Schlagwort-Archive: Persönlich

#Offline

für die nächsten Tage begebe ich mich offline – Twitter, Facebook, Blog. Der Shitstorm hat mich sehr mitgenommen, die mediale Aufmerksamkeit ebenso. Alle Zeitungen haben berichtet, gestern Abend bin ich im Neomagazin sehr lustig durch den Kakao gezogen worden (danke!, das Lachen hat geholfen)) und ich bin ein bisschen ängstlich, ob die Heute Show was draus macht. Ich bin kein Vollzeitpolitiker, ich mache Politik im Ehrenamt, nebenberuflich. Ich gehe 40 Stunden die Woche arbeiten und zu Hause hab ich die Macht über die Hälfte des Haushalts – ich kann das alles in der Form nicht bewältigen – weder zeitlich noch emotional. Außerdem muss ich zur Ruhe kommen und endlich auch für mich klären, was da aus mir gekommen ist, wie ich das aufarbeite und was ich daraus mache. Ich habe einen schweren und nur schwer gutzumachenden Fehler begangen und kann nicht einfach so tun, als wäre nichts passiert – so sehr mich auch die Finger jucken. Für Normalität braucht’s ein paar Tage. Ich brauche eine Denkpause. (solange bleibt auch das Kontaktformular kaputt, wer mich erreichen will, weiß wie, Kommentare bleiben offen, werden aber nicht gelesen. Erstkommentatoren sind moderiert und werden erst nach der Pause freigeschaltet oder auch nicht)

Einzig eine Erklärung wäre noch abzugeben: ich habe dem Landesvorstand BW nicht meinen Rücktritt angeboten und dieser hat ihn daher auch nicht ablehnen können.

Bis auf Weiteres, bis auf bald.

und jetzt?

Ja, der Listenparteitag der Grünen in BW war nicht sehr erfolgreich für mich. Dafür gibt es  Gründe, die es beizeiten zu diskutieren gibt. Manches hat mich an diesem Wochenende hart getroffen. Das Wichtigste aber war mir immer, dass ich letztendlich weich falle. Dass ich nicht ins Parlament muss, sondern möchte,und noch andere Perspektiven habe. Meinen Job liebe – auch wenn ich für mein Leben gerne ein Mandat hätte, um zu sehen, was ich politisch in einem Mandat bewegen kann. Weil ich denke, dass ich das auch gut kann.

Nun, es hat nicht sollen sein. Basisarbeit und Zeitaufwand werden nicht immer honoriert. Und als Parteilinker hat man es in Baden-Württemberg ncoh nie leicht gehabt.

Mein Arbeitgeber, initial e. V., hat sich im letzten Jahr fast komplett neu aufgestellt. Bedingt durch die Intrumentenreform im SGB II-Bereich hatten wir zunächst kurz gearbeitet, dann massiv restrukturiert. Zwischenzeitlich ist es uns gelungen, wieder ausreichend Maßnahmen durchzuführen. Alle Standorte konnten erhalten bleiben. Die Maßnahme, die ich leite, wurde durchgängig durchgeführt, wir haben nach wie vor gute Vermittlungsergebnisse  und eine langfristige Perspektive. Von anderen mussten wir uns leider trennen – unsere Deutsch- und Integrationskurse beispielsweise.

Wir Angestellten und Freiberufler werden gut behandelt. Wir arbeiten nicht nur als Pädagogen mit unseren Teilnehmern, sondern auch das Unternehmen bzw. der Verein werden so geführt. Dies hier ist wahrlich ein Arbeitsplatz, der gute Arbeit bietet – die Leitlinien stehen da nicht nur, sondern werden so praktiziert – für alle, sind ernst gemeint.

Nach der Restrukturierung haben wir jetzt diese auch online neu umgesetzt und den Internetauftritt neu gestaltet. Einige haben bei Facebook gelesen, dass ich für unser Cafe Initial derzeit Spenden für einen neuen Backofen suche. Jeder Cent hilft. Das Lernrestaurant mit dem Standbein „indische Küche“ und zweimal die Woche Abendöffnung trägt sich zwischenzeitlich auch gut – ebenfalls ein Schritt, der notwendig wurde.

Mit einem lachenden und auch weinenden Auge bin ich also weiterhin hier. Politisch werde ich sehen, wohin mich der Weg zukünftig führt – es war ein zeitliches Nadelöhr mit Landtag und Bundestag. Für beide Mandate konnte ich nur schwer (direkt für den BT aktuell) oder gar keine Mehrheiten hinter mich bringen. Das muss ich sacken lassen und überdenken, was das für mich bedeutet. Und was diese Ablehnung, die ein Stück weit auch persönlich ist, mit mir macht. Aber neben der Politik als Beruf ist sie ja ein tolles Hobby. Ein wenig fühle ich mich auch befreit. Und vor allem frei, meinen Fokus wieder neu auszurichten. Vielleicht fange ich wieder an zu singen. Wäre ein guter neuer Anfang. Aber bei initial blieben, das will ich auf jeden Fall. Außer es käme vielleicht doch noch ein Mandat? Wer weiß.