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Gemeinderat oder Kindergarten?

Man mag denken, dass es in Gemeinderäten im ländlichen Raum nicht immer so viel zu diskutieren gibt, der Aufwand lange nicht so groß wie in Städten und die Sitzungsdauer immer eher nicht so lange. Seit ich in Malsch im Gemeinderat bin, erlebe ich die Sitzungsdauer als einigermaßen  passend zu meinen Bedürfnissen, ich glaube ein- oder zweimal war es nach 23 Uhr. Ich mach jetzt schon lange neben meinem Berufsleben, das eigentlich immer 40 Stunden/Woche umfasst hat, Politik. Ich kenne lange Parteisitzungen ab 20 Uhr, dazu noch Wochenenden, Parteitage von Freitag nachmittag bis Sonntag.

Seit einiger Zeit gibt es aufgrund des Vorstoßes der Freien Wähler eine unverbindliche Vereinbarung, die Ausschuss- und Gemeinderatssitzungen um 21:30 Uhr enden zu lassen. Das liegt im Interesse einzelner Mitglieder, die früh raus müssen. Natürlich ist es nicht immer angenehm, nach 22 Uhr noch zu diskutieren, aber ich finde, das kann halt vorkommen, wenn man ein solches Mandat übernimmt. Könnte man sich vorher überlegen.

Diese Vereinbarung lässt sich sehr schlecht einhalten, es gibt immer wieder den Konflikt und immer wieder den Hinweis vor allem aus den Reihen der CDU und der Freien Wähler, doch das gewollte Sitzungsende um 21:30 Uhr zu berücksichtigen. Strategisch würde ich annehmen, steckt der Wunsch dahinter, eine sachliche Begründung für eine Redezeitbegrenzung zu fordern. Oder es ist ganz unstrategisch und die Bedürfnisse, früh ins Bett zu gehen, sind so groß, dass man ständig genervt ist, dass Sitzungen so lange gehen. Das Mandat ist ein hoher, persönlicher Aufwand. Auch in einer kleinen Gemeinde. Für mich kann ich sagen, dass ich im Schnitt 5 bis 10 Stunden die Woche aufwende – je nachdem, wie stark „meine“ Themen gerade dran sind.

Es sind Sitzungen des Gemeinderats, der diversen Ausschüsse, Fraktionssitzungen, Repräsentationstermine. Und vielleicht ist man noch im Verein, hat da auch späte Sitzungen, Veranstaltungen, Proben.

In der letzten Sitzung im März haben dann die Gemeinderäte, die die Position vertreten, dass um 21:30 Uhr Schluss sein muss, begonnen, früher zu gehen. Sie sind aufgestanden und haben die Sitzung verlassen. Das kriegt leider keinE Bürger*in mit, weil ja die nichtöffentlichen Tagesordnungspunkte am Ende der Sitzung sind. Gestern Abend dann gingen noch mehr Gemeinderäte. Es bestand die Gefahr, dass wir nicht mehr beschlussfähig sind – obwohl noch ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung war, der im Sinne des Wohls der Gemeinde, dem die Gemeinderäte verpflichtet sind, wichtig war, zu beschließen. Das eigene Wohl wurde über das Gemeinwohl gestellt  – aber zum Glück gingen nicht alle Gemeinderäte der Freien Wähler – von diesen aber beinahe alle – und nicht alle aus der CDU. SPD und BfU/GRÜNE blieben geschlossen sitzen, der Vertreter vom BfV war nicht da. Die Beschlussfähigkeit war erhalten, aber in Gefahr.

