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Hallo Rapunzel, wir müssen reden

ein „offener Brief“

Hallo Rapunzel,

ich kaufe viel Eurer Produkte im Bioladen oder bei Alnatura, seit vielen, vielen Jahren. Ihr macht leckerer Schokolade, tolle Müslis, ein fabelhaftes Samba und sehr leckere Penne. Heute fiel ich in meinem Bioladen über Euren Schokoladenaufsteller – passend zu Ostern wohl – und musste mit Entsetzen die Produkte „MilchMichl“ und „MichMarie“ als neue Produkte entdecken.

2013-03-26 18.00.04

Das ist klassische, sexistische Produktpolitik. Klar, die „Mädchenschokolade“ ist rosa, die „Michl“ ist ganz klar hell(!!)blau. Ich weiß echt nicht mehr, was ich sagen soll. Ich kann kaum annehmen, dass Ihr die Debatten um die rosa Überraschungseier nicht mitbekommen habt.

Dieser taz-Artikel beschreibt es eigentlich ziemlich gut –

Wahrscheinlich gibt es bald auch die Kinder-Schokolade in Rosa, in Konkurrenz zur lila Milka.

nur ist es nicht die böse Kinderschokolade, mit der Ferrero weiter in die Sexismusfalle tappt, sondern Ihr, die „Guten“ (dachte ich und ihr wohl auch) von Rapunzel. Ja, in Eurer Firmenphilosophie steht nichts von „Sexismus vermeiden“. Aber trotzdem dachte ich irgendwie, das wäre für ein Unternehmen, wie Ihr es seid, gar kein Thema. Faire Schokolade, sexistische Kackscheiße. Eine Kombination, die ich mir nicht hätte ausdenken können.

Die Emma schreibt dazu:

,Rosa macht Mädchen dümmer'“. Zum Wohl ihrer Profitraten vermüllt die Pink-Industrie den kleinen Mädchen das Gehirn.“ Heraus kämen Prinzessinnen, die nur eins im Kopf haben: Konsum

Ich bin frustriert und sauer und werde vorerst auf Eure Produkte verzichten.

Frohe Ostern

Spenden – gut gemeint, aber…?

Am Donnerstag, 07.10.2010 stieß ich frühmorgens über einen Artikel in der ka-news, nachdem die evangelische freie Kirche Agape zum Erntedankfest mehr als 1300 Gläser Nutella gespendet hatten und daraus einen Altar gebaut haben. Und da sie so nette Christen sind, haben sie diese 1300 Gläser dann auch gleich anschließend an die Karlsruher Tafel weitergespendet. Man mag sich jetzt darüber streiten, was Nutella überhaupt mit unserem Erntedankfest zu tun hat. Die Schokoladenernte fällt hier ja eher mager aus. Aber worüber man sich trefflich mokieren kann, ist der Umstand, dass man ausgerechnet den Tafeln etwas schenkt, in einer derart großen Zahl, das durch Ausbeutung, noch dazu von Kindern, erzeugt wurde. Nun, es gibt vermutlich da wenig Problembewusstsein bei Schokolade und bei Nutella ja erst recht, wo doch unsere Fußballnationalspieler dafür Werbung machen und wer mag es den Kindern aus der Unterschicht missgönnen und überhaupt – immer was zu nörgeln. Ja, hab ich und hab deshalb einen Brief geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren von der freien Kirche,
Sehr geehrte Frau Höhn von der Karlsruher Tafel,

mit Interesse konnte ich heute morgen der ka-news entnehmen, dass Sie der Karlsruher Tafel Nutella gespendet haben. Über 1300 Gläser sind zusammen gekommen, Sie haben da sogar einen Altar draus gebastelt – Erntedank, konnte man dem Artikel entnehmen.

Nun, ich bin über soviel fehlendes Problembewusstsein erstaunt. Ich finde die Spende an die Tafel pervers. Nutella – bzw. die Schokolade dafür – wird, wie man weiß, weder biologisch noch fair angebaut und geerntet. Die Schokoladenprodukte dieser Marken werden konventionell produziert (kein Gütesiegel), d. h. es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Kakao von Kindern in ausbeuterischer Kinderarbeit angebaut und geerntet wurde. Es ist in meinen Augen der Gipfel der Ignoranz, aus diesem Produkt einen Altar zu bauen und es dann den Ärmsten zum Verzehr zu offenbaren – die Ausgebeuteten die Ausbeutung damit noch unterstützen lassen. Dass die Tafel diese Spende annimmt, macht mich dabei noch fassungsloser.

http://direkteaktion.over-blog.de/ext/http://unsdiewelt.com/2008/12/greenpeace-osterreich-wie-okologisch-und-fair-sind-schokomarken/

An einer Stellungnahme bin ich sehr interessiert – von Ihnen, vor allem aber auch von der Tafel.

Mit erzürnten, aber freundlichen Grüßen

Jörg Rupp

Darauf ist erwartungsgemäß bis heute keine Antwort gekommen. Und grundsätzlich stellt sich da auch die Frage: wie sehr sind die Tafeln schon Teil des Systems, dass sie sowas gar nicht merken? Und bitte, wer kommt auf die Idee, 1300 Gläser Nutella zu kaufen und Ferrero anzubeten? Zu Erntedank?