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im Malscher Asylbewerberheim gibt es kein Internet

Anfang Januar haben rund 200 Asylbewerber*innen die große Gemeinschaftsunterkunft in Malsch (es gibt noch zwei kleinere) bezogen.Die Unterkunft wurde neu gebaut, die Gemeinde hat dafür ein Grundstück veräußert, das wurde ans Landratsamt verpachtet und dort hat man einen Containerbau für 200 Menschen errichtet. Im Herbst war das bekannt geworden. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt müsste eigentlich ein Internetanschluss für diese Unterkunft bei der Telekom beantragt worden sein.

Jetzt, viereinhalb Monate nach dem Bezug, haben die Schutzsuchenden noch immer keinen Internetanschluss. Das Landratsamt klingt ein wenig hilflos, weiß auch nicht, warum die Telekom nicht voran kommt – angeblich ist es schwere zu realisieren als an anderen Standorten. Warum wird dem Gemeinderat natürlich nicht erklärt – aber angesichts der umliegenden Bebauung scheint dieses Argument doch etwas sonderbar. Und in Spuckweite residiert die ehemalige Telekomtochter CTDI in Malsch. Hinzu kommt – im letzten Jahr hat Malsch der Telekom den Auftrag, die Gemeinde mit Vectoring zu versorgen erteilt – und immer war die Aussage, dass natürlich im Industriegebiet alles besonders schnell ginge.

Nun hat natürlich kein Unternehmen von Rang und Namen da seinen Bau errichtet. Nur ein paar Asylbewerber*innen, die Internet für so profane Dinge brauchen wie:

  • Kontakt nach Hause oder zu Freunden irgendwo in der Welt
  • Informationen aller Art
  • Deutsch lernen, Übersetzungsdienste
  • Arbeitssuche
  • Unterhaltung
  • Recherche aller Art – zum Beispiel Hausaufgaben bei Schüler*innen

die müssen jetzt schon so lange warten, ihren langsameren Internetverkehr über Sticks oder ihre Smartphones auf eigene Kosten abwickeln.  Bewerbungen, Jobsuche, Informationen zum Asylverfahren, Vernetzung  – all das ist außerdem kaum möglich. So ist das bei der Telekom. ich kenne mehrere Schutzsuchende dort – einer davon ist Informatiker, macht Webdesign. Da wäre ein Internetzugang sehr hilfreich, um sich fachlich up to date zu halten. Ein anderer ist Zahnarzt – der natürlich erst nach seiner Zulassung praktizieren darf.  Und 40 Stunden Hospitation ist auch kräftezehrend. Aber so ein paar Tutorials, Erklärungen, die Fachsprache hören und nicht nur lesen, all das – kaum möglich ohne einen funktionierenden Internetanschluss. Meines Erachtens ein Teil der Daseinsfürsorge.

Achso: Auskünfte erhält man bei der Telekom natürlich nur mit Kundennummer. Eine Adresse suchen können die immer freundlichen Sachbearbeiter*innen nicht. Es wäre zu wünschen, dass dem schnellstens Abhilfe geschaffen wird. Hallo Telekom: bitte lesen und Abhilfe schaffen. Für eine gelungene Willkommenskultur.

Update:

Die Telekom schreibt bei Twitter auf diesen Bericht hin:

Breitbandversorgung in Malsch

In der Sitzung des Gemeinderats im Dezember haben wir über die zukünftige Breitbandversorgung in der Gemeinde gesprochen. Wer BNN liest, weiß, dass durch die Initiative des Landkreises Musik im Thema ist: der Landkreis baut einen eigenen Glasfaserbackbone, die Gemeinden sind angefragt, sich daran zu anzuschließen. Das würde bedeuten, dass der Telekom im Ort Konkurrenz durch ein gemeindeeigenes Netz entstehen würde, denn der Anschluss an diesen Backbone würde bedeuten, dass die Gemeinde selbst Glasfaser bis an die einzelnen Gebäude in der Gemeinde verlegt, also FTTB (Fibre to the Buildung). 30 von 32 Landkreisgemeinde haben sich dem bisher angeschlossen. FÜr Malsch bedeutet das dauerhafte Beteiligungskosten sowie im Selbstaufbau ein auf den ersten Blick nicht genau zu beziffernder Betrag. Nicht zu beziffern, weil trotz Anfrage amtierender Gemeinderäte an die Verwaltung nicht benannt wird, in welcher Höhe Förderbeträge aus der Breitbandinitiative des Landes fließen werden. Und auch eine Marktanfrage, was ungefähr an Pacht für das Netz zu erwirtschaften wäre, wenn der Netzbetrieb ausgeschrieben wird (das kann die Gemeinde nicht selbst) wird nicht vorgelegt.

