei im Umbruch entweder aus (abgebrochenem Studium) ins Berufsleben oder Ausbildungsplatzsuche oder Schule in „was will ich werden“ standen. Ich habe Waisenrentenanträge ausgefüllt, aktuell einen Grabstein für das Grab organisiert, weil der Witwer das scheinbar nicht auf die Reihe kriegt und es ihnen wichtig ist, ich hab versucht, sie zu trösten, ich hab versucht, heraus zu finden, wie man bei drei erwachsenen Söhnen mehr präsent ist, ohne zu übertreiben und es damit irgendwie zu entwerten und ohne sie zu vernachlässigen. Es scheint mir gut gelungen zu sein, wenn ich ihre Raktionen richtig werte.

Und ich mache morgens die Kinder fertig  (meine Frau ist ein Morgenmuffel und ich mit dem ersten Hahnenschrei normalerweise wach), mache meinen Teil des Haushaltes, bring den größeren der beiden auf die Straßenbahn, weil ich eh in die gleiche Richtung muss und den kleinen auf dem Weg dahin in die KiTa. Ich versuche, gemeinsam mit meiner Frau, ihnen möglichst viel Freiraum für ihre Entwicklung zu geben. Sie herausfinden zu lassen, was sie wollen. Dazu gehört Klavier – weil es in der freien Schule ein Musikzimmer gab, auf dem man in freien Schulen einfach so rumklimpern kann und der Wunsch so aus dem Kind entstehen kann. Dazu gehört Sport. Dazu gehören Grenzen (Schmatz nicht, man sagt Danke und Bitte und solche Dinge) und Regeln.

Kinder müssen frei sein, sich selbst zu finden. Kinder sind eigenständige Wesen, die niemandem gehören, außer sich selbst. Sie sind kein Selbstverwirklichungsobjekt und wollen ab der Pubertät wenig mit uns Eltern zu tun haben. Wenn wir Glück haben und wir nicht allzuviel falsch gemacht haben, ändert sich das wieder. Und wenn Kinder lernen sollen, wer sie selbst sind und was sie glücklich macht – dann brauchen Sie dafür Vorbilder von Menschen, die das auch wissen – und sich selbst den Raum geben. Manchmal in zeitlichen Konflikt – aber in der Abwägung um Zeit oder nicht dürfen nie immer die Kinder gewinnen. Ich liebe meinen Job so wie meine Frau den ihren liebt – das können die Kinder erfahren, wenn wir davon sprechen oder sie damit in Berührung kommen. Ich liebe mein Hobby Politik – und die Kinder konnten erfahren, dass ich in der Abwägung zu anderen Hobbies auch Dinge sausen lies, was mir auch Spaß gemacht hat.  „Meine Kinder“ sind ein wichtiger Teil meines Lebens, aber eben ein Teil und nicht mein „Ein und Alles“. Ich würde alles für sie tun – aber doch nicht dauernd – sondern wenn sie es brauchen. Klar, wenn einer der Großen anruft, dass er pleite ist und er Geld braucht, dann kriegt er Geld. Aber wenn er es zurückzahlen kann – dann soll er das auch tun. Nicht weil wir es (immer) brauchen – sondern weil er Verantwortung für sich selbst hat, wenn er erwachsen ist.

Ich kann nicht alles Böse von ihnen fernhalten. So sehr es mir weh tut – sie müssen Enttäuschungen kennen lernen, Streit mit Freunden, Trennungen, Misserfolge, Niederlagen, Streit mit den Eltern, sterbende Haustiere und Großeltern. Als ich sechs Jahre alt war, ist meine Oma, zu der ich einen starken Bezug hatte, gestorben. Ich durfte aus Überbehütung meiner Eltern nicht mit auf die Beerdigung. Ich bin heute, 41 Jahre später, zwar etwas milder – aber immer noch unglaublich zornig auf sie deshalb. Wer in der Welt und der Gesellschaft (über)leben soll, der muss lernen, wie sie funktioniert und was das Leben ausmacht – Geburt, Leben, Streben, Tod.

Bin ich ein Rabenvater? Keine Ahnung. Ich hab für mich und hoffentlich auch für meine Kinder einen Weg gefunden, mit dem wir alle leben können. Ja, ich könnte mehr präsent sein. Die Frage ist, ob ein unzufriedener, präsenter Vater irgendwem etwas bringt. Leben mit Kindern heißt, sie zu lehren, dass sie wichtig sind – für mich, aber eben auch für sich. Wenn  ich ihnen vorlebe, dass ich selbst nicht mehr wichtig bin, weil sie auf der Welt sind – wie sollten sie lernen, dass sie selbst wichtig sind?

