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LKWs runter von der Straße

Seit Dezember habe ich einen neuen Job  als Standortleiter bei einem Unternehmen, das Obst in Büros liefert. Und wenn das Personal knapp ist oder Grippewellen über das Land fegen, wenn die Auslieferung bei einem Großkunden hapert oder neue Leute eingewiesen werden müssen, etc. pp „muss“ ich raus und Ware ausliefern.

Seit Dezember sitze ich also wieder mehr im Auto. Wir liefern in ganz Baden-Württemberg und im östlichen Rheinald-Pfalz von Karlsruhe aus. Ich muss immer mal wieder auf die A5 nach Norden und Süden und auf die A8 Richtung Stuttgart. Tagsüber.

Da ich aber auch einspringen muss, wenn in der Produktion Leute fehlen oder die Produktionsleitung nicht da ist, wenn Produktionsüberprüfung anliegt oder auf dem Großmarkt zugekauft werden muss oder der Fuhrparkleiter nicht da ist und ich so die Tourenplanung mache, beginne ich hin und wieder nachts – ab 0:00 Uhr. Ich bin also zu den unterschiedlichsten Zeiten auf der Straße unterwegs.

Und die sind voll – zumindest tagsüber. Richtung Stuttgart stehe ich schon früh um sechs Uhr vor Pforzheim Ost im Stau. Die rechte Seite ist voll von LKWs. Bei dreispuriger Autobahn ist die rechte Seite praktisch für einen PKW nicht mehr befahrbar – LKWs Stoßstange an Stoßstange, mehr oder weniger. So oft und so viel war ich unter der Woche lange nicht mehr auf Autobahnen unterwegs.

Bild: patricksommer@pixabay

Wenn ich nachts fahre – dann sind da zwar auch einige LKWs unterwegs – aber deutlich weniger.

Und da ich während des Autofahrens zwar mit Freisprecheinrichtung auch Führungstätigkeiten ausüben kann, bleiben doch immer Zeiten, in denen ich nur fahre, also Zeit habe, meine Gedanken schweifen zu lassen – und dabei natürlich dieses Problem wahrnehme – und mir Gedanken dazu mache.

Darüber hinaus gibt’s ja mit FB-Freund*innen immer mal wieder Diskussionen über Verkehr, Diesel, LKWs. Franko Clemens, Streetworker und Wohnmobilbesitzer, diskutiert immer mal wieder gerne über den Straßenverkehr.

Heute früh schrieb er:

Quelle: Facebook: https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=668540333478202&id=100009667231136

Ja, und ich bin für ein Tagfahrverbot – mit Ausnahme für verderbliche Waren und mit Sondergenehmigungen. Das würde die Belastungen der Autobahn entzerren, Pendler und PKW-Verkehr flüssiger machen.

Bei der Frage nach LKW-Stellplätzen frage ich mich immer: warum soll der Steuerzahler bezahlen, dass die Unternehmen ihre eigene Lagerhaltung auf die Straße verlegen. Zwischenlager bei großen und kleinen Speditionen errichten, die aufgrund relativer räumlicher Nähe „Just-in-Time“ liefern können – und so den LKW-Verkehr massiv erhöhen? Und ja, natürlich muss man die Zufahrt in die Städte beschränken – Umladung auf Elektrotransporter scheint mir eine zwingende Vorschrift zu sein – und damit Raum für Unternehmen, die sich vom Diesel verabschieden. Unternehmen müssen zur Lagerhaltung gezwungen werden. Speditionen, die Waren angeliefert bekommen, egal, von wo und von welchem Unternehmen, müssen ausreichend Parkplätze und Sozialräume schaffen, damit die Fahrer, die zu Ihnen kommen, ihre Ruhepausen nehmen können, ohne im LKW in Industriegebieten oder Autobahnrastplätzen zu verbringen und dann ins nächste Gebüsch scheißen zu müssen. Das gefällt mir besser als Frankos Schlafplätze, die dann der Steuerzahler bezahlen muss. Verantwortlich für die Not der Fahrer sind die Unternehmen, die sie auf die Straße schicken.

Dass wir darüber hinaus mehr lokal einkaufen sollen, ist dazu natürlich eine Binse. Aber wir sollen ja auch Dinge wiederverwenden. Nun, finde ich nicht immer alles zeitnah auf Flohmärkten. Also bestelle ich via ebay oder Booklooker (und nie bei amazon) Ware, die ich nicht neu kaufen möchte oder kann. (ich hab seit Jahren keine Jeans mehr neu gekauft).

Transporte sind notwendig, keine Frage. Aber durch die Zunahme des LKWs, von dem ein großer Teil auf Liquiditätsoptimierungen zurückzuführen sind – und natürlich auf die Unfähigkeit bei der Deutschen Bahn, Ware in großem Stil zu transportieren – nehmen uns die Unternehmen in Zwänge, die wir eigentlich nicht zu vertreten haben. Es wird Zeit für eine echte Verkehrswende.