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der dritte Streich

Es ist schon reichlich perfide, was Christian Füller als taz-Journalist im Nachgang meiner Kritik an seinem Jubel-Artikel über Julia von Weilers Buch schreibt. In einer schnellen Twitter-Reaktion auf

Das Netz […] ist die Börse fürs Kennenlernen und für Kinderpornografie

schrieb ich in einem Twitterbeitrag

Die „Kinderpornoleier“ reisst er skandalisierend komplett aus dem Zusammenhang und formuliert die Schlagzeile:

„Missbrauchsinitiativen empört über „alte Kinderpornoleier“,

obwohl ich ihm in einem Telefonat den Bezug zu den Bürgerrechtsdebatten ums Internet (Zensursula/VDS) erklärt und klargestellt habe. Ich habe gleichzeitig klargestellt, dass man innerhalb von 140 Zeichen auch manchmal zu umgangssprachlichen Ausdrücken greift. Es ist ja nicht so, als wäre der Ausdruck „Leier“ im Sinne von „jetzt kommt schon wieder jemand damit an“ gänzlich unbekannt.  Er stellt es so dar, als ging es mir darum, Kinderpornografie im Internet als Bagatelle darzustellen. Ich habe ziemlich lange gebraucht, um das Problem der mir von ihm unterstellten Bagatellisierung überhaupt zu erkennen – so absurd war das für mich. Erst im Telefonat wurde mir klar, warum er sich  so aufregt. Offenbar hat er sich aber vor dem Telefonat mit mir auch mit Wildwasser, Strohhalm und Zartbitter ins Benehmen gesetzt und wohl erzählt, Herr Rupp,  ein grüner Landesvorstand aus Baden-Württemberg bagatellisiere Kinderpornografie im Internet. Anders sind solche Sätze nicht zu begreifen (interessanterweise von Silke Noack, Teil der von mir kritisierten Organisation „Innocence in Danger“):

„Ich weiß gar nicht, was Herr Rupp mit Kinderpornoleier meint. Denkt der vielleicht, das leiert sich aus? Das ist gefährlicher Unsinn, der unsere Arbeit behindert.“

Das zeigt mir, dass Herr Füller gar kein Interesse daran hatte, mit mir eine Klärung herbeizuführen oder gar zu verstehen, was mich zu der Aussage gebracht hat. Wie gesagt, den Zusammenhang hatte ich ihn erklärt – darüber verliert er in seinem Artikel kein Wort. Im Gegenteil, er bezieht meine Aussage auf das Buch. Darüber hinaus ist es ihm wohl weiterhin wichtig, mir irgend etwas zumindest anzuhängen. Denn nur so sind zwei Dinge erklärbar:

Auf seinem Blog und in seinen Texten beruft sich Rupp beständig auf den verurteilten Besitzer von Kinderpornografie, den Exbundestagsabgeordneten Jörg Tauss.

Das ist zwar so nicht wahr – ich habe per Blog den Prozess gegen Jörg Tauss begleitet, den ich in der ihm unterstellten sexuellen Absichten in seiner Angelegenheit nach wie vor für unschuldig halte und ihm einmal im Verfahren auf die Verlautbarungen der Ex-OB von Ettlingen, Büssemaker, hingewiesen. Was das in dem Zusamenhang soll, ist dabei ziemich offensichtlich. Wenn vom aufgebauschten Empörungsfall wenig bleibt, stellt man halt Zusammenhänge her, die so nicht gegeben sind. Tauss wohnt im Wahlkreis, für den ich zweimal kandidiert habe und war hier selbst Bundestagsabgeordneter.

Auch die Bundesgrünen distanzierten sich. “ ,Kinderpornoleier‘ entspricht sicher nicht unserer Wortwahl für die Auseinandersetzung mit dieser wichtigen und ernsten Debatte“, sagte der netzpolitische Sprecher Malte Spitz.

Stimmt. Aber die Bündnisgrünen haben noch viel mehr dazu gesagt:

„Ich halte es für falsch und weise es zurück, das einzelne Grüne, selbst wenn sie Aussagen treffen die ich in der Wortwahl und  Verkürzung nicht teile und diese Worte auch nicht Teil der Grünen Debatte sind, dann als „Kinderpornolobbyisten“ bezeichnet werden. Das sind Verleumdungen die weit über das verträgliche einer politischen Debatte hinausgehen. Jörg Rupp hat sich in der inhaltlichen Debatte immer wieder aktiv eingebracht, einen Verein gegen sexuelle Gewalt  gegen Kinder mitgegründet und setzt sich aktiv im Bereich Medienkompetenz und Jugendmedienschutz ein.“

Eine Distanzierung sieht anders aus. Dass Füller nur den Teil, der ihm aus Malte Spitz‘ Stellungnahme passt, zitiert und alles andere weglässt, spricht auch nicht gerade dafür, dass sein Empörungsgebäude auf sicheren Füßen steht. Interessant ist, dass er versucht, an die alten Unterstellungen, Grüne würden irgendwie Pädosexualität straffei stellen wollen, anzuknüpfen:

„Mich erinnert das an die 1980er Jahre, als man aus der grünen Partei Stimmen hörte, die Pädosexualität straffrei stellen wollten“, sagte Iris Hölling.

Das war zwar nie Position innerhalb der grünen Partei, aber damit lässt sich ja immer gut Stimmung machen. Korrekt war es so, wie Marita Wagner schreibt:

Zur damaligen Zeit, es waren noch die Ausläufer der „sexuellen Befreiung“ vor allem durch die Kommunebewegung, gab es in der Schwulenbewegung reichlich Sympathie für pädophile Gedankengänge. Oder anders ausgedrückt, die Pädophilen versuchten sich der Schwulenbewegung zu bedienen und ihre Interessen auch durch die Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule der Grünen zur Geltung zu bringen. Im Zuge dessen kam es auch zu einem Antrag der BAG Schwule auf einem Parteitag der Grünen NRW, der allerdings durch das Einschreiten der grünen Frauen, ich war daran beteiligt, verhindert werden konnte.

Im Internet kursiert noch immer die falsche Annahme, dass dieser Antrag durchgekommen sei und die Grünen NRW diesen Antrag angenommen und es im Parteiprogramm aufgenommen worden sei. Dies ist allerdings falsch.

bzw. in ihrer Stellungnahme zu der Füllerkampagne:

Die Nürnberger Stadtindianer waren auf den Delegiertenversammlungen gefürchtet. Man hat versucht sie so gut wie möglich zu integrieren bzw hinauszubitten. Aber die Geschichte kennt Füller wohl nicht.