Es ist nichts dagegen einzuwenden zu versuchen, die Sitzungen so früh als möglich zu beenden. Aber um eine Entscheidung treffen zu können, muss man die Dinge ausdiskutieren und ich habe schon manchen zusätzlichen Aspekt zu einer Sache gelernt und finde die Debatte um einzelne Aspekte wichtig. Manche Dinge wollen, manche Dinge müssen auch gesagt werden. Aber einfach so rauszugehen, die Teilnahme an der Sitzung abzubrechen, ist unerhört. Noch dazu, um eine Regelung einzufordern, die völlig unverbindlich ist, über die nie abgestimmt wurde, sondern die Forderungen einzelner Gemeinderatsmitglieder ist. Man hätte ja auch die Möglichkeit gehabt die Sitzung zu vertagen, dazu einen Antrag zu stellen – aber wegen anderthalb Tagesordnungspunkte wäre die Mehrheit dem Antrag dem kaum gefolgt – dann muss man sich nämlich binnen 24 Stunden erneut treffen. Sowas macht man nur, wenn es 22 Uhr ist und man hat noch 6 Tagesordnugnspunkte……

Darüber hinaus ist 21:30 Uhr nicht zu spät. Ein-/zweimal im Monat länger als bis 21:30 Uhr nicht zu Hause zu sein, ist keine Überforderung erwachsener Menschen, wie ich finde. Zumal einem der Arbeitgeber für die Tätigkeit als Gemeinderat (unbezahlt) freistellen muss. Was ja auch für den nächsten Morgen gelten kann, wenn man sehr früh beginnen muss (ja , ich weiß, das geht beim selbstständigen Bäcker nicht – aber der hat ja gewusst, bevor er kandidiert hat, auf was er sich einlässt).

Kitas flächendeckend

Um die Attraktivität des Berufs zu steigern und die Professionalität des pädagogischen Fachpersonals zu erhöhen, setzen wir uns dafür ein, die Studiengänge mit Bachelorabschluss an den Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen zügig auszubauen und auf die Dualen Hochschulen auszudehnen.

So steht es in unserem Wahlprogramm. Alle sind sich einig: Der Erzieher_innenberuf muss aufgewertet werden. Die Qualität insgesamt muss besser werden. Und wir benötigen flächendeckend KiTas, damit frühkindliche Bildung für alle möglich wird, unser langfristiges Ziel mindestens eines kostenlosen Kindergartenjahres schnellsmöglich auf die Tagesordnung kann. Familien brauchen die Sicherheit einer guten Versorgung ihrer Kinder. Der Wandel von der Selbst- zur Fremdbetreuung als „normal“ muss schneller vorangehen. Es gibt viele Gründe dafür.

Da ist einerseits der Fachkräftemangel. Noch immer leisten es sich zu viele junge Frauen, drei oder mehr Jahre zu Hause zu bleiben, obwohl sie viel Zeit in eine gute Ausbildung investiert haben. Kommt dann ein Kind, erlebt man immer noch zu oft, dass der Mann arbeiten geht (und anfängt Überstunden zu arbeiten, um die Gehaltseinbußen aufzufangen) und die Frau bleibt zu Hause. Leider zu oft zu lange.  Wenn ein zweites Kind dazu kommt, werden oft zehn Jahre und mehr daraus. Denn neben den fehlenden Ganztageskindergärten fehlen flächendeckend Ganztagesschulen – bzw. Unternehmen, die zulassen, dass Eltern Teilzeit arbeiten können. Für Männer fehlen Teilzeitplätze fast überall. Job-Sharing-Modelle rufen höchstens Naserümpfen hervor anstatt begeisterte Unternehmer. Zudem kratzen sie am Nimbus der eigenen Unersetzlichkeit. Die Kinder gehen Teilzeit in den Kindergarten, nachmittags zum Sport, zum Reiten, zum Tanzen, zum Klavier, zum Schwimmen – alles innerhalb der üblichen Arbeitszeiten. Da muss eine bereit stehen – Männer trifft man selten bei Krabbelgruppen, bei all den Attivitäten „rund um’s Kind“ und werden auch immer ein bißchen komisch angeschaut. Will man sich noch im Kindergartenelternbeirat engagieren – die treffen sich meist auch um 12, wenn der Kindergarten „zu Ende“ ist. Gleiches gilt dann mit dem Schulanfang – das sechsjährige Kind kann ja nicht alleine zur Schule – weder laufen noch hinterher alleine mit den hausarufgaben klar kommen. In den SChülerhorts fehlts an pädagogischem Personal, das keine Hausaufgabenbetreuung machen darf und Hausaufgaben müssen ja sein – vom dritten Schultag an spätestens. Es könnte ja Schullaufbahnmäßig einiges schief gehen, wenn das Kind nicht gut begelitet wrid die ersten Jahre und Mama mit an den Hausis sitzt – Mütter übernehmen gerne diese Erstklässlersprache – und reden dann auch gerne davon, dass „wir schon das große Einmaleins gelernt haben“ – man beachte – oft Akademiker_innen mit gutem Abschluss, aber auch sonst mehr oder weniger gut ausgebildetet Menschen mit zumindest einigen Jahren Schulbesuch und hoffentlich des Schreibens mächtig.