sehr persönlicher Jahresrückblick 2013

das Jahr 2013 war mehr als durchwachsen und ich sehne das Ende herbei – verbunden mit der Hoffnung, dass das neue besser wird. Ist ja schon ein bisschen albern, wenn man sich das so überlegt, aber diese paar Tage, in Ruhe, am Ende des Jahres, verbunden mit dem Luxus einiger Tage Urlaub bis 7. Januar (kurz unterbrochen von einem halben Tag arbeiten am 2.1.), haben doch etas von einem “ da ist jetzt was vorbei, jetzt beginnt was Neues“ an sich. Man blickt zurück auf ein Jahr, überlegt sich, wo stand ich denn im letzten Jahr und wo steh ich heute. Was hat sich verändert? Eigentlich etwas, für das erst in einer Woche wirklich die Zeit wäre, aber die vorweihnachtliche Stimmung, die Freude auf ein Weihnachten mit den Söhnen – bringt mich jetzt schon dazu, diesen Artikel schreiben zu müssen.

firework-display-29261295172514WkQIch war Weihnachten und Silvester 2012 noch einigermaßen damit beschäftigt, die Niederlage auf dem Listenparteitag zu verabeiten. Der größte Teil war zwar geschafft – aber gearbeitet hat es trotzdem noch in mir. Eigentlich dachte ich ja, ich könne politisch etwas kürzer treten. Dachte ich. Das hat 2013 nicht ganz geklappt. Schließlich war trotzdem Bundestagswahlkampf. Aber das Jahr hat ruhig begonnen. Wir saßen hier mit Freunden, mit denen wir seit ein paar Jahren irgendwie jedes Silvester verbringen, hatten Raclette, das bisschen Feuerwerk, das man gerade noch so als Grüner vertreten kann, wenn man Kinder hat 🙂 und im Großen und Ganzen schien es so zu laufen, wie es halt so läuft.

Dann kam am 29. Januar, ein Dienstag, mein Sohn, der noch im Haus wohnt, zu mir und meinte: „Papa, ich muss Dir was sagen.“ Er teilte mir mit, dass meine Exfrau, mit ich mich in den letzten 12/13 Jahren fast nur noch gestritten hatte, im Koma läge. Ich kann mich daran erinnern, als wäre es gestern gewesen. Sie hatte am Sonntag davor ein Aneurysma im Gehirn gehabt. Und während ich noch dabei war, Durchhalteparolen und Trost zu spenden, war wohl klar, dass es nichts mehr werden wird. Am Tag darauf starb sie. Ich fand mich in einer absurden Situation wieder – einerseits war da noch immer diese Wut – andererseits war da eine tiefe Trauer um die Frau, ich mal geliebt hatte und mit der ich drei Kinder habe. Und, was mir erst in den nächsten Tagen auffiel, der völlige Verlust auf  die Chance, sich jemals wieder zu versöhnen – auf die ich gehofft hatte, wenn die Jungs mal groß wären und auf eigenen Beinen stünden. In Gedanken hastete ich voraus, Geburtstage, Weihnachten ohne sie. (und irgendwie kam mir auch die Hochzeit einer der Söhne in den Sinn und wie die wohl sein wird ohne sie). Ich machte mir ganz viele Gedanken, was denn alles so anders werden würde und hatte und habe auch nicht wenig Angst davor, mit den großen Jungs nun ohne sie zu sein – auch wenn wir eine Art Patchworkfamilie geworden sind mit meiner zweiten Frau. Die wird für Enkel, so denn sie denn jemals kommen, die Oma werden – ihr seht, so weit kann man voraus schweifen und solche teilweise absurden Gedanken machen einem zu schaffen. In  wenigen Tagen ist das erste Weihnachten ohne sie. Ich hoffe, ich mache alles richtig. Sie haben von ihren Eltern nur noch mich, mit dem sie die Dinge in ihrem Leben teilen können – naja, und meine Eltern. Blut ist dicker als Wasser, sagt man.

Einigermaßen wieder auf dem Damm hatte mein 4. Kind, das erste aus der zweiten Ehe, einen Autounfall. Ich hatte dazu schon was geschrieben. Beschäftigt hat uns das weiter in diesem Jahr, es gibt da schon noch Nachwirkungen – und ich stelle fest, dass ich ängstlicher um ihn geworden bin. Und mit der Ängstlichkeit meiner Frau ungeduldiger. Weil ich Ängstlichkeit nicht mag und Angst(!!) habe, die Kinder zu sehr einzuschränken. In ihrer Freiheit, hier raus zu gehen, in diesem Wohngebiet, in dem das noch möglich ist. Aber ich merke selbst, wie sehr ich ihn beobachte und auf Zeichen achte, ob da doch noch was nachkommt.

In den Sommerferien hatten wir uns die Kinderbetreuung geteilt und ich fuhr zu einem alten Schulfreund nach Hassfurth – etwas, das ich schon lange mal vorhatte. Der Jüngste ist dabei von einer kleinen Brücke aus 2,50m Höhe in ein Bächlein gestürzt, beim Steine runterwerfen hat er das Gleichgewicht verloren. Die Brücke hatte kein Geländer. Wäre auf der anderen Seite der Brücke runter gefallen, wäre er auf Steine gefallen und zumindest schwer verletzt gewesen. So ist nichts passiert, außer dass er sich erschreckt hat – und ich mich erst. Meine Frau war ganz bleich, als ich es ihr erzählte, (erst) als wir wieder daheim waren.

