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Artikel-Schlagworte: „Kita“

Kitas flächendeckend

Um die Attraktivität des Berufs zu steigern und die Professionalität des pädagogischen Fachpersonals zu erhöhen, setzen wir uns dafür ein, die Studiengänge mit Bachelorabschluss an den Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen zügig auszubauen und auf die Dualen Hochschulen auszudehnen.

So steht es in unserem Wahlprogramm. Alle sind sich einig: Der Erzieher_innenberuf muss aufgewertet werden. Die Qualität insgesamt muss besser werden. Und wir benötigen flächendeckend KiTas, damit frühkindliche Bildung für alle möglich wird, unser langfristiges Ziel mindestens eines kostenlosen Kindergartenjahres schnellsmöglich auf die Tagesordnung kann. Familien brauchen die Sicherheit einer guten Versorgung ihrer Kinder. Der Wandel von der Selbst- zur Fremdbetreuung als “normal” muss schneller vorangehen. Es gibt viele Gründe dafür.

Da ist einerseits der Fachkräftemangel. Noch immer leisten es sich zu viele junge Frauen, drei oder mehr Jahre zu Hause zu bleiben, obwohl sie viel Zeit in eine gute Ausbildung investiert haben. Kommt dann ein Kind, erlebt man immer noch zu oft, dass der Mann arbeiten geht (und anfängt Überstunden zu arbeiten, um die Gehaltseinbußen aufzufangen) und die Frau bleibt zu Hause. Leider zu oft zu lange.  Wenn ein zweites Kind dazu kommt, werden oft zehn Jahre und mehr daraus. Denn neben den fehlenden Ganztageskindergärten fehlen flächendeckend Ganztagesschulen – bzw. Unternehmen, die zulassen, dass Eltern Teilzeit arbeiten können. Für Männer fehlen Teilzeitplätze fast überall. Job-Sharing-Modelle rufen höchstens Naserümpfen hervor anstatt begeisterte Unternehmer. Zudem kratzen sie am Nimbus der eigenen Unersetzlichkeit. Die Kinder gehen Teilzeit in den Kindergarten, nachmittags zum Sport, zum Reiten, zum Tanzen, zum Klavier, zum Schwimmen – alles innerhalb der üblichen Arbeitszeiten. Da muss eine bereit stehen – Männer trifft man selten bei Krabbelgruppen, bei all den Attivitäten “rund um’s Kind” und werden auch immer ein bißchen komisch angeschaut. Will man sich noch im Kindergartenelternbeirat engagieren – die treffen sich meist auch um 12, wenn der Kindergarten “zu Ende” ist. Gleiches gilt dann mit dem Schulanfang – das sechsjährige Kind kann ja nicht alleine zur Schule – weder laufen noch hinterher alleine mit den hausarufgaben klar kommen. In den SChülerhorts fehlts an pädagogischem Personal, das keine Hausaufgabenbetreuung machen darf und Hausaufgaben müssen ja sein – vom dritten Schultag an spätestens. Es könnte ja Schullaufbahnmäßig einiges schief gehen, wenn das Kind nicht gut begelitet wrid die ersten Jahre und Mama mit an den Hausis sitzt – Mütter übernehmen gerne diese Erstklässlersprache – und reden dann auch gerne davon, dass “wir schon das große Einmaleins gelernt haben” – man beachte – oft Akademiker_innen mit gutem Abschluss, aber auch sonst mehr oder weniger gut ausgebildetet Menschen mit zumindest einigen Jahren Schulbesuch und hoffentlich des Schreibens mächtig.

Ich rede bewusst von Müttern, weniger von Vätern. Denn so wie Frauen auch scheinbar automatisch lieber zu Hause bleiben, so gestalten sie auch das soziale Umfeld ihrer Kinder. Interessanterweise denken viele Väter genauso – in Bezug darauf, dass die Frau zu Hause bleiben soll und das alles zu managen hat. “Ich leite ein kleines Familienunternehmen” ist leider bittere Realität.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Insofern wäre eine andere Normalität dringend notwendig. Zumindest mal als Angebot – bis sich das Bild wandelt, wird es sicherlich noch eine Generation andauern.

Aber wie sollen wir eigentlich dafür sorgen, dass es genügend Erzieher_innen gibt. Flächendeckendes Angebot, ganztags und die Inklusion umgesetzt, das alles mit Bildungsplan – wer soll das bitte amchen und bitte, wer soll das alles bezahlen?

Seit einiger Zeit denke ich, dass es, ähnlich wie im Bereich Altenpflege, eineN niedriger qualifizierteN Erzieher_in geben muss. Jemand, der nur mit den Kinder spielt. Nur aufpasst, dass “nix passiert”. Während einer der studierten eine Gruppe leitet. Den pädagogischen Plan erstellt. Überwacht, dass er umgesetzt wird. Elterngespräche führt. Mehr Geld verdinet. Und so weiter. Aber für einen ganz regulären Bereich “reicht” auch jemand als Hilfe, der unterstützt. Der “einfach” ausgebildet ist. Weniger Geld verdient. Nicht studiert hat, sondern eine Ausbildung gemacht hat. Was dafür sorgt, dass diesen Beruf auch mehr Menschen ergreifen können. Ohne Abitur. Das es leicht macht, ausländische Abschlüsse anzuerkennen – wie viele bspw. türkische oder russische Pädagog_innen gibt es in Deutschland, die an irgendwelchen Packstraßen verpacken oder putzen (unter anderm auch, weil sie keine Christen sind und daher vom Träger nicht angestellt werden…)? Es braucht diese “einfache”Erzieherin. Denn es gibt genügend, die mit einfachem “ich liebe Kinder” genausogut für Kinder sind wie eine sozialpädagisch ausgebildete akademische Erzieherin.