Herr Füller kennt vieles nicht. Ich hatte ihn gebeten, mal im Trollforum zu Kinderpornografie zu recherchieren – auch über Innocence in Danger. Da hat ihn wohl schon der Name abgestoßen. „Ich bin kein Netzpolitiker“, sagt er. „Ich recherchiere doch nicht in einem Trollforum.“

Im November 2002 wurde dieses Forum eröffnet. Die Idee stammt von Heise-Usern, die damit eine thematische Schnittstelle zwischen den Heise-Foren und dem Überwachungsforum Stop 1984 schaffen wollten. Es geht um Zensur, Informationsfreiheit, Meinungsbildung und Überwachung im Allgemeinen und um sexuellen Missbrauch und Kinderpornografie im Besonderen. Im Mittelpunkt stehen Strafrecht, Politik und Medien. Auf einige Aspekte möchten wir auf unseren Seiten etwas ausführlicher eingehen.

Vielleicht würde ihn mehr interessieren, was Stefan Niggemeyer zu Julia von Weiler schreibt:

Die »Welt« deutet an, dass Julia von Weiler auch nicht unbeteiligt daran war, Familienministerin Ursula von der Leyen von der Notwendigkeit eines solchen Gesetzes zu überzeugen. Eilig vorangetrieben wurde es jetzt von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, dessen Ehefrau Stephanie Freifrau zu Guttenberg zufällig Präsidentin des Vereins »Innocence in Danger« ist, dessen Geschäftsführerin bekanntlich Julia von Weiler ist (die auch Julia Freifrau von und zu Weiler heißt — angesichts des Vorstands schiene »Adelige für Kinder« auch ein treffender Name für die Organisation).

Letztendlich muss ich anerkennen, dass hier eine Kampagne gegen mich (und die Grünen) läuft, aufgrund einer (bewusst?) missverstandenen Aussage (und was noch?). Schon hat mich eine Mail mit folgendem Inhalt erreicht:

Danke Jörg, für die Wahlkampfhilfe. So schaffen wir es auch in NRW, auf unter 10% zu kommen. Auch wenn du vom Fach kommst, mußt du doch merken, mit welchen umgangssprachlichen Sprüchen entsprechend ankommst.
Verärgert und ohne Gruß

Trotz Klarstellung scheint Herr Füller nicht von seinem Tripp herunter zu kommen. Mit Recht sind mir gegenüber Befürchtungen geäußert worden, dass andere Presseorgane dies aufgreifen könnten, möglicherweise noch mit einem der weniger hübschen Bilder von mir, die man im Netz finden kann. Ich sehe dieses Risiko auch nach diesem Artikel. Daher bleibt mir wenig anderes übrig, als meine Sicht der Dinge noch einmal darzustellen – mein Blog hat natürlich nicht die Reichweite der taz.

Ich kann zwischenzeitlich verstehen, dass der Begriff „Kinderpornoleier“ aus dem Zusammenhang gerissen tatsächlich bagatellisierend begriffen werden kann. Mit diesem Verständnis würde ich ihn auch nicht mehr schreiben oder sagen. Ich finde aber, dass ich ausreichend und umfangreich dargestellt habe, dass es so nicht gemeint war, sogar gesagt habe, dass, sollte dieser Eindruck entstanden sein, es mir leid tut. Ich finde es ziemlich spannend und beängstigend – auch wenn ich noch nicht weiß, wie das alles ausgeht – wie schnell man in so einen Strudel geraten kann. Ein böswilliger Journalist mit entsprechender Reichweite bei einem emotional besetzen Thema – und schon kann man überlegen, ob man wirklich für den Bundestag kandidieren kann. Da wird einem schon anders.

Kinderschutzvereine am Beispiel Innocence in Danger

Meine Auseinandersetzung diese Woche mit dem taz-Redakteur Christian Füller, die wohl ein hoffentlich nur anwaltliches Nachspiel haben wird, hat seine Begründung in seinem, in meinen Augen, völlig unkritischen Beitrag zum Buch der Geschäftsführerin von Innocence in Danger. Das habe ich dargelegt. Ich habe eigene Erfahrungen mit solchen Vereinen, habe 1997 zunächst innerhalb von AOL den Verein CareChild  mit gegründet und ihn aufgrund Meinungsverschiedenheiten zur Ausrichtung des Vereins und dem Finanzgebahren des damaligen, zwischenzeitlich verstorbenen Vorsitzenden verlassen. Ich bin aber immer weiter am Thema interessiert geblieben.

Innocence in Danger ist einer der Kinderschutzvereine, wie sie es immer wieder gibt. Eine eigentlich korrekte Intention, nämlich Kinder zu schützen, wird künstlich erhöht, der Kinderschutz über alles gestellt – über den Rechtsstaat, über seriöse Ermittlungsmethoden, über Polizeiarbeit. Mit reißerischen Darstellungen – das fängt ja schon mit der Namensgebung an – versucht man einerseits Aufmerksamkeit zu erregen, andererseits schnelle Handlungsoptionen zu erzwingen, die selten durchdacht sind, sondern eher am Stammtisch entstanden sind – in dem Fall vermutlich am Kaffeetisch. Als immer wiederkehrendes Muster werden dabei auch Einschränkungen der Bürgerrechte gefordert, nicht zuletzt die Vorratsdatenspeicherung. Dabei wäre die richtige Forderung in meinen Augen die nach mehr Expertise für Kinder und Jugendliche – Stichwort Medienkompetenz – und eine technisch, personell und finanzielle angemessene Ausstattung der Ermittlungsbehörden sowie eine Entbürokratisierung bei Strafanzeigen (stell mal eine Strafanzeige im Internet: am Ende musst Du ein Formular ausfüllen und bei der örtlichen Polizei abgeben, Screenshots selbst erstellen etc. pp).

