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Alleinerziehend – alleine gelassen

Noch während ich den Satz lese, explodiert der Zorn in meinem Bauch. Es ist ein alter Zorn, nicht mehr so mächtig, wie er war und er ist lange nicht mehr so heiß. Aber er ist mehr als eine Erinnerung an ein Gefühl, er ist präsent und er ist wohl bekannt. Es ist das Gefühl, dass eine Ungerechtigkeit geschieht und dass sie geschieht, hängt damit zusammen, dass die, die darüber entscheiden, nicht wissen wollen, was sie anrichten.

Die Sätze, die ihn auslösen, gehen so:

Es ist weiterhin unklar, ob jene Mütter und Väter, die von ihren getrennten PartnerInnen keinen Unterhalt für ihre minderjährigen Kinder bekommen, bald mit mehr Geld vom Staat rechnen können.

Die 16 MinisterpräsidentInnen der Länder, die sich am Donnerstag darüber mit dem Bund verständigen wollten, machten eine Einigung zur umstrittenen Reform des Unterhaltsvorschusses davon abhängig, ob die höheren Kosten dafür fair zwischen Bund und Ländern verteilt werden.

Es ist sehr egal, wie die Kosten zwischen Bund und Ländern verteilt werden – denn derzeit werden sie alleine den Alleinerziehenden angelastet – und das war schon immer falsch.

Unterhaltsvorschuss gibt es für die Alleinerziehenden – ich bevorzuge ja eigentlich immer noch Getrennterziehende – deren Expartner, der nicht mit den Kindern zusammen lebt, keinen Kindesunterhalt bezahlt.  Ich kenne dieses Problem aus langen Jahren Präsenz in Expartnerforen und vor allem aus eigener Erfahrung. Meine eigene Erfahrung dazu ist darüber hinaus die eines alleinerziehenden Mannes. Was der Sache noch einmal eine besondere Würze gibt.

Exkurs: „alleinerziehend“ ist man, solange man mit einer/m neuen Partner*in verheiratet ist, Zusammenleben ändert diesen Status nicht. (Die 1950er Jahre haben angerufen und wollen abgeholt werden)

Unterhaltsvorschuss gibt es für Kinder für maximal 72 Monate und bis maximal dem vollendeten 12. Lebensjahr. (Bis dahin werden die Frauen, für dieses Gesetz vermutlich mal geschrieben war, wohl wieder einen neuen Mann, der sie und das fremde Kind versorgt,  gefunden haben^^). Danach müssen die Eltern, deren Kinder unterhaltsberechtigt sind, alleine klar kommen (wenn sie schon keinen mehr ab bekommen oder gar in wilder Ehe leben^^). So ist das Gesetz seit ich es kenne und es ist, seitdem ich es kenne, ein schlechtes Gesetz. Politiker*innen, die darüber sprechen, nutzen die Gelegenheit immer, über die schlechte Zahlungsmoral der Väter zu spekulieren und wie die sich grundsätzlich arm rechnen, damit sie ihren Kindern keinen Unterhalt zahlen müssen. Über zahlungsunwillige Mütter reden sie dabei nie.

Wenn der Staat Unterhalt bezahlt, tritt er für die/den säumigeN Zahler*in ein. In der Regel beantragt man dann zusätzlich eine Beistandschaft, um die Unterhaltsansprüche auch durchzusetzen oder sich zumindest einen einklagbaren Unterhaltstitel zu besorgen.

Ist das Kind dann aber plötzlich – und wer Kinder hat, weiß, wie schnell das gehen kann – 6 Jahre alt oder 6 Jahre lang ohne zweite Erziehungsperson im Haushalt oder wird gar noch 12 Jahre alt während dessen – dann ist es vorbei damit, das der Staat hilft.

Dann muss man die Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke, die Klassenfahrten, die durchlöcherten Jeans, den geänderten Modegeschmack, den Wachstumsschub, den PC, damit das Kind auch beim digitalen Lernen, das ja alle Kinder brauchen, mitmachen kann und alles andere eben auch noch, alleine bezahlen. Wenn man Glück hat, kriegt man Job und Kind unter einen Hut und Kind dann auch noch gut betreut – wenn man Pech hat, nicht. Die Ministerpäsidenten interessiert das nicht, Herrn Schäuble sowieso nicht – solche Probleme gibt’s in katholischen Familien nicht – die interessieren alleine die Kosten der Staatskasse – nicht die Sorgen und Nöte derer am anderen Ende der gesellschaftlichen Leiter. Denn wieso soll der Staat denn für all diese Drückeberger (nicht gegendert!) bezahlen? Diese Haltung bleibt gleich – auch wenn die Finanzminister, die Kämmerer der Landkreise wissen, dass sie, selbst wenn sie mal wieder zum großen „wir holen uns den Unterhaltsvorschuss zurück“-Hallali blasen, sie immer nur ca. 1/4 der säumigen Zahler*innen dazu bringen können, zu bezahlen.

Derzeit zahlen die Jugendämter der Kommunen den Unterhaltsvorschuss und holen sich das Geld von den Vätern – und wenigen Müttern – zurück. Doch die „Rückholquote“ ist gering: Nur knapp ein Viertel fließt wieder zurück in die öffentlichen Kassen.

