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unitymedia und der Datenschutz

Anfang Januar erhielt ich Post von Unitymedia. Enthalten: eine Rechnung an meinen Vater, der in Ettlingen wohnt, verbunden mit meiner Adresse.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich rief beim Kundenservice an, wollte wissen, wie sie an meine Adresse gekommen sind. Wir selbst haben kein Unitymedia, sind Telekomkunden, auch mit dem Fernsehen.

Die Auskunft: man weiß nicht, wie es dazu gekommen, er behebt das sofort und obwohl ich die Antwort unbefriedigend fand, dachte ich: naja, wenn’s behoben ist, ist’s behoben und gut.

Im Februar: erneut eine Rechnung. ERneuter Anruf, dieselbe Auskunft. Auf das zugesicherte Schreiben, dass die Behebung des Missstandes schriftlich bestätigt, warte ich bis heute.

Jetzt im März: wieder dasselbe. Nur: interessanterweise kam zeitgleich mit der Rechnung von unitymedia ein Werbebrief von Apollo mit der falschen Kombination von Name und Adresse. Ich kenne meinen Vater, er hat sicherlich bei Vertragsabschluss nie der Weitergabe seiner Daten zugestimmt.  Ich glaub, als er damals Kabelfernsehen bestellt hat, gab’s diese Klausel in den Verträgen noch gar nicht….

 

 

 

 

 

 

 

Ein erneuter Anruf brachte keine Erfolg. Man hat niemanden im Haus, der auch nur die Frage beantworten könnte, wie denn diese Datenzusammenführung zustande gekommen ist. Man gibt sich zugeknöpft, offensichtlich ist es egal, wohin man die Rechnungen schickt.  Nun, ich denke, mein Vater wird demnächst der Abbuchung widersprechen. Und dass unitymedia Daten weitergibt, ohne dazu die Erlaubnis zu haben – nun, das ist darüber hinaus nicht so schön.

 

 

Esst das!

Biolebensmittel sind nicht billig. Aber oft preisgünstig. Discounter-Massenware dagegen billig. Bei LIDL gibts aktuell Schweine- oder Putenfleisch für 2,39 die Packung – das Kilo 3,42 € oder 6,29 €. Milch für 49 Cent. Völlig utopisch. Und nur denkbar mit Massentierhaltung.

Eine Massentierhaltung,die die Verbraucher_innen eigentlich ablehnen. Und sie doch täglich kaufen. Weil sie billig sind. Weil, wie es Freund einmal formulierte, man für 50 € einen ganzen Wagen voll Ware bekommt. Dafür wird im Bioladen oftmals nur mein Einkaufskorb voll.

22.000 Menschen waren nach Medienberichten am 22. Januar in Berlin, um unter dem Motto „Wir haben es satt“ gegen die aktuelle Agrarpolitik zu demonstrieren. Nun, es ist zumindest mal neu, dass wegen „sowas“ so viele Menschen auf die Straße gehen. Aber erwarten wir tatsächlich, das sich etwas ändert?

Ich tue das nicht. Denn die Liste dessen, was wir uns als Verbraucher_innen zumuten, wird länger und länger. Obwohl jeder und jedem klar sein muss, dass hunderte und tausende zusammengepferchte Tiere nur mit immensen Mitteln an Medikamenten gesund erhalten werden können, sind wir doch immer wieder überrascht, wenn sie in den Lebensmitteln nachgewiesen werden. So, als ginge das Medikament durch Mund, Magen und Darm, verrichtete seine Arbeit und verlässt den Körper dann wieder. Eine naive Vorstellung – aber offenbar weit verbreitet. Aber nicht nur Medikamente, sondern auch Panschereien haben immer wieder von sich reden gemacht. Ich bin gelernter Lebensmitteleinzelhandelskaufmann – insofern habe ich da immer ein besonderes Interesse.

