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8 Monate bei New Horizons – wie Freiberufler abgezockt werden

Nachdem ich im Jahr 2016 nicht länger beim Freundeskreis Asyl arbeiten konnte, bin ich in Teilzeit von 60% zurück zu meinem ehemaligen Arbeitgeber initial e. V. Ich konnte relativ nahtlos zurück in die Betreuung „meiner“ alten Maßnahme und übernahm darüber hinaus zusätzliche Aufgaben, wie in der Betreuung suchtkranker Menschen oder in der Praktikumsvermittlung von Asylbewerber*innen im Rahmen eines Alphabetisierungs- und Integrationskurses. 40%, also zwei Tage die Woche aber hatte ich „frei“ und natürlich fehlte das Geld vorne und hinten. Meine Suche für freiberufliche Stelle zusätzlich war nur bedingt erfolgreich – ich bin kein ausgebildeter Sozialpädagoge, sondern war immer „nur“ quer eingestiegen – alles, was ich nachweisen konnte waren 10 Jahre erfolgreiche Arbeit in der Betreuung von Menschen mit einfachen oder multiplen Vermittlungshemmnissen. Es gab darüber hinaus Dinge, die ich nicht mehr tun wollte – ein Office-Vermittlungskurs, wie ich ihn zu Beginn meiner Tätigkeit bei Bildungsträgern gemacht hatte, kam dauerhaft nicht mehr in Frage, ebenso fielen einige Bildungsträger raus, weil ich kaum aushalten konnte, wie dort gearbeitet wurde und wird.

Nichtsdestotrotz machte ich ein paar Excel-Kurse bei der DEKRA und fand das ganz attraktiv. Allerdings kam nichts Dauerhaftes zustande, da ich eben mit 60% woanders gebunden war. Bis Januar 2017 dauerte die Durststrecke, ich war gerade dabei, mir was ganz anderes zu suchen, als ich bei der bfw fündig wurde. Allerdings fand ich mich in einer Hartz-IV-Druckmaßnahme wieder – auf die Teilnehmenden wurde erheblicher Druck ausgeübt, 2 Tage die Woche teilzunehmen, einmal am Einzelgespräch, einmal an einem Seminar. Wer nicht kam, musste nachholen, klappte das nicht, mussten Abmahnungen geschrieben werden und das Jobcenter informiert werden. Im schlimmsten Fall führte das zu Kürzungen bei den Leistungen. Anstatt auf die Teilnehmenden einzugehen und zu schauen, dass sie sich wieder Ziele setzen, ihre individuelle Situation reflektieren und das nutzen, was sie mitbringen, ging es alleine darum, egal wohin zu vermitteln. Darüber hinaus war nicht immer ein Raum für Einzelgespräche verfügbar, manchmal musste ich coachen, wenn ein*e Kollege*in im Raum war, oder noch schlimmer, ein* Kollege*in im selben Raum ein*e andere*n Teilnehmende coachte.

So war ich froh, dass eine Kolleg*in auf mich zukam und mich fragte, ob ich nicht bei New Horizons in Karlsruhe anfangen wolle. Diese planten die Eröffnung einer Niederlassung in Karlsruhe, benötigten noch einen Bildungsberater – also jemanden, der die Teilnehmenden über Kursmöglichkeiten anhand ihrer individuellen Voraussetzungen und Bedarfe beriet. Auch beim Aufbau konnte ich mithelfen, in Bezug auf IT-Ausstattung, Raumsuche, Projektplan bis zur Eröffnung.

Ziemlich schnell verstand ich aber, dass der Geschäftsführer, Dr. Peter Engelmann,  dieser Niederlassung – New Horizons ist ein Franchise-System – nichts beitrug zum Gelingen. Die OP-Managerin – meine Kollegin – und ich machten praktisch die ganze Arbeit. In den 14 Tagen, in denen wir beide im letzten Jahr an Pfingsten weg waren, geschah dort rein gar nichts. Er war überfordert, leitete Informationen, die essentiell waren (zum Beispiel,wie das interne CRM freigeschaltet wurde bzw. was die Voraussetzungen dafür waren), wie KURSNET der BA gefüllt wurde, wie man insgesamt vorging, welche Lizenzen freizuschalten waren undundund – wir mussten uns alles erarbeiten und durch teilweise stundenlange Telefonate mit anderen Standorten mühselig recherchieren – was bei ihm in Broschüren und Mails sicherlich vorlag. Dementsprechend verschob sich die Eröffnung um 3 Monate – und das Geld wurde knapp. Im September – erhielt ich zum ersten Mal mein Geld für den zurückliegenden Monat nicht. Erst Anfang Oktober wurden die Rechnungen für August und September bezahlt. Gleichzeitig bezahlte er Gehälter nicht mehr, entließ Mitarbeiter, ohne Gehälter zu bezahlen,schob Zahlungen, das Konto wurde gepfändet. Ich telefonierte mit Krankenkassen und anderen Unternehmen, erreichte Zahlungsaufschübe und damit konnte wieder über das Konto verfügt werden – alles nicht meine eigentliche Aufgabe, aber er selbst schien dazu nicht in der Lage. Im Oktober das selbe – keine Zahlung, auch Ende November nicht. Er war spätestens zu diesem Zeitpunkt zahlungsunfähig. Trotzdem: zwei Berater noch immer im Unternehmen, beide erhielten ihr Geld.