Weil die auch nicht mehr verdienen, weil die sich gar nicht arm rechnen, weil die vielleicht auch eine neue Beziehung haben und möglicherweise noch ein Kind bekommen haben,  weil sie keinen Job finden, der sie ernährt, undundund (kein Exkurs über ausbeuterische Arbeitsverhältnisse).

Ich habe es als alleinerziehender Vater erlebt: drei Kinder aus dieser ersten Ehe, einer ist 1998 zu mir gezogen. Ich war unterhaltspflichtig für 2 Kinder, sie war unterhaltspflichtig für eines. Ich habe gearbeitet, sie nicht. Ich habe meistens bezahlt – auch mal nicht, wenn ich arbeitslos war oder zu wenig Geld verdient hab – aber immer zumindest in Teilen und immer so viel ich konnte. Sie nicht. Da hat keine Beistandschaft geholfen. Sie hätte arbeiten können – hat aber keine Stelle „gefunden“ – das Arbeitsamt hat nicht den geringsten Druck auf sie ausgeübt. Sie hatte zwar gearbeitet – aber das nicht „offiziell“. So überwies ich meistens Unterhalt für 2 Kinder an sie – sie keinen an mich. Auch als der Jüngste dann mit 15 zu mir zog – keinen Cent. Ich will das alles nicht vertiefen – sie ist gestorben und es ist alles lange her.

Und trotzdem bleibt der Zorn auf dieses System, dass uns mit dieser Situation völlig alleine gelassen hat. Sie konnte oder wollte nicht, wohl beides und der Staat, dem Kinder so wichtig sind, Ehe und Familie unter den Schutz des Grundgesetzes gestellt hat, der lässt all diejenigen, die nicht für ihre Kinder zahlen können genauso im Stich wie die, die darauf angewiesen sind, dass das Geld kommt. Denn es ist ja in aller Regel nicht so, dass man gerne keinen Unterhalt bezahlt.

Es hängt soviel damit zusammen – wenn man sich trennt. Nehmen wir den Durchschnittsverdiener:

Verheiratet, ein Kind, 35.000 € im Jahr. Er oder sie verdient mit einem Kind und einem halben Kinderfreibetrag rund 2136,00 €. Wenn er/sie sich trennt, sind es nur noch 1882,00 € – weil er/sie sofort in die Steuerklasse 1 kommt. 250,00 € muss er sofort mehr an Steuern bezahlen. Und auch Steuerklasse 2 bedeutet einen sofortigen Einkommensverlust von 200 €.  Dabei müsste es ja anders sein: jetzt ist doppelte Haushaltsführung angesagt, Dinge müssen neu beschafft werden, Kinderzimmer in beiden Haushalten vorgehalten werden. Das Leben wird sofort teurer – Vater Staat, sind Kinder und Familie nur solange wichtig, wie sie in trauter Eintracht mit Trauschein leben. Steuerermäßigende doppelte Haushaltsführung gibt es nur aus beruflichen Gründen – nie aus Gründen der Lebensführung.

Und wenn das gemeinsame Kind schon 12 Jahre ist – dann müssen das beide irgendwie stemmen.

Das ist mein Zorn, meine Wut.

Von der Reform profitieren laut Schwesig 260.000 Kinder. Unter ihnen insbesondere Mütter mit geringen Einkommen, die durch mehr Unterhalt aus der Armutsfalle geholt werden könnten. Hartz-IV-EmpfängerInnen haben nichts von dem erweiterten Unterhaltsvorschuss, weil die Leistung mit dem Sozialgeld verrechnet wird.

Aber Hauptsache, der Haushalt der Länder und des Bundes stimmen. Ach so – und ganz am Ende fällt mir noch ein:

Schlechte Bildungschancen stehen in engem Verhältnis zu materieller Armut. Und von Armut sind in Deutschland rund zehn Prozent aller Kinder betroffen – das sind 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld der wirtschaftlich am weitesten entwickelten Staaten – so das Ergebnis der UNICEF-Vergleichsstudie „Child Poverty in Rich Countries 2005“. Den engen Zusammenhang zwischen Bildungsabschlüssen und sozialer Herkunft sprach auch Bundespräsident Horst Köhler in seiner Berliner Grundsatzrede an. Er forderte Chancengleichheit im Bildungssystem: „Bildungschancen sind Lebenschancen. Sie dürfen nicht von der Herkunft abhängen.“

Das meine ich. Darüber geredet wird schon lange (deshalb ein Köhler-Zitat). Gefordert wird schon lange. Jetzt könnte man endlich etwas tun. Aber:

DSGB-Geschäftsführer Gerd Landsberg forderte vor dem Treffen der Ministerpräsidenten, Bund und Länder müssten „sämtliche Mehrkosten“ übernehmen, die den Kommunen entstehen. Inklusive der Personal- und Sachkosten.

Wie wäre es denn damit: Die Kosten tragen nicht länger die Väter und Mütter, wenn sie nicht können und ihr streitet Euch so lange ihr wollt, wer die Kosten übernimmt. Bis dahin ist der, der bestellt, der, der bezahlt. Es ist ein Bundesgesetz, der Herr Schäuble ist hat eh ne schwarze Null und alles andere kann so schwer nicht sein.