  • 1980 und 88 fand man Wachstumsöstrogene in Kalbfleisch.
    Wenig überraschend, wie ich finde. Schneller wachsende Tiere erhöhen den Umschlag im Stall. Bei Schweinen ist das ja ähnlich: „normalerweise“ werden Schweine im Alter von 6 Monaten geschlachtet. Man bringt sie dazu, in schon 4 Monaten schlachtreif zu sein. So bekommt man drei Generationen pro Jahr anstatt zwei. Umsatzsteigerung: 1/3.
  • 1985 (da begann meine Ausbildung) entdeckte man Glykol im Wein.
  • Ebenfalls 1985 fand man in Nudeln mit Kot verunreinigtes Flüssig-Ei. Dass der Flüssigeiskandal ein Politikum war, hing an der engen Verbindung des Nudelherstellers mit dem baden-württembergischen Ministerpräsdenten. Übrigens waren die Birkel-Nudeln damals recht beliebt – weil preisgünstig.
  • 1987 Seefische mit Nematoden befallen
  • Listeriosebakterien in Weichkäse und Pasteten – wie auch übrigens 2010
  • 1993: verdorbenes Fleisch durch fehlende Hygiene in Supermärkten
  • 1994: Lindan in Babyreis – besonders davon betroffen war der Billiganbieter Schlecker
  • 1996: die Öffentlichkeit erfährt von der Gefahr von BSE-Fleisch
  • 1996: Nikotinrückstände in Hühnerfleisch
  • 1996: „abgelaufenes“ Fleisch wird umdatiert.
  • 1997: wieder Würmer in Seefischen
  • 2001: der Schweinemast-Skandal: Hormone, Antibiotika und Impfstoffe wurden illegal an Schweinezuchtbetriebe verkauft
  • 2001: Schnitzel und Schinken (auch aus Schweinen) und Putenfleisch werden mit Wasser gestreckt. erlaubt ist das übrigens (deshalb wird das Fleisch in der Pfanne kleiner) bis zu 8%
  • 2001: asiatische Shrimps enthalten ein verbotenes Antibiotikum
  • 2001: Räucher- und Wildlachs wird mit zu langem MHD (Mindeshaltbarkeitsdatum) ausgezeichnet bzw. der lachs verdirbt vorzeitig.
    Sowas kann mehrere Gründe haben: entweder verlängert man z. B. das Datum über die Testergebnisse hinaus oder aber die Hygiene stimmt irhgendwo im Produktionszyklus nicht.
  • 2002: mit Antibiotika belastetes Fleisch aus Brasilien und Thailand taucht bei uns auf (wieso muss das denn imortiert werden- wir exportieren doch ebenfalls)
  • 2002: Nitrofen in Ökogetreide
    Das Getreide war in einer verseuchten Halle gelagert
  • 2002: Schweinfelsich mit synthetischen Hormonen im Handel
  • 2002: erneuter Nitrofuranfund in Fleisch
  • 2003: BSE zum x-ten Mal – noch immer wird Tiermehl an Rinder verfüttert, obwohl es seit 1996 verboten ist
  • 2004: MDH-überschrittenes fleisch gerät nach Umetikettierung erneut in den Handel
  • 2004: krebserregende Farbstoffe in Gewürzen
  • 2005: erneut: Umetikettierung – dieses Mal von Hackfleisch. Das ist besonders eklatant, da für Hackfleisch besondere Vorschriften bestehen
  • 2005: der berühmte Ekelfleischskandal: 390 t vergammeltes Fleisch gerät in den Handel
  • 2006: verfaultes Wildfleisch aus Bayern
  • 2006: Gammelfleisch in Döner
  • 2007: verdorbene Eier und Schweinsköpfe (stark stinkende, verschimmelte und vereiterte Schweineköpfe für die Wurstproduktion) wurden verarbeitet
  • 2009: erneut Gammelfleisch beschlagnahmt

Hinzu kommen immer wieder Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Obst und Gemüse, vor allem aus der Massenproduktion in Spanien und Holland. Das vor allem bei den Produkten, die außerhalb der Saison verkauft werden. Aber auch während der Saison finden sich vor allem immer wieder in Paprika oder Trauben Rückstände über die Grenzwerte hinaus. Und wenn Grenzwerte eingehalten werden, dann oft dadurch, dass verschiedene Wirkstofef eingesetzt werden. Da aber kein Gesamtgrenzwert gilt, kann man für jeden Wirkstoff den Grenzwert einhalten.