Hoch emotional belastende Momente, alle drei einhergehend mit wirklich essentiellen Fragen. Parallel dazu die Sorge um die Ausbildung der großen Söhne. Einer in München, wollte verständlicherweise 8bestätigt durch meine eigenen Erfahrungen) weg von Lilalu – und hatte bei Backstage etwas gefunden. Endlich die gewünschte Ausbildung – davor aber musste er aus seiner WG raus, der alte Vermieter drangsalierte mich wegen angeblichem schlechten Zustand der Mietsache, ohne mir die Möglichkeit gegeben zu haben, selbst nach zu bessern, und am 15.August ein Anruf um 10 Uhr morgens (ich arbeitete): Papa, ich muss aus der WG raus, kannst Du meine Sachen holen. Das konnte ich – aber danach 6 Wochen einen Sohn, der eigentlich obdachlos war. Ich hatte schon angefangen, bei ebay auf Wohnwagen mit zu steigern. Am Ende ging es gut, dank seiner Freunde und meiner Freunde und ein bisschen Glück (und 50 E-Mails) an Münchner Makler. Die Sorgen zwischendrin – permanent im Kopf. Der Kleinere noch immer auf der Suche nach dem, was er wollte – das Abi zu schlecht, um damit das zu studieren, was er will – Sonderpädagogik – und was macht man sonst. Nun, das scheint dieser Tage geklärt zu sein – ich bin etwas ruhige,r auch wenn ich in Sorge bleibe. Und ich merke in beiden Fällen – die Mutter, mit der ich das nicht hätte alleine tragen müssen – fehlt. Der ganz Große mit den üblichen Sorgen – aber das hat sich im Laufe des Jahres gegeben und im nächsten Jahr will er  ein bis zwei Jahre auf Work & Travel mit seiner sehr hübschen und netten Freundin, die ihn in der Trauerzeit aufgefangen hat. Um ihn mache ich mir – außer in finanziellen Fragen – derzeit die wenigsten Sorgen.

Parallel dazu Politik, ein Bürgermeisterwahlkampf, die Windräder in Malsch, ein Arbeitgeber, der mich immer voll und ganz fordert -was ich ja auch brauche – und natürlich die Familie. Ich habe im letzten Jahr die Ausbildung zur Transaktionsanalyse wieder aufgenommen – das fordert mich dann wieder sehr stark selbst. Es bleibt doch einiges unbearbeitet nach solchen Wochenenden, an denen man das eigene Modell ist, zurück.

Durchatmen. Manchmal denke ich, es wird Zeit, ein wenige kürzer zu treten aber hey – da wartet schon die nächste Aufgabe. Ich schaffe es (noch) und solange werde ich tun, was ich kann. Ich möchte im nächsten Jahr Gemeinderat hier in Malsch werden und werde danach einiges neu sortieren müssen, so denn es denn klappt. Jetzt freu ich mich auf drei Tage im Kreis der ganzen Familie, einen 2. Feiertag dazu mit meinen Eltern und meinem Bruder plus Kindern. Danach Silvester, dieses Jahr in Wannweil bei eben diesen Freunden, und dann geht’s ganz langsam wieder los. Mal sehen, was 2014 wird. Ich hoffe auf weniger einschneidende Nachrichten und Erlebnisse.

Familie oder nicht?

Die Frankfurter Allgemeine titelt:

Warum ist das mit den Kindern so kompliziert?

Trotz aller Anreize werden wenig Kinder geboren. Das größte Hindernis, so fand das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung heraus, sind die kulturellen Einstellungen: Das Leben mit Kindern gilt als anstrengend und soll perfekt gelingen. Muss das so sein?

Es folgen eine Reihe von Zustandsbeschreibungen dieser Republik von verschiedenen Autor_innen – von Familienfreundlichkeit, die man sich erkaufen muss, weil es sie sonst angeblich nicht mehr gäbe, bis hin zu den Müttern, die ausschließlich und nur erst mal Teilzeit arbeiten, zum Klotz am Bein, der Forderung nach Steuerfreiheit. Einzig Sandra Kegel schreibt:

Denn Kinder versprechen eine Glückserfahrung, die mit Geld nicht aufzuwiegen ist – weil sie dem Leben einen Sinn geben.

Ich würde jetzt nicht so weit gehen, und den Sinn meines Lebens „nur“ an den Kindern festmachen. Aber diese Artikel machen mich wütend – weil er den Blick verstellt, auf das, was Leben mit Kindern bedeutet. Auch in den zwischenzeitlich beinahe hundert Lesermeinungen zum Artikel finden sich wenige positive Artikel zum Leben mit Kindern. Von Menschen, die Kindernnutzen berechnen bis hin zur üblichen Tirade auf Feministinnen, die

 die mit ihrer unsäglichen Gegenderei Leid und Unfrieden verursacht haben

Ich habe zwei Familien gegründet. Die erst noch ganz jung. Mit 19 bin ich zu meiner anschließend ersten Frau gezogen, die schon ein Kind hatte. Wir haben zusammen drei weitere bekommen. Und und 1998 scheiden lassen. 2003 und 2008 haben meine zweite, jetzige Frau und ich zwei Jungs bekommen. Zwischen (eigenem) Kind drei und Kind vier liegen 11 Jahre, fast auf den Monat genau.

