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her mit den wilden Weibern

oder so ähnlich könnte die Forderung aussehen, liest man Tills Blog von heute zur Verteilung von Männern und Frauen als Autor_innen der letzten 100 Beiträge bei Carta. Till ist ja selbst Autor dort. In einem längeren P.S. zu diesem Artikel klärt er nochmal näher auf, wie lange die Debatte um diese Frage auch schon carta selbst beschäftigt, deren Empfehlung lautet:

Aber sie (Frauen) sollten es (bloggen/schreiben)lauter tun. Eine Flüstertüte nehmen und rufen, ‘seht her, ich hab was geschrieben, das euch interessieren wird!’. Mit Leuchtfarbe auf Twitter, facebook, identi.ca – wo auch immer, annoncieren. In anderen Blogs Werbung machen. Sich vernetzen. Sich was trauen. Für Öffentlichkeit sorgen.

Ein kurzer Vergleich. Die Netzpiloten stehen scheinbar vor einem ähnlichen Problem:

https://twitter.com/Isarmatrose/status/319446876149657600

Und schaue ich in die Liste der Autoren bei heises Telepolis  zeichnet eine Frau unter lauter Männern als Autor_innen und Blogger_innen. SChaue ich ins baden-württembergische Blog von uns Grünen, in dem ich auch sporadisch mitschreiben, dann finde ich dort 10 Autor_innen von 20. Die letzten 15 Beiträge sind von Männern geschrieben – das war kaum besser, auch solange noch Silke Krebs ihre Freitagskolumne dort geschrieben hatte.

Als mögliche Lösung schlägt sie einen Ort vor, an dem quasi das Schwimmen geübt werden kann, der sanfte Übergang von Tweets und Kommentaren zu eigenen Blogtexten.

kann man bei Till noch als Lösungsvorschlag von Vera Bunse von Carta nachlesen.

Ist es das? Oder ist es das nicht?

Am 15. November veröffentlicht die AGOF folgende Studie:

Während Sport- und Testergebnisse bei den männlichen Onlinern stark nachgefragt sind (76,6% bzw. 68,7%), interessieren sich zwei Drittel der Frauen für Lifestyle-Themen wie VIP-News oder Horoskope. Bei weit über 50 Prozent der Männer stehen zudem Nachrichten (Weltgeschehen oder regional), der Bereich „Flirten und Kontakte“ so­wie Webblogs/ Blogs auf der Liste der häufig genutzten Aktivitäten. Sechs von zehn Frauen wiederum nehmen im Internet besonders oft die Themenkomplexe „Familie und Kinder“, „Essen, Trinken und Genießen“ in Anspruch, sowie jede Zweite außerdem Jobbörsen.

Ähnliche Ergebnisse bekommt man auch für die Nutzung von Smartphones:

Frauen wollen wissen, wie es ihren Freundinnen und Verwandten geht. […]Männer dagegen fokussieren sich stärker auf praktische Anwendungen.

Ich glaube, Till beschreibt das Problem schon selbst ganz gut:

[…]ich kenne mich da allerdings zugegebenermaßen nicht so besonders aus, was Männerthemen wären

Es ist ein klassisches Genderproblem. Männer sind anders, Frauen auch. Es ist das selbe wie mit Frauen in der Politik: die wenigsten drängen sich auf. Deshalb gibt es keine Frauen bei den Piraten, also so gut wie keine (ja, ich weiß, die Berliner Liste!) und wenige bei der CDU und erst recht wenige bei der SPD. Bei uns funktioniert das nur über die Quote. Weil sich sonst die Männer vordrängen würden und die Frauen mit der Schulter zucken. Klar, nicht alle. Aber selbst toughe Frauen wie Kerstin Andreae, die 3 Kinder während des Mandats auf die Welt bringen und wieder Spitzenkandidatin der baden-württembergischen Grünen ist – ist weit seltener in der Presse als ihr Mitspitzendkandidat Cem Özdemir.

Frauen schreiben schon – nur eben nicht so sehr zu Politik wie Männer. Wir finden eine gleichwertige oder sogar andere Geschlechterverteilung bei Themenblogs, die außerhalb der Politik angesiedelt sind. Politische Blogs von Frauen sind halt eher selten. Es gibt keine Quote,. die das unsichtbar macht. Sondern es liegt hier. Auf dem Präsentierteller. Man muss es nur sehen wollen.

Frauen sind anders sozialisiert. Verhalten wird über Generationen weiter gegeben. Das ist nicht innerhalb von wenigen Jahrzehnten grundlegend zu ändern. Wir sind nicht da, wo wir hin wollen. Auch daher war das piratige „postgender“ eine Negierung gesellschaftlicher Realitäten.

Das „Politikgeschäft“ ist eines, das typisch männliche Verhaltensweisen erfordert. Das politische Bloggeschäft auch: zeig dich, melde dich zu Wort, sag offen Deine Meinung, versuche nicht, zu vermitteln, präsentiere dich.

Wenn wir das in Bezug setzen zu dem, was wir über das Nutzungsverhalten wissen, dann passt das einfach. Die traditionellen Protagonisten der Geschlechter verharren überwiegend in traditionellen Geschlechterrollen. Ausnahmen gibt es. Das Ziel bleibt: umgekehrt muss es sein. Das Verharren in Geschlechterrollen muss die Ausnahme werden. Nicht nur deshalb ist und bleibt Feminismus notwendig. An den Stellen, an denen es keinen Einfluss gibt, wird es überdeutlich.