Verpasste Chancen

Es ist wenige Wochen her, da gab es in Karlsruhe und der Region heftige Auseinandersetzungen um die Durchführung der Intel Friday Night Games – IFNG bzw. generell um das Spielen sogeannter „Killer“spiele. Unrühmlicher Höhepunkt war das Verbot der Convention XTreme in Karlsdorf-Neuthard durch den dortigen Bürgermeister. Diese Debatte hat viele Jugendliche und junge Erwachsene (und auch älter, die spielen) politisiert, in Karlsruhe fanden dazu 2 Demonstrationen sowie eine Diskussionveranstaltung im JUBEZ statt. Zwischenzeitlich haben sich die Leute auch organisiert und einen Verband gegründet, dem ich sofort beigetreten bin. Nur ein starker Verband wird ihnen auch Gehör verleihen.

Über das Wochenende findet nun in Oberderdingen wieder eine LAN-Party statt. Ich wollte zu der angekündigten Diskussionsveranstaltung gestern um 18:00 Uhr gehen – und musste leider feststellen, dass ich der einzige anwesende Gast war. Schade drum, Gamer, das hätte ein bißchen besser organisiert werden können – aber sei’s drum. Trotzdem enttäuschend: außer den Großeltern eines der Gamer und mir hat sich wohl so gut wie niemand eingefunden. Vor allem die Kritiker dieser Spiele hätten doch vor Ort sein können – wenn ihnen dieses Thema doch so wichtig ist, dass sie solche Spiele gar verbieten möchten. So wurde eine Chance vertan – zur Information, zur Kommunikation und zum besseren gegenseitigen Verständnis. Vielleicht hat auch der Austragungsort beigetragen – aber immerhin über 300 Gamer haben den Weg auch gefunden, da hätten sich zu einem festen Termin auch ein paar Kritiker einfinden können. Interessant auch: um 18:00 Uhr war von der Presse niemand anwesend….

LAN-in Oberderdingen

LAN-in Oberderdingen

Zur nächsten Diskussionveranstaltung komme ich dann aber gerne wieder – schließlich fordere ich solche Debatten im Rahmen der LANs schon länger. Dem Verband wäre an die Hand zu geben, eine solche Debatte zu organisieren und entsprechend Menschen einzuladen. Die Presse wäre aufzufordern, an einem solchen Termin anwesend zu sein – und dann auch mal über das Desinteresse über tagesaktuelle, populistische Forderungen nach Verboten hinaus zu informieren. Und den Kritikern sei gesagt: macht Euch schlau, geht dahin, redet mit den Leuten. Für mich bleibt es dabei: ich mag solche Spiele nicht – aber ich mag auch keine Sushi. Verbieten würde ich sie trotzdem nicht wollen.

Randnotiz: am gestrigen Samstag kamen laut taz-Angaben ca. 15.000 Menschen zu einer Großdemonstration gegen die Einschränkungen im Datenschutz. Am Rande dieser Veranstaltung kam es wohl erneut zu Übergriffen seitens der Polizei. Polizei-Übergriffe bei der Demo \“Freiheit statt Angst\“

Ich frage mich: was ist los in diesem Land, dass wir in letzter Zeit wieder andauernd von gewalttätigen Übergriffen der Polizei lesen müssen? Dazu gehört die unverhältnismäßige Reaktion auf den Flashmob gegen den Bundeswehrtruck in Karlsruhe als ein im Vergleich harmloses Beispiel, das aber zeigt, wie Polizisten auf Kritik reagieren, der Vorfall in Morsleben, wesentlich ernster oder gestern die Attacke gegen einen harmlosen Demonstranten. Hierzu auch dieser gelungene Kommentar, der Bezüge zu weiteren Polizeieinsätzen herstellt. Hier der Bericht des Mitglieds der Piratenpartei Markus, der wegen eines harmlosen Vorkommnisses den rollenden und durch nichts aufzuhaltenden Polizeiapparat zu spüren bekam – gruselig.

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3 Gedanken zu „Verpasste Chancen

  1. Pingback: Stigma Videospiele » Blog Archive » LAN-Party bei Karlsruhe

  2. Peter Such

    Hallo Herr Rupp,
    haben Sie heute 14.9.09 schon den BNN Artikel und speziell die Anmerkung des stellvertredenden Chefredakteurs gelesen? Südwestecho Seite 6 „Amokläufer soll Munition mit dem Vater gekauft haben“. Die Anmerkung liest sich wie eine Stammtischparole.
    Gruss
    Peter Such

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    1. joerg

      Hallo Herr Such,
      hab ich gelesen. Hmm, der Ermittlungsstand scheint so zu sein, dass der Junge die Spiele zum Trainieren genutzt hat. Muss man einfach mal so zur Kenntnis nehmen. Daruas aber ein „da hat Karlsruhe nochmal glück gehabt, dass die INFG abgesagt wurde“ zu machen, ist ganz schön dreist und äußerst demagogisch. Ich denke, in der Familie sind einige fehler gemacht worden – anstatt sich richtige Hilfe zu holen. Und Waffennarren sind in meinen Augen eh nur beschränkt zurechnungsfähig.

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