Die Hauptprojekte von Innocence in Danger gelten nicht missbrauchten Kindern, sondern der aggressiven Öffentlichkeitsarbeit,  der Einwerbung von Spendenmitteln und u. a. der Finanzierung der Frau von Weiler auf diversen Posten bei IiD und dem Verein N.I.N.A. Nun könnte man natürlich dennoch sagen, dass Öffentlichkeitsarbeit, Spenden und die Produktion von Personal- und Verwaltungskosten Kindern zugute kommen. Auch das ist ein Muster, da sich oft wiederholt: ich gründe einen Kinderschutzverein und dabei bring ich mich so persönlich ein, dass mich jemand dafür bezahlen muss – also am besten der Verein. Bei IiD helfen Prominente dann, tatsächlich, hohe Spenderzahlen zu generieren, es sind auch erhebliche öffentliche Gelder im Umlauf. Geld, dass man in den zuständigen LKAs dringend gebrauchen könnte.

Der Tätigkeitsbericht (PDF) zeigt insgesamt wenig Aktivitäten. Wenn man bedenkt, das dem Verein neben den öffentlichen Geldern die 500.000 € zur Verfügung stehen, die Stephanie von Guttenberg bei RTL „Wer wird Millionär“ gewonnen hat, sowie ein weiterer Teil von 125.000 €, die Marie Riesch ebenfalls dort gewonnen hat – ein Schelm, wer Böses bei dieser Verquickung mit RTL und BILD denkt –  dann sind findet man dort einerseits die Kunstwochen, die gerne auf Schlössern der Sponsoren stattfinden und

Vom Mai bis Dezember 2011 erreichten wirdurch unsere Tätigkeit 222 Jugendliche, 554 Multiplikatoren und 80 Eltern. Daraus ergabensich intensive Schulungen für 60 Jugendliche zu Smart User Trainern und 64 Multiplikatoren aus 7 Bundesländern.

Die Fachleute beurteilen die Aktivitäten dieses überaus reichen Vereins so:

„In der praktischen Arbeit ist uns dieser Verein bislang nicht aufgefallen“, sagt etwa Gerd Engels, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ). Wo man fragt in Expertenkreisen, Guttenbergs Verein ist Fachleuten positiv nicht aufgefallen: „Uns ist kein herausragendes Präventionskonzept von ,Innocence in Danger‘ bekannt“, sagt Insa Schöningh, Bundesgeschäftsführerin der evangelischen Aktionsgemeinschaft für Familienfragen. „Dieser Verein lenkt von den wichtigen Problemen ab“, kritisiert Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds. „Ich wüsste nicht, dass die eine einzige Beratungsstelle oder ein Kinderhaus hätten.“ Stattdessen kapriziere sich „Innocence in Danger“ auf Missbrauch im Internet. „Das sind sehr wenige Fälle im Jahr“, sagt Hilgers. In Familien würden hingegen bis zu 120 000 Kinder jährlich Opfer durch Missbrauch.

Konkrete Hilfen gibt es dann noch im Rahmen von N.I.N.A., eine kostenpflichtige Hotline für 14 Cent pro Minute. Es handelt sich dabei um eine Shared-Cost-Nummer, die Kosten für N.I.N.A. trägt aber ein Sponsor. Hier wurde ein extra Verein ins Leben gerufen. Warum, ist völlig unklar. Offenbar versucht der Verein, eine seitens der Bundeseregierung geförderte Hotline einzurichten, also sozusagen DIE Hotline der Bundesregierung in Sachen sexueller Missbrauch zu werden  – damit wäre die Finanzierung und der Arbeitsplatz von Frau von Weiler langfristig gesichert.

Über die Kritik am Finanzgebahren habe ich ja ausreichend verlinkt. Die Bilanz 2011 zeigt Ausgaben von einer halben Million €.  Für einen Verein, der „in der praktischen Arbeit bislang nicht aufgefallen ist“ ist das ein bißchen viel. Wirklich produktiv herausgekommen ist dabei das Buch der Frau von Weiler. Das offenbar so schlecht läuft, dass Herr Füller meinte, dafür Werbung in der taz  machen zu müssen.

Und auch dazu ein letztes Wort: ich lese die taz, seit ich mich für Politik interessiere. Wichtig war und ist der taz immer die Unabhängigkeit. Angesichts Füllers Artikel scheint mir das aber nicht mehr gegeben zu sein. Der Artikel ist sowas wie eine Dauerwerbefernsehsendung. Ich frage mich, wie dieser Artikel die Redaktion passieren konnte. Denn insgesamt bietet Innocence in Danger genügend Anlässe, genau hinzuschauen, was mit den immensen Geldmitteln tatsächlich passiert. Es wurden öffentlichkeitswirksam sehr schnell sehr hohe Geldbeträge organisiert. Die Verwendung ist großteils weder nachvollziehbar, noch scheinbar sehr effektiv. Für N.I.N.A wurden weitere Sponsorengelder gesucht, um die Hotline 7 Tage die Woche zu besetzen und die Personalkosten dafür zu decken – man fragt sich schon, wieso das nicht im normalen Betriebsablauf integrierbar ist.

Was fehlt? N.I.N.A. braucht weitere psychologisch/pädagogisch geschulte Fachkräfte als Ansprechpartner am Telefon. Damit N.I.N.A. öfter erreichbar ist. Hierfür suchen wir Sponsoren, die Personal finanzieren.

Schaut man sich an, was über die Arbeit save-me-online (Das neue Angebot von N.I.N.A.) berichtet wird, dann bleibt alles sehr unkonkret:

Anlass, sich an save-me-online zu wenden, ist für fast zwei Drittel sexuelle Anmache im Internet (72%). Fast immer wurden eindeutige sexuelle Angebote gemacht und nach Fotos gefragt. Erschreckend häufig geht es darum, Treffen in die reale Welt zu verlegen. Hier sind es vor allem Mädchen, die nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, sich unter Druck gesetzt fühlen und deshalb Rat suchen.

Wer wen anmacht, ob das Erwachsene, Gleichaltrige, Freunde, Unbekannte, wo (also auf welcher Plattform) das passiert ist, in welchem Zusammenhang – alles bleibt nebulös – wie alles bei bei IiD. In der Fanatasie des Betrachters herrscht Sodom und Gomorrha. Ich will Grooming und ähnliches keinesfalls verharmlosen – aber solange nicht definiert ist, um was es sich konkret handelt, hat das alles nichts zu bedeuteten. Das ein 15-jähriger ein (gleichaltriges) Mädchen per Internet anmacht oder im Chat jemanden bittet, ein Nacktfoto zu senden – und es dann hinterher weiter versendet – nun, das ist möglicherweise unschön, aber nichts, was den Einsatz von 100.000 € im Jahr rechtfertigt – Geld, das seriöseren Institutionen wie bspw.  Hänsel und Gretel am Ende fehlt.