Ich rede bewusst von Müttern, weniger von Vätern. Denn so wie Frauen auch scheinbar automatisch lieber zu Hause bleiben, so gestalten sie auch das soziale Umfeld ihrer Kinder. Interessanterweise denken viele Väter genauso – in Bezug darauf, dass die Frau zu Hause bleiben soll und das alles zu managen hat. „Ich leite ein kleines Familienunternehmen“ ist leider bittere Realität.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Insofern wäre eine andere Normalität dringend notwendig. Zumindest mal als Angebot – bis sich das Bild wandelt, wird es sicherlich noch eine Generation andauern.

Aber wie sollen wir eigentlich dafür sorgen, dass es genügend Erzieher_innen gibt. Flächendeckendes Angebot, ganztags und die Inklusion umgesetzt, das alles mit Bildungsplan – wer soll das bitte amchen und bitte, wer soll das alles bezahlen?

Seit einiger Zeit denke ich, dass es, ähnlich wie im Bereich Altenpflege, eineN niedriger qualifizierteN Erzieher_in geben muss. Jemand, der nur mit den Kinder spielt. Nur aufpasst, dass „nix passiert“. Während einer der studierten eine Gruppe leitet. Den pädagogischen Plan erstellt. Überwacht, dass er umgesetzt wird. Elterngespräche führt. Mehr Geld verdinet. Und so weiter. Aber für einen ganz regulären Bereich „reicht“ auch jemand als Hilfe, der unterstützt. Der „einfach“ ausgebildet ist. Weniger Geld verdient. Nicht studiert hat, sondern eine Ausbildung gemacht hat. Was dafür sorgt, dass diesen Beruf auch mehr Menschen ergreifen können. Ohne Abitur. Das es leicht macht, ausländische Abschlüsse anzuerkennen – wie viele bspw. türkische oder russische Pädagog_innen gibt es in Deutschland, die an irgendwelchen Packstraßen verpacken oder putzen (unter anderm auch, weil sie keine Christen sind und daher vom Träger nicht angestellt werden…)? Es braucht diese „einfache“Erzieherin. Denn es gibt genügend, die mit einfachem „ich liebe Kinder“ genausogut für Kinder sind wie eine sozialpädagisch ausgebildete akademische Erzieherin.

In Diskussionen mit Bildungs“experten“ stoße ich mit dieser Ansicht meist auf Widerspruch. Alle sagen sie, dass die Aufwertung notwendig ist. ich glaube, sie irren sich. Aber mich würd mal interessieren, wie das diejenigen sehen, die diesen Artikel lesen. Also bitte, nicht mal nur mit dem Kopf nicken oder denken, „beim Rupp ist Hopfen und Malz verloren“. Ich trag mich nämlich mit dem Gedanken, meine Ansicht über Anträge in die politische Umsetzung zu bringen.