Ich erinnere mich gut, dass ich als Kind mir immer vorstellte, viele Kinder zu haben. Ich konnte auch als Jugendlicher immer gut mit Kindern umgehen. Vielleicht hätte ich Erzieher lernen sollen. Zum ersten Kind konnte ich keine Entscheidung fällen. Es war schon da und ich nahm es an. Und auch wenn er heute nach einer sehr strittigen und emotional verletzenden Trennung und Scheidung nicht mehr mit mir spricht, so wird er doch immer irgendwo mein Sohn bleiben. Von den anderen Söhnen möchte ich keinen missen. Jeder ist anders, alle sind sich ähnlich.

Ich kann Kinder nicht in Nutzen berechnen. Ich beschwere mich nicht über mangelnde Perspektiven mit Kindern. Ich suche einen Weg. Und finde ihn meist. Ja, Kinder erfordern Opfer. Wenn man den Verzicht auf jährlichen Urlaub in der Karibik oder schon in der Türkei oder Ägypten als Opfer empfindet. Sofern man sich das nicht trotzdem leistet…

Für mich war es nie ein Opfer, auf weite und teure Urlaubsreisen zu verzichten. Ich brauche kein Hotel, kein All-Inclusive. Uns reicht ein Campingplatz. Den größten Luxus, den wir uns leisten, ist das schon aufgebaute Zelt oder ein Wohnwagen. Ferienwohnung. Ich muss mich nicht darüber beschweren, dass sich meine Kinder in Hotels „benehmen“ müssen. Nicht mit sandigen Füßen und nassen Badehosen am Tisch sitzen können. Ich gehe dahin, wo es niemanden stört. Ich schaue in Kindergarten und Schule, dass es dort so abläuft, wie ich mir das vorstelle – unter der Prämisse, dass es meinem Kind gut geht. Ich kämpfe wie ein Löwe und finde Kompromisse. Einer meiner Söhne geht auf eine freie Schule, weil er im regulären Schulsystem nicht zurecht gekommen ist. Einer ist mit ADS und Legasthenie so diskriminiert worden, und hat am Ende mit Glück doch noch einen Lehrer gefunden, der ihn nahm, wie er ist, seine Stärken förderte und ihn so dazu brachte, nach der Hauptschule noch die mittlere Reife zu machen und nun eine Ausbildung macht. Einer studiert, einer schaut grad, wo der Hase lang läuft und der Kleinste wird heraus finden, dass er nicht die ganze Familie herumkommendieren kann. Sie sind 6 Menschen, deren Existenz an keine Bedingung geknüpft ist. Deren Wohlergehen mir selbstverständlich am Herzen liegt. Die aber gleichzeitig mir den Raum lassen müssen, um mir selbst gerecht werden zu können.

Man bekommt nie das Ideal. Verzichten lernen heißt sich selbst zurück nehmen. In meiner ersten Ehe hatte ich nur noch die Wahl zwischen Einkommen herbei schaffen und Familienleben. Zu mehr gab es keinen Raum. Daher – und aus ein paar Gründen mehr, die aber hier nichts zur Sache tun – musste ich mich trennen, weil es keine Abhilfe gab. In meiner zweiten Ehe habe ich von Anfang an meinen eigenen Platz gesucht. Keine Aufopferung mehr. Leben mit Kindern, das eigenes Leben und Verwirklichen mit einschloss.

Denn Kinder können auch lernen, dass ihre Eltern eigenständige Personen sind, mit eigenen Bedrüfnissen und keineswegs perfekt. Die auch mal weinen, zornig sind, ungerecht, fehlerbehaftet und verletzt. Die Grenzen kennen und einfordern. Und trotzdem einen lieb haben, bedingslos. Egal welchen Mist sie bauen. Egal, wie zornig sie einen machen. Egal, wie unfair sie selbst zum eigenen Kind sein können. Wie desinteressiert auch manchmal an dem, was sie tun, weil man garnix damit anfangen kann, was sie da tun.

Kinder zu haben ist ein Wert an sich. Sie die Welt kennen lernen zu sehen, ihren Weg finden zu sehen, mitzuerleben, wie sie ihren Platz finden, wie sie mit einem und sich  selbst kämpfen ist eine ungeheure Erfahrung. Wie sie heraus finden,was sie können und was sie nicht können. Sie los zu lassen, die schwierigste und befreiendste Erfahrung, die man sich täglich neu erarbeiten muss.

Am Ende befriedigt ihre bloße Existenz. Kein Geld der Welt, kein Amt, kein Mandat, keine Reise nach Südafrika oder zum Mond können mir das bieten, was mir meine Kinder abverlangen: mich täglich zu hinterfragen, sie zu lieben, sie kommen und gehen zu lassen und heraus finden, was sie einfach so von mir und von anderen haben, gelernt haben oder mit der Muttermilch aufgesogen – wie man so schön sagt. Am Ende gehen sie hinaus in die Welt, alleine und eigenständig.