Viele Kinder und Jugendliche geben mit großer Sorglosigkeit persönliche Daten preis.

Das ist eine Binse. Letztendlich müssen Kinder lernen, mit den sozialen Medien umzugehen. Umgangsregeln müssen erlernt werden – und das geht nicht mit „Chatregeln“. Es braucht darüber hinaus Vertrauenspersonen, die in der Lage sind, die Vorfälle richtig einzuordnen. Soviel Vertrauen, dass sich Kinder und Eltern bei Facebook befreunden – sodass man zwar sehen kann, was passiert und bspw. bei öffentlichem Cybermobbing sich öffentlich an die Seite stellen kann – aber nicht alles kommentieren muss. Eltern müssen aushalten, dass ihre Kinder erwachsen werden – ich habe fünf davon – ich weiß, dass das nicht immer einfach ist. Mit den Großen hat es auch Situationen gegeben, die ich lieber nicht erlebt hätte – aber ich denke, im Großen und Ganzen habe ich mich soweit verständnisvoll gezeigt, dass sie genügend Vertrauen zu mir hätten, dass sie kommen würden, zu mir oder meiner Frau, ihrer Mutter oder deren Mann oder einem ihrer Brüder, schlicht, sich Hilfe suchen würden, würde etwas passieren, was ihnen zu schaffen macht. Eltern müssen loslassen, Vertrauen haben, ihren Kindern etwas zutrauen, damit leben, dass Kinder eigene Menschen sind, die ihren eigenen Weg finden müssen, so schwer das manchmal als Elternteil ist, wenn man daneben steht und das dicke Ende ahnen kann. Ich habe das auch lernen müssen – und ich bin froh, dass ich einen Sohn habe, der mir das immer wieder klar macht, wenn die Papaglucke mit mir wieder durchgeht.

Aber die Eltern, die dazu neigen, ihre Kinder mit dem Auto bis in den Kindergarten oder die Schule hinein zu fahren, sie nicht auf die Straße lassen, beim Fußballtraining dabei sind, sie in Watte packen und zu Unselbstständigkeit erziehen, sich so sehr mit ihnen identifizieren, dass die Hausaufgaben ihrer Kinder ihre eigenen werden, alles Böse von ihren Kindern fenhalten wollen – die brauchen natürlich auch im bösen Internet die volle Kontrolle oder zumindest ein Regelhandbuch. Kinder werden groß, wollen ihr eigenes Leben führen. Dazu gehört auch, dass sie ihre Sexualität selbst entdecken. Und dass sie erleben, dass Freunde nicht immer nett sind. Das Netz ist ein Lebensraum, der erkundet werden will. Man muss lernen, darin zu „gehen“. Vereine wie Innocent in Danger schüren die Angst vor dem Fremden, vor dem, was Eltern nicht verstehen – weil sie es nicht mitkriegen. Und es ist wichtig, dass Dinge im Leben der eigenen Kinder passieren, die Eltern nicht mitkriegen.  Man sollte nur immer bereit sein, ein paar Scherben aufzusammeln. Mit der Angst dieser Eltern werden Sponsorengelder eingeworben und in Form zweifelhafter, weil ineffektiver Projekten (ja, im Einzelfall sind die sicherlich hilfreich – nur, wäre das nicht anders und billiger nicht auch möglich gewesen??)  und Personalkosten ausgegeben.

„Unschuld in Gefahr“ – tut mir leid, Frau Psychologin, Frau Freifrau: Unschuld – ohne Schuld. Um welche Schuld geht es denn hier? Geht es darum?

Umgangssprachlich wird auch als unschuldig bezeichnet, wer in sexueller Hinsicht noch unberührt, „jungfräulich“ ist. Die als Keuschheit bezeichnete Tugend beschreibt hingegen das Ideal einer wiedererlangten Unschuld. (Wikipedia)

Dann ahne ich, worum es geht.

 

es reicht

Heute morgen wurde ich auf einen Artikel von Christian Füller, Journalist der taz aufmerksam, der mit einem reißerischen Titel: „Sexuelle Gewalt gegen Kinder, das Web als Antörner“ mal wieder die alte Leier vom bösen Internet und den armen, bedrohten Kinder singt. Und er singt nicht nur dieses Leier – er preist mit seinem Artikel gleichzeitig das Buch der Geschäftsführerin von Innocence in Danger, Julia von Weiler an, das sich offenbar nicht so gut verkauft. Kein Wunder, wenn man liest, was Füller so an Inhalten auftischt, die in diesem Buch stehen sollen.

Das Gute an Weilers Buch ist, dass sie ein Vademecum auch für stinknormale Ahnungslose geschrieben hat, ohne aber simple „Schaltet das ab“-Fantasien zu bedienen.

Das aus berufenem Munde, der sich entblödet, einen Absatz später folgendes zu schreiben:

Das Netz ist aber zugleich der Ort, wo Pädophile und Pädokriminelle geschützten Zugang zu Teenies bekommen. Es ist die Börse fürs Kennenlernen und für Kinderpornografie. Innocence in Danger hat mit der TV-Serie „Tatort Internet“ für jeden sichtbar gemacht, wie schnell und zielgerichtet Päderasten beim Cyber-Grooming und -Dating vorgehen. Das hat die Republik in die falsche Richtung aufbrechen lassen: Sofort fragten die Feuilletons nach dem Schutz der Täter – und nicht nach dem der Opfer.

Kein Wort zu Innocence in Danger  – über die nicht nur Jörg Tauss vielfältig kritisch berichtet hat. Auch der Focus und die FR berichten über den intransparenten Umgang mit denVereinsfinanzen. Es gibt Berichte über Medienkampagnen, wenn man den Verein kritisiert oder seltsame Pressemitteilungen. Ich selbst habe auch schon einen Artikel dazu geschrieben. Tatort Internet wurde heftigst von allen, die was davon verstehen, kritisiert. Alles egal – Christian Füller jubelt euphorisch:

Julia von Weiler bietet in ihrem Buch konkrete Hilfe an, die weiter reicht, als alle einschlägigen Listen und Adressen zu nennen. Es geht ihr darum, Kinder so stark zu machen, dass sie mit negativen Erfahrungen im Netz umgehen können.