Die Liste ist natürlich nicht vollständig. Das ist das, was ich so innerhalb einer Stunde im Internet gefunden habe. Es sind immer wieder gleiche oder ähnlich gelagerte Vorfälle. Und allen gleich ist auch, dass jede_r der könnte, wüsste er oder sie es besser, diese Produkte nicht gegessen hätte. Und es sagt etwas über unsere Produktionsmethoden, wenn man vergammeltes Fleisch so ver“edeln“ kann, das man als Verbraucher das gar nicht mehr schmeckt.

Ich glaube nicht, dass sich etwas ändert. Ich glaube, dass die Menschen wissen, was los ist. Und ich glaube, bei den meisten Verbraucher_innen entscheidet letztendlich der Geldbeutel – und die Bequemlichkeit. Anders ist es kaum zu erklären, warum man zwischenzeitlich Pfannkuchenteig fertig kaufen kann – und da ist sicherlich auch Flüssigei drin. Und auch über die Massentierhaltung sind wir gut informiert -nicht erst seit „We feed the world“

Dieser Film über die Behandlung von Hühnern bei Wiesenhof. Wiesenhof, das ja auch Biogeflügel vertreibt. Wie sicher kann man sich da noch sein, das im Wiesenhof-Bio-Hähnchen auch ein Biohähnchen ist – nach all den Erfahrungen mit der Lebensmittelindustrie? Gar nicht.

Die Industrie handelt nach der Maxime: Esst das! – und denkt nicht nach. Und wenn ihr nachdenkt – denkt an den Preis. Wir Verbraucher_innen sind jetzt gefragt. Anders kann es keine Lösung geben.

Dazu gehört auch, das wir wieder lernen, Gerichte selbst herzustellen. Frikadellen kann man genauso selbst herstellen wie Pfannkuchenteig. Dazu gehört weniger Fleischkonsum. Dazu gehört, Fleisch nicht mehr da einzukaufen, wo es besonders billig ist. Nicht bei REWE, nicht bei LIDL, nicht bei ALDI. Das tut weh, ist anstrengend – aber es gibt andere Wege. ich kaufe größere Fleischpakete beim Hofladen meines Vertrauens und friere das Fleisch ein. Und habe so einen günstigeren Preis, als wenn ich alles einzel kaufen würde. Und das ist auch vermutlich der Weg zurück – auch wenn Frau Aigner das nicht so sieht: zurück zum Kauf beim Erzeuger – zumindest beim Fleisch. Wochenmärkte gibt es beinahe überall. Und Tiefkühltruhen und -schränke kann man sich auch kaufen. Und in der Gastronomie isst man dort, wo man weiß, was verarbeitet wird oder man isst vegetarisch. Das schlaueste, was ich gehört habe dazu diese Woche kam übrigens von Sarah Wiener: es muss in den Schulen kochen unterrichtet werden. Für alle. Damit unsere Kinder wieder lernen, wie man Speisen herstellt. Vom Pfannkuchen bis hin zum Rindersteakt, vom Blumenkohl bis zur Forelle.

Wer das nicht möchte, wer lieber weiterhin einfach und billig seine Lebensmittel kaufen möchte – nun, der muss das essen, was ihm oder ihr vorgesetzt wird. Und das auch weiterhin tun.  Dem sag ich schon jetzt: Guten Appetit.

Gentechnik im Essen

Eigentlich bin ich ein informierter Bürger. Vor allem die Vergiftung von Lebensmitteln durch konventionellen Anbau in der Landwirtschaft treibt mich seit Jahren um – kein Wunder, schließlich hab ich 1988 mal Einzelhandelskaufmann im Lebensmittelhandel gelernt. Und diesen Beruf immer geliebt. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sensibilisierte mich nicht nur für die offensichtlich nicht zu beherrschenden Risiken der Atomkraft, sondern gleichzeitig für das, was ich da täglich verkaufte, bewegte, bestellte, selbst aß. Ich stieß auf zwei Bücher: Gift-Grün von Kurt Langbein und Hans Weiss über die Verwendung chemischer Substanzen in der Landwirtschaft und Tierische Geschäfte über die Methoden im Fleischhandel. Als ich zum ersten Mal von genteschnischen veränderten Lebenmitteln hörte, war ich entsprechend sensibilisiert, informierte ich und fand da recht schnell zu einer ablehnenden Haltung – obwohl ich als bekennender Science-Fiction-Leser mit den Heilsversprechen solcher Techniken vertraut war. So einfach, wie es in Büchern steht, ist es ja meist nicht. Darüber hinaus gab es dann auch die Berichte über Organveränderungen oder weniger Nachkommen von mit GMO-Lebensmitteln gefütterten Tieren.