Vater sein

Der Till Westermayer inspiriert mich zu einem Artikel über Familie. Hab ich lange nicht gemacht, obwohl sie doch im letzten Jahr nach dem Tod meiner Exfrau eine ganz neue Bedeutung bekommen hat.

In der ZEIT ist aktuell ein Text zu lesen, in dem zwei Väter sich beklagen. Weil … das wir nicht so ganz klar. Irgendwie klappt es nicht so richtig mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Kindern und Karriere. Sie fühlen sich schlecht, weil sie, wenn sie denn schon mal Zeit für das Kind haben, doch berufliche SMS schreiben, und überhaupt: Überforderung. Und dann: Ratlosigkeit. Ich kann das zum Teil nachvollziehen

schreibt er. Ich hab den Artikel auch gelesen und entdecke in ihm Parallelen zu diesem Text, ebenfalls aus der Zeit. Es geht letztendlich darum, wie ein gutes Leben mit Kindern aussehen kann. Bei dem „Vereinbarkeitstext“ geht’s mir ähnlich wie Till, der schreibt:

Verzicht auf Perfektion aber nicht nur auf der Karriereseite, sondern auch auf der Kinderseite: Kinder großzuziehen, ist, sollte, finde ich, Alltag sein. Familienarbeit heißt eben auch Kochen, Waschen, Putzen, Kinder ins Bett bringen, … und nicht nur: »Qualitätszeit«.

Darüber hinaus – und das fehlte mir und ich wollte es nicht nur bei ihm kommentieren – gehört auch, dass man sich und seine eigenen Bedürfnisse ernst und wichtig nimmt – und diese auch lebt. Die beiden Journalisten reklamieren Sigmar Gabriel, der 3 Monate „Auszeit“ genommen hat und sich  trotzdem um seinen Beruf gekümmert hat:

Gleich in den ersten Tagen twitterte er ein Bild von sich, vor dem Laptop sitzend, die Kaffeetasse in der Hand: „Mariechen ist abgefüttert, der Kaffee ist da, also kann’s losgehen :-))“. Und dann diskutierte er online eine Stunde lang über die Rente, den Euro, die SPD. Genau das ist er doch, der tägliche Selbstbetrug:

Und? Ist das nicht okay? Die Krux ist doch, dass man sich selbst so völlig unwichtig nimmt, dass man gar nicht mehr vorkommt oder zumindest in angemessenem Abstand zum Lebensmittelpunkt „Kind“, dass einem gar nichts mehr übrig bleibt, als zum Helikopter-Elter zu werden. „Hyperprotektion“ nennt es Nina Pauer in der Zeit. (Leider verliert sie ein bisschen den Faden und diskriminiert echte Allergien/Unverträglichkeiten wie Laktose-Intoleranz. Wir wissen hier wie das ist, wenn ein Kind nach einem halben Glas „normale“ Milch erst mit Bauschmerzen auf der Couch liegt – und dann aufs Klo rast. Sowas ist vermeidungspflichtig). Aber im Grund genommen ist es das: der Wusch, alles Schlimme und Böse von den Kindern fernhalten. Das Kind soll die Eltern cool finden, am besten noch vom Kind während der Pubertät zum Kumpel mutieren (weshalb man sich auch noch mit 49 jugendlich kleiden muss und bei Primark und H&M einkauft), nur die beste Bildung erhalten und bloß nie krank werden. Deshalb findet Sagrotan einen reißenden Absatz – ich nenne es bei mir immer die Generation „Sagrotan“, die garantiert ohne einer einzigen Bakterie in der Umwelt getroffen zu haben, groß wird – und fahren Mütter und Väter ihre Kinder zur Schule und Kindergarten.

Ich habe 5 (6) Söhne. Mit zwei Frauen. Meine erste Frau hatte glücklicherweise muss ich schon fast sagen, schon ein Kind, als wir uns kennen gelernt haben. Das hat entspannt – wie Pauer richtig schreibt, war beim ersten eigenen Kind nicht immer dauernd alles neu für mich. Also hab ich eigentlich 6 Söhne. Ich selbst bin halt auch irgendwie kein Superpapa. Ich spiele nicht gerne. Weder Brettspiele, noch Indianer und Cowboy, ich finde selbst erfundenes Theater meiner Kinder langweilig und interessiere mich kein bisschen für den Inhalt der Computerspiele und zum Fußballspielen (der Kleinste) nehme ich mein eBook mit oder fahre währenddessen einkaufen. Wenn er ein Supertalent ist, werd ich das rechtzeitig erfahren und wenn ich nur jedes zweite Tor von ihm sehe, wird die Welt – weder seine noch meine – untergehen. Ich will wissen, was in der Schule läuft – aber nicht jedes Detail. Ich will wissen, wer seine Freunde sind – kann mir aber auch nicht immer alle Namen aller Kinder merken, die ich noch nie gesehen hab. Die, die schon mal hier waren, kenne ich. Ich hab bis heute nicht mit allen Eltern aus der Schule telefoniert, kenne aber die meisten zumindest vom sehen  – auf einer freien Schule bist du mehr anwesend als bei einer regulären. Ich mach mir Sorgen – vor allem nach den zwei Unfällen im letzten Jahr, die beide hätte das Leben kosten können – aber ich werd den Teufel tun, sie ab da einzusperren.