Einwände, dass 80-90% aller Missbräuche im direkten sozialen Umfeld der Kinder stattfinden, wie der Verein sogar selbst zugibt, interessieren nicht. Das böse Internet, die bösen Pädokriminellen und die sozialen Netzwerke – da passiert das alles. Denn wenn das so ist, dann kann man Ratgeber verkaufen, Unterrichtsmaterial zum Download anbieten, Geld mit der Shared-Cost-Hotline verdienen (14 Cent/Minute) sich bekannter machen, mehr Spendengelder aquirieren oder gar sich der Hilfe bekannter Schauspieler wie Til Schweiger bedienen, der sein Gesicht und seinen Namen auf der Homepage des Vereins hergibt. Schweiger, der Modedesigner ist, dem es aber egal ist, ob seine Klamotten in ausbeuterischer Kinderarbeit produziert werden.

Auf Kritik an diesem Werbeartikel für ein Buch dieses dubiosen Vereins reagiert Christian Füller so:

Das passt alles ganz gut ins Bild dessen, was einem blüht, wenn man Innocence in Danger kritisiert. Nur, was hat Christian Füller davon?

Update:

es reicht Christian Füller offenbar nicht, er legt heute abend nach:

Tatort Internet

Da ist sie wieder, die Debatte um Kinderpornografie im Internet. Mit ein bißchen Verspätung reagiere ich hier, bin ich doch ein bißchen erstaunt, woher ein Verein wie „Innocence in Danger“ die Chuzpe nimmt, derartig einseitig an diese Thematik heranzugehen.

Auf der Webseite des Vereins findet man folgende Infos (Auzug), warum sie tun:

strebt eine Vernetzung zwischen Jugendhilfeorganisationen, die gegen sexuellen Missbrauch und pornografische Ausbeutung an Kindern im Internet arbeiten, und Sponsoren aus der Wirtschaft an

nutzt zudem seine bereits bestehenden Verbindungen zu Politik und Wirtschaft […] und weitere Gesetzesänderungen angeregt werden

Verkürze ich das, dann will man Spendengeldern eintreiben und die Gesetze verschärfen. Nur welche. Da ist zum Beispiel das, das die Anbahnung sexueller Kontakte mit Kindern mittels Chats zukünftig unter Strafe zu stellen sei. Das ist es jedoch schon. Bleiben nur die Netzsperren und die Löschung. Ja, nur um die Produktion. Da wirds schwierig.

In der taz findet sich dazu ein aufschlussreicher Artikel:

Wir haben immer gesagt, es muss gelöscht werden und dass die Hoster, Provider und die Produzenten zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Unsere Agenda ist der Opferschutz – alles, was dem dient, fordern wir.

Das ist banal. Und geradezu peinlich, wenn man sich ihre anderen Antworten anschaut.

Zur Produktion – in meinen Augen der zentrale Ansatzpunkt. Nur ging den bislang niemand in dieser Debatte wirklich an. Denn das hieße, sich mit dem Thema sexuellem Missbrauch mitten in der Gesellschaft auseinaderzusetzen. 80-90% der TäterInnen kommen aus dem persönlichen Umfeld der Opfer. Die TäterInnen kommen aus der Mitte der Gesellschaft. Sind Familienangehörige, Tanten, Onkel, FreundInnen der familie, Väter, Mütter, Brüder, Schwestern, …

Und deshalb ist es notwendig, Zeugs wie „Tatort Internet“ zu produzieren. Es lenkt ab. Es lenkt ab von den Schandtaten der Pfarrer und ErzieherInnen, die in den vergangenen Monaten Schlagzeilen gemacht haben. Endlich ist der/die TäterIn wieder irgendein so „perverses Schwein“. Die Welt wieder gerade gerückt, noch dazu von der konservativen Königin der Herzen, Stephanie zu Guttenberg. Sicherlich einer der Gründe, warum „Tatort Internet“ jetzt gesendet wird.

Um Paulus und Gallwitz zu zitieren, zwei Polizeibeamte, die dieses Feld gut genug kannten, um ein leider vergriffenes Buch zu schreiben:

So sind wir nicht und das sind ja keine Menschen. Die gehören alle weg aus unserer Gesellschaft. Dann ist wieder alles in Ordnung.

Das funktionierte bei den Pfarrern nicht. Und wo noch nicht? Bei den Familienmitgliedern. Wenn soviele Taten im direkten Umfeld stattfinden – wie verbreitet ist sexueller Missbrauch im Bürgertum? Und: da bleibt das leidige Thema Sextourismus. Eine Form der Ausbeutung der Entwicklungsländer. Dabei entsteht oft genug ebenfalls kinderpornografisches Material. Viele zigtausende Reisen werden jährlich gemacht, einzig mit dem Ziel „Sex mit Minderjährigen“ und teilweise auch mit der Produktion von Filmen und Fotos. Das zu hinterfragen – würde das nicht auch bedeuten, die Reisegesellschaften und Fluglinien zu hinterfragen, wo ihre Verantwortung liegt? Da geht es nicht nur um Thailand – da geht es auch um die Tschechei und um Rumänien oder Ungarn.

Wollte „Innocence in Danger“ tatsächlich Kinderpornografie im Internet bekämpfen, dann müssten sie dorthin, wohin es weh tut. Mitten hinein in die gutbürgerliche Gesellschaft. In die Familien. Auf wie vielen Geschäftsreisen nach Osteuropa oder Asien oder Südamerika werden wohl durch feiste Familienväter und -mütter Kinder missbraucht, die nicht älter sind als ihre eigenen zu Hause? Diese Frage zu beantworten wird die Lösung bringen. Gesellschaftliche Ächtung – nicht Akzeptanz und Schweigen.

„Innocence in Danger“ – zum Abschluss ein Zitat aus der „taz“, das zeigt, wie ahnungslos und heuchlicherisch sie doch sind:

Wie wird kinderpornografisches Material verbreitet?

Über ganz verschiedene Wege. Als sich Innocence Ende der 1990er gründete, konnte man Kinderpornografie über viele Webseiten abrufen. Es handelte sich um altes Material, das digitalisiert aufbereitet und ins Netz gestellt worden war. Mittlerweile kommen die Sachen anders an den Mann, etwa durch sogenannte Peer2Peer- und Filesharing-Netzwerke statt nur über Webseiten.