Das Leben mit Kindern gilt als anstrengend und soll perfekt gelingen

Nichts gelingt perfekt und alles, was einem nicht gerade so gelingt, ist anstrengend. Auch ein Leben ohne Kinder ist anstrengend. Für die allermeisten Menschen. Und was bitte ist „perfekt“. Eigenes Haus, 20 Geschenke zu Weihnachten und Geburtstag. Urlaub? Oder ganz einfach ein Leben gemeinsam, mal mehr (zu Beginn), mal weniger (so ab 10 Jahren :-). Gelebt vom Willen, es gut zu machen und respektvoll? Ich glaube, für ein perfektes Leben mit Kindern braucht es nichts von dem, da geschrieben wurde bei der FAZ. Sondern nur den Willen, ihnen gerecht zu werden, ihnen zu vertrauen, für sie da zu sein, wenn sie einen brauchen und sie ins Leben zu entlassen und zu einem aufrechten Menschen zu „erziehen“ – was immer „erziehen“ auch bedeuten mag.

Grüne Familienpolitik

Seit nunmehr 12 Jahren kämpfe ich innerhalb der grünen Partei um eine gerechtere Familienpolitik, die einen Ausgleich zwischen den berechtigten Interessen von Frauen, Männern und vor allem Kindern schafft. In einem wegweisenden Urteil hat in diesem Jahr der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Verbesserung der rechtlichen Stellung von ledigen Vätern gegenüber Müttern und geschiedenen Vätern verlangt.

Nun hat die grüne Bundestagsfraktion einen Antrag zur Umsetzung eben dieses Urteils eingebracht. Ich habe diesen Antrag sorgfältig gelesen. Er gefällt mir in weiten Teilen gut, aber es gibt auch Kritikpunkte. Diese Kritikpunkte brechen in meinen Augen den von uns GRÜNEN immer propagierten Kurs des Gender Mainstreamings, weil er einseitig Männer in eine schlechtere Position bringt bzw. einseitig als Verursacher benennt:

Punkt 1 sowie der gesamte Antrag räumt Vätern keine Möglichkeit ein, die Vaterschaft einzuklagen. Was hilft ein Klagerecht auf gemeinsame elterliche Sorge, wenn vorher schon die Frau durch einfache Nichtnennung des Vaters jegliche rechtliche Handlungsmöglichkeit des nichtehelichen Vaters aushebeln kann?

Darüber hinaus fehlt die dringend notwendige Einspruchsmöglichkeit gegen eine Freigabe des gemeinsamen Kindes zur Adoption, sofern die Mutter den Namen des Vaters nicht nennt. (wie im Falle Görgülü)

Die Mediation sollte verpflichtend entsprechend dem Cochemer Modell verankert werden.

Wenn das Kind ein eigenständiges Recht auf Übernahme und Ausübung der elterlichen Sorge durch beide Eltern haben soll, dann muss es auch einen unabhängigen, eigenen Anwalt haben.

Der Gewaltschutz sollte vor allem für Kinder explizit benannt werden, weil Kinder zur Hälfte Opfer von Gewalt durch Frauen werden. Natürlich ist der Schutz von allen im Verfahren Beteiligten zu gewähren.

Der Teil mit dem Unterhaltsvorschussgesetz benennt einseitig Männer als Unterhaltsschuldner, obwohl prozentual mehr Frauen unterhaltssäumig sind. Selbst wenn man das nicht annähme, gibt es genügend Fälle, um hier beide Geschlechter zu benennen. Das nicht zu tun, ist fahrlässig, falsch und politisch ein Skandal. Darüber hinaus verkennt dieser Teil, dass selbst bei massiver Sanktionsandrohung und Einschaltung auch privater Inkassounternehmen nur bis ca 1/3 aller Unterhaltsvorschussbeträge rückholbar (ein Beispiel aus Bayern) waren. Dazu gibt es genügend Untersuchungen aus den letzten Jahren. Und es liegt nicht an der Zahlungsunwilligkeit – diese UnterhaltszahlerInnen können schlicht nicht bezahlen. Insofern muss die Einschränkung des Unterhaltsvorschusses auf 72 Monate bzw. max 12. Lebensjahr aufgehoben werden und Unterhaltsvorschuss uneingeschränkt bis zur Vollendung des 25. LJ – analog zur Unterhaltspflicht bei Hartz IV – bezahlt werden.

Schade, dass man die innerparteiliche Fachlichkeit so wenig abruft.

Leserbriefe

Kurzkommentar:

Ich habe diese Woche einen Leserbrief geschrieben, weil im taz-Artikel zur gemeinsamen Sorge von unverheirateten Vätern mal wieder die Angst vor prügelnden Vätern in den Vordergrund gestellt wurde. Gut, kann man erwarten, wenn es von den Frauenhäusern kommt. Von einer Zeitung erwarte ich dann aber etwas differenzierende Berichterstattung, so beispielsweise die Erkenntnis, dass Mütter ihre Kinder ungefähr genauso oft schlagen wie Väter. Dazu gibt es genügend scheuklappenlose Erkenntnisse. Die taz aber nun kürzt meinen Leserbrief aber dann genau um die kursive Stelle:

Selbstverständlich müssen Gewaltopfer geschützt werden. Und es ist eine berechtigte Forderung, dass Frauenhausadressen geheim bleiben müssen. Aber wenn es um die Kinder geht, um elterliche Sorge, dann steht das eben hintendran und nicht vornedran. Dann muss der Kontakt eben über Dritte wie Großeltern oder Jugendamt gewährleistet werden. Denn die Strafe für Körerverletzung heißt nicht: lebenslanger Kinderentzug oder Entväterung.