Und ich hab ein eigenes Leben. Eines, das einen 40-Stunden-Job beinhaltet und sicherlich nochmal 10 Stunden Politik in der Woche – Sitzungen, Blogbeiträge, Facebookdebatten, Anträge schreiben, Wahlprogramme lesen, zu Parteitagen und AG-Sitzungen fahren, …). Ich mache nebenberuflich eine Ausbildung in Transaktionsanalyse mit 6 Wochenenden im Jahr + Lesen und Lernen, damit mein Quereinstieg in die Sozialpädagogik ein fachliches Fundament erhält.

Aber als im letzten Jahr meine Exfrau starb, mit der ich mich lange gestritten habe – viel um Geld, direkt (Unterhalt) und indirekt (wer versichert die Kinder) und natürlich auch um Verletzungen vielerlei Art – hab ich erst um sie getrauert und tue dies immer noch. Und hab versucht, so gut wie möglich für meine großen Söhne, die gerade alle drei im Umbruch entweder aus (abgebrochenem Studium) ins Berufsleben oder Ausbildungsplatzsuche oder Schule in „was will ich werden“ standen. Ich habe Waisenrentenanträge ausgefüllt, aktuell einen Grabstein für das Grab organisiert, weil der Witwer das scheinbar nicht auf die Reihe kriegt und es ihnen wichtig ist, ich hab versucht, sie zu trösten, ich hab versucht, heraus zu finden, wie man bei drei erwachsenen Söhnen mehr präsent ist, ohne zu übertreiben und es damit irgendwie zu entwerten und ohne sie zu vernachlässigen. Es scheint mir gut gelungen zu sein, wenn ich ihre Raktionen richtig werte.

Und ich mache morgens die Kinder fertig  (meine Frau ist ein Morgenmuffel und ich mit dem ersten Hahnenschrei normalerweise wach), mache meinen Teil des Haushaltes, bring den größeren der beiden auf die Straßenbahn, weil ich eh in die gleiche Richtung muss und den kleinen auf dem Weg dahin in die KiTa. Ich versuche, gemeinsam mit meiner Frau, ihnen möglichst viel Freiraum für ihre Entwicklung zu geben. Sie herausfinden zu lassen, was sie wollen. Dazu gehört Klavier – weil es in der freien Schule ein Musikzimmer gab, auf dem man in freien Schulen einfach so rumklimpern kann und der Wunsch so aus dem Kind entstehen kann. Dazu gehört Sport. Dazu gehören Grenzen (Schmatz nicht, man sagt Danke und Bitte und solche Dinge) und Regeln.

Kinder müssen frei sein, sich selbst zu finden. Kinder sind eigenständige Wesen, die niemandem gehören, außer sich selbst. Sie sind kein Selbstverwirklichungsobjekt und wollen ab der Pubertät wenig mit uns Eltern zu tun haben. Wenn wir Glück haben und wir nicht allzuviel falsch gemacht haben, ändert sich das wieder. Und wenn Kinder lernen sollen, wer sie selbst sind und was sie glücklich macht – dann brauchen Sie dafür Vorbilder von Menschen, die das auch wissen – und sich selbst den Raum geben. Manchmal in zeitlichen Konflikt – aber in der Abwägung um Zeit oder nicht dürfen nie immer die Kinder gewinnen. Ich liebe meinen Job so wie meine Frau den ihren liebt – das können die Kinder erfahren, wenn wir davon sprechen oder sie damit in Berührung kommen. Ich liebe mein Hobby Politik – und die Kinder konnten erfahren, dass ich in der Abwägung zu anderen Hobbies auch Dinge sausen lies, was mir auch Spaß gemacht hat.  „Meine Kinder“ sind ein wichtiger Teil meines Lebens, aber eben ein Teil und nicht mein „Ein und Alles“. Ich würde alles für sie tun – aber doch nicht dauernd – sondern wenn sie es brauchen. Klar, wenn einer der Großen anruft, dass er pleite ist und er Geld braucht, dann kriegt er Geld. Aber wenn er es zurückzahlen kann – dann soll er das auch tun. Nicht weil wir es (immer) brauchen – sondern weil er Verantwortung für sich selbst hat, wenn er erwachsen ist.

Ich kann nicht alles Böse von ihnen fernhalten. So sehr es mir weh tut – sie müssen Enttäuschungen kennen lernen, Streit mit Freunden, Trennungen, Misserfolge, Niederlagen, Streit mit den Eltern, sterbende Haustiere und Großeltern. Als ich sechs Jahre alt war, ist meine Oma, zu der ich einen starken Bezug hatte, gestorben. Ich durfte aus Überbehütung meiner Eltern nicht mit auf die Beerdigung. Ich bin heute, 41 Jahre später, zwar etwas milder – aber immer noch unglaublich zornig auf sie deshalb. Wer in der Welt und der Gesellschaft (über)leben soll, der muss lernen, wie sie funktioniert und was das Leben ausmacht – Geburt, Leben, Streben, Tod.

Bin ich ein Rabenvater? Keine Ahnung. Ich hab für mich und hoffentlich auch für meine Kinder einen Weg gefunden, mit dem wir alle leben können. Ja, ich könnte mehr präsent sein. Die Frage ist, ob ein unzufriedener, präsenter Vater irgendwem etwas bringt. Leben mit Kindern heißt, sie zu lehren, dass sie wichtig sind – für mich, aber eben auch für sich. Wenn  ich ihnen vorlebe, dass ich selbst nicht mehr wichtig bin, weil sie auf der Welt sind – wie sollten sie lernen, dass sie selbst wichtig sind?