Die Telekom möchte das natürlich nicht und hat angeboten, stattdessen die Gemeinde mit dem sogenannten Vectoring zu versorgen, also die bisherigen Kupferkabel durch Entstörung (vereinfacht gesagt) schneller zu machen. Dieses Vectoring bietet sie der Gemeinde kostenlos an – der Landkreis wäre aus dem Spiel und auch das gemeindeeigene Netz. Das Netz, das liegt, gehört der Telekom und kann von anderen gegen Entgelt genutzt werden. Das Problem an Vectoring ist: ohne Verstärker, die in die Leitungen eingebaut werden müssen, sinkt der Erfolg dieser Maßnahme 500m Kabellänge nach dem Verteilerkasten (KvZ) auf praktisch Null.

Damit liegt aber noch keine Glasfaser im Ort – die unbestreitbar die Technologie der Zukunft ist. Und auch wenn die Telekom der Gemeinde Vectoring „kostenlos“ anbietet – und damit weiterhin einen Markt für sich sichert – so gibt es immer noch keine Aussage – auch das trotz Nachfrage von Gemeinderäten im Dezember – was die weiteren Ausbauschritte (Vectoring II, G-Fast, …?) bis 100% Glasfaser im Ort durch die Telekom kosten wird. Deshalb habe unter anderem ich in dieser Dezembersitzng eine Gegenüberstellung dieser Kosten verlangt – und bis heute, wo mir die Sitzungsunterlagen für die nächste Gemeinderatssitzung vorliegen, immer noch nicht erhalten. Dass auch die Telekom irgendwann Glasfaser verlegen wird, steht ebenfalls außer Frage. Was dies dann kosten wird, ob das teurer für die Gemeinde werden wird, als wenn sie es selbst tun würde, keine Auskunft. Und wenn der Monopolist, den man sich so schafft, dann den Preis diktieren kann, kann man sich denken, wenn wir uns daran erinnern, mit welcher Chuzpe eine ordentliche Verbindung nach Waldprechtsweier ausgeschlossen wurde, sodass die Gemeinde selbst aktiv werden musste.

Natürlich kann man nach der Notwendigkeit des Umbaus der Hans-Thoma-Schule nicht einfach so beschließen, selbst ein Glasfasernetz zu verlegen. Daher wollten mehrere Gemeinderäte eine Gegenüberstellung der Kosten. Was uns in der Vorlage für die nächste Gemeinderatsitzung, bei der darüber entschieden werden soll, vorgelegt wurde, ist

a) eine Kostenaussage fürs eigene Netz, ohne die Förderbeträge und mögliche Erträge herauszurechnen (ein Beispiel aus Brigachtal, Scharzwald-Baar-Kreis, 5000 Einwohner: dort hat man den Ausbau des eigenen Netzes selbst gemacht und Ende 2014 abgeschlossen. Es ist der Gemeinde gelungen, einen Netzbetreiber zu finden, der für die Pacht des Netzes so hohe Beträge bezahlt, dass die Gemeinde ab 2018 schwarze Zahlen damit schreibt)

b)von der Telekom die Aussage, der erste Schritt (Vectoring) wäre kostenlos – was alle weiteren Ausbauschritte kosten werden, die zwingend folgen müssen, angesichts der Tatsache, dass sich der Bandbreitenbedarf alle 2 Jahren ungefähr verdoppelt, wird nicht gesagt. Und ist anzunehmen, es wäre günstiger, wenn sie es nicht sagen wollen? Nach allem was man liest, kostet Vectoring ungefähr ein Viertel des Ausbaus mit Glasfaser. Was also, wenn auf die Gemeinde im zweiten und dritten Schritt jeweils diese Kosten zukommen – und am Ende dann noch die Kosten für den Glasfaserausbau? Was ist dann wohl teurer als der sofortige Ausbau mit Glasfaser?

Wer also bei der Schule genau hinschaut, kann das bei Breitband nicht unterlassen. Ob da mit eine Rolle spielt, dass laut Aussage eines Gemeinderats CTDI in Malsch den Auftrag bekommen würde, Vectoring in Malsch zu realisieren?