Darüber hinaus bleibt windmühlenartig zu wiederholen: Kinder werden zu gleichen Teilen Opfer von Gewalt durch Männer und Frauen. Wenn eine Frau ihr Kind drischt, soll man sie dann auch davon ausschließen, über die Schule ihres Kindes eine Entscheidung treffen zu dürfen? Oder ihr lebenslang den Kontakt zu ihrem Kind untersagen dürfen?

Das ist regelrecht sinnenstellend. Und ich finde es schlimm, weil es genau dieser Aspekt ist, der im Ursprungsartikel fehlt und damit einseitig Gewalt Vätern zuordnet. Leider erlbt man das in der Debatte um Gewalt immer wieder. Nicht das Opfer muss geschützt werden, sondern der männliche Täter soll angeprangert werden. Schade taz.

vom Lesen mit Kindern

So früh als möglich haben wir den Kindern vorgelesen. Zunächst Bilder- und Pixi-Bücher und einfache Sachen, von klassischer Kinderliteratur bis hin zu heute aktuellen Buchtiteln. Rituale sind für Kinder wichtig und so gehört bei uns eben dazu, dass den Kindern abends normalerweise vorgelesen wird, neben einem Gute-Nacht-Lied. Wir tun das so weit als möglich abwechselnd. Und wenn ich das größere von den kleinen Kindern morgens wecken muss, weil er’s alleine nicht schafft, dann weck ich ihn mit einer umgetexteten Version von „Wer hat an der Uhr gedreht, …“, das früher beim Abspann zu „Paulchen Panther“ lief. Er mag das total gern, dass es ein Lied „nur für ihn“ gibt.

Jakob (6) bekommt daher zu Weihnachten, Geburtstag und anderen Anlässen immer auch ein Buch geschenkt. Als er 2 war, war ich stationär in einer Klinik und ich hab ihm von dort aus ein Buch geschickt, dass wir dann gemeinsam gelesen haben. Das hat ihm sehr über die Zeit geholfen und anschließend konnte er fast auswendig.

Petterson und Findus gehört dabei genauso dazu, inklusive von 1. Dezember bis Ende Januar der Weihnachtsfilm – da kann er nicht genug davon bekommen. Wir haben „Urmel“ gelesen, Jim Knopf auf Videos angesehen und gleichzeitig gelesen. (einen VHS-Videorekorder zu besitzen, spart durchaus Geld in der Anschaffung solcher Filme). Interessanterweise mag er Ottfried Preussler überhaupt nicht, was ich sehr schade finde, denn ich kann mich aus als Erwachsener mal in ne Ecke verdrücken und den „Räuber Hotzenplotz“ weglesen. Dafür mag er den Pumuckl, der mir immer eher suspekt war….Aktuell lesen wir „Seeräuber Moses“ von Kirsten Boie. Ein sehr zu empfehlendes Buch.

Ein Nebeneffekt: Jakob hat nie so richtig einen Draht zum Fernsehen bekommen. Zwischenzeitlich schauen wir natürlich die Sendung mit der Maus, sofern wir sonntags zur Sendezeit zu Hause sind. Und er hat jetzt auf dem Kinderkanal ziemlich alle Folgen von Yakari gesehen – aber mit dem Einstellen der Serie ist das auch wieder vorbei. Wenn ihn etwas fasziniert, dann dauerhaft. Als Konsequenz daraus heißt unsere Katze „Miss Sally“ – der (weibliche) Porsche aus dem Disney-Film „Cars“.

Zwischenzeitlich hat er einen Stapel Pixibücher bei sich im Bett, in denen er abends noch liest. Irgendwann, so hoffe ich, liest er auch „meine“ ersten Bücher. Zentrales Medium aber bleiben für ihn bislang die Bücher, auch nachdem er fast ein ganzes Jahr schon auf der Schule ist und wir beinahe erwartet hatten, dass sich das ändert, trotz Videos, trotz Hörspielen.

Wichtig scheint mir dabei, dass das Vorlesen keine Einmalveranstaltung ist, sondern regelmäßig zum (Bettgeh-)Ritual gehört. Eine Geschichte oder ein Kapitel, wenn’s mal besonders spannend ist, auch mal zwei. Keine 5 Pixibücher, sondern eins. Zugang über andere Wege zur Geschichte sind ebenfalls wichtig, so kann er die Phantasie und das Erleben mit den Figuren verschiedenartig ausleben: Buch, CD, DVD, Figuren, Spiel. Als er eine angstvolle Phase hatte, wachte abends Frau Mahlzahn an der Kinderzimmertür über seinen Schlaf und am Treppenaufgang hängt ein mit Mama gemaltes Bild einer Gruppe von Indianers, die aufpassen, dass keine Räuber kommen….