Dann, als ich Ende November in die Unterrichtsräume komme, die große Überraschung: ein neuer „Berater“ hat sich aufgetan – ein alter Bekannter – Silvio Neumark, von ehemals Strike Dialogmarketing bzw. POI Marketing. (Dass sich über ihn wenig bis nichts im Netz finden lässt, zeigt, wie viel er via Google hat entfernen lassen – aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten über Google hinaus).

Da ich ihn kannte als jemanden,der mich auch schon beschäftigt hatte, ohne zu bezahlen, habe ich mich mehr oder weniger auf der Türschwelle rumgedreht und meine Tätigkeit dort beendet. Parallel dazu fand ich in den darauf folgenden Tagen eine neue Anstellung in Vollzeit, mit der ich sehr zufrieden bin.

In den Folgemonaten erlebte ich durch Kontakt zu den Exkollegen deren weitere Leidensgeschichte dort mit.  Kurz und bündig: alle landeten vor dem Arbeitsgericht. Die Vergleiche, die er schloss, hielt er nicht ein – offensichtlich spielte er auf Zeit. Ich hatte ihn direkt Anfang Dezember angemahnt, danach die Klage eingereicht. Im März dann das erste Versäumnisurteil Versäumnisurteil erreicht, gegen das er Widerspruch einlegte und beim zweiten Termin – am 7. Juni 2018 – ebenfalls nicht zu erscheinen und ein zweites vollumfängliches Versäumnisurteil zu kassieren. Ob ich mein Geld pfänden kann – wir werden sehen. Er hat jetzt wohl endlich Insolvenz angemeldet.

Wir haben uns natürlich hilfesuchend an die anderen Niederlassungen gewendet, mit denen wir zu tun hatten, die hilfreich zur Seite standen, als wir alle Informationen suchten. Wir haben uns an die Franchisezentrale gewandt.

Diese schrieb uns – sie, die sie nahezu immer ihr Franchisegeld erhalten hatte, soweit ich anhand der Kontoauszüge sehen kann – Folgendes:

Es tut mir persönlich sehr leid zu lesen, dass ihr den Gerichtsweg beschreiten musstet, um eure Forderungen gegenüber der NH Baden GmbH geltend zu machen. Lt. eurem email habt ihr auch bereits die Gerichtsbeschlüsse für die ausstehenden Gelder erhalten. Das Thema liegt somit in den Händen eurer Anwälte.

Deshalb kann ich nichts mehr tun, außer euch darauf hinzuweisen, dass die NH Baden GmbH eine eigenständige Gesellschaft und Peter selbständiger Unternehmer ist. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir keine Handhabe haben, in einem solchermaßen gelagerten Fall auf das Verhalten von NH Baden GmbH Einfluss zu nehmen.

Ihr wart Angestellte der NH Baden GmbH und nicht von New Horizons. Bitte beachtet diesen Unterschied in eurer Kommunikation nach außen: Insbesondere habe ich euch aufzufordern, negative Äußerungen über New Horizons in der Öffentlichkeit, die den Ruf unseres Unternehmens, des Franchisesystems und der anderen Franchisenehmer, schädigen könnten, zu unterlassen.