Sorgerecht

der vorletzte Schritt ist getan. Schon bald können uneheliche Väter beim Familiengericht einen Antrag auf gemeinsame Elterliche Sorge stellen und bekommen es auch, sofern dem Kindeswohl nichts weiter entgegen steht. Ein richtiger, ein wichtiger Schritt – und doch noch nicht genug.

Die grüne Bundestagsfraktion und sie vor allem auch durch die Arbeit der in diesen Fragen sehr gut aufgestellten Katja Dörner haben darüber hinaus in einem Entschließungsantrag die vorhandenen Lücken im jetzigen Gesetzentwurf der Regierung offen gelegt.

Der Antrag sollte beim Jugendamt gestellt werden. Das Jugendamt kann die Mutter informieren udn gleichzeitig eine vernünftige Beratung anbieten. Gleichzeitig müssten Jugendämteraber endlich kontrolliert werden, ob sie ihre Rolle neutral wahrnehmen. Eine Beratung für antragstellende Väter gehört da natürlich dazu. Ohne die Schaffung einer solchen Infrastruktur ist das dann zwar niederschwelliger, allerdings ist die Neutralität nicht gewährleistet.

Die Widerspruchsfrist von 6 Wochen für die Mutter sollte länger und flexibler gehandhabt werden.  Eine Hemmung während der Mutteschutzfrist (8 Wochen nach der Geburt) gehört dazu. 14 Tage mehr können hilfreich sein.

Konflikte sollen verstärkt durch Beratungs- und Mediationsangebote gelöst werden. Eine Mediationspflicht von mindestens 5 Stunden scheint mir allerdings angemessen zu sein. Konflikte lassen sich unter professioneller, guter Anleitung oft entschärfen.
In der taz erschienen dazu drei Artikel, eine Beschreibung, ein Pro– und ein Kontraartikel. Der Kontraartikel von Isabel Lott hat mich dazu motiviert, dazu zu bloggen. Sie zeichnet das Bild des ignoranten Vaters und hat natürlich passende Beispiele für die Männer, die sich ja grundsätzlich seltenst um ihren Nachwuchs kümmern wollen:

über unzuverlässige Väter, die Termine mit den Kindern absagten, weil sie lieber ins Kino gingen, oder den Unterhalt nicht bezahlten, weil ihre zwei Motorräder so teuer waren