Webseiten. Da fehlt das damalige halbe Netz. Da fehlte neues Material, das es damals schon gab – verbreitet übers Internet und – über konventionelle Wege wie Post und über Kleinanzeigen. Und der typische Lapsus: an den Mann. Aber klar, das Undenkbare – für viele – kann so ein Verein ja erst recht nicht thematisieren: den sexuellen Missbrauch durch Frauen.

im Land der Lügen

Eine Polemik(?)

Ich bin zornig, erschrocken, betroffen. Vor allem zornig. Im nachfolgenden Video kann man Ursula von der Leyen (CDU), Familienministerin, 7-fache Mutter auf einer Wahlkampfveranstaltung in Sulzbach/Saar hören. Wer sie nicht oder nicht alles versteht, kann hier nachlesen, was sie gesagt hat.

Es gibt vieles in diesem Vortrag, das angreifbar ist, inhaltlich angreifbar. Ich habe schon ziemlich viel an dieser Stelle dazu geschrieben.

Wenn man verstehen will, warum sie das tut, muss man sich vor allem klar machen, wie sie das tut. Daher habe ich den Video verlinkt, damit man es hört, nicht nur liest. Sei tut es rhetorisch geschickt, gut, Spannungsbögen, laut, leise, Pausen. Sie simuliert Betroffenheit, sie tut so, als wäre durch sie endlich was getan worden. Ausgerechnet.

Wichtig ist aber, zu begreifen, was da los ist. Da wird ein Thema für den Wahlkampf benutzt, da wird mit dem Leid von Kindern gespielt, Kindern, denen Schreckliches angetan wurde. Und sie macht keinen Wahlkampf damit, diesen Kindern helfen zu wollen. Nein, sie verteidigt eine Maßnahme, von der alle, die sich auskennen, sagen, dass sie völlig sinnlos, ja gefährlich ist.

Aber was tut sie noch? Sie sagt:

Noch mehr habe ich den Schlingerkurs der Linken miterlebt beim Thema Bekämpfung der Kinderpornografie im Internet.

und

Und dann sage ich den Linken ganz deutlich: Ihr traut diesem Land nichts zu!

Ja, Ursula von der Leyen. Wir kennen diese Botschaft. Aber um Kinderpornografie zu verhindern, muss man die Produzenten schnappen, stellen. Aber das wird nicht zu 100% klappen. Viele Bilder, Filme, Texte stammen aus dem Missbrauch, der immer noch überwiegt. Über 90% der Missbräuche finden in Familien statt, Vater missbraucht Tochter, Mutter missbraucht Sohn und umgekehrt, manchmal sind es beide gemeinsam, manchmal sind Großeltern, Tanten, Onkel, Nachbarn beteiligt. Niemand wird das verhindern können, niemand wird verhindern können, dass Bilder/Filme davon ins Netz gestellt werden. Man kann es eindämmen. Möglicherweise. Dazu bedarf es Polizeiarbeit. Dazu muss Polizei besser ausgestattet werden, besser bezahlt. Das obliegt derzeit überwiegend CDU-Innenministern. Dazu gibt es keine Vorstöße von der CDU oder Frau von der Leyen. Dazu müssen die Jugendämter besser besetzt und ausgestattet werden. Auch hier ist überweigend die CDU verantwortlich. Dazu bedarf es mehr Kindergartenplätze und ErzieherInnen, die entsprechend geschult sind. LehrerInnen, Ärzte. Das kostet Geld, riesige Investitionen in Infrastruktur und Personal sind notwendig. Es bedarf internationaler Zusammenarbeit, Schaffung internationaler Standards. Dazu gibt es keine Vorstöße von Frau von der Leyen.

Dafür gibt es eine nicht wirksame Maßnahme und es gibt Schelte an der Linken, nicht der Linkspartei, sie sagt „die Linke“. Das sind alle, die nicht in der FDP, der CDU/CSU und der NPD oder der PBC sind. Schlingerkurs wird „uns“ vorgeworfen. Letztendlich sagt sie: die wollen das nicht. Die denken, das geht nicht. Die haben aufgegeben, aber wir, wir von der CDU, wir stemmen uns dem entgegen. Wenn sie es denn wenigstens tun würde. Aber sie tut es nicht. Sie lügt. Deutlich, klar, mit voller Absicht. Und missbraucht diese armen Kinder für ihr Wahlziel. Das ist ekelhaft.

Wer unentschlossen ist, ob er oder sie wählen soll, der sollte es nach diesem Vortrag nicht mehr sein. Diese Demagogen dürfen nicht weiter regieren. Wählt vor allem GRÜN, SPD, wählt Piraten, wählt Linke. Keine CDU/CSU, keine FDP – die Partei, die Freiheit gerade in Hessen abzuschaffen sucht. Diese Menschen lügen wie dereinst Roland Koch, der auch Parteispenden mit jüdischen Erbe verschleiern wollte. Ihnen ist nichts heilig, gar nichts. Schickt sie heim. Sie haben keinen Tropfen Ehrgefühl im Leib und sind eine Gefahr für diese Demokratie. Wählt.

Update: nur ausgewählte Pressevertreter dürfen über Ursula von der Leyen berichten: Spiegel TV

Zensur im Internet

In all dem Trubel um den Mandatsverzicht von Jörg Tauss, SPD ist völlig untergegangen, dass er neben der Justizministerin derjenige MdB war, der am Lautesten gegen die von Familienministerin von der Leyen forcierte Zensur des Internets aufgrund angeblicher möglicher zufälliger Funde von Kinderpornografie die Stimme erhoben hatte. Auch wenn dies im typischen Verharmlosungsjargon “Web-Sperren gegen Kinderporno“ genannt wird – hmm, klingt für mich arg nach BILD-Schlagzeile – ändert sich nichts an den Tatsachen: die Bundesregierung plant die Zensur des Internets. Das Totschlagargument dabei ist ja „Kinderpornos“. Schon alleine das Wort setzt soviele Emotionen frei, dass eine sachliche Argumentation oft sehr schwierig wird – oft genug heißt es einfach: „Ja, willst Du, dass es weiterhin SO einfach ist, an Kinderpornos heranzukommen?“

Nein, will ich nicht. Aber es ist heute schon NICHT einfach, an solche Dateien heranzukommen und es bedarf beträchtlicher krimineller Energie bzw. einer sehr aktiven Suche, um an solches zu kommen, sei es in Form von Bildern, Videos, Texten, Liedern, ….