Und trotzdem bin ich wieder reingefallen. Meine Frau und mein 6-jähriger Sohn haben eine Lactose-Unverträglichkeit. Nun soll man dann ja Laktose meiden, kann aber das fehlende Enzym mittels Tabletten zu sich nehmen. Um sich aber relativ normal ernähren zu können, gibt es seit einiger Zeit lactosefreie Lebensmittel. Im kleinen Bioladen bei mir auf dem Dorf finde ich da nur Sojaprodukte – als mögliches Kreuzallergen auch nicht tägliche Wahl -oder höchstens mal lactosefreie Milch. Im konventionellen Supermarkt fanden sich aber die Minus-L Produkte von Omira. Wir kauften munter und ohne weiter nachzudenken – manchmal dauert es ne Weile. Dann stieß ich dieser Tage auf den aktuellen Greenpeace-Ratgeber (durch einen Twitter-Link) ‚Essen ohne Gentechnik‘. Und siehe da: auf Seite 13 (bzw. Seite 7 des PDFs) finde ich das zeugs, das ich täglich meinem kleinen Sohn gebe:

Minus L Unter dieser Marke verkauft die
Firma Omira lactosefreie Milchprodukte,
zugeschnitten auf gesundheitsbewuss-
te Verbraucher, die dafür entsprechend
zahlen. Im Tierfutter werden Gen-Pfl an-
zen eingesetzt. Omira weigert sich kate-
gorisch, dieses Problem mit Greenpeace
zu erörtern. Fazit: Ohne Lactose, aber
mit Gentechnik!

Also habe ich einen Karton gepackt, alle Minus-L-Produkte aus meinem Kühlschrank da rein gepackt und zur Post an Omira geschickt. Ein Brief dazu.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie ich dem aktuellen Greenpeace-Ratgeber „Gentechnik“ entnehmen kann, werden im Tierfutter für Ihre Milchprodukte Gen-Pflanzen eingesetzt. Sie weigern sich kategorisch, dieses Problem mit Greenpeace zu erörtern. Fazit: Ihre Produkte sind zwar ohne Lactose, dafür aber mit Gentechnik!

Da wir hier bisher seit der Diagnose vor rund einem Jahr unser Kind mit Ihren Produkten ernähren, sind wir natürlich entsetzt über diese Auskunft durch Greenpeace. Wir werden Ihre Produkte daher nicht mehr kaufen, sondern auf Alternativen wie Soja-Produkte aus dem Bioladen oder Breisgaumilch und andere ausweichen. Da wir bisher bei REWE und Real Ihre Produkte gekauft haben, werden wir diese natürlich über unseren Schritt informieren und auch im Internet und im regionalen Amtsblatt darauf aufmerksam machen.

Ich sende Ihnen die aktuell gekauften Restmengen an Produkten Ihrer Marke zurück. Geld zurück wollen wir dafür keines. Sollten Sie irgendwann einmal Ihre Produkte ohne Gentechnik im Futter erzeugen, dürfen Sie gerne eine Nachricht schicken.

Seitdem warte ich auf Reaktion. Bisher: keine. Von Laktolee, ein Online-Shop für lactosefreie Lebensmittel, bekam ich dagegen ziemlich schnell Auskunft darüber, welche der Produkte, die sie vertreiben, gentechnikfrei sind. Nachahmenswert. Und daher zukünftig meine Quelle, neben dem großen Biosupermarkt in Karlsruhe, bei dem ich dann ab und an nach Feierabend einkaufen gehen muss.