Das mag rechtlich einwandfrei sein. Die Umstände waren seit Monaten bekannt, man hat nichts getan, um die Angestellten zu schützen und sich nicht um den Ruf von New Horizons gekümmert – solange wohl das Geld an die Zentrale floss. Leider ist eine Bereitschaft, einen Teil des Schadens,der auch entstanden ist, weil man bei New Horizons offenbar nicht so genau hinschaut, wer da Unternehmer (neudeutsch: Owner) bei ihnen wird und nichts unternimmt, wenn Probleme auftauchen, auszugleichen.

alles neu macht 2017

Es ist Mitte Dezember 2017. Ich bin heute früh aufgewacht und das Gefühl, auf dieses Jahr schriftlich zurückzublicken, das ich schon seit Tagen habe, schafft sich zunehmend Raum. Es ist wirklich viel passiert – ich spüre es schon alleine daran, dass es mich völlig befremdet, dass schon Dezember ist. In diesem Jahr bin ich gefühlt aus dem T-Shirt in den Wintermantel gesprungen. Aber wenn ich so zurückblicke, dann wundert es mich nicht wirklich.

Das Jahr hatte so begonnen – mit einem Kind, das wir ins Krankenhaus gebracht haben – mit unspezifischen Bauchschmerzen und einer Manifestiation meiner immer präsenten Angst um alle Kinder, seien es leibliche, Stief- oder Schwiegerkinder. J. Bauchschmerzen haben uns das Jahr über begleitet, nach dem Pfingtsurlaub hat es ihn erneut erwischt – er war bis zu den großen Ferien nicht mehr in der Schule. So nach und nach hat es sich gebessert und wir sind noch immer am abprüfen, was es sein kann. Jetzt Anfang Dezember war er wieder im Krankenhaus – jetzt allerdings zur erneuten Überprüfung, nicht mehr mit akuten Schmerzen. Wir vermuten zwischenzeitlich schlicht, dass es Wachstumsbegleiterscheinungen sind – er ist Stand heute fast genauso groß wie wir und hat einen ganz schönen Schuss gemacht. Da er sich außerdem die Haare hat schneiden lassen, sieht er aus wie ein junger Mann – das Kindliche ist beinahe verschwunden, inklusive leichtem Flaum auf der Oberlippe wird mir wieder klar: die Zeit mit Kindern vergeht rasend und so wie sie groß werden, werde ich älter.

Den jüngeren Sohn haben wir nach einem seit einem Jahr andauernden Prozess von der Freien Schule genommen – er ist HB mit einem Wert um die 140 (den wir natürlich nochmal überprüfen werden) und  wurde dort trotz ausdrücklichem Elternwunsch nicht an seine Grenzen gebracht, nicht ausreichend gefordert. Er geht jetzt auf die Regelgrundschule, ist dort ohne Probleme eingestiegen. Ich hadere mit vielem, vor allem der permanenten Bewertung in der Regelschule, die er selbst gut auf den Punkt gebracht hat:“Papa, das ist beschämend, wenn sie alles aufschreibt, was ich nicht richtig gemacht habe“ – seine Reaktion auf eine 3+ in seinem allerersten Aufsatz, den er geschrieben hat und in dem ihm die Lehrerin auf sehr liebevolle Weise versucht hat aufzuzeigen, woran es haperte. Ich fand die Note nachvollziehbar, ihre Kritik freundlich und wertschätzend – aber er ist gar nicht an Bewertungen gewöhnt und fand schon den wirklich freundlichen Text als beschämend. Wir müssen sehr genau überlegen, wohin er nach der Grundschule gehen soll – zumal wir hier in Malsch eine Gemeinschaftsschule haben, von der selbst die Lehrer*innen sagen, dass es eher eine Hauptschule ist. Gymnasiales Niveau können sie nicht garantieren, die Klassen seien zu groß dafür, es könne gut sein, dass er untergeht. Meine ganze Kritik an der Umsetzung der „Einen Schule für Alle“ hat hier in Malsch einen Fokus – worüber auch gute Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg nicht hinwegtäuschen können. Man hat eine neue Werkrealschule installiert – von Ausnahmen abgesehen.

Zu Beginn des Jahres habe ich eine Tätigkeit als Jobcoach bei einem zweiten Bildungsträger neben meiner Festanstellung bei initial aufgenommen – fand die Maßnahme aber erschreckend unmenschlich. Eine Druckmaßnahme für Hartz IV-Empfänger*innen, mit zweimal die Woche Anwesenheitspflicht (einmal Coachinggespräch, einmal Seminar). Wer fehlte, musste nachholen, wer nicht nachholte, bekam ne Abmahnung (Auftrag des JC). Beim Bildungsträger selbst waren die Zustände nicht gut – ich musste teilweise Gespräche führen, während derdie Kolleg*in mit im Zimmer war oder es fanden gar parallel Gespräche statt. Ich habe versucht, behutsamer zu sein und den Menschen gerecht zu werden. Trotzdem habe ich die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen und bin Mitte April zu New Horizons gewechselt – ein Bildungsträger, der Fortbildungsmaßnahmen anbietet und in Karlsruhe eine Niederlassung eröffnete. Da New Horizons ein Franchisesystem ist mit einem eigenen Geschäftsführer hier, gab es viel Aufbauarbeit zu tun, die mir viel Spaß bereitete. Allerdings war es zuletzt sehr knapp mit dem Geld, das alles lief nicht so an, wie gedacht und die Gründe waren vielfältig. Als am Ende ein alter Bekannter von mir als Berater auftauchte, den ich als jemanden, der Menschen ausbeutet kennen gelernt hatte, schaute ich, dass ich da wieder weg kam – zumal zwei Monate meiner Arbeit noch nicht bezahlt sind.