Aber darum geht es dabei nicht.

Das Problem ist, dass versucht wird, einen Zensurmechanismus
für das Internet in Deutschland einzuführen. Denn einmal den Hebel am Telemediengesetz besteht die Möglichkeit, auch weitere Mechanismen einzuführen, andere Themen als „kriminiell“ einzustufen. Da sei jede/r selbst gefragt, was er/sie sich vorstellen kann. Anlassbezogen kann jede/r MinisterIn entscheiden, was ihm/r grade so passt.

Hysterisch ist das keineswegs. Schon die Beobachtungen auf der Demonstration gegen die NATO in Kehl zeigen, dass die Staatsmacht tut, was sie möchte. Unerlaubte Videoaufnahmen sind kein Pappenstiel, vor allem nicht, wenn man die Gesetzeshüter auf ihren Rechtsbruch anspricht und diese einen offensichtlich anlügen – wissend, dass sie Unrecht tun. Auch der wiederholte Einsatz der Bundeswehr im Inneren – Heiligendammm, Kehl – zeigen, dass diese Regierung bereit ist, die von den Vätern und Müttern der BRD gewollte Trennung von Polizei und Militär aufzuheben – entgegen den jetzigen Regelungen des Grundgesetzes und im Vorgriff aller gescheiterten Versuche des jetzigen Ministers Schäuble, dies zu ändern. Ebenfalls sei an Verteidigungsminister Jung erinnert, der entgegen einem Urteil des Verfassungsgerichts Passagierflugzeuge abschießen lassen möchte, sollten diese für einen terroristischen Angriff missbraucht werden.

Es sind vor allem CDU-Minister, die für eine Aushöhlung des Rechtstaates stehen, für Gesetzesbrüche und Versuche, das Grundgesetz zu ändern, um ihre Repressionspolitik durchzusetzen. Es bedarf des aktiven Widerstandes gegen diese Politik und auch den Mut, dies zu formulieren, um dem Einhalt zu gebieten. Eine Wiederwahl der CDU im September als Regierungspartei birgt im Falle Freiheit unbändige Risiken – die eine FDP wahrscheinlich nicht aufzuhalten bereit wäre.

Was kann man im Falle Internetzensur tun? Ich für meinen Teil habe festgestellt, dass mein Provider bereit ist, die freiwillige Vereinbarung mit Ministerin von der Leyen zu treffen. Ich habe ihn angeschrieben und ihmdie fristlose Kündigung angedroht, sollte er dies tun. Dies werde ich auch tun und notfalls klagen. Alles andere als wirtschaftlichen Druck – durch Boykott der Zensurprovider – wird vermutlich nicht helfen. Dass das Gesetz durch den Bundesrat kommt, glaube ich nicht, dazu gibt es in der SPD zuviel Widerstand – insofern hilft nur der Boykott zensurwilliger Provider. Sollten Sie in diesen Tagen eine Vertragsverlängerung oder einen Vertragsneuabschluss mit einem Interentprovider planen – schauen Sie nach, fragen Sie nach, wie dieser sich zu der geplanten Vereinbarung verhält. Es gibt welche, die bspw. auf eine gesetzliche Regelung warten. Dies scheint mir der geeignete Weg zu sein, wie ein Anbieter mit dieser Problematik umgehen sollte.

Denn, wie ein Kinderschutzverein nachgewiesen hat, ist es überhaupt kein Problem, Seiten, auf denen sich Kinderpronografie befindet, international mittels Meldung an die jeweiligen Hoster aus dem Netz zu bekommen – binnen Stunden. Dazu braucht es keine Zensur. Und: ich bin seit 15 Jahren im Internet unterwegs. Zufällige Kinderpornofunde in dieser Zeit: NULL.

Zweitverwertung unter blog.gruene-bw.de

Jörg Tauss – privater Ermittler von eigenen Gnaden – Pressemitteilung vom 2009-03-11

Es ist schon ein bißchen grotesk, was wir da von Jörg Tauss, SPD am heutigen Mittwoch zu lesen bekommen haben. Unter seiner Homepage können wir allerhand zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen des Besitzes der Kinderpornografie lesen.

Bemerkenswert erscheinen mir folgende Dinge:
1. Er gibt zu, Kinderpornos besessen zu haben. Diese hat er im Laufe seiner eigenständigen Ermittlungen erhalten. Er hat Kontakt zu dieser Szene gesucht und diese DVD zugesant bekommen – entweder im Tausch oder er hat sie gekauft. Weiter hat er lediglich MMS bekomen.
2. Er hat den Versender diese DVD nicht sofort angezeigt, auch nicht nachdem seine sämtlichen Ermittlungen zum Erliegen gekommen sind.
3. Er, als selbsternannter Experte, glaubt, dass Handy(-technologien wie MMS, Bluetooth etc.) und die gute alte Post dem Internet als Tauschraum Nr. 1 den Rang ablaufen, weil das Internet zu „unsicher sei“.
4. Er traut dem BKA nicht mehr über den Weg, weil er das BKA als Partei für die von der CDU, namentlich Ursula von der Leyen als Familienministerin vorangetriebenen Zensurversuche des Internets mit verantwortlich macht. Daher musste er eigenhändig ermitteln.
5. Er hat die Erkenntnis, dass Kinderpornografie nur in sogenannten „Closed-User-Groups“ getauscht werden, ein zufälliger Fund im Internet sei praktisch nicht möglich und daher seine – s.o. – eigenständigen Ermittlungen notwendig, um das zu belegen und das politisch sachkundig zu nutzen.

Dazu ist Folgendes zu sagen:

Vorab: ich halte seine Darstellung für glaubwürdig.