Seit 1999 treibe ich mich im Internet in sogenannten „Scheidungsforen“ herum. Grund waren eine äußerst strittige Sorgerechtsstreiterei zu Beginn, dazu Hilfe suchen und Unterhaltsstreitereien mit der Mutter meiner Kinder. Fachliche und emotionales Unterstützung – die ich von Frauen wie Männern erfahren habe. Ich kenne diese Materie durch und durch, ich kenne Geschichten von treulosen und ignoranten Vätern – und solche von umgangsverweigernden Müttern. Aber es gibt auch jeweils die Gegenseite dazu und oft genug ist das, was erzählt wird, nur die halbe Wahrheit.
So wie es beschrieben ist, sind das auch heutzutage schon  Gründe für eine Aufhebung der gemeinsame Sorge. Schwerer wiegt in den Augen von Frau Lott offenbar die Sorge, dass sich
One-Night-Stands und Kurzaffären, also fremde Männer
in dsa Leben einer Frau einmischen können. Liebe Frau Lott, bei gemeinsamer elterlicher Sorge geht es um „das Leben einer Frau“ nur sekundär – es geht vor allem darum, einem Kind zu ermöglichen, dass die leiblichen Eltern auch die sorgenden Eltern sein können. Ein One-Night-Stand, sodenn er denn irgendwie bekannt oder auffindbar sein sollte, muss „auch“ Unterhalt für das Kind bezahlen. Das tut er in aller Regel auch gerne – sofern er das kann (da. 1/3 aller Unterhaltsschuldner können nicht mehr oder überhaupt bezahlen, das belegen alle Zahlen über die Versuche, die Gelder einzutreiben). Er soll aber auch Verantwortung übernehmen, für sein Kind da sein, es versorgen können, es kennen können. Das tut er gemeinhin viel lieber, wenn er auch das Gefühl hat, dass seine Meinung in Erziehungsfragen auch etwas zählt. Wenn ihn das alles nicht interessiert – dann wird er auch keine gemeinsam Sorge beantragen. Das gilt ebenso für „Kurzaffairen“. Die Frage ist aber: wieso sollen Väter, die offenbar ein Interesse daran haben, sich um ihre Kinder zu kümmern, davon ausgeschlossen werden, auch etwas entscheiden zu können? Frau Lott reklamiert ja abwesende Väter. Jetzt gibt es welche, die so sind, wie sie das will – also interessiert an ihren Kindern – und die sollen aber bitte keine gemeinsame Sorge haben dürfen? Das ist widersinnig.
Nicht mal ein Konto für das Kind kann eine Mutter ohne den Vater eröffnen. Er kann verhindern, dass die Mutter mit dem Kind aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt zieht.
schimpft sie am Ende ihres Kontra-Artikels. Gut so, finde ich. Es geht beim Konto ja nicht nur um die Kontoeröffnung – sondern auch um die Verfügbarkeit über die dort hinterlegten Beträge. Die kann sie nur noch gemeinsam mit dem sorgeberechtigten Vater abheben. Und der Umzug: wenn eine gute Bezeihung zwischen Vater und Kind besteht und dieses bei der Mutter wohnt, ist es im Interesse des Kindes, dass der Kontakt zum Vater erhalten werden kann. Ein Umzug kann dafür sorgen, dass dieser Kontakt völlig abbricht. Das entpräche nicht dem Kindeswohl.
Frau Lott argumentiert einzig und allein für eine fiktive Alleinerziehende, die das Leben ihres Kindes alleine bestimmen will. Sich nicht darum scheren will, was ein möglicher sorgender Vater zu ihren Entscheidungen zu sagen hat. Sie argumentiert alleine aus der Sicht einer Frau, die schlechte Erfahrungen gemacht hat. Sie argumentiert keine Sekunde im Interesse des Kindes. Aber bei der elterlichen Sorge geht es alleine darum. Um das, was dem Kind gut tut. Das ist schon in bestehenden Beziehungen mit Kindern schwer genug. Aber auch da ist man nicht immer einer Meinung. Aber selten hat jemand per se einfach so recht. Und auch Mütter können sich irren. Und falsche Entscheidungen treffen.
Eltern sollten Eltern bleiben können. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie man miteinander streiten kann, obwohl man es besser weiß. Das liegt aber nicht am der gemeinsamen Sorge, sondern an der fehlenden Einsicht bei den streitenden Eltern. Manches in meiner eigenen Geschichte wäre mit ein bißchen gutem Willen auf der jeweils anderen Seite (als auch auf meiner) vermeidbar gewesen und friedlicher zu lösen. Hinterher ist man immer schlauer. Aber mit dieser Erfahrung plädiere ich für gemeinsame Sorge von Geburt an, automatisch mit einer zur obigen Regelung adäquaten Einspruchsfrist- und möglichkeit der Mutter – sowie einer Mediations oder niedrigschwelliger Beratungspflicht in jedem Streitfall. Um einen Ausgleich der Elterninteressen und den immer im Vordergrund stehenden Kindesinteressen. Das Leben mit Kindern ist gezeichnet von Kompromissen. Eltern haben oft unterschiedliche Vorstellungen. In einer funktionierenden Beziehung sind sie daran gewöhnt, diese Kompromisse selbst zu finden. Sie haben eine gemeinsame Wertebasis, sonst würde die Beziehung nicht funktionieren. Das schließt zwar Streitigkeiten nicht aus, macht sie aber unwahrscheinlicher als wenn zwei Menschen jeweils alleine oder gar in anderen Beziehungen leben. Kinder aber wollen beide Elternteile. In aller Regel. Dem wird die gemeinsame Sorge gerecht. Gemeinsame Sorge fördert das. Alleinige wirkt dem entgegen.

Familie

Frau Schröder kriegt ein Baby. Andrea Nahles hat ihres schon. Zwei Nachrichten aus dem Bundestag, die in der Presse landeten. Kerstin Andreae, grüne MdB ist übrigens auch wieder schwanger. Das sind nicht die einzigen „Bundesbabys“, die es gibt und gegeben hat.

Dass über das allererste Ministerinnenbaby der Geschichte der Bundesrepublik etwas breiter berichtet wird, scheint mir dabei nachvollziehbar. Ist ja schon was. Nur, Frau Schröder beweist bei dieser persönlichen Sache überdeutlich, dass sie in diesem, ihrem eigenen Ressort, noch dazu jetzt, persönlich „betroffen“ so gar nicht weiß, wovon sie redet, wofür sie zuständig ist, wo es klemmt.

Wir werden dann vor den gleichen Herausforderungen stehen wie viele andere Paare in Deutschland, bei denen beide beruflich sehr gefordert sind.

Darauf eingegrenzt muss man ihr fast automatisch widersprechen. Organisatorisch wird das für die Ministerin und ihren Staatssekretär überhaupt kein Problem sein. Da muss sie nur ihre Vorgängerin im Amt fragen, wie das Leben mit Kindermädchen (oder -junge) im Haus ist und diese Herausforderungen sind ad acta gelegt. Und wer würde schon der Ministerin einen Kitaplatz verweigern wollen – im Bundestag? Niemand. Nein, organisatorische Probleme wird sie keine haben. Sie nicht und ihr Mann auch nicht. A propos: ihr Mann. Über den berichtet so gut wie niemand. Wie er das hinkriegt. Nein, warum auch.

(Was sie bekommen werden, wie alle anderen Eltern in derselben Situation, ist: das Problem, das Kind jeden morgen loszulassen. Für mich war und ist das immer das Schwierigste gewesen. Wegzugehen. Zumindest in der ersten Zeit. Und manchmal auch heute noch. Ich weiß, sie sind gut aufgehoben. Eine gute Betreuung. Ein förderndes Umfeld, viel besser, als wir das jemals könnten. Und dennoch.)