Servicewüste

2013-01-19 13.23.12Heute morgen bin ich kurz über den Wochenmarkt gelaufen. Hab beim Neuland-Metzger ein bißchen Mettwurst gekauft, zur Brühe, die über’s Wochenende auf dem Herd steht. Kurz den Honighändler begrüßt. Menschen im Gespräch mit den Verkäufer_innen gesehen. Danach kurz zum Bioladen. Begrüßt worden – bißchen Gemüse für obige Brühe und nächste Woche. Katzenfutter für nächste Woche bestellt. Ein paar kurze Worte gewechselt. Kurz davor war ich im Shop von AFB24 in Ettlingen und hab mir 4 GB RAM für diesen alten PC geleistet. Freundliche Bedienung. Danke, bitte, schönes Wochenende. Wohltuend.

Die Diskrepanz zu dem, was man gewöhnlicherweise sonst noch so erlebt, ist eklatant. Empört hatte mich diese Woche schon dieser Artikel bei Spiegel Online  über das Buch eines CallCenter-Mitarbeiters, der wohl irgendwo im IT-Support gearbeitet hatte. Wer kennt es nicht: man ruft bei einer Hotline an, die Mitarbeiter_innen haben offenbar keine Lust, der Wille zu helfen ist nicht sonderlich ausgepägt. Ideen über Standardverfahren hinaus sind selten. Oft braucht es drei bis vier Anrufe, bis das Problem gelöst ist.

Der junge Mann, der meinte aufzeigen zu müssen, was für ein mieses Verhältnis zu Arbeit mit Kunden er hat, beschreibt das so:

Wenn also wieder einer dieser Honks anruft und sagt, sein Passwort sei kaputt, ob sich das wieder richten ließe, sitzt Andreas Seifeld augenrollend an seinem Callcenter-Tisch und denkt: „Klar, das alte ist kaputt. Muss wohl der Keilriemen defekt sein, vielleicht auch der Anlasser.“

Da fängt man zu ahnen, warum man so mies behandelt wird: das Gegenüber hält mich für einen „Honk“. Mein Wechsel zur Telekom von 1 & 1 hat sage und schreibe 2 Monate länger gedauert, als gedacht. Helfen konnte man mir auch bei der Telekom überwiegend nicht – auch wenn der Versuch, mit @Telekom_hilft eine Abteilung zu betreiben, die abseits der routinierten Gespräche hilft, Probleme zu lösen, nicht schlecht ist. Nur: die Ausführung bleibt schlecht, weil der Tanker Telekom viel zu unbeweglich ist. Die Telekom hat eine Abteilung geschaffen, deren Mitarbeiter_innen zwar in der Lage sind, einem ein besseres Gefühl beim telefonieren zu geben – aber offenbar haben sie keine erweterete Handlungsvollmacht, um das Problem besser zu lösen. Meines war übrigens profan: ich hatte selbst gekündigt bei 1&1. Das geht gar nicht – da hat der neue Provider keine Kontrolle über das was mit der alten Nummer passiert. Die Telekom regt sich scheinbar erst kurz vor dem Kündigungstermin, 1&1 gibt die Nummer schon drei Wochen vor dem Kündigungstermin an die Regulierungsbehörde zurück – der Leidtragende ist der Kunde, der noch in der Lage ist, selbst eine Kündigung zu schreiben. Das man nicht selbst kündigen soll, erfährt man nicht bei Neuabschluss des Vertrags – sondern erst nach Zusendung der Auftragsbestätigung. Da haben viele es schon selbst getan. Achso: gekündigt hab ich bei 1&1 wweilich am Telefon unfreundlich behandelt wurde. Ein Jahr zuvor habe ich bei O2 nach 14 Jahren Kunde sein gekündigt – weil man mich am Telefon beschimpft(!) hat, bei einer Problemstellung, deren Verantwortung alleine bei O2 bzw. HTC lag. Ich saß schon im Callcenter – ich weiß, wie es anders geht.

