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Abzocke – im Großen wie im Kleinen

Heute morgen ist mir beim Zeitungslesen beinahe die Milch im Kaffee sauer geworden. Herr Oehler von den Stadtwerken Ettlingen erzählt per Zeitung – BNN – dass es bei den Stadtwerken keine Abzocke gäbe.

Oehler_SWE_Strompreis (Wir erinnern uns: Herr Oehler war schon weg bei den Stadtwerken, kam dann aber wieder, weil niemand gefunden werden konnte, der den Job so gut machen konnte wie er oder s ähnlich – aber einE NeueR hätte vieleicht etwas veröffentlicht, das galubwürdiger gewesen wäre.) Sei’s drum, ich wollte eigentlich einen Leserbrief schreiben, aber da ich letzte Woche schon einen drin hatte, wollte man nicht schon wieder einen von mir veröffentlichen. Dann also hier meine Antwort:

Doch, Herr Oehler, auch die Nichtsenkung der Strompreise für Haushalte in Ettlingen ist Abzocke. Oder das Ergebnis einer verfehlten Einkaufspolitik durch die Stadtwerke. Wer das für die grüne Bundestagsfraktion erstellte Gutachten (http://www.gruene-bundestag.de/cms/energie/dokbin/348/348969.strompreis.pdf) genau liest, wird darin folgendenden Satz finden: „Die Rechnung zeigt, daß selbst bei einer langfristigen Beschaffungsstrategie die Preise mittlerweile in 2010 längst das Niveau von 2008 unterschritten haben.“ und „Nach Branchenangaben wird der Strom für die Haushaltskunden im Durchschnitt mit einer Vorlaufzeit von ein bis zwei Jahren, also im Mittel etwa 18 Monaten beschafft.“ Das bestätigt Herr Oehler ja auch, den aktuell wird der Strom für 2011 und die Hälfte von 2012 eingekauft, wie er berichtet – das liegt in diesem Zeitraum. VOR 18 Monaten (2007 ist doppelt solange her!) war der Strompreis allerdings auf einem Tiefstand. Zudem wird üblicherweise nicht der komplette Strom für ein Jahr eingekauft, sondern in Teiltranchen – auch das bestätigt die Pressemitteilung. Im Übrigen kann man der Begründung für die Strompreise ab 01.04.2010 entnehmen, dass deren Zustandekommen die Strombeschaffung von 2008 zugrunde liegt. Was erzählt Herr Oehler also da?
Auch die gerne von der Atomindustrie angeführte EEG-Umlage reicht nicht aus, um Preissenkungen auszuschließen – denn die stieg weniger als die Preiserhöhungen.

Es wird Zeit, dass die Stadtwerke Ettlingen ihre Einsparungen in der Energiebeschaffung an ihre Haushaltskunden weiter gibt. Denn nicht alle wollen ins Schwimmbad, ins Grünhaus oder zur Buhl’schen Mühle – die Kosten dafür muss sich Herr Oehler woanders erwirtschaften – oder aufhören, Dinge zu finanzieren, die nichts mit der Energieversorgung zu tun haben. Andernfalls wäre den Ettlingern angeraten, den Stromanbieter zu wechseln. Wird deshalb das Schwimmbad 50 Cent teurer, macht das bei einem Cent Einsparung 90 Schwimmbadbesuche, wenn man einen durchschnittlichen Haushalt zugrunde legt.

Herr Oehler geht

Zum Jahresende verlässt Eberhard Oehler die Stadtwerke Ettlingen. Mal sehen, was nachkommt. Er steht sicherlich für eine Verwurzelung mit der Energiebranche, vor allem der EnBW und der Atomindustrie. Das soll hier kein Nachruf werden, er ist ja nicht gestorben. Er hat sicherlich große Verdienste für die Stadt Ettlingen im Bereich Erhalt der Bäder. Gleichzeitig war er Herr über einer der größten Neben (Schatten-)haushalte der Stadt.

Ich möchte aber gerne mal erzählen, womit ich Herrn Oehler verbinde. Da war einerseits eine 10-prozentige Gehaltserhöhung. Unerträglich. Da war die gewollte Beteiligung am Kohlekraftwerk Brunsbüttel. Ökologisch untragbar und führt seine Investitionswilligkeit ins Ettlinger Windrad, dass dann ja leider unter Mithilfe Ettlinger Grüner nicht kam, ad absurdum – ebenso wie der ganze Klateradatsch um „Ökostrom“ von den Stadtwerken.

Vor allem verbinde ich Eberhard Oehler mit einem Telefongespräch – für das ich natürlich keine Aufzeichnung habe – das ich im Jahr 2001 mit ihm geführt habe. Anlass war ein Artikel im Ettlinger Amtsblatt aus meiner Feder. Ich beklagte unter der zugegeben provokanten Überschrift „Raubritter in Ettlingen“ dass die Stadtwerke nicht wie andere Stadtwerke damals schneller ihren Kunden den Wechsel zu anderen Stromanbietern möglich machten, sondern bis zum letzten Tag warteten, den die Verbändevereinbarung möglich machte. Ich wollte damals so schnell wie möglich zu den Schönauern wechseln, um dort richtigen Ökostrom zu beziehen und mit meinem Geld auch nicht länger mit die Atomindutrie zu finanzieren. Auf diesen Artikel hin rief mich Eberhard Oehler an. Wir tauschten Argumente aus, ich teilte ihm mit, dass ich am Ökostrom der Stadtwerke Ettlingen keinen Gefallen finden würde, da mir nicht nur der Nachweis zu intransparent war, sondern schlicht die Stadtwerke weiterhin Atomstrom bezögen und verkauften und ich daher nicht länger dort Kunde sein wollte. Danach wurde es abstrus. Zunächst meinte er, mich darauf hinweisen zu müssen, dass man, würden GRÜNE weiterhin so wie im Amtsblatt geschehen, argumentieren, man die Zusammenarbeit mit unseren Vertretern im Gemeinderat überdenken müsse – interesante Aussage in einer Demokratie. Nachdem ich darauf nicht einging – das müssen Sie entscheiden, Herr Oehler – meinte er, mich darüber informieren zu müssen, dass der Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Gemeinderat weiterhin „normalen“ (Atom-)Strom beziehe und zudem immer noch eine „alte Ölheizung“ zum heizen verwenden würde.

So bleibt mir Herr Oehler in Erinnerung – als die Argumente ausgingen, versuchte er eine Erpressung und als das nicht fruchtete, verwendete er die persönlichen Daten eines Kunden, um diese politisch zu missbrauchen. Daneben verblassen alle „Verdienste“ um die Sanierung der Ettlinger Bäder – die trotz großer unverschatteter Dachflächen keine einzige Solarpaneele haben….