Parallel dazu war klar, dass initial seinen zweiten Standort aufgeben und Personal abbauen wird. Also hab ich begonnen, mir eine neue Stelle zu suchen und bin seit 1. Dezember Standortleiter bei Fruitful Office, die Obstkörbe an Firmenkunden liefern. Leider kein Bio-Obst, aber regionales (mit der Ausnahme von Bananen) und sie pflanzen Obstbäume in Afrika für jeden verkauften Korb. Ein gangbarer Kompromiss für mich, eine schöne Aufgabe mit viel Verantwortung.

Eindrücklich waren auch die 20 Tage in Australien bei meinem großen Sohn. Zu sehen, wie er lebt, wie er arbeitet, wie gut er seine Arbeit macht. Ihm über diese Zeit auf der Reise mit Dachzelt entlang der Küste

und durchs Outback wieder näher zu kommen, Gespräche zu führen, die schon lange hätten geführt werden sollten. Die Faszination für dieses große Land, seine Geschichte,  der Umgang mit seinen Minderheiten, die Kampagne für eine Ehe für Alle mit wahrzunehmen, gewahr zu werden, wie sehr sich die Architektur zu der in den USA ähnelt, wie wir sie aus alten Filmen kennen (teilweise war es echt wie in einer Westernstadt), der Hinflug über Bangkok – mit neun Stunden Aufenthalt, die ich bei einem alten Freund verbrachte, der Rückflug mit Blick von oben auf Ayer’s Rock… ich hatte mich lange auf die Reise gefreut und dann war sie so schnell vorüber. Am Flughafen Köln, als ich wieder ankam, hat es mich beinahe überwältigt.

Privat hat sich also viel getan, beruflich auch – und auch politisch hat sich einiges bewegt. Anfang des Jahres bin ich auf DEMOKRATIE IN BEWEGUNG gestoßen, bin seit April Mitglied und Gründungsmitglied des Bundesverbandes sowie des Landesverbandes. Ich habe eine neue politische Heimat gefunden. Kommunal bin ich stellvertretender Fraktionsvorsitzender geworden, nachdem die bisherige Fraktionsvorsitzende weggezogen ist. Für mich eine Erleichterung, weil sie als Grüne mir den Austritt sehr übel genommen hat und blockiert hat, wo sie konnte. Mit neuen Aufgaben in Fraktion und in der neuen Partei war viel zu tun – ein intensiver Sommerwahlkampf mit Urlaub dazwischen, Aufbau des Landesverbandes, viele Diskussionen, neue und alte Wege finden, diskutieren, politische Sprache neu finden. Und in Karlsruhe haben wir das Ende der Pegida-Demos erlebt – das allerdings nicht als Sieg, sondern die haben aufgegeben. Ich war noch einmal dort und habe als letzter dort eine Rede gehalten.

Ich habe mich in diesem Jahr in nahezu allen Lebensbereichen neu erfunden – zum Glück bin ich noch verheiratet. 🙂 Es zeigt mir, dass ich nicht verknöchert bin, dass ich pragmatisch sein kann, wenn es nötig ist, es zeigt mir, dass ich noch flexibel genug bin, meine eigenen Vorschläge zu beherzigen. Insofern war es ein aufregendes Jahr, ein gutes Jahr auch wenn es manches Mal schwer war und schien. Geld wächst nicht auf den Bäumen und ein wenig Ruhe wäre auch nicht schlecht – und dass ich nicht immer alles alleine in der Hand habe, wie ich mal wieder lernen musste. Ich denke, ich habe es ganz gut gewuppt und hoffe nun auf mehr Ruhe auf der beruflichen und privaten Seite. Politisch bleiben die Zeiten aufregend – und Sorgen bereitend.