Donnerstag war ich bei unserer Postfiliale – ein Einschreiben abholen. Ich stand vor der Tür und die ging nicht auf. Warum war nicht ersichtlich, es war kein Hinweis angebracht – ich war innerhalb der Öffnungszeiten da. Eine Frau kam raus – die Tür öffnete sich, ich ging rein. Sofort wurde ich in einem Ton angefahren, dass man gerade keine Kunden bedienen können, weil der Scanner gewartet werden müsse. Der Servicetechniker stand daneben, auf meinen Einwand, dass ich nicht noch mal durch’s halbe Dorf fahren würde, weil das ja auch Geld kostete, nur, er wäre teurer – und wenn ja gar nichts mehr ginge, dann müste ich ja auch wiederkommen. Keiner der beiden hat auch nur eine Sekunde daran gedacht, sich zu entschuldigen, zu fragen, ob ich wiederkommen könne, weil gerade etwas kaputt gegangen sei oder sonst irgend etwas in der Richtung. Es wäre einfach gewesen, mich nicht aufzubringen, hätte man auch nur ansatzweise Ahnung, wie man mit einem Kunden umgeht.

Ich habe mal Einzelhandelskaufmann im Lebensmitteleinzelhandel gelernt. Zu Zeiten, als man Gemüse, Fleisch und Wurst noch wog. Zu Zeiten, in denen man „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ zu Kunden sagte. Stolz darauf war, wenn Kunden einen wieder erkannten, einen lobten, mit einem sprachen. Verkäufer sollten so und ähnlich sein, wie sie uns in der Edekawerbung präsentiert werden. Fachlich, freundlich, kompetent. Kulanz ist nicht nur ein Fremdwort, es ist undenkbar. Das trifft man viel zu selten. Das große Problem ist dabei, dass Menschen oft mit ihren Problemen alleine bleiben, keine Lösung finden und lieber dann Geld bei einem anderen Fachmann ausgeben. So wie viele Menschen meinen, sie wüssten,wie gute Schule geht, weil sie ja selbst Schüler_innen waren – so glauben viele Menschen, sie könnten verkaufen, weil sie ja selbst Kunden sind. Zum Verkauf gehört aber mehr als das. Kunden sind oft anstrengend, schlecht gelaunt, überfordert, ärgerlich, weil sie Hilfe benötigen. Dem kann man nicht mit Arroganz (Honk) entgegen treten. Kann man schon, sollte aber nicht. Sondern mit Verständnis und Freundlichkeit. Mit einem Lächeln auch das 10. Paar Schuhe anprobieren lassen. Freundlich auf den Wunsch nach der Erklärung für das 5. Smartphone reagieren.

Es mag stimmen, das Verkäufer_innen, Servicekräfte und CallAgents schlecht bezahlt würden – je nach Unternehmen. Das ist das eine Problem. Das man bspw. mit einem Mindestlohn lösen kann. Nichtsdestotrotz muss man das nicht am Kunden auslassen. Der kann am wenigsten dafür.

Ähnliches gilt übrigens für alles, was irgendwie mit Software zu tun hat. Wie oft sitzt man vor dem REchner und ist schlicht ohnmächtig, weil man die Software nciht aktivieren kann(Microsoft), die WEbsite nciht weiter hilft, die Treiber für den 3 Jahre alten Rechner nicht zu finden sind, das Smartphone kein Update bekommt – oder dieser bescheuerte Zugbegleiter, der findet, ein laminierter Behindertenausweis sie unerlaubt verändert und damit nicht gültig……..das kann alles nur von Menschen veranlasst werden, die keine Ahnung haben, wie man mit Kunden umgeht.

Netze verstaatlichen

Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post, Straßen, Flüsse und Eisenbahnen werden zum Transport vn Energie, Waren oder Daten genutzt. Sie sind Teil der öffentlichen verfügbaren Infrastruktur – und leider nicht ausschließilich in öffentlicher Hand.

Doch genau diese Netze sind mit Steuergeldern aufgebaut worden, irgendwann privatisiert worden – und diese Privatisierung sorgt heute dafür, dass diese Netze aus Profitgründen nicht so ausgebaut werden, wie es notwendig ist. Lediglich Straßen und Flüsse sind heute noch öffentliche Güter, aber es gibt heute schon die Möglichkeit, Straßen oder Teilstrecken mittels des Fernstraßenbauprivatfinanzierungsgesetz in mautpflichtige Privatstraßen umzuwandeln – was in wenigen Fällen schon passiert ist. Hier geht es darum, die Strecke mittels Maut zu refinanzieren. Privatisierte Wasserstraßen sind mir nicht bekannt, aber auch hier bestünde die Möglichkeit, Schiffbarkeit oder Nutzung – zur Energiegewinnung bspw. – zu privatisieren und nciht nur zur Nutzung zu überlassen.

