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Karneval in Malsch ist leider auch Verschwörungstheorie

Ich sag es nochmal vorweg und deutlich:

Der Karneval in Malsch ist nicht nur – aber darf auch Witze von einem, der islamophob, antisemitisch und rassistisch ist nutzen – und im aktuellen Fall eine politische Verschwörungshteorie beinhaltet. Und der Vorstand sieht keinen Grund zur Selbstkritik – sondern bleibt dabei: Witze dürfen von einem einschlägig bekannten islamophoben, antisemitischen und rassistischen Karikaturisten kommen.

Was ist geschehen?

In der Faschingszeit veröffentlicht die GroKaGe ihre Heft Pflugschar – in dem sie den Verein vorstellt, dazwischen Geschichten von und mit Malscher Bürger_innen veröffentlicht, die sie lustig finden (naja) und dort werden eine Reihe von Bilderwitzen veröffentlicht.

Darunter war in diesem Jahr einer, der es in sich hatte:

Auf dem Bild zu sehen: eine  Aussage des Karikaturisten Widenroth, der einschlägig als islamophob, antisemitisch und rassistisch bekannt ist, zum Klimawandel,.

Wie ich so bin, habe ich der GroKaGe eine Mail geschrieben und um eine Stellungnahme gebeten. Diese kam heute Nachmittag. Da sie in meinen Augen unzureichend ist, veröffentliche ich den kompletten Vorgang.

Ich schrieb mit Verteiler GroKaGe, örtliche Presse und Bürgermeister:

Offener Brief an die GroKaGe Malsch:

Werte Grokage Malsch, in der aktuellen „Pflugschar“ findet sich ein Bilderwitz, der an und für sich harmlos wäre – wäre da nicht die in deutschen Farben eingefärbte Lügennase mit dem fiktiven Ministerium für Umweltwahrheit. Die Anspielung ist natürlich auf „1984“ gemünzt und dem Ministerium für Wahrheit, dass mit „Neusprech“ die Bürger des fiktiven Staates „Ozeanien“ manipuliert.

Impliziert wird mit der Veröffentlichung dieser Karikatur, dass der menschengemachte Klimawandel nicht stattfände und wir alle manipuliert würden – schließlich wäre es ja weiterhin sehr kalt. Alleine dieser Winter zeigt, dass dem nicht so ist.

Aber davon abgesehen, bedient die Grokage damit einen Narrativ, wie er auch in der rechtspopulistischen Szene bedient wird. Folgerichtig findet man diese Karikatur auch z. B. auf der Seite des EIKE-Instituts, einer Vereinigung, die den Klimawandel leugnet und die mindestens AfD-nah ist (AfD-Vertreter im Vorstand). Und auch der indirekt erhobene Vorwurf, beim menschengemachten Klimawandel handele es sich um eine Lüge, findet man vor allem in diesen Kreisen. So lancieren Sie ein rechte Verschwörungstheorie. Wohin uns rechte Verschwörungstheorien führen, hat uns uns der Schmutzige Donnerstag in Hanau gezeigt.

Der Karikaturist Wiedenroth, von dem diese Karikatur stammt, ist bekannt dafür,dass viele seiner Werke von Kritikern etwa als islamophob, antisemitisch und rassistisch angesehen werden. Ich habe an die GroKaGe Malsch keinesfalls den Anspruch einer Endredaktion wie es eine Zeitung oder ein Magazin hätte. Aber ein wenig Recherche über das, was man veröffentlicht, hielte ich schon für selbstverständlich. Wiedenroth ist einschlägig bekannt als Haus- und Hofkarrikaturist der Rechten. An der Flensburger Hochschule wurde eine Ausstellung des Karikaturisten abgesagt mit folgender Begründung: Die Flensburger Hochschule begründete ihre Absage der Ausstellung, zu der auch eine einstündige Veranstaltung zum Thema „Politische Karikatur“ geplant war, in einer Stellungnahme gegenüber shz.de: „Die für den 16. Mai angekündigte einwöchige Ausstellung des Karikaturisten Götz Wiedenroth im Modul 1 der Europa-Universität Flensburg wird nicht stattfinden. An der Europa-Universität, die sich in ihrem Leitbild auf „Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Vielfalt“ verpflichtet hat, gibt es keinen Raum für antisemitische, fremden-, frauen- und islamfeindliche Inhalte. Die Karikaturen von Götz Wiedenroth machen sich für Positionen stark, die an der EUF keine Heimat haben; die Universität ist nicht bereit, diese Positionen durch eine Ausstellung zu unterstützen.“ – Quelle: <https://www.shz.de/16715226> https://www.shz.de/16715226 ©2020 Seine Reaktion darauf, die Sie auch im Internet finden, spricht eindeutig die Sprache der Neuen Rechten.

Angesichts Ihrer großen Jugendarbeit ist die Verbreitung von rechten Verschwörungstheorien durch Sie sehr bedenklich.

Ich bitte Sie um eine Stellungnahme.

Die Reaktion darauf:

Helau Herr Rupp,

es freut uns, dass Sie unsere Narrenzeitschrift lesen. Der Sinn und Zweck unserer Narrenzeitschrift „Die Pflugschar“ ist es, einmal im Jahr mit lustigen Geschichten aus dem Ortsgeschehen für Kurzweil bei den Lesern zu sorgen. Zusätzlich stellen wir alle unsere Aktiven vor. Wie Sie richtig erkannt haben, handelt es sich um einen „Bilderwitz“. Es ist ein Lückenfüller, kein politisches Statement!

Mit närrischen Grüßen und 3 x Helau Große Karnevalsgesellschaft Malsch e. V.

Da kann man nur fragen: wenn dies „Humor“ in den Augen der GrokaGe ist – wer hat ihn lanciert und eingebracht und warum ist man nicht in der Lage, in einer einfachen Reaktion zu sagen: tut uns leid, da ist uns was passiert?  Und mit welchen Inhalten und „Humor“ werden die Kinder aus Malsch sonst noch konfrontiert, wenn sie dorthin gehen?

Mit Humor hat dies alles nichts zu tun, mit Karneval schon gar nicht. In Malsch ist man offensichtlich bereit,  die Positionen –  in diesem Fall die einer Verschwörung der Bundesregierung gegen die Bürger_innen – , für die sich Wiedenroth stark macht, durch eine Veröffentlichung zu unterstützen. Und das ist ja auch ein Statement.