Fazit: das Interesse an frühmorgendlichem Fernsehkonsum ist recht gering, kommt aber schonmal vor. Unser Kind geht eher raus und spielt mit Freunden, als dass er sich mittags vor Super-RTL setzt – zumal bei uns der Fernseher vor sieben nicht bzw. nur gezielt angeht (Yakari bzw. DVDs) bzw. zwischenzeitlich halt wieder erst zur Landesschau. Und er freut sich sehr über die Bücher und neue Geschichten. Ich hoffe mal, dass das so bleibt.

vom Hass auf Andersdenkende

Im Jahr 1998 beschloss mein damals 8-jähriger Sohn, dass er nicht mehr bei seiner Mutter leben wollte. Nachdem ich seinen Wunsch auf Ernthaftigkeit geprüft hatte und sicher war, das es dass war, was er wollte, wandte ich mich hilfesuchend ans Jugendamt und versuchte mit ihr eine Einigung zu treffen – denn einfach so konnte und wollte sie wohl nicht zustimmen. Anfang August 1999 fand dieser Termin statt. Am Freitag davor telefonierte ich mit ihr, es war Umgangswochenende, die Kinder waren bei mir – mein Vater hatte sie schon bei ihr abgeholt. Sie äußerte eindeutig ihre Zustimmung zum Umzug, sodass wir am Wochenende schon Pläne schmiedeten. Dann kam Mitte der Woche der Termin. Einer ihrer ersten Sätze war, dass sie dem Umzug nicht zustimmen würde, weil die Betreuung des Kinder nicht gewährleistet wäre, weil ich Vollzeit berufstätig war. Das Jugendamt hatte keine Handhabe, in die eine oder andere Richtung zu intervenieren und ich hatte keine große Ahnung, was möglich war und was nicht. Am nächsten Tag reichte ich die damals schon seitens meiner Rechtsanwältin vorbereitete Klage ein mit dem Ergebnis, dass er im Oktober 1999 aufgrund einer am Tag der Gerichtsentscheidung gefällten Zustimmung meiner Exfrau endlich zu mir ziehen konnte – wobei das Urteil trotzdem noch entsprechend gesprochen wurde.

In der Folge kam ich in Kontakt mit der im Internet aktiven Männer- und Väterbewegung, damals noch überwiegend in Foren aktiv. Ich benötigte Unterstützung in allem familienrechtlichen Angelegenheiten. Am Ende sollte dieser Streit andauern, mit Unterbrechungen bis eigentlich heute in verschiedenen Ausprägungen und Intentionen.

Ich benötigte auch Wissen, dass ich mir durch Beiträge in Foren und aktive Hilfe, wälzen von Rechtshilfeseiten angeeignet hatte. Wissen, damit ich nachvollziehen konnte, was meine Anwältin da machte und schrieb und warum. Mit der Zeit war ich selbst in der Lage zu beraten. Und mehr und mehr wurde mir die politische Dimension bewusst. Und grenzte mich sehr schnell von der radikalisierten Männerbewegung ab, die mir zum einen in ihren Äußerungen sehr rechtslastig erschien und darüber hinaus sehr frauenfeindlich und rückwärtsgewandt.

Trotz aller Erfahrungen mit meiner Exfrau erscheint es mir nicht angebracht, meine negativen Erfahrungen auf andere Frauen zu projezieren. Sicher, ich bin wacher geworden – und manchmal etwas übervorsichtig. Ich weiß auch, dass es meine Sicht ist, die ich habe – und meine Ex die Dinge natürlich ganz anders wahrnimmt. Aber ansonsten erschließt es sich mir nicht, wie man bspw. ernsthaft sich den Thesen einer Eva Hermann oder Christa Müller anschließen kann, die ja mehr oder weniger offen von der Rückkehr der Frau an Heim und Herd propagieren. Und es gibt einen relevanten Teil der sogenannten Männerbewegung, die diesen Thesen anhängt. Hinzu kommen radikale Katholiken, Männer, für die Frauen lediglich zum be-Sexen da zu sein scheinen, andere, die offen für die Vorherrschaft der Männer plädieren. Männer, deren Hauptaugenmerk „der Feminismus“ ist, für die Schließung von Frauenhäusern plädieren – wie Professor Amendt oder gar die Adressen von Frauenhäusern im Internet veröffentlichen wollen. Rechts ist wohl die richtige Einschätzung für diese Männer – und Frauen, die es auch darunter gibt. Eine davon – Foren- und Blogbetreiberin – lebte mal für 4 Wochen mit ihrem Sohn bei mir, als sie kurzfristig eine Wohnung suchte, nachdem ihr „Mann“ ihren damals 13-jährigen Sohn aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen hatte. Ihre Helden sind Männer, die offen beschreiben, dass sie ihre Kinder verlassen hätten und dafür jetzt mit einer – oft – viel jüngeren Frau in Thailand oder sonstwo leben.