An den Beispielen Bahn, Telekommunikation oder Energie wird allerdings in diesen Tagen deutlich, wie fatal es ist, wenn ausgerechnet die Netze, die für alle Bürger_innen gleich nutzbar sein sollten, Unternehmen, die der Gewinnmaximierung unterworfen sind, überlassen werden.

Strom- und Gasnetze sind in der Hand der großen Energieversorger, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Politisch haben die großen Energieversorger und Netzeigentümer lange auf die Atomkraft gesetzt und den Ausbau erneuerbarer Energien blockiert. Das Netz ist nicht wirklich darauf eingerichtet, Stromschwankungen, wie sie durch den breiten Einsatz – vom ausschließlichen wage ich gar nicht zu reden – von erneuerbaren Energien auftreten, auszugleichen. Anstatt Gelder in die Netze zu investieren, wurden hohe Renditen an die Aktionäre ausgeschüttet, horrende Managergehälter bezahlt, sinnlose Kohlekraftwerke gebaut. Heute können wir teilweise Windenergie nicht einspeisen, weil die Netzkapazität nicht vorhanden ist.

Die Probleme der Bahn, nicht nur mit Klimaanlagen, sondern auch mit Streckenstillegungen, Fahrplandichte und so wieter sind ebenfalls bekannt. Wenn ich nachts an meinen kleinen Ort – immerhin knapp 14.000 Einwohner – heimkehren möchte, brauche ich nach 0:21 Uhr ein Taxi.

Das Telekommunikationsnetz, von der Deutschen Post mit Steuergeldern eingerichtet, wurde der Deutschen Telekom für eine symbolische Mark überlassen. In den folgenden Jahren erfolgte der notwendige Netzausbau solange gut, wie keine besonderen Anforderungen an dieses Netz gestellt wurden. Zunächst mit der Wiedervereinigung, danach mit dem ISDN, Glasfaser – und heute Breitbandausbau zeigt sich, dass das private Unternehmen Telekom – in dem Fall noch dazu ein eigens gegründetes  Tochterunternehmen – nciht in der Lage ist, das Netz so auszubauen, dass für alle Bürger_innen ein gleichberechtigter Zugang zum Telekommunikationsnetz gegeben ist. In ländlichen Regionen ist es teilweise weder für Bürger_innen noch für Unternehmen möglich, einen schnellen Internetzugang zu nutzen.

Gleiches gilt für die mit viel Tamtam versteigerten Funklizenzen und dem Ausbau der Mobilfunknetze. Weder E-Plus noch Telefonica (O2) sind offenbar in der Lage, ihre Netze angemessen auszubauen. Von einem flächendeckenden Datennetz ganz zu schweigen und selbst in der Bahn ist in Zusammenarbeit mit der Telekom nur in 69 ICE-Zügen und auf rund 1500 Kilometer des ICE-Netzes WLAN Hotspots zur Verfügung. Die Qualität mittels alternativem UMTS lässt stark zu wünschen übrig.

Private Unternehmen sind nicht willens, die notwendige Infrastruktur zu erhalten und auszubauen. Daher gibt es nur eine Lösung: alle Netze müssen zurück in staatliche Hand. Netzneutralität für alle Netze muss ins Grundgesetz geschrieben werden. Private Unternehmen dürfen diese Netze höchstens nutzen, um Wettbewerb entstehen zu lassen. Dabei müssen gleichzeitig Kriterien erfüllt werden, die nicht nur faire Preise, sondern auch soziale Dimensionen bspw. in der Art, wie diese Unternehmen Menschen beschäftigen, haben müssen. Die Nutzung der Netze ist zu bezahlen, Zugang muss für jedes Unternehmen als Provider möglich sein, Netzzugang ist Teil der öffentlichen Daseinsfürsorge und muss auch für sozial Benachteiligte angemessen möglich sein. Parallele Infrastrukturen wie freie Netze im Kommunikationsbereich sollen aber weiterhin erlaubt bleiben.

Ich würde mich über eine rege Diskussion freuen, denn ich plane, einen entsprechenden Antrag – natürlich fachlich detailierter – fürs grüne Wahlprogramm zu formulieren.