Sachlich: Hätte er den Kontakt nach Abschluss seiner Ermittlungen sofort angezeigt, würde ihm heute keiner am Leder flicken können. Dass er sich berufen fühlt, selbst zu ermitteln und das mit dem Misstrauen gegenüber dem BKA (und den LKAs) begründet, ist natürlich hart – aber sogar nachvollziehbar. Da hätte es andere Wege gegeben, die vielen Spuren dazu, die er zurückgelassen hat und die nicht erfolgte Anzeige oder auch nur Information an Internetermitteler der LKAs – beispielsweise des bayrischen oder baden-württembergischen LKAs – ist unverzeihlich, zeigt aber auch, dass er mit einer gehörigen Portion Naivität an die Sache herangegangen ist. Gleichzeitig zeigt es mir, dass er nicht so sachkundig ist, wie er behauptet.
Dass Handys, Telefone den Internet“markt“ für Kinderpornografie teilweise ersetzen sollen, glaube ich nicht. Diese Erkenntnis bildet nur ein Facette ab. Ich glaube, dass Kinderporno“nutzer“ alle Vertriebwege nutzen, um Material kinderpornografischen Inhalts -Texte, Bilder, Videos, …- zu verbreiten oder zu erwerben. Er schreibt:

Zu diesem Zeitpunkt hielt ich meine These bereits für belegt, dass der Austausch
pornografischen Materials infolge von Fahndungserfolgen sich heute sehr viel mehr auf
das Handy, Telefonhotlines und sogar wieder auf postalischen Versand verlagert hat. Der
klassische Internet-PC ist wie das Web „out“, zumal sich ein Handy im Verdachtsfalle
auch schneller entsorgen lässt und das Web aufgrund der Anstrengungen, an denen ich
aktiv beteiligt war, heute in der „Szene“ als zu „unsicher“ gilt.

Quatsch. Auch netzweit gibt es closed-user-groups, die von außen gar nicht zugänglich sind. Jede/r, der sich ein bißchen auf Netztechnologie versteht, kann das.
Die von Jörg Tauss explizit erwähnte „Ich schicke Dir und Du schickst mir – so sind wir beide „abgesichert“. „Erkenntnis“ ist so alt wie Tausch mit Kinderpornos an sich. Das kenne ich aus eigenen Ermittlungen aus meiner Zeit bei einem Verein gegen Kinderpornografie aus den 1997ern, Ermittlungen, die damals in Absprache mit Ermittlern geführt wurden und bei der jede zugesandte Datei sofort zur Anzeige gebracht wurde.

Fazit: Jörg Tauss ist nicht der Fachmann, der er gerne wäre – zumindest nicht in Bezug auf Kinderpornos. Er weiß vermutlich viel über das Thema im Vergleich zu anderen KollegInnen, aber wenn er Fachmann ist, dann muss man sich fragen, mit welcher Kompetenz im deutschen Bundestag über das Internet fabulisiert wird. Er hat Recht mit seiner Behauptung, dass eine Zensur nichts bringen würde. Und die Staatsanwaltschaft handelt wohl mehr als ungeschickt und bewusst öffentlich – wie sonst könnte Spiegel Online über Ermittlungsergebnisse verfügen.

Er sollte sein Mandat behalten, aber eine Strafe bekommen, die der Tat angemessen ist – Arbeitsstunden bei der Stiftung Hänsel und Gretel beispielsweise. Ich empfehle im Kontataufnahme mit einer ehemaligen grünen Bundestagsabgeordneten aus dem Münsterland.

Ermittlungen gegen Jörg Tauss, SPD – Pressemitteilung vom 2009-03-08

„Unanständig und demokratiefeindlich“ nennt der Bundestagskandidat der GRÜNEN Jörg Rupp Forderungen aus der CDU/Jungen Union an den Bundestagsangeordneten der SPD, Jörg Tauss, sein Mandat niederzulegen. „Eigentlich wollte ich mich in diese Debatte nicht einmischen, aber öffentliche Aufforderungen dieser Art erfordern, dass dagegen die Stimme erhoben wird“, so Rupp in einer Pressemitteilung vom vergangenen Wochenende. „Für Herrn Tauss gilt wie für jeden anderen Bürger die Unschuldsvermutung. Und solange nichts bewiesen ist, kann und muss Herr Tauss sogar sein Mandat behalten. Wenn jede/r Abgeordnete aufgrund unbewiesener Vorwürfe sein Mandat niederlegen müsste, wie die junge Union das fordert, dann wären Abgeordnete furchtbar leicht in Misskredit zu bringen und erpressbar.“ Jörg Tauss hat mit seinem Rückritt von den Parteiämtern den richtigen Schritt getan, das sollte genügen, bis seine Schuld oder Unschuld bewiesen ist. „Es würde mich überraschen, wenn an den Vorwürfen substantiell etwas dran ist.“

Zur Sache selbst möchte der Kandidat aber nichts sagen. „ Ich bin kein Ermittler, ich kann dazu nichts sagen. Ich halte es jedoch auch für unglücklich, wie die Staatsanwaltschaft hier in der Öffent-lichkeit agiert. Vermutlich Unschuldige mit Vermutungen und Teilergebnissen an den Pranger zu stellen, ist keinesfalls in Ordnung“, so Rupp weiter. Jörg Rupp beobachtet ebenfalls seit vielen Jah-ren die Kinderpornoszene und ihre Verfolger, ist also sachkundig. „Tauss’ sachlich fundierte Kritik an den Zensurversuchen der Union werden nicht gerne gehört. So hat die stellvertretende Fraktions-vorsitzende der Union, Ilse Falk, in einer Pressemitteilung vom 17.02.2009 geäußert: „Wer ange-sichts dieser grauenvollen Tatsachen mit fadenscheinigen Argumenten versucht, die Pläne von Bundesfamilienministerin von der Leyen zu torpedieren, diesem Treiben ein Ende zu setzen, han-delt verantwortungslos und stellt die Interessen skrupelloser Geschäftemacher über den Schutz der Kinder.“ Womit sie ihre Unbedarftheit belegt.

Das Problem Kinderpornografie im Internet darf weder für populistische Ziele noch für den Wahlkampf oder gar für Einschränkungen der Freiheit von Bürgerrechten benutzt werden, so wie die Union das aktuell versucht.“ „Wer meint, dass die Blockade einzelner Websites auch nur ansatzweise irgendetwas bringe, der hat einfach keine Ahnung“, teilt der Kandidat abschließend mit. Die Union sollte sich lieber dafür einsetzen, die Ermittlungskräfte und die internationale Zusammenarbeit zu stärken. Darüber hinaus sind international einheitlich Kriterien für die Bewertung von Bild-, Video und Textmaterial erforderlich – bzw auch über das schützenswerte Alter. Das unterscheidet sich bspw. den USA und Japan ganz erheblich. Dazu hört man aber von Frau von der Leyen nichts. Und von der jungen Union im Landkreis erst recht nicht. Schade.“