Frau Schröders Entscheidung ist das modernste, was je aus ihrem Ministerium zu hören war. Der Rest war rückwärtsgewandt, teilweise falsch, teilweise fatal. Zu begrüßen ist zwar ihr Engagement für Männer und Jungs – aber dass sie es zu Lasten der Frauen tut, grottenfalsch. Und nun dies.

Ich vermisse bei Frau Schröder, dass ihr Mann ihr nicht nur von der Seite ins Mikrofon souffliert, sondern dass er mit ihr da hinsteht und über seine Auszeit spricht. Ich erwarte Elternzeit – mindestens zwei Monate. Und ich würde von der Presse erwarten, dass sie ihn mal stellt. Fragen stellt. Die Fragen, die man ihr stellt: machen Sie einfach so weiter? Wie kriegen Sie das auf die Reihe. Was passiert, wenn ihr jeden Morgen schlecht ist: kümmern Sie sich um sie? Gehen Sie in Elternzeit? Wer bleibt daheim, wenn das Kind krank wird?

Berichterstattung über Väter gibt es selten. Außer bei uns Grünen. Boris Palmer: Elternzeit. Cem Özdemir: Elternzeit. Volker Ratzmann: Kandidatur-Aus um den Bundesvorsitz für die Karriere der Frau – gefeiert von Frau Schröders Vorgängerin.

Es ist gut, dass Kristina Schröder ein Baby bekommt. Denn es zeigt, dass es nicht mehr das Karreire-Aus sein muss für eine Frau – so eine Geburt. Eine Entwicklung, die sie dem Feminismus zu verdanken hat, den sie so ablehnt. Aber dass sie die mediale Aufmerksamtkeit nicht mit auf ihren Mann lenken kann, zeugt von Unreife und Unfähigkeit in ihrem Amt und ist gleichzeitig fatal für die moderne Familienpolitik – womit sie deutlich macht, dass sie dafür nicht steht. Nicht für eine partnerschaftliche Elternschaft – und damit auch nicht für die Recht der Männer, für die sie doch angeblich eintritt.

Übrigens: so einseitig negativ wie der Spiegelfechter mag ich es nicht sehen – und so erstmal positiv wie Antje Schrupp auch nicht – obwohl sie die richtigen Fragen schon andeutet. Aber beide Beiträge zum gleichen Thema sind lesenswert.

Väter

Ein uneheliches Kind hatte ich. Das vierte ist unehelich geboren. 2003. Nicht 1987. Und ich erinnere mich noch sehr genau an die Prozedur, als wir die gemeinsame Sorge eintragen lassen wollten. Wir gingen gemeinsam zum Jugendamt, nachdem wir einen Termin bekommen hatten und wurden dann beraten. Wie gesagt, ich hatte schon 3 größere Söhne und hatte lange Kämpfe geführt, auch um regelmäßigen Umgang zu erreichen, der nicht willkürlich von der Mutter abgesagt werden konnte oder um den Umzug eines Sohnes zu mir zu ermöglichen, gegen den ausdrücklichen Wunsch der Mutter (bei gemeinsamer Sorge) bzw. Unterhaltszahlungen zu erreichen (da hab ich zwar jedes Verfahren gewonnen, aber nie Unterhalt erhalten)….

Meine damalige zukünftige Frau wurde nach meinem kurzen Gespräch sehr intensiv vom Jugendamtsmitarbeiter „beraten“. Und erst als sie sagte, sie räume mir selbstverständlich jetzt die gemeinsame Sorge ein, da sie angesichts der Streitigkeiten aus meiner ersten Ehe vermute, dass sie es mir im Falle einer Trennung nicht mehr zugestehen würde, hörte der Jugendamtsmitarbeiter (ein Mann!) auf, sie vor diesem Schritt zu warnen.

Ich bin kein perfekter Vater, sowenig wie die Mütter meiner Söhne perfekte Mütter sind. Ich mache Fehler, raste auch mal aus, schimpfe, verliere die Geduld. Aber ich gebe mir Mühe, es gut zu machen. So gut es geht. Kümmere mich. Sorge mich. Handle. Ich liebe meine leiblichen Söhne über alles. Und auch der verlorene Stiefsohn ist nicht vergessen.

Vor dem Hintergrund meiner eigenen Erfahrungen mit Scheidung, Trennung und den Folgen und meinen Anschauungen in 10 Jahren (Internet-)Foren und Selbsthilfe mit Männern und Frauen in diesem Kontext kann ich das gestrige Urteil (SPON-Artikel) des BVerfG zur gemeinsamen elterlichen Sorge auch für uneheliche Väter nur begrüßen. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ich würde mir wünschen, dass die gemeinsame Sorge die Regel ist, mit der geringen Einschränkung eines Vetorechts eines der beiden Elternteile, das ausschließlich von Familiengerichten behandelt werden darf.

Interessant finde ich die Debatte drumherum: von Antje Schrupp, die sich irgendwie nicht so recht davon lösen will, dass man Männern sagen muss, was ein guter Vater ist (Männer sollten einmal darüber nachdenken, was genau sie sich eigentlich unter Vaterschaft vorstellen und was ihnen daran wichtig ist), gleichzeitig aber den Weg aufmacht in Richtung Familienvertrag, denn es kann ja auch andere Elternkonstelletationen als nur VaterMutterKind geben. In der taz dagegen findet sich ein differenziertes Bild auf der Leserbriefseite, wobei die rückwärtsgewandte Sicht mancher Frau dabei eher erschreckt. Und auch Till Westermayer findet 11 interessante Sätze zum Urteil. Man hat wohl gerne Männern gesagt, dass sie gute Väter sein sollen, jetzt, wo sie es wollen, scheint das auch irgendwie nicht richtig zu sein – ich vermute, weil Väter (wie ich) selbst bestimmen, auf welche Art sie Kinder erziehen.