In Diskussionen mit Bildungs”experten” stoße ich mit dieser Ansicht meist auf Widerspruch. Alle sagen sie, dass die Aufwertung notwendig ist. ich glaube, sie irren sich. Aber mich würd mal interessieren, wie das diejenigen sehen, die diesen Artikel lesen. Also bitte, nicht mal nur mit dem Kopf nicken oder denken, “beim Rupp ist Hopfen und Malz verloren”. Ich trag mich nämlich mit dem Gedanken, meine Ansicht über Anträge in die politische Umsetzung zu bringen.

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die Schule beginnt…

und wir stehen vor neuen Herausforderungen.

Mein jetzt siebenjähriger Sohn wurde letztes Jahr eingeschult. Er ist aufgeweckt, interessiert, sensibel und hatte sich sehr auf die Schule gefreut. Und er war immer ein fröhliches Kind. Im Laufe dieses Jahres ist die Fröhlichkeit verschwunden. Er kam zunehmend mit Kopfschmerzen nach Hause. Er erzählte von der Lehrerin, die immer mehr rumbrüllte. Die rausging und dann die anderen SchülerInnen Unfug machten – und er versuchte, Ruhe in die Klasse zu bringen mit der Glocke, die die Klassenlehrerin auf ihrem Pult stehen hatte. Er klagte über Lärm. Und er klagte über Kopf- und Bauchschmerzen. Trotzdem erbrachte er überdurchschnittliche Leistungen. Eine Mobbingaktion gegen ihn durch einen Schüler der zweiten Klasse wurde erst beendet, nachdem ich massiv wurde. Schulhofaufsicht funktioniert nicht in Malsch an der Hans-Thoma-Schule. Alles Probleme, die seit Jahren bekannt sind, auch mit der Lehrerin.

Die Klassenlehrerin darauf angesprochen beklagte sich über die zu großen Klassen, schließlich hätte sie 26 SchülerInnen, später kam sogar noch ein Kind hinzu. Die Kopfschmerzen führten dazu, dass wir uns große Sorgen um unser Kind machten. Der hinzugezogene Kinderarzt meinte auch, dass es vermutlich Anpassungsschwierigkeiten gäbe. Nachdem die Kopfschmerzen aber nicht aufhörten, das Kind fast nicht mehr lachte, Stunden mit Hausaufgaben verbrachte und immer bleicher wurde – er ist eh sehr dünn – schickten wir ihn sogar in Todesangst um ihn zur Kernspintomografie, um alles Körperliche auszuschließen. Es war nichts, die Kopfschmerzen blieben und obwohl die Lehrerin informiert war, empfahl sie uns dann noch, eine Histaminunverträglichkeit zu prüfen. Hauptsache keine Reflektion über den eigenen Unterricht.

Am Ende war es dann genug. Nachdem im Elterngespräch auch noch die Eltern insgesamt beschimpft wurden, die doch endlich was gegen den zu großen Klassenteiler tun sollten – als täten sie das zusammen mit der GEW nicht seit Jahren – entschlossen wir uns, ihn auf eine freie Schule nach Karlsruhe zu schicken. Ein weiteres Experiment an einer anderen staatlichen Schule wollten wir nicht mehr wagen.

Eine lange E-Mail an den Schulleiter wegen der Ummeldung blieb unbeantwortet. Sie endete mit den Worten:

Am Ende haben wir resigniert – zum Wohle unseres Kindes, dem in der von Ihnen geleiteten Einrichtung nicht gerecht worden war und unser Kind an der Freien Aktiven Schule in Karlsruhe angemeldet. Was das für uns an Mehraufwand – zeitlich und finanziell – bedeutet, muss ich Ihnen sicher nicht sagen. Aber uns liegt natürlich an unserem Kind – soviel, wie es an Ihrer Einrichtung an Interesse daran mangelt. Ich zweifle nicht, dass Frau X einmal eine gute Lehrerin war. Warum man ihr heute, obwohl seit Jahren unbeliebt bei Kindern und Eltern, noch Erstklässler anvertraut, verstehe ich nicht. Man hat uns vor ihr gewarnt, mehrfach. Ich bezweifle, dass Sie das alles nicht wissen.

Wir bezahlen ab diesem Schuljahr 205 € + 37,50 € Fahrtkosten damit unser Kind in der Schule so erzogen und gefördert wird, wie wir uns das vorstellen. Wir bezahlen, weil die Regelschule das nicht leisten kann. Weil Kinder in der Schule funktionieren müssen und in der ersten Klasse einen ganzen DIN A 4-Ordner mit Arbeitsblättern füllen müssen, weil der Lehrerin nichts anderes einfällt. Unser jüngstes Kind geht in die Vollzeit-Kita. Mit Essen kostet uns das 333,00 €.

Wir können uns das einigermaßen leisten. Urlaube und Sonderanschaffungen werden schwer. Gesunde Lebensmittel auch. Was macht jemand, der weniger Geld hat? Die das nicht können? Deren Kinder müssen in einem solchen System leiden. Ein unerträglicher Gedanke.

Kinderland Baden-Württemberg.

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