Aktuell kann man in der Debatte um das grüne Männermanifest – das ich mitunterzeichnet habe – mitlesen, wie sie sich selbst in Wut schreiben und ihre Argumente oder solche, die sie dafür halten, wiederholen und ihre rein optische Übermacht durch viele Beiträge, bei denen sie gar nicht mehr auf Antworten warten und diese teils selbst geben, meinen, die Meinungshoheit zu haben. Sie belegen sich selbst – Andersdenkende werden niedergepöbelt und wo das nicht funktioniert, soviel geschrieben, dass man auch gar keinen Sinn mehr drin seiht, auch nur einen Satz zu antworten. Auch zeitversetzte Kommunikation muss einen Dialog möglich machen – aber daran sind sie nicht interessiert. Seit Jahren sitzen diese Männer hinter ihren PCs und trauen sich nicht dahinter hervor. Keine Aktionen, keine Zusammenschlüsse. Keine Männerhäuser, für die sie öffentliche Gelder erwarten, ohne nachweisen zu können, dass es einen Bedarf gibt. Keinen Boys Day – soll Vater Staat machen. Keinen Mut, Maulhelden, sozusagen. Dafür wird alljährlich darüber geschimpft, dass es einen Girl’s Day gibt. Die Alternative wäre, selbst entsprechende Aktionen für Jungs zu organisieren, wenn man die einseitige Praxis des Staates – mit Recht – kritisiert und sowas für notwendig hält (ich find’s grundsätzlich etwas schräg). Aber motzen am PC, versteckt hinter einem Pseudonym, ist einfacher.

Das dabei mögliche Mitstreiter vergrault werden, ist dabei uninteressant. Ich denke, insgesamt, gibt es berechtigte Anliegen der Männerbewegung. (und irgendwann hab ich auch wieder mein männer-/vätergrün online). Es gibt Missstände, gerade in Sachen Väterrechte. Es gibt gesellschaftlichen Handlungsbedarf, weil alte Rollenbilder überwunden werden müssen. Wenn ich bspw. heute in unserer Tageszeitung, die es online nur gegen Geld gibt, lesen muss, dass Bärbel Schäfer, Ex-Moderatorin eines Talksendung, im Interview sagt:

Alle Mütter, egal wo auf der Welt, wollen das Beste für ihre Kinder und sie beschützen vor Widrigkeiten des Lebens. Gemeinsamkeiten gibt es im Blick voller Liebe auf unsere Kleinen.

dann zeigt das doch, wie künstlich dieses Bild immer noch überhöht ist. Auch Mütter tun Kindern Furchtbares an. Sexueller Missbrauch durch Mütter und Frauen ist ebenso eine gesellschaftliche Tatsache wie in diesem Zusammenhang das Wegschauen von Müttern, wenn ihre Partner die eigenen Kinder missbrauchen. Das Münchhausen-by-proxy-Syndrom betrifft beinahe ausschließlich Mütter. Mütter ermorden ihre eigenen Kinder. In Sorgerechtsstreitigkeiten kommt es eben nicht nur zu männlichen Unterhaltsflüchlingen, sondern prozentual gesehen zahlen Frauen sogar schlechter – wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Umgangsverweigerungen, Kindesentzug – das sind nicht nur die Männer, die ihre Kinder ins Auslang entführen, sondern Mütter tun das auch – vor allem auch schon im eigenen Land, manchmal unter tätiger Mithilfe der Jungendämter. Um solche Missstände aufzudecken, um hier einen offenen gesellschaftlichen Blick zu erreichen, einen Bewusstseinswandel, bedarf es aller Kräfte. Diejenigen, die einen gleichberechtigte Gesellschaft wollen, auch viele Feministinnen, wollen, dass diese Gleichberechtigung für Frau und Mann gilt. Und für Frauen gibt es gerade in Hinblick auf berufliche Teilhabe großen Nachholbedarf, das ist schon historisch bedingt. Und für Männer eben in anderen Bereichen. Gemeinsam und getrennt sollten sich aber alle, die eine gleichberechtigte Gesellschaft wollen, dafür einsetzen. Aber was es nicht braucht, sind Pöbeleien und Herabwürdigungen.

Im weitesten Sinne Konsens zu meiner Analyse auch der Artikel in der „Zeit“ zu Thomas Gesterkamps Expertise „Geschlechterkampf von rechts (PDF)“

Leukämie an Atomkraftwerksstandorten

Kurz gebloggt:
Es gibt eine neue Meta-Analyse zur Erhöhung der Häufigkeit von Leukämieerkrankungen bei Kindern. Ingesamt festigt sich das Ergebnis der KiKK-Studie, eine Fall-Kontroll-Studie, in der das Leukämie-Risiko um 16 deutsche Kernkraftwerke untersucht wurde. Es zeigte sich eine bis 50 Kilometer Entfernung nachweisbare signifikante Erhöhung des Erkrankungsrisikos bei Säuglingen und Kindern unter 5 Jahren.

Es zeigt sich, dass Atomkraft nicht nur unwirtschaftlich ist – 168 Mrd. € Subventionen insgesamt sind in diese Technologie geflossen – sondern auch die Gefahren, die wir Atomkraftgegner befürchtet haben, auch tatsächlich Realität sind. Eigentlich müste man die Standorte von Kindern evakuieren und Zuzug verbieten – oder halt sofort abschalten.