Dabei bleibt doch eins gewiss: es gibt zunehmend andere Formen des Zusammenlebens als die klassische Ehe. Dieser Tendenz muss die Gesellschaft endlich Rechnung tragen. Dass die Bundesregierung nun aktiv wird, dazu aber ein Urteil des EuGH sowie des Verfassungsgerichts braucht, um diesen Missstand zu beheben – und da nehme ich sieben rot-grüne Jahre nicht aus – ist dabei eine Schande. Und auch wenn der Familienvertrag irgendwann kommen wird, wird es nicht unnötiger werden, die Folgen strittiger Trennungen gesetzlich und gerichtlich abzufedern. Dazu gehört auch ein Konzept wie das Cochemer oder andere Modelle – und für die, die es dann immer noch nicht können, klare Gesetzesregelungen und vor allem einklagbare Konsequenzen. Und selbst wenn es mir geholfen hätte – die Grenzen zu Zwangsarbeit für Unterhaltsschuldner oder Wegzugbegrenzungen sollten dabei nicht überschritten werden – höchstens durch die Pflicht zur Kostenübernahme des Wegziehenden.

Wichtig ist aber, dass mit diesem Urteil ein weiterer Wegstein auf dem Weg zur gleichberechtigten Elternschaft erreicht ist. Langfristig, ich bin mir sicher, werden sich mehr Eltern darauf einigen, Umgang und Aufenthalt im Sinne des Kindes zu regeln.

Update 11.08.:

die Debatte bekommt dabei natürlich teilweise bizarre Züge. In der taz melden sich jetzt Frauenhausvertreterinnen, die die Sorge ins Feld führen, das gemeinsame Sorgerecht mit ledigen Vätern sei eine Gefahr für Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden. Als würde der Trauschein Schutz vor häuslicher Gewalt gewähren. Darüber hinaus wird die Durchsetzung des Umgangsrechts bemängelt. Ich hab einen Leserbrief dazu geschrieben:

Selbstverständlich müssen Gewaltopfer geschützt werden. Und es ist eine berechtigte Forderung, dass Frauenhausadressen geheim bleiben müssen. Aber wenn es um die Kinder geht, um elterliche Sorge, dann steht das eben hintendran und nicht vornedran. Dann muss der Kontakt eben über Dritte wie Großeltern oder Jugendamt gewährleistet werden. Denn die Strafe für Körerverletzung heißt nicht: lebenslanger Kinderentzug oder Entväterung. Darüber hinaus bleibt windmühlenartig zu wiederholen: Kinder werden zu gleichen Teilen Opfer von Gewalt durch Männer und Frauen. Wenn eine Frau ihr Kind drischt, soll man sie dann auch davon ausschließen, über die Schule ihres Kindes eine Entscheidung treffen zu dürfen? Oder ihr lebenslang den Kontakt zu ihrem Kind untersagen dürfen?

Auch die Mädchenmannschaft beschäftigt sich mit dem Thema, auch hier überwiegt der Eindruck, dass Frauen sich jetzt zwar schon lange keine Familienpatriarchen mehr wünschen, aber selbst gerne noch die Definitionsmacht darüber hätten, wie dend ein Vater zu sein habe. Und klar wird gleichzeitig gefordert, dass Väter doch bitteschön erstmal ihren Pflichten nachkommen müssten. Also, Rechtstaat hin oder her: erst wenn alle Väter sich so um ihre Kinder kümmern, wie Frauen das gerne hätten, dann können alle Väter, auch die, die sich jetzt schon kümmern wollen, das Recht auf gemeinsame Sorge zugesprochen werden. „Sippen“ (Sippe=Mann)haft gibt es nicht mehr in diesem Staat, dachte ich. Ein getrennt von der Mutter und den Kindern lebender Vater gehört aber scheinbar grundsätzlich zur unzuverlässigen Sorte. Fast alle Väter wollen sich kümmern. 50% der Väter aber verlieren im ersten Jahr nach der Trennung den Kontakt zu ihren Kindern. Warum wissen wir nicht. Aber der alleinige Grund ist sicher nicht ein Nicht-Wollen. Ich vermute eher Vorschriften, Besserwisserei, Kontaktabbruch durch die Mutter und Willkür und Streit – und bei manchem Vater sicherlich die Schmerzen, die mit dem von oben verordneten 14-tägigen Umgangsrecht einhergehen. Ich hab sehr oft „Ain’t no sunshine“ gehört, nachdem ich die Jungs zurück gebracht hatte. Und das hielt oft noch tagelang an. Trennten sich alle friedlich, gäben sich Mühe, im Sinn ihrer Kinder zu entscheidden – diese Diskussion wäre gar nicht notwendig. Fazit: Rollen zu überwinden erfordert Mut zur Reflektion